Befragungen

Erneuerbare Energien und EWärmeG aus Sicht der Verpflichteten und der Bevölkerung

5.1.1 Befragungskonzept und empirische Gesamtheit

Um die Wir­kun­gen des EWär­meG in der Bevöl­ke­rung zu erfas­sen, wur­den zwei Befra­gun­gen von jeweils 500 Haus­ei­gen­tü­mern in Baden-Würt­tem­berg durch­ge­führt. Die ers­te Befra­gung erfolg­te bei den­je­ni­gen, die im Zuge eines Kes­sel­tauschs ab Mit­te 2015 zur Ein­hal­tung des EWär­meG ver­pflich­tet waren. Sie soll Infor­ma­tio­nen zur Wir­kungs­wei­se des EWär­meG lie­fern. Die zwei­te Befra­gung bei einer Grup­pe ver­gleich­ba­rer Haus­ei­gen­tü­mer ohne Ver­pflich­tung (eben­falls 500) ermög­licht im Rah­men eines Kon­troll­grup­pen­de­signs die Absi­che­rung der Ergeb­nis­se und gibt Hin­wei­se zur Zuschrei­bung der Wir­kun­gen auf das EWär­meG.

Die Brei­ten­be­fra­gung der Bevöl­ke­rung in zwei Tran­chen wur­de mit Hil­fe tele­fo­ni­scher Inter­views (CATI1) von Kant­ar Emnid durch­ge­führt. Durch die tele­fo­ni­schen Inter­views wird ein hohes Maß an Genau­ig­keit erreicht und gleich­zei­tig ein aus­rei­chen­der Rück­lauf garan­tiert, der bei ande­ren Metho­den nur schwer zu errei­chen wäre. Die Befra­gung von ver­pflich­te­ten Haus­ei­gen­tü­mern soll­te im Durch­schnitt 20 Minu­ten Län­ge pro Inter­view nicht über­stei­gen. Die Befra­gung der Kon­troll­grup­pe war deut­lich kür­zer, weil die Fra­gen zu den genutz­ten Erfül­lungs­op­tio­nen weg­fal­len.

Die Her­aus­for­de­rung bei bei­den Befra­gun­gen lag dar­in, genü­gend Inter­view­part­ner zur Errei­chung der geplan­ten Fall­zah­len zu errei­chen. Dazu wur­den für die EWär­meG-Ver­pflich­te­ten und die Kon­troll­grup­pe zwei unter­schied­li­che Vor­ge­hens­wei­sen ent­wi­ckelt. Die Kon­troll­grup­pe wur­de über die regel­mä­ßig vom Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tut Kant­ar Emnid durch­ge­führ­ten Befra­gun­gen erho­ben, indem gezielt pas­sen­de Haus­hal­te ohne Hei­zungs­tausch im betrach­te­ten Zeit­raum aus­ge­wählt wer­den. Die­se wur­den dann im Rah­men von kur­zen CATIs befragt.

Die Befra­gung der EWär­meG-Ver­pflich­te­ten stell­te eine grö­ße­re Her­aus­for­de­rung dar, weil zunächst ein­mal die Befra­gung wesent­lich umfang­rei­cher war. Zudem war die Situa­ti­on bei den Kon­takt­da­ten kom­pli­ziert. Für CATIs wer­den Daten von pas­sen­den Haus­hal­ten (Ansprech­part­ner, (gro­be) Adres­se und Tele­fon­num­mer) erho­ben, die zudem der Befra­gung zustim­men müs­sen. Bei den unte­ren Bau­rechts­be­hör­den lie­gen zumin­dest die Adress­da­ten von EWär­meG-Ver­pflich­te­ten vor, aller­dings weit­ge­hend ohne die benö­tig­ten tele­fo­ni­schen Kon­takt­da­ten und ohne die Zustim­mung zur Wei­ter­ga­be die­ser Daten für den For­schungs­zweck.

Die Befra­gung erfolg­te unter Berück­sich­ti­gung der Erfor­der­nis­se des Daten­schut­zes. Die Teil­nah­me an bei­den Befra­gun­gen erfolg­te auf frei­wil­li­ger Basis. Sie wur­den im Mai und Juni 2018 durch­ge­führt. Die genutz­ten Fra­ge­bö­gen fin­den sich im Anhang des Berichts.

Sowohl bei der Ziel­grup­pe als auch bei der Kon­troll­grup­pe gibt es auf­grund der gewähl­ten Metho­de gewis­se Ein­schrän­kun­gen der Aus­sa­ge­kraft. Die Befrag­ten der Ziel­grup­pe sind nicht kom­plett reprä­sen­ta­tiv für alle EWär­meG-Ver­pflich­te­ten, weil es sich um einen Aus­zug der gemel­de­ten Fäl­le han­delt. Dadurch sind Fäl­le unter­re­prä­sen­tiert, bei denen kei­ne Mel­dung erfolgt, bei­spiels­wei­se durch den Ein­bau von Wär­me­pum­pen. Bei der Kon­troll­grup­pe ist die Ver­gleich­bar­keit mit der Ziel­grup­pe nicht kom­plett gege­ben. Wäh­rend sich im Opti­mal­fall eines qua­si­ex­pe­ri­men­tel­len Unter­su­chungs­de­signs die Ziel­grup­pe nur durch den sog. Tre­at­ment-Fak­tor von der Kon­troll­grup­pe unter­schei­det, gibt es im Fal­le der Ziel­grup­pe in die­ser Unter­su­chung (Per­so­nen, die seit Mit­te 2015 ihre Hei­zung getauscht haben und damit dem EWär­meG unter­lie­gen) zumin­dest einen zusätz­li­chen Unter­schied: Das Hei­zungs­sys­tem und dabei vor allem das Hei­zungs­al­ter. Die Kon­troll­grup­pe nutzt älte­re Hei­zungs­sys­te­me, weil es seit 2015 noch zu kei­nem Aus­tausch kam. Da sich ange­streb­te Effek­te (mehr erneu­er­ba­re Ener­gi­en, effi­zi­en­te­re Hei­zun­gen) aber vor allem durch den Ver­gleich der Hei­zungs­sys­te­me erge­ben, muss die Eva­lua­ti­on hier einen sys­te­ma­ti­schen Feh­ler zu kor­ri­gie­ren suchen. Bei der Kon­troll­grup­pe sind daher vor allem die Haus­hal­te von Inter­es­se, die ent­we­der vor Mit­te 2015 ihre Hei­zung getauscht haben, oder einen Aus­tausch in den kom­men­den zwei Jah­ren pla­nen. Bei eini­gen Unter­su­chun­gen wur­de aus der Kon­troll­grup­pe zusätz­lich eine Teil­grup­pe gebil­det, bei denen die Befrag­ten nur vor dem ers­ten EWär­meG (vor 2010) die Hei­zung getauscht hat­ten.

5.1.2 Untersuchungsergebnisse

Rah­men­da­ten der Grup­pe (sozio­de­mo­gra­phi­sche Daten) Die über­wie­gen­de Mehr­heit der Befrag­ten unter­stützt grund­sätz­lich den Aus­bau von Erneu­er­ba­ren Ener­gi­en. Zwei Drit­tel wei­sen der Umstel­lung der Ener­gie­ver­sor­gung auf Erneu­er­ba­re eine sehr gro­ße oder gro­ße Bedeu­tung zu, nur 7 % eine gerin­ge oder sehr gerin­ge Bedeu­tung. Auf die Fra­ge, ob im Bereich der Wär­me­er­zeu­gung hier­für eine gesetz­li­che Lösung rich­tig ist, die Haus­hal­ten einen Anteil von Erneu­er­ba­ren Ener­gi­en vor­schreibt, ergibt sich ein unein­heit­li­ches Bild. Rund die Hälf­te der Befrag­ten stimmt zu, die ande­re Hälf­te sieht eine gesetz­li­che Rege­lung ent­we­der für Haus­hal­te (aber nicht für ande­re Spar­ten) oder gene­rell kri­tisch.

Diagramm: Einstellung zur gesetzlichen Regelung der Energiewende
Abbil­dung 5–1: Ein­stel­lung zur gesetz­li­chen Rege­lung der Ener­gie­wen­de (Quel­le: Befra­gung EWär­meG-Ver­pflich­te­te 2018)

Gro­ße Einig­keit dage­gen herrscht bei der Fra­ge, ob das EWär­meG in sei­ner aktu­el­len Form mit dem Gel­tungs­be­reich nur für Baden-Würt­tem­berg sinn­voll ist. Nur 16 % mei­nen, Baden-Würt­tem­berg soll­te mit einer Land­re­ge­lung Vor­rei­ter sein, über 80 % der Befrag­ten bevor­zu­gen eine bun­des­wei­te Lösung.

Infor­ma­ti­ons­stand und Infor­ma­ti­ons­we­ge EWär­meG Zwei Drit­tel der Befrag­ten EWär­meG-Ver­pflich­te­ten gaben an, sich im Zuge der Hei­zungs­er­neue­rung mit dem EWär­meG befasst zu haben. Die meis­ten von ihnen (ins­ge­samt 43 %) hat­ten sich bereits im Vor­feld infor­miert, ein wei­te­res Vier­tel der Befrag­ten im Pro­zess der Hei­zungs­er­neue­rung. Ein wei­te­res Vier­tel gibt an, das The­ma EWär­meG kom­plett den Fach­leu­ten über­las­sen zu haben. Etwa 6 % der Befrag­ten wuss­te nach eige­nen Anga­ben nichts vom EWär­meG – hier müss­ten die für den Kes­sel­tausch Ver­ant­wort­li­chen alle nöti­gen Schrit­te im Allein­gang durch­ge­führt haben.

Diagramm: Informationsquellen zum EWärmeG
Abbil­dung 5–2: Infor­ma­ti­ons­quel­len zum EWär­meG (Quel­le: Befra­gung EWär­meG-Ver­pflich­te­te 2018)

Die­je­ni­gen, die Kennt­nis vom EWär­meG hat­ten, nutz­ten ein brei­tes Feld von Infor­ma­ti­ons­quel­len. Jeweils über die Hälf­te der Befrag­ten nann­ten Hand­wer­ker und Pres­se bzw. Medi­en als Quel­le, jeweils ein Drit­tel Schorn­stein­fe­ger, Ener­gie­be­ra­ter oder spe­zi­el­le Infor­ma­ti­ons­ma­te­ria­li­en.

