Empirische-statistische Analyse des Heizungsmarktes in Baden-Württemberg

Ausgangslage und Fragestellung

Ergän­zend zu der Ana­ly­se der sta­tis­ti­schen Daten zur Erfül­lung der Nut­zungs­pflicht wer­den in die­sem Kapi­tel Markt­da­ten her­an­ge­zo­gen, um die Dyna­mik des baden-würt­tem­ber­gi­schen Wär­me­mark­tes zu unter­su­chen. Dabei steht die Fra­ge im Vor­der-grund, ob und in wel­chem Aus­maß sich an den Markt­zah­len Aus­wir­kun­gen des EWär­meG auf den Aus­bau erneu­er­ba­rer Wär­me – und auch auf Effi­zi­enz­maß­nah­men und Ener­gie­be­ra­tung – zei­gen. In die­sem Zusam­men­hang wird auch unter­sucht, wie sich die Anschluss­zah­len an Wär­me­net­ze (als wei­te­rer Erfül­lungs­op­ti­on) ent­wi­ckelt haben. Effi­zi­enz­maß­nah­men wer­den von zwei Sei­ten beleuch­tet: einer­seits wird unter­sucht, inwie­weit die Anfor­de­run­gen des EWär­meG dazu füh­ren, dass not­wen­di­ge Hei­zungs­mo­der­ni­sie­run­gen auf­ge­scho­ben wer­den (Atten­tis­mus), wie z. B. in (BDH 2018a) ver­mu­tet. Ande­rer­seits wird betrach­tet, inwie­weit sich Effek­te des EWär­meG in der Zahl von Ener­gie­be­ra­tung und in der Ent­wick­lung von För­der­zah­len zur Gebäu­de­sa­nie­rung nie­der­schla­gen.

Die Ana­ly­se muss ein­ge­bet­tet sein in ein Bewusst­sein über die Ent­wick­lung des Gesamt­mark­tes. Abbil­dung 4–1 zeigt die Ent­wick­lung des Mark­tes für Wär­me­er­zeu­ger auf Bun­des­ebe­ne seit 2005. Deut­lich wird, dass der gesam­te Absatz in der Bun­des­re­pu­blik nach mas­si­ven Ein­brü­chen 2007 auch 2017 noch nicht wie­der den Stand von 2005 und 2006 erreicht hat. Wäh­rend der Aus­bau von Erneu­er­ba­ren in der Wär­me­er­zeu­gung schlep­pend ver­läuft, durch­drin­gen vor allem Gas-Brenn­wert­kes­sel den Markt. 2016 und 2017 konn­ten Wär­me­pum­pen jedoch im Ver­gleich zu den Vor­jah­ren stär­ker zule­gen.

Diagramm: Absatz von Wärmeerzeugern in Deutschland
Abbil­dung 4–1: Absatz von Wär­me­er­zeu­gern in Deutsch­land [in Stück] (Quel­len: BDH 2016a, 2017a, 2018b)

Statistische Grundlagen

Die Her­aus­for­de­rung der vor­lie­gen­den Ana­ly­se ist, dass es kei­ne ein­heit­li­che, umfas­sen­de Heiz­kes­sel­sta­tis­tik gibt und die vor­han­de­nen Zah­len­wer­ke jeweils eige­ne Beschrän­kun­gen auf­wei­sen. Daher müs­sen ver­schie­de­ne Sta­tis­ti­ken so zusam­men­ge­setzt wer­den, dass sich ein Gesamt­bild ergibt. Zu die­sem Zweck wer­den die fol­gen­den sta­tis­ti­schen Quel­len genutzt:

  • Die Sta­tis­tik des BDH (anony­mi­sier­te Absatz­zah­len sowie Mul­ti­moment­auf­nah­me 2018) dient sowohl der Betrach­tung der Moder­ni­sie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten von Hei­zungs­be­trei­bern als auch der Ana­ly­se der Aus­bau­dy­na­mik von Erneu­er­ba­ren in der Wär­me­er­zeu­gung.
  • Die Schorn­stein­fe­ger­sta­tis­tik zu mess­pflich­ti­gen Feue­rungs­an­la­gen, die mit Öl oder Gas betrie­ben wer­den, wird zur Betrach­tung von Moder­ni­sie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten her­an­ge­zo­gen.
  • Die MAP-För­der­sta­tis­tik dient der Unter­su­chung der Aus­bau­dy­na­mik von Erneu­er­ba­ren in der Wär­me­er­zeu­gung.
  • Wei­te­re Ana­ly­sen und Lite­ra­tur­quel­len, ins­be­son­de­re sta­tis­ti­sche Quel­len zur Ent­wick­lung von Heiz­sys­te­men im neu gebau­ten Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäu­den. Damit lässt sich abschät­zen, wel­cher Teil der abge­setz­ten Kes­sel in den Gebäu­de­be­stand geht.

Die wich­tigs­ten sta­tis­ti­schen Quel­len wer­den im Fol­gen­den jeweils kurz vor­ge­stellt.

4.2.1 Statistik des BDH

Der Bun­des­ver­band der deut­schen Hei­zungs­in­dus­trie ver­trat im Jahr 2017 100 Unter­neh­men und zwei asso­zi­ier­te Ver­bän­de, die ins­ge­samt gut 90 % des Umsat­zes der Hei­zungs­in­dus­trie in Deutsch­land aus­ma­chen (BDH 2018). In Posi­ti­ons­pa­pie­ren von 20131, 20162 und 20183 argu­men­tiert der BDH, dass Baden-Würt­tem­berg bei der Moder­ni­sie­rung von Wär­me­er­zeu­gern sowohl nach dem ers­ten Inkraft­tre­ten des EWär­meG 2010 als auch nach der Novel­lie­rung 2015 gegen­über dem rest­li­chen Bun­des­ge­biet zurück­ge­fal­len sei (BDH 2016b, 2018a).

Für das Posi­ti­ons­pa­pier 2018 wur­de in einer soge­nann­ten Mul­ti­moment­auf­nah­me Her­stel­ler nach ihren Absatz­zah­len von zen­tra­len Wär­me­er­zeu­gern (Gas-, Öl-, Holz-Heiz­kes­sel und Wär­me­pum­pen) sowie Solar­ther­mie­an­la­gen in Baden-Würt­tem­berg befragt. Dabei kön­nen ver­mut­lich bei der Zuord­nung zum Bun­des­land Baden-Würt­tem­berg Unschär­fen ent­ste­hen, wenn Instal­la­ti­ons­be­trie­be in meh­re­ren Bun­des­län­dern tätig sind. Die­se Erhe­bung deckt die Jah­re 2008 bis 2016 ab und wur­de wie schon die vor­he­ri­ge Mul­ti­moment­auf­nah­me 2016 ergän­zend zu den übli­chen Erhe­bun­gen über die bun­des­wei­te Markt­ent­wick­lung durch­ge­führt. Für die BDH-Erhe­bun­gen wer­den die ein­zel­nen Unter­neh­mens­da­ten durch einen Wirt­schafts­prü­fer gesam­melt, anony­mi­siert und unter Nen­nung der teil­neh­men­den Unter­neh­men an den BDH über­mit­telt. Anschlie­ßend kor­ri­giert der BDH die Daten ent­spre­chend der geschätz­ten Markt­ab­de­ckung4. Anla­gen im Neu­bau wur­den über Zah­len des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes über Bau­fer­tig­stel­lun­gen und dabei ein­ge­setz­ten pri­mä­ren Heiz­ener­gi­en her­aus­ge­rech­net (ebd.). Anschlie­ßend wur­de dif­fe­ren­ziert nach Anla­gen­tech­no­lo­gie ein Moder­ni­sie­rungs­in­dex berech­net, bei dem alle Absatz­zah­len auf das Basis­jahr 2008 bezo­gen wur­den. Dar­über hin­aus berech­net der BDH ein Sze­na­rio, indem er eine hypo­the­ti­sche Markt­ent­wick­lung ohne Ein­füh­rung des EWär­meG berech­net, unter der Annah­me, dass der baden-würt­tem­ber­gi­sche Markt sich ent­spre­chend dem Trend in den übri­gen Bun­des­län­dern ent­wi­ckelt hät­te.

Neben den Mul­ti­moment­auf­nah­men des BDH wur­den die ver­öf­fent­lich­ten Absatz­zah­len des BDH für Wär­me­er­zeu­ger in Deutsch­land genutzt. Dar­über hin­aus stell­te der BDH Absatz­zah­len für Wär­me­er­zeu­ger in Baden-Würt­tem­berg zur Ver­fü­gung, die eben­falls für die Ana­ly­se ver­wen­det wur­den.

4.2.2 MAP-Förderstatistik

Das Markt­an­reiz­pro­gramm wur­de 1999 ein­ge­führt und ist das zen­tra­le För­der­instru­ment der Bun­des­re­gie­rung für erneu­er­ba­re Ener­gi­en im Wär­me­be­reich. Klei­ne Solar­ther­mie­an­la­gen sowie Bio­mas­se­an­la­gen und Wär­me­pum­pen unter 100 kW Leis­tung wer­den über das BAFA geför­dert, grö­ße­re Anla­gen über 100 kW wer­den über die Kre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau (KfW) geför­dert. Bei gro­ßen Solar­kol­lek­tor­an­la­gen besteht teil­wei­se ein Wahl­recht zwi­schen BAFA- und KfW-För­de­rung (nicht kumu­la­tiv). Das MAP zielt pri­mär auf die För­de­rung von Anla­gen im Gebäu­de­be­stand ab. Eine För­de­rung im Neu­bau ist daher nur noch unter bestimm­ten Bedin­gun­gen mög­lich (Inno­va­ti­ons­för­de­rung).

Das Bun­des­amt für Wirt­schaft und Aus­fuhr­kon­trol­le (BAFA) erstellt eige­ne Sta­tis­ti­ken über Anla­gen im Gebäu­de­be­stand, die von Sei­ten des BAFA über das MAP geför­dert wer­den. Erfasst wer­den Anzahl und Leis­tung bzw. Flä­che von solar­ther­mi­schen Anla­gen, Holz­hei­zun­gen – dif­fe­ren­ziert nach den Brenn­stof­fen Pel­lets, Hack­schnit­zel und Scheit­holz – sowie Wär­me­pum­pen. Die Anga­ben bezie­hen sich jeweils auf das Jahr der Inbe­trieb­nah­me, für 2015 wer­den das ers­te und zwei­te Halb­jahr unter­schie­den. Zah­len für 2017 sind vor­läu­fi­ge Zah­len, da noch wei­te­re Anträ­ge für 2017 ein­ge­hen kön­nen.

4.2.3 Schornsteinfegerstatistik

Nach der ers­ten Ver­ord­nung zur Durch­füh­rung des Bun­des­im­mis­si­ons­schutz­ge­set­zes (1. BIm­SchV), der Ver­ord­nung über klei­ne und mitt­le­re Feue­rungs­an­la­gen, müs­sen bestimm­te Gas- und Ölhei­zungs­an­la­gen (neben ande­ren Anla­gen, wie zum Bei­spiel Bio­mas­se-befeu­er­te Hei­zungs­an­la­gen), regel­mä­ßig durch einen Schorn­stein­fe­ger auf Abgas­ver­lus­te und je nach Anla­gen­typ auch auf Koh­len­stoff­mon­oxid-, Ruß-, Ölde­ri­vat- und Stick­stoff­oxid­emis­sio­nen über­prüft wer­den. Nicht mess­pflich­tig waren bis zum Inkraft­tre­ten der novel­lier­ten 1. BIm­SchV am 22. März 2010 alle Anla­gen mit einer Feue­rungs­wär­me­leis­tung klei­ner 11 kW. Seit dem 22. März 2010 liegt die Gren­ze bei 4 kW. Anla­gen mit einer Feue­rungs­wär­me­leis­tung grö­ßer 4 kW kön­nen von der Mess­pflicht aus­ge­nom­men sein, ins­be­son­de­re sind dies Gas-Brenn­wert­ge­rä­te und gewis­se Son­der­an­la­gen. Wäh­rend die Mes­sun­gen vor 2010 jähr­lich erfolg­ten, hat die BIm­SchV-Novel­le eine tur­nus­mä­ßi­ge Über­wa­chung ein­ge­führt. Anla­gen, deren Inbe­trieb­nah­me oder wesent­li­che Ände­rung mehr als zwölf Jahr zurück­liegt, müs­sen nun ein­mal in jedem zwei­ten Kalen­der­jahr gemes­sen wer­den. Jün­ge­re Anla­gen müs­sen nur ein­mal in jedem drit­ten Kalen­der­jahr über­wacht wer­den (§ 15 Abs. 3 1. BIm­SchV).

Die Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter mel­den die Ergeb­nis­se der Mes­sun­gen jedes Kalen­der­jahr dem zustän­di­gen Lan­des­in­nungs­ver­band. Die Lan­des­in­nungs­ver­bän­de für das Schorn­stein­fe­ger­hand­werk erstel­len jeweils Über­sich­ten über die Ergeb­nis­se der Mes­sun­gen und legen die­se Über­sich­ten im Rah­men ihrer gesetz­li­chen Aus­kunfts­pflich­ten der für den Immis­si­ons­schutz zustän­di­gen obers­ten Lan­des­be­hör­de oder der nach Lan­des­recht zustän­di­gen Behör­de vor. In den Schorn­stein­fe­ger­sta­tis­ti­ken, den sog. „Erhe­bun­gen des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks“, wird nicht nur die Häu­fig­keit von Anla­gen­män­geln dar­ge­stellt, son­dern es wer­den auch Hoch­rech­nun­gen über den Bestand mess­pflich­ti­ger Anla­gen ver­öf­fent­licht. Die Hoch­rech­nung umfasst die im jewei­li­gen Jahr gemes­se­nen Anla­gen und die mess­pflich­ti­gen, aber im Kalen­der­jahr nicht gemes­se­nen Hei­zungs­an­la­gen. Sie dif­fe­ren­ziert nach Errich­tungs­da­tum und Feue­rungs­wär­me­leis­tung, nicht aber zwi­schen Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäu­den. Die Schorn­stein­fe­ger­sta­tis­tik umfasst nicht alle Anla­gen: Erd­gas-Brenn­wert­kes­sel sind nicht mess­pflich­tig und wer­den daher nicht erfasst. Öl-Brenn­wert­kes­sel sind zwar mess­pflich­tig, sie wer­den aus den Sta­tis­ti­ken über die Bestands­an­la­gen her­aus­ge­rech­net, um kein ver­zerr­tes Bild des Ver­hält­nis­ses der Anzahl von Öl- gegen­über Gas­hei­zun­gen ent­ste­hen zu las­sen.

Ausbau erneuerbarer Wärme im Gebäudebestand

4.3.1 Gesamtschau

Die Ana­ly­se der Aus­wir­kun­gen des EWär­meG muss vor dem Hin­ter­grund des schlep­pen­den Aus­baus der erneu­er­ba­ren Wär­me in Deutsch­land gese­hen wer­den. In der Gesamt­schau ste­chen Bay­ern und Baden-Würt­tem­berg her­vor, die Vor­rei­ter im Aus­bau der erneu­er­ba­ren Wär­me sind. So machen die­se bei­den Bun­des­län­der gemein­sam über die Hälf­te des Bun­des­be­stands an Solar­ther­mie und an Pel­let­hei­zun­gen aus, obwohl sie nur knapp 30 % der Bevöl­ke­rung stel­len. Sowohl Solar­ther­mie als auch Pel­let­kes­sel im Bestand fin­den sich zu gut einem Fünf­tel in Baden-Würt­tem­berg und sogar zu annä­hernd einem Drit­tel in Bay­ern (Agen­tur für erneu­er­ba­re Ener­gi­en 2018; Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt 2016). Auch beim Anteil der Gebäu­de mit erneu­er­ba­ren Wär­me­an­la­gen liegt Baden-Würt­tem­berg im Bun­des­län­der­ver­gleich auf den vor­ders­ten Plät­zen: Beim Anteil der Gebäu­de mit Wär­me­pum­pen liegt Baden-Würt­tem­berg auf Rang drei (hin­ter Rhein­land-Pfalz und Bran­den­burg und gleich­auf mit Bay­ern). Bei Pel­let­feue­run­gen und Solar­wär­me erreicht Baden-Würt­tem­berg Rang zwei hin­ter Bay­ern. Abbil­dung 4–2 zeigt jeweils den Anteil der Gebäu­de mit Wär­me­pum­pen, mit Pel­let­feue­run­gen und mit Solar­wär­me­an­la­gen. Bezo­gen auf den End­ener­gie­ver­brauch für Wär­me konn­te Baden-Würt­tem­berg so den Anteil der Erneu­er­ba­ren von 13,2 % in 2010 auf 16,0 % in 2016 stei­gern. Im glei­chen Zeit­raum stieg der Anteil der Erneu­er­ba­ren im Bund nur von 11,4 % auf 13,2 % des End­ener­gie­ver­brauchs für Wär­me (Minis­te­ri­um für Umwelt Kli­ma und Ener­gie­wirt­schaft Baden-Würt­tem­berg (Hrsg.) 2018; Umwelt­bun­des­amt (Hrsg.) 2018).

