Technische und wirtschaftliche Entwicklung beim Einsatz erneuerbarer Energien

Ziel die­ses Arbeits­pa­ke­tes ist es, den Ent­wick­lungs­stand der Tech­no­lo­gi­en zur Nut­zung erneu­er­ba­rer Ener­gi­en im Wär­me­be­reich und des­sen Wett­be­werbs­fä­hig­keit gegen­über kon­ven­tio­nel­len fos­si­len Tech­no­lo­gi­en zu unter­su­chen. Dabei wer­den ins­be­son­de­re die tech­ni­schen Rah­men­be­din­gen für die ein­zel­nen Erfül­lungs­op­tio­nen geprüft und Hand­lungs­emp­feh­lun­gen für Ände­run­gen oder Anpas­sun­gen dis­ku­tiert. Neben der tech­ni­schen und wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung der ein­zel­nen Tech­no­lo­gi­en wer­den eine Ana­ly­se bio­ge­ner gas­för­mi­ger und flüs­si­ger Ener­gie­trä­ger und die Aus­wir­kung des EWär­meG auf die Markt­struk­tu­ren dar­ge­stellt.

Bewertung und Wirtschaftlichkeit der Erfüllungsoptionen

Abbil­dung 6–2 fasst die Ergeb­nis­se der Wirt­schaft­lich­keits­ana­ly­se der Erfül­lungs­op­tio­nen zusam­men, die für ver­schie­de­ne Refe­renz­ge­bäu­de als spe­zi­fi­sche Wär­me­ge­ste­hungs­kos­ten ermit­telt wer­den. Neben den Refe­renz­ge­bäu­den im Gebäu­de­be­stand (saniert, unsa­niert), wer­den für drei Gebäu­de­ty­pen (Ein­fa­mi­li­en­haus, Mehr­fa­mi­li­en­haus, Büro) auch die Wer­te für den Neu­bau als Ver­gleich dar­ge­stellt. Bei der Berech­nung ist kei­ne För­de­rung berück­sich­tigt. Bei den unter­stell­ten Ener­gie­prei­sen sind Ener­gie­preis­stei­ge­run­gen über die nächs­ten 20 Jah­re mit ein­kal­ku­liert, die auf Basis der Ener­gie­preis­ent­wick­lung im Pro­jek­ti­ons­be­richt des BMU ange­setzt wur­de (BMUB 2017).

Diagramm: Energiepreise in der Wirtschaftlichkeitsrechnung inklusive der angenommenen Energiepreissteigerung
Abbil­dung 6–1: Ener­gie­prei­se in der Wirt­schaft­lich­keits­rech­nung inklu­si­ve der ange­nom­me­nen Ener­gie­preis­stei­ge­rung

Als kal­ku­la­to­ri­scher Zins wird in der Berech­nung 4 % ange­nom­men. Als Tech­no­lo­gi­en sind neben den dezen­tra­len EE-Optio­nen auch die Ergeb­nis­se für die mit Heiz­öl und Erd­gas befeu­er­ten Brenn­wert­kes­sel als fos­si­le Refe­renz­tech­no­lo­gi­en berück­sich­tigt. Bei den Bio­me­than Vari­an­ten sind neben der mit 10 % Bio­me­than Anteil auch je eine Vari­an­te mit 20 % und 100 % Bio­me­than ent­hal­ten, sowie ein mit Erd­gas und ein mit 100 % Bio­me­than befeu­er­tes BHKW.

Tabelle: Ermittelte Gesamtinvestitionen der Heizsysteme für unterschiedliche Gebäudekategorien
Tabel­le 6–1: Ermit­tel­te Gesamt­in­ves­ti­tio­nen der Heiz­sys­te­me für unter­schied­li­che Gebäu­de­ka­te­go­ri­en

Die Ergeb­nis­se zei­gen, dass die spe­zi­fi­schen Wär­me­ge­ste­hungs­kos­ten (inkl. MwSt.) in den Wohn­ge­bäu­de­be­stands­va­ri­an­ten­rech­nun­gen sehr nahe bei­ein­an­der­lie­gen. Eine Aus­nah­me bil­det die 100 % Bio­me­than Vari­an­te im Brenn­wert­kes­sel und im BHKW (die über die Anfor­de­run­gen des EWär­meG deut­lich hin­aus­ge­hen)1. Die Neu­bau­va­ri­an­ten wei­sen auf­grund der nied­ri­gen Wär­me­be­dar­fe ent­spre­chend höhe­re spe­zi­fi­sche Wär­me­ge­ste­hungs­kos­ten aus. Der Bezug für die Wär­me­ge­ste­hungs­kos­ten ist die Nut­zen­er­gie für Raum­wär­me und Warm­was­ser. In denen für das EWär­meG zen­tra­len Refe­renz­ge­bäu­de­ka­te­go­ri­en – EFH saniert und EFH unsa­niert – sind Solar­ther­mie zur Warm­was­ser­er­zeu­gung und 10 % Bio­erd­gas die Optio­nen mit den nied­rigs­ten Geste­hungs­kos­ten2. Dabei ist zu beach­ten, dass sich die Wär­me­ge­ste­hungs­kos­ten auf das Gesamt­sys­tem bezie­hen und nicht auf die erzeug­te Ein­heit Nut­zen­er­gie. Im Fall von Solar­ther­mie ist dies ein Sys­tem aus Erd­gas oder Heiz­öl Brenn­wert­kes­sel und solar­ther­mi­scher Brauch­was­ser­er­zeu­gung.

Diagramm: Wärmegestehungskosten EE-Optionen und fossile Referenztechnologien ohne Förderung
Abbil­dung 6–2: Wär­me­ge­ste­hungs­kos­ten EE-Optio­nen und fos­si­le Refe­renz­tech­no­lo­gi­en ohne För­de­rung (Quel­le: eige­ne Berech­nung auf Basis (BMWi 2017; sirA­dos 2017; Stein­bach 2015; BMUB 2017))

Neben den Wär­me­ge­ste­hungs­kos­ten sind zur Beur­tei­lung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit jedoch noch ande­re Para­me­ter ent­schei­dend, die im Fol­gen­den in kur­zen Tabel­len­über­sich­ten für die ein­zel­nen Tech­no­lo­gi­en zusam­men­ge­fasst wer­den. Fol­gen­de Para­me­ter wer­den dabei für die zen­tra­len EE-Erfül­lungs­op­tio­nen ana­ly­siert:

