Quantitative Abschätzung der Wirkungen des EWärmeG

Endbericht im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg

Hei­del­berg, Ber­lin, Frei­burg, Karls­ru­he, Rot­ten­burg, 31. Okto­ber 2018

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Abkürzungsverzeichnis

BAFA Bun­des­amt für Wirt­schaft und Aus­fuhr­kon­trol­le
BDH Bun­des­ver­band der Deut­schen Hei­zungs­in­dus­trie
EE Erneu­er­ba­re Ener­gi­en
EEG Erneu­er­ba­re-Ener­gi­en-Gesetz
EEWär­meG Erneu­er­ba­re-Ener­gi­en-Wär­me-Gesetz
EWär­meG Erneu­er­ba­re-Wär­me-Gesetz
GEG Gebäu­de­en­er­gie­ge­setz
KfW Kre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau
MAP Markt­an­reiz­pro­gramm
NWG Nicht­wohn­ge­bäu­de
PV Pho­to­vol­ta­ik
RP Regie­rungs­prä­si­di­en
SFP Sanie­rungs­fahr­plan
THG Treib­haus­ga­se
uBRB Unte­re Bau­rechts­be­hör­de
WG Wohn­ge­bäu­de

11 Quantitative Abschätzung der Wirkungen des EWärmeG

Eines der wesent­li­chen Zie­le des EWär­meG ist die Erhö­hung des Anteils erneu­er­ba­rer Ener­gi­en an der Wär­me­ver­sor­gung und damit die ver­stärk­te Ein­spa­rung von CO2- und Treib­haus­gas­emis­sio­nen. Um zu eva­lu­ie­ren, ob und in wel­chem Aus­maß durch die ver­pflich­ten­de Nut­zung von Erneu­er­ba­ren im Gebäu­de­be­stand Umwelt­schä­den ver­mie­den wer­den konn­ten, wird eine Wir­kungs­ab­schät­zung auf Basis der Ver­pflich­tungs­fäl­le und Ein­spa­rung je Erfül­lungs­op­ti­on durch­ge­führt. Die Ana­ly­se erfolgt dif­fe­ren­ziert für Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäu­de (Abschnitt 11.1 und 11.2), gefolgt von einem abschlie­ßen­den Fazit in Abschnitt 11.3. Ein Ver­gleich mit der vor­an­ge­gan­ge­nen Eva­lu­ie­rung aus dem Jahr 2011 wird eben­so durch­ge­führt.

Wohngebäude

11.1.1 Vorgehensweise

Die Reduk­ti­on der Treib­haus­gas­emis­sio­nen im Wohn­ge­bäu­de­be­stand seit Inkraft­tre­ten des EWär­meG wer­den mit­tels eines empi­ri­schen Bot­tom-Up-Ansat­zes bestimmt1. Aus­ge­hend von einem Refe­renz­ge­bäu­de und den durch­schnitt­li­chen Ein­spa­run­gen pro Gebäu­de und Erfül­lungs­op­ti­on wer­den die jähr­li­chen Ein­spa­run­gen durch Mul­ti­pli­ka­ti­on mit den Fall­zah­len im Zeit­raum der Gül­tig­keit des EWär­meG sum­miert.

Um dabei jene Effek­te zu quan­ti­fi­zie­ren, die maß­geb­lich auf das Gesetz zurück­zu­füh­ren sind, ist die Berück­sich­ti­gung von bereits vor­han­de­nen Erfül­lungs­op­tio­nen, sowie nicht durch das Gesetz indu­zier­ter Ein­satz von erneu­er­ba­rer Ener­gi­en und Ersatz­maß­nah­men rele­vant. Bereits vor­han­de­ne Erfül­lungs­op­tio­nen wer­den dahin­ge­hend inter­pre­tiert, dass die Anla­gen oder Ersatz­maß­nah­men bereits vor dem Aus­lö­se­tat­be­stand des Kes­sel­tauschs vor­han­den waren, jedoch erst anschlie­ßend als Erfül­lungs­op­ti­on gemel­det wur­den (Pho­to­vol­ta­ik, Gebäu­de­däm­mung und Solar­ther­mie­an­la­gen2). Ver­pflich­tungs­fäl­le, bei denen schon vor dem Kes­sel­tausch eine EE-Anla­ge im Ein­satz war, die im Betrach­tungs­zeit­raum erneu­ert wur­de, wer­den die Ein­spa­run­gen als nicht durch das Gesetz indu­ziert gewer­tet (v.a. fes­te Bio­mas­se und z. T. Wär­me­pum­pen). Eine wei­te­re Ein­schrän­kung ergibt sich auf­grund ohne­hin ange­dach­ter Maß­nah­men der Ver­pflich­te­ten, die auch ohne Gesetz­ge­bung gewählt wor­den wäre.

Außer­dem wer­den Vor­zieh­ef­fek­te und Effek­te auf­grund des gering­fü­gi­gen Atten­tis­mus berück­sich­tigt (Abbil­dung 4–21). Da die Absatz­ent­wick­lung des BDH auf Vor­zieh­ef­fek­te vor der Eta­blie­rung des Geset­zes hin­deu­tet, wer­den die mit den vor­ge­zo­ge­nen Moder­ni­sie­run­gen ver­bun­de­nen Ein­spa­run­gen zusätz­lich gewer­tet. Im Gegen­zug wer­den ent­gan­ge­ne Ein­spa­run­gen auf­grund des ver­zö­ger­ten Kes­sel­tauschs nega­tiv ange­las­tet.

Bei dem gewähl­ten Vor­ge­hen wer­den die Ein­spa­run­gen auf­grund der Effi­zi­enz­stei­ge­rung des Kes­sel­tau­sches nicht berück­sich­tigt, da die­se ange­sichts des Aus­lö­se­tat­be­stan­des Kes­sel­tauschs ohne­hin ange­fal­len wären. Dadurch wer­den in dem gewähl­ten Ansatz nicht die rea­len Ein­spa­run­gen seit der Gül­tig­keit des Geset­zes quan­ti­fi­ziert, son­dern aus­schließ­lich eine dem EWär­meG attri­bu­ier­te zusätz­li­che Wir­kung. Eine Über­sicht über die Vor­ge­hens­wei­se zur Quan­ti­fi­zie­rung der Wir­kung des EWär­meG ist in Abbil­dung 11–1 dar­ge­stellt.

Diagramm: Vorgehensweise bei der Quantifizierung der Wirkungen des EWärmeG
Abbil­dung 11–1: Vor­ge­hens­wei­se bei der Quan­ti­fi­zie­rung der Wir­kun­gen des EWär­meG

Die Ein­spa­rung infol­ge des Ein­sat­zes von erneu­er­ba­ren Ener­gi­en und Ersatz­maß­nah­men kann nur durch die expli­zi­te Berück­sich­ti­gung der ein­zel­nen zur Aus­wahl ste­hen­den Erfül­lungs­op­tio­nen erfol­gen. Da die Ein­spar­ef­fek­te des Kes­sel­tau­sches aus­ge­nom­men sind, ergibt sich die Ein­spa­rung durch die Dif­fe­renz der Treib­haus­gas­emis­sio­nen der erneu­er­ten Refe­renz­an­la­ge und der Emis­sio­nen für die gewähl­te Erfül­lungs­op­ti­on. Bei jenen Erfül­lungs­op­tio­nen, die auch Strom bereit­stel­len, muss die jewei­li­ge Strom­gut­schrift der Opti­on eben­falls berück­sich­tigt wer­den. Das Vor­ge­hen kann mit fol­gen­dem Rechen­weg dar­ge­stellt wer­den:

𝐸𝑖𝑛𝑠𝑝𝑎𝑟𝑢𝑛𝑔 𝑎𝑢𝑓𝑔𝑟𝑢𝑛𝑑 𝑑𝑒𝑠 𝐸𝑖𝑛𝑠𝑎𝑡𝑧𝑒𝑠 𝑣𝑜𝑛 𝐸𝐸 𝑢𝑛𝑑 𝐸𝑟𝑠𝑎𝑡𝑧𝑚𝑎ß𝑛𝑎ℎ𝑚𝑒𝑛 =Σ𝐹𝑎𝑙𝑙𝑧𝑎ℎ𝑙 𝑗𝑒 𝑂𝑝𝑡𝑖𝑜𝑛∗𝑂𝑝𝑡𝑖𝑜𝑛𝑒𝑛 ( 𝐸𝑛𝑑𝑒𝑛𝑒𝑟𝑔𝑖𝑒 𝑛𝑎𝑐ℎ 𝐾𝑒𝑠𝑠𝑒𝑙𝑡𝑎𝑢𝑠𝑐ℎ 𝑚𝑖𝑡 𝑅𝑒𝑓𝑒𝑟𝑒𝑛𝑧𝑎𝑛𝑙𝑎𝑔𝑒 ∗ 𝑇𝐻𝐺 𝐹𝑎𝑘𝑡𝑜𝑟 𝑛𝑎𝑐ℎ 𝐸𝑟𝑛𝑒𝑢𝑒𝑟𝑢𝑛𝑔 𝑓ü𝑟 𝑅𝑒𝑓𝑒𝑟𝑒𝑛𝑧𝑎𝑛𝑙𝑎𝑔𝑒 𝑢.𝑂𝑝𝑡𝑖𝑜𝑛 −𝐸𝑛𝑑𝑒𝑛𝑒𝑟𝑔𝑖𝑒 𝑛𝑎𝑐ℎ 𝐾𝑒𝑠𝑠𝑒𝑙𝑡𝑎𝑢𝑠𝑐ℎ 𝑓ü𝑟 𝑔𝑒𝑤äℎ𝑙𝑡𝑒 𝐸𝑟𝑓ü𝑙𝑙𝑢𝑛𝑔𝑠𝑜𝑝𝑡𝑖𝑜𝑛 ∗ 𝑇𝐻𝐺 𝐹𝑎𝑘𝑡𝑜𝑟 𝑛𝑎𝑐ℎ 𝐸𝑟𝑛𝑒𝑢𝑒𝑟𝑢𝑛𝑔 𝑓ü𝑟 𝐸𝑟𝑓ü𝑙𝑙𝑢𝑛𝑔𝑠𝑜𝑝𝑡𝑖𝑜𝑛 +𝑆𝑡𝑟𝑜𝑚𝑔𝑢𝑡𝑠𝑐ℎ𝑟𝑖𝑓𝑡 𝑗𝑒 𝑂𝑝𝑡𝑖𝑜𝑛 ∗ 𝑇𝐻𝐺 𝐹𝑎𝑘𝑡𝑜𝑟 𝑆𝑡𝑟𝑜𝑚)