Ver­gleicht man die von den EWär­meG-Ver­pflich­te­ten gewähl­ten Hei­zungs­sys­te­me (nach der Erneue­rung) mit der Kon­troll­grup­pe (hier nur die Fäl­le, wo auch zwi­schen 2010 und 2015 kein Hei­zungs­tausch statt­ge­fun­den hat, also auch vom ers­ten EWär­meG kein Effekt zu erwar­ten ist), so lie­gen die wesent­li­chen Unter­schie­de bei der Nut­zung von Brenn­wert­hei­zun­gen. Die­se wer­den von den Ver­pflich­te­ten wesent­lich häu­fi­ger genutzt als von den Befrag­ten der Kon­troll­grup­pe, die häu­fi­ger noch mit Nie­der­tem­pe­ra­tur­hei­zun­gen auf­war­ten. Ganz beson­ders ist der Effekt bei Gas-Brenn­wert­hei­zun­gen zu sehen. Der tat­säch­li­che Effekt dürf­te noch stär­ker sein, da davon aus­zu­ge­hen ist, dass bei den Gas- und Ölhei­zun­gen unbe­kann­ten Typs der Anteil von Brenn­wert­hei­zun­gen bei neu­en Hei­zun­gen deut­lich über den alten Sys­te­men lie­gen soll­te. Wei­te­re Abwei­chun­gen sind bei den Holz­hei­zun­gen zu sehen, die von den EWär­meG-Ver­pflich­te­ten häu­fi­ger genutzt wer­den. Eben­falls erkenn­bar ist die bereits ange­spro­che­ne sys­te­ma­ti­sche Ver­zer­rung bei Hei­zungs­sys­te­men, die von den Schorn­stein­fe­gern nicht unbe­dingt gemel­det wer­den. So fin­den sich Wär­me­pum­pen und Fern­wär­me­an­schlüs­se häu­fi­ger bei den Befrag­ten der Kon­troll­grup­pe, weil bei den EWär­meG-Ver­pflich­te­ten die Chan­ce dar­auf auf­grund der Beschrän­kun­gen im Adres­sa­ten­pool der Befra­gung gerin­ger ist.

Diagramm: Genutzte Heizungssysteme der EWärmeG-Verpflichteten im Vergleich zur Kontrollgruppe
Abbil­dung 5–3: Genutz­te Hei­zungs­sys­te­me der EWär­meG-Ver­pflich­te­ten im Ver­gleich zur Kon­troll­grup­pe (Quel­le: Befra­gung EWär­meG-Ver­pflich­te­te 2018, Befra­gung Kon­troll­grup­pe 2018)

Für die Wahl des Hei­zungs­sys­tems spie­len Kos­ten­er­wä­gun­gen (Anschaf­fungs­preis, Wirt­schaft­lich­keit der Anla­ge) und tech­ni­sche Erwä­gun­gen (ein­fa­che, siche­re, gut steu­er­ba­re Anla­gen) mit jeweils rund ein Drit­tel der Nen­nung etwa gleich­ran­gi­ge Rol­len. Umwelt­er­wä­gun­gen wer­den etwas sel­te­ner als Haupt­grund für die Ent­schei­dung genannt, sie spie­len aber zumin­dest für ein Vier­tel der Befrag­ten die wich­tigs­te Rol­le.

Rund 60 % der der befrag­ten EWär­meG-Ver­pflich­te­ten hat­ten im Vor­feld des Hei­zungs­tau­sches Kennt­nis über ver­schie­de­ne Erfül­lungs­op­tio­nen. Am bes­ten bekannt waren die Optio­nen Gebäu­de­däm­mungPho­to­vol­ta­ikSolar­ther­mieBio­öl bzw. Bio­gas­an­tei­le am Brenn­stoff.

Diagramm: Welche Möglichkeiten, die Vorgaben des EWärmeG umzusetzen, waren Ihnen bereits bekannt?
Abbil­dung 5–4: Bekann­te Erfül­lungs­op­tio­nen (Quel­le: Befra­gung EWär­meG-Ver­pflich­te­te 2018)

Tat­säch­lich zur Erfül­lung der Anfor­de­run­gen des EWär­meG als Optio­nen genutzt2 wur­den von den Befrag­ten am häu­figs­ten Holz­hei­zun­gen (dar­un­ter knapp 40 % Zen­tral­hei­zun­gen und etwas über 60 % Holz-Zusatz­hei­zun­gen), Antei­le von Bio­öl bzw. Bio­gas am Brenn­stoff oder es wur­den Gebäu­de­dämm­maß­nah­men als Ersatz ange­rech­net. Aber auch alle ande­ren Erfül­lungs­op­tio­nen wer­den genutzt.

Diagramm: Anteil der genutzten Erfüllungsoptionen
Abbil­dung 5–5: Genutz­te Erfül­lungs­op­tio­nen der EWär­meG-Ver­pflich­te­ten (Quel­le: Befra­gung EWär­meG-Ver­pflich­te­te 2018).

Etwas mehr als zwei Drit­tel der Befrag­ten gaben an, Kom­bi­na­tio­nen von Erfül­lungs­op­tio­nen genutzt zu haben. Dar­un­ter waren 33 %, die eine Kom­bi­na­ti­on aus zwei Opti­on nen­nen und 35 % die drei oder mehr Optio­nen genutzt haben.

Im Ver­gleich zum Erfül­lungs­mix, der sich aus den Aus­wer­tun­gen der Mel­de­da­ten ergibt (vgl. 3.2.2), erge­ben sich höhe­re Antei­le der Solar­ther­mie und ähn­li­che Antei­le von fes­ter Bio­mas­se und Dämm­maß­nah­men. Deut­li­che nied­ri­ger sind die Antei­le von Wär­me­pum­pen, was an der bereits dis­ku­tier­ten Ver­zer­rung der Stich­pro­be liegt. Die Maß­nah­men­kom­bi­na­tio­nen las­sen sich auf­grund der Abfra­ge­me­tho­dik nicht ver­glei­chen.

Ein Teil der befrag­ten Haus­hal­te hat­te schon im Vor­feld der Hei­zungs­er­neue­rung Maß­nah­men durch­ge­führt, die im Rah­men des EWär­meG als Ersatz­maß­nah­men für Erfül­lungs­op­tio­nen anre­chen­bar waren. So war bei zwei Drit­teln der Haus­hal­te, die als Erfül­lungs­op­ti­on Pho­to­vol­ta­ik-Anla­gen nutz­ten, die­se schon vor dem Kes­sel­tausch vor­han­den. Bei den Haus­hal­ten, die Gebäu­de­däm­mung zur Erfül­lung der Anfor­de­run­gen des EWär­meG nutz­ten, waren sogar schon in 75 % der Fäl­le die Dämm­maß­nah­men schon vor dem Kes­sel­tausch durch­ge­führt wor­den. Letz­te­res ist auf­grund der rich­ti­gen Dimen­sio­nie­rung der neu­en Kes­sel natür­lich sehr sinn­voll. Bei der Betrach­tung der Wir­kun­gen des EWär­meG müs­sen die Effek­te die­ser Erfül­lungs­op­tio­nen ent­spre­chend kor­ri­giert wer­den.

Diagramm: Vor dem Heizungstausch umgesetzte Maßnahmen im EWärmeG
Abbil­dung 5–6: Genutz­te Erfül­lungs­op­tio­nen die bei den EWär­meG-Ver­pflich­te­ten schon vor­han­den waren (Quel­le: Befra­gung EWär­meG-Ver­pflich­te­te 2018)

Um ähn­li­che Effek­te für Solar­ther­mie, fes­te Bio­mas­se und Wär­me­pum­pen in ihrem Umfang beschrei­ben zu kön­nen, wur­den die vor der Erneue­rung bereits vor­han­de­nen (Zusatz)-Heizsysteme der EWär­meG-Ver­pflich­te­ten mit den nach Kes­sel­tausch genutz­ten ver­gli­chen. Dadurch las­sen sich fol­gen­de Antei­le schon vor dem Aus­lö­se­tat­be­stand vor­han­den Hei­zungs­sys­te­me quan­ti­fi­zie­ren:

Solar­ther­mie:

  • 160 Erfül­lungs­op­tio­nen
  • 38 von 160 hat­ten Solar­ther­mie als Zusatz­hei­zung vor der Erneue­rung

Fes­te Bio­mas­se:

  • Fes­te Bio­mas­se als Erfül­lungs­op­ti­on UND Heiz­sys­tem nach­her (ohne Kamin): 213
  • Bereits vor­han­den: 82

Wär­me­pum­pen:

  • Erfül­lungs­op­tio­nen: 49
  • Bereits vor­han­den: 7


Wäh­rend also bei der Nut­zung von Holz ähn­lich hohe Mit­nah­me­ef­fek­te auf­tre­ten wie bei Gebäu­de­däm­mung und Pho­to­vol­ta­ik, sind die Effek­te bei der Solar­ther­mie deut­lich nied­ri­ger. Die Zah­len der Wär­me­pum­pen und damit auch mög­li­che Mit­nah­me­ef­fek­te sind, wie bereits dis­ku­tiert, nur bedingt aus­sa­ge­kräf­tig.

Bera­tung Vier von fünf der befrag­ten EWär­meG-Ver­pflich­te­ten haben sich im Rah­men der Hei­zungs­er­neue­rung bera­ten las­sen. Am häu­figs­ten als Bera­ter genannt wur­den dabei Hand­werks­be­trie­be. Ande­re Bera­tungs­stel­len wie der Ener­gie­ver­sor­ger, die Stadt oder die Ver­brau­cher­zen­tra­le spie­len eine unter­ge­ord­ne­te Rol­le. Ein Ver­gleich mit der Kon­troll­grup­pe (Fra­ge: „Von wem wür­den Sie sich im Fal­le einer Hei­zungs­er­neue­rung bera­ten las­sen?“) zeigt, dass bei der Kon­troll­grup­pe die Kon­zen­tra­ti­on auf Hand­wer­ker als wich­tigs­te Quel­le zwar auch gege­ben ist, aber ande­re Infor­ma­ti­ons-Alter­na­ti­ven stär­ker aus­ge­prägt sind.