  • Inves­ti­ti­ons­kos­ten im Ver­hält­nis zu fos­si­ler Refe­renz­tech­no­lo­gie: Für die Gebäu­de­ei­gen­tü­mer ist dies ein ent­schei­den­der Fak­tor, da neben der Wirt­schaft­lich­keit auch ent­schei­dend ist, wie hoch der Kapi­tal­be­darf gegen­über einer Stan­dard­tech­no­lo­gie ist, womit die Wett­be­werbs­fä­hig­keit aus­ge­drückt wird. Das Ver­hält­nis der Inves­ti­ti­ons­kos­ten der EE-Tech­no­lo­gi­en zu den fos­si­len Refe­renz­tech­no­lo­gi­en liegt zwi­schen 1,7 und 4. Aus­nah­me sind die brenn­stoff­ba­sier­ten Erfül­lungs­op­tio­nen (Bio­heiz­öl, Bio­me­than), bei denen kei­ne zusätz­li­chen Inves­ti­tio­nen erfor­der­lich sind. Bei Solar­an­la­gen wer­den dabei die Gesamt­in­ves­ti­tio­nen der Anla­gen gegen­über gestellt.
Tabelle: Verhältnis Investition zu fossiler Referenztechnologie
  • Wär­me­ge­ste­hungs­kos­ten im Ver­hält­nis zur fos­si­len Refe­renz­tech­no­lo­gie: Dies zeigt ana­log zu Abbil­dung 6–2 die Wirt­schaft­lich­keit der ein­zel­nen Tech­no­lo­gi­en auf Grund­la­ge einer Jah­res­voll­kos­ten­rech­nung unter Ein­be­zie­hung der kapi­tal-, betriebs-, und ver­brauchs­ge­bun­de­nen Kos­ten. Hier­bei wer­den die Ergeb­nis­se zusätz­lich noch für die der­zei­ti­gen Ener­gie­preis­ni­veaus dar­ge­stellt.
Tabelle: Wärmegestehungskosten im Verhältnis zu fossilen Referenztechnologie
  • Ent­wick­lung der Inves­ti­ti­ons­kos­ten über 5- 10 Jah­re: Mit die­sem Para­me­ter soll die Markt­dy­na­mik der Tech­no­lo­gi­en ver­gli­chen wer­den. Im Ver­gleich zu erneu­er­ba­ren Strom Tech­no­lo­gi­en konn­ten die EE-Wär­me Tech­no­lo­gi­en in den ver­gan­ge­nen 10 Jah­ren bei wei­tem nicht die glei­che Dyna­mik hin­sicht­lich der Kos­ten­de­gres­si­on ent­fal­ten. Der Ver­gleich basiert auf den Aus­wer­tun­gen, die im Rah­men der Eva­lua­ti­on des Markt­an­reiz­pro­gramms durch­ge­führt wor­den sind (Lang­niß et al. 2004; Nast et al. 2009; Stui­ble et al. 2016). Die in der Eva­lua­ti­on erfass­ten Daten basie­ren auf den Rech­nungs­da­ten der End­kun­den und stel­len somit die Ver­kaufs­prei­se inklu­si­ve Instal­la­ti­ons­kos­ten dar. Es zeigt sich, dass es nicht nur kei­nen Rück­gang bei den Gesamt­in­ves­ti­tio­nen gege­ben hat, son­dern die­se sogar gestie­gen sind.
Tabelle: Entwicklung der spezifischen Investitionskosten 2004 bis 2014

Des Wei­te­ren gibt es mög­li­che tech­ni­sche Ein­schrän­kun­gen, die das Poten­ti­al zum Ein­satz in bestimm­ten Gebäu­de­seg­men­ten redu­zie­ren.

Tabelle: Mögliche technische Hemmnisse

Der Ver­gleich zeigt ins­ge­samt, dass für alle EE-Optio­nen ohne För­de­rung Mehr­in­ves­ti­tio­nen zum Zeit­punkt des Kes­sel­tauschs erfor­der­lich sind. Auch wenn Effi­zi­enz­fort­schrit­te bei den Tech­no­lo­gi­en erzielt wor­den sind, ist die­se Ent­wick­lung im Ver­gleich zu den EE-Strom­tech­no­lo­gi­en ernüch­tern­der und die Sys­tem­kos­ten für den Ein­bau der meis­ten EE-Tech­no­lo­gi­en sind z. T. sogar gestie­gen. Auch wenn die För­de­rung durch das Markt­an­reiz­pro­gramm mit ein­ge­rech­net wird, ist die Wett­be­werbs­fä­hig­keit gegen­über den fos­si­len Kes­seln nicht höher, da die­se eben­falls über die KfW geför­dert wur­den.

Aus ein­zel­wirt­schaft­li­cher Per­spek­ti­ve bleibt nur der Ver­weis auf rea­li­sier­ba­re Ener­gie­kos­ten­ein­spa­run­gen, was für vie­le Gebäu­de­ei­gen­tü­mer eben­falls ein wich­ti­ges Kri­te­ri­um dar­stellt. Auf­grund der nied­ri­gen fos­si­len Brenn­stoff­prei­se bei gleich­zei­tig gestie­ge­nem Strom­preis (Wär­me­pum­pen­ta­ri­fe) und Bio­mas­se­prei­sen sind hohe Ener­gie­kos­ten­ein­spa­rung bei Bio­mas­se­kes­seln und Wär­me­pum­pe nur bedingt dar­stell­bar.

Aller­dings ist abseh­bar, dass sich durch eine Ver­än­de­rung der Rah­men­be­din­gun­gen auf Bun­des­ebe­ne, bei­spiels­wei­se durch eine CO2-Beprei­sung, die­ses Kos­ten­ge­fü­ge bald ändern könn­te.

Bei den brenn­stoff­ba­sier­ten Erfül­lun­gen über Bio­me­than Bei­mi­schung und Bio­heiz­öl sind die Ener­gie­kos­ten­ein­spa­rung auf­grund der hohen Auf­prei­se kein Ver­kaufs­ar­gu­ment. Aller­dings sind die Optio­nen gegen­über den EE-Wär­me Tech­no­lo­gi­en attrak­tiv, da die­se mit kei­nen Inves­ti­ti­ons­mehr­kos­ten ver­bun­den sind. Auch die Wär­me­ge­ste­hungs­kos­ten sind aus Sicht der Gebäu­de­ei­gen­tü­mer im Ver­gleich zu den ande­ren Optio­nen bei den der­zei­ti­gen Ener­gie­prei­sen am gerings­ten.