Die für die Berech­nung not­wen­di­gen Daten wer­den im nach­fol­gen­den Abschnitt 11.1.2 ange­führt.

11.1.2 Zugrundeliegende Daten und Annahmen

Fall­zah­len und Mix an Erfül­lungs­op­tio­nen

Der dem EWär­meG attri­bu­ier­te Ein­spar­ef­fekt hängt wesent­lich von den ent­spre­chen­den Fall­zah­len und gewähl­ten Erfül­lungs­op­tio­nen ab. Wie in Kapi­tel 3.1 detail­liert aus­ge­führt, zei­gen sich erheb­li­che Unter­schie­de in den ver­schie­de­nen Daten­quel­len: Die jähr­li­chen Fall­zah­len – abglei­tet aus der um Fern­wär­me­zah­len erwei­ter­ten BDH-Markt­sta­tis­tik für den Wohn­ge­bäu­de­be­stand – sind deut­lich höher als die Fall­zah­len, die sich nach der „Kor­rek­tur“ um Wär­me­pum­pen und Fern­wär­me­an­schlüs­se der ein­ge­reich­ten Nach­wei­se bei den unte­ren Bau­rechts­be­hör­den erge­ben. Dabei ent­spre­chen die aus der BDH-Markt­sta­tis­tik und den Fern­wär­me­ab­satz­zah­len abge­lei­te­ten Fall­zah­len einer durch­schnitt­li­chen Kes­sel­tauschra­te von 2,5 % pro Jahr und somit einer mitt­le­ren Anla­gen­le­bens­dau­er von 40 Jah­ren. Zudem ergab die Befra­gung der unte­ren Bau­rechts­be­hör­den, dass vor­lie­gen­de Nach­wei­se aus Zeit- und Res­sour­cen­grün­den zum Teil nicht in das IDEV-Por­tal ein­ge­ge­ben wer­den (sie­he Kapi­tel 10.1). Ins­ge­samt erschei­nen damit die aus Markt­sta­tis­ti­ken abge­lei­te­ten Fall­zah­len in ihrer Grö­ßen­ord­nung erheb­lich rea­lis­ti­scher als die aus den Nach­wei­sen der unte­ren Bau­rechts­be­hör­den abge­lei­te­ten Zah­len; sie wer­den im Fol­gen­den als zen­tra­le Berech­nungs­grund­la­ge ver­wen­det. Die jähr­li­che Auf­tei­lung der 272.000 Ver­pflich­tungs­fäl­le im Wohn­ge­bäu­de­be­stand seit Inkraft­tre­ten des EWär­meG sind in Abbil­dung 3–1 dar­ge­stellt.

Der Mix an gewähl­ten Erfül­lungs­op­tio­nen für Wohn­ge­bäu­de wird ent­spre­chend Abbil­dung 3–10 berück­sich­tigt und auf die hoch­ska­lier­ten Ver­pflich­tungs­fäl­le ange­wandt

Refe­renz­ge­bäu­de

Da kei­ne empi­ri­schen Infor­ma­tio­nen zur Ein­spa­rung der Treib­haus­gas­emis­sio­nen vor­lie­gen, erfor­dert die Quan­ti­fi­zie­rung der End­ener­gie nach Kes­sel­tausch mit einer Refe­renz­an­la­ge Annah­men zu dem zugrun­de­lie­gen­den Refe­renz­ge­bäu­de. Die Bevöl­ke­rungs­be­fra­gung lie­fert Infor­ma­tio­nen zum durch­schnitt­li­chen Alter der Gebäu­de, die unter die Pflich­ten des EWär­meG fal­len. Der Anteil der Gebäu­de je Bau­al­ters­klas­se ist in Abbil­dung 11–2 dar­ge­stellt. Dabei ist zu erken­nen, dass 62 % der Ver­pflich­tungs­fäl­le in jenen Gebäu­den auf­tre­ten, die zwi­schen 1949 und 1983 erbaut wur­den, wobei 23 % der Gebäu­de unter die Bau­al­ters­klas­se von 1949–1968 fal­len, 21 % der Gebäu­de zwi­schen 1984 und 1995 erbaut wur­den und 18 % der Gebäu­de in denen der Heiz­kes­sel aus­ge­tauscht wur­de, wur­den zwi­schen 1978 und 1983 errich­tet.

Diagramm: Baualtersklassen Wohngebäude im EWärmeG
Abbil­dung 11–2: Ver­tei­lung der an der Bevöl­ke­rungs­be­fra­gung teil­ge­nom­me­nen Haus­hal­te, die seit der Novel­lie­rung des EWär­meG ihren Heiz­kes­sel aus­ge­tauscht haben (Quel­le: Befra­gung EWär­meG Ver­pflich­te­te 2018)

Auf­bau­end auf der Alters­struk­tur jener Gebäu­de, die auf­grund des EWär­meG zum Ein­satz von erneu­er­ba­ren Ener­gi­en oder zum Ein­satz von Ersatz­maß­nah­men ver­pflich­te­ten wer­den, wer­den typi­sche Wär­me­durch­gangs­ko­ef­fi­zi­en­ten für die ein­zel­nen Kom­po­nen­ten her­an­ge­zo­gen. Zusam­men mit den Geo­me­trie­ei­gen­schaf­ten eines typi­schen Ein­fa­mi­li­en­haus der Bau­pe­ri­ode 1949 bis 1957 aus der Deut­schen Wohn­ge­bäu­de­ty­po­lo­gie (IWU 2015a) und Annah­men zu den Antei­len nach­träg­lich gedämm­ter Bau­teil­flä­chen und zuge­hö­ri­gen U‑Werten3 wird das Wohn­ge­bäu­de mit Hil­fe des Excel Tools EnEV-XL 5.1 (IWU 2015b) nach EnEV 2014 ener­ge­tisch bilan­ziert. Um die Wohn- und Gebäu­de­nutz­flä­che AN des Refe­renz­wohn­ge­bäu­des zu bestim­men, wird die Daten­bank des Gebäu­de­mo­dells GE-MOD, wel­che im Pro­jekt „Ener­gie- und Kli­ma­schutz­zie­le 2030“ kali­briert wur­de und den Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäu­de­be­stand in Baden-Würt­tem­berg (Schmidt et al. 2017) beschreibt, her­an­ge­zo­gen. Danach beträgt die durch­schnitt­li­che Gebäu­de­nutz­flä­che AN der jewei­li­gen Wohn­ge­bäu­de 243 m2 ent­spre­chend einer Wohn­flä­che von 202 m2.

Da für die Quan­ti­fi­zie­rung der Treib­haus­gas­min­de­rung Ener­gie­ver­brauchs­kenn­wer­te not­wen­dig sind, wird mit Hil­fe einer empi­ri­schen Funk­ti­on der aus der ener­ge­ti­schen Bilan­zie­rung resul­tie­ren­de End­ener­gie­be­darf ange­passt4.

Die für die nach­fol­gen­de Ana­ly­se ver­wen­de­ten Daten sind in Tabel­le 11–1 ange­führt und die­nen als Grund­la­ge für die Eva­lu­ie­rung. Zu beach­ten ist, dass es sich bei allen Ener­gie­kenn­zah­len um (berech­ne­te) Ver­brauchs­da­ten han­delt, die auf die Gebäu­de­nutz­flä­che A3 bezo­gen sind.

