Zusammenfassung

Endbericht im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg

Hei­del­berg, Ber­lin, Frei­burg, Karls­ru­he, Rot­ten­burg, 31. Okto­ber 2018

Umweltministerium BW logo

Abkürzungsverzeichnis

BAFA Bun­des­amt für Wirt­schaft und Aus­fuhr­kon­trol­le
BDH Bun­des­ver­band der Deut­schen Hei­zungs­in­dus­trie
EE Erneu­er­ba­re Ener­gi­en
EEG Erneu­er­ba­re-Ener­gi­en-Gesetz
EEWär­meG Erneu­er­ba­re-Ener­gi­en-Wär­me-Gesetz
EWär­meG Erneu­er­ba­re-Wär­me-Gesetz
GEG Gebäu­de­en­er­gie­ge­setz
KfW Kre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau
MAP Markt­an­reiz­pro­gramm
NWG Nicht­wohn­ge­bäu­de
PV Pho­to­vol­ta­ik
RP Regie­rungs­prä­si­di­en
SFP Sanie­rungs­fahr­plan
THG Treib­haus­ga­se
uBRB Unte­re Bau­rechts­be­hör­de
WG Wohn­ge­bäu­de

1 Zusammenfassung

Mit dem EWär­meG ver­ab­schie­de­te das Land Baden-Würt­tem­berg 2007 das in Deutsch­land ers­te Lan­des­ge­setz sei­ner Art. Anfang 2008 trat es mit dem Ziel in Kraft, den Anteil erneu­er­ba­rer Ener­gi­en an der Wär­me­ver­sor­gung zu erhö­hen und durch die infol­ge­des­sen ver­min­der­ten Treib­haus­gas­emis­sio­nen einen Bei­trag zum Kli­ma­schutz und der Luft­rein­hal­tung zu leis­ten. 2015 wur­de eine Novel­lie­rung des EWär­meG beschlos­sen, die am 1. Juli 2015 in Kraft trat. Das novel­lier­te EWär­meG schreibt vor, dass bei einem Hei­zungs­an­la­gen­aus­tausch (oder nach­träg­li­chem Ein­bau) in bestehen­den Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäu­den 15 % des Wär­me­en­er­gie­be­darfs durch erneu­er­ba­re Ener­gi­en gedeckt wer­den muss oder ent­spre­chen­de Ersatz­maß­nah­men geleis­tet wer­den müs­sen.

Ziel der vor­lie­gen­den Eva­lu­ie­rung ist es, die Wir­kun­gen des Geset­zes seit Inkraft­tre­ten, ins­be­son­de­re seit der Novel­le, zu ana­ly­sie­ren und quan­ti­fi­zie­ren, die Erfül­lungs­op­tio­nen zu über­prü­fen und das mit dem Sanie­rungs­fahr­plan ver­bun­de­ne För­der­pro­gramm aus­zu­wer­ten und aus die­sen Eva­lu­ie­rungs­schrit­ten Hand­lungs­emp­feh­lun­gen abzu­lei­ten. Zu die­sem Zweck wer­den ver­schie­de­ne empi­ri­sche Ana­ly­sen, Befra­gun­gen, Model­lie­run­gen und Exper­ten­ge­sprä­che mit­ein­an­der kom­bi­niert. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Novel­le erst ver­hält­nis­mä­ßig kurz in Kraft ist und auf Grund der Nach­weis­fris­ten dadurch eine Eva­lua­ti­on erschwert wird.