Der Ver­gleich der spe­zi­fi­schen Kos­ten pro erneu­er­ba­re bereit­ge­stell­te Nut­zen­er­gie zeigt jedoch, dass die brenn­stoff­ba­sier­ten Erfül­lungs­op­tio­nen aus gesamt­wirt­schaft­li­cher Sicht zu den höchs­ten sys­te­mi­schen Kos­ten füh­ren3. D.h. aus sys­te­mi­scher Sicht soll­te die brenn­stoff­ba­sier­ten Tech­no­lo­gi­en mög­lichst nur in Gebäu­den ein­ge­setzt wer­den, die sich aus tech­ni­schen Grün­den nicht für tech­no­lo­gie­ba­sier­te Erfül­lungs­op­tio­nen eig­nen.

Marktentwicklung biogener gasförmiger und flüssiger Brennstoffe

6.2.1 Biogas/Biomethan

Um den Stand der Markt­struk­tu­ren im Bereich Bio­me­than zu ana­ly­sie­ren und die Aus­wir­kung des EWär­meG auf spe­zi­el­le Pro­duk­te in Baden-Würt­tem­berg zu eru­ie­ren, wer­den die Bio-/Öko­gas Ange­bo­te der Gas­ver­sor­ger aus 30 Städ­ten in Baden-Würt­tem­berg aus­ge­wer­tet sowie die Ein­spei­sung von Bio­gas in das Erd­gas­netz im Ver­hält­nis zum übri­gen Bun­des­ge­biet ana­ly­siert.

Biomethaneinspeisung und Wärmenutzung

In Deutsch­land sind im Jahr 2015 ins­ge­samt 8 360 GWh Bio­me­than in das Erd­gas­netz ein­ge­speist wor­den (BNetzA 2016). Auf die Bereit­stel­lung von Raum­wär­me, Warm­was­ser und Kochen ent­fal­len davon etwa 300 GWh (dena 2016). Der größ­te Anteil ist der Strom­erzeu­gung in dezen­tra­len Erd­gas-BHWKs zuzu­schrei­ben mit rund 7.600 GWh, gefolgt von der Kraft­stoff­be­reit­stel­lung im Ver­kehrs­sek­tor mit 370 GWh. In Baden-Würt­tem­berg sind 72 GWh Bio­me­than im Jahr 2015 zur Wär­me- und Kraft­stoff­be­reit­stel­lung ver­wen­det wor­den (UM 2016). Die durch­schnitt­li­che Pro-Kopf Nut­zung liegt damit unter dem Bun­des­durch­schnitt. Aller­dings lässt sich auf­grund die­ser Zah­len kei­ne direk­ten Schluss­fol­ge­run­gen für den Wär­me­sek­tor ablei­ten, da eine Dif­fe­ren­zie­rung der Nut­zung nach Kraft- und Heiz­stof­fen in der Lan­des­sta­tis­tik nicht vor­liegt (Tabel­le 6–2). Auch die Anzahl der Bio­gas­ein­spei­se­an­la­gen mit Bezug auf die Ein­woh­ner­zahl liegt unter dem Bun­des­durch­schnitt. Da Ein­spei­sung und Ent­nah­me jedoch deutsch­land­weit über Lie­fer­ver­trä­ge gere­gelt ist und in der Regel eine vir­tu­el­le Ent­nah­me aus dem Erd­gas­netz erfolgt, ist eine regio­na­le Aus­wir­kung des EWär­meG nicht zu erwar­ten.

Tabelle: Biogaseinspeisung und Biomethannutzung im Jahr 2015
Tabel­le 6–2: Bio­gas­ein­spei­sung und Bio­me­than­nut­zung im Jahr 2015

Angebotsstruktur und Endkundenpreise

Die Ana­ly­se der Pro­dukt­port­fo­li­os der Gas­ver­sor­ger zeigt eine deut­li­che­re Wir­kung des EWär­meG im Ver­gleich zu den ande­ren Bun­des­län­dern. Alle unter­such­ten Stadt­wer­ke in Baden-Würt­tem­berg bie­ten min­des­tens ein Erd­gas­pro­dukt mit 10 % Bio­me­than Bei­mi­schung an. Dabei wird im Zusam­men­hang mit dem Pro­dukt expli­zit auf die Tei­ler­fül­lung des EWär­meG ver­wie­sen und in der Regel die Kom­bi­na­ti­on mit einem Sanie­rungs­fahr­plan emp­foh­len. Die Ver­gleichs­ana­ly­se in den ande­ren Bun­des­län­dern zeigt, dass außer­halb Baden-Würt­tem­bergs nur rund ein Drit­tel der unter­such­ten Stadt­wer­ke ein Bio­erd­gas Pro­dukt anbie­ten4.

Die zusätz­li­chen Kos­ten der Bio­erd­gas­pro­duk­te mit einer 10 % Bei­mi­schung von Bio­me­than sind in Abbil­dung 6–3 dar­ge­stellt. Für die Ermitt­lung der Auf­prei­se ist der ver­gleich­ba­re Erd­gas­ta­ri­fe des jewei­li­gen Stadt­werks her­an­ge­zo­gen wor­den, der die glei­chen Bedin­gun­gen (Lauf­zeit, Preis­ga­ran­tie) auf­weist und so auch bei fast allen unter­such­ten Tari­fen die glei­chen Grund­prei­se beinhal­tet.5 Der Auf­preis für ein 10 % Bio­erd­gas­pro­duk­te liegt bei den unter­such­ten Gas­ver­sor­gern zwi­schen 0,12 und 1,44 €-cent/kWh. Der durch­schnitt­li­che Auf­preis beträgt 0,72 €-cent/ kWh, was bei einem typi­schen Ver­brauch im unsa­nier­ten Ein­fa­mi­li­en­haus zu jähr­li­chen Mehr­kos­ten von rund 150 bis 200 € führt.

Diagramm: Zusätzliche spezifische Kosten durch den Bezug von Bioerdgas gegenüber Erdgas
Abbil­dung 6–3: Zusätz­li­che spe­zi­fi­sche Kos­ten durch den Bezug von Bio­erd­gas gegen­über Erd­gas. Quel­le: Eige­ne Unter­su­chung über die Inter­net­sei­te der jewei­li­gen Stadt­wer­ke

Eini­ge Gas­ver­sor­ger in Baden-Würt­tem­berg bie­ten dar­über hin­aus noch wei­te­re Bio­erd­gas­pro­duk­te mit unter­schied­li­chen Bei­mi­schun­gen von 5 % bis 100 % Bio­me­than an (Abbil­dung 6–4). Bis auf einen Gas­ver­sor­ger bie­ten alle ein Bio­erd­gas­pro­dukt mit 10 % Bei­mi­schung an, womit die maxi­ma­le Anrech­nung zur EWär­meG Erfül­lung abge­deckt wird. Nur ein Ver­sor­ger bie­tet eine 15 % Bei­mi­schung als ein­zi­ges Bio­erd­gas­pro­dukt an. Als zusätz­li­ches Pro­dukt wird am häu­figs­ten Bio­erd­gas mit 30 % Bio­me­than ange­bo­ten. Zwei der unter­such­ten Gas­ver­sor­ger bie­ten auch noch ein 100 % Bio­me­than­pro­dukt an. Bio­erd­gas mit 5 % Bei­mi­schung wird von drei der 30 unter­such­ten Gas­ver­sor­ger ange­bo­ten. Dies wird eben­falls expli­zit als Tei­ler­fül­lung zum EWär­meG bewor­ben.