Abbil­dung 4–2: Anteil der Gebäu­de mit Wär­me­pum­pen (links), Pel­let­feue­run­gen (Mit­te) und Solar­wär­me­an­la­gen (rechts), in Pro­zent, Jahr 2016 (Quel­le: Agen­tur für Erneu­er­ba­re Ener­gi­en 2018)

Eine Viel­zahl von Grün­den bedingt die­sen erfolg­rei­chen Aus­bau, die aller­dings empi­risch-öko­no­me­trisch noch nicht unter­sucht wur­den. Eine Rol­le spie­len sicher das ver­gleichs­wei­se hohe Durch­schnitts­ein­kom­men in Baden-Würt­tem­berg und etwas mehr noch in Bay­ern, die hohen Eigen­tü­mer­quo­ten und ein rela­tiv gerin­ger Anteil an Ver­mie­tun­gen sowie ein hoher Anteil von Zen­tral­hei­zun­gen (Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt 2016b; Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt Baden Würt­tem­berg (Hrsg.) 2016). Außer­dem pro­fi­tie­ren bei­de Län­der von einer hohen Solar­strah­lung und beson­ders Bay­ern von hohen Bio­mas­se­be­stän­den. Aber auch poli­ti­sche Rah­men­be­din­gun­gen und die Wei­ter­ent­wick­lung des Ord­nungs­rechts, ört­li­che Infor­ma­ti­ons- und För­der­pro­gram­me und regio­na­le Ener­gie­agen­tu­ren, Indus­trie- und Tech­no­lo­gie­po­li­tik sowie die Unter­stüt­zung von For­schung und Ent­wick­lung zur Nut­zung von Erneu­er­ba­ren spie­len eine wich­ti­ge Rol­le. So kamen (Diek­mann et al. 2017) auf der Basis einer brei­ten Indi­ka­to­ren­ana­ly­se zu Erfolgs­fak­to­ren des Aus­baus von Erneu­er­ba­ren Ener­gi­en zu einem Ran­king der Bun­des­län­der mit Baden-Würt­tem­berg an der Spit­ze, Bay­ern fiel nach einem ers­ten Platz in 2014 auf den drit­ten Platz ab.

Ein ins­ge­samt anstei­gen­des Inter­es­se an erneu­er­ba­ren Ener­gi­en spie­gelt sich auch in Zah­len des Deut­schen Auf­trags­agen­tur GmbH. In einer Aus­wer­tung von 50.000 Auf­trags­an­fra­gen haben in Baden-Würt­tem­berg 38 % nach solar­ther­mi­scher Unter­stüt­zung oder ande­ren erneu­er­ba­ren Hei­zungs­sys­te­men gefragt. Damit war Baden-Würt­tem­berg Spit­zen­rei­ter vor Bay­ern, Sach­sen, Thü­rin­gen und Bran­den­burg. Ham­burg kommt als Schluss­licht nur auf 4 % Solar­ther­mie und 13 % Erneu­er­ba­re (Deut­sche Auf­trags­agen­tur in (EUWID 2017)). Bei der Ent­schei­dung für erneu­er­ba­re Wär­me spielt natur­ge­mäß die För­de­rung eine gro­ße Rol­le. Im Über­blick zeigt sich, dass sich der Anteil der in Baden-Würt­tem­berg im MAP geför­der­ten Anla­gen gegen­über dem lang­jäh­ri­gen Mit­tel und ins­be­son­de­re gegen­über der Peri­ode vor Inkraft­tre­ten des EWär­meG erhöht hat. Die­se Erhö­hung des Anteils liegt bei Solar­an­la­gen bei 1,9 Pro­zent­punk­ten, bei Wär­me­pum­pen bei 2,4 Pro­zent­punk­ten und bei Holz­feuerun­gen ins­ge­samt bei 2,0 Pro­zent­punk­ten. Beson­ders aus­ge­prägt ist der Anstieg bei den Hack­schnit­zel­hei­zun­gen (sie­he Tabel­le 4–1). Bei den meis­ten Tech­no­lo­gi­en zeigt sich ein Anstieg wäh­rend der Gel­tung der ers­ten Fas­sung des EWär­meG, gefolgt von einer wei­te­ren Stei­ge­rung seit Inkraft­tre­ten der Novel­le 2010. Eine Aus­nah­me bil­den hier die Wär­me­pum­pen, bei denen der baden-würt­tem­ber­gi­sche Anteil seit Mit­te 2015 hin­ter dem Anteil zwi­schen 2010 und Mit­te 2015 zurück­fällt. Ein leich­ter Rück­gang von der ers­ten zur zwei­ten Gel­tungs­pe­ri­ode zeigt sich auch bei den Scheit­holz­hei­zun­gen (sie­he Tabel­le 4–1).

Tabelle: Zeitreihe des Anteils der in Baden-Württemberg im Marktanreizprogramm geförderten EE-Anlagen
Tabel­le 4–1: Zeit­rei­he des Anteils der in Baden-Würt­tem­berg im Markt­an­reiz­pro­gramm geför­der­ten EE-Anla­gen

Letzt­lich rele­vant für die Ent­schei­dung für oder gegen erneu­er­ba­re Wär­me ist aber auch die Preis­struk­tur der Ener­gie­trä­ger, ins­be­son­de­re die Prei­se für Heiz­strom für Wär­me­pum­pen, Holz­pel­lets und bei den fos­si­len Ener­gie­trä­gern leich­tes Heiz­öl und Erd­gas. Hier wird deut­lich, dass sich der Preis für Wär­me­pum­pen­strom zwi­schen 2006 und 2014 bun­des­weit fast ver­dop­pelt hat und auch danach nur gering­fü­gig gesun­ken ist. Die Erd­gas­prei­se blie­ben zwi­schen 2006 und 2017 nahe­zu kon­stant. Hin­ge­gen zeigt sich seit 2012 ein deut­li­cher Preis­ver­fall beim Heiz­öl. Die Pel­let­prei­se sind nur sehr leicht gestie­gen, büßen aber in der Gesamt­schau ihren Preis­vor­teil gegen­über Heiz­öl fast voll­stän­dig ein. Letz­te­res ist ein gro­ßer Nach­teil für Pel­let­kes­sel, da sie in der Regel teu­rer als Ölkes­sel sind und Betrei­ber nun nicht mehr davon aus­ge­hen kön­nen, dass sich der Inves­ti­ti­ons­mehr­auf­wand durch gerin­ge­re Brenn­stoff­kos­ten amor­ti­siert. Ins­ge­samt lässt sich somit eine ungüns­ti­ge Preis­ent­wick­lung für erneu­er­ba­re Wär­me­an­la­gen fest­stel­len, wäh­rend Heiz­öl­kes­sel wirt­schaft­lich attrak­ti­ver gewor­den sind (Ver­brau­cher­zen­tra­le NRW 2017).

Diagramm: Entwicklung Energiepreise in Cent/kW
Abbil­dung 4–3: Ent­wick­lung Ener­gie­prei­se in Cent/kWh (Quel­le: Ver­brau­cher­zen­tra­le NRW 2017)

Eine dif­fe­ren­zier­te­re Ana­ly­se mit wei­te­ren Daten­quel­len erscheint ins­ge­samt erfor­der­lich. Daher wird in den fol­gen­den Kapi­teln zusätz­lich die Daten­ba­sis des BDH betrach­tet, in wel­cher unter ande­rem der Aus­bau erneu­er­ba­rer Wär­me unter­sucht wird, und zwar für Holz-Zen­tral­hei­zungs­kes­sel, Solar­ther­mie und Wär­me­pum­pen. Ergän­zend wird nach­fol­gend die För­der­sta­tis­tik des Markt­an­reiz­pro­gramms ana­ly­siert. Dabei wird neben der Ent­wick­lung in Gesamt­deutsch­land und Baden-Würt­tem­berg auch ein Blick auf die Ver­gleichs­län­der Bay­ern, Hes­sen und Rhein­land-Pfalz gewor­fen.

4.3.2 Wärmepumpen

4.3.2.1 Datenverfügbarkeit

Zu Markt­ent­wick­lung von Wär­me­pum­pen im Gebäu­de­be­stand steht eine ver­gleichs­wei­se gute Daten­ba­sis zur Ver­fü­gung. Es lie­gen vor:

  • Absatz­zah­len des BDH, sowohl für Deutsch­land als auch für Baden-Würt­tem­berg. Die Daten wur­den auf Absatz­zah­len von Wär­me­pum­pen für Bestands­ge­bäu­de umge­rech­net, indem jeweils die Zahl der Wär­me­pum­pen in fer­tig­ge­stell­ten Neu­bau­ten (desta­tis / Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt Baden-Wüt­tem­berg) abge­zo­gen wur­den.
  • BDH-Mul­ti­moment­auf­nah­men, zuletzt aktua­li­siert in 2018. Der BDH arbei­tet hier vor allem mit Anga­ben in Form von Indi­zes. Der soge­nann­te Moder­ni­sie­rungs­in­dex bezeich­net dabei jeweils die Absatz­ent­wick­lung in Bestands­ge­bäu­den. Zur bes­se­ren Ver­gleich­bar­keit wur­de die Index-Dar­stel­lung auch für ande­re Quel­len über­nom­men.
  • Schließ­lich ste­hen Anga­ben des BAFA für MAP-geför­der­te Wär­me­pum­pen im Gebäu­de­be­stand zur Ver­fü­gung. Die geför­der­ten Anla­gen machen aller­dings nur einen klei­nen Teil des Gesamt­mark­tes aus.

4.3.2.2 Marktentwicklung von Wärmepumpen im Gebäudebestand

Die auf Basis der Absatz­zah­len des BDH errech­ne­te Ent­wick­lung von Wär­me­pum­pen für den Gebäu­de­be­stand ergibt für Baden-Würt­tem­berg ein eher posi­ti­ves Bild im Ver­gleich zum übri­gen Deutsch­land. 2008 wur­den rund 4.900 Wär­me­pum­pen für Bestands­ge­bäu­de abge­setzt, 2016 lag die­ser Wert bei rund 5.400 Wär­me­pum­pen. In Deutsch­land (ein­schließ­lich Baden-Würt­tem­berg) gin­gen 2008 rund 44.400 Wär­me­pum­pen in den Gebäu­de­be­stand. 2016 war die­ser Wert auf rund 30.000 Wär­me­pum­pen gesun­ken. Abbil­dung 4–4 zeigt die Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg und Deutsch­land ohne Baden-Würt­tem­berg als Inde­x­ent­wick­lung. Auch der BDH hat in sei­ner Mul­ti­moment­auf­nah­me von 2018 eine ent­spre­chen­de Inde­x­ent­wick­lung ver­öf­fent­licht, die als Moder­ni­sie­rungs­in­dex bezeich­net wird. Dort stellt sich die Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg etwas schwä­cher dar (BDH 2018a). Der Grund dafür ist ver­mut­lich in der Zuord­nung der Wär­me­pum­pen zum Neu­bau zu suchen. Aller­dings ist die Daten­la­ge für Wär­me­pum­pen­hei­zung in neu errich­te­ten Gebäu­den sowohl in Baden-Würt­tem­berg als auch im Bun­des­ge­biet sehr gut, sodass die vor­lie­gen­de Abschät­zung als ver­gleichs­wei­se belast­bar betrach­tet wer­den kann.

Diagramm: Absatzentwicklung von Wärmepumpen im Gebäudebestand in Baden-Württemberg und Deutschland
Abbil­dung 4–4: Absatz­ent­wick­lung von Wär­me­pum­pen im Gebäu­de­be­stand in Baden-Würt­tem­berg und Deutsch­land Quel­le: eige­ne Berech­nun­gen auf Basis von BDH (2018b), BDH, pers. Komm. (22.06.2018), Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt Baden-Würt­tem­berg (2010–2018), Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt (2018)

In bei­den Abschät­zun­gen zeigt sich ein Rück­gang der Wär­me­pum­pen in Bestands­ge­bäu­den 2009 und 2010. Die­se Ent­wick­lung fand also noch vor dem Inkraft­tre­ten des EWär­meG statt. In Baden-Würt­tem­berg hat es nach ver­schie­de­nen Vor­komm­nis­sen ver­stärkt Dis­kus­sio­nen gege­ben, die Rück­wir­kun­gen auf den Markt zumin­dest für erd­ge­kop­pel­te Wär­me­pum­pen haben dürf­ten (Stau­fen, Böb­lin­gen, Lud­wigs­burg, Basel, Land­au). Hin­ge­gen stie­gen die Wär­me­pum­pen-Ver­käu­fe nach dem Inkraft­tre­ten des EWär­meG im Jahr 2011 deut­lich an, um im Fol­ge­jahr abrupt unter den Bun­des­trend abzu­sin­ken. Aus­schlag­ge­bend für den Absatz­ein­bruch dürf­te die Ent­wick­lung der Heiz­strom­prei­se gewe­sen sein. Wäh­rend Kun­den in Baden-Würt­tem­berg bis 2011 Zugang zu güns­ti­gen EnBW-Heiz­strom­ta­ri­fen für Wär­me­pum­pen von 11,02 Ct/kWh nachts und 15,2 Ct/kWh tags­über hat­ten, erhöh­te die EnBW ihre Wär­me­pum­pen­ta­ri­fe Mit­te 2011 um 56 % in der Nacht und 13 % am Tag (taz 2011). Bis 2015 wuchs die Zahl der bun­des­weit ange­bo­te­nen Wär­me­pum­pen­ta­ri­fe deut­lich, gleich­zei­tig stie­gen aber die Wär­me­pum­pen­ta­ri­fe bun­des­weit im Mit­tel auf 21,37 Ct/kWh ((BNetzA & BKar­tA 2015), vgl. auch Abbil­dung 4–3). Die­se Preis­ent­wick­lung hat die wirt­schaft­li­che Attrak­ti­vi­tät von Wär­me­pum­pen im Ver­gleich zu Heiz­öl- und Erd­gas­kes­seln deut­lich ver­schlech­tert. Bun­des­weit ist dem­entspre­chend ein deut­li­cher Rück­gang im Wär­me­pum­pen­ab­satz zu erken­nen. Aller­dings begann der Rück­gang des baden-würt­tem­ber­gi­schen Wär­me­pum­pen­mark­tes schon 2009, also vor Inkraft­tre­ten des EWär­meG. Somit lässt sich eine nega­ti­ve Aus­wir­kung des EWär­meG auf den baden-würt­tem­ber­gi­schen Wär­me­pum­pen­markt nicht aus den BDH-Zah­len ablei­ten. Eben­so wenig aller­dings zeigt sich die ange­streb­te posi­ti­ve Ent­wick­lung die­ses Mark­tes. Wahr­schein­li­cher ist es, dass zumin­dest ein Teil der hohen Absatz­zah­len 2011 als kurz­zei­ti­ger Erfolg des EWär­meG zu erklä­ren ist, eine dau­er­haf­te Trend­um­kehr aber durch die Ent­wick­lung der Heiz­strom­prei­se zunich­te­ge­macht wur­de. Noch offen ist, ob der deut­lich erfreu­li­che­re Zuwachs an Wär­me­pum­pen in Baden-Würt­tem­berg 2016 eine kurz­zei­ti­ge Ent­wick­lung bleibt oder zu einer dau­er­haf­ten Trend­um­kehr wird.