Schaubild über die einzelnen Themen des EWärmeG-Evaluationsberichts 2015

Abbil­dung 1–1:Elemente der Eva­lua­ti­on

Im ers­ten Schritt wer­den die Mel­dun­gen über die Erfül­lung der Nut­zungs­pflicht ana­ly­siert. Bei einem Abgleich ver­schie­de­ner Daten­quel­len über die Zahl an Hei­zungs­aus­tausch­fäl­len, die der Nut­zungs­pflicht des EWär­meG unter­lie­gen, tre­ten signi­fi­kan­te Unter­schie­de zwi­schen den Quel­len zu Tage. Dabei ver­zeich­nen sowohl die Mel­de­li­nie über die unte­ren Bau­rechts­be­hör­den und das Daten­por­tal des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts als auch die Mel­de­li­nie über die Schorn­stein­fe­ger und die unte­ren Bau­rechts­be­hör­den (die­se Mel­de­li­nie lie­fert aller­dings erst ab dem 01.07.2015 Daten) maxi­mal halb so vie­le Ver­pflich­tungs­fäl­le im Ver­gleich zu den Fall­zah­len, die sich aus den BDH-Markt­ab­satz­da­ten ablei­ten las­sen. Dafür sind ver­mut­lich ver­schie­de­ne Grün­de ver­ant­wort­lich: Die Befra­gung der Schorn­stein­fe­ger ergab, dass im Groß­teil der Fäl­le, bei denen die Nut­zungs­pflicht über eine Wär­me­pum­pe oder den Anschluss an ein Wär­me­netz erfüllt wird, kei­ne Mel­dung an die zustän­di­ge Bau­rechts­be­hör­de erfolgt. Sei­tens der Bau­rechts­be­hör­den wird zudem berich­tet, dass ein­zel­ne Schorn­stein­fe­ger gar kei­ne oder nur unvoll­stän­di­ge Mel­dun­gen machen. Es kann aller­dings davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass mit zuneh­men­der Akzep­tanz des elek­tro­ni­schen Mel­de­we­ges der Erfas­sungs­grad zunimmt. Die Befra­gung der unte­ren Bau­rechts­be­hör­den ergab außer­dem, dass eini­ge Behör­den aus Zeit- und Res­sour­cen­grün­den eine zügi­ge Daten­ein­ga­be nicht sicher­stel­len kön­nen und ent­spre­chend vie­le Nach­wei­se noch gar nicht ein­ge­tra­gen wur­den.

Wie die gesetz­li­che Nut­zungs­pflicht erfüllt wird, zeigt Abbil­dung 1–2 für Wohn­ge­bäu­de. Dabei müs­sen die Ände­run­gen beim Über­gang des EWär­meG alt zum EWär­meG neu berück­sich­tigt wer­den. Die Ände­run­gen betref­fen ins­be­son­de­re die Hoch­set­zung des Pflicht­an­teils, Anpas­sun­gen bei den zuläs­si­gen Erfül­lungs­op­tio­nen sowie die Mög­lich­keit, die Nut­zungs­pflicht über eine Kom­bi­na­ti­on aus ver­schie­de­nen Maß­nah­men zu erfül­len.

Für die Zahl der Erfül­lun­gen bei Wär­me­pum­pen und Wär­me­net­zen muss­ten Zusatz­an­nah­men getrof­fen wer­den, da bei die­sen Tech­no­lo­gi­en oft­mals kei­ne Schorn­stein­fe­ger­mel­dung erfolgt. Die sich dar­aus erge­ben­den Dis­kre­pan­zen bei der Mel­dung der Erfül­lungs­op­tio­nen wur­den durch ein Schätz­ver­fah­ren behan­delt, das im aus­führ­li­chen End­be­richt beschrie­ben ist.

Diagramm über die zeitliche Entwicklung des EWärmeG 2010 bis 2017

Abbil­dung 1–2: Zeit­li­che Ent­wick­lung des Erfül­lungs­mix (rela­ti­ve Ver­tei­lung) des EWär­meG über die gesam­te Lauf­zeit für Wohn­ge­bäu­de, Stand 30.06.2018