Tabelle: Beschreibung des Referenzwohngebäudes in Baden Württemberg
Tabel­le 11–1: Beschrei­bung des Refe­renz­wohn­ge­bäu­des in Baden Würt­tem­berg

Die resul­tie­ren­den Ener­gie­ver­brauchs­wer­te wei­sen Grö­ßen­ord­nun­gen auf, die auch in der Lite­ra­tur auf­grund empi­ri­scher Aus­wer­tun­gen genannt wer­den: So lag laut dena (2012) der Medi­an des deut­schen Gebäu­de­be­stands im Jahr 2012 bei 151 kWh/m2N5 für Raum­wär­me und Trink­warm­was­ser. Arge e.V. (2012) wies eben­so einen Ener­gie­ver­brauchs­kenn­wert inkl. Warm­was­ser in Höhe von rd. 141 kWh m2AN für Mehr­fa­mi­li­en­wohn­ge­bäu­de in Baden-Würt­tem­berg aus. Auch die vor­an­ge­gan­ge­ne Eva­lu­ie­rung des EWär­meG in Baden-Würt­tem­berg ver­wen­de­te für ihre Ana­ly­sen einen Ener­gie­ver­brauchs­kenn­wert in Höhe von 144 kWh m2AN (Minis­te­ri­um für Umwelt, Kli­ma und Ener­gie­wirt­schaft Baden-Würt­tem­berg 2011).

Treib­haus­gas­ein­spa­run­gen der ein­zel­nen Erfül­lungs­op­tio­nen

Mit dem Tausch der Hei­zungs­an­la­ge sind die Gebäu­de­ei­gen­tü­mer ver­pflich­tet eine der zuläs­si­gen Erfül­lungs­op­tio­nen bzw. Erfül­lungs­kom­bi­na­tio­nen zu wäh­len, sofern die Nut­zungs­pflicht auf­grund von Aus­nah­men nicht ent­fällt. Je nach Wahl der Opti­on bzw. Kom­bi­na­ti­on unter­schei­den sich die resul­tie­ren­den Treib­haus­gas­ein­spa­run­gen. Da der Aus­lö­se­zeit­punkt durch den Kes­sel­tausch gege­ben ist, wird die Ein­spa­rung, die sich durch­schnitt­lich auf­grund des Tau­sches der alten Hei­zungs­an­la­ge durch eine effi­zi­en­te­re Neu­an­la­ge ergibt, grund­sätz­lich nicht als Effekt des EWär­meG aus­ge­wie­sen. Annah­men hier­zu wer­den jedoch für die Berück­sich­ti­gung der Vor­zieh­ef­fek­te und der Aus­wir­kun­gen des Atten­tis­mus, sowie der kor­rek­ten Berech­nung der Ein­spa­rung auf­grund des Ein­sat­zes erneu­er­ba­rer Ener­gie oder ent­spre­chen­den Ersatz­maß­nah­men benö­tigt.

In Lam­brecht (2018) wur­de gezeigt, dass die End­ener­gie­ein­spa­rung durch den Tausch eines alten Kes­sels durch einen Brenn­wert­kes­sel zwi­schen 10 und 15 % schwankt, wenn ein Kon­stant­tem­pe­ra­tur­kes­sel ersetzt wird. Ersetzt der Brenn­wert­kes­sel einen alten Nie­der­tem­pe­ra­tur­kes­sel, so schwankt die End­ener­gie­ein­spa­rung zwi­schen 5 und 10 %. Beim Tausch eines alten gegen einen neu­en Brenn­wert­kes­sel liegt die Ein­spa­rung nur noch zwi­schen 2 bis 3 %. Wird zusätz­lich die Peri­phe­rie ver­bes­sert, kön­nen wei­te­re 5 bis 12 % ein­ge­spart wer­den. Da laut BDH (2015) rd. 70 % der Gas- und Ölkes­sel im Bestand kei­ne Brenn­wert­kes­sel sind, wer­den die End­ener­gie­ein­spa­run­gen mit 10 % für den Kes­sel­tausch und zusätz­li­chen 5 % für die Peri­phe­rie­ver­bes­se­rung ange­nom­men.

Zusätz­lich zu den Ein­spa­run­gen, die sich durch den Kes­sel­tausch erge­ben, wer­den für das Refe­renz­ge­bäu­de und alle Erfül­lungs­op­tio­nen die ent­spre­chen­den ver­mie­de­nen CO2-Emis­sio­nen je Ver­pflich­tungs­fall ermit­telt. Für die Berech­nung der Treib­haus­gas­emis­sio­nen wer­den die Emis­si­ons­fak­to­ren nach Ver­ur­sa­cher­prin­zip mit Vor­ket­te zu Grun­de gelegt, auf­ge­lis­tet in Tabel­le 14–7. Wenn nach­fol­gend nicht anders ange­führt, wer­den für den CO2-Ver­mei­dungs­fak­tor vor dem Kes­sel­tausch der nach Ener­gie­trä­ger­ein­satz gewich­te­tet Fak­tor in Baden-Würt­tem­berg her­an­ge­zo­gen, der im Jahr 2010 bei 254 g CO2,äq./kWh lag6. Die­ser CO2-Fak­tor wird auch her­an­ge­zo­gen, wenn nach dem Kes­sel­tausch kei­ne Infor­ma­ti­on über das pri­mä­re Hei­zungs­sys­tem bekannt ist, was bei­spiels­wei­se beim Ein­satz von Solar­ther­mie oder der Däm­mung des Gebäu­des auf­tritt.

  • Solar­ther­mie: Im Fal­le der Instal­la­ti­on einer Solar­ther­mie­an­la­ge wird die zur Pflicht­er­fül­lung not­wen­di­ge Kol­lek­tor­flä­che in Höhe von 0,04 m2Aper­tur­flä­che pro m2 Wohn­flä­che bis zur Novel­lie­rung des EWär­meG bzw. 0,07 m2 pro m2 Wohn­flä­che seit dem zwei­ten Halb­jahr 2015 her­an­ge­zo­gen und ein jähr­li­cher durch­schnitt­li­cher Ertrag in Höhe von 275 kWh/m2 Aper­tur­flä­che zugrun­de gelegt7.
  • Fes­te Bio­mas­se: Beim Ein­satz von fes­ter Bio­mas­se muss unter­schie­den wer­den, ob es sich um eine Holz­zen­tral­hei­zung bzw. Ein­zel­raum­feue­rung han­delt. Bei Holz­zen­tral­hei­zung wird beim Tausch des alten Hei­ungs­kes­sel durch eine Holz­zen­tral­hei­zung mit einem Wir­kungs­grad von 80 % gerech­net. Bei der Ein­zel­raum­feue­rung ist eine über­wie­gen­de Behei­zung8 von 25 % (EWär­meG alt) bzw. 30 % (EWär­meG neu) erfor­der­lich. Die jewei­li­gen Ein­spa­run­gen wer­den mit der antei­li­gen Häu­fig­keit mul­ti­pli­ziert (60 % Ein­zel­raum­feue­rung und 40 % Holz­zen­tral­hei­zung).
  • Wär­me­pum­pe: Bei der Quan­ti­fi­zie­rung der Ein­spa­rung auf­grund des Ein­sat­zes von strom­be­trie­be­nen Wär­me­pum­pen wird davon aus­ge­gan­gen, dass die Wär­me­pum­pe 100 % des Wär­me­be­darfs abdeckt und die gefor­der­te Jah­res­ar­beits­zahl von 3,5 für die Berech­nung ver­wen­det9. Die zugrun­de­lie­gen­den Emis­si­ons­fak­to­ren für Strom betra­gen 567 g CO2,äq./kWh.
  • Bio­gas und Bio­öl: Beim Ein­satz von Bio­gas und Bio­öl wer­den aus­schließ­lich jene Ein­spa­run­gen dem EWär­meG zuge­rech­net, die durch den Ein­satz des Brenn­stof­fes anfal­len. Dabei wird von der gefor­der­ten 10 % Bei­mi­schung aus­ge­gan­gen. Die Ein­spa­run­gen auf­grund des Tau­sches des alten Kes­sels durch einen effi­zi­en­te­ren Kes­sel wird wie bei den ande­ren Erfül­lungs­op­tio­nen und Ersatz­maß­nah­men ver­nach­läs­sigt, da sie auch ohne EWär­meG rea­li­siert wor­den wären. Im Unter­schied zu den ande­ren Erfül­lungs­op­tio­nen wird hier davon aus­ge­gan­gen, dass beim Ein­satz von Bio­gas vor­her ein Gas­kes­sel in Betrieb war und bei Ein­satz von Bio­öl ein Ölkes­sel ver­wen­det wur­de, wes­we­gen die Emis­si­ons­fak­to­ren von Gas und Öl anstatt des baden-würt­tem­ber­gi­schen Mix für die Quan­ti­fi­zie­rung her­an­ge­zo­gen wer­den. (240 g/kWh CO2,äq. bzw. 310 g/kWh CO2,äq.)

- Bau­li­cher Wär­me­schutz: Um Däm­mung als Erfül­lungs­op­ti­on anrech­nen zu kön­nen, müs­sen die ein­zel­nen Kom­po­nen­ten um min­des­tens 20 % bes­ser gedämmt sein als die Ener­gie­ein­spar­ver­ord­nung (EnEV 2013) das für Bestands­ge­bäu­de for­dert. Die dadurch resul­tie­ren­den Anfor­de­run­gen an die U‑Werte der ein­zel­nen Bau­tei­le flie­ßen in das Excel Tool EnEV-XL von IWU (2015b) ein, mit dem die resul­tie­ren­den Nut­zen­er­gie­ein­spa­run­gen berech­net wer­den:

  1. Däm­mung der Dach­flä­chen: 16 % Nut­zen­er­gie­ein­spa­rung
  2. Däm­mung der Außen­wän­de: 27 % Nut­zen­er­gie­ein­spa­rung
  3. Däm­mung der Kel­ler­de­cke: 10 % Nut­zen­er­gie­ein­spa­rung
  4. Däm­mung gesam­tes Gebäu­de: 34 % Nut­zen­er­gie­ein­spa­rung10

Die zugrun­de lie­gen­den Annah­men hin­sicht­lich U‑Werte vor und nach der Sanie­rung sind im Anhang im Abschnitt 14.10 dar­ge­stellt.