Diagramm: Beratung zur Heizungserneuerung
Abbil­dung 5–7: Genutz­te Bera­tung zur Hei­zungs­er­neue­rung (Quel­le: Befra­gung EWär­meG-Ver­pflich­te­te 2018, Befra­gung Kon­troll­grup­pe 2018)

Die Bera­tun­gen haben einen erheb­li­chen Ein­fluss auf die Wahl der neu­en Hei­zungs­sys­te­me. 44 % der Befrag­ten geben an, dass die Bera­tung den ent­schei­den­den Impuls (14 %) oder eine wich­ti­ge Hil­fe­stel­lung (30 %) geleis­tet hat, wei­te­re 40 % wei­sen der Bera­tung eine ergän­zen­de Hil­fe­stel­lung zu. Nur 15 % der Befrag­ten mei­nen, dass die Bera­tung kei­nen Ein­fluss auf ihre Wahl hat­te.

Wir­kun­gen des EWär­meG Das EWär­meG hat nach Aus­sa­ge der Befrag­ten EWär­meG-Ver­pflich­te­ten bei 22 % der Befrag­ten einen Ein­fluss auf die Wahl des Hei­zungs­sys­tems vor­han­den, über drei Vier­tel der Befrag­ten (76 %) ver­neint einen Effekt des Geset­zes auf die Wahl des Hei­zungs­sys­tems.

Diagramm: Hatte das EWärmeG einen Einfluss auf das gewählte Heizungssystem?
Abbil­dung 5–8: Ein­fluss des EWär­meG auf das gewähl­te Hei­zungs­sys­tem in % (n=503; Quel­le: Befra­gung EWär­meG-Ver­pflich­te­te 2018)

Die Letzt­ge­nann­ten wur­den im Anschluss zu den Grün­den befragt, war­um aus ihrer Sicht kein Ein­fluss vor­liegt. Dabei zeigt sich, dass rund ein Vier­tel bereits im Vor­feld der Hei­zungs­er­neue­rung die Anfor­de­run­gen des EWär­meG abge­deckt hat­ten. Die Mehr­heit (63 %) woll­te die letzt­lich genutz­te Hei­zungs­tech­nik ohne­hin wäh­len. Die­se Fra­ge bezieht sich aller­dings auf das Haupt­hei­zungs­sys­tem. Nicht davon erfasst wer­den u. a. die Erstel­lung des Sanie­rungs­fahr­plans oder der Bezug von Bio­öl oder Bio­me­than.

Diagramm: Warum hatte das EWärmeG keinen Einfluss auf das gewählte Heizungssystem?
Abbil­dung 5–9: Grün­de, war­um das EWär­meG kei­nen Ein­fluss auf die Wahl des Hei­zungs­sys­tem hat­te. (Fil­ter: Bera­te­ne die ange­ben, das EWär­meG habe kei­nen Ein­fluss auf die Wahl des Hei­zungs­sys­tems (n=382); Quel­le: Befra­gung EWär­meG-Ver­pflich­te­te 2018)

Durch den bereits geschil­der­ten Ein­fluss der Bera­tung (wenn in Anspruch genom­men) auf die Wahl des Hei­zungs­sys­tems kann zudem indi­rekt ein höhe­rer Ein­fluss des EWär­meG vor­lie­gen, wenn die Bera­ter sach­ge­mäß die Erfül­lungs­op­tio­nen bei der Bera­tung mit beden­ken und damit impli­zit das EWär­meG vor­weg­ge­nom­men haben. Die­ser Effekt kann aber anhand der Daten nicht genau quan­ti­fi­ziert wer­den.

83 % der Befrag­ten weist dem EWär­meG kei­nen Ein­fluss auf ihre Ent­schei­dung zu, zu wel­chem Zeit­punkt die Hei­zungs­er­neue­rung durch­ge­führt wur­de. Nur knapp unter 10 % der Befrag­ten hat die Erneue­rung vor­ge­zo­gen. Ein Atten­tis­mus, also das Her­aus­zö­gern einer an sich not­wen­di­gen Hei­zungs­er­neue­rung auf­grund des EWär­meG, ergibt sich aus der Befra­gung der EWär­meG-Ver­pflich­te­ten nicht (2 %).

Diagramm: Hatte das EWärmeG Einfluss auf den Zeitpunkt der Heizungserneuerung?
Abbil­dung 5–10: Ein­fluss des EWär­meG auf den Zeit­punkt der Hei­zungs­er­neue­rung (Quel­le: Befra­gung EWär­meG-Ver­pflich­te­te 2018)

Mit Hil­fe der Kon­troll­grup­pe kann die Aus­sa­ge der EWär­meG-Ver­pflich­te­ten nur ein­ge­schränkt abge­gli­chen wer­den. Zwar wur­de die Fra­ge der Kon­troll­grup­pe vor­ge­legt, aller­dings aus metho­di­schen Grün­den mit zwei wesent­li­chen Fil­tern. Die Befrag­ten muss­ten das EWär­meG ken­nen und zudem einen Aus­tausch der Hei­zung in den nächs­ten zwei Jah­ren geplant haben. Vor allem die­ser letz­te Fil­ter schränkt die Fall­zahl stark ein (n=24). Er wur­de den­noch gewählt, da die Befrag­ten in der Kon­troll­grup­pe, die zwi­schen 2010 und 2015 ihre Hei­zung aus­ge­tauscht hat­ten, eben­falls unter dem Ein­fluss des (ers­ten) EWär­meG stan­den. Eine drit­te als Kon­troll­grup­pe denk­ba­re Grup­pe von Haus­hal­ten, die nicht zu den EWär­meG-Ver­pflich­te­ten gehö­ren, aber der­zeit (seit 2010) einen Hei­zungs­tausch hin­aus­zö­gern und auch noch nicht pla­nen, hät­te nur durch eine zusätz­li­che Befra­gung ermit­telt wer­den kön­nen. In Hin­blick auf die Schwie­rig­kei­ten bei der Ermitt­lung (auf­grund der erwart­bar gerin­gen Fall­zahl) wur­de im Rah­men die­ser Stu­die dar­auf ver­zich­tet.

Betrach­tet man die Per­so­nen der Kon­troll­grup­pe, die einen Aus­tausch pla­nen, so erge­ben sich weit­ge­hend ver­gleich­ba­re Aus­sa­gen zu denen der EWär­meG-Ver­pflich­te­ten. Die Pro­zent­an­ga­ben im Detail sind auf­grund der nied­ri­gen Fall­zah­len zwar nur ein­ge­schränkt aus­sa­ge­kräf­tig, von der Ten­denz aber nutz­bar: 75 % der Befrag­ten der Kon­troll­grup­pe ver­nei­nen einen Ein­fluss des EWär­meG auf das das gewähl­te Hei­zungs­sys­tem. Die Hälf­te die­ser Befrag­ten wird das ohne­hin gewähl­te Hei­zungs­sys­tem instal­lie­ren. Rund ein Drit­tel hat die Anfor­de­run­gen des EWär­meG bereits erfüllt. 80 % der Befrag­ten der Kon­troll­grup­pe geben an, dass das EWär­meG auch kei­nen Ein­fluss auf den Zeit­punkt der Erneue­rung hat. Unter den rest­li­chen 20 % sagen etwa die Hälf­te, dass sie die Hei­zungs­er­neue­rung vor­zie­hen wol­len, die ande­re Hälf­te zögert die Erneue­rung hin­aus. In die­ser Grup­pe ist ein Atten­tis­mus also etwas aus­ge­präg­ter vor­han­den als bei den befrag­ten EWär­meG-Ver­pflich­te­ten. In Anbe­tracht der gerin­gen Fall­zah­len lässt sich aber auch aus der Kon­troll­grup­pen­un­ter­su­chung kein deut­li­cher Hin­weis auf ver­brei­te­ten Atten­tis­mus ablei­ten. Außer­dem ist die eben­so gro­ße Grup­pe gegen­zu­rech­nen, die die Hei­zungs­er­neue­rung sogar vor­zie­hen wol­len.

Erneuerbare Energien und EWärmeG aus Sicht der Heizungsbauer

5.2.1 Befragungskonzept und empirische Gesamtheit

Im Rah­men des vom Umwelt­mi­nis­te­ri­um Baden-Würt­tem­berg geför­der­ten und von ifeu in Koope­ra­ti­on mit wei­te­ren Pro­jekt­part­nern – iTB, IÖW und Fraun­ho­fer FIT – durch­ge­führ­ten Pro­jek­tes „c.HANGE – Hand­werk als Gestal­ter der Ener­gie­wen­de“ wur­den in Zusam­men­ar­beit mit dem Fach­ver­band SHK im Zeit­raum zwi­schen Sep­tem­ber 2017 und Janu­ar 2018 ca. 3.600 Hei­zungs­hand­wer­ker zur Teil­nah­me an der Online-Befra­gung auf­ge­ru­fen. Ins­ge­samt 152 Betrie­be haben an der Befra­gung teil­ge­nom­men, was einem Rück­lauf von 4 % ent­spricht. Wegen der gerin­gen Rück­lauf­quo­te von nur 4 % kann die SHK-Hand­wer­ker­um­fra­ge nicht als reprä­sen­ta­tiv gel­ten. Den­noch kann davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass aus der Umfra­ge wenigs­tens die Ten­den­zen rich­tig abge­lei­tet wer­den kön­nen. Das EWär­meG wird in der Umfra­ge nur aus der Sicht des SHK-Hand­werks beur­teilt. Die im EWär­meG vor­ge­se­he­nen bau­li­chen Erfül­lungs­op­tio­nen wer­den nicht erwähnt. Auch die Aus­wei­tung der Ver­pflich­tung zur Nut­zung erneu­er­ba­rer Ener­gi­en auf NWG im „neu­en“ EWär­meG bleibt unbe­rück­sich­tigt. Der Fokus der befrag­ten Hand­wer­ker liegt auf den erneu­er­ba­ren Ener­gi­en und hier ins­be­son­de­re auf der Solar­ther­mie.