Aus der zeit­li­chen Ent­wick­lung der Zusam­men­set­zung des Erfül­lungs­mix las­sen sich für die Wohn­ge­bäu­de fol­gen­de tech­no­lo­gie­spe­zi­fi­schen Beob­ach­tun­gen ablei­ten: Der Anteil der Solar­ther­mie nimmt über den gesam­ten Zeit­ver­lauf des EWär­meG suk­zes­si­ve ab, auch im Gel­tungs­be­reich des EWär­meG neu. Der Anteil fes­ter Bio­mas­se ist im Zeit­ver­lauf schwan­kend, eine ein­deu­ti­ge Ten­denz ist nicht erkenn­bar. Wäh­rend die Bio­gas-Bei­mi­schung im Gel­tungs­be­reich des EWär­meG alt über die Jah­re suk­zes­si­ve auf einen Anteil von 35 % zunimmt (und damit am Ende die domi­nie­ren­de Erfül­lungs­op­ti­on dar­stellt), bricht der Anteil beim Über­gang auf die Bedin­gun­gen des EWär­meG neu zunächst um mehr als den Fak­tor 3 ein. Dies kann wohl dar­auf zurück­ge­führt wer­den, dass die Bio­gas-Bei­mi­schung nur noch in Kom­bi­na­ti­on mit einer ande­ren Maß­nah­me die Nut­zungs­pflicht erfüllt. Es ist aber zu erwar­ten, dass sich die Ent­wick­lung von die­sem Ein­bruch erho­len und die Bedeu­tung des Bio­ga­ses in den kom­men­den Jah­ren wie­der anstei­gen wird, da die Kom­bi­na­ti­on aus Bio­gas-Bei­mi­schung und SFP eine ver­hält­nis­mä­ßig ein­fach zu ver­wirk­li­chen­de und aus Per­spek­ti­ve der rei­nen Inves­ti­ti­ons­kos­ten güns­ti­ge Erfül­lungs­kom­bi­na­ti­on dar­stellt und zuneh­mend Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men Kom­bi­na­ti­ons­pro­duk­te (ins­be­son­de­re Bio­gas + Sanie­rungs­fahr­plan) anbie­ten. Bei der Bio­öl-Bei­mi­schung ist eine ähn­li­che Ent­wick­lung wie bei der Erfül­lungs­op­ti­on Bio­gas zu beob­ach­ten. Der Anteil von Wär­me­pum­pen liegt im gesam­ten Betrach­tungs­zeit­raum zwi­schen 4 % und 12 %, eine ein­deu­ti­ge Ten­denz nach oben oder unten ist nicht erkenn­bar. Es muss jedoch berück­sich­tigt wer­den, dass vie­le Gebäu­de, die der Nut­zungs­pflicht unter­lie­gen, auf­grund eines gerin­gen Wär­me­schutz­stan­dards für Wär­me­pum­pen unge­eig­net sind. Auf der ande­ren Sei­te erfül­len vie­le sanier­te

Gebäu­de, die sich für Wär­me­pum­pen prin­zi­pi­ell eig­nen wür­den, die Nut­zungs­pflicht schon über die Ersatz­maß­nah­me Wär­me­schutz. Der Anteil der PV im Erfül­lungs­mix nimmt beim Über­gang zum EWär­meG neu stark zu. Auf­grund der guten För­de­rung durch das EEG sowie der EEG-indu­zier­ten hohen Durch­drin­gungs­ra­te von PV-Anla­gen in Baden-Würt­tem­berg kann jedoch davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass vie­le der in Anrech­nung gebrach­ten PV-Anla­gen auf den Gebäu­den schon vor­han­den waren und somit in die­sem Bereich dem EWär­meG nur ein klei­ner zusätz­li­cher Nut­zen zuge­schrie­ben wer­den kann. Dies wird durch die Ergeb­nis­se der Brei­ten­be­fra­gung bestä­tigt. Auch der Anteil der Erfül­lungs­op­ti­on bau­li­cher Wär­me­schutz nimmt beim Über­gang in den Wir­kungs­be­reich des EWär­meG neu deut­lich zu. Die Erfül­lungs­op­ti­on des gebäu­de­in­di­vi­du­el­len Sanie­rungs­fahr­plans (SFP) wird in 2016 und 2017 in rund 17 % der Ver­pflich­tungs­fäl­le gewählt. Das dürf­te u.a. dar­an lie­gen, dass der SFP eine Mög­lich­keit dar­stellt, in Kom­bi­na­ti­on mit ande­ren „nie­der­schwel­li­gen“ Maß­nah­men wie der Bei­mi­schung von Bio­gas oder Bio­öl, die Nut­zungs­pflicht ohne gro­ßen tech­ni­schen Umstel­lun­gen im Hei­zungs­kel­ler zu erfül­len. Bei Solar­kol­lek­to­ren erlaubt die Kom­bi­na­ti­on mit dem SFP auf ein kom­ple­xe­res Sys­tem mit Hei­zungs­un­ter­stüt­zung zu ver­zich­ten.