- Pho­to­vol­ta­ik und hoch­ef­fi­zi­en­te KWKIm Fal­le der Instal­la­ti­on einer die­ser bei­den Tech­no­lo­gi­en wird der ent­spre­chend bereit­ge­stell­te Strom in der Bewer­tung berück­sich­tigt. Die Anla­gen­leis­tung einer Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge muss min­des­tens 0,02 kWp pro m2 Wohn­flä­che betra­gen, wobei in die­ser Aus­wer­tung ein Ertrag von 950 kWh/kWp ange­nom­men wird. Die Ein­spa­rung von hoch­ef­fi­zi­en­ten KWK Anla­gen wird ange­lehnt an detail­lier­te Berech­nun­gen mit dem Pro­gramm BHWK Plan in (IBZ 2012) mit 25 % der Treib­haus­gas­emis­sio­nen ange­nom­men.

- Anschluss an Wär­me­netz: Wird die Opti­on der lei­tungs­ge­bun­de­nen Ver­sor­gung durch Wär­me­net­ze gewählt, wird ein Wir­kungs­grad von 90 % ange­nom­men und Emis­si­ons­fak­to­ren inklu­si­ve Vor­ket­te in Höhe von 198 g CO2,äq. /kWh in der Berech­nung berück­sich­tigt.

- Sanie­rungs­fahr­plan: Die zusätz­li­chen Ein­spa­run­gen infol­ge des Sanie­rungs­fahr­plans wer­den auf Basis der 2300 geför­der­ten Sanie­rungs­fahr­plä­ne quan­ti­fi­ziert. Die zugrun­de­lie­gen­de Dar­stel­lung in Kapi­tel 9.2 wird dahin­ge­hend ange­passt, dass die Ein­spa­rung auf­grund der Nut­zung von Erneu­er­ba­ren und der hydrau­li­sche Abgleich nicht dem EWär­meG als Effekt attri­bu­iert wird, da der Kes­sel­tausch als Aus­lö­se­tat­be­stand ohne­hin schon aus­ge­führt wur­de. Dem­nach redu­zie­ren sich die durch den Sanie­rungs­fahr­plan zusätz­lich aus­ge­lös­te Reduk­ti­on der THG-Emis­sio­nen auf 0,31 t CO2,äq. pro Ver­pflich­tungs­fall.

- Mix an Erfül­lungs­op­tio­nen: Mit der Novel­lie­rung des EWär­meG sind Kom­bi­na­tio­nen aus Erfül­lungs­op­tio­nen mög­lich bzw. not­wen­dig. Die häu­figst gewähl­te Kom­bi­na­ti­on ergibt sich durch den Ein­satz von Bio­öl bzw. Bio­gas zusam­men mit der Aus­stel­lung eines Sanie­rungs­fahr­plans (sie­he Abbil­dung 3–8). Hin­sicht­lich der THG-Ein­spa­run­gen wer­den in die­sem Fall die gesam­ten Ein­spa­run­gen bei­der Kom­bi­na­tio­nen ange­setzt. Für die rest­li­chen Kom­bi­na­tio­nen (rd. 10 bis 11 % seit 2015) wer­den die häu­figs­ten Kom­bi­na­tio­nen bestimmt (sie­he Abbil­dung 3–8) und deren Ein­spa­run­gen antei­lig quan­ti­fi­ziert. Als Ein­spa­rung je Erfül­lungs­kom­bi­na­ti­on wird anschlie­ßend deren Mit­tel­wert her­an­ge­zo­gen. Berück­sich­ti­gung der Erkennt­nis­se aus der Brei­ten­be­fra­gung und Sze­na­ri­en

Die Brei­ten­be­fra­gung von Haus­ei­gen­tü­mern, die ab Mit­te 2015 zur Ein­hal­tung des EWär­meG ver­pflich­tet waren, lie­fert auch Anhalts­punk­te bezüg­lich der Ein­schät­zung der Antei­le bereits vor­han­de­ner Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men (Pho­to­vol­ta­ik, Solar­ther­mie, Bio­mas­se, Wär­me­pum­pen und Gebäu­de­däm­mung), eben­so wie zu jenen Fäl­len, bei denen die Wahl der Erfül­lungs­op­ti­on nicht durch das EWär­meG indu­ziert wur­de (im Fol­gen­den Ohne­hin-Maß­nah­me genannt).

Wäh­rend nach vor­han­de­ner Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge und Gebäu­de­däm­mung vor dem Aus­lö­se­tat­be­stan­des des Kes­sel­tau­sches expli­zit gefragt wur­de, kön­nen die Infor­ma­tio­nen bezüg­lich bereits vor­han­de­ner Solar­ther­mie­an­la­gen, Wär­me­pum­pen und fes­ter Bio­mas­se aus den Befra­gun­gen durch einen Ver­gleich der vor und nach dem Kes­sel­tausch ein­ge­setz­ten Anla­gen zu Heiz­zwe­cken abge­lei­tet wer­den (sie­he hier­zu Abbil­dung 5–6 und nach­fol­gen­de Erläu­te­run­gen). Dem­nach sag­ten 66 %, die eine Pho­to­vol­ta­ik instal­liert haben, dass sie die Anla­ge bereits im Vor­feld besa­ßen, und auch bei 75 % der gemel­de­ten Gebäu­de­däm­mun­gen war die Däm­mung bereits vor­han­den.

Ange­sichts der unsi­che­ren Daten­la­gen und der Tat­sa­che, dass einer­seits nur Haus­ei­gen­tü­mer befragt wur­den und ander­seits ein unbe­kann­ter Anteil der Ver­pflich­te­ten die Maß­nah­men auch bewusst im Vor­griff auf das EWär­meG durch­ge­führt haben, wer­den drei Sze­na­ri­en berück­sich­tigt: Neben der posi­ti­ven Abschät­zung, in der ange­nom­men wird, dass alle gemel­de­ten Erfül­lungs­op­tio­nen, die auf die Ver­pflich­tungs­fäl­le hoch­ge­rech­net wer­den, direkt durch das EWär­meG indu­ziert wur­den, wird in einer kon­ser­va­ti­ven Betrach­tung ange­nom­men, dass die Anla­gen, die laut Ergeb­nis der Bevöl­ke­rungs­be­fra­gung nicht durch das EWär­meG indu­ziert wur­den, in kei­ner Wei­se dem EWär­meG zuge­ord­net wer­den kön­nen. Als drit­te Opti­on wird anschlie­ßend die THG-Ein­spa­rung auf­grund der Annah­me berech­net, dass jeweils 50 % der Effek­te der als bereits vor­han­den gemel­de­ten Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men als Vor­griffs­maß­nah­men in Erwar­tung einer zukünf­ti­gen Nut­zungs­pflicht dem EWär­meG zuge­schrie­ben wer­den.

Auf die zusätz­li­che Fra­ge, war­um das EWär­meG kei­nen Ein­fluss auf das gewähl­te Hei­zungs­sys­tem gehabt haben, ant­wor­te­ten 48 % der Haus­ei­gen­tü­mer, dass sie „sowie­so die­se Hei­zungs­tech­nik wäh­len woll­ten“ (sie­he Abbil­dung 5–9). Da hier even­tu­ell der Effekt der sozia­len Erwünschtheit bzw. einer Ant­wort­ten­denz hin zu sozi­al akzep­tier­ten und aner­kann­ten Aus­sa­gen auf­tre­ten kann, wird auch hier in einer mitt­le­ren Abschät­zung ange­nom­men, dass 50 % die­ser Ein­spa­run­gen nicht direkt durch das EWär­meG indu­ziert wur­de. Die­ses Sze­na­rio wird wie­der­um in eine unte­re und obe­re Abschät­zung ein­ge­bet­tet, bei der ana­log zum vor­he­ri­gen Fall vor­ge­gan­gen wird.

11.1.3 Ergebnisse

In die­sem Kapi­tel wer­den die Ein­spa­run­gen seit Inkraft­tre­ten des EWär­meG quan­ti­fi­ziert. Ver­schie­de­ne Unsi­cher­heits­fak­to­ren, wie u.a. die Dis­kre­panz der Fall­zah­len oder die tat­säch­lich gewähl­ten Erfül­lungs­op­tio­nen erlau­ben nur eine nähe­rungs­wei­se Beschrei­bung des tat­säch­li­chen Effekts. Die ein­zel­nen Effek­te wer­den im Fol­gen­den schritt­wei­se dar­ge­stellt, um so das Ver­ständ­nis für die Unsi­cher­hei­ten zu erleich­tern und dadurch eine abschlie­ßen­de Bewer­tung zu ermög­li­chen.