Diagramm: Bioerdgasprodukte
Abbil­dung 6–4: Antei­li­ge Auf­tei­lung der Bio­erd­gas­pro­duk­te bei den unter­such­ten Stadt­wer­ken

Nahe­zu alle Stadt­wer­ke geben wei­te­re Lösungs­vor­schlä­ge zur Erfül­lung des EWär­meG. Die Kom­bi­na­ti­on Bio­erd­gas und Sanie­rungs­fahr­plan wird am häu­figs­ten bewor­ben. Fast die Hälf­te der Stadt­wer­ke bie­tet einen Sanie­rungs­fahr­plan direkt an – teil­wei­se in Koope­ra­ti­on mit ande­ren Part­nern wie Kli­ma­schutz­agen­tu­ren. Einen Sanie­rungs­fahr­plan zum Fest­preis wer­den von rund 27 % der Ver­sor­ger auf den Inter­net­sei­ten bewor­ben. Die Kos­ten für den Sanie­rungs­fahr­plan lie­gen dabei zwi­schen 369 € (Kon­stanz) und 999 € (Karls­ru­he). Neben der Sanie­rungs­be­ra­tung wer­den auch Kom­bi­na­tio­nen mit Solar und PV-Anla­gen oder die kom­plet­te Hei­zungs­er­neue­rung zur Erfül­lung des EWär­meG ange­bo­ten. Bade­no­va (Frei­burg, Offen­burg) hat ein spe­zi­el­les Con­trac­ting Ange­bot zur Erfül­lung des EWär­meG ent­wi­ckelt, bei dem der Kun­de die Hei­zung mie­ten und auch unter­schied­li­che Sys­te­me und Ener­gie­trä­ger zur Erfül­lung wäh­len kann.

6.2.2 Bioheizöl

Pro­duk­te Bio-Heiz­öl wird durch die DIN SPEC 51603–6 defi­niert. Die genaue Bezeich­nung ist Heiz­öl EL Bio. Die­ses ist schwe­fel­ar­mes Heiz­öl mit einer Bei­mi­schung von Fett­säu­re­me­thyl­es­ter (FAME).

Bereits im her­kömm­li­chen Heiz­öl ist eine Bei­mi­schung von 0,5 % FAME zuläs­sig. Die­sel ent­hält indu­ziert durch die Bio­kraft­stoff­quo­te bereits eine Bei­mi­schung von 5 – 7 %. Auf­grund der ande­ren Besteue­rung ist die­ser aber nur als Kraft­stoff zuläs­sig. Heiz­öl EL Bio gibt es mit unter­schied­li­chen Bei­mi­schungs­quo­ten, wel­che ent­spre­chend gekenn­zeich­net sind und für die Erfül­lung des EWär­meG ange­rech­net wer­den kön­nen. Dar­über hin­aus gibt es noch ver­schie­de­ne Mar­ken­heiz­öl­pro­duk­te. In die­sem Zusam­men­hang ist das das Pro­dukt Pre­mi­um eco­therm zu erwäh­nen, das ver­sucht, sich mit Umwelt­spen­den als öko­lo­gi­sches Heiz­öl zu posi­tio­nie­ren, was hin­sicht­lich des EWär­meG bei Ver­brau­chern teil­wei­se fälsch­li­cher­wei­se zur Annah­me führt, dass damit eine Aner­ken­nung im Rah­men des EWär­meG mög­lich ist.

Ange­bots­struk­tur und End­kun­den­prei­se Um die Ange­bots­struk­tur und die End­kun­den­prei­se in Baden-Würt­tem­berg zu eru­ie­ren, sind für alle Post­leit­zah­len­ge­bie­te Pro­dukt­an­ge­bo­ten ana­ly­siert wor­den6. Da die Händ­ler auch in meh­re­ren PLZ-Gebie­ten aktiv sind, sind mit Bezug auf die Anzahl der Händ­ler Dop­pel­zäh­lung in die Ana­ly­se ein­ge­gan­gen. Ins­ge­samt sind die Ange­bo­te von 162 Händ­lern unter­sucht wor­den, wovon 64 % Heiz­öl Bio 10 Pro­duk­te anbie­ten. Als Ver­gleichs­stich­pro­be wur­den PLZ-Gebie­te in ande­ren Bun­des­län­dern als Stich­pro­be ana­ly­siert. Die Ergeb­nis­se zei­gen, dass in den ande­ren Bun­des­län­dern kaum Bio­heiz­öl­pro­duk­te ange­bo­ten wer­den, wor­aus sich ablei­ten lässt, dass das EWär­meG einen signi­fi­kan­ten Ein­fluss auf die Markt­struk­tur bzw. das Pro­dukt­port­fo­lio der Heiz­öl­händ­ler hat.

Abbil­dung 6–5 zeigt die Ergeb­nis­se der Ana­ly­se zu der Händ­ler­struk­tur nach PLZ-Gebie­ten und den durch­schnitt­li­chen Auf­preis von Heiz­öl EL Bio 10 zum jewei­li­gen von den Händ­lern ange­bo­te­nen Stan­dard­heiz­öl­pro­dukt. Im Mit­tel über alle PLZ-Gebie­te beträgt der abso­lu­te Auf­preis 1,23 €-cent/kWh, was einem rela­ti­ven Auf­preis auf das her­kömm­li­che Heiz­öl­pro­dukt von 21 % ent­spricht.