Abbil­dung 1–3 zeigt die rela­ti­ve Ver­tei­lung der Pflicht­er­fül­lungs­fäl­le des EWär­meG neu im Bereich der Nicht­wohn­ge­bäu­de1. Bei der Inter­pre­ta­ti­on sind die gerin­gen Fall­zah­len, also die gerin­ge Anzahl an Erfül­lungs­nach­wei­sen, die die unte­ren Bau­rechts­be­hör­den (uBRB) bis­lang in das Daten­mel­de­por­tal des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts (IDEV-Por­tal) ein­ge­ge­ben haben, zu berück­sich­ti­gen.

Diagramm über die zeitliche Entwicklung des EWärmeG bei Nichtwohngebäuden 2010 bis 2017

Abbil­dung 1–3: Zeit­li­che Ent­wick­lung des Erfül­lungs­mix (rela­ti­ve Ver­tei­lung) des EWär­meG neu für NWG (2015 nur 2. Halb­jahr), Stand 30.06.2018

Die Ana­ly­se des Hei­zungs­markts in Baden-Würt­tem­berg basie­rend auf ver­schie­de­nen Markt­ana­ly­sen und För­der­sta­tis­ti­ken zeigt, dass bezo­gen auf die Dyna­mik des Aus­baus erneu­er­ba­rer Ener­gi­en Baden-Würt­tem­berg im Bun­des­ver­gleich an der Spit­ze nach Bay­ern liegt, das bedingt durch Ein­kom­men, Gebäu­de­struk­tur, Solar- und Bio­mas­se­auf­kom­men und sozio­de­mo­gra­fi­schen Ent­wick­lun­gen tra­di­tio­nell eine hohe EE-Nach­fra­ge hat. Von einer guten Posi­ti­on aus­ge­hend konn­te Baden-Würt­tem­berg zudem den Anteil erneu­er­ba­rer Ener­gi­en an der Wär­me­ver­sor­gung zwi­schen 2010 und 2016 stär­ker stei­gern als im Bun­des­ge­biet. Auch das Inter­es­se an EE-Hei­zun­gen – gemes­sen als Ange­bots­an­fra­gen z. B. des Deut­schen Auf­trags­diens­tes – ist in Baden-Würt­tem­berg grö­ßer als in ande­ren Bun­des­län­dern.

Spe­zi­ell für die über das Markt­an­reiz­pro­gramm (MAP) geför­der­ten EE-Anla­gen weist Baden-Würt­tem­berg nach dem Spit­zen­rei­ter Bay­ern fast durch­wegs deut­lich höhe­re Antrags­zah­len pro Ein­woh­ner auf als der Bund und die bei­den ana­ly­sier­ten Ver­gleichs­län­der Hes­sen und Rhein­land-Pfalz – wobei der Bun­des­trend von Bay­ern und Baden-Würt­tem­berg mit­ge­prägt wird. Bei Wär­me­pum­pen lag die Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg vor Inkraft­tre­ten des Geset­zes gemäß den Absatz­zah­len des Bun­des­ver­bands der Deut­schen Hei­zungs­in­dus­trie (BDH) unter dem Bun­des­trend. Es folgt ein kurz­fris­ti­ges Empor­schnel­len der Aus­bau­zah­len im Gebäu­de­be­stand nach Inkraft­tre­ten des EWär­meG, das 2012 wie­der ver­ebbt. Hier lässt sich ver­mu­ten, dass die­se Ent­wick­lung mit der gleich­zei­ti­gen mas­si­ven Erhö­hung der Heiz­strom­prei­se in Baden-Würt­tem­berg zusam­men­hängt. Inzwi­schen hat sich ein grö­ße­rer bun­des­wei­ter Heiz­strom­markt ent­wi­ckelt, die Heiz­strom­prei­se sind aber auf hohem Niveau geblie­ben bzw. wei­ter ange­stie­gen, was den Aus­bau von Wär­me­pum­pen im Gebäu­de­be­stand auch bun­des­weit erheb­lich brem­sen dürf­te. 2016 folgt ent­kop­pelt vom Bun­des­trend ein zwei­tes Spit­zen­jahr.