Tabelle: Übersicht EWärmeG
Tabel­le 11–2: Anzahl der Ver­pflich­tungs­fäl­le seit Inkraft­tre­ten des EWär­meG, Treib­haus­gas­ein­spa­rung je Erfül­lungs­op­ti­on sowie resul­tie-ren­den addiert jähr­li­chen Ein­spa­run­gen im Jahr 2017 für Maß­nah­men im Zeit­raum von 2010 bis 2017 je Erfül­lungs­op­ti­on. Dar­ge­stellt sind drei Vari­an­ten, die sich hin­sicht­lich der berück­sich­ti­gen Antei­le bereits vor­han­de­ner Anla­gen bzw. Ersatz­maß­nah­men und bezüg­lich der von den Gebäu­de­ei­gen­tü­mern ohne­hin ange­dach­ten Maß­nah­men unter­schei­den.

Die Ergeb­nis­se hin­sicht­lich der Ein­spa­rung der ein­zel­nen Erfül­lungs­op­tio­nen unter Berück­sich­ti­gung der hoch­ge­rech­ne­ten Ver­pflich­tungs­fäl­le im Zeit­raum von 2010 bis 2017 sind in Tabel­le 11–2 ange­führt. Dabei sind die THG-Ein­spa­run­gen auf­grund des Ein­sat­zes von erneu­er­ba­ren Ener­gie und Ersatz­maß­nah­men je Ver­pflich­tungs­fall ange­führt. Die unte­re, mitt­le­re und obe­re Abschät­zung unter­schei­det sich hin­sicht­lich der Annah­men der bereits vor­han­de­nen Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men sowie der von den Ver­pflich­te­ten ohne­hin ange­dach­ten Maß­nah­men11. In die­ser Bewer­tung sind noch kei­ne Vor­zieh­ef­fek­te und Effek­te des Atten­tis­mus berück­sich­tigt. In den nach­fol­gen­den Kapi­teln wer­den die Aus­wer­tun­gen auf Basis der mitt­le­ren und obe­ren Abschät­zung durch­ge­führt.

Ein­spa­rung auf­grund des Ein­sat­zes von Erneu­er­ba­ren und Ersatz­maß­nah­men Die Treib­haus­gas­ein­spa­rung für die Raum­wär­me und Trink­warm­was­ser­be­reit­stel­lung im Gebäu­de­be­stand auf­grund des Ein­sat­zes von Erneu­er­ba­ren und Ersatz­maß­nah­men ergibt sich durch die Mul­ti­pli­ka­ti­on der jewei­li­gen Fall­zah­len der ein­zel­nen Erfül­lungs­op­tio­nen mit den Ein­spa­run­gen je Erfül­lungs­op­ti­on. Die jähr­li­chen addier­ten Ein­spa­run­gen wer­den ab dem Zeit­punkt des Auf­tre­tens für den gesam­ten Eva­lu­ie­rungs­zeit­raum von 2010 bis 2017 berück­sich­tigt und dem­entspre­chend addiert. Die dar­aus resul­tie­ren­den jähr­lich addier­ten Ein­spa­run­gen im Jahr 2017 auf­grund des Ein­sat­zes von Erneu­er­ba­ren und Ersatz­maß­nah­men im Zeit­raum zwi­schen 2010 und 2017 erge­ben 408 kt CO2,äq. ver­mie­de­ne Treib­haus­gas­emis­sio­nen im Jahr 2017. Im Ver­gleich zu den gesam­ten Emis­sio­nen für die Raum­wär­me- und Trink­warm­was­ser­be­reit­stel­lung des Wohn­ge­bäu­de­be­stands in Baden-Würt­tem­berg in Höhe von 15.125 kt CO2,äq.12 im Jahr 2017 ent­spricht dies rund 2,7 %. Bezo­gen auf die Gesamt­emis­sio­nen der Ver­pflich­tungs­fäl­le wird eine Ein­spa­rung in Höhe von rd. 16 % erzielt13.

Die jähr­li­chen Ein­spa­run­gen zwi­schen 2010 und 2017 sind in Abbil­dung 11–3 dar­ge­stellt. Eine Erhö­hung der Ein­spa­run­gen mit der Novel­lie­rung über 50 % im Ver­gleich zum Durschnitt der Jah­re 2010 bis 1. Halb­jahr 2015 ist ersicht­lich. Der Grund liegt in der stei­gen­den Bedeu­tung von Bio­mas­se, wel­che im 2. Halb­jahr 2015 bei 27 % der gemel­de­ten Fäl­le ange­ge­ben wur­de.

Auch vor der Novel­lie­rung des EWär­meG im Jahr 2015 ist trotz der stei­gen­den Bedeu­tung von Bio­gas zwi­schen 2014 und ers­tem Halb­jahr 2015 ein Anstieg der jähr­lich ver­mie­de­nen Treib­haus­gas­emis­sio­nen ersicht­lich. Die­ser ist im Wesent­li­chen auf die stei­gen­de Anzahl der Ver­pflich­tungs­fäl­le zurück­zu­füh­ren ist, Details hier­zu in Abbil­dung 3–1.

Diagramm: Die jährlichen Treibhausgaseinsparungen aufgrund des Einsatzes von erneuerbaren Energien und Ersatzmaßnahmen
Abbil­dung 11–3: Die jähr­li­chen Treib­haus­gas­ein­spa­run­gen auf­grund des Ein­sat­zes von erneu­er­ba­ren Ener­gi­en und Ersatz­maß­nah­men. (*Die Ver­pflich­tungs­fäl­le für das Jahr 2017 auf Basis des Jah­res 2016 abge­schätzt)

Eine Berück­sich­ti­gung der bereits vor dem Kes­sel­tausch vor­han­de­nen Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men, sowie jene Fäl­le, bei denen die Wahl der Erfül­lungs­op­ti­on nicht durch das EWär­meG indu­ziert wur­de, redu­ziert die jähr­lich addier­ten Ein­spa­run­gen des Jah­res 2017 auf 272 kt CO2,äq., was immer noch 1,8 % der Gesamt­emis­sio­nen des Wohn­ge­bäu­de­be­stands Baden-Würt­tem­berg im Jahr 2017 bzw. rd. 11 % der Emis­sio­nen der Ver­pflich­tungs­fäl­le vor dem Kes­sel­tausch ent­spricht.

Vor­zieh­ef­fek­te und Atten­tis­mus

Für die Abschät­zung der Aus­wir­kun­gen von Vor­zieh­ef­fek­ten und Atten­tis­mus wer­den die aus der BDH-Markt­sta­tis­tik abge­lei­te­ten Moder­ni­sie­rungs­ra­ten für Baden-Würt­tem­berg und den Bund her­an­ge­zo­gen (sie­he Abbil­dung 4–21). Dies ist eine Ver­ein­fa­chung, weil markt­struk­tu­rel­le Grün­de (z. B. die Alters­struk­tur der Kes­sel) grund­sätz­lich auch zu einer ande­ren Sanie­rungs­ra­te füh­ren könn­ten. Die Dar­stel­lung zeigt, dass vor Inkraft­tre­ten des Geset­zes im Jahr 2010 die Moder­ni­sie­rungs­ra­te in Baden-Würt­tem­berg höher war als jene im Bund (Vor­zieh­ef­fekt). Seit 2010 über­steigt die Moder­ni­sie­rungs­ra­te des Bun­des jene in Baden-Würt­tem­berg leicht, mit einem Auf­ho­len im Jahr 2014 und einem erneu­ten, leich­ten Rück­gang gegen Ende der Zeit­pe­ri­ode (Atten­tis­mus)14.

Sowohl die Vor­zieh­ef­fek­te als auch die Effek­te des Atten­tis­mus wer­den für drei Jah­re berück­sich­tigt. Dabei liegt die Annah­me zu Grun­de, dass der Kes­sel­tausch im Zeit­ver­lauf ohne­hin auf­ge­tre­ten wäre und sich des­we­gen im Zeit­ver­lauf rela­ti­viert, eben­so wie die nega­ti­ven Effek­te auf­grund des Atten­tis­mus im Zeit­ver­lauf durch einen spä­ter not­wen­di­gen Tausch des Heiz­sys­tems begrenzt wer­den. Abbil­dung 11–4 zeigt die Ent­wick­lung der Ein­spa­run­gen bzw. ent­gan­ge­nen Ein­spa­run­gen im Ver­gleich zu den abso­lu­ten Ein­spa­run­gen auf­grund des Ein­sat­zes von Erneu­er­ba­ren und Ersatz­maß­nah­men auf. Redu­ziert man die kumu­lier­te Treib­haus­gas­ein­spa­rung im Jahr 2017 in Höhe von 408 kt CO2,äq. um die im Zeit­ver­lauf ent­gan­ge­nen Ein­spa­run­gen in Höhe von 48 kt CO2,äq. redu­ziert sich die Ein­spa­rung auf 360 kt CO2,äq., was immer noch rd. 2,4 % der Treib­haus­gas­emis­sio­nen des Wohn­ge­bäu­de­be­stands im Jahr 2017 ent­spricht, sowie rd. 14 % der Emis­sio­nen der Ver­pflich­tungs­fäl­le vor dem Kes­sel­tausch. Dies zeigt, dass die ent­gan­ge­ne Ein­spa­rung auf­grund der gemein­sa­men Betrach­tung von Vor­zieh­ef­fek­ten und Atten­tis­mus seit Inkraft­tre­ten des Geset­zes bis 2017 die Effek­te des EWär­meG um weni­ger als 12 % ein­schrän­ken.