Diagramm: Aufpreis Heizöl Bio 10 und Händlerstruktur
Abbil­dung 6–5: Ana­ly­se Auf­preis für Heiz­öl EL Bio 10 und Händ­ler­struk­tur in Baden-Würt­tem­berg

Überprüfung der technischen Rahmenbedingungen und Erfüllungsoptionen

6.3.1 Biomasse: Technologiebewertung und Anerkennung von Bio-Flüssiggas (LPG)

Aus­gangs­la­ge und Tech­no­lo­gie­be­wer­tung Flüs­sig­gas mit bio­ge­nem Anteil ist bis­her nicht direkt im EWär­meG als Erfül­lungs­op­ti­on zuge­las­sen, was ins­be­son­de­re auch am Fokus auf die Umstel­lung von Heiz­öl und Erd­gas liegt, die in der Wär­me­ver­sor­gung der Bestands­ge­bäu­de domi­nie­ren. Aller­dings besteht in den mit Flüs­sig­gas ver­sorg­ten Gebäu­den ein signi­fi­kan­tes Poten­ti­al zur Umstel­lung auf EE oder antei­li­gen Nut­zung von EE. Mit 1,47 TWh hat Flüs­sig­gas einen Anteil von 2 % des Brenn­stoff­be­darfs in Haus­hal­ten und dem GHD Sek­tor (Stat­LaA BaWü 2018).

Zudem ist Bio-Flüs­sig­gas ein neu­es Pro­dukt, des­sen Her­stel­lungs­ver­fah­ren der­zeit teil­wei­se noch erforscht oder erprobt wer­den. Bis­her gibt es in Euro­pa einen Pro­du­zen­ten in den Nie­der­lan­den, der Bio-Flüs­sig­gas her­stellt. In Deutsch­land plant der­zeit ein Lie­fe­rant den Ver­trieb von Bio-Flüs­sig­gas ab Mit­te 2018.

Fol­gen­de Ver­fah­ren zu Her­stel­lung von Bio-Flüs­sig­gas sind bekannt:

  • Neben­pro­dukt aus Bio­die­sel Pro­duk­ti­on: Her­stel­lung aus Pro­pan, das bei der Pro­duk­ti­on von Bio­die­sel der 2. Genera­ti­on (NextBTL) anfällt. Der­zeit wer­den durch Nes­te (NL) 40 000 t/a mit die­sem Ver­fah­ren pro­du­ziert (Nes­te 2015). Davon wer­den nach Anga­ben vom Flüs­sig­gas­lie­fe­ran­ten Prima­gas 2000 t/a nach Deutsch­land impor­tiert (PRIMAGAS 2018). Nach Anga­ben des DVFG7 sind bei den der­zei­ti­gen Bio­die­sel­pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten in Euro­pa von 970 000 t eine Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tät von 70 000 t Bio-Flüs­sig­gas mit die­sem Ver­fah­ren mög­lich (DVFG 2011).
  • Her­stel­lung aus Gly­ce­rin durch kata­ly­ti­sche Hydrie­rung (Adolf et al. 2011; Hul­te­berg et al. 2010): Gly­ce­rin fällt als Neben­pro­dukt bei der Bio­die­sel­pro­duk­ti­on, bei der Zel­lu­lo­se Her­stel­lung, in der Etha­nol Pro­duk­ti­on und als Rest­stoff in ande­ren Indus­tri­en an.
  • Ein expe­ri­men­tel­les Ver­fah­ren zur Her­stel­lung von Bio-Flüs­sig­gas aus Mikro­or­ga­nis­men ist im Pro­jekt Bio­Flüs­sig­gas am Zen­trum für Mari­ne Umwelt­wis­sen­schaf­ten der Uni­ver­si­tät Bre­men erforscht wor­den. Inwie­weit die Labor­ex­pe­ri­men­te erfolgs­ver­spre­chen­de Ergeb­nis­se brin­gen konn­ten, ist nicht bekannt.


Bewer­tung Nach dem EWär­meG fällt Bio-Flüs­sig­gas grund­sätz­lich unter die Defi­ni­ti­on für flüs­si­ge Bio­mas­se, da die Inhalts­stof­fe sich aus bio­ge­nen Rest- und Abfall­stof­fe der Indus­trie sowie Pflan­zen­ölen zusam­men­set­zen. Aller­dings wird in der Defi­ni­ti­on des Min­dest­an­teils bei der Erfül­lung des EWär­meG durch Bei­mi­schung flüs­si­ger Bio­mas­se nur Bezug auf Heiz­öl genom­men (EWär­meG §5 (4)). Damit ist Bio-Flüs­sig­gas nicht als Erfül­lungs­op­ti­on aner­kannt.

Emp­feh­lung Aus Sicht der For­schungs­neh­mer soll­te bei der Aner­ken­nung flüs­si­ger Bio­mas­se grund­sätz­lich nicht zwi­schen der Bei­mi­schung in Heizöl/ Erd­gas oder Flüs­sig­gas unter­schie­den wer­den. Um die­se Rege­lungs­lü­cke zu schlie­ßen, könn­te die §5 (4) fol­gen­der­ma­ßen geän­dert wer­den:

Der Ein­satz von flüs­si­ger Bio­mas­se wird in Wohn­ge­bäu­den als Erfül­lung der Nut­zungs­pflicht zu maxi­mal zwei Drit­teln aner­kannt, wenn Heiz­öl [Neu] oder Flüs­sig­gas [/Neu] mit einem anre­chen­ba­ren Anteil flüs­si­ger Bio­mas­se von bis zu 10 Pro­zent zur voll­stän­di­gen Deckung des Wär­me­en­er­gie­be­darfs ver­wen­det wird und die Nut­zung in einem Heiz­kes­sel erfolgt, der der bes­ten ver­füg­ba­ren Tech­nik ent­spricht.“

Es stellt sich jedoch die Fra­ge, wel­che Neben­an­for­de­run­gen für Bio-Flüs­sig­gas gel­ten. Die Ver­mark­tung des ver­füg­ba­ren Bio-Flüs­sig­ga­ses geschieht über ein Mas­sen­bi­lan­zie­rungs­ver­fah­ren. Damit soll wie bei der Ein­spei­sung von Bio­me­than in das Erd­gas­netz sicher­ge­stellt wer­den, dass die pro­du­zier­ten Men­gen nicht dop­pelt ver­mark­tet wer­den. Der Mas­sen­bi­lanz­nach­weis dient dem Nach­weis einer Bei­mi­schung, wenn der Ener­gie­trä­ger wie bei Bio­me­than als lei­tungs­ge­bun­de­ner Ener­gie­trä­ger bei der Ent­nah­me aus dem Netz auf einer rei­nen bilan­zi­el­len Ebe­ne bezo­gen wird und die äqui­va­len­te Men­ge an einer ande­ren Stel­le ein­ge­speist wird. Bei Erfül­lung des EWär­meG durch flüs­si­ge Ener­gie­trä­ger ist jedoch davon aus­zu­ge­hen, dass nicht nur eine bilan­zi­el­le Pro­dukt­bei­mi­schung erfolgt. Da es aber für Bio­pro­pan kei­ne sepa­ra­te Sor­ten­de­kla­ra­ti­on wie bei Heiz­öl EL Bio gibt und das Bio­pro­pan dem Norm­stan­dard für her­kömm­li­ches Flüs­sig­gas ent­spricht und somit in Lie­fer­ket­te kei­ne phy­si­sche Pro­dukt­tren­nung erfolgt, ist eine Nach­weis­füh­rung für die Her­kunft des Pro­duk­tes not­wen­dig. Im EWär­meG wäre damit neben der Nach­hal­tig­keits­an­for­de­rung für die Bei­mi­schung bio­ge­ner flüs­si­ger Brenn­stof­fe zusätz­lich noch eine Mas­sen­bi­lan­zie­rung zu for­dern, mit der Pro­duk­ti­ons­men­gen von Her­stel­lung bis zum Ver­brau­cher nach­ge­wie­sen wer­den kön­nen. Eine sol­che Mas­sen­bi­lan­zie­rung müss­te von unab­hän­gi­gen Drit­ten gewähr­leis­tet wer­den. Abbil­dung 6–6 zeigt das Sche­ma der Mas­sen­bi­lanz für Bio-Flüs­sig­gas des Flüs­sig­gas­lie­fe­ran­ten PRIMAGAS.