Beim Blick auf die baden-würt­tem­ber­gi­schen Bio­mas­se-Anla­gen im Gebäu­de­be­stand zeigt sich eine Ent­kopp­lung vom bun­des­wei­ten Trend und ein stär­ke­rer Zuwachs bei nicht-geför­der­ten Anla­gen nach 2010. Damit lie­fern die Zah­len ein deut­li­ches Indiz für eine posi­ti­ve Wir­kung des EWär­meG für den Aus­bau von Wär­me aus Bio­mas­se. Die Daten­ba­sis der abge­setz­ten Anla­gen ist hier aller­dings weni­ger belast­bar als bei den Wär­me­pum­pen. Bei den MAP-geför­der­ten Bio­mas­se-Anla­gen liegt die Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg durch­ge­hend leicht ober­halb des bun­des­wei­ten Trends; hier ist bei den geför­der­ten Anla­gen eine gerin­ge Wir­kung des EWär­meG zu ver­mu­ten.

Bei der Solar­ther­mie zei­gen sowohl Absatz- als auch För­der­zah­len einen ernüch­tern­den Rück­gang des Anla­gen­zu­baus im Bun­des­ge­biet wie in Baden-Würt­tem­berg. Eine för­der­li­che Wir­kung des EWär­meG in Baden-Würt­tem­berg lässt sich aus den Zah­len nicht ablei­ten, aller­dings auch kei­ne nega­ti­ven Effek­te.

Bei Wär­me­net­zen ist auf­grund der ein­ge­schränk­ten Daten­la­ge kei­ne direk­te Aus­sa­ge über die Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg im Ver­gleich zum bun­des­wei­ten Trend mög­lich.

Ins­ge­samt las­sen sich posi­ti­ve, aber nicht sehr star­ke Effek­te des EWär­meG auf den Anla­gen­zu­bau erken­nen. Offen­sicht­lich prä­gen wesent­lich stär­ke­re Ursa­chen für Ver­än­de­run­gen im Anla­gen­zu­bau die all­ge­mei­nen Markt­ten­den­zen, allen vor­an Ener­gie­prei­se, außer­dem die Umsatz­steu­er­ent­wick­lung sowie MAP-inter­ne Effek­te wie Ver­än­de­run­gen der För­der­richt­li­ni­en oder der För­der­stopp 2010.

Zur Fra­ge einer Ver­lang­sa­mung der Moder­ni­sie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten (Atten­tis­mus) beim Kes­sel­tausch infol­ge des EWär­meG ist die Daten­la­ge unbe­frie­di­gend und wider­sprüch­lich. Die Absatz­ent­wick­lung des BDH deu­tet auf einen Vor­zieh­ef­fekt vor der Eta­blie­rung des Geset­zes und der Novel­le und eine anschlie­ßend etwas gerin­ge­re Moder­ni­sie­rungs­ra­te hin, die sich dann wie­der erholt. Aus der End­kun­den­be­fra­gung ergibt sich kaum ein Hin­weis auf einen Atten­tis­mus. Die­ser wür­de zudem allein die Öl- und Gas­kes­sel betref­fen und zu einem Teil durch stei­gen­de Absät­ze bei Wär­me­pum­pen und Bio­mas­se-Anla­gen abge­schwächt. Die Moder­ni­sie­rungs­ra­ten in Baden-Würt­tem­berg haben sich seit ihrem Abfall im Jahr 2010 deut­lich erholt und lagen 2014 und 2015 in ähn­li­cher Höhe wie im Bun­des­ge­biet – hier waren aller­dings mög­li­cher­wei­se auch Vor­zieh­ef­fek­te im Zusam­men­hang mit der EWär­meG-Novel­le ent­hal­ten; 2016 lag die Moder­ni­sie­rungs­ra­te wie­der leicht nied­ri­ger als zuvor.