Die beant­wor­te­ten Fra­ge­bö­gen wur­den in 89 % der Fäl­le vom Geschäfts­füh­rer bzw. die Geschäfts­füh­re­rin aus­ge­füllt. Die Mehr­heit (63 %) der Aus­fül­len­den ist über 50 Jah­re, 34 % sind zwi­schen 30 und 50 Jah­ren alt und nur 3 % zäh­len zu den unter 30-Jäh­ri­gen. Anhand der Zahl der Mit­ar­bei­ter kann auf die Grö­ße des Betriebs geschlos­sen wer­den. Zum Befra­gungs­zeit­punkt waren durch­schnitt­lich elf Mit­ar­bei­ter im Betrieb der befrag­ten SHK-Hand­werks­be­trie­be beschäf­tigt. Mit durch­schnitt­lich ca. sie­ben bzw. drei Mit­ar­bei­tern stel­len Fach­kräf­te und Azu­bis die am häu­figs­ten ver­tre­te­ne Mit­ar­bei­ter­po­si­ti­on in der Stich­pro­be dar. 60 % der teil­neh­men­den Betrie­be haben Aus­kunft über die Höhe ihres Jah­res­um­sat­zes gemacht. Für das Jahr 2016 geben über die Hälf­te (52 %) einen Umsatz von über einer Mil­li­on Euro an. Die­sen erwirt­schaf­ten sie haupt­säch­lich im regio­na­len Umkreis (unter 50 km) mit Pri­vat­kun­den im Gebäu­de­be­stand.

5.2.2 Untersuchungsergebnisse

Grund­sätz­lich wird erneu­er­ba­ren Ener­gi­en von der gro­ßen Mehr­heit (86 %) ein mitt­le­res bis gro­ßes wirt­schaft­li­ches Poten­zi­al für den eige­nen Betrieb zuge­schrie­ben. Die Ein­schät­zung des Stel­len­wer­tes von EE ist im Ver­lauf der letz­ten fünf Jah­ren gestie­gen. Mehr als die Hälf­te (53 %) der von den ant­wor­ten­den Betrie­ben instal­lier­ten Hei­zungs­an­la­gen nutzt EE.

Aus­führ­lich wird auf Sor­gen und Hemm­nis­se bezüg­lich inno­va­ti­ver Hei­zungs­tech­no­lo­gi­en hin­ge­wie­sen. Die meis­ten Beden­ken wer­den bei Block­heiz­kraft­wer­ken ange­merkt, danach fol­gen Bio­mas­se­an­la­gen und mit gro­ßem Abstand Wär­me­pum­pen und Solar­ther­mie. Auf die Fra­ge, wel­che Rah­men­be­din­gun­gen sich ändern müss­ten, damit die SHK-Betrie­be mehr EE-Anla­gen ein­bau­en kön­nen, ant­wor­tet über die Hälf­te (63 %) der Befrag­ten mit der Not­wen­dig­keit einer ver­ein­fach­ten För­de­rung bzw. einer Prä­mie für den Hand­werks­be­trieb. Die Hälf­te (51 %) der Betrie­be wünscht sich zudem eine höhe­re För­de­rung für End­kun­den. Aus den offe­nen Nen­nun­gen geht zudem her­vor, dass ein „Büro­kra­tie­ab­bau“ not­wen­dig wäre und dass Pflich­ten und Geset­ze eher hem­mend wir­ken.

Die Mit­ar­bei­ter-Ebe­ne, auf der vor­nehm­lich Bera­tungs­ge­sprä­che zu EE mit End­kun­den geführt wer­den, ist die­je­ni­ge mit Füh­rungs­ver­ant­wor­tung. 89 % der Befrag­ten gibt an, die Wei­ter­bil­dung als Infor­ma­ti­ons­quel­le für die Bera­tung zu EE zu nut­zen, gefolgt von Fach­zeit­schrif­ten (69 %) und Her­stel­ler­in­for­ma­tio­nen (67 %). Nach Ein­schät­zung der befrag­ten Hand­wer­ker wün­schen sich die Hei­zungs­kun­den im Bera­tungs­ge­spräch eine indi­vi­du­el­le Bera­tung (89 %) und/oder eine Bera­tung zur Wirt­schaft­lich­keit (80 %). Als The­men im Bera­tungs­ge­spräch wer­den die Erfül­lung gesetz­li­cher Auf­la­gen (92 %), Kos­ten und Wirt­schaft­lich­keit (78 %), Zuver­läs­sig­keit der Tech­no­lo­gie (74 %) und/oder Erfah­rung des Hand­wer­kers mit Tech­no­lo­gi­en (74 %) genannt. Der Aspekt „Kon­kre­te Prä­fe­ren­zen der Kund/innen“ wur­de dage­gen nur in 40 % der Bera­tungs­ge­sprä­che the­ma­ti­siert. Die gro­ße Dis­kre­panz zu dem Kun­den­wunsch nach indi­vi­du­el­ler Bera­tung deu­tet auf Ver­bes­se­rungs­mög­lich­kei­ten in den Bera­tungs­ge­sprä­chen hin. Der Ein­satz digi­ta­ler Hilfs­mit­tel beginnt sich aus­zu­brei­ten: 88 % spre­chen digi­ta­len Pro­duk­ten bzw. inno­va­ti­ven Dienst­leis­tun­gen eine hohe Rele­vanz zu und 51 % nut­zen bereits digi­ta­le Pro­duk­te und Dienst­leis­tun­gen im Bera­tungs­ge­spräch. 59 % der Betrie­be führt Wer­be­maß­nah­men zuguns­ten von EE durch, vor­ran­gig zu Solar­an­la­gen (inkl. Pho­to­vol­ta­ik). Die 41 % der Befrag­ten, die kei­ne Wer­bungs­maß­nah­men durch­füh­ren, ver­wei­sen häu­fig auf vol­le Auf­trags­bü­cher.

In Bezug auf das EWär­meG füh­len sich 73 % hin­rei­chend infor­miert. Die Bewer­tung des Geset­zes fällt mehr­heit­lich nega­tiv aus (66 % nega­tiv, 18 % posi­tiv). Bei den inno­va­ti­ven Betrie­ben3 fällt dabei die Zustim­mung zum EWär­meG dop­pelt so hoch aus wie bei den nicht inno­va­ti­ven. Die Aus­wir­kun­gen des Geset­zes auf den End­kun­den wer­den von den befrag­ten Betrie­ben zum Groß­teil in einem Moder­ni­sie­rungs­stau gese­hen: die Hei­zungs­kun­den ver­zö­gern den Aus­tausch (91 %) und zie­hen eine Repa­ra­tur dem Hei­zungs­tausch vor (86 %). Hier ergibt sich ein kla­rer Wider­spruch zum Befund der Bevöl­ke­rungs­be­fra­gung, die kei­nen Atten­tis­mus iden­ti­fi­zier­te.

15 % der Hei­zungs­bau­er sind der Ansicht, dass wegen des EWär­meG mehr EE instal­liert wer­den. Aller­dings wür­den nur 18 % das EWär­meG abschaf­fen. Eine Mehr­heit von 53 % plä­diert für eine Modi­fi­ka­ti­on (z.B. Aus­wei­tung des Gel­tungs­be­reichs des EWär­meG auf ganz Deutsch­land).

Bei meh­re­ren Fra­gen mit Bezug zum EWär­meG waren offe­ne, frei for­mu­lier­te Ant­wor­ten mög­lich. Tabel­le 5–1 gibt davon eine infor­ma­ti­ve Aus­wahl wie­der. Häu­fig wird in die­sen Nen­nun­gen auf die Solar­ther­mie Bezug genom­men. Solar­ther­mie war die Anker­tech­no­lo­gie im „alten“ EWär­meG. Dies scheint noch nach­zu­wir­ken. Ersatz­maß­nah­men oder bau­li­che Erfül­lungs­op­tio­nen wer­den dage­gen kaum oder gar nicht erwähnt. Die Tabel­le ist in die vier Aspek­te „Grund­sätz­li­che Ein­schät­zung“, „Atten­tis­mus“, „Aus­ge­stal­tung der Nut­zungs­pflicht im Detail“ und „Kom­mu­ni­ka­ti­on und Bera­tung“ unter­glie­dert.

Grund­sätz­lich wird in den frei­en Nen­nun­gen die Ziel­rich­tung des EWär­meG begrüßt. Meist wird aber kri­ti­siert, dass durch das Gesetz Zwang auf die Kun­den aus­ge­übt wird. Ver­schär­fend kommt hin­zu, dass die­ser Zwang nur den Bür­gern in Baden-Würt­tem­berg auf­er­legt ist. Im Detail wird beson­ders die Erhö­hung der Anfor­de­run­gen an den sola­ren Deckungs­an­teil von 10 % auf 15 % im „neu­en“ EWär­meG kri­ti­siert. Als Bei­spiel häu­fig genannt wer­den älte­re Ehe­paa­re, denen eine für sie viel zu gro­ße Solar­an­la­ge „auf­ge­zwun­gen“ wer­de. Je nach Ein­stel­lung der Hei­zungs­bau­er wird ange­merkt, dass es ver­gleichs­wei­se bil­li­ge Erfül­lungs­op­tio­nen gebe, wie etwa die als Erfül­lungs­op­ti­on zuge­las­se­ne Kom­bi­na­ti­on von Bio­erd­gas mit einem Sanie­rungs­fahr­plan.

Tabel­le 5–1: Bei­spiel­haf­te Zita­te der befrag­ten Hand­wer­ker zum EWär­meG

Zu den wich­ti­gen Modi­fi­ka­tio­nen gehö­ren gemäß den frei for­mu­lier­ten Ant­wor­ten der Betrie­be eine Aus­wei­tung des baden-würt­tem­ber­gi­schen EWär­meG auf ganz Deutsch­land, eine Rück­nah­me der in der neu­en Fas­sung des EWär­meG ver­schärf­ten Anfor­de­rung an den Deckungs­an­teil von Solar­an­la­gen sowie eine Schlie­ßung von Erfül­lungs­op­tio­nen, die eine bil­li­ge Geset­zes­er­fül­lung zu Las­ten des Hand­werks ermög­li­chen. Auch dass die Zustim­mung von inno­va­ti­ven Betrie­ben zum EWär­meG dop­pelt so hoch ist wie bei nicht inno­va­ti­ven Betrie­ben, kann als Rela­ti­vie­rung der Ableh­nung ver­stan­den wer­den.