4.3.2.3 Entwicklung MAP-geförderter Wärmepumpen im Gebäudebestand

Ergän­zend soll ein Blick auf die MAP-geför­der­ten Anla­gen im Gebäu­de­be­stand gewor­fen wer­den. Die Ent­wick­lung der MAP-geför­der­ten Anla­gen seit 2010 ist aller­dings in Bezug auf den Gesamt­markt nur wenig aus­sa­ge­kräf­tig: mit dem weit­ge­hen­den Aus­schluss von Neu­an­la­gen aus der MAP-För­de­rung 2010 sank der Anteil MAP-geför­der­ter Anla­gen am Gesamt­ab­satz von 50 % in 2008 auf 10 % in 2010 und 5 % in 2014 (Lang­niss et al. 2010; Stui­ble et al. 2016). Abbil­dung 4–5 zeigt die Absatz­ent­wick­lung MAP-geför­der­ter Wär­me­pum­pen im Ver­gleich zum Gesamt­ab­satz für den Gebäu­de­be­stand.

Deut­lich wird vor allem für das Jahr 2016, dass der Zuwachs von Wär­me­pum­pen in Baden-Würt­tem­berg weit­ge­hend unab­hän­gig von der Zahl geför­der­ter Anla­gen statt­ge­fun­den hat. Die­se Ent­kopp­lung von den geför­der­ten Anla­gen war in Baden-Würt­tem­berg wesent­lich stär­ker aus­ge­prägt als im Bund.

Abbil­dung 4–5: Absatz­ent­wick­lung von Wär­me­pum­pen im Bestand nach BDH und MAP-geför­der­te Anla­gen (Stück­zah­len) in Baden-Würt­tem­berg (links) und Deutsch­land (rechts) Quel­le: Eige­ne Berech­nun­gen auf Basis von BAFA, pers. Komm. (25.05.2018), BDH (2018b), BDH, pers. Komm. (22.06.2018), Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt Baden-Würt­tem­berg (2010–2018), Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt (2018)

Der Index­ver­lauf in Abbil­dung 4–6 hin­ge­gen zeigt, dass die Ent­wick­lung bei den geför­der­ten Wär­me­pum­pen in Baden-Würt­tem­berg und Deutsch­land weit­ge­hend par­al­lel ver­lief, wobei die Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg durch­ge­hend leicht posi­ti­ver war. Zwar zei­gen sich auch hier die Aus­wir­kun­gen des MAP-För­der­stopps 2010 mit einem rasan­ten Absin­ken der bei­den Indi­zes. Aller­dings lag der Moder­ni­sie­rungs­in­dex für die MAP-geför­der­ten Wär­me­pum­pen in Baden-Würt­tem­berg zwi­schen 2010 und 2015 noch deut­lich ober­halb des Index im übri­gen Bun­des­ge­biet, hat sich 2017 aber dem übri­gen Bun­des­ge­biet wie­der ange­nä­hert.

Diagramm: Modernisierungsindex Wärmepumpen auf Basis MAP-Förderung in Bestandsgebäuden
Abbil­dung 4–6: Moder­ni­sie­rungs­in­dex Wär­me­pum­pen auf Basis MAP-För­de­rung in Bestands­ge­bäu­den (2008 = 100 %; Quel­le: BAFA, pers. Komm. (25.05.2018), eige­ne Berech­nun­gen)

Auch die Zahl der neu instal­lier­ten geför­der­ten Wär­me­pum­pen bezo­gen auf die Ein­woh­ner­zahl ver­mit­telt ein ver­hal­ten posi­ti­ves Bild für Baden-Würt­tem­berg: von 2010 bis 2015 lag Baden-Würt­tem­berg durch­ge­hend deut­lich ober­halb des deut­schen Durch­schnitts, aber hin­ter dem Spit­zen­rei­ter Bay­ern. Grün­de für das noch bes­se­re Abschnei­den Bay­erns könn­ten struk­tu­rel­ler Natur sein: so kommt Bay­ern jeweils auf etwas höhe­re Ein­kom­men und bei den Wohn­ein­hei­ten auf einen grö­ße­ren Anteil von Zen­tral­hei­zun­gen und Ein­fa­mi­li­en­häu­sern – alles Fak­to­ren, die einen Ein­bau von Wär­me­pum­pen ten­den­zi­ell erleich­tern. Seit 2016 hat Rhein­land-Pfalz zuge­legt und liegt nun unter den unter­such­ten Bun­des­län­dern bei den MAP-geför­der­ten Wär­me­pum­pen an ers­ter Stel­le, wobei hier Schwan­kun­gen auf­grund der abso­lut gese­hen nied­ri­ge­ren Zah­len als in den gro­ßen Flä­chen­län­dern ggf. eine stär­ker Rol­le spie­len kön­nen. Baden Würt­tem­berg bleibt ins­ge­samt ober­halb des Bun­des­durch­schnitts (sie­he Abbil­dung 4–7).

Diagramm: MAP-geförderte Wärmepumpen im Gebäudebestand pro Million Einwohner für Deutschland und ausgewählte Bundesländer
Abbil­dung 4–7: MAP-geför­der­te Wär­me­pum­pen im Gebäu­de­be­stand pro Mil­li­on Ein­woh­ner für Deutsch­land und aus­ge­wähl­te Bun­des­län­der (Quel­le: BAFA, Pers. Komm. (25.05.2018)

4.3.3 Biomasse

4.3.3.1 Datenverfügbarkeit

Bei Bio­mas­se-Anla­gen stellt sich die Daten­ver­füg­bar­keit etwas schlech­ter dar als bei Wär­me­pum­pen. Zwar ste­hen auch hier zur Ver­fü­gung:

  • Absatz­zah­len des BDH für Deutsch­land als auch für Baden-Würt­tem­berg. Die Daten wur­den auf Absatz­zah­len von Bio­mas­se-Anla­gen für Bestands­ge­bäu­de umge­rech­net, indem jeweils die Zahl der fer­tig­ge­stell­ten Neu­bau­ten (desta­tis / Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt Baden-Würt­tem­berg) mit Bio­mas­se-Hei­zung abge­zo­gen wur­den.
  • BDH-Mul­ti­moment­auf­nah­men, zuletzt aktua­li­siert in 2018. Der BDH arbei­tet hier vor allem mit Anga­ben in Form von Indi­zes. Der soge­nann­te Moder­ni­sie­rungs­in­dex bezeich­net dabei jeweils die Absatz­ent­wick­lung in Bestands­ge­bäu­den. Auch hier wur­de zur bes­se­ren Ver­gleich­bar­keit die Index-Dar­stel­lung auch für ande­re Quel­len über­nom­men.
  • Schließ­lich ste­hen Anga­ben des BAFA für MAP-geför­der­te Bio­mas­se-Anla­gen (Hack­schnit­zel- und Scheit­holz­hei­zun­gen sowie Pel­let­feue­run­gen) im Gebäu­de­be­stand zur Ver­fü­gung.

Es fällt jedoch auf, dass die vom BDH ange­ge­be­nen und auf den Gebäu­de­be­stand umge­rech­ne­ten Absatz­zah­len sowohl für Baden-Würt­tem­berg als auch im Bun­des­ge­biet für meh­re­re Jah­re nied­ri­ger als die MAP-För­der­zah­len im Gebäu­de­be­stand sind. Dies liegt ver­mut­lich an einer unvoll­stän­di­gen Markt­ab­de­ckung des BDH. Der BDH ermit­telt die Absatz­zah­len anhand der Ver­kaufs­zah­len der Mit­glieds­un­ter­neh­men. Der BDH kor­ri­giert zwar nach eige­nen Anga­ben um eine geschätz­te Markt­ab­de­ckung; es ist jedoch davon aus­zu­ge­hen, dass die Schät­zung im vor­lie­gen­den Fall zu vor­sich­tig ist und die rea­len Absatz­zah­len unter­schätzt. Ins­be­son­de­re müs­sen die Zah­len im Zeit­ver­lauf mit Vor­sicht betrach­tet wer­den. So gibt die BDH-Mark­sta­tis­tik für 2004–2014 eine „Erwei­te­rung des Mel­de­krei­ses in der Pro­duk­ti­ons­sta­tis­tik „Bio­mas­se­kes­sel“ an, wel­che die Stück­zah­len um über 30 % an-wach­sen las­sen (BDH 2015). Die ver­hal­te­ne Markt­ent­wick­lung in Deutsch­land zwi­schen 2009 und 2016 wird auch vom Deut­schen Ener­gie­holz- und Pel­let­ver­band (DEPV) bestä­tigt, wobei Baden-Würt­tem­berg expli­zit als posi­ti­ve Aus­nah­me genannt wird (Bau­links 2017). Die Anga­ben des DEPV zur Zahl der in Deutsch­land ver­kauf­ten Pel­let­feue­run­gen zwi­schen 2009 und 2016 lie­gen mit Aus­nah­me des Jah­res 2014 durch­gän­gig ober­halb der BDH-Anga­ben zum Gesamt­markt – auch dies ein Indiz dafür, dass die Zahl der Bio­mas­se­an­la­gen nach BDH-Anga­ben ins­ge­samt unter­schätzt wird und das Jahr 2014 mit beson­de­rer Vor­sicht zu betrach­ten ist (DEPV 2018).

4.3.3.2 Marktentwicklung von Biomasse-Anlagen im Gebäudebestand

Die Markt­ent­wick­lung stellt sich bei den Holz-Zen­tral­hei­zungs­kes­seln posi­tiv dar: hier liegt Baden-Würt­tem­berg durch­ge­hend über dem Bun­des­trend. In abso­lu­ten Zah­len gin­gen 2008 rund 4.400 Bio­mas­se-Anla­gen in den baden-würt­tem­ber­gi­schen Gebäu­de­be­stand. Die­se Zahl stieg 2016 auf rund 5.700 Anla­gen (Basis: BDH Anga­ben, eige­ne Berech­nun­gen). Auf Bun­des­ebe­ne hin­ge­gen sank die Zahl von rund 32.200 in 2008 auf etwa 22.100 in 2016. Auf­grund der ver­mut­lich unvoll­stän­di­gen Markt­ab­de­ckung des BDH bei den Bio­mas­se-Anla­gen stel­len die­se Zah­len ver­mut­lich eine kon­ser­va­ti­ve Abschät­zung der rea­len Ent­wick­lung bei Bio­mas­se-Anla­gen dar.

Abbil­dung 4–8 zeigt die Ent­wick­lung als Index, mit Deutsch­land ohne Baden-Würt­tem­berg als Ver­gleichs­wert. Wie auf Bun­des­ebe­ne, jedoch etwas abge­schwächt ist ein Ein­bruch in den Jah­ren 2009 und 2010 erkenn­bar. Ab 2011 jedoch ent­kop­pelt sich der Absatz in Baden-Würt­tem­berg vom Bun­des­trend und steigt auf deut­lich höhe­re Wer­te an. Dage­gen erho­len sich die Absatz­zah­len auf Bun­des­ebe­ne nur lang­sam und lie­gen im gesam­ten Betrach­tungs­zeit­raum unter­halb des Aus­gangs­wer­tes von 2008. Auch hier hat der BDH in sei­ner Mul­ti­moment­auf­nah­me (2018) eine ver­gleich­ba­re Ana­ly­se erstellt. Die BDH-Ana­ly­se fällt von der Inde­x­ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg her posi­ti­ver aus. Das kann auch dadurch bedingt sein, dass die Daten­la­ge zu Bio­mas­se-Hei­zun­gen im Neu­bau in Baden-Würt­tem­berg nicht gut ist. Mög­li­cher­wei­se führ­te die in der vor­lie­gen­den Stu­die gewähl­te kon­ser­va­ti­ve Abschät­zung von Bio­mas­se im Neu­bau 2008 und 2009 zu einer Über­schät­zung von Bio­mas­se-Anla­gen in Bestands­ge­bäu­den in die­sen Jah­ren. Dem­entspre­chend zei­gen sich die Fol­ge­jah­re dann in der hier ermit­tel­ten Abschät­zung mit schwä­che­rem Wachs­tum im Gebäu­de­be­stand. Die Fest­stel­lung des BDH, die Ent­wick­lung seit 2010 in Baden-Würt­tem­berg ver­lau­fe „unab­hän­gig von der Gesetz­ge­bung“, da durch bes­se­re Bezugs­be­din­gun­gen von Holz in Baden-Würt­tem­berg sowie in Bay­ern bedingt (BDH 2018a), lässt sich anhand der Gra­phik nicht nach­voll­zie­hen. Viel­mehr erscheint es zwei­fel­haft, dass der Ein­fluss die­ser Bezugs­be­din­gun­gen erst nach 2010 und damit direkt nach Inkraft­tre­ten des EWär­meG so zum Tra­gen kam, dass sich die Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg vom Bun­des­trend ent­kop­pelt hat.

Diagramm: Absatzentwicklung Biomasse-Kessel im Gebäudebestand
Abbil­dung 4–8: Absatz­ent­wick­lung Bio­mas­se-Kes­sel im Gebäu­de­be­stand Quel­le: eige­ne Berech­nun­gen auf Basis von BDH (2018b), BDH, pers. Komm. (22.06.2018), Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt Baden-Würt­tem­berg (2010–2018), Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt (2018)

4.3.3.3 Entwicklung MAP-geförderter Biomasse-Anlagen im Gebäudebestand

Ergän­zend zu den Markt­da­ten des BDH wird die För­der­sta­tis­tik des MAP betrach­tet, um wei­te­re Erkennt­nis­se über die Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg zu gewin­nen. Abschät­zun­gen zufol­ge mach­ten MAP-geför­der­te Bio­mas­se-Anla­gen im Gebäu­de­be­stand 2008 und 2009 mit 84 % noch den Groß­teil des Absatz­mark­tes aus. Die­ser Anteil ist jedoch über die Jah­re stark gesun­ken und lag 2013 bei 56 % und 2014 nur noch bei 29 % (Lang­niss et al. 2010; Stui­ble et al. 2016).

Auf­fäl­lig ist beim Ver­gleich der För­der­sta­tis­tik des MAP und der BDH-Zah­len, dass die BDH-Absatz­zah­len regel­mä­ßig gerin­ger sind als die MAP-För­der­zah­len im glei­chen Zeit­raum. Dies betrifft ins­be­son­de­re die Jah­re bis 2013, die noch auf einer gerin­ge­ren Markt­ab­de­ckung beru­hen als die Fol­ge­jah­re (sie­he Dis­kus­si­on unter 4.3.3.1). Abbil­dung 4–9 ver­gleicht die MAP-För­der­da­ten mit den errech­ne­ten Absatz­zah­len auf Basis des BDH, jeweils bezo­gen auf den Gebäu­de­be­stand. Als jewei­li­ge Ober­gren­ze wur­den gestri­chelt die Absatz­zah­len ein­schließ­lich Neu­bau bzw. die För­der­zah­len zuzüg­lich einer Abschät­zung der Anla­gen in Neu­bau­ten auf­ge­tra­gen. Es ist anzu­neh­men, dass die rea­len Absatz­zah­len jeweils deut­lich grö­ßer als die För­der­zah­len sein müs­sen, da die geför­der­ten Anla­gen nur einen Teil­markt dar­stel­len. Denk­bar ist auch, dass ein Teil der posi­ti­ven Markt­ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg schlicht auf eine regio­na­le Ver­bes­se­rung der Markt­ab­de­ckung des BDH zurück­geht. Für eine rein regio­na­le Ver­bes­se­rung der Markt­ab­de­ckung gibt es kei­ne Hin­wei­se; aus­schlie­ßen lässt sich dies jedoch nicht.

Abbil­dung 4–9: Baden-Würt­tem­berg – Absatz­ent­wick­lung von Bio­mas­se-Anla­gen nach BDH und MAP-geför­der­te Anla­gen (Stück­zah­len) in Baden-Würt­tem­berg (links) und Deutsch­land (rechts)1 Quel­le: Eige­ne Berech­nun­gen auf Basis von BAFA, pers. Komm. (25.05.2018), BDH (2018b), BDH, pers. Komm. (22.06.2018), Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt Baden-Würt­tem­berg (2010–2018), Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt (2018)

Die Ent­wick­lung der MAP-geför­der­ten Anla­gen in Baden-Würt­tem­berg im Ver­gleich zum übri­gen Deutsch­land zeigt Abbil­dung 4–10. Deut­lich zeigt sich die Aus­wir­kung der Haus­halts­sper­re 2010 und dem fol­gen­den MAP-För­der­stopp, der ein Absin­ken des Index auf unter 40 zur Fol­ge hat­te.