Eine Ver­lang­sa­mung der Moder­ni­sie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten bei der Hei­zungs­er­neue­rung lässt sich nur teil­wei­se durch einen Abgleich mit ande­ren Quel­len vali­die­ren. Die Daten der Schorn­stein­fe­ger­sta­tis­tik sind inkon­sis­tent und vor dem Hin­ter­grund der gesetz­li­chen Grund­la­ge seit 2010 weni­ger gut geeig­net, ver­läss­li­che Zah­len zu lie­fern.

Daher wird im Fol­gen­den die Ent­wick­lung der Moder­ni­sie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten dif­fe­ren­ziert betrach­tet. Eine Ver­lang­sa­mung beim Hei­zungs­tausch ist zunächst ein­mal kri­tisch zu sehen. Aller­dings erge­ben sich beim Tausch von Öl- und Gas­hei­zun­gen ohne Ener­gie­trä­ger­wech­sel Lock-In-Effek­te. Die­se Lock-In-Effek­te erschwe­ren es, die Kli­ma­schutz­zie­le zu errei­chen, da die­se Kes­sel mit fos­si­len Ener­gie­trä­gern dann wei­te­re Jahr­zehn­te betrie­ben wer­den. Auf­grund ihrer hohen spe­zi­fi­schen CO2-Emis­sio­nen gilt dies für Ölkes­sel noch stär­ker als für Gas­kes­sel.

Die Betrach­tung von Sanie­run­gen der Gebäu­de­hül­le und wei­te­re Effi­zi­enz­maß­nah­men zeigt: Her­aus­ra­gend in Baden-Würt­tem­berg ist die posi­ti­ve Ent­wick­lung der Ener­gie­be­ra­tun­gen im Betrach­tungs­zeit­raum. Hier spie­len sicher­lich die guten Rah­men­be­din­gun­gen für Ener­gie­be­ra­tung eine Rol­le; ein zusätz­li­cher Impuls durch das EWär­meG ist aber wahr­schein­lich.

Die KfW-geför­der­ten Sanie­rungs­maß­nah­men über die Pro­gram­me Ener­gie­ef­fi­zi­ent Sanie­ren – Ein­zel­maß­nah­men (Kre­dit) und Zuschuss zei­gen bei den Ein­zel­maß­nah­men eine bes­se­re Ent­wick­lung als im Bun­des­ge­biet. Bei ins­ge­samt ver­gleich­ba­rer Ent­wick­lung zeigt sich ein etwas schwä­che­rer Trend zur Zuschuss­för­de­rung als in ande­ren Län­dern.

Ins­ge­samt deu­tet die Daten­la­ge zu Ener­gie­be­ra­tun­gen und KfW-geför­der­ten Sanie­rungs­maß­nah­men auf leicht posi­ti­ve Impul­se durch das EWär­meG hin.

Schließ­lich ist bei der Bewer­tung der Effek­te des EWär­meG zu berück­sich­ti­gen, dass sowohl der Zeit­punkt von Effi­zi­enz­maß­nah­men wie dem Kes­sel­tausch als auch die Ent­schei­dung für erneu­er­ba­re Ener­gi­en durch viel­fäl­ti­ge Ursa­chen beein­flusst wer­den. Glei­ches gilt für die Maß­nah­men zur Gebäu­de­sa­nie­rung. Eine wesent­li­che Rol­le spie­len die Ener­gie­preis­ent­wick­lung und die rela­ti­ve wirt­schaft­li­che Attrak­ti­vi­tät der ein­zel­nen Ener­gie­trä­ger, aber auch ande­re Fak­to­ren wie Ände­run­gen von För­der­be­din­gun­gen bis hin zu För­der­stopps. Vor allem aber soll­te bei der Bewer­tung die lang­fris­ti­ge Ziel­er­rei­chung im Vor­der­grund ste­hen: eine Umstel­lung auf erneu­er­ba­re Ener­gi­en hat lang­fris­tig deut­lich grö­ße­re CO2-Min­de­rungs­ef­fek­te als ein Aus­tausch alter gegen neue fos­sil befeu­er­te Kes­sel.