Diagramm: Vorzieheffekte und Attetismus im EWärmeG
Abbil­dung 11–4: Ein­spa­rung auf­grund des Ein­sat­zes von Erneu­er­ba­ren und Ersatz­maß­nah­men sowie Vor­zieh­ef­fek­te und Aus­wir­kung des ver­zö­ger­ten Kes­sel­tau­sches (Atten­tis­mus)

Gesamt­ergeb­nis Wohn­ge­bäu­de­be­stand

Die simul­ta­ne Berück­sich­ti­gung der in den vor­he­ri­gen Abschnit­ten beschrie­be­nen Effek­te ist in Abbil­dung 11–5 dar­ge­stellt. In der durch­ge­führ­ten mitt­le­ren Abschät­zung resul­tie­ren die Treib­haus­gas­ein­spa­run­gen im gesam­ten Zeit­raum, die direkt vom Erneu­er­ba­ren-Wär­me-Gesetz indu­ziert wur­den, in einer auf­ad­dier­ten jähr­li­chen Ein­spa­rung von 224 kt CO2,äq. im Jahr 2017. Dabei wur­den sowohl die Vor­zieh­ef­fek­te, die ent­gan­ge­nen Ein­spa­run­gen auf­grund des ver­zö­ger­ten Heiz­kes­sel­tau­sches (Atten­tis­mus) als auch die bereits vor­han­de­nen Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men sowie die Ein­spa­rung jener Anla­gen berück­sich­tigt, die die Gebäu­de­ei­gen­tü­mer ohne­hin instal­lie­ren woll­ten. Dies ent­spricht 1,5 % der gesam­ten Treib­haus­gas­emis­sio­nen des baden-würt­tem­ber­gi­schen Wohn­ge­bäu­de­be­stands für die Auf­brin­gung von Raum­wär­me- und Trink­warm­was­ser­be­reit­stel­lung bzw. rd. 9 % der Emis­sio­nen der Ver­pflich­tungs­fäl­le vor dem Hei­zungs­tausch.

Diagramm: Wirkung des EWärmeG - Wohngebäude
Abbil­dung 11–5: Wir­kung des EWär­meG unter Berück­sich­ti­gung der Vor­zieh­ef­fek­te und Effek­te des Atten­tis­mus, der bereits vor der Erneue­rung vor­han­de­nen Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men und jenen Anla­gen, die ohne­hin instal­liert wor­den wären und dadurch nicht durch das EWär­meG indu­ziert wur­den.

Ver­gleich mit Eva­lu­ie­rung aus dem Jahr 2011

Im Jahr 2011 wur­de bereits eine Eva­lu­ie­rung des EWär­meG durch­ge­führt und die CO2-Min­de­rungs­ef­fek­te durch die Umset­zung des EWär­meG berech­net (Minis­te­ri­um für Umwelt, Kli­ma und Ener­gie­wirt­schaft Baden-Würt­tem­berg 2011). Sowohl 2011 als auch in der vor­lie­gen­den Ana­ly­se wur­den die erfass­ten Ver­pflich­tungs­fäl­le mit Hil­fe von Infor­ma­tio­nen zu Hei­zungs­tausch­maß­nah­men hoch­ska­liert. Wie auch in der vor­lie­gen­den Eva­lu­ie­rung wur­de ein reprä­sen­ta­ti­ves Refe­renz­ge­bäu­de ermit­telt und die Ein­spa­rung je Erfül­lungs­op­ti­on berech­net. Hier griff die vor­an­ge­gan­ge­ne Eva­lu­ie­rung teil­wei­se auf Infor­ma­tio­nen aus den gemel­de­ten Fäl­len zurück, wäh­rend in der vor­lie­gen­den Eva­lu­ie­rung die Ein­spa­run­gen anhand der Anfor­de­run­gen zur Erfül­lung des EWär­meG berech­net wur­den.

Auf­grund der durch­ge­führ­ten Brei­ten­be­fra­gung in der Bevöl­ke­rung kann die vor­lie­gen­de Ana­ly­se noch um zusätz­li­che Aspek­te erwei­tert wer­den: Einer­seits kön­nen Infor­ma­tio­nen hin­sicht­lich bereits vor­han­de­ner Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men vor dem Kes­sel­tausch abge­lei­tet wer­den. Ande­rer­seits lie­fert die Brei­ten­be­fra­gung empi­ri­sche Infor­ma­tio­nen hin­sicht­lich der direkt durch das EWär­meG indu­zier­ten Wir­kung. Obwohl mehr als 500 Haus­ei­gen­tü­mer befragt wur­den, die im Zuge eines Kes­sel­tauschs ab Mit­te 2015 zur Ein­hal­tung des EWär­meG ver­pflich­tet waren, kön­nen die Ergeb­nis­se nicht unein­ge­schränkt auf die gesam­ten Ver­pflich­tungs­fäl­le seit 2010 umge­legt wer­den: Einer­seits wur­den bei die­ser Befra­gung aus­schließ­lich Haus­ei­gen­tü­mer befragt und ande­rer­seits lie­gen kei­ne kon­kre­ten Infor­ma­tio­nen jener Ver­pflich­tungs­fäl­le vor, die vor der Novel­lie­rung zum Ein­satz Erneu­er­ba­rer ver­pflich­tet waren.

In der Eva­lu­ie­rung aus dem Jahr 2011 wur­den für den Wohn­ge­bäu­de­be­stand Ein­spa­run­gen für das Jahr 2010 in Höhe rd. 27 kt CO2,äq. quan­ti­fi­ziert. In der vor­lie­gen­den Eva­lu­ie­rung wur­den mit den aktua­li­sier­ten Daten jähr­li­che Ein­spa­run­gen auf­grund des Ein­sat­zes von Erneu­er­ba­ren und Ersatz­maß­nah­men in Höhe von rd. 38 kt CO2,äq. ermit­telt. Die höhe­ren Ein­spa­run­gen in der vor­lie­gen­den Stu­die lie­gen vor allem in der höhe­ren Anzahl der Ver­pflich­tungs­fäl­le. Wäh­rend in der vor­an­ge­gan­ge­nen Eva­lu­ie­rung im Jahr 2010 von rd. 25.700 Ver­pflich­tungs­fäl­len aus­ge­gan­gen wur­de, wird in der vor­lie­gen­den Ana­ly­se von rd. 30.000 Ver­pflich­tungs­fäl­len aus­ge­gan­gen. Die­se höhe­ren Ver­pflich­tungs­fäl­le las­sen sich durch die BDH-Zah­len erwei­tert um Fern­wär­me­an­schlüs­se ablei­ten (Details hier­zu in Kapi­tel 3.1.1).Hinsichtlich des durch­schnitt­li­chen Ver­mei­dungs­fak­tors je Gebäu­de unter­schei­den sich die bei­den Eva­lu­ie­run­gen kaum – so liegt der aus­ge­wie­se­ne Wert für den Bestand in der vor­an­ge­gan­ge­nen Eva­lu­ie­rung bei 1,27 t CO2,äq. und der Mit­tel­wert in die­ser Eva­lu­ie­rung für die Jah­re 2010 bis 2015 bei 1,29 t CO2,äq., je Ver­pflich­tungs­fall.

Nichtwohngebäude

11.2.1 Vorgehensweise

Das Vor­ge­hen für Nicht­wohn­ge­bäu­de folgt grund­sätz­lich dem in Kapi­tel 11.1.1 ent­wi­ckel­ten Ansatz für Wohn­ge­bäu­de. Auf­grund der all­ge­mein schwie­ri­ge­ren Daten­ver­füg­bar­keit für Nicht­wohn­ge­bäu­de sowie der sehr stark diver­gie­ren­den Ein­spar­po­ten­zia­le für die ver­schie­de­nen Nicht­wohn­nut­zun­gen muss die Ana­ly­se ange­passt wer­den. Die wesent­li­chen Anpas­sun­gen sind fol­gen­de:

  • Das Refe­renz­ge­bäu­de wird durch die im Kapi­tel 7 beschrie­be­nen vier der fünf typi­schen Bei­spiel­ge­bäu­de defi­niert. Da Pro­duk­ti­ons­hal­len nicht vom EWär­meG betrof­fen sind, wer­den die­se aus­ge­nom­men.
  • Auf­grund nicht vor­han­de­ner Sta­tis­ti­ken zu Moder­ni­sie­rung im Nicht­wohn­ge­bäu­de­be­stand kön­nen Vor­zieh­ef­fek­te und Effek­te des Atten­tis­mus nicht betrach­tet wer­den. Die Ana­ly­se für Wohn­ge­bäu­de hat jedoch gezeigt, dass die ent­gan­ge­ne Ein­spa­rung auf­grund der gemein­sa­men Betrach­tung von Vor­zieh­ef­fek­ten und Atten­tis­mus seit Inkraft­tre­ten des Geset­zes bis 2017 die Effek­te des EWär­meG um weni­ger als 15 % ver­rin­gern.
  • Da Infor­ma­tio­nen zu bereits vor­han­de­ner Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men eben­so feh­len wie Infor­ma­tio­nen zu bereits geplan­ten Maß­nah­men, die nicht durch das EWär­meG indu­ziert wur­den, aber als Erfül­lungs­op­tio­nen gemel­det wur­den, wer­den jenen Ergeb­nis­se der Bevöl­ke­rungs­be­fra­gung von Wohn­ge­bäu­den für die ein­zel­nen Erfül­lungs­op­tio­nen ver­wen­det.