Die Index­wer­te ver­deut­li­chen, dass die Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg und im übri­gen Bun­des­ge­biet zwar stets nah bei­ein­an­der lag; begin­nend mit dem Jahr 2009 jedoch Baden-Würt­tem­berg durch­ge­hend leicht ober­halb des Trends im übri­gen Bun­des­ge­biet lag. Eine ähn­lich deut­li­che Ent­kopp­lung des Mark­tes für Bio­mas­se-Anla­gen wie in der BDH-Ana­ly­se ist jedoch nicht zu erken­nen. Dies deu­tet dar­auf hin, dass die posi­ti­ve Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg laut BDH-Zah­len weit­ge­hend auf einem von der För­de­rung unab­hän­gi­gem Markt beruht. Ein mög­li­cher Grund für die­se Ent­wick­lung könn­te in den Ver­pflich­tun­gen des EWär­meG lie­gen.

Dar­über hin­aus ist fest­zu­hal­ten, dass sich der Aus­bau von Bio­mas­se-Anla­gen in Baden-Würt­tem­berg ohne­hin seit Jah­ren auf ver­gleichs­wei­se hohem Niveau bewegt. Abbil­dung 4–11 zeigt die MAP-geför­der­ten Bio­mas­se-Anla­gen bezo­gen auf die Ein­woh­ner­zahl von Deutsch­land, Baden-Würt­tem­berg und von Bay­ern, Rhein­land-Pfalz und Hes­sen als Ver­gleichs­län­dern. Baden-Würt­tem­berg liegt dabei fast durch­ge­hend an zwei­ter Stel­le hin­ter dem Spit­zen­rei­ter Bay­ern (Aus­nah­men: 2012 und 2013) und deut­lich ober­halb des Anla­gen­aus­baus im Bun­des­ge­biet.

Diagramm: Entwicklung von Biomasse-Anlagen auf Basis der MAP-Förderung in Bestandsgebäuden
Abbil­dung 4–10: Ent­wick­lung von Bio­mas­se-Anla­gen auf Basis MAP-För­de­rung in Bestands­ge­bäu­den (2008 = 100 %) (Quel­le: BAFA, pers. Komm. (25.05.2018), eige­ne Berech­nun­gen)

Diagramm: MAP-geförderte Biomasseanlagen im Gebäudebestand
Abbil­dung 4–11: MAP-geför­der­te Bio­mas­se­an­la­gen im Gebäu­de­be­stand pro Mil­lio­nen Ein­woh­ner für Deutsch­land und aus­ge­wähl­te Bun­des­län­der (Quel­le: BAFA, pers. Komm. (25.05.2018))

4.3.4 Solarthermie

4.3.4.1 Datenverfügbarkeit

Die Daten­ver­füg­bar­keit für Solar­ther­mie-Anla­gen ist bedau­er­li­cher­wei­se spär­lich. Für die­ses Markt­seg­ment lie­gen kei­ne BDH-Absatz­zah­len vor. Eine Abgren­zung von Anla­gen in Neu­bau und Bestand ist daher schwer mög­lich und wird durch den BDH in sei­ner Mul­ti­moment­auf­nah­me nicht durch­ge­führt. Abso­lu­te Zah­len des Gesamt­markts im Gebäu­de­be­stand sind daher nicht ermit­tel­bar.

Die För­der­zah­len des MAP lie­gen vor, lie­gen aber ganz erheb­lich unter­halb der Anga­ben des BSW (für Deutsch­land). Es ist daher davon aus­zu­ge­hen, dass die MAP-Anla­gen nur einen klei­nen Teil des Mark­tes aus­ma­chen. Dies wird auch in der Eva­lua­ti­on des MAP (Lang­niss et al. 2010; Stui­ble et al. 2016) für die Jah­re bis 2014 so gese­hen – Fol­ge­jah­re sind noch nicht ver­füg­bar.

4.3.4.2 Marktentwicklung von Solarthermie-Anlagen

Wur­den im Jahr 2008 noch rund 210.000 Solar­wär­me-Anla­gen instal­liert, so sank die­se Zahl 2017 auf 78.000. Das ent­spricht einem Rück­gang von 63 % (Quel­le BSW 2018).

Für die Solar­ther­mie zeigt der BDH einen Ver­lauf, in dem die Ent­wick­lung der Absatz­zah­len in Baden-Würt­tem­berg meist leicht ober­halb des Bun­des­trends ver­läuft, Aus­nah­men sind die Jah­re 2012 und 2015 (sie­he Abbil­dung 4–12, als Moder­ni­sie­rungs­in­dex bezeich­net). Aller­dings bezie­hen sich die BDH-Zah­len – anders als bei Holz-Zen­tral­hei­zun­gen und Wär­me­pum­pen – auf den Gesamt­ab­satz und schlie­ßen somit auch den Neu­bau mit ein. Rück­schlüs­se auf die Wir­kung des EWär­meG las­sen sich daher aus die­ser Ent­wick­lung schwer zie­hen. Deut­lich wird jedoch, dass das EWär­meG in Baden-Würt­tem­berg den Abwärts­trend der Solar­ther­mie nicht brem­sen konn­te.

Diagramm: BDH-Modernisierungsindex für Solarthermie
Abbil­dung 4–12: BDH-Moder­ni­sie­rungs­in­dex für Solar­ther­mie – Neu­bau und Gebäu­de­be­stand 2008–2016 (Quel­le: BDH 2018b))

4.3.4.3 Entwicklung MAP-geförderter Solarthermie-Anlagen

Bei den Solar­ther­mie-Anla­gen machen die MAP-geför­der­ten Anla­gen mit 17 % in 2014 nur noch einen klei­nen Teil des Mark­tes aus (2010: 30 %), der Groß­teil ist auf auto­no­me Nach­fra­ge und in gerin­ge­rem Maße auf den Neu­bau zurück­zu­füh­ren (Lang­niss et al. 2010; Stui­ble et al. 2016).

Die Ent­wick­lung für Solar­ther­mie-Anla­gen auf Basis der MAP-För­de­rung zeigt für Baden-Würt­tem­berg einen Ver­lauf, der fast exakt dem übri­gen Bun­des­ge­biet folgt (sie­he Abbil­dung 4–14). Auch hier zei­gen sich die Aus­wir­kun­gen der Umsatz­steu­er­erhö­hung zum 1. Janu­ar 2007 in Form eines Vor­zieh­ef­fek­tes 2006 und einem deut­li­chen Rück­gang des Zubaus in 2007. Noch deut­li­cher reagiert der Zubau von Solar­ther­mie im Bestand auf den zeit­wei­li­gen MAP-För­der­stopp in 2010, der zu einem schlag­ar­ti­gen Absin­ken der geför­der­ten Anla­gen führ­te. In abso­lu­ten Zah­len gin­gen 2008 rund 31.500 MAP-geför­der­te Solar­ther­mie-Anla­gen in den Gebäu­de­be­stand; 2017 waren es nur noch rund 3.300. Im glei­chen Zeit­raum san­ken die Zah­len in Deutsch­land von etwa 165.600 auf 14.200 in 2017.

Abbil­dung 4–13: Absatz­ent­wick­lung von MAP-geför­der­ten Solar­ther­mie-Anla­gen im Gebäu­de­be­stand (Stück­zah­len) in Baden-Würt­tem­berg (links) und Deutsch­land (rechts)

Ein direk­ter Ver­gleich der Ent­wick­lung in Form von Indi­zes zeigt einen nahe­zu deckungs­glei­chen Ver­lauf (Abbil­dung 4–14). Zwar liegt der Index für Baden-Würt­tem­berg seit 2009 gering­fü­gig ober­halb des Index für das rest­li­che Deutsch­land; der Aus­bau von Solar­ther­mie ist aber 2010 eben­so plötz­lich wie nach­hal­tig zurück­ge­gan­gen. Inso­fern las­sen sich aus der Ent­wick­lung der geför­der­ten Anla­gen kei­ne Rück­schlüs­se auf eine nen­nens­wer­te för­der­li­che Wir­kung des EWär­meG für Solar­ther­mie-Anla­gen zie­hen. Ein leich­ter Anstieg der Moder­ni­sie­run­gen in 2015 könn­te ein Vor­zieh­ef­fekt der EWär­meG-Novel­le 2015 sein, da bis zu die­sem Zeit­punkt noch rei­ne Brauch­was­ser­an­la­gen als Erfül­lungs­op­ti­on mög­lich waren. Abge­se­hen davon setzt sich der nega­ti­ve Trend sowohl in Baden-Würt­tem­berg als auch im übri­gen Bun­des­ge­biet 2017 fort.

Diagramm: Entwicklung Solarthermie auf Basis MAP-Förderung in Bestandsgebäuden
Abbil­dung 4–14: Ent­wick­lung Solar­ther­mie auf Basis MAP-För­de­rung in Bestands­ge­bäu­den (2008 = 100; Quel­le: BAFA, eige­ne Berech­nun­gen)

Auch die Ent­wick­lung der instal­lier­ten geför­der­ten Solar­ther­mie-Anla­gen bezo­gen auf die Ein­woh­ner­zahl bestä­tigt den ernüch­tern­den Rück­gang des Solar­ther­mie-Aus­baus seit 2010 (Abbil­dung 4–15). Immer­hin zeigt sich hier, dass Baden-Würt­tem­berg deut­lich ober­halb des Bun­des­ge­biets liegt und seit 2014 gleich­auf mit dem frü­he­ren Spit­zen­rei­ter Bay­ern liegt.

Diagramm: MAP-geförderte solarthermische Anlagen im Gebäudebestand pro Millionen Einwohner für Deutschland und ausgewählte Bundesländer
Abbil­dung 4–15: MAP-geför­der­te solar­ther­mi­sche Anla­gen im Gebäu­de­be­stand pro Mil­lio­nen Ein­woh­ner für Deutsch­land und aus­ge­wähl­te Bun­des­län­der (Quel­le: BAFA 2018)

4.3.5 Wärmenetze

4.3.5.1 Datenverfügbarkeit

Zur Ent­wick­lung der Wär­me­net­ze lie­gen ver­schie­de­ne Daten­quel­len vor, die jedoch jeweils eine Teil­men­ge an Net­zen beschrei­ben und kei­ne fun­dier­ten Aus­sa­gen zum Ver­gleich der Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg und dem Bund lie­fern. Es lie­gen vor:

  • Anga­ben des Ener­gie­ef­fi­zi­enz­ver­bands für Wär­me, Käl­te und KWK (AGFW) zu den Zugän­gen, Abgän­gen und gesam­ten Anzahl an Haus­über­ga­be­sta­tio­nen in Baden-Würt­tem­berg und im Bund für den Gebäu­de­be­stand und Neu­bau im Zeit­raum von 2008 bis 2016 (AGFW 2018). Die Sta­tis­tik umfasst aus­schließ­lich die Net­ze der AGFW-Mit­glie­der (35 ordent­li­che Mit­glie­der in Baden-Würt­tem­berg und 262 Mit­glie­der in Deutsch­land, Stand August 2018) kann des­we­gen nicht den gesam­ten Wär­me­netz­be­stand abbil­den (v.a. klei­ne­re Net­ze und dörf­li­che Nah­wär­me­net­ze sind nicht ent­hal­ten).
  • Daten zu den Bio­en­er­gie­dör­fern, ergänzt um jene Net­ze, die im aktu­el­len För­der­pro­gramm Ener­gie­ef­fi­zi­en­te Wär­me­net­ze geför­dert wer­den, zur Ver­fü­gung gestellt durch das Refe­rat 64 des Minis­te­ri­ums für Umwelt, Kli­ma und Ener­gie­wirt­schaft. Die­se Daten umfas­sen aus­schließ­lich Haus­an­schlüs­se in Bestands­net­zen. Da kei­ne Ver­gleichs­quel­le für den Bund ver­füg­bar sind, kön­nen die­se Daten nur in ein­ge­schränk­ter Form ver­wen­det wer­den.
  • Anga­ben der im MAP geför­der­te Haus­über­ga­be­sta­tio­nen im Gebäu­de­be­stand. Die­se Zah­len las­sen wenig Rück­schlüs­se auf die tat­säch­li­che Anzahl an Haus­an­schlüs­se zu, da meh­re­re Gebäu­de des glei­chen Eigen­tü­mers bzw. meh­re­re Abneh­mer mit einer Haus­über­ga­be­sta­ti­on ver­sorgt wer­den kön­nen.

4.3.5.2 Marktentwicklung Wärmenetze

Die Ent­wick­lung der Anzahl an Haus­über­ga­be­sta­tio­nen zeigt eine gerin­ge­re Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg im Ver­gleich zum Bun­des­ge­biet. Bis 2012 ist auch ein Rück­gang zu erken­nen, der sich anschlie­ßend wie­der durch einen stär­ke­ren Zubau erhöht. Da die AGFW- Zah­len jedoch nur jene Haus­über­ga­be­sta­tio­nen der Mit­glie­der berück­sich­ti­gen (die im Zeit­ver­lauf vari­ie­ren kön­nen), und die­se dann sowohl die Ent­wick­lung im Bestand als auch im Neu­bau beinhal­ten, sind die Daten sehr beschränkt aus­sa­ge­kräf­tig.

Diagramm: Anzahl an Hausübergabestationen der AGFW Mitglieder für Bestandsgebäude und Neubau
Abbil­dung 4–16: Anzahl an Haus­über­ga­be­sta­tio­nen der AGFW Mit­glie­der für Bestands­ge­bäu­de und Neu­bau (2008 = 100; Quel­le: AGFW 2018, eige­ne Berech­nun­gen)

Dass die Infor­ma­tio­nen der AGFW Mit­glie­der nicht den gesam­ten Wär­me­netz­be­stand und des­sen Ent­wick­lung abde­cken kön­nen, zeigt sich durch einen Ver­gleich der Ent­wick­lung der Haus­über­ga­be­sta­tio­nen in Baden-Würt­tem­berg, die aus den AGFW-Zah­len abge­lei­tet wer­den (AGFW 2018)6 und der Infor­ma­ti­on hin­sicht­lich Neu­bau­ge­bäu­den in Baden-Würt­tem­berg, die laut Bau­fer­tig­stel­lung Fern­hei­zung als pri­mä­re Heiz­ener­gie nut­zen. (Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt 2018b, Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt 2018c, Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt 2018d). Obwohl die Zugän­ge berech­net aus den AGFW Mit­glied­s­in­for­ma­tio­nen auch Bestands­ge­bäu­de umfas­sen, kön­nen weni­ger Neu­zu­gän­ge aus­ge­wie­sen wer­den als laut Sta­tis­ti­schem Lan­des­amt Gebäu­de fer­tig­ge­stellt wur­den, die Fern­wär­me als pri­mä­re Heiz­ener­gie nut­zen.

Diagramm: Vergleich der Zugänge an Hausübergabestationen laut AGFW Zahlen und mit Fernwärme primär beheizte Wohn- und Nichtwohngebäude laut Baufertigstellungen
Abbil­dung 4–17: Ver­gleich der Zugän­ge an Haus­über­ga­be­sta­tio­nen laut AGFW Zah­len und mit Fern­wär­me pri­mär beheiz­te Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäu­de laut Bau­fer­tig­stel­lun­gen (Quel­le: AGFW 2018, Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt 2018b, Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt 2018c, Sta­tis-tisches Lan­des­amt 2018d, eige­ne Berech­nun­gen)

4.4 Modernisierungsaktivitäten im Heizungsbereich

Neben der Erfas­sung des Aus­baus von Erneu­er­ba­ren in der Wär­me sowie von Wär­me­net-zen wird im fol­gen­den Kapi­tel unter­sucht, in wie­weit sich die Moder­ni­sie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten im Kes­sel­markt in Baden-Würt­tem­berg durch die Ein­füh­rung des EWär­meG ver­än­dert haben.

4.4.1 Datenverfügbarkeit

Es wird ein Gesamt­bild aus meh­re­ren Daten­quel­len erar­bei­tet:

  • Zur bestehen­den Kes­sel­struk­tur in Deutsch­land und Baden-Würt­tem­berg lie­gen Zah­len des BDH vor (gerun­de­te Schät­zun­gen, Stand 2015).
  • Außer­dem sind Anga­ben zu Absät­zen von Öl-, Gas- und Bio­mas­se-Kes­seln sowie von Wär­me­pum­pen in Deutsch­land und Baden-Würt­tem­berg ver­füg­bar, die auf den Gebäu­de­be­stand umge­rech­net wur­den. Die Daten­qua­li­tät für Bio­mas­se-Kes­sel unter­liegt aller­dings den in Abschnitt 4.3 dis­ku­tier­ten Ein­schrän­kun­gen, die ver­mut­lich auf eine gerin­ge­re Markt­ab­de­ckung zurück­zu­füh­ren sind. Ergänzt wer­den die­se Anga­ben durch das Posi­ti­ons­pa­pier zur Mul­ti­moment­auf­nah­me des BDH, aktua­li­siert im Jahr 2018.
  • Zum Rück­bau von Alt­an­la­gen wer­den die Schorn­stein­fe­gerer­he­bun­gen des Bun­des­ver­bands des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks sowie der Lan­des­ver­bän­de Baden-Würt­tem­berg und Bay­ern genutzt. Die­se Daten sind aller­dings für die vor­lie­gen­den Fra­ge­stel­lun­gen auf­grund von Inkon­sis­ten­zen nur sehr ein­ge­schränkt ver­wend­bar.

