Erneuerbare Energien im Altbau. Alle Infos zum EWärmeG in BW.

Veröffentlicht von Stefan Tiesmeyer am

Das Erneu­er­ba­re-Wär­me-Gesetz in Baden-Würt­tem­berg ver­pflich­tet zum Hei­zen mit Erneuer­baren Ener­gi­en oder zum Ein­spa­ren von Ener­gie durch umge­setz­te Sanierungs­maßnahmen – jedoch erst nach einem Hei­zungs­tausch.

Warum gibt es das Wärmegesetz für Erneuerbare Energien in Baden-Württemberg?

Das Klimaschutz­gesetz in Baden-Würt­tem­berg von 2013 legt ver­bind­li­che Zie­le zur Redu­zie­rung der Trei­b­haus­gas-Emis­sio­nen fest. Danach ist der CO2-Aus­stoß des Lan­des bis 2020 um min­des­tens 25 % und bis 2050 um 90 % zu sen­ken.

Die Wärme­versorgung von Gebäu­den, also der benö­tig­te Energie­verbrauch für Hei­zen und Warm­wasser­bereitung, ver­ur­sacht rund ¼ der CO2-Emis­sio­nen in Baden-Würt­tem­berg. 90 % davon ent­fal­len auf bestehen­de Gebäu­de. Das Einspar­potential von CO2-Emis­sio­nen ist in die­sem Bereich enorm. Um eine mög­lichst hohe CO2-Reduk­ti­on zu errei­chen, sind zwei Stra­te­gien sinn­voll: Einer­seits kann der End­energie­verbrauch durch Verhaltens­änderung und tech­ni­sche Maß­nah­men wie bspw. der Sanie­rung gesenkt wer­den und ande­rer­seits kön­nen Erneu­er­ba­re Ener­gi­en zur Wärme­versorgung genutzt wer­den. Bis 2020 soll ihr Anteil von bis­her 8 auf 16 % gestei­gert wer­den.

Das Erneu­er­ba­re-Wär­me-Gesetz in BW setzt als Energie­gesetz aus Baden-Würt­tem­berg genau an die­ser Stel­le an und stellt sicher, dass auch Alt­bau­ten so effi­zi­ent wie mög­lich wärme­versorgt wer­den, um ihren CO2-Aus­stoß zu sen­ken. Das Erneu­er­ba­re-Wär­me­ge­setz für Alt­bau­ten ist zum 1. Janu­ar 2008 in Kraft getre­ten und gilt ab dem 1. Janu­ar 2010.

Was ist das E‑Wärme-Gesetz in BW?

Das E‑Wärme­gesetz schreibt in Baden-Würt­tem­berg vor, die Wärme­versorgung von Bestands­gebäuden zu einem gewis­sen Anteil mit Erneuer­baren Ener­gi­en abzu­de­cken. Nach der ers­ten Ver­si­on, das EWär­me­Ge­setz BW aus 2008, müs­sen Alt­bau­ten, die vor dem 1. April 2008 errich­tet wur­den bzw. deren Bau­antrag bis dahin ein­ge­reicht wur­de, 10 % ihres Wärme­bedarfs durch Erneuer­bare Ener­gi­en decken, sobald wesent­li­che Kompo­nenten einer zen­tra­len Hei­zungs­an­la­ge bis zum 30. Juni 2015 aus­ge­tauscht wur­den. Damit ist in ers­ter Linie der Aus­tausch des Heiz­kessels gemeint. Auch wenn eine zen­tra­le Heiz­anlage erst­ma­lig ein­ge­baut wird, gilt die­se Rege­lung. Beim Aus­tausch von Etagen­heizungen ist kei­ne Ände­rung nötig, es sein denn, alle Etagen­heizungen wer­den ins­ge­samt durch eine Zen­tral­hei­zung ersetzt.

Das Wär­me­ge­setz wur­de novel­liert und fin­det seit dem 1. Juli 2015 als EWär­me­Ge­setz 2015 Anwen­dung. Danach müs­sen statt wie bis­her 10 nun 15 % des Wärme­bedarfs durch Erneuer­bare Ener­gi­en gedeckt wer­den. Die­se geän­der­te Fas­sung gilt für Gebäu­de, die vor dem 1. Janu­ar 2009 in Baden-Würt­tem­berg errich­tet wor­den sind und bei denen ab dem 1. Juli 2015 die Hei­zungs­an­la­ge aus­ge­tauscht wird.

Außer­dem fal­len auch Nicht-Wohn­ge­bäu­de wie Ver­wal­tungs- und Büro­ge­bäu­de, Hotels, Schu­len und ande­re öffent­liche Gebäu­de, die nicht zum Woh­nen die­nen, in den Bereich des neu­en Erneuer­bare Wärme­gesetzes 2015. Prin­zi­pi­ell unter­scheidet es bei den Vor­ga­ben zwi­schen Wohn- und Nicht-Wohn­ge­bäu­den. Gemischt genutz­te Gebäu­de wer­den als die Gebäu­de­art behan­delt, für die sie flächen­anteilig stär­ker genutzt wer­den. So gilt ein Alt­bau als Wohn­gebäude, wenn mehr als 50 % sei­ner Flä­che als Wohn­raum genutzt wird.

