Wärmenetzanschluss im EWärmeG

Der Anschluss an ein Nah- oder Fern­wär­me­netz sowie jede ande­re Ein­rich­tung zur leitungs­gebun­denen Wärme­ver­sorgung von meh­re­ren Ge­bäu­den (bspw. ein nicht-öffent­li­ches Wärme­netz) kann das Erneu­er­ba­re-Wär­me-Gesetz als Ersatz­maßnahme erfül­len. Dafür muss das Wärme­netz mit 50 % Kraft-Wär­me-Kopp­lung, die gemäß der EU-Richt­li­nie 2012/27/EU hoch­effi­zient ist, mit 15 % Er­neu­er­baren Ener­gi­en oder mit 50 % Abwär­me betrie­ben wer­den. Die Wärme­pro­duk­tion für das Wärme­netz kann auch aus einer Kom­bi­na­tion der genan­nten Möglich­keiten erfol­gen.

Der Wär­me­netz­be­trei­ber muss dem an­ge­schlos­senen Kun­den mit einem Nach­weis be­stä­tigen, dass die An­for­de­rungen erfüllt sind.

Kombination mit anderen Erfüllungsoptionen

Falls das Wär­me­netz, des­sen ver­teil­te Wär­me die An­for­de­rung­en nur teil­weise er­füllt und/oder nur einen An­teil des jähr­lich­en Wärme­energie­bedarfs des Gebäu­des deckt, ist die Kombi­na­tion mit ande­ren Erfül­lungs­optionen mög­lich. Es bie­ten sich hier­bei Maß­nah­men an, die unab­hängig von der Erzeu­ger­ein­heit durch­führ­bar sind. Je nach Erfül­lungs­grad ist in ers­ter Linie der Sa­nier­ungs­fahr­plan (5 %) und die Kel­ler-, Außen­wand- und Dach­däm­mung zu nen­nen. Auch eine ge­samt­heit­liche Däm­mung kann be­zo­gen auf das EWär­meG aus BW in­ter­essant sein.

Gän­gi­ge Kom­bi­na­tio­nenSanie­rungs­fahr­planKel­ler­de­cken-Außen­wand-Dach­däm­mung

Stand der Technik – Funktionsweise eines Wärmenetzes

Wär­me­net­ze die­nen der leitungs­gebundenen Wärme­lieferung zur Ver­sorgung von Gebäu­den mit Hei­zung, Warm­was­ser oder Prozess­wärme. Der Trans­port erfolgt durch ein wär­me­ge­dämm­tes Rohr­sys­tem. Die ther­mi­sche Ener­gie wird dabei durch das Medi­um Was­ser oder Dampf vom Wärme­erzeuger zum Ver­brau­cher geführt. Die Wär­me für das Wärme­netz kann auf unter­schied­liche Art erzeugt wer­den. So kann die aus­ge­kop­pel­te Wär­me aus Produktions­prozessen wie der Stahl­herstellung genutzt wer­den.

Wärmekraftwerk mit Wohnhäusern im Vordergrund

Mit Fern­wär­me kann eine gan­ze Stadt ver­sorgt wer­den­Wei­te­re Wärme­quellen sind Müll­heiz­kraft­werke oder Erd­gas-KWK-Anla­gen. Bei dem Ein­satz von Kraft-Wär­me-Kopp­lung ermög­licht das Wär­me­netz die Nut­zung der Abwär­me, die bei der Strom­erzeugung sonst häu­fig unge­nutzt bleibt. Neben der Energie­gewinnung aus Gas, Koh­le oder Öl steigt der Anteil Erneuer­barer Ener­gi­en für den Betrieb von Wärme­netzen ste­tig. So wird bspw. immer häu­fi­ger die im Block­heiz­kraft­werk einer Bio­gasanlage erzeug­te Wär­me zur Ver­sor­gung eines Nah­wärme­netzes genutzt.

Über ein Ver­teil­netz wird das hei­ße Medi­um zu den Ver­brau­chern trans­por­tiert. Der Anschluss der Gebäu­de an das Wärme­netz geschieht in der Haus­anschluss­station und kann direkt oder indi­rekt erfol­gen. Bei einem direk­ten Anschluss wird das Was­ser des Wärme­netzes direkt in die Haus­anlage, sprich in das Heiz­system des Gebäu­des gelei­tet. In der Haus­anschluss­station wer­den zuvor der Druck, der Volumen­strom und die Tem­pe­ra­tur an die erforder­lichen Para­me­ter des Gebäu­des ange­passt. Bei dem indi­rek­ten Anschluss wird die Haus­an­la­ge durch einen Wärme­tauscher hydrau­lisch vom Wärme­netz getrennt. Die Wär­me wird in dem Wärme­tauscher an das Heizungs­wasser des Gebäu­des über­tra­gen und dann mit­hil­fe einer Umwälz­pum­pe durch die Haus­anlage beför­dert.

