Zentral- oder Etagenheizung

Veröffentlicht von Christoph Grotehöfer am

Stutt­gart, 37° C. Wer denkt da an einen Heizungs­tausch? Nie­mand, soll­te man den­ken. Aber Fakt ist: Vie­le Deut­sche wech­seln ihre Hei­zung tat­säch­lich im Som­mer. War­um? Ganz ein­fach: Gera­de jetzt macht es Sinn sich über eine neue Hei­zung Gedan­ken zu machen. Zum einen hat man genü­gend Zeit, sich um die doch recht auf­wän­di­ge Suche nach einem Hei­zungs­bau­er sei­nes Ver­trau­ens zu machen. Und zum ande­ren kann die Hei­zung im Som­mer ja ger­ne mal für ein paar Wochen nicht funk­ti­ons­tüch­tig sein.

Bei die­sen schweiß­trei­benen Tem­pe­ra­tu­ren stel­len sich also vie­le Sanie­rungs­tüch­ti­ge die Fra­ge, ob der Aus­tausch einer Eta­gen­hei­zung zur Erfül­lung des EWär­meG ver­pflich­tet. Die­ser Fra­ge möch­ten wir in die­sem Blog­ar­ti­kel auf den Grund gehen. Dafür wer­fen wir zuerst ein­mal einen Blick ins Gesetz­buch:

§ 3 Nr. 1 Satz 1: Heiz­an­la­ge ist eine Anla­ge zur zen­tra­len Erzeu­gung über­wie­gend von Raum­wär­me oder Raum­wär­me und Warm­was­ser. …

§ 3 Nr. 2 Satz 1: Der Aus­tausch einer Heiz­an­la­ge liegt vor, wenn der Kes­sel oder ein ande­rer zen­tra­ler Wär­me­er­zeu­ger aus­ge­tauscht wird. …

§ 3 Nr. 3: Ein nach­träg­li­cher Ein­bau einer Heiz­an­la­ge liegt vor, wenn in ein bis­her nicht zen­tral beheiz­tes Gebäu­de eine Hei­zungs­an­la­ge ein­ge­baut wird.

EWär­meG 2015

Hier­aus geht ganz klar her­vor, dass nur der Aus­tausch bzw. der Ein­bau einer zen­tra­len Hei­zung zum Erfül­len des EWär­meG ver­pflich­tet. Eine Eta­gen­hei­zung ist somit vom Ein­satz Erneu­er­ba­rer Ener­gi­en befreit.

Und war­um ist das so?
Han­delt es sich zum Bei­spiel um Woh­nungs­ei­gen­tum in einem Mehr­fa­mi­li­en­haus, stün­den dem Woh­nungs­ei­gen­tü­mer beim Aus­tausch der Eta­gen­hei­zung nicht alle Erfül­lungs­op­tio­nen zur Ver­fü­gung. Bspw. ist bei der Instal­la­ti­on einer Solar­ther­mie­an­la­ge oder bei Dämm­maß­nah­men die Zustim­mung aller Bewoh­ner not­wen­dig, d. h. der Betrof­fe­ne kann nicht eigen­stän­dig ent­schei­den und ist somit bei der Wahl der Tech­no­lo­gie beschränkt. Da aber gera­de die Tech­no­lo­gie-Offen­heit ein wesent­li­cher Bestand­teil des Erneu­er­ba­re-Wär­me-Geset­zes ist, sind Eta­gen­hei­zung in BaWü von der Pflicht aus­ge­nom­men, um nie­man­den bei der Erfül­lung zu dis­kri­mi­nie­ren.

Aber genug mit der Para­gra­phen-Wäl­ze­rei: Was gilt denn nun als Eta­gen- und was als Zen­tral­hei­zung? Hier­zu haben wir im Fol­gen­den die wich­tigs­ten Unter­schie­de kurz und knapp zusam­men­ge­fasst:

Wie funktioniert eine Zentralheizung?

Die Zen­tral­hei­zung befin­det sich, wie der Name schon sagt, an einer zen­tra­len Stel­le des Gebäu­des. In der Regel bedeu­tet das im Kel­ler, teil­wei­se auch unter dem Dach. Von dort ver­sorgt sie das gesam­te Gebäu­de mit Wär­me. Für die Wär­me­er­zeu­gung ste­hen dabei ver­schie­de­ne Tech­no­lo­gi­en zur Ver­fü­gung (z. B. Brenn­wert­kes­sel oder Wär­me­pum­pen). Ihnen gemein ist, dass Was­ser erhitzt wird, wel­ches sich durch sei­ne spe­zi­fi­schen Eigen­schaf­ten her­vor­ra­gend als Wär­me­trä­ger eig­net. Die­ses wird über ein Rohr­sys­tem in die zu behei­zen­den Räu­me ver­teilt und beim Durch­strö­men der Heiz­kör­per wird die Wär­me dann an die Räu­me abge­ge­ben.

Worin unterscheidet sich die Etagenheizung?

Im Gegen­satz zu einer Zen­tral­hei­zung erzeugt eine Eta­gen­hei­zung die Wär­me dezen­tral für ein Stock­werk bzw. eine Wohn­ein­heit (auch, wenn die­se auf meh­re­re Eta­gen auf­ge­teilt ist). Das Gerät befin­det sich häu­fig wand­hän­gend im Bad oder in der Küche. Da eine Eta­gen­hei­zung meist eine gerin­ge­re Flä­che als eine Zen­tral­hei­zung beheizt, ist die Leis­tung (in Kilo­watt) in der Regel gerin­ger.