Kri­tik gibt es, weil von den aus­schließ­lich in Baden-Würt­tem­berg befrag­ten Hand­werks­be­trie­ben seit Inkraft­tre­ten des EWär­meG nach eige­nen Anga­ben weni­ger EE-Anla­gen (ins­be­son­de­re solar­ther­mi­sche Anla­gen) als zuvor instal­liert wur­den. Die baden-würt­tem­ber­gi­schen Hand­wer­ker suchen die Ursa­che hier­für im EWär­meG (53 %). Es steht zu ver­mu­ten, dass es sich hier um eine Fehl­ein­schät­zung han­delt: Auch in den übri­gen Bun­des­län­dern ging die Nach­fra­ge nach EE zurück. Im Jahr vor dem Wirk­sam­wer­den des EWär­meG (also im Jahr 2009) wur­den bun­des­weit noch 150.000 solar­ther­mi­sche Anla­gen mit einer Kol­lek­tor­flä­che von 1,55 Mio. m² instal­liert. Im Jahr vor der Befra­gung (also 2016) nur noch 93.000 Anla­gen mit einer Flä­che von 0,74 Mio. m² (Quel­le: Fak­ten­blät­ter des BSW). In Baden-Würt­tem­berg ging dabei die Nach­fra­ge nach EE lang­sa­mer zurück als in den übri­gen Bun­des­län­dern. Aus der Hand­wer­ker­be­fra­gung erge­ben sich aus den frei­en Ant­wor­ten der Betrie­be zusätz­lich noch fol­gen­de Anre­gun­gen für eine Modi­fi­ka­ti­on des EWär­meG:

  • Erfül­lungs­op­tio­nen kri­tisch über­prü­fen (ins­be­son­de­re Erfül­lungs­op­tio­nen, die kei­ne Inves­ti­tio­nen erfor­dern)
  • Akzep­tanz­pro­ble­me bear­bei­ten (ins­be­son­de­re bei Rent­nern, die wei­ter­hin in ihren gro­ßen, fami­li­en­ge­rech­ten Eigen­hei­men woh­nen blei­ben, obwohl die Kin­der inzwi­schen an ande­ren Orten woh­nen).

Erneuerbare Energien und EWärmeG aus Sicht der Schornsteinfeger

Die Befra­gung von Schorn­stein­fe­gern hat für die Eva­lua­ti­on zwei wesent­li­che Grün­de. Ers­tens neh­men Schorn­stein­fe­ger eine wich­ti­ge Mitt­ler­funk­ti­on ein und haben über die Nähe zu den Haus­hal­ten und die oft lan­gen gewach­se­nen Ver­trau­ens­ver­hält­nis­se sowie ihre Bera­tungs­tä­tig­keit erheb­li­chen Ein­fluss auf die Sanie­rungs­ent­schei­dun­gen in der Hei­zungs­tech­nik. Zum ande­ren haben Schorn­stein­fe­ger gro­ße Bedeu­tung für das Mel­de­we­sen beim EWär­meG. Wie bereits in Kapi­tel 3.1 gezeigt gibt es bei der Hei­zungs­sta­tis­tik gewis­se Unschär­fen und die ein­zel­nen Daten­quel­len ent­spre­chen sich nicht durch­ge­hend. Über die Befra­gung der Schorn­stein­fe­ger soll­ten eini­ge die­ser Unschär­fen mög­lichst geklärt wer­den.

5.3.1 Befragungskonzept und empirische Gesamtheit

Die Unter­su­chung wur­de als Online-Befra­gung kon­zi­piert. In Koope­ra­ti­on mit dem Lan­des­in­nungs­ver­band des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks Baden-Würt­tem­berg (LIV) wur­de zunächst ein Fra­ge­bo­gen ent­wi­ckelt und dann mit Hil­fe der Soft­ware Lime­S­ur­vey auf dem Web­ser­ver des ifeu auf­ge­setzt. Der Ver­sand der Teil­nah­me­ein­la­dun­gen erfolg­te per Mail über den LIV an rund 900 Betrie­be. Dabei ergab sich ein erfreu­lich hoher Rück­lauf von 250 voll nutz­ba­ren Ant­wor­ten.

5.3.2 Untersuchungsergebnisse

Vie­le Schorn­stein­fe­ger ste­hen Hei­zungs­sys­te­men auf Basis von erneu­er­ba­ren Ener­gi­en auf­ge­schlos­sen gegen­über. Über zwei Drit­tel der Befrag­ten fin­den sol­che Sys­te­me sehr emp­feh­lens­wert (19 %) oder emp­feh­lens­wert (50 %), ledig­lich 2 % der Schorn­stein­fe­ger kön­nen sie nicht emp­feh­len. Außer­dem gehen sie von einer deut­li­chen Erhö­hung des Stel­len­werts von erneu­er­ba­ren Ener­gi­en aus. Drei Vier­tel der befrag­ten Schorn­stein­fe­ger rech­nen damit, dass sich der Stel­len­wert deut­lich erhö­hen (12 %) oder erhö­hen (61 %) wird, nur zwei Pro­zent rech­nen mit einem Rück­gang der Bedeu­tung. Mit den Ent­wick­lun­gen der Hei­zungs­tech­nik wird sich nach Mei­nung von rund 80 % der Schorn­stein­fe­ger auch ihr Berufs­bild deut­lich ver­än­dern.

Diagramm: Wird sich das Berufsbild des Schornsteinfegers durch erneuerbare Energien verändern?
Abbil­dung 5–11: Ände­rung des Berufs­bilds des Schorn­stein­fe­gers durch erneu­er­ba­re Ener­gi­en (Quel­le: Befra­gung Schorn­stein­fe­ger 2018)

Das EWär­meG als Ele­ment der Ver­än­de­run­gen wird von den Schorn­stein­fe­gern unein­heit­lich bewer­tet. Ableh­nen­de Stim­men über­wie­gen die posi­ti­ven Beur­tei­lun­gen leicht, die größ­te Grup­pe der Schorn­stein­fe­ger nimmt aber eine neu­tra­le Hal­tung gegen­über dem Gesetz ein.

Diagramm: Wie bewerten Sie das EWärmeG?
Abbil­dung 5–12: Bewer­tung des EWär­meG durch Schorn­stein­fe­ger (Quel­le: Befra­gung Schorn­stein­fe­ger 2018)

Nach den bestimm­ten Fol­gen für ihre Kun­den befragt stim­men die Schorn­stein­fe­ger jeweils mit deut­li­chen Mehr­hei­ten von 80 % den Aus­sa­gen zu, dass Kun­den mit dem Aus­tausch des Kes­sels zögern und sie ihn ver­mehrt repa­rie­ren, statt den Kes­sel zu tau­schen. Auch hier ergibt sich ein von der End­kun­den­be­fra­gung abwei­chen­des Bild.

Nach Mei­nung der Befrag­ten fra­gen die Kun­den ver­mehrt nach erneu­er­ba­ren Ener­gi­en. 23 % der Schorn­stein­fe­ger stimmt voll und ganz oder eher der Aus­sa­ge zu, dass Kun­den beim Hei­zungs­tausch höhe­re EE-Antei­le instal­lie­ren.

Diagramm: Welche Folgen hat dieses Gesetz Ihrer Einschätzung nach für Ihre Kunden?
Abbil­dung 5–13: Fol­gen des EWär­meG für Kun­den nach Ein­schät­zung der Schorn­stein­fe­ger (Quel­le: Befra­gung Schorn­stein­fe­ger 2018)

Wäh­rend sich die Aus­sa­gen zum Atten­tis­mus nicht durch die Befra­gung von Haus­hal­ten, die dem EWär­meG ver­pflich­tet waren, unter­mau­ern las­sen (dort wird dem EWär­meG nur ein sehr gerin­ger Effekt auf den Zeit­punkt des Kes­sel­tauschs zuge­wie­sen), stützt die empi­ri­sche Ana­ly­se des Hei­zungs­mark­tes den Ein­druck der Schorn­stein­fe­ger, dass die Net­to-Zubau-Effek­te ein biss­chen gerin­ger aus­fal­len.

Die Bekannt­heit des EWär­meG beim Kun­den wird von den Schorn­stein­fe­gern nicht als Pro­blem ange­se­hen. Die Hälf­te der Befrag­ten sieht eine gute Bekannt­heit, wei­te­re 33 % eine mitt­le­re Bekannt­heit des Geset­zes bei den Haus­hal­ten, 16 % gehen von einer gerin­gen Bekannt­heit aus. Auch der Umset­zungs­grad wird weit­ge­hend posi­tiv genannt. Über die Hälf­te der Schorn­stein­fe­ger beob­ach­tet eine häu­fi­ge Umset­zung des EWär­meG, nur 10 % der Befrag­ten gehen von einer gerin­gen Umset­zung aus.

Diagramm: Wie schätzen Sie die Umsetzung des EWärmeG in der Praxis ein?
Abbil­dung 5–14: Grad der Umset­zung des EWär­meG in der Pra­xis (Quel­le: Befra­gung Schorn­stein­fe­ger 2018)

Die Anspra­che des EWär­meG gehört zum All­tag der Schorn­stein­fe­ger, zwei Drit­tel der Befrag­ten spre­chen das The­ma regel­mä­ßig an, das ver­blei­ben­de Drit­tel nur bei einem kon­kre­ten Anlass. Die­se Zah­len decken sich mit der all­ge­mei­nen Bera­tungs­tä­tig­keit der Schorn­stein­fe­ger zum Hei­zungs­tech­nik: 70 % der Befrag­ten gibt an, dazu regel­mä­ßig zu bera­ten, 30 % bera­ten nur auf Anfra­ge der Kun­den. Durch das EWär­meG hat sich aber nach Ansicht der Schorn­stein­fe­ger ihr Bera­tungs­auf­wand erhöht, dar­in sind sich 96 % der Befrag­ten einig. Wenn zum The­ma bera­ten wird, emp­feh­len die wei­ter über­wie­gen­de Mehr­heit der befrag­ten Schorn­stein­fe­ger den Ein­satz erneu­er­ba­rer Ener­gi­en immer (40 %) oder meis­tens (55 %).