4.4.2 Kesselstruktur in Deutschland und Baden-Württemberg im Vergleich

Aus­gangs­punkt in Baden-Würt­tem­berg ist eine Kes­sel­struk­tur, die vom Anteil alter Heiz­kes­sel her mit dem Bun­des­durch­schnitt ver­gleich­bar ist. Nach Anga­ben des Lan­des­in­nungs­ver­bands des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks Baden-Würt­tem­berg (2016) gibt es in Baden-Würt­tem­berg 2015 noch rund 870.000 Kes­sel, die bis 1997 ein­ge­baut wur­den. Bezo­gen auf den Gesamt­be­stand von rund 2,3 Mio. Kes­seln (BDH, pers. Komm, 20.07.2017) ergibt sich ein Anteil von Alt­an­la­gen von rund 38 %. Im Bun­des­ge­biet ste­hen nach Anga­ben des Bun­des­ver­bands des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks (2016) noch rund 7,5 Mio. Kes­sel, die bis 1997 ein­ge­baut wur­den. Das ergibt bezo­gen auf den Gesamt­be­stand der Kes­sel nach BDH-Anga­ben von rund 21 Mio. einen Anteil von etwa 36 % Alt­an­la­gen (BDH 2017b). Ähn­lich fällt der Ver­gleich nach tech­ni­schen Gesichts­punk­ten aus: sowohl in Baden-Würt­tem­berg als auch im Bund setzt sich der Anla­gen­be­stand zu rund zwei Drit­teln aus ver­al­te­ten Heiz­wert­ge­rä­ten zusam­men. Auf­fäl­lig ist in Baden-Würt­tem­berg hin­ge­gen der gro­ße Anteil an Ölkes­seln bei gleich­zei­tig deut­lich weni­ger Gas­kes­seln als im Bun­des­durch­schnitt: hier zeigt sich, dass neben Ener­gie­ef­fi­zi­enz­ver­bes­se­run­gen in Baden-Würt­tem­berg noch stär­ker als im Bund Ener­gie­trä­ger­wech­sel not­wen­dig sind, um die Kli­ma­bi­lanz der Wär­me­ver­sor­gung zu ver­bes­sern (sie­he Abbil­dung 4–18).

Diagramm: Gesamtbestand der zentralen Wärmeerzeuger in Deutschland und Baden-Württemberg 2015
Abbil­dung 4–18: Gesamt­be­stand der zen­tra­len Wär­me­er­zeu­ger in Deutsch­land und Baden-Würt­tem­berg 2015 (Quel­le: BDH 2017b, BDH, pers. Kom­mu­ni­ka­ti­on, 20.07.2017)

4.4.3 Der Modernisierungsmarkt in Deutschland und Baden-Württemberg

Auf Basis von Anga­ben des BDH sowie ver­öf­fent­lich­ter Anga­ben (BDH 2018b) wur­de eine Ent­wick­lung des Absatz­mark­tes für Öl-, Gas- und Bio­mas­se­kes­sel sowie Wär­me­pum­pen im Gebäu­de­be­stand ent­wi­ckelt – d.h. eine Ent­wick­lung des Moder­ni­sie­rungs­mark­tes. Dafür wur­den die Absatz­zah­len jeweils um Anga­ben von Desta­tis bzw. des Sta­tis­ti­schen Lan­des­am­tes Baden-Würt­tem­berg zu den in Neu­bau­ten instal­lier­ten Wär­me­er­zeu­gern berei­nigt. Die Ent­wick­lung ist auf­ge­schlüs­selt nach Kes­sel­typ in Abbil­dung 4–19 und Abbil­dung 4–20 dar­ge­stellt. Deut­lich wird, dass die Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg sich von der Ent­wick­lung im übri­gen Bun­des­ge­biet unter­schei­det: wäh­rend die Absät­ze von Öl- und Gas-kes­seln in Baden-Würt­tem­berg in meh­re­ren Jah­ren zurück­ge­hen, zeigt sich vor allem von 2015 nach 2016 eine dyna­mi­sche­re Ent­wick­lung bei Bio­mas­se und Wär­me­pum­pen. Auf­fäl­lig ist ins­be­son­de­re die Ver­dopp­lung der Zahl der Wär­me­pum­pen im Gebäu­de­be­stand zwi­schen 2015 und 2016. Dahin­ter steht nach BDH-Anga­ben ein deut­li­ches Wachs­tum der Wär­me­pum­pen-Absät­ze von rund 39 %, das sich aber kaum in der Neu­bau­sta­tis­tik wie­der­fin­det (+ 14 % Gebäu­de mit Wär­me­pum­pen). Da Wär­me­pum­pen fast immer Zen­tral­hei­zun­gen sind, müss­te die Zahl der fer­tig­ge­stell­ten Gebäu­de recht genau mit der Zahl der Anla­gen über­ein­stim­men. Denk­bar sind aller­dings Inkon­sis­ten­zen der BDH-Sta­tis­tik, die hier jedoch nicht geprüft wer­den kön­nen. Schließt man die­se Inkon­sis­ten­zen aus, ergibt sich der Groß­teil des Wachs­tums im Gebäu­de­be­stand (+ 128 %). Sinn­voll ist es, die Absatz­ent­wick­lung auch künf­tig zu beob­ach­ten. Nur so kann geklärt wer­den, ob hin­ter die­ser Ent­wick­lung ein ech­ter und dau­er­haf­ter Trend steht.

Ins­ge­samt machen Wär­me­pum­pen 2016 in Baden-Würt­tem­berg rund 10 % und Bio­mas­se-Anla­gen rund 11 % des Moder­ni­sie­rungs­mark­tes aus. In Deutsch­land kom­men die Wär­me-pum­pen im Moder­ni­sie­rungs­markt 2016 auf 5 % und die Bio­mas­se auf 4 %. Für Öl- und Gas­kes­sel ist davon aus­zu­ge­hen, dass es 2015 zu leich­ten Vor­zieh­ef­fek­ten im Zusam­men­hang mit dem Inkraft­tre­ten der Novel­lie­rung des EWär­meG kam. Inso­fern sin­ken die Absät­ze von Öl- und Gas­kes­seln nach­voll­zieh­bar 2016 etwas stär­ker.

Diagramm: Entwicklung Kesselverkäufe im Gebäudebestand in Baden-Württemberg
Abbil­dung 4–19: Ent­wick­lung Kes­sel­ver­käu­fe im Gebäu­de­be­stand in Baden-Würt­tem­berg (Quel­le: BDH, eige­ne Berech­nun­gen)
Diagramm: Entwicklung Kesselverkäufe im Gebäudebestand im Bund
Abbil­dung 4–20: Ent­wick­lung Kes­sel­ver­käu­fe im Gebäu­de­be­stand im Bund (Quel­le: BDH, eige­ne Berech­nun­gen)

Der Rück­gang bei den Kes­sel­ab­sät­zen im Gebäu­de­be­stand steht natur­ge­mäß in Zusam­men­hang mit den Moder­ni­sie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten. Einen Blick auf die Moder­ni­sie­rungs­ra­ten lie­fert Abbil­dung 4–21. Moder­ni­sie­rungs­ra­te bezeich­net hier die Absatz­zah­len von Wär­me­er­zeu­gern im Gebäu­de­be­stand bezo­gen auf die Zahl der Hei­zungs­an­la­gen im Gebäu­de­be­stand nach Anga­ben des BDH. Hier­bei sind neue Anschlüs­se an Wär­me­net­ze nicht berück­sich­tigt.

Die Zah­len von Hei­zungs­an­la­gen im Gebäu­de­be­stand beru­hen nach BDH-Anga­ben auf Schorn­stein­fe­ger-Erhe­bun­gen und BDH-Schät­zun­gen; es ist davon aus­zu­ge­hen, dass hier vor allem auf­grund von Inkon­sis­ten­zen in der Schorn­stein­fe­ger­sta­tis­tik sowie unvoll­stän­di­ger Markt­ab­de­ckun­gen bei der Bio­mas­se Unsi­cher­hei­ten in Kauf genom­men wer­den müs­sen. Inso­fern las­sen sich die jewei­li­gen Moder­ni­sie­rungs­ra­ten nicht exakt bestim­men.

Die Moder­ni­sie­rungs­ra­ten zei­gen, dass in Baden-Würt­tem­berg 2008 ein etwas grö­ße­rer Anteil der Kes­sel als im Bun­des­ge­biet getauscht wur­de. Wäh­rend jedoch die Moder­ni­sie­rungs­ra­ten im Bun­des­ge­biet zwi­schen 2008 und 2015 nahe­zu kon­ti­nu­ier­lich anstie­gen, zeigt sich für Baden-Würt­tem­berg eine deut­lich Absatz­spit­ze im Jahr 2009, gefolgt von einem Abfall der Raten 2010. Die­se Absatz­spit­ze lässt sich zu gro­ßen Tei­len als Vor­zieh­ef­fekt des EWär­meG 2010 erklä­ren. Aller­dings hat auch auf Bun­des­ebe­ne zeit­gleich eine Absatz­spit­ze mit nach­fol­gen­dem Rück­gang statt­ge­fun­den, wenn­gleich erheb­lich schwä­cher aus­ge­prägt als in Baden-Würt­tem­berg. Seit 2010 hat Baden-Würt­tem­berg bei den Moder­ni­sie­rungs­ra­ten kon­ti­nu­ier­lich auf­ge­holt, sodass die Moder­ni­sie­rungs­ra­ten 2014 und 2015 die bun­des­deut­schen Raten fast erreicht haben. Tei­le die­ses Anstiegs sind ver­mut­lich auf den o.g. Vor­zieh­ef­fekt zurück­zu­füh­ren. Dem­entspre­chend sinkt die Moder­ni­sie­rungs­ra­te in Baden-Würt­tem­berg nach Inkraft­tre­ten der EWär­meG-Novel­le 2015 wie­der ab.

Diagramm: Modernisierungsraten für Wärmeerzeuger in Deutschland und Baden-Württemberg (Bestand 2015)
Abbil­dung 4–21: Moder­ni­sie­rungs­ra­ten für Wär­me­er­zeu­ger in Deutsch­land und Baden-Würt­tem­berg bezo­gen auf den Bestand des Jah­res 2015 (Quel­le: eige­ne Berech­nun­gen auf Basis von (BDH 2016a, BDH 2017b, BDH 2018a, BDH, pers. Kom­mu­ni­ka­ti­on, 20.07.2017)

Der Rück­gang der Moder­ni­sie­rungs­ra­ten im Ver­gleich zum übri­gen Deutsch­land lässt sich auf die Rück­gän­ge bei den Absät­zen von Öl- und Gas­kes­seln zurück­füh­ren. Abbil­dung 4–22 zeigt die Ent­wick­lung bei Ölkes­seln als Index für Baden-Würt­tem­berg und das übri­ge Deutsch­land, Abbil­dung 4–23 zeigt die ent­spre­chen­den Indi­zes für Gas­kes­sel. Deut­lich wird in der Tat eine schwä­che­re Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg als im Bund, mit Aus­nah­me jeweils der Jah­re 2009 und 2015. Die­se Absatz­spit­zen sind auf Vor­zieh­ef­fek­te vor Inkraft­tre­ten der bei­den EWär­meG-Fas­sun­gen zurück­zu­füh­ren. Dabei ist anzu­mer­ken, dass der Anstieg der Absät­ze von Ölkes­seln zwar die Moder­ni­sie­rungs­ra­te stei­gert, aus kli­ma­po­li­ti­scher Sicht aber durch­aus pro­ble­ma­tisch ist. Zwar ersetzt jeder neue Ölkes­sel im Gebäu­de­be­stand einen älte­ren, inef­fi­zi­en­te­ren Kes­sel und redu­ziert dadurch CO2-Emis­sio­nen. Im Gegen­zug aber wird die­se kli­ma­schäd­li­che Art der Hei­zung über Jah­re hin­weg fest­ge­legt. Für ziel­kom­pa­ti­ble Maß­nah­men durch Ein­satz erneu­er­ba­rer Ener­gi­en sind die­se Gebäu­de dann vor­erst ver­lo­ren. Unab­hän­gig vom EWär­meG ist aber auch im übri­gen Deutsch­land eine leich­te Absatz­spit­ze in 2015 fest­stell­bar. Die­se dürf­te mit dem Inkraft­tre­ten der ers­ten Anfor­de­rungs­stu­fe der EU-Öko­de­sign-Ver­ord­nung zusam­men­hän­gen, die eben­falls leich­te Vor­zieh­ef­fek­te (und einen ent­spre­chend gerin­ge­ren Absatz in 2016) ver­ur­sacht haben kann.

Diagramm: Absatzentwicklung Ölkessel im Gebäudebestand
Abbil­dung 4–22: Absatz­ent­wick­lung Ölkes­sel im Gebäu­de­be­stand (BDH, eige­ne Berech­nun­gen)
Diagramm: Absatzentwicklung Gaskessel im Gebäudebestand
Abbil­dung 4–23: Absatz­ent­wick­lung Gas­kes­sel im Gebäu­de­be­stand (BDH, eige­ne Berech­nun­gen)

Ins­ge­samt konn­ten die Zuwäch­se bei Bio­mas­se­kes­seln und Wär­me­pum­pen den Moder­ni­sie­rungs­rück­gang in Baden-Würt­tem­berg bis­lang nicht kom­plett aus­glei­chen. Der star­ke Rück­gang in 2016 ist jedoch im Zusam­men­hang mit den erwähn­ten Vor­zieh­ef­fek­ten in 2015 zu rela­ti­vie­ren – hier ist ein Gegen­ef­fekt wahr­schein­lich, sodass eine schritt­wei­se Erho­lung der Absatz­ent­wick­lung in kom­men­den Jah­ren durch­aus denk­bar ist.

4.4.4 Exkurs: Zubau fossiler Kessel und die Rolle der Energieträgerpreise

Ange­sichts der kli­ma­po­li­ti­schen Bedeu­tung fos­sil betrie­be­ner Heiz­kes­sel und der für 2015 fest­ge­stell­ten Wachs­tums­ra­ten bei kli­ma­schäd­li­chen Ölkes­seln soll ein kur­zer Blick auf den Zusam­men­hang der Ener­gie­preis­ent­wick­lung und Kauf­ent­schei­dun­gen für Heiz­kes­sel gewor­fen wer­den. In Abbil­dung 4–24 sind die Ent­wick­lung der Ener­gie­trä­ger­prei­se für Heiz­öl und Erd­gas zusam­men mit den Ver­än­de­rungs­ra­ten von Absatz­zah­len von Öl- und Gas­kes­seln im Gebäu­de­be­stand Baden-Würt­tem­bergs auf­ge­tra­gen; Abbil­dung 4–25 lie­fert die ent­spre­chen­de Dar­stel­lung für Deutsch­land.

Die Abbil­dun­gen ver­deut­li­chen eine sicht­li­che Kor­re­la­ti­on von Preis­ent­wick­lung und Kauf­ent­schei­dun­gen für Heiz­kes­sel. Sowohl in Deutsch­land als auch in Baden-Würt­tem­berg erfolgt der Rück­gang bei den Ölkes­seln zeit­gleich mit stei­gen­den Prei­sen. Mit dem Sin­ken der Ölprei­se nach 2012 kehrt sich die Ent­wick­lung schritt­wei­se um (Wachs­tum in Baden-Würt­tem­berg und im Bund ab 2014 und vor allem in 2015). Bei den Gas­kes­seln sind kaum Effek­te sicht­bar; im Ver­gleich zu den Heiz­öl­prei­sen blie­ben die Erd­gas­prei­se jedoch ver­gleichs­wei­se kon­stant. Auch hier wer­den 2009/2010 und 2015/2016 jeweils Vor­zieh­ef­fek­te im Zusam­men­hang mit dem Inkraft­tre­ten der bei­den EWär­meG-Fas­sun­gen sicht­bar. Auf­fäl­lig ist der star­ke Ein­bruch 2016 nach hohen Wachs­tums­ra­ten in 2015, vor allem für Ölkes­sel. Für Deutsch­land lässt sich die­ser Ein­bruch auch nicht mit dem EWär­meG erklä­ren, da die­ses ja nur in Baden-Würt­tem­berg gilt. Neben der Preis­ent­wick­lung dürf­te ein wei­te­rer Grund für die­se Ent­wick­lung das oben erwähn­te Inkraft­tre­ten der ers­ten Anfor­de­rungs­stu­fe der EU Öko­de­sign-Ver­ord­nung zu Heiz­kes­seln sein, die ent­spre­chen­de Vor­zieh­ef­fek­te mit sich gebracht hat.