Ins­ge­samt sind damit die Ein­spar­ef­fek­te bei NWG deut­lich unge­nau­er und eher als Grö­ßen­ord­nung denn als exak­te Zahl zu inter­pre­tie­ren.

11.2.2 Zugrundeliegende Daten und Annahmen

Fall­zah­len und Mix an Erfül­lungs­op­tio­nen

Der dem EWär­meG attri­bu­ier­te Ein­spar­ef­fekt hängt wesent­lich von den ent­spre­chen­den Fall­zah­len ab. Wie in Kapi­tel 3.1 detail­liert aus­ge­führt, zei­gen sich erheb­li­che Unter­schie­de in den ver­schie­de­nen Infor­ma­ti­ons­quel­len. Für Nicht­wohn­ge­bäu­de sind die abge­lei­te­ten jähr­li­chen Ver­pflich­tungs­fäl­le (11.000 NWG) um ein viel­fa­ches höher als die tat­säch­lich gemel­de­ten Fäl­le (rd. 300). Eben­so wie bei der Ana­ly­se der Ein­spa­run­gen bei Wohn­ge­bäu­den wer­den die abge­lei­te­ten Ver­pflich­tungs­fäl­le her­an­ge­zo­gen, da auch die­se einer jähr­li­chen Kes­sel­tauschra­te von 2,5 % ent­spre­chen und dadurch bereits eine durch­schnitt­li­che Anla­gen­le­bens­dau­er von 40 Jah­ren auf­tre­ten wür­de.

Der Mix an Erfül­lungs­op­tio­nen für Wohn­ge­bäu­de wird ent­spre­chend Abbil­dung 3–9 berück­sich­tigt.

Refe­renz­ge­bäu­de

Um ein Refe­renz­ge­bäu­de beschrei­ben zu kön­nen, wer­den die in Kapi­tel 7.1 beschrie­be­nen vier typi­schen Bei­spiel­ge­bäu­de die dem EWär­meG unter­lie­gen ent­spre­chen­den ihrer Häu­fig­keit im baden-würt­tem­ber­gi­schen Gebäu­de­be­stand gewich­tet. Da der Nicht­wohn­ge­bäu­de­be­stand nicht Teil der Zen­sus- und Mikro­zen­sus­er­he­bun­gen ist, kann er nicht in der glei­chen Qua­li­tät abge­bil­det wer­den wie der Wohn­ge­bäu­de­be­stand. Für die Hoch­rech­nung der Bei­spiel­ge­bäu­de wird dafür die GEMOD-Gebäu­de­da­ten­bank für Baden-Würt­tem­berg her­an­ge­zo­gen, die in Schmidt et al. (2017) auf Basis der der erstell­ten Daten­grund­la­ge für den Gebäu­de­be­reich in den Sek­to­ren Indus­trie und GHD (Öko-Insti­tut und ISI 2012) kali­briert wur­de. Die Gewich­tung der ent­spre­chen­den Bei­spiel­ge­bäu­de wird wie folgt durch­ge­führt: Büro 46 %, Markt 24 %, Kom­plex 23 % und Schu­le 7 %15.

Ein­spa­rung auf­grund Kes­sel­tausch und gewähl­ter Erfül­lungs­op­ti­on

Die Ein­spa­run­gen auf­grund des Kes­sel­tauschs und der gewähl­ten Erfül­lungs­op­tio­nen kön­nen den der Ana­ly­se zugrun­de­lie­gen­den Bei­spiel­ge­bäu­de Kapi­tel 7.1 und Anhang 14.7 ent­nom­men wer­den.

Die Quan­ti­fi­zie­rung der Ein­spa­rung auf­grund des Ein­sat­zes von Erneu­er­ba­ren oder Ersatz­maß­nah­men erfor­dert auch Annah­men über den End­ener­gie­ver­brauch nach dem Kes­sel­tausch für eine Refe­renz­an­la­ge. Hier­für wer­den sowohl die Wer­te für End­ener­gie nach dem Kes­sel­tausch als auch die Wer­te für End­ener­gie nach Ein­satz der jewei­li­gen Erfül­lungs­op­ti­on mit den jewei­li­gen Antei­len am Ener­gie­trä­ger­mix für Nicht­wohn­ge­bäu­de in Baden-Würt­tem­berg mul­ti­pli­ziert (31 % Öl, 69 % Gas, nor­miert auf 100 %).

Bei allen Bei­spiel­ge­bäu­den liegt die Nenn­wär­me­leis­tung über 50 kW, wes­we­gen Bio­gas und Bio­öl nicht als Opti­on berück­sich­tigt wur­de. Da der Anteil an Bio­gas und Bio­öl am Erfül­lungs­mix der ein­ge­tra­ge­nen Nach­wei­se bei den unte­ren Bau­rechts­be­hör­den für Nicht­wohn­ge­bäu­de unter 5 % liegt, ist auf­grund die­ser Annah­me kei­ne ein­ge­schränk­te Aus­sa­ge­kraft der Ergeb­nis­se zu erwar­ten.

Seit der Aus­wei­tung des EWär­meG auf NWG wur­de der Sanie­rungs­fahr­plan von rund 28 % Ver­pflich­tungs­fäl­len als Erfül­lungs­op­ti­on ange­ge­ben. Die Ein­spa­run­gen auf­grund der Erstel­lung die­ses wird auf Basis der Befra­gung der Emp­fän­ger von Sanie­rungs­fahr­plä­nen in Nicht­wohn­ge­bäu­den abge­schätzt (sie­he Kapi­tel 8.7.2). Auf­grund der gerin­gen Gesamt­zahl lie­fern die Ant­wor­ten zur Maß­nah­men­um­set­zung nur Anhalts­punk­te bezüg­lich des Ein­spar­po­ten­zi­als. Die in Tabel­le 8–7 ange­führ­ten Anga­ben zu den umge­setz­ten und geplan­ten Maß­nah­men nach der Erstel­lung eines Sanie­rungs­fahr­plans wur­den ent­spre­chend deren Antei­len mit den durch­schnitt­li­chen Treib­haus­gas­ein­spa­run­gen des Refe­renz­ge­bäu­des gewich­tet. Ana­log zum Vor­ge­hen für Wohn­ge­bäu­de wur­de die Ein­spa­rung auf­grund des Kes­sel­tau­sches nicht als Effekt des EWär­meG inter­pre­tiert, da der Kes­sel­tausch als Aus­lö­se­tat­be­stand gilt und des­we­gen ohne­hin durch­ge­führt wur­de. Da die Effi­zi­enz­ein­spa­run­gen auf­grund der Opti­mie­rung der Beleuch­tung nicht als Erfül­lungs­op­ti­on des EWär­meG ange­rech­net wer­den kann, und somit kei­ne Ein­spar­po­ten­zia­le für die Bei­spiel­ge­bäu­de gerech­net wur­den, wer­den als resul­tie­ren­de Ein­spa­rung auf­grund der Opti­mie­rung der Beleuch­tung fol­gen­de Annah­men getrof­fen: Der Anteil der Beleuch­tung am gesam­ten End­ener­gie­ver­brauch beträgt 13,8 % (BMWi 2017), das Poten­zi­al zur Effi­zi­enz­stei­ge­rung beträgt zwi­schen 50 % und 70 % (Fraun­ho­fer IBP 2017)16.

11.2.3 Ergebnisse

Da das EWär­meG erst im zwei­ten Halb­jahr 2015 auf Nicht­wohn­ge­bäu­de aus­ge­wei­tet wur­de, wird die kumu­lier­te Treib­haus­gas­ein­spa­rung im Zeit­raum seit der Gül­tig­keit bis 2017 dar­ge­stellt. In der Abbil­dung 11–6 ist ersicht­lich, dass in den betrach­te­ten zwei­ein­halb Jah­ren Maß­nah­men mit einer Ein­spar­wir­kung von rund 246 kt CO2,äq. pro Jahr auf­grund des Ein­sat­zes von Erneu­er­ba­ren oder Ersatz­maß­nah­men ange­sto­ßen wur­den. Abzüg­lich der Ein­spa­rung auf­grund vor­han­de­ner Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men (31 kt CO2,äq..) und der Ohne­hin-Effek­te (59 kt CO2,äq.) ergibt sich eine Ein­spa­rung in Höhe von 156 kt CO2,äq., was 1,8 % der gesam­ten Treib­haus­gas­emis­sio­nen des Nicht­wohn­ge­bäu­de­be­stands ent­spricht (8.460 kt CO2,äq.17).

Diagramm: Effekt des EWärmeG
Abbil­dung 11–6: Wir­kung des EWär­meG für Nicht­wohn­ge­bäu­de unter Berück­sich­ti­gung der bereits vor der Erneue­rung vor­han­de­nen Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men und jenen Anla­gen, die ohne­hin instal­liert wor­den wären und dadurch nicht durch das EWär­meG indu-ziert wur­den.