Das EWär­meG ver­pflich­tet die Bezirks­schorn­stein­fe­ger, den Aus­tausch einer Hei­zungs­an­la­ge den zustän­di­gen Behör­den zu mel­den. Dabei wer­den nach Anga­ben der Schorn­stein­fe­ger von den Behör­den zumeist Mel­dun­gen über eine elek­tro­ni­sche Schnitt­stel­le des Kehr­buchs (57 %), in sel­te­ne­ren Fäl­len auch Mel­dun­gen per Mail (21 %) oder schrift­lich z. B. per Fax (11 %) ver­langt. Jeder zehn­te Befrag­te gibt an, dass die Behör­de meh­re­re Mel­de­we­ge eröff­net. Ins­ge­samt spie­geln die Mög­lich­kei­ten der Mel­dung auch die Vor­lie­ben der Schorn­stein­fe­ger. Sie befür­wor­ten eben­falls mit einer Mehr­heit die Nut­zung einer Schnitt­stel­le (61 %), sel­te­ner die Mel­dung per Mail (26 %) oder in schrift­li­cher Form (10 %). Der Auf­wand für die Mel­dung wird unein­heit­lich ein­ge­schätzt: Die meis­ten befrag­ten Schorn­stein­fe­ger emp­fin­den nur einen gerin­gen (42 %) oder mitt­le­ren (40 %) Auf­wand, für 17 % ist der Auf­wand hoch. Dabei spie­len die zeit­li­chen Fris­ten aller­dings nur eine gerin­ge Rol­le. Für 80 % der Befrag­ten ist die Frist von drei Mona­ten prak­ti­ka­bel, für 16 % nicht aus­rei­chend.

Um Fra­gen zu Unter­schie­den zwi­schen den ver­schie­de­nen sta­tis­ti­schen Grund­la­gen zum Hei­zungs­markt zu klä­ren, wur­den die Schorn­stein­fe­ger zum Vor­ge­hen befragt, wenn ein Heiz­kes­sel still­ge­legt wird und die neue Heiz­an­la­ge von den Schorn­stein­fe­gern nicht abge­nom­men wer­den muss (z. B. im Fal­le einer Wär­me­pum­pe).

Diagramm: Wie gehen Sie vor, wenn ein Heizkessel stillgelegt wird und die neue Heizanlage von Ihnen nicht angenommen werden muss (z.B. im Falle einer Wärmepumpe)?
Abbil­dung 5–15: Vor­ge­hen, wenn eine neue Heiz­an­la­ge nicht abge­nom­men wer­den muss (Quel­le: Befra­gung Schorn­stein­fe­ger 2018)

Es zeigt sich, dass tat­säch­lich nur in einem klei­nen Teil die­ser Fäl­le eine Mel­dung erfolgt. Mit die­ser Aus­sa­ge erhär­tet sich die Ver­mu­tung, dass bestimm­te Hei­zungs­sys­te­me, ins­be­son­de­re Wär­me­pum­pen, in den Mel­de­zah­len der Schorn­stein­fe­ger nach §22 EWär­meG Schorn­stein­fe­ger­sta­tis­tik unter­re­prä­sen­tiert sind.

Erneuerbare Energien und EWärmeG aus Sicht der Wohnungsgesellschaften

5.4.1 Befragungskonzept und empirische Gesamtheit

Um ein tie­fe­res Ver­ständ­nis für die beson­de­re Situa­ti­on von Woh­nungs- und Immo­bi­li­en­ge­sell­schaf­ten zu gewin­nen, wur­de in Koope­ra­ti­on mit dem vbw Ver­band baden-würt­tem­ber­gi­scher Woh­nungs- und Immo­bi­li­en­un­ter­neh­men e.V. eine Befra­gung durch­ge­führt, an der sich 50 Woh­nungs- und Immo­bi­li­en­ge­sell­schaf­ten betei­lig­ten. Dazu wur­de zunächst ein Fra­ge­bo­gen ent­wi­ckelt und dann mit Hil­fe der Soft­ware Lime­S­ur­vey auf dem Web­ser­ver des ifeu auf­ge­setzt. Der Ver­sand der Teil­nah­me­ein­la­dun­gen erfolg­te per Mail über den vbw an sei­ne Mit­glie­der-Betrie­be.

Die teil­neh­men­den Gesell­schaf­ten besit­zen im Durch­schnitt jeweils rund 250 Gebäu­de mit ins­ge­samt knapp 2.000 Woh­nun­gen. 63 % der Unter­neh­men sind als Genos­sen­schaf­ten orga­ni­siert, 27 % sind kom­mu­na­le und 10 % pri­vat­wirt­schaft­li­che Woh­nungs­un­ter­neh­men.

5.4.2 Untersuchungsergebnisse

Die befrag­ten Unter­neh­men gaben an, im Zeit­raum des ers­ten EWär­meG zwi­schen 2010 und 1. Juli 2015 rund 15 % ihres Hei­zungs­be­stan­des aus­ge­tauscht zu haben. Seit dem 1. Juli 2015 wur­den wei­te­re 9 % aus­ge­tauscht. Das ent­spricht jeweils jähr­li­chen Aus­tauschra­ten um 3 %, wobei eine Ver­än­de­rung zwi­schen der Pha­se des ers­ten und des zwei­ten EWär­meG nicht fest­ge­stellt wer­den kann.

Auf die Fra­ge, wel­che Grün­de für die Hei­zungs­er­neue­rung ent­schei­dend waren, ant­wor­ten die befrag­ten Unter­neh­men damit, dass die Hei­zung ent­we­der aus Alters- und Effi­zi­enz­grün­den aus­ge­tauscht wur­de oder ein tech­ni­scher Defekt vor­lag. Auf die Wahl des Ener­gie­trä­gers und der Heiz­tech­nik haben nach Anga­ben der Befrag­ten vor allem Kos­ten­er­wä­gun­gen einen Ein­fluss. Gewählt wird die wirt­schaft­lichs­te Anla­ge. An zwei­ter Stel­le fol­gen tech­ni­sche Erwä­gun­gen wie Sicher­heit und Steu­er­bar­keit. Das EWär­meG wird von rund einem Drit­tel der Woh­nungs­un­ter­neh­men als Ein­fluss genannt, rund ein Vier­tel geben zudem Umwelt­er­wä­gun­gen an.

Kon­kret nach einem Ein­fluss des EWär­meG auf das gewähl­te Hei­zungs­sys­tem gefragt, bejah­ten 40 % der befrag­ten Unter­neh­men die­sen, 60 % sahen kei­nen beson­de­ren Ein­fluss.

Diagramm: Was hat bei den Heizungserneuerungen hauptsächlich die Wahl der Technologie/Energieträger beeinflusst?
Abbil­dung 5–16: Ein­flüs­se auf die Wahl der Heiz­tech­nik (Quel­le: Befra­gung Woh­nungs­ge­sell­schaf­ten 2018)

Neben einem Ein­fluss auf die Wahl der Heiz­tech­nik wird dem EWär­meG von 30 % der befrag­ten Unter­neh­men auch ein Ein­fluss auf den Zeit­punkt der Hei­zungs­er­neue­rung zuge­wie­sen. Die­ser Ein­fluss äußer­te sich etwa zur Hälf­te, indem die Hei­zungs­er­neue­rung vor­ge­zo­gen wur­de, die ande­re Hälf­te der Unter­neh­men, die dem EWär­meG einen Ein­fluss auf den Zeit­punkt zuwie­sen, ver­zö­ger­te die Erneue­rung.

Die Woh­nungs- und Immo­bi­li­en­un­ter­neh­men wur­den gefragt, zu wel­chem Anteil die ein­zel­nen Erfül­lungs­op­tio­nen des EWär­meG genutzt wer­den, um sei­nen Anfor­de­run­gen zu ent­spre­chen. Die­se Antei­le wur­den im Anschluss auf Basis der vom jewei­li­gen Unter­neh­men beses­se­nen Gebäu­de nor­miert. Die fol­gen­de Gra­phik gibt Auf­schluss über die genutz­ten Erfül­lungs­op­tio­nen. Bei zwei Drit­teln aller betrach­te­ten Gebäu­de wer­den Kom­bi­na­tio­nen von Erfül­lungs­op­tio­nen genutzt, aller­dings geben die Daten kei­nen Auf­schluss über mög­li­che Kom­bi­na­tio­nen.

Diagramm: Anteil der genutzten Erfüllungsoptionen
Abbil­dung 5–17: Anteil der Erfül­lungs­op­tio­nen1, gewich­tet nach Gebäu­de­zahl der Unter­neh­men (Quel­le: Befra­gung Woh­nungs­ge­sell­schaf­ten 2018)

Im Ver­gleich zu pri­va­ten Wohn­ge­bäu­den fällt zunächst ein­mal der hohe Anteil der Gebäu­de­däm­mung als Ersatz­maß­nah­me auf. Denk­bar ist, dass für sie die Inves­ti­ti­ons­kos­ten eine gerin­ge­re Rol­le spie­len und die Maß­nah­men in Hin­blick auf Wert­erhalt und –stei­ge­rung sowie die Mög­lich­keit, höhe­re Mie­ten zu erzie­len, ren­ta­bler sind. Es ist auch wahr­schein­lich, dass Unter­neh­men mit grö­ße­rem Gebäu­de­be­stand und einem hohen Anteil von Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern die Sanie­run­gen pro Wohn­ein­heit güns­ti­ger durch­füh­ren kön­nen.

Dage­gen ist die Nut­zung von Pho­to­vol­ta­ik und Solar­ther­mie eher unter­re­prä­sen­tiert. Auch das lässt sich anhand des Gebäu­de­be­stands der Unter­neh­men erklä­ren. Pro Wohn­ein­heit ste­hen im Durch­schnitt weni­ger Dach­flä­chen zur Ver­fü­gung; Mie­ter­ver­mark­tung von PV-Strom unter­liegt zudem der­zeit noch ver­schie­de­nen Hemm­nis­sen.