Ent­schei­dend für den Ener­gie­trä­ger­wech­sel weg von fos­si­len und hin zu kli­ma­scho­nen­de­ren Ener­gie­trä­gern ist daher neben den jewei­li­gen Mög­lich­kei­ten vor Ort auch, die wirt­schaft­li­che Attrak­ti­vi­tät die­ser Ener­gie­trä­ger zu brem­sen, etwa durch eine ange­mes­se­ne CO2-Beprei­sung.

Diagramm: Veränderungsraten der Absatzzahlen von Öl- und Gaskesseln im Gebäudebestand sowie Preisentwicklung der Energieträger in BW
Abbil­dung 4–24: Baden-Würt­tem­berg: Ver­än­de­rungs­ra­ten der Absatz­zah­len von Öl- und Gas­kes­seln im Gebäu­de­be­stand sowie Preis­ent­wick­lung der Ener­gie­trä­ger (Quel­le: BDH, Ver­brau­cher­zen­tra­le NRW 2017, eige­ne Berech­nun­gen)
Diagramm: Veränderungsraten der Absatzzahlen von Öl- und Gaskesseln im Gebäudebestand sowie Preisentwicklung der Energieträger in Deutschland
Abbil­dung 4–25: Deutsch­land: Ver­än­de­rungs­ra­ten der Absatz­zah­len von Öl- und Gas­kes­seln im Gebäu­de­be­stand sowie Preis­ent­wick­lung der Ener­gie­trä­ger (Quel­le: BDH, Pers. Kom­mu­ni­ka­ti­on, 20.07.2017, Ver­brau­cher­zen­tra­le NRW 2017, eige­ne Berech­nun­gen)

4.4.5 Rückbau alter Heizkessel

Ergän­zend zur Betrach­tung der Moder­ni­sie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten über den Zubau von Hei­zungs­an­la­gen im Gebäu­de­be­stand soll der Rück­bau von alten Heiz­kes­seln in den Blick genom­men wer­den. Die Rück­bau-Betrach­tung erfolgt mit Hil­fe der Schorn­stein­fe­ger­sta­tis­ti­ken. Auf Basis der Schorn­stein­fe­ger­da­ten über die Zahl mess­pflich­ti­ger Heiz­kes­sel im Bestand (sie­he Beschrei­bung in Abschnitt 4.2.3) wird eine Rück­bau­ra­te defi­niert als pro­zen­tua­le Ver­än­de­rung der Zahl der mess­pflich­ti­gen Hei­zungs­an­la­gen, die bis 1997 errich­tet wur­den – die­se Alters­be­schrän­kung ist den ange­ge­be­nen Alters­klas­sen der Schorn­stein­fe­ger­sta­tis­tik geschul­det. Eine gro­ße Zahl von Alt­an­la­gen, die aus der Sta­tis­tik her­aus­fal­len, ist hier­bei ein Indi­ka­tor für vie­le Moder­ni­sie­run­gen von Hei­zun­gen. Die­ser Zusam­men­hang unter­stellt jedoch eini­ge Ver­ein­fa­chun­gen:

  • Alt­an­la­gen kön­nen aus der Sta­tis­tik her­aus­fal­len, weil ein Kes­sel­tausch statt­ge­fun­den hat. Es kann aber auch sein, dass das ent­spre­chen­de Gebäu­de abge­ris­sen wur­de. Die Betrach­tung der Schorn­stein­fe­ger­sta­tis­tik ver­nach­läs­sigt den Gebäu­de­ab­riss. Damit wird die Moder­ni­sie­rungs­ra­te ten­den­zi­ell über­schätzt. Die Abgän­ge von Woh­nun­gen durch Abriss von Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäu­den lagen zwi­schen 2010 und 2015 rela­tiv kon­stant unter­halb von 30.000 Abgän­gen pro Jahr und damit um ein etwa eine Grö­ßen­ord­nung unter­halb der jähr­li­chen Ver­min­de­rung alter Hei­zungs­an­la­gen.
  • Ein struk­tu­rel­les Pro­blem der Erhe­bun­gen ist, dass kei­ne rol­lie­ren­de Betrach­tung von Alt­an­la­gen ober­halb eines bestimm­ten Alters mög­lich ist. Aus die­sem Grund muss­te auf die Anga­ben zu Kes­seln zurück­ge­grif­fen wer­den, die bis ein­schließ­lich 1997 instal­liert wur­den. Natur­ge­mäß wer­den dadurch im Lauf der Zeit die betrach­te­ten Alt­an­la­gen immer älter und der Pool mög­li­cher Alt­an­la­gen klei­ner, was wie­der­um ten­den­zi­ell die Rück­bau­ra­ten senkt. Es wird ange­nom­men, dass die­ser Effekt die Ergeb­nis­se aber nicht grund­sätz­lich ver­fälscht und auch die Rang­fol­ge der betrach­te­ten Regio­nen davon unbe­ein­flusst bleibt. Dass die Kes­sel die­ser Alters­klas­se immer noch eine signi­fi­kan­te Rol­le spie­len, zei­gen die Schorn­stein­fe­ger-Erhe­bun­gen: so waren 2016 in Deutsch­land wie in Baden-Würt­tem­berg über 60 % der Ölkes­sel und über 50 % der Gas­kes­sel mehr als zwan­zig Jah­re alt (Bun­des­ver­band des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks – Zen­tra­lin­nungs­ver­band (ZIV) (Hrsg.) 2017; Lan­des­in­nungs­ver­band des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks Baden-Würt­tem­berg 2017).
  • Außer­dem berück­sich­tigt die Sta­tis­tik kei­ne Brenn­wert­ge­rä­te. Da aus­schließ­lich Alt­an­la­gen betrach­tet wer­den, die bis 1997 instal­liert wur­den, macht das für Öl-Brenn­wert­kes­sel prak­tisch kei­nen Unter­schied: sie spiel­ten vor 1998 fast kei­ne Rol­le ((TGA Fach­pla­ner 2013). Gas-Brenn­wert­kes­sel hin­ge­gen haben sich schon seit Beginn der neun­zi­ger Jah­re im Markt ver­brei­tet und stell­ten 1998 rund ein Drit­tel der ver­kauf­ten Gas­kes­sel in Deutsch­land. Inso­fern unter­schätzt die Sta­tis­tik ins­be­son­de­re die Zahl der alten Gas­hei­zun­gen.
  • Wei­ter wird unter­stellt, dass die Moder­ni­sie­rungs­ra­ten von Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäu­den in etwa ver­gleich­bar sind, da die Schorn­stein­fe­ger­sta­tis­tik nicht nach Gebäu­de­ka­te­go­ri­en unter­schei­det, das EWär­meG aber erst ab 2015 die Nicht­wohn­ge­bäu­de umfasst. Eine mög­li­che Ver­lang­sa­mung der Hei­zungs­mo­der­ni­sie­rung in Fol­ge des EWär­meG hät­te aber vor 2015 nur Wohn­ge­bäu­de betrof­fen. Die aggre­gier­te Betrach­tung von Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäu­den wür­de also dazu füh­ren, dass der Grad des Atten­tis­mus unter­schätzt wird.
  • Außer­dem kön­nen Abbau­ra­ten zwi­schen 2005 und 2010 nur für Hei­zungs­an­la­gen ober­halb von 11 kW berech­net wer­den, da klei­ne­re Anla­gen zwi­schen 4 und 11 kW erst ab März 2010 mess­pflich­tig wur­den. Dadurch ver­rin­gert sich für die­sen Zeit­raum die geschätz­te Abde­ckung.
  • Ver­gleicht man die Anzahl der errech­ne­ten Abgän­ge aus der Schorn­stein­fe­ger­sta­tis­tik mit den BDH-Anga­ben über den Moder­ni­sie­rungs­markt, so lie­gen die Abgän­ge laut Schorn­stein­fe­ger­sta­tis­tik zwi­schen 10 und knapp 170 % % der Stück­zah­len zum Moder­ni­sie­rungs­markt laut BDH, durch­schnitt­lich bei rund 50 %. Es muss daher davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Schorn­stein­fe­ger­sta­tis­ti­ken nur Daten über einen Teil der rück­ge­bau­ten Anla­gen lie­fern. Im Fol­gen­den wird dabei davon aus­ge­gan­gen, dass Lücken in der Abde­ckung die pro­zen­tua­le Ent­wick­lung nicht beein­flus­sen.

Rückbau von Gaskesseln

Die Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg wird mit der Ent­wick­lung im Bun­des­ge­biet und in Bay­ern als Ver­gleichs­land betrach­tet. In den Ver­gleich ein­be­zo­gen wer­den aus­schließ­lich Kes­sel mit mehr als 11 kW Leis­tung und Inbe­trieb­nah­me vor 1997, da nur in die­sen Fäl­len Ver­gleichs­da­ten ab 2005 zur Ver­fü­gung ste­hen. Es fällt auf, dass regel­mä­ßig nega­ti­ve Rück­bau­ra­ten berech­net wer­den. Dies kann natür­lich nicht auf eine plötz­li­che Zunah­me alter Hei­zungs­kes­sel zurück­zu­füh­ren sein, son­dern deu­tet auf erheb­li­che Inkon­sis­ten­zen in der Sta­tis­tik hin. Grün­de kön­nen die Nicht-Abga­be von Mess­sta­tis­ti­ken durch ein­zel­ne Schorn­stein­fe­ger-Meis­ter sein; der Lan­des­ver­band Baden-Würt­tem­berg wies zudem auf mög­li­che Schnitt­stel­len­pro­ble­me bei der Daten­über­tra­gung hin (Kugel, Pers. Komm., 2014). Abbil­dung 4–26 zeigt die Ent­wick­lung der Rück­bau­ra­ten von Gas­kes­seln mit Instal­la­ti­ons­jahr bis 1997 in Baden-Würt­tem­berg sowie im Bun­des­ge­biet und im Ver­gleichs­land Bay­ern. Die Daten­la­ge erscheint lücken­haft, da in meh­re­ren Jah­ren nega­ti­ve Wer­te auf­tau­chen, die auf Inkon­sis­ten­zen in der Sta­tis­tik hin­deu­ten. In die­sem Sin­ne ist auch die hohe Rück­bau­ra­te von 20 % in Bay­ern, gefolgt von einer nega­ti­ven Rate von unter -15 %, eher als Hin­weis auf Inkon­sis­ten­zen denn auf ein beson­ders moder­ni­sie­rungs­rei­ches Jahr zu deu­ten. Außer­dem fällt ein Ein­bruch der Rück­bau­ra­ten um 2010 her­um auf, der wahr­schein­lich auf die Umstel­lung der Mess­pflich­ten aus der 1. BIm­SchV zurück­zu­füh­ren ist. Seit Inkraft­tre­ten der novel­lier­ten 1.BImschV im März 2010 müs­sen mess­pflich­ti­ge Hei­zungs­an­la­gen, die älter als 12 Jah­re sind, nur noch alle zwei Jah­re über­wacht wer­den müs­sen. Wahr­schein­lich ist daher, dass im ers­ten Jahr bzw. zwei­ten Jahr der neu­en Rege­lun­gen – in denen dann sehr viel weni­ger Mes­sun­gen not­wen­dig waren – die Hoch­rech­nun­gen des Schorn­stein­fe­ger­ver­ban­des noch nicht rea­li­täts­nah erfolg­ten. Grund­sätz­lich zei­gen sich für Baden-Würt­tem­berg in der Ten­denz höhe­re Wer­te in der Zeit zwi­schen 2005 und 2009 als danach. In Bay­ern sind die Raten so wech­sel­haft, dass sie kaum eine belast­ba­re Aus­sa­ge zulas­sen. Hin­ge­gen ver­lau­fen die Rück­bau­ra­ten im Bun­des­ge­biet – mit der Aus­nah­me von 2010/2011 – weni­ger wech­sel­haft. Ange­sichts der Daten­qua­li­tät las­sen sich belast­ba­re Schlüs­se nur schwer zie­hen, die Daten spre­chen aber in der Ten­denz für einen leich­ten Rück­gang der Moder­ni­sie­rung von Gas­kes­seln seit Inkraft­tre­ten des EWär­meG 2010.

Diagramm: Rückbauraten von Gaskesseln
Abbil­dung 4–26: Baden-Würt­tem­berg, Bay­ern, Bund: Rück­bau­ra­ten von Gas­kes­seln >11 kW Leis­tung auf Basis der Schorn­stein­fe­gerer­he­bun­gen, jeweils bezo­gen auf den Vor­jah­res­be­stand von Anla­gen mit Errich­tung bis 1997. (Quel­le: Bun­des­ver­band des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks – Zen­tra­lin­nungs­ver­band 2006–2016, Lan­des­in­nungs­ver­band des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks Baden-Würt­tem­berg 2006–2016, Lan­des­in­nungs­ver­band für das Baye­ri­sche Kamin­keh­rerhand­werk 2006–2016, eige­ne Berech­nun­gen)

Rückbauraten von Ölkesseln

Für den Rück­bau alter Ölkes­sel zeigt sich in Baden-Würt­tem­berg nach zwei Spit­zen­jah­ren 2006/2007 und 2007/2008 mit über 7 % Aus­tauschra­ten ein deut­li­cher Rück­gang ab 2009/2010. Die Wer­te erho­len sich leicht von 2012 auf 2013 und von 2013 auf 2014, kön­nen aber nicht an die hohen frü­he­ren Raten anschlie­ßen. Im Ver­gleichs­land Bay­ern zeigt sich eine wech­sel­haf­te Ent­wick­lung mit zwei her­aus­ra­gen­den Spit­zen­jah­ren 2009/2010 und 2011/2012. Die im Ver­gleich dazu sehr gerin­ge Rück­bau­ra­te 2010/2011 lässt jedoch sta­tis­ti­sche Inkon­sis­ten­zen ver­mu­ten, eben­so der nega­ti­ve Wert für 2015/2016. Außer­dem fällt ein Ein­bruch der Rück­bau­ra­ten um 2010 her­um auf, der wahr­schein­lich auf die Umstel­lung der Mess­pflich­ten aus der 1. BIm­SchV und damit ver­bun­de­nen Inkon­sis­ten­zen der Hoch­rech­nung zurück­zu­füh­ren ist. In den Jah­ren 2012/2013 und 2013/2014 lagen die baye­ri­schen Rück­bau­ra­ten im Mit­tel leicht ober­halb der baden-würt­tem­ber­gi­schen Raten. 2014/2015 hin­ge­gen kam Baden-Würt­tem­berg auf eine etwas höhe­re Rück­bau­ra­te. 2015/2016 lässt sich auf­grund der o.g. Inkon­sis­tenz für Bay­ern nicht aus­wer­ten. Auf Bun­des­ebe­ne hin­ge­gen lässt sich kei­ne kla­re Ten­denz erken­nen. Auch hier fällt ein Rück­gang der Rück­bau­ra­ten zwi­schen 2009 und 2011 auf, der mit der Umstel­lung der Mess­pflich­ten zusam­men­hän­gen könn­te. Danach stei­gen die Raten wie­der an, blei­ben im Mit­tel aber gering­fü­gig unter­halb des Niveaus von 2005 bis 2009 (sie­he Abbil­dung 4–27).

Ins­ge­samt erscheint die Daten­ba­sis auf­grund von Inkon­sis­ten­zen kaum belast­bar. Den­noch zei­gen die Schorn­stein­fe­ger­da­ten für Ölkes­sel für die Jah­re zwi­schen 2009/2010 und 2013/2014 eine gewis­se Abnah­me der Rück­bau­ak­ti­vi­tä­ten in Baden-Würt­tem­berg im Ver­gleich zu Bay­ern und zum Bund.