Die Erfüllungs­möglichkeiten sind in der neu­en Fas­sung des E‑Wärme­gesetzes BW um die Erstel­lung eines Sanierungs­fahrplans ergänzt wor­den. Außer­dem kön­nen die ver­schie­de­nen Optio­nen nun größ­ten­teils mit­ein­an­der kom­bi­niert wer­den, so dass auch ver­schiedene Maß­nahmen­pakete zur Erfül­lung der erfor­der­li­chen 15 % mög­lich sind.

Eine ein­fa­che und kos­ten­güns­ti­ge Erfül­lungs­op­ti­on ist Bio­gas in Kom­bi­na­ti­on mit der Erstel­lung eines Sanie­rungs­fahr­plans.

Das Erneuerbare Wärme Gesetz für Altbauten richtig erfüllen – Praktische Hinweise

Sie haben nach der Inbetrieb­nahme des neu­en Heiz­kes­sels maxi­mal 18 Mona­te Zeit, die Erfül­lung des Geset­zes nach­zu­weisen. Für die Über­prüfung der Ein­haltung des Erneu­er­ba­re Wär­me Geset­zes in Baden-Wür­te­m­berg sind die unte­ren Bau­rechts­behörden zustän­dig, im Regel­fall also das ört­li­che Bau­amt.

Um kor­rekt nach­zu­wei­sen, dass Sie das Erneu­er­ba­re Wär­me Gesetz BW 2015 erfüllt haben, müs­sen Sie das Nach­weis­for­mu­lar ein­rei­chen – jeweils für die gewähl­te Erfüllungs­option bzw. Kom­bi­na­ti­on. Auch die beauf­trag­ten Hand­wer­ker, die ent­sprechende Maß­nah­men vor­ge­nommen haben oder Ihr Schorn­stein­feger müs­sen die­se For­mu­la­re aus­fül­len. Das zu Ihrer Erfüllungs­option pas­sen­de Deck­blatt fül­len Sie selbst aus.

Wird im bundesweiten Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz bald auch der Altbau geregelt?

Die Wärme­ver­sorgung von Neu­bau­ten wird bundes­weit durch meh­re­re Geset­ze gere­gelt, u. a. durch das Erneu­er­ba­re-Ener­gi­en-Wär­me-Gesetz (EEWär­meG). Die­ses gilt jedoch nicht für Gebäu­de im Bestand – eine ent­spre­chen­de Recht­sprechung bleibt den ein­zel­nen Bundes­ländern über­las­sen. Bis­her ist Baden-Würt­tem­berg jedoch das ein­zi­ge Bundes­land mit einer gesetz­lichen Rege­lung. Mit dem EWär­me­Ge­setz BW für Alt­bau­ten wird Baden-Würt­tem­berg nicht nur sei­ner Ver­antwortung für bes­se­re Kli­ma­schutz­maß­nah­men gerecht, son­dern nimmt auch eine wich­ti­ge Vor­reiter­rolle in Deutsch­land ein.

Um auch den Alt­bau­be­stand bun­des­weit zu regeln, hat die Bun­des­tags­frak­ti­on Bünd­nis 90/Die Grü­nen Ende 2015 einen Ent­wurf zur Ände­rung des EEWär­meG in den Aus­schuss für Wirt­schaft und Ener­gie des Bun­des­tags ein­ge­bracht. Der Vor­schlag wur­de Ende April von den Regierungs­fraktionen CDU/CSU und SPD abge­lehnt. Die Frak­tio­nen der Grü­nen und der Lin­ken stimm­ten dafür. Die Ände­rung ori­en­tiert sich am Wärme­gesetz aus Baden Würt­tem­berg und sieht vor, dass auch Alt­bau­ten bundes­weit das Erneuer­bare Ener­gi­en Wär­me­ge­setz erfül­len müs­sen, wenn eine neue Heiz­anlage ein­ge­baut wird. Es wur­de in Ana­lo­gie zum baden-würt­tem­ber­gi­schen Wär­me­ge­setz ein Anteil an Erneu­er­ba­ren Ener­gi­en in Höhe von 15 % vor­ge­schla­gen.

Trotz Ableh­nung der Gesetzes­änderung will die SPD die Wärme­wende im Gebäude­bestand voran­treiben. Sie kün­dig­te einen eige­nen Ent­wurf der Koali­ti­on an. Die CDU/C­SU-Frak­ti­on hin­ge­gen betont die bestehen­den frei­wil­li­gen Maß­nah­men.

Info: Es gibt in Deutsch­land eine Viel­zahl von Geset­zen zur Wärme­wende. Häu­fig wer­den die­se mit dem Erneu­er­ba­re Ener­gi­en Gesetz (EEG) ver­wech­selt. Das EEG ist jedoch kein Wärme­gesetz, son­dern regelt in ers­ter Linie die Sub­ven­tio­nen der Erneuer­baren Strom­pro­duk­ti­on.

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