Faust­for­mel:
Eine Hei­zung für EINE Wohn­ein­heit im Mehr­par­tei­en­haus = Eta­gen­hei­zung
Eine Hei­zung für MEHRERE Wohn­ein­hei­ten im Mehr­par­tei­en­haus = Zen­tral­hei­zung

Bei der Recher­che zu die­sem Arti­kel haben wir bereits gemerkt, dass eine Abgren­zung der bei­den Hei­zungs­ar­ten nicht immer ganz ein­fach ist. Unse­re Faust­for­mel soll Ihnen aber dabei hel­fen, eine gro­be Vor­stel­lung zu bekom­men. Den­noch raten wir: Play it save im EWär­meG: Falls Sie sich unsi­cher sind, ob ihr Heiz­sys­tem nun als Zen­tral- oder Eta­gen­hei­zung ein­ge­stuft wird und Sie das Wär­me­ge­setz erfül­len müs­sen oder nicht, fra­gen Sie bei der zustän­di­gen Bau­rechts­be­hör­de an. Hier soll­ten Sie von offi­zi­el­ler Sei­te aus Aus­kunft erhal­ten.

Ein fiktives Beispiel: Wohngebäude mit drei Parteien

Da man kom­ple­xe Sach­ver­hal­te doch am Bes­ten durch ein­fa­che Bei­spie­le erklärt, neh­men wir Sie jetzt mit auf eine fik­ti­ve Rei­se nach Waib­lin­gen in Baden-Würt­tem­berg. Hier steht ein Mehr­par­tei­en­haus mit drei Wohn­ein­hei­ten. Eigen­tü­mer der Woh­nung der 2. Eta­ge ist Herr Schmidt. Sei­ne Woh­nung hat eine Gas-Eta­gen­hei­zung. Herr Mül­ler ist Eigen­tü­mer der bei­den ande­ren Woh­nun­gen (Erd­ge­schoss und 1. Eta­ge), wobei er eine Woh­nung wei­ter ver­mie­tet hat. Bei­de Woh­nun­gen haben eine Eta­gen­hei­zung (Öl- bzw. Elek­tro­wär­me). Da die Hei­zun­gen ver­al­tet sind, und nicht mehr so effi­zi­ent, wie sie sein soll­ten, möch­te Herr Mül­ler sein Heiz­sys­tem erneu­ern. Dabei ent­schei­det er sich, bei­de Wohn­ein­hei­ten mit einer Gas­hei­zung aus­zu­stat­ten. Nun stellt er sich die ent­schei­den­de Fra­ge, ob eine Zen­tral­hei­zung für bei­de Wohn­ein­hei­ten oder jeweils eine Eta­gen­hei­zung pro Wohn­ein­heit ein­ge­baut wer­den soll. Da Herr Mül­ler im EWär­meG nicht ganz sat­tel­fest ist, hat er sich erkun­digt und erfah­ren: Wird erst­ma­lig eine Zen­tral­hei­zung für meh­re­re Wohn­ein­hei­ten instal­liert, muss zukünf­tig das EWär­meG erfüllt wer­den. Ent­schei­det man sich für den Ein­bau einer Eta­gen­hei­zung pro Wohn­ein­heit, wür­de das Gesetz nicht grei­fen. Das spricht natür­lich für zwei Eta­gen­hei­zun­gen, oder?

Naja, ganz so ein­fach ist es nicht. Wenn auch Sie ein­mal vor einer sol­chen Ent­schei­dung ste­hen, dann den­ken Sie nicht als ers­tes dar­an, wie Sie das Gesetz am Bes­ten umge­hen kön­nen, son­dern machen sich Gedan­ken um das Für und Wie­der. Ob nun eine Zen­tral- oder eine Eta­gen­hei­zung bes­ser zu Ihrer Situa­ti­on passt, hängt von meh­re­ren Kom­po­nen­ten ab. Das wür­de aber nun wirk­lich den Rah­men die­ses Blog­bei­tra­ges spren­gen. Im Dun­keln wol­len wir Sie trotz­dem nicht tap­pen las­sen: hier also eine kur­ze Zusam­men­fas­sung der Vor- und Nach­tei­le bei­der Heiz­sys­te­me, wobei indi­vi­du­el­le Gege­ben­hei­ten die­se Lis­te natür­lich mas­siv ver­än­dern kön­nen:

Zen­tral­hei­zungEta­gen­hei­zung
Anschaf­fungs­kos­ten+-
War­tungs­kos­ten+-
Effi­zi­enz-+
Indi­vi­du­el­le Ein­stel­lung-+
Freie Wahl des Gas­an­bie­ters-+
Getrenn­te Abrech­nung-+
Ein­bin­dung Solar­ther­mie+-
Platz und Kom­fort+-
Betre­ten der Woh­nung (War­tung)+-

Tipp: Ent­schei­den Sie sich für den Ein­bau einer mit Gas betrie­be­nen Zen­tral­hei­zung, erfül­len Sie das Wär­me­ge­setz durch den Ein­satz von 10 % Bio­gas nur teil­wei­se. Zur vol­len Geset­zes­er­fül­lung raten wir, zusätz­lich einen Sanie­rungs­fahr­plan BW oder eine BAFA Vor-Ort-Bera­tung zu bean­tra­gen.

Weiterführende Links

Hin­wei­se des Umwelt­mi­nis­te­ri­ums zum EWär­meG

zustän­di­ge Bau­be­hör­de fin­den

Kategorien: Allgemein