Da sich Woh­nungs- und Immo­bi­li­en­un­ter­neh­men in einem gro­ßen Maß­stab mit dem E-Wär­meG kon­fron­tiert sehen und gleich­zei­tig zwi­schen den eige­nen wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen und den Belan­gen von Mie­tern ver­mit­teln müs­sen, wur­den sie zu spe­zi­el­len Ände­rungs­wün­schen in Bezug auf das Gesetz gefragt. In den offe­nen Ant­wor­ten gab es Ein­zel­mei­nun­gen, die die Abschaf­fung des Geset­zes oder zumin­dest eine Ver­schlan­kung der Vor­schrif­ten for­dern. Die Fra­ge, ob eine Berück­sich­ti­gung eines gesam­ten Quar­tiers (meh­re­re benach­bar­te Gebäu­de) zur Errei­chung der Vor­ga­ben des EWär­meG aus ihrer Sicht wün­schens­wert wäre, ant­wor­ten die Woh­nungs­ge­sell­schaf­ten unein­heit­lich. Eine Mehr­heit wür­de ein sol­ches Vor­ha­ben begrü­ßen (sehr wün­schens­wert: 33 %, eher wün­schens­wert 27 %), rund 40 % leh­nen es (eher) ab. Bei den Vor­tei­len wird mehr­fach die Mög­lich­keit genannt, die Hei­zungs­ver­sor­gung über­grei­fend und damit effi­zi­en­ter zu gestal­ten, z.B. durch Nah­wär­me­net­ze und gemein­sa­me Heiz­zen­tra­len.

Einig­keit herrscht dage­gen dar­in, dass für bestimm­te Gebäu­de Här­te­fall­re­ge­lun­gen und Aus­nah­men für das EWär­meG gel­ten soll­ten. Rund die Hälf­te der befrag­ten Unter­neh­men schlägt eine Här­te­fall­re­ge­lung anhand des Gebäu­de­al­ters vor, die ande­re Hälf­te anhand von sozia­len Kri­te­ri­en (Zumut­bar­keit für Mie­ter). Für sol­che wirt­schaft­li­chen oder sozia­len Son­der­fäl­le sol­len nach Mei­nung der befrag­ten Unter­neh­men die Anfor­de­run­gen des Geset­zes ver­rin­gert wer­den. Wei­te­re Mög­lich­kei­ten für Här­te­fall­re­ge­lun­gen erge­ben sich nach Aus­sa­gen ein­zel­ner Unter­neh­men über indi­vi­du­el­le Gebäu­de­ge­ge­ben­hei­ten wie z. B. ver­füg­ba­re Dach­flä­chen und ihre Aus­rich­tung, die die Nut­zung von Solar­ener­gie ein­schrän­ken.

Qualitative Interviews mit weiteren Experten und Stakeholdern

Ergän­zend zu den Brei­ten­be­fra­gun­gen wur­den ein­stün­di­ge Tie­fen­in­ter­views mit Exper­ten durch­ge­führt, die in unter­schied­li­chen Kon­tex­ten mit dem EWär­meG befasst sind. Außer­dem wur­den im Rah­men eines Work­shops am 29.01.2018 Exper­ten und Sta­ke­hol­der die ers­ten Ergeb­nis­se der Eva­lu­ie­rung vor­ge­stellt und dis­ku­tiert. Eine Lis­te mit befrag­ten Exper­ten fin­det sich im Anhang (Tabel­le 14–1). Im Fol­gen­den sind die wesent­li­chen Rück­mel­dun­gen doku­men­tiert.

Trig­ger­funk­ti­on. Von eini­gen Befrag­ten wur­de auf die Initi­ie­rungs­wir­kung des EWär­meG hin­ge­wie­sen. Bei regio­na­len Ener­gie­agen­tu­ren rufen bei­spiels­wei­se geschätzt 10–15 Kun­den pro Woche an, die sich zum EWär­meG bera­ten las­sen wol­len. Der Bera­ter nutzt die­se Gele­gen­heit, um auf die Mög­lich­keit einer Bera­tung hin­zu­wei­sen. Bei schät­zungs­wei­se einem Drit­tel der Anru­fer erfolgt im Anschluss eine genaue­re Ener­gie­be­ra­tung (Trig­ger­funk­ti­on). Der Bera­ter einer regio­na­len Ener­gie­agen­tur weist dar­auf hin, dass bei vie­len Anru­fern eine all­fäl­li­ge „anfäng­li­che Ver­är­ge­rung über die Pflich­ten durch das Bera­tungs­ge­spräch ver­raucht“.

Auch ein wei­te­rer Befrag­ter bestä­tigt die Trig­ger­wir­kung: es wird über EE-Wär­me dis­ku­tiert. Er schlägt vor, einen expli­zi­ten Prüf­nach­weis zu ver­lan­gen, in dem das Durch­prü­fen aller sinn­vol­len Erfül­lungs­op­tio­nen doku­men­tiert wird. Erfül­lungs­op­tio­nen und Aus­lö­se­tat­be­stand. Ins­ge­samt wird die Brei­te der Erfül­lungs­op­tio­nen gelobt. Kei­ner der Befrag­ten spricht sich dafür aus, die Erfül­lungs­op­tio­nen auf EE-Wär­me ein­zu­schrän­ken, um eine fokus­sier­te Wir­kung zu bekom­men („Der ganz­heit­li­che Ansatz ist gera­de der Charme des EWär­meG.“). Eine Reflex­lö­sung ist aller­dings nach Aus­sa­ge eines Befrag­ten das „Erha­schen eines SFP“ in Kom­bi­na­ti­on mit Bio­gas. Der Befrag­te spricht sich aller­dings dafür aus, dass es die Ver­ant­wor­tung der Fach­hand­wer­ker und Pla­ner ist, hier anders vor­zu­ge­hen.

Die Befrag­ten machen unter­schied­li­che Vor­schlä­ge zur Wei­ter­ent­wick­lung der Erfül­lungs­op­tio­nen, die auch vom jewei­li­gen Fokus der Befrag­ten abhän­gen:

  • Die Auf­nah­me von Fens­tern in den Kata­log von Erfül­lungs­op­tio­nen wird ange­regt.
  • Kamin­öfen soll­ten ggf. auf­ge­nom­men wer­den, aber nur bei Erfül­lung stren­ger Umwelt­stan­dards (Sekun­där­ver­bren­nung; Sekun­där­maß­nah­men; u.ä.).
  • Auch im WG soll­ten Lüf­tungs­an­la­gen mit WRG und Effi­zi­enz­an­for­de­rung aner­kannt wer­den.
  • Ein Wei­ter­ent­wick­lungs­be­darf wird gese­hen bei der Aner­ken­nung von teil­ge­dämm­ten Kel­ler­de­cken: die Teil­flä­chen soll­ten antei­lig aner­kannt wer­den.
  • Die Ein­füh­rung von Trink­was­ser-WP als pau­scha­le Tei­ler­fül­lung wird von eini­gen begrüßt, aber nur unter zusätz­li­chen Effi­zi­enz­an­for­de­run­gen. Auch wird auf die star­ke Nut­zer­ab­hän­gig­keit von Trink­was­ser-WP hin­ge­wie­sen.
  • Bio­gas und Bio­öl wird von meh­re­ren Befrag­ten und Teil­neh­mern des Work­shops aus ener­gie­wirt­schaft­li­cher Per­spek­ti­ve deut­lich in Fra­ge gestellt (Argu­men­te: rein kauf­män­nisch-rech­ne­ri­sche Opti­on ohne Zusätz­lich­keits­wir­kung; Bio­öl wird in ande­ren Markt­seg­men­ten (Ver­kehr) drin­gen­der benö­tigt; frag­li­che Aus­wir­kun­gen des Bio­me­thans (Anbau von nach­wach­sen­den Roh­stof­fen).
  • Bei Bio­öl wird zudem dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es in ver­schie­de­nen Fäl­len zu Lie­fer­ver­zö­ge­run­gen gekom­men ist auf Grund der gerin­gen Nach­fra­ge. Ins­ge­samt äußern drei Exper­ten, dass Bio­öl aus den Erfül­lungs­op­tio­nen ent­fernt wer­den soll­ten, zumal der­zeit noch der fos­si­le Kes­sel­tausch von der KfW geför­dert wird; die ande­ren äußern sich hier­zu nicht.
  • Es wird auf ver­schie­de­ne Spe­zi­al­fäl­le hin­ge­wie­sen, die nicht ein­deu­tig gere­gelt sind bzw. zu Nach­fra­gen füh­ren (Heiz­kes­sel ist im Kel­ler des Nach­barn; Erwei­te­rung von Werk­stät­ten).
  • Die Zulas­sung des SFP für NWG als voll­stän­di­ge Erfül­lungs­op­ti­on löse viel­fach Er-stau­nen aus. Auf der ande­ren Sei­te ist bei NWG der zeit­li­che Nut­zungs­ho­ri­zont oft­mals kür­zer und damit weni­ger Spiel­raum für inves­ti­ve Maß­nah­men klei­ner.
  • Daher wer­den für NWG eher wei­te­re Erfül­lungs­op­tio­nen ins Spiel gebracht, die die­ses Nut­zungs­zeit­pro­blem umge­hen, nament­lich LED-Beleuch­tung, wesent­li­che Ver­bes­se­rung des som­mer­li­chen Wär­me­schut­zes durch inves­ti­ve Maß­nah­men, Effi­zi­enz­maß­nah­men bei der Warm­was­ser­be­rei­tung.
  • Von meh­re­ren Befrag­ten wird die Öff­nung der 50 kW-Gren­ze bei Bio­me­than für sehr wich­tig erach­tet, was gera­de für Betrie­be im NWG-Bereich wich­tig sein kann.
  • Ein Befrag­ter schlägt den Ein­be­zug von PtG als äqui­va­lent zu Bio­me­than vor.
  • Von Befrag­ten aus dem Kon­text der NWG wird genannt, dass auch Maß­nah­men bzgl. HT‘ am Gebäu­de auch im NWG rück­wärts­ge­rich­tet aner­kannt wer­den soll-ten. Wenn an einem Bau­teil gear­bei­tet wird, kann es so gemacht wer­den, dass die Nut­zungs­pflicht erfüllt wird. Dies wäre ein Argu­ment für Pla­ner, vor allem aber für Hand­wer­ker, wei­te­re Effi­zi­enz­maß­nah­men im NWG vor­ge­zo­gen zu ver­wirk­li­chen.
  • Zwei Befrag­te schla­gen vor, den Aus­lö­se­tat­be­stand nicht mehr an den Kes­sel­tausch zu knüp­fen, da hier zudem hin und wie­der Irri­ta­ti­on über die genaue Begriffs­de­fi­ni­ti­on des Kes­sels herrscht („gene­ra­tor ver­sus hea­ter“). Im Gespräch wer­den die Optio­nen „Kes­sel älter als 30 Jah­re“ oder „Kes­sel schlech­ter als Effi­zi­enz­klas­se X“ ins Spiel gebracht.