Fazit

Die Ana­ly­se der Ein­spar­ef­fek­te bezüg­lich der Treib­haus­gas­emis­sio­nen zeigt, dass dem E‑WärmeG eine nen­nens­wer­te Wir­kung zuge­spro­chen wer­den kann. Sowohl in Wohn- als auch Nicht­wohn­ge­bäu­den konn­te trotz der Berück­sich­ti­gung von bereits vor­han­de­nen Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men und ohne­hin ange­dach­ten Erfül­lungs­op­tio­nen gezeigt wer­den, dass die Ein­spa­run­gen im Bereich von 1,5 % (Wohn­ge­bäu­de) bis 1,8 % (Nicht­wohn­ge­bäu­de) der anfal­len­den Treib­haus­gas­emis­sio­nen für die Bereit­stel­lung von Raum­wär­me und Trink­warm­was­ser des Wohn- bzw. Nicht­wohn­ge­bäu­de­be­stands lie­gen. Bei Wohn­ge­bäu­den zeigt sich eine Ein­spa­rung bezo­gen auf die Emis­sio­nen der Ver­pflich­tungs­fäl­le vor dem Aus­lö­se­tat­be­stand des Kes­sel­tauschs in Höhe von 9 %. Dabei ergibt sich die Schwan­kungs­brei­te vor allem durch die zugrun­de geleg­ten Annah­men bezüg­lich der Fall­zah­len. Im Wohn­ge­bäu­de­be­stand wer­den 36 % der Treib­haus­gas­ein­spa­run­gen auf­grund von fes­ter Bio­mas­se aus­ge­löst, gefolgt von Wär­me­pum­pen (20 %) und Solar­ther­mie (11 %). Im Nicht­wohn­ge­bäu­de­be­stand wer­den auch die meis­ten Treib­haus­gas­emis­sio­nen auf­grund des Ein­sat­zes von fes­ter Bio­mas­se ein­ge­spart (42 %), gefolgt vom Ein­satz hoch­ef­fi­zi­en­ter KWK (37 %) und der Maß­nah­men, die durch die Erstel­lung eines Sanie­rungs­fahr­plans aus­ge­löst wur­den (8 %).

Ins­ge­samt wei­sen die Berech­nun­gen eine Rei­he von Unsi­cher­hei­ten auf, die für NWG von deut­lich grö­ßer sind als für WG. Die Unsi­cher­hei­ten bestehen auf ver­schie­de­nen Ebe­nen:

  • Bereits die Zahl der erwar­te­ten Erfül­lungs­fäl­le weicht ins­be­son­de­re bei NWG deut­lich von den bis­lang gemel­de­ten Fäl­len ab.
  • Die Grö­ße und Art der Objek­te kann den Erfül­lungs­nach­wei­sen nicht ent­nom­men wer­den. Sie schwankt aber pro Objekt deut­lich stär­ker als die Ein­spa­rung in WG.
  • Des Wei­te­ren füh­ren die unter­schied­li­chen Nut­zun­gen zu deut­lich grö­ße­ren Schwan­kun­gen der spe­zi­fi­schen Ener­gie­ver­brauchs­kenn­wer­te bei NWG als bei WG. Da die Nicht­wohn­ge­bäu­de weder im Rah­men der Gebäu­de- und Woh­nungs­zäh­lung, noch im regel­mä­ßi­gen Mikro­zen­sus erho­ben wer­den, ist die Daten­qua­li­tät zur Beschrei­bung des Nicht­wohn­ge­bäu­de­be­stan­des gerin­ger als jene des Wohn­ge­bäu­de­be­stan­des. Ins­ge­samt kann die Quan­ti­fi­zie­rung aber gleich­wohl als robus­te Grö­ßen­ord­nung her­an­ge­zo­gen wer­den.

1Die Ein­spa­run­gen wer­den nur auf den Wohn­ge­bäu­de­be­stand bezo­gen. Die Ein­spa­run­gen, die sich auf­grund der Gül­tig­keit des Geset­zes für Neu­bau vor Inkraft­tre­ten des bun­des­weit gül­ti­gen EEWär­meG erga­ben, sind in die­ser Ana­ly­se aus­ge­nom­men. 
2 Hier ist zu beach­ten, dass bei eini­gen der Ver­pflich­te­ten die Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men im Vor­griff auf das EWär­meG durch­ge­führt wur­de. 
3 Die Wär­me­durch­gangs­ko­ef­fi­zi­en­ten der Bau­tei­le ent­spre­chen weit­ge­hend der IWU-Gebäu­de­ty­po­lo­gie (IWU 2015a), wur­den jedoch teil­wei­se im Rah­men des Pro­jek­tes „Dämm­bar­keit des deut­schen Gebäu­de-bestands“ (Beuth Hoch­schu­le für Tech­nik 2015) durch Infor­ma­tio­nen aus ande­ren Quel­len ergänzt z.B. (Insti­tut für Bau­for­schung e.V. 1983), (Zen­trum für Umwelt­be­wuss­tes Bau­en e.V. 20019). Detail­lier­te Annah­men zu den U‑Werten fin­den sich im Anhang 14.10. 
4 Die Kor­rek­tur von Bedarf auf Ver­brauch wird aus Basis von IWU (2015a) durch­ge­führt, wo Ver­brauchs- und Bedarfs­wer­te von 1800 Gebäu­den ver­gli­chen wur­den. Im Fol­gen­den wer­den der empi­risch kor­ri­gier­te Nut­zen­er­gie­be­darf und End­ener­gie­be­darf jeweils als Nut­zen­er­gie­ver­brauch bzw. End­ener­gie­ver­brauch bezeich­net, auch wenn es sich nicht um gemes­se­ne, son­dern kor­ri­gier­te Wer­te durch Bedarfs-Ver­brauchs-Abgleich han­delt. Die zugrun­de lie­gen­de Funk­ti­on ist in Abbil­dung 14–44 dar­ge­stellt. 
5 Umge­rech­net von der Bezugs­grö­ße Wohn­flä­che auf die Bezugs­flä­che Gebäu­de­nutz­flä­che mit­tels Fak­tor 1,2. 
6 Die Berech­nung berück­sich­tigt den Ener­gie­trä­ger­mix für die Raum­wär­me- und Trink­warm­was­ser­be­reit-stel­lung im baden-würt­tem­ber­gi­schen Wohn­ge­bäu­de­be­stand und die in Tabel­le 14–7 ange­führ­ten Emis­si­ons­fak­to­ren der ein­zel­nen Ener­gie­trä­ger. Dafür wird auf die GEMOD Daten­bank zuge­grif­fen, die im Rah­men des Pro­jekts „Ener­gie- und Kli­ma­schutz­zie­le 2030“ für Baden-Würt­tem­berg kali­briert wur­de (Schmidt et al. 2017). 
7 In Nast (2012) wird mit einem Sys­tem­wär­me­er­trag einer Solar­an­la­ge mit Hei­zungs­un­ter­stüt­zung in Höhe von 275 kWh/m2 a gerech­net. Dadurch wird ein sola­rer Deckungs­an­teil von 15 % erreicht. 
8 Über­wie­gend wird mit einem Anteil von 60 % inter­pre­tiert. 
9 Jah­res­zah­len wer­den in der Pra­xis oft nur schwie­rig erreicht, wes­we­gen die berech­ne­ten THG-Ein­spa­run­gen je Ver­pflich­tungs­fall eine opti­mis­ti­sche Abschät­zung dar­stel­len. 
10 Im Fal­le der Däm­mung der gesam­ten Gebäu­de­hül­le ist auf­grund des Refe­renz­ge­bäu­des erfor­der­lich, dass die Anfor­de­run­gen an den Trans­mis­si­ons­wär­me­ver­lust H’T in Anla­ge 1 Tabel­le 2 der Ener­gie­ein­spar-ver­ord­nung in der am 1. Mai 2014 gel­ten­den Fas­sung um nicht mehr als 40 % über­schrit­ten wer­den. 
11 Details hier­zu fin­den sich im vor­her­ge­hen­den Abschnitt. 
12 Quel­le: Gebäu­de­da­ten­bank GEMOD für Baden-Würt­tem­berg (Schmidt 2017). 
13 36 MWh End­ener­gie­ver­brauch 272.000 Ver­pflich­tungs­fäl­le zwi­schen 2010 und 2017 254 g / kWh CO2,äq. = 2.487 kt CO2,äq. 
14 Es wird hier erneut dar­auf ver­wie­sen, dass die Daten­la­ge zur Fra­ge der Ver­lang­sa­mung der Moder­ni­sie­rungs­ra­ten infol­ge des EWär­meG unzu­frie­den stel­lend ist. Auch die End­kun­den­be­fra­gung in Kapi­tel 5.1 gibt wenig Hin­wei­se auf einen Atten­tis­mus. 
15 Wich­tig hier ist die Anmer­kung, dass die­se Ein­tei­lung nicht genau den Gebäu­de­be­stand in Baden-Würt­tem­berg reprä­sen­tie­ren kann und nur als gro­be Annä­he­rung zu inter­pre­tie­ren ist. 
16https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Energie/energieeffizienz-in-zahlen.pdf?__blob=publicationFile&v=10 http://www.energieagentur.nrw/energieeffizienz/energieeffizienz-nach-branchen/energieeffizienz_in_buero_und_verwaltung 
17Emis­sio­nen der Raum­wär­me- und Trink­warm­was­ser­be­reit­stel­lung des Nicht­wohn­ge­bäu­de­be­stands berech­net mit GEMOD auf Basis der Daten­bank des Pro­jek­tes „Ener­gie- und Kli­ma­schutz­zie­le 2030“ (Schmidt et al. 2017)