Hin­weis: Die Erschlie­ßung von Stadt­teilen oder gan­zen Städ­ten durch ein Wärme­netz defi­niert in der Regel die Fern­wär­me. Hin­ge­gen bezieht sich Nah­wär­me auf die ört­li­che Erschlie­ßung oder Ver­bin­dung von ein­zel­nen Gebäu­den oder Wohn­siedlungen mit einem Wärme­netz bzw. einer zen­tra­len Wärme­erzeugung. Häu­fig wird für alle Wär­me­net­ze der Ober­be­griff Fern­wär­me ver­wen­det.

Auf­grund der höhe­ren Risi­ken im Fal­le eines Rohr­bruchs in der Haus­an­la­ge, wird der indi­rek­te Anschluss mit einem Wärme­tauscher i. d. R. vom Fern­wär­me­ver­sor­ger bevor­zugt. Für klei­ne­re Nah­wärme­netze set­zen Fern­wärme­versorger häu­fig auf die direk­te Fahr­weise. Bei bei­den An­schluss­varian­ten befin­det sich ein Wärme­mengen­zähler in der Haus­anschluss­station. Die­ser erfasst die vom Gebäu­de abge­nom­me­ne Wär­me, die dem Kun­den dann als so­ge­nannter „Arbeits­preis“ in Rech­nung gestellt wird.

Anschluss an ein Nah-/Fernwärmenetz

Bevor man einen Wärme­netz­anschluss für das eige­ne Gebäu­de in Erwä­gung zieht, soll­te man vor­her recher­chie­ren, ob ein Wärme­netz in der ent­sprechenden Regi­on vor­han­den ist. Ist dies der Fall, kann ein Ver­trag mit dem Nah-/Fern­wär­me­­ver­sor­ger abge­schlossen wer­den. Die­ser Ver­trag ist nach gesetz­li­chen Rahmen­bedingungen fest­ge­legt und soll­te all­ge­mei­ne Vertrags­daten, eine verständ­liche Erläu­te­rung der Vertrags­inhalte und wesent­li­che Bedin­gun­gen beinhal­ten.

Hin­weis: Je nach Regi­on und Ver­sor­ger, unter­lie­gen die Kos­ten für Nah-/Fern­wär­me star­ken Schwan­kungen. In der Regel ent­ste­hen dem Kun­den Kos­ten für die Erstel­lung des Haus­anschlusses und für die Haus­anschluss­station. Eini­ge Her­stel­ler ver­lan­gen einen zusätz­lichen Zuschuss für den Aus­bau des Net­zes. Für die Bereit­stellung der Ener­gie, wel­che auf die Anschluss­leistung in Kilo­watt bezo­gen wird, muss ein Grund­preis gezahlt wer­den. Hin­zu kom­men ein Arbeits­preis pro Kilo­watt­stunde abge­nommener Wär­me und ein Mess­preis für die Ermitt­lung des Ver­brauchs und der Abrech­nung. Es soll­te beim Preis­vergleich auf Preis­anpassungs­klauseln geach­tet wer­den. Kon­kre­te Infor­ma­tio­nen erhält man beim aus­ge­wähl­ten Nah-/Fern­wär­me­ver­sor­ger.

Anteilige Gesetzeserfüllung durch einen Wärmenetzanschluss

Wenn nicht der gesam­te Wär­me­en­er­gie­be­darf durch das Wär­me­netz gedeckt wird (oder die ver­teil­te Wär­me nicht den Anfor­de­run­gen voll­stän­dig ent­spricht), ist auch eine antei­li­ge Anrech­nung nach den §§ 3 Nr. 4 20.6 durch die fol­gen­de For­mel mög­lich:

\[\frac{Wärmemenge \: Wär­me­netz \:[kWh]}{gesamter \: Wär­me­en­er­gie­be­darf \:[kWh]}\times15\:\%\:×\:\frac{kwk \:[\%]}{50\:\%}×\frac{Abwärme\:[\%]}{50\:\%}×\frac{Ee\:[\%]}{15\:\%}=Anteil \:Ersatz­maß­nah­me \:[\%]\]

Ee = Anteil Erneu­er­ba­re Ener­gi­en an der Pro­duk­ti­on, KWK = Anteil KWK an der Pro­duk­ti­on, Abwär­me = Anteil Abwär­me an der Pro­duk­ti­on

Ist der Wert grö­ßer oder gleich 15 %, sind die Vor­schrif­ten voll­stän­dig erfüllt. Ansons­ten ist die antei­li­ge Erfül­lung fol­gen­der­ma­ßen zu berech­nen:

\[ \frac{Anteil \: Ersatz­maß­nah­me \:[\%]}{15 \: \: \% \:}\times100\:\%=Erfüllungsgrad\:[\%]\]

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