Bera­tung und Sanie­rungs­fahr­plan. Der Sanie­rungs­fahr­plan wird von den end­kun­den­nah täti­gen Befrag­ten gelobt („Für den Bür­ger ist es eine sehr gute Lösung, „Was wäre wenn“ zu ana­ly­sie­ren.“; „Der SFP ist ein Voll­tref­fer“). Ein Befrag­ter regt eine grö­ße­re Schrift­grö­ße im Bericht an. Ein Befrag­ter stellt her­aus, dass nur durch den SFP die Bio­me­than-Erfül­lung zu einer nach­hal­ti­gen Opti­on wird, weil sich so eine lang­fris­ti­ge Wir­kung ergibt. Es wird auch auf die wich­ti­ge Rol­le der Schorn­stein­fe­ger hin­ge­wie­sen. („Wenn der Schorn­stein­fe­ger sagt, die Anla­ge ist noch gut, unter­nimmt der Kun­de nichts.“) Hier wird auf die Bedeu­tung der Nach­rüst­ver­pflich­tung der EnEV und die Außer­be­trieb­nah­me gemäß BIm­schG hin­ge­wie­sen.

Ver­ständ­lich­keit der For­mu­la­re und Mate­ria­li­en wird von allen Befrag­ten gene­rell als gut bezeich­net („Die For­mu­la­re erklä­ren die Erfül­lungs­op­tio­nen bes­ser als das Gesetz“); ver­ein­zelt wird der Wunsch nach einer ver­ein­fach­ten Dar­stel­lung geäu­ßert („Zu vie­le Bruch­stri­che im For­mu­lar“).

Fort­bil­dung. Vie­le regio­na­le Ener­gie­agen­tu­ren füh­ren Fort­bil­dun­gen zum EWär­meG für Hand­wer­ker durch. „Es kom­men aber immer die Glei­chen“ (bspw. haben in einer Ener­gie­agen­tur von 150 Archi­tek­ten nur rd. 20 an Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen teil­ge­nom­men). Das Infor­ma­ti­ons­an­ge­bot wird ins­ge­samt als aus­ge­zeich­net betrach­tet. Ins­be­son­de­re die „Erfül­lungs-App“ und Excel­ta­bel­le wird als sehr hilf­reich genannt (von einem Befrag­ten sogar als „bahn­bre­chend“).

Zwei Befrag­te wei­sen dar­auf hin, dass man in der Kom­mu­ni­ka­ti­on ver­stärkt Ziel­grup­pen auf die (Markt-)Chancen des EWär­meG hin­wei­sen muss. So könn­te das EWär­meG auch jen­seits des Hei­zungs­baus ein Argu­ment sein, bei­spiels­wei­se eine Kel­ler­de­cken­däm­mung oder eine obers­te Geschoss­de­cken­däm­mung durch­zu­füh­ren. Hier soll­ten die ein­zel­nen Gewer­ke (z. B. Stuk­ka­teu­re, Dach­de­cker, Zim­mer­män­ner) gezielt akti­viert wer­den, bei­spiels­wei­se optio­na­le Zusatz­an­ge­bo­te in Ange­bo­te auf­zu­neh­men („Hier­mit erfül­len Sie das EWär­meG“).

Ein Befrag­ter ver­weist dar­auf, dass die Ver­an­ke­rung des EWär­meG in den Regio­na­len Kom­pe­tenz­stel­len für Ener­gie­ef­fi­zi­enz KEFF ver­bes­sert wer­den könn­te. Voll­zug. Ein Befrag­ter äußert den Vor­schlag, dass mit den Zah­len zur Pflicht­er­fül­lung ein Bench­mar­king der Kom­mu­nen durch­ge­führt wer­den könn­te, dass dann einen Kom­mu­nen­ver­gleich ermög­licht.

Atten­tis­mus. Nach Ein­schät­zung aller end­kun­den­na­hen Befrag­ten ist der Atten­tis­mus als gering ein­zu­stu­fen (Schät­zung regio­na­le Ener­gie­agen­tur: < 10 % der Ver­pflich­te­ten). Befrag­te ver­wei­sen dar­auf, dass das „Gesetz kei­ne Ein­tags­flie­ge ist und die Leu­te zuneh­mend Ver­ständ­nis für das Anlie­gen des Geset­zes haben“.

Ein Ver­tre­ter eines Woh­nungs­un­ter­neh­mens bestä­tig­te, dass für sein Unter­neh­men die Pflicht­er­fül­lung kein Pro­blem dar­stel­le, ins­be­son­de­re, da vie­le der betrof­fe­nen Gebäu­de an ein pflicht­er­fül­len­des Wär­me­netz ange­schlos­sen sind.

Ver­wal­te­ter Woh­nungs­be­stand. Im ver­wal­te­ten Woh­nungs­be­stand, so ein Ver­tre­ter eines Woh­nungs­un­ter­neh­mens, exis­tie­ren über­pro­por­tio­nal vie­le Gas­eta­gen­hei­zun­gen, die von der Nut­zungs­pflicht nicht betrof­fen sind. Dach­flä­chen sind hier viel­fach nicht aus­rei­chend, um die Nut­zungs­pflicht zu erfül­len. Gegen die Erfül­lungs­op­ti­on Solar­ther­mie spre­chen hier oft auch Dach­flä­chen­fens­ter und Gau­ben. Für Pel­lets fehlt in den MFH viel­fach der Platz.

Pro­ble­ma­tisch ist hier viel­fach, dass die Eigen­tü­mer im WEG-Kon­text vom Ver­wal­ter „das gesam­mel­te Wis­sen ver­lan­gen“. Hier wer­den immer wie­der exter­ne Fach­in­ge­nieu­re ein­ge­la­den, dem eher eine neu­tra­le Bera­tung abge­nom­men wird. Der erhöh­te Auf­wand für die Bera­tung zum EWär­meG wird i. d. R. nicht durch den Kun­den ver­gü­tet; neue Lehr­gän­ge für Ver­wal­ter sind ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung. Erwä­gens­wert wäre aus Sicht des Exper­ten eine För­de­rung der Teil­nah­me für Ver­wal­ter durch das Land.

Der Exper­te ist der Auf­fas­sung, dass durch die Erhö­hung der Nut­zungs­pflicht von 10 auf 15 % ver­stärkt Con­trac­ting und Fern­wär­me­lö­sun­gen gewählt wer­den. Auch die Bedeu­tung der Erfül­lungs­op­ti­on PV wird nach Ansicht des Exper­ten stei­gen, z. T. in Ver­bin­dung mit All­ge­mein­strom­ver­sor­gung oder Mie­ter­strom. Hier wir­ken aller­dings die steu­er­li­chen Restrik­tio­nen von Mie­ter­strom beson­ders stark (umsatz­steu­er­freie Ver­mie­tung; hoher Auf­wand für Steu­er­erklä­rung usw.). Eine Ent­bü­ro­kra­ti­sie­rung des Mie­ter­stroms wür­de also auch die Rea­li­sie­rung der Erfül­lungs­op­ti­on des EWär­meG ver­ein­fa­chen.

Ein beson­de­res Pro­blem im Bereich der WEG taucht auf durch die Behei­zungs­struk­tur. Gasther­men sind in der Regel im Son­der­ei­gen­tum der ein­zel­nen Woh­nungs­ei­gen­tü­mer (wäh­rend zen­tra­le Hei­zun­gen im Gemein­schafts­ei­gen­tum sind). Bereits heu­te tritt das Pro­blem auf, wer bei Tausch einer Gasther­me und Instal­la­ti­on einer Gas­brenn­wert­ther­me für die Kon­di­tio­nie­rung des Kamins auf­kommt; eigent­lich müss­ten dann alle Gasther­men gleich­zei­tig getauscht oder ein­zel­ne Kami­ne errich­ten wer­den. Eine ähn­li­che Fra­ge wür­de sich bei einer Aus­wei­tung des EWär­meG auf Gas­eta­gen­hei­zun­gen stel­len.

1 Com­pu­ter Assisted Tele­pho­ne Inter­view 
2 Die Dar­stel­lung der Erfül­lungs­op­tio­nen ist auf­grund der Unter­schie­de zwi­schen Abfra­ge­me­tho­dik und der Aus­wer­tung der Mel­de­re­gis­ter­da­ten nicht kom­plett ver­gleich­bar. Wich­ti­ge Unter­schie­de erge­ben sich bei den Maß­nah­men­kom­bi­na­tio­nen und bei der Nut­zung von Wär­me­pum­pen. 
3 Als inno­va­tiv im Sin­ne der SHK-Umfra­ge gel­ten hier­bei Hand­werks­be­trie­be, die sowohl digi­ta­le Pro­duk­te und Dienst­leis­tun­gen für den End­kun­den anbie­ten als auch im Bera­tungs­ge­spräch auf tech­ni­sche Hilfs­mit­tel zurück­grei­fen. 
4 Die Dar­stel­lung der Erfül­lungs­op­tio­nen ist auf­grund der Unter­schie­de zwi­schen Abfra­ge­me­tho­dik und der Aus­wer­tung der Mel­de­re­gis­ter­da­ten nicht kom­plett ver­gleich­bar. Wich­ti­ge Unter­schie­de erge­ben sich vor allen bei den Maß­nah­men­kom­bi­na­tio­nen, die hier nicht sepa­rat auf­ge­führt sind.