Diagramm: Schema der Massenbilanz für Bio-Flüssiggas von PRIMAGAS
Abbil­dung 6–6: Sche­ma der Mas­sen­bi­lanz für Bio-Flüs­sig­gas von PRIMAGAS. Quel­le: (PRIMAGAS 2018)

6.3.2 Biomasse: 50 kW Grenze für gasförmige Biomasse

Aus­gangs­la­ge Nach § 5 (3) EWär­meG ist eine Tei­ler­fül­lung durch Bio­me­than nur in Wär­me­er­zeu­gern bis 50 kW mög­lich.

Bewer­tung Die unter­schied­li­che Behand­lung zwi­schen gas­för­mi­ger und flüs­si­ger Bei­mi­schung durch die­se Anfor­de­run­gen wird durch die Akteu­re aus der Pra­xis viel kri­ti­siert. Ein kon­kre­ter Fall, der von den Stadt­wer­ken Kon­stanz geschil­dert wur­de, ver­deut­licht, dass dies nicht nur theo­re­tisch zu Fehl­an­rei­zen bei zen­tral­be­heiz­ten Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern, die in den Bereich über Heiz­leis­tung von 50 kW fal­len, führt.

Emp­feh­lung Es wird emp­foh­len, eine Har­mo­ni­sie­rung der Anfor­de­run­gen für die brenn­stoff­ba­sier­ten Erfül­lungs­op­tio­nen (flüs­si­ge und gas­för­mi­ge Bio­mas­se) im EWär­meG zu errei­chen. Dazu gibt es ent­we­der die Mög­lich­keit, die 50 kW-Gren­ze zu strei­chen oder die­se eben­falls für die Bei­mi­schung von flüs­si­ger Bio­mas­se zu for­dern.

Die For­schungs­neh­mer emp­feh­len, die 50 kW-Gren­ze für Bio­me­than und Bio­öl zu for­dern, um damit die Anfor­de­run­gen zwi­schen Bio­me­than-Gas­kes­seln und Bio-Heiz­öl Heiz­kes­seln zu har­mo­ni­sie­ren. Die Bei­be­hal­tung der 50 kW-Gren­ze ist inso­fern sinn­voll, als es damit einen Anreiz zur Nut­zung dezen­tra­len EE-Wär­me Tech­no­lo­gi­en, dezen­tra­ler KWK oder wär­me­netz­ba­sier­ten Optio­nen gibt, die aus tech­no-öko­no­mi­scher Sicht in die­sem Leis­tungs­be­reich sinn­voll zum Ein­satz kom­men kön­nen, aber auf­grund der über­wie­gen­den Besitz­struk­tur in die­sem Seg­ment (meist ver­mie­te­te Gebäu­de) gegen­über den brenn­stoff­ba­sier­ten Erfül­lungs­op­tio­nen oft­mals nicht zum Zuge kom­men wür­den. Für die Ver­mie­ter ent­ste­hen bei den brenn­stoff­ba­sier­ten Erfül­lungs­op­tio­nen kei­ne Inves­ti­ti­ons­kos­ten, wäh­rend für die Mie­ter in jedem Fall höhe­ren Ener­gie­kos­ten ent­ste­hen (vgl. Kapi­tel 6.1).

6.3.3 Biomasse: Anerkennung brennstoffbasierter Erfüllungsoptionen

Aus­gangs­la­ge Die Eva­lua­ti­ons­er­geb­nis­se zei­gen, dass die Erfül­lung mit Bio­me­than und Bio-Heiz­öl einen hohen Anteil haben. In Kom­bi­na­ti­on mit dem Sanie­rungs­fahr­plan stel­len sie im Ver­gleich zu den EE-Wär­me Tech­no­lo­gie­op­tio­nen sehr „ein­fa­che“ Erfül­lungs­op­tio­nen dar, die mit nied­ri­gem Inves­ti­tio­nen und Trans­ak­ti­ons­kos­ten imple­men­tiert wer­den kön­nen. Wie in Abschnitt 6.2 auf­ge­zeigt, hat es eine dyna­mi­sche Markt­ent­wick­lung bei den Gas­ver­sor­gern / Stadt­wer­ken und Hei­zöl­lie­fe­ran­ten gege­ben, die mit ent­spre­chen­den Pro­duk­ten die Erfül­lung des EWär­meG bewer­ben.

Bewer­tung Die Ver­wen­dung die­ser brenn­stoff­ba­sier­ten Erfül­lungs­op­tio­nen leis­ten einen gerin­gen Bei­trag für den ziel­kon­for­men Gebäu­de­be­stand, da sie die bestehen­den Infra­struk­tu­ren einer auf gas- und ölba­sier­ten Wär­me­ver­sor­gung stüt­zen, wäh­rend die lang­fris­ti­gen Sze­na­ri­en­un­ter­su­chun­gen für den Gebäu­de­be­stand in Deutsch­land einen mas­si­ven Rück­gang von Gas- und Ölhei­zun­gen erfor­der­lich hal­ten, um die Kli­ma­schutz­zie­le zu errei­chen (Pflu­ger et al. 2017; Repen­ning et al. 2015; Tham­ling et al. 2015). Durch die flä­chen­de­cken­de Mög­lich­keit mit dem Ein­bau von Gas- und Heiz­öl­kes­seln das EWär­meG zu erfül­len, wer­den kei­ne Anrei­ze an den Markt gesetzt, Pro­duk­te zu gene­rie­ren, die auch auf Basis dezen­tra­ler EE-Wär­me­tech­no­lo­gi­en eine ein­fa­che Erfül­lung ermög­li­chen. Auch mit Bezug auf die spe­zi­fi­schen THG-Ein­spa­run­gen fällt die Bewer­tung gas­för­mi­ger und flüs­si­ger Bio-mas­se schlech­ter aus als für fes­te Bio­mas­se (Abbil­dung 6–7).