Das EWär­meG wird von ver­schie­de­nen Akteu­ren unter­schied­lich wahr­ge­nom­men und bewer­tet. Um die Band­brei­te der Wir­kun­gen und Per­spek­ti­ven bes­ser abschät­zen zu kön­nen, wur­den im Rah­men einer Rei­he von Unter­su­chun­gen ver­schie­de­ne Akteu­re befragt:

  • Haus­ei­gen­tü­mer: Es wur­den 500 Haus­hal­te in Baden-Würt­tem­berg befragt, die seit Mit­te 2015 einen Kes­sel­tausch vor­ge­nom­men hat­ten und zur Ein­hal­tung des EWär­meG ver­pflich­tet waren. Eine zwei­te Befra­gung bei einer Grup­pe ver­gleich­ba­rer Haus­ei­gen­tü­mer ohne Ver­pflich­tung (eben­falls 500) ermög­licht im Rah­men eines Kon­troll­grup­pen­de­signs die Absi­che­rung der Ergeb­nis­se. Die Befra­gun­gen wur­den mit Hil­fe tele­fo­ni­scher Inter­views von Kant­ar Emnid durch­ge­führt.
  • Hand­werks­be­trie­be: Im Rah­men des vom Umwelt­mi­nis­te­ri­um Baden-Würt­tem­berg geför­der­ten und von ifeu in Koope­ra­ti­on mit wei­te­ren Pro­jekt­part­nern – iTB, IÖW und Fraun­ho­fer FIT – durch­ge­führ­ten Pro­jek­tes „c.HANGE – Hand­werk als Gestal­ter der Ener­gie­wen­de“ wur­den in Zusam­men­ar­beit mit dem Fach­ver­band SHK zwi­schen Sep­tem­ber 2017 und Janu­ar 2018 ca. 3.600 Hei­zungs­hand­wer­ker zur Teil­nah­me an einer Online-Befra­gung auf­ge­ru­fen. Ins­ge­samt 152 Betrie­be haben an der Befra­gung teil­ge­nom­men. In die­se Unter­su­chung wur­den Fra­gen zum EWär­meG inte­griert.
  • Schorn­stein­fe­ger: In Koope­ra­ti­on mit dem Lan­des­in­nungs­ver­band des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks Baden-Würt­tem­berg (LIV) wur­de eine Online­be­fra­gung durch­ge­führt. Über den LIV wur­den rund 900 Betrie­be zur Teil­nah­me auf­ge­for­dert, 250 Betrie­be nah­men an der Unter­su­chung teil.
  • Woh­nungs- und Immo­bi­li­en­ge­sell­schaf­ten: In Koope­ra­ti­on mit dem vbw Ver­band baden-würt­tem­ber­gi­scher Woh­nungs- und Immo­bi­li­en­un­ter­neh­men e.V. wur­de eine Online­be­fra­gung durch­ge­führt, an der sich 50 Woh­nungs- und Immo­bi­li­en­ge­sell­schaf­ten betei­lig­ten. Die teil­neh­men­den Gesell­schaf­ten besit­zen im Durch­schnitt jeweils rund 250 Gebäu­de mit ins­ge­samt knapp 2.000 Woh­nun­gen.
  • Ergän­zend zu den Befra­gun­gen wur­den ein­stün­di­ge Tie­fen­in­ter­views mit Exper­ten durch­ge­führt, die in unter­schied­li­chen Kon­tex­ten mit dem EWär­meG befasst sind. Außer­dem wur­den im Rah­men eines Work­shops am 29.01.2018 mit Exper­ten und Sta­ke­hol­der die ers­ten Ergeb­nis­se der Eva­lu­ie­rung dis­ku­tiert.

Über­ein­stim­mend unter­stüt­zen alle Akteu­re mehr­heit­lich den Aus­bau von erneu­er­ba­ren Ener­gi­en. Die Ein­schät­zung des EWär­meG dage­gen ist weni­ger ein­heit­lich: Häu­fi­ge Argu­men­te gegen das Gesetz sind über­grei­fend die Bevor­zu­gung einer natio­na­len Rege­lung und Befürch­tun­gen über – im Ver­gleich zu den Effek­