Diagramm: Rückbauraten von Ölkesseln
Abbil­dung 4–27: Baden-Würt­tem­berg, Bay­ern, Bund: Rück­bau­ra­ten von Ölkes­seln >11 kW Leis­tung auf Basis der Schorn­stein­fe­gererhe-bun­gen, jeweils bezo­gen auf den Vor­jah­res­be­stand von Anla­gen mit Errich­tung bis 1997 Quel­le: Bun­des­ver­band des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks – Zen­tra­lin­nungs­ver­band 2006–2016, Lan­des­in­nungs­ver­band des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks Baden-Würt­tem­berg 2006–2016, Lan­des­in­nungs­ver­band für das Baye­ri­sche Kamin­keh­rerhand­werk 2006–2016, eige­ne Berech­nun­gen

Sanierungen der Gebäudehülle und weitere Verbesserungen der Gebäudeeffizienz

Im vor­her­ge­hen­den Kapi­tel wur­den die Markt­ent­wick­lun­gen für erneu­er­ba­re Wär­me und Wär­me­net­ze sowie die Moder­ni­sie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten bei Heiz­kes­seln betrach­tet. Dar­über hin­aus gilt es aber auch zu unter­su­chen, inwie­weit ande­re Effi­zi­enz­maß­nah­men erfolgt sind, etwa an der Gebäu­de­hül­le oder der Anla­gen­pe­ri­phe­rie: Ziel des EWär­meG ist nicht nur eine Stei­ge­rung des Ein­sat­zes von erneu­er­ba­ren Ener­gi­en, son­dern auch deren effi­zi­en­te Nut­zung. Unter­sucht wird daher zunächst, ob das Inter­es­se an Gebäu­de­sa­nie­run­gen in Baden-Würt­tem­berg im Betrach­tungs­zeit­raum gestie­gen ist, indem die Ent­wick­lung bei Ener­gie­be­ra­tun­gen betrach­tet wird. Ener­gie­be­ra­tun­gen sind zum Teil auch als direk­te Erfül­lungs­op­ti­on rele­vant: ab dem zwei­ten Halb­jahr 2015 sind durch die EWär­meG-Novel­le indi­vi­du­el­le Sanie­rungs­fahr­plä­ne oder die BAFA Vor-Ort-Bera­tung als Erfül­lungs­op­ti­on zuge­las­sen. In einem zwei­ten Schritt wird der Ver­lauf der KfW-geför­der­ten Sanie­rungs­maß­nah­men ana­ly­siert.

4.5.1 Energieberatung

In Baden-Würt­tem­berg exis­tiert ein nahe­zu flä­chen­de­cken­des Netz an regio­na­len Ener­gie- und Kli­ma­schutz­agen­tu­ren. Zusätz­lich koope­rie­ren die­se Agen­tu­ren mit den Ver­brau­cher­zen­tra­len: die Rah­men­be­din­gun­gen für Ener­gie­be­ra­tung sind damit beson­ders güns­tig (Sta­tus­be­richt kom­mu­na­ler Kli­ma­schutz 2018). Auch das Inte­grier­te Ener­gie- und Kli­ma­schutz­kon­zept (IEKK) Baden-Würt­tem­bergs sieht vor, die Ener­gie­be­ra­tung im Wär­me­be­reich aus­zu­bau­en und eine Bera­tungs­of­fen­si­ve Sanie­rungs­fahr­plan zu ent­wi­ckeln.

Deut­lich zeigt sich die Ent­wick­lung bei der BAFA-vor-Ort-Bera­tung: Ab dem Jahr 2015 – also dem Beginn der Erfül­lungs­op­ti­on „Sanie­rungs­fahr­plan“ – zeigt sich eine erheb­li­cher Anstieg der Bera­tungs­zah­len in Baden-Würt­tem­berg, und zwar ent­kop­pelt vom Bun­des­trend (sie­he Abbil­dung 4–28). Dies deu­tet auf eine posi­ti­ve Wir­kung des EWär­meG hin.

Diagramm: BAFA-Vor-Ort-Beratungen
Abbil­dung 4–28: BAFA-Vor-Ort-Bera­tun­gen bezo­gen auf die Ein­woh­ner­zahl in Baden-Würt­tem­berg, Ver­gleichs­län­dern und dem Bun­des-gebiet (BAFA 2018b)

Anzu­mer­ken ist, dass die BAFA-Vor-Ort-Bera­tun­gen nur einen Teil der Bera­tungs­land­schaft dar­stel­len. Neben den BAFA-Vor-Ort-Bera­tun­gen (die den indi­vi­du­el­len Sanie­rungs­fahr­plä­nen (iSFP) gleich­ge­stellt sind)) gibt es durch die Baden-Würt­tem­ber­gi­sche L-Bank geför­der­te Sanie­rungs­fahr­plä­ne (sie­he hier­zu die Dis­kus­si­on der Erfül­lungs­op­tio­nen in Abschnitt 3 und die Aus­wer­tun­gen der Sanie­rungs­fahr­plä­ne in Abschnitt 8). Aus End­kun­den­sicht machen die­se als Erfül­lungs­op­ti­on zuge­las­se­nen Bera­tun­gen nur einen klei­nen Aus­schnitt des­sen aus, was als Bera­tung wahr­ge­nom­men, wie die vzbv-vor-Ort- und online-Bera­tun­gen, Bera­tun­gen durch Hand­wer­ker und Schorn­stein­fe­ger sowie über ört­li­che Ener­gie- und Kli­ma­agen­tu­ren (vgl. BfEE (Hrsg.) 2017).

Auch auf Ener­gie­be­ra­tun­gen, die nicht als Erfül­lungs­op­ti­on zuge­las­sen sind, scheint das EWär­meG jedoch einen leich­ten Ein­fluss in Form einer Trig­ger­wir­kung aus­zu­üben. So konn­ten die Ver­brau­cher­zen­tra­len die Zahl ihrer Ener­gie­be­ra­tun­gen in Baden-Würt­tem­berg zwi­schen 2012 und 2015 stei­gern – ganz im Gegen­satz zum Bun­des­trend mit rück­läu­fi­gen Bera­tungs­zah­len. Aller­dings wur­de in die­sem Zeit­raum auch die Koope­ra­ti­on mit ört­li­chen Ener­gie­agen­tu­ren aus­ge­baut, sodass End­kun­den ein erheb­lich ver­bes­ser­tes Netz an Bera­tungs­ein­rich­tun­gen vor­fan­den. Auch in den regio­na­len Ener­gie­agen­tu­ren schei­nen zusätz­li­che Bera­tungs­ak­ti­vi­tä­ten aus­ge­löst wor­den zu sein. Bei­spiels­wei­se hat das über die Lan­des­agen­tur KEA finan­zier­te Bera­tungs­te­le­fon von Zukunft Alt­bau stei­gen­de Bera­tungs­zah­len im Zusam­men­hang mit Fra­gen zum EWär­meG fest­ge­stellt, ins­be­son­de­re um die Novel­lie­rung 2015 her­um bis ins Jahr 2016 (per­sön­li­che Infor­ma­ti­on F. Hett­ler 2018).

4.5.2 Gebäudesanierungen im Rahmen der KfW-Förderung

Hin­sicht­lich der Gebäu­de­sa­nie­run­gen wird als Indi­ka­tor die Ent­wick­lung der KfW-För­der­zah­len hin­zu­ge­zo­gen. Betrach­tet wer­den die Pro­gram­me „Ener­gie­ef­fi­zi­ent Sanie­ren – Ein­zel­maß­nah­men“ (152) und „Ener­gie­ef­fi­zi­ent Sanie­ren – Zuschuss“ (430). Effi­zi­enz­haus­sa­nie­run­gen sind im Zusam­men­hang mit dem EWär­meG weni­ger rele­vant, da sie umfas­sen­de Pro­jek­te dar­stel­len, die weit über das im Rah­men der Erfül­lungs­op­ti­on Not­wen­di­ge hin­aus­ge­hen. Inso­fern wird die För­de­rung von Effi­zi­enz­häu­sern in der Sanie­rung hier nicht ana­ly­siert. Ins­ge­samt konn­te Baden-Würt­tem­berg den Anteil an den bun­des­weit bewil­lig­ten För­der­mit­teln leicht stei­gern. So stieg der Anteil Baden-Würt­tem­bergs an den För­der­mit­teln für Ein­zel­maß­nah­men von 19,1 % der För­der­sum­me in 2008 auf 21,5 % der För­der­sum­me in 2017, bei einem Bevöl­ke­rungs­an­teil an der Gesamt­be­völ­ke­rung in Deutsch­land von 13,3 %. Auf­fäl­lig ist, dass in Baden-Würt­tem­berg die För­der­sum­men im Zuschuss­pro­gramm gerin­ger wach­sen als in ande­ren Bun­des­län­dern. Das Zuschuss­pro­gramm wird ver­stärkt nach­ge­fragt, da es für vie­le Antrag­stel­ler im gegen­wär­ti­gen Nied­rig­zins­um­feld als attrak­ti­ver gilt. In Baden-Würt­tem­berg ist die­ser Trend offen­sicht­lich etwas gerin­ger aus­ge­prägt (KfW 2018). Abbil­dung 4–29 zeigt die Ent­wick­lung der För­der­sum­men im KfW-Pro­gramm Ein­zel­maß­nah­men. Deut­lich wird für Baden-Würt­tem­berg eine posi­ti­ve Ent­wick­lung ab 2012, mit Aus­nah­me des Jah­res 2013 deut­lich ober­halb der Ver­gleichs­län­der und des Bun­des­ge­biets. Nach einem leich­ten Absin­ken zwi­schen 2016 und 2017 liegt der Index 2017 bei über 140 und damit deut­lich ober­halb dem auf 100 nor­mier­ten Start­jahr 2008.

Die wach­sen­de Bedeu­tung des KfW-Zuschuss­pro­gramms zeigt Abbil­dung 4–30. Im Bun­des­ge­biet steigt der dazu­ge­hö­ri­ge Index von 100 im Jahr 2008 auf nahe­zu 1.800 in 2017. Auch in Baden-Würt­tem­berg steigt der Index auf über 1.000, liegt damit aber noch erheb­lich unter den Ver­gleichs­län­dern. Die­ses Ver­hält­nis von Ein­zel­maß­nah­men und Zuschuss­för­de­rung ist aber durch­aus posi­tiv zu wer­ten: so geht das Moni­to­ring der KfW-För­de­rung (Die­fen­bach et al. 2018) regel­mä­ßig davon aus, dass im Mit­tel in den Ein­zel­maß­nah­men höhe­re CO2-Ein­spa­run­gen pro Woh­nung erreicht wer­den als bei den Zuschuss­fäl­len. Die Ent­wick­lung der För­der­fäl­le könn­te daher dafür spre­chen, dass in Baden-Würt­tem­berg eine Ten­denz zu etwas tie­fe­ren Sanie­run­gen besteht als anders­wo. Die Ent­wick­lung der Antrags­zah­len für bei­de För­der­pro­gram­me ins­ge­samt (aus­ge­drückt als Zahl der betrof­fe­nen Wohn­ein­hei­ten) ist hin­ge­gen in Baden-Würt­tem­berg nahe­zu deckungs­gleich mit den Ver­gleichs­län­dern und dem Bun­des­ge­biet (sie­he Inde­x­ent­wick­lung in Abbil­dung 4–31). Obwohl die Antrags­zah­len sich ins­ge­samt seit 2008 posi­tiv ent­wi­ckelt haben, ver­deut­li­chen sie auch: eine ech­te Wär­me­wen­de mit einem Durch­bruch in der Sanie­rungs­ak­ti­vi­tät ist nicht erkenn­bar. Inso­fern bil­det auch Baden-Würt­tem­berg hier kei­ne Aus­nah­me zum Bun­des­ge­biet.

Diagramm: Indexentwicklung der Fördersummen im KfW-Programm Energieeffizient Sanieren – Einzelmaßnahmen (152) in Baden-Württemberg, in Vergleichsländern und dem Bundesgebiet
Abbil­dung 4–29: Inde­x­ent­wick­lung der För­der­sum­men im KfW-Pro­gramm Ener­gie­ef­fi­zi­ent Sanie­ren – Ein­zel­maß­nah­men (152) in Baden-Würt­tem­berg, in Ver­gleichs­län­dern und dem Bun­des­ge­biet (KfW 2008–2017)
Diagramm: Indexentwicklung der Fördersummen im KfW-Programm Energieeffizient Sanieren – Zuschuss (430) in Baden-Württemberg, in Vergleichsländern und dem Bundesgebiet
Abbil­dung 4–30: Inde­x­ent­wick­lung der För­der­sum­men im KfW-Pro­gramm Ener­gie­ef­fi­zi­ent Sanie­ren – Zuschuss (430) in Baden-Würt­tem­berg, in Ver­gleichs­län­dern und dem Bun­des­ge­biet (KfW 2008–2017)
Diagramm: Indexentwicklung der Antragszahlen in den KfW-Programmen Energieeffizient Sanieren – Einzelmaßnahmen (152) und Zuschuss (430) in Baden-Württemberg, in Vergleichsländern und dem Bundesgebiet
Abbil­dung 4–31: Inde­x­ent­wick­lung der Antrags­zah­len in den KfW-Pro­gram­men Ener­gie­ef­fi­zi­ent Sanie­ren – Ein­zel­maß­nah­men (152) und Zuschuss (430) in Baden-Würt­tem­berg, in Ver­gleichs­län­dern und dem Bun­des­ge­biet

Zusammenfassung und Schlussfolgerungen für die Evaluierung

Ins­ge­samt wäre eine bes­se­re Daten­la­ge über­aus wün­schens­wert, um ein­deu­ti­ge­re Aus­sa­gen zu machen. Die unter­schied­li­chen Daten­quel­len sind teil­wei­se inkon­sis­tent und las­sen sich z. T. auch nicht unab­hän­gig vali­die­ren. In der Gesamt­schau der Ergeb­nis­se las­sen sich jedoch meh­re­re Ten­den­zen fest­hal­ten:

  1. Bezo­gen auf die Dyna­mik des Aus­baus erneu­er­ba­rer Ener­gi­en liegt Baden-Würt­tem­berg im Bun­des­ver­gleich mit Bay­ern an der Spit­ze. Bei­de Län­der haben tra­di­tio­nell eine hohe EE-Nach­fra­ge, bedingt durch Ein­kom­men, Gebäu­de­struk­tur, sozio­de­mo­gra­fi­sche Ent­wick­lun­gen sowie hohe Solar­strah­lung und (beson­ders Bay­ern) hohem Bio­mas­se­auf­kom­men. Auch das Inter­es­se an EE-Hei­zun­gen – gemes­sen als Ange­bots­an­fra­gen – ist in Baden-Würt­tem­berg grö­ßer als in ande­ren Bun­des­län­dern und seit Ein­füh­rung des EWär­meG merk­lich gewach­sen.

Spe­zi­ell für die über das MAP geför­der­ten EE-Anla­gen weist Baden-Würt­tem­berg nach dem Spit­zen­rei­ter Bay­ern fast durch­weg deut­lich höhe­re Antrags­zah­len pro Ein­woh­ner auf als der Bund und die bei­den Ver­gleichs­län­der Hes­sen und Rhein­land-Pfalz – wobei der Bun­des­trend schon von Bay­ern und Baden-Würt­tem­berg mit­ge­prägt wird. Dabei zeigt die Ent­wick­lung der MAP-geför­der­ten instal­lier­ten Anla­gen in allen Fäl­len ähn­li­che Höhen und Tie­fen, wenn auch auf unter­schied­li­chem Niveau. Die Daten zei­gen zugleich, dass der Anla­gen­zu­bau einem bun­des­wei­ten Trend­mus­ter folgt. Deut­lich erkenn­bar ist dem­nach der Ein­bruch des Zubaus nach dem För­der­stopp zwi­schen Mai und Juni 2010, von dem sich die MAP-För­der­zah­len auch nach spä­te­ren Erhö­hun­gen nie wie­der erho­len konn­ten. Zudem ist bei den Solar­ther­mie- und Bio­mas­se-Anla­gen ein star­ker Rück­gang zwi­schen 2006 und 2007 zu erken­nen – Wär­me­pum­pen wur­den zu die­ser Zeit nicht durch das MAP geför­dert. Die­ser Rück­gang hängt ver­mut­lich mit der dama­li­gen Erhö­hung des Umsatz­steu­er­sat­zes von 16 auf 19 % zum 1.1.2007 und damit ver­bun­de­nen Vor­zugs­ef­fek­ten zusam­men.