Diagramm: Spezifische THG-Einsparungen biogener Energieträger gegenüber Erdgas und Heizöl
Abbil­dung 6–7: Spe­zi­fi­sche THG-Ein­spa­run­gen bio­ge­ner Ener­gie­trä­ger gegen­über Erd­gas und Heiz­öl. Quel­le: eige­ne Berech­nun­gen auf Basis von Feh­ren­bach et al. (2016)

Die Erfül­lung über Bio­me­than und Bio-Heiz­öl macht hin­ge­gen in den Gebäu­den Sinn, bei denen tech­no­lo­gie­ba­sier­te EE-Optio­nen nicht mög­lich sind oder nur mit sehr hohem tech­ni­schen und finan­zi­el­lem Auf­wand imple­men­tiert wer­den kön­nen. Aus Akzep­tanz­grün­den für das EWär­meG ist es daher auch wich­tig, die­se Optio­nen grund­sätz­lich zu erhal­ten.

Hand­lungs­op­tio­nen und Emp­feh­lung Aus den genann­ten Grün­den wird emp­foh­len, die Anfor­de­run­gen an gas­för­mi­ge und flüs­si­ge Bio­mas­se zu ändern, um eine Poten­ti­al­aus­schöp­fung für tech­no­lo­gie­ba­sier­te EE-Wär­me Optio­nen in den dafür geeig­ne­ten Gebäu­de­seg­men­ten anzu­rei­zen. Durch Ände­rung der Neben­an­for­de­run­gen könn­ten die brenn­stoff­ba­sier­te Erfül­lungs­op­tio­nen ins­be­son­de­re auf die Seg­men­te beschränkt wer­den, in denen EE-Wär­me Tech­no­lo­gi­en nicht mög­lich sind. Dies sind ins­be­son­de­re Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser mit Eta­gen­hei­zun­gen, die bis­her nicht vom EWär­meG erfasst sind. Eine Vari­an­te wäre, eine Aus­wei­tung der EWär­meG-Nut­zungs­pflicht auf Eta­gen­hei­zun­gen in Kom­bi­na­ti­on mit der Beschrän­kung der Erfül­lung durch gas­för­mi­ge und flüs­si­ge Bio­mas­se auf die­ses Seg­ment im EWär­meG zu ver­an­kern. Da hier­bei nicht die Gebäu­de, son­dern Woh­nun­gen ver­pflich­tet sind, wäre dabei eine Kom­bi­na­ti­on mit dem Sanie­rungs­fahr­plan nur bedingt umsetz­bar. Eine Ein­schrän­kung der Erfül­lun­gen bei Zen­tral­hei­zung (EFH und MFH) durch brenn­stoff­ba­sier­te Opti­on könn­te ent­we­der dadurch gesche­hen, dass in die­sen Seg­men­ten nur noch tech­no­lo­gie­ba­sier­te EE-Wär­me-Erfül­lungs­op­tio­nen zuge­las­sen wer­den oder der maxi­mal zuläs­si­ge Erfül­lungs­grad durch die Bei­mi­schung von gas­för­mi­ger oder flüs­si­ger Bio­mas­se redu­ziert wird. Aller­dings führt die Aus­wei­tung der Ver­pflich­tung des EWär­meG auf Gas­eta­gen­hei­zun­gen zu einer wei­te­ren Kos­ten­kom­po­nen­te für Mieter­haus­hal­te.

Alter­na­tiv dazu könn­te daher ein Nach­weis eines Bera­tungs­ge­sprä­ches ein­ge­for­dert wer­den, in dem über ande­re EE-Hei­zungs­tech­no­lo­gi­en und Ersatz­maß­nah­men gespro­chen wur­de. Damit könn­te erreicht wer­den, dass die brenn­stoff­ba­sier­ten Erfül­lungs­op­tio­nen stär­ker auf Seg­men­te beschränkt wer­den, in denen ande­re EE-Wär­me Tech­no­lo­gi­en nicht mög­lich sind.

6.3.4 Wärmepumpe: Brauchwasserwärmepumpe als Teilerfüllung

Tech­no­lo­gie­be­wer­tung Brauch­was­ser­wär­me­pum­pen kön­nen für die zen­tra­le Erzeu­gung von Warm­was­ser mit einem Spei­cher­sys­tem ein­ge­setzt wer­den. Die Tech­no­lo­gie sind Luft/Wasser Wär­me­pum­pen, die durch die Nut­zung von Innenluft/Kellerluft von rund 15 °C eine effi­zi­en­te Erzeu­gung ermög­li­chen. Am Markt sind etwa 100 Pro­duk­te ver­füg­bar, die sich hin­sicht­lich der Spei­cher- und Leis­tungs­grö­ße sowie der Effi­zi­enz unter­schei­den (SWW 2015). Abbil­dung 6–8 zeigt die Aus­wer­tung der Markt­über­sicht. Die Tech­no­lo­gi­en sind mit Spei­cher­grö­ßen von bis zu 400 Liter und Leis­tung bis 5 kW für die Warm­was­ser­er­zeu­gung in Ein­fa­mi­li­en­häu­ser geeig­net. Aus den Leis­tungs­zah­len der am Markt ver­füg­ba­ren Tech­no­lo­gi­en ergibt sich für die Erwär­mung von Warm­was­ser auf 60°C nach VDI 4650 eine Jah­res­ar­beits­zahl zwi­schen 2,98 und 4.5.

Diagramm: Technische Bewertung Brauchwasserwärmepumpe
Abbil­dung 6–8: Tech­ni­sche Bewer­tung Brauch­was­ser­wär­me­pum­pe. Quel­le: eige­ne Dar­stel­lung basie­rend auf (ebd.)

Die spe­zi­fi­schen Inves­ti­tio­nen betra­gen je nach Leis­tung und Spei­cher­grö­ße zwi­schen 560 €/kW und 2350 €/kW.