Bei Wär­me­pum­pen lag die Ent­wick­lung in BW vor Inkraft­tre­ten des Geset­zes unter dem Bun­des­trend. Es folgt ein kurz­fris­ti­ges Empor­schnel­len der Aus­bau­zah­len im Gebäu­de­be­stand nach Inkraft­tre­ten des EWär­meG, das aber schon 2012 wie­der ver­ebbt. Hier lässt sich ver­mu­ten, dass die­se Ent­wick­lung mit der gleich­zei­ti­gen mas­si­ven Erhö­hung der Heiz­strom­prei­se in Baden-Würt­tem­berg zusam­men­hängt. Inzwi­schen hat sich ein grö­ße­rer bun­des­wei­ter Heiz­strom­markt ent­wi­ckelt, die Heiz­strom­prei­se sind aber auf hohem Niveau geblie­ben bzw. wei­ter ange­stie­gen, was den Aus­bau von Wär­me­pum­pen auch bun­des­weit erheb­lich brem­sen dürf­te. 2016 folgt ent­kop­pelt vom Bun­des­trend ein zwei­tes Spit­zen­jahr – hier gilt es, die wei­te­re Ent­wick­lung zu beob­ach­ten, um zu sehen, ob sich ein dau­er­haf­ter Trend ent­wi­ckelt. Auf­fäl­lig ist, dass das Markt­wachs­tum in bei­den Spit­zen­jah­ren 2011 und 2016 offen­bar unab­hän­gig vom geför­der­ten Bereich ent­stand: die MAP-För­der­zah­len in Baden-Würt­tem­berg zei­gen kei­ne ver­gleich­ba­re Ent­wick­lung. Bezo­gen auf den (klei­nen) Teil­be­reich der MAP-geför­der­ten Wär­me­pum­pen zeigt sich eine ins­ge­samt schlep­pen­de Ent­wick­lung zwi­schen 2010 und 2015, bei der aber Baden-Würt­tem­berg über dem Bun­des­trend liegt. In 2016 und 2017 nähert sich die Ent­wick­lung der MAP-Wär­me­pum­pen in Baden-Würt­tem­berg wie­der dem Bun­des­trend an. Hier ist daher ins­be­son­de­re für die Jah­re 2010 bis 2015 durch­aus eine posi­ti­ve Wir­kung des EWär­meG zu ver­mu­ten, aber auf sehr gerin­gem Niveau.

Beim Blick auf die baden-würt­tem­ber­gi­schen Bio­mas­se-Anla­gen im Gebäu­de­be­stand zeigt sich eine Ent­kopp­lung vom bun­des­wei­ten Trend und stär­ke­re Ent­wick­lung eines nicht-geför­der­ten Mark­tes nach 2010. Damit lie­fern die Zah­len ein deut­li­ches Indiz für eine posi­ti­ve Wir­kung des EWär­meG für den Aus­bau von Wär­me aus Bio­mas­se. Die Daten­ba­sis der abge­setz­ten Anla­gen ist hier aller­dings weni­ger belast­bar als bei den Wär­me­pum­pen: die BDH-Zah­len schei­nen die Anla­gen­ab­sät­ze auf­grund einer gerin­ge­ren Markt­ab­de­ckung als in ande­ren Seg­men­ten zu unter­schät­zen. Bei den MAP-geför­der­ten Bio­mas­se-Anla­gen liegt die Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg durch­ge­hend leicht ober­halb des bun­des­wei­ten Trends; hier ist bei den geför­der­ten Anla­gen eine gerin­ge Wir­kung des EWär­meG zu ver­mu­ten.

Bei der Solar­ther­mie zei­gen sowohl Absatz- als auch För­der­zah­len einen ernüch­tern­den Rück­gang des Anla­gen­zu­baus im Bun­des­ge­biet wie in Baden-Würt­tem­berg. Eine för­der­li­che Wir­kung des EWär­meG in Baden-Würt­tem­berg lässt sich aus den Zah­len nicht ablei­ten, aller­dings auch kei­ne nega­ti­ven Effek­te.

Ins­ge­samt las­sen sich posi­ti­ve, aber nicht sehr star­ke Effek­te des EWär­meG auf den Anla­gen­zu­bau erken­nen. Offen­sicht­lich prä­gen aber wesent­lich stär­ke­re Ursa­chen für Ver­än­de­run­gen im Anla­gen­zu­bau die all­ge­mei­nen Markt­ten­den­zen wie Ener­gie­prei­se oder die Umsatz­steu­er­ent­wick­lung sowie MAP-inter­ne Effek­te wie die Ver­än­de­rung der För­der­richt­li­ni­en oder der För­der­stopp 2010.

Zur Ent­wick­lung des Fern­wär­me­netz­aus­bau­es in Baden-Würt­tem­berg im Ver­gleich zu Deutsch­land las­sen sich auf­grund der unbe­frie­di­gen­den Daten­la­ge kei­ne Rück­schlüs­se auf eine ver­mehr­te Anrei­zwir­kung für den Aus­bau von Wär­me­net­zen indu­ziert durch das EWär­meG zie­hen. Die von der AGFW zur Ver­fü­gung gestell­ten Daten der Haus­über­ga­be­sta­tio­nen für Baden-Würt­tem­berg und Deutsch­land beschrei­ben lei­der nur eine beschränk­te Teil­men­ge aller Haus­über­ga­be­sta­tio­nen.

  1. Zur Fra­ge einer Ver­lang­sa­mung der Moder­ni­sie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten (Atten­tis­mus) infol­ge des EWär­meG ist die Daten­la­ge unbe­frie­di­gend. Die Ent­wick­lung der Absatz­zah­len auf Basis von Anga­ben des BDH deu­tet auf Vor­zieh­ef­fek­te vor der Eta­blie­rung des Geset­zes und der Novel­le hin. Eine nied­ri­ge­re Moder­ni­sie­rungs­ra­te nach Inkraft­tre­ten des EWär­meG und der Novel­le ist zum einen auf die­se Vor­zieh­ef­fek­te zurück­zu­füh­ren. Die nied­ri­ge­re Moder­ni­sie­rungs­ra­te kann aber zum ande­ren auch mit einer zu einem Atten­tis­mus pas­sen­den höhe­ren Repa­ra­tur­quo­te bei Öl- und Gas­kes­seln als Alter­na­ti­ve zum Kes­sel­tausch erklärt wer­den. Schwach posi­tiv auf die Moder­ni­sie­rungs­ak­ti­vi­tät wir­ken hin­ge­gen stei­gen­de Absät­ze bei Wär­me­pum­pen und Bio­mas­se-Anla­gen. Die Moder­ni­sie­rungs­ra­ten in Baden-Würt­tem­berg haben sich seit ihrem Abfall im Jahr 2010 deut­lich erholt und lagen 2014 und 2015 in ähn­li­cher Höhe wie im Bun­des­ge­biet – hier waren aller­dings mög­li­cher­wei­se auch Vor­zieh­ef­fek­te im Zusam­men­hang mit der EWär­meG-Novel­le ent­hal­ten; 2016 lag die Moder­ni­sie­rungs­ra­te wie­der nied­ri­ger.

Eine Ver­lang­sa­mung der Moder­ni­sie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten lässt sich nur teil­wei­se durch einen Abgleich mit ande­ren Quel­len vali­die­ren. Die Daten der Schorn­stein­fe­ger-sta­tis­tik nach der 1. BIm­SchV sind stre­cken­wei­se inkon­sis­tent und von der Natur der gesetz­li­chen Grund­la­ge seit 2010 her weni­ger gut geeig­net, ver­läss­li­che Zah­len zu lie­fern. Sie unter­schei­den sich auch in ihrer Grö­ßen­ord­nung deut­lich vom auf Basis der BDH-Absatz­zah­len berech­ne­ten Moder­ni­sie­rungs­markt. Ins­ge­samt deu­ten auch die Schorn­stein­fe­ger­da­ten durch einen etwas stär­ke­ren Rück­gang der Kes­sel­tauschra­ten in Baden-Würt­tem­berg als im Bund und im Ver­gleichs­land Bay­ern hin. Auf der ande­ren Sei­te gibt die im Rah­men die­ser Unter­su­chung durch­ge­führ­te End­kun­den­be­fra­gung (vgl. Kapi­tel 5.1) wenig Indi­zi­en auf einen Atten­tis­mus.

Ins­ge­samt muss die Ent­wick­lung der Moder­ni­sie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten dif­fe­ren­ziert betrach­tet wer­den. Für Ölkes­sel stär­ker als für Gas­kes­sel gilt: Eine Ver­lang­sa­mung beim Hei­zungs­tausch alter gegen neue Kes­sel ist aus Kli­ma­schutz­ge­sichts­punk­ten nicht unbe­dingt nega­tiv zu bewer­ten. Bei einem gro­ßen Ölkes­sel­be­stand wie in Baden-Würt­tem­berg erge­ben sich gro­ße Lock-In-Effek­te, wenn beim Kes­sel­tausch von Ölkes­seln kein Ener­gie­trä­ger­wech­sel erfolgt. Die­se Lock-In-Effek­te erschwe­ren es, die Kli­ma­schutz­zie­le zu errei­chen, da die­se Ölkes­sel dann wei­te­re Jahr­zehn­te betrie­ben wer­den. Im Gegen­satz dazu kann eine Ver­lang­sa­mung eine „Atem­pau­se“ dar­stel­len, die es ermög­licht, durch neue Instru­men­te eine Ent­schei­dung für kli­ma­scho­nen­de­re Heiz­sys­te­me zu einem spä­te­ren Zeit­punkt zu errei­chen. Unbe­dingt ver­mei­den soll­te man in die­sem Zusam­men­hang, die inef­fi­zi­en­ten Öl-Nie­der­tem­pe­ra­tur­kes­sel wei­ter­hin im Markt zu hal­ten. Inso­fern ist die men­gen-mäßi­ge Begren­zung der Bio­öl-Mög­lich­keit rich­tig.

  1. Die Betrach­tung von Sanie­run­gen der Gebäu­de­hül­le und wei­te­re Effi­zi­enz­maß-nah­men zeigt: Her­aus­ra­gend in Baden-Würt­tem­berg ist die posi­ti­ve Ent­wick­lung der Ener­gie­be­ra­tun­gen im Betrach­tungs­zeit­raum. Hier spie­len sicher­lich die guten Rah­men­be­din­gun­gen für Ener­gie­be­ra­tung eine Rol­le; ein zusätz­li­cher Impuls durch das EWär­meG ist aber wahr­schein­lich.

Die KfW-geför­der­ten Sanie­rungs­maß­nah­men über die Pro­gram­me Ener­gie­ef­fi­zi­ent Sanie­ren – Ein­zel­maß­nah­men und Zuschuss zei­gen vor allem bei den Ein­zel­maß-nah­men eine bes­se­re Ent­wick­lung als im Bun­des­ge­biet. Bei ins­ge­samt ver­gleich­ba­rer Ent­wick­lung zeigt sich ein etwas schwä­che­rer Trend zur Zuschuss­för­de­rung als in ande­ren Län­dern.

Ins­ge­samt deu­tet die Sach­la­ge bei Ener­gie­be­ra­tun­gen und KfW-geför­der­ten Sanie­rungs­maß­nah­men auf leicht posi­ti­ve Impul­se durch das EWär­meG hin. Ein Durch­bruch bei den für die Wär­me­wen­de not­wen­di­gen Gebäu­de­sa­nie­run­gen ist hin­ge-gen bis­lang aus­ge­blie­ben.

Schließ­lich ist ins­ge­samt zu berück­sich­ti­gen, dass sowohl der Zeit­punkt von Effi­zi­enz­maß­nah­men wie dem Kes­sel­tausch als auch die Ent­schei­dung für erneu­er­ba­re Ener­gi­en durch viel­fäl­ti­ge Ursa­chen beein­flusst wer­den. Glei­ches gilt für die Maß­nah­men zur Gebäu­de­sa­nie­rung. Eine wesent­li­che Rol­le spielt die Ener­gie­preis­ent­wick­lung und die rela­ti­ve wirt­schaft­li­che Attrak­ti­vi­tät der ein­zel­nen Ener­gie­trä­ger. Aber auch ande­re Fak­to­ren wir­ken sich auf die Ent­schei­dung für oder gegen bestimm­te Maß­nah­men aus, etwa

  • tages­ak­tu­el­le Dis­kus­sio­nen über Ener­gie­preis­be­las­tun­gen und Kli­ma­wan­del
  • Vor­bil­der im Umfeld, aber auch durch die öffent­li­che Hand
  • Zugang zu all­ge­mei­nen Infor­ma­tio­nen sowie Bera­tung durch das Hand­werk
  • sub­jek­ti­ve Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen und ver­hal­tens­öko­no­mi­sche Effek­te
  • Ände­run­gen von För­der­be­din­gun­gen bis hin zu För­der­stopps.

Auch muss berück­sich­tigt wer­den, dass in Bezug auf eine Ver­lang­sa­mung der Hei­zungs­mo­der­ni­sie­rung ein Atten­tis­mus teil­wei­se ein Über­gangs­phä­no­men dar­stellt. Zudem bil­den sich gegen­läu­fi­ge Vor­zieh­ef­fek­te, wie sie zum Teil um die Novel­le des EWär­meG 2015 her­um erkenn­bar waren: vor Inkraft­tre­ten des Geset­zes steigt die Zahl der Kes­sel­täu­sche deut­lich an, um nach Inkraft­tre­ten umso stär­ker abzu­fal­len. Vor allem aber soll­te bei der Bewer­tung die lang­fris­ti­ge Ziel­er­rei­chung im Vor­der­grund ste­hen: eine Umstel­lung auf erneu­er­ba­re Ener­gi­en hat lang­fris­tig deut­lich grö­ße­re CO2-Min­de­rungs­ef­fek­te als ein Aus­tausch alter gegen neue fos­sil befeu­er­te Kes­sel. Auch bei einem Brenn­stoff­wech­sel von Heiz­öl auf Erd­gas kön­nen grö­ße­re CO2-Ein­spa­run­gen erreicht wer­den als beim rei­nen Kes­sel­tausch mit gleich­blei­ben­dem fos­si­lem Ener­gie­trä­ger (Lam­brecht 2018). Daher kann es unter Umstän­den sinn­voll sein, begrenz­te Ver­zö­ge­run­gen wie oben für den Ölkes­sel­tausch beschrie­ben in Kauf zu neh­men, um im Gegen­zug Lock-in-Effek­te durch nicht ziel­kon­for­me Anla­gen und Gerä­te zu ver­mei­den.

1 BDH (2013): EWär­meG blo­ckiert ener­ge­ti­sche Moder­ni­sie­rung (Posi­ti­ons­pa­pier, Stand Sep­tem­ber 2013) 
2 BDH (2016): Mul­ti­moment­auf­nah­me für Neu­bau und Moder­ni­sie­rung in Baden-Würt­tem­berg. EWär­meG blo­ckiert ener­ge­ti­sche Moder­ni­sie­rung. Stand 21.12.2016 
3 BDH (2018): Mul­ti­moment­auf­nah­me für Neu­bau und Moder­ni­sie­rung in Baden-Würt­tem­berg für die Jah­re 2008–2016. EWär­meG blo­ckiert ener­ge­ti­sche Moder­ni­sie­rung. Stand 31.01.2018 
4 Per­sön­li­che Mit­tei­lung Dr. Lothar Brei­den­bach, BDH, 6. Juli 2017 
5 In den Jah­ren 2008 und 2009 gehen auf Basis von Anga­ben des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts Baden-Würt­tem­berg zu erneu­er­ba­ren Ener­gi­en im Neu­bau sehr wenig Bio­mas­se-Anla­gen in neue Gebäu­de – expli­zi­te Anga­ben fin­den sich jedoch erst mit dem Jahr 2010, sodass die Anga­ben für die Vor­jah­re als weni­ger belast­bar betrach­tet wer­den müs­sen. Indi­rekt könn­te dies auch Aus­wir­kun­gen auf die Anla­gen-zah­len im Gebäu­de­be­stand in 2008 und 2009 mit sich brin­gen. 
6 Hier­für wer­den auf Basis der durch­schnitt­li­chen, jähr­li­chen Leis­tungs­zu­gän­ge und der durch­schnitt­li­chen Leis­tung je Haus­über­ga­be­sta­ti­on die jähr­li­chen Zugän­ge an Haus­über­ga­be­sta­tio­nen ermit­telt.