Aus­gangs­la­ge Die Aner­ken­nung der Brauch­was­ser­wär­me­pum­pe als Erfül­lungs­op­ti­on ist im EWär­meG im Rah­men von §11 (3) „Kom­bi­na­ti­ons­mög­lich­keit bei antei­li­ger Wär­me­pum­pen­de­ckung“ mög­lich. Die EE-Wär­me­men­ge, die für die Erfül­lung ange­rech­net wer­den kann, wird dabei aus der fol­gen­den For­mel berech­net:

EE=𝐽𝐴𝑍−3.0𝐽𝐴𝑍∗𝑄𝑊𝑃

Hier­bei stellt sich die Fra­ge, ob die aus die­ser For­mel resul­tie­ren­de Tei­ler­fül­lung des E-Wär­meG, der Wir­kung der Maß­nah­me und den damit ver­bun­de­nen Inves­ti­tio­nen Rech­nung trägt.

Bewer­tung Um die resul­tie­ren­de antei­li­gen Erfül­lungs­grad zu ermit­telt, wird eine Berech­nung anhand von zwei Refe­renz­ge­bäu­den und unter­schied­li­chen JAZ der Wär­me­pum­pe durch­ge­führt. Abbil­dung 6–9 zeigt den Raum­wär­me und Warm­was­ser­en­er­gie­be­darf des sanier­ten und unsa­nier­ten Refe­renz­ge­bäu­des. Der Wär­me­be­darf der Trink­was­ser­an­la­ge ist bei bei­den Gebäu­den gleich, wäh­rend der Raum­wär­me­be­darf im Fall des sanier­ten Gebäu­des ent­spre­chend nied­ri­ger ist. Die rech­te Sei­te der Abbil­dung zeigt für unter­schied­li­che JAZ den resul­tie­ren­den End­ener­gie­be­darf der Brauch­was­ser­wär­me­pum­pe und die jeweils anre­chen­ba­re EE-Men­ge ent­spre­chend der oben dar­ge­stell­ten For­mel.

Diagramm: Referenzberechnung für die anrechenbare EE-Wärmeenergie von Brauchwasserwärmepumpen.
Abbil­dung 6–9: Refe­renz­be­rech­nung für die anre­chen­ba­re EE-Wär­me­en­er­gie von Brauch­was­ser­wär­me­pum­pen. Quel­le: eige­ne Berech­nung

Dar­aus ergibt sich je nach Effi­zi­enz der Wär­me­pum­pe und Refe­renz­ge­bäu­de ein anre­chen­ba­rer EE-Wär­me­an­teil zwi­schen 0,7 % und 7,17 %. Eine Anrech­nung von wenigs­tens 5 % ermög­licht im Rah­men des EWär­meG sinn­vol­le Kom­bi­na­ti­ons­mög­lich­keit, die aber nur bei der höchs­ten Jah­res­ar­beits­zahl im Fall des sanier­ten Gebäu­des erreicht wird.

Diagramm: Resultierenden EE-Wärme Anteil der Brauchwasserwärmepumpe für die Erfüllung des EWärmeG
Abbil­dung 6–10: Resul­tie­ren­den EE-Wär­me Anteil der Brauch­was­ser­wär­me­pum­pe für die Erfül­lung des EWär­meG. Quel­le: eige­ne Berech­nung

Emp­feh­lung Mit den der­zei­ti­gen Rege­lun­gen stellt die Brauch­was­ser­wär­me­pum­pe kei­ne Opti­on dar, mit der eine rea­lis­ti­sche Tei­ler­fül­lung des EWär­meG erreicht wer­den kann. Dies liegt ins­be­son­de­re an der Berech­nungs­for­mel, die mit einem Kenn­wert von 3,0 den Strom­mix bewer­tet – mitt­ler­wei­le liegt der Pri­mär­ener­gie­fak­tor des Stroms aber deut­lich unter 3. Die Brauch­was­ser­wär­me­pum­pe ist eine för­der­wür­di­ge Tech­no­lo­gie, die sowohl als Ein­zel­tech­no­lo­gie zu rele­van­ten THG Emis­si­ons­ein­spa­run­gen führt, die per­spek­ti­visch mit sin­ken­dem Emis­si­ons­fak­tor für Strom noch stei­gen wer­den. Es wird emp­foh­len, die Aner­ken­nung ent­spre­chend zu ändern, so dass mit der Brauch­was­ser­wär­me­pum­pe sinn­vol­le Kom­bi­na­tio­nen zur Erfül­lung des EWär­meG mög­lich sind. Dazu kann zum einen eine pau­scha­le Aner­ken­nung der Brauch­was­ser­wär­me mit 5 % zur Erfül­lung fest­ge­schrie­ben wer­den, unter der Vor­aus­set­zung einer Min­dest­leis­tungs­zahl z. B. von 3,8 (bei 60 °C) erreicht wird (Mit­tel­wert aus Markt­ana­ly­se) bei voll­stän­di­ger Erzeu­gung des Trink­was­sers. Eine wei­te­re Alter­na­ti­ve besteht in der Anpas­sung des Kenn­wer­tes in der For­mel. Die Bewer­tung des Stroms könn­te ana­log zu der Ände­rung der pri­mär­ener­ge­ti­schen Bewer­tung nach der EnEV von 3,0 auf 1,8 gesenkt wer­den. Auch ein direk­ter Bezug auf den Pri­mär­ener­gie­fak­tor in der EnEV stellt eine Mög­lich­keit dar.

1 Bei der BHKW Vari­an­te ist die För­de­run­gen sehr rele­vant. Hier ist ohne Inves­ti­ti­ons­zu­schüs­se, EEG Ein­spei­se­ver­gü­tung und Ener­gie­steu­er­rück­er­stat­tung gerech­net wor­den. 
2 Die­se bei­den Vari­an­ten rei­chen für sich genom­men aber auch nicht aus, um die Pflicht zur Nut­zung erneu­er­ba­rer Ener­gi­en gemäß EWär­meG voll­stän­dig zu erfül­len. 
3 Für die Rech­nung wird jeweils eine 100 % Deckung mit Bio­me­than oder Bio­heiz­öl in den Gebäu­den ange­setzt 
4 Für die Ver­gleichs­ana­ly­se wur­den die Erd­gas­pro­duk­te der Stadt­wer­ke in den jeweils drei größ­ten Städ-ten der übri­gen Bun­des­län­der unter­sucht 
5 Bei einem Stadt­werk lag der Grund­prei­se des Bio­erd­gas­ta­rifs unter dem ver­gleich­ba­ren Erd­gas­ta­rif. Dies wur­de in der Berech­nung der Auf­prei­se auf den Arbeits­preis umge­legt 
6 Die Ana­ly­se wur­de im Sep­tem­ber / Okto­ber 2017 durch­ge­führt. 
7 Deut­scher Ver­band für Flüs­sig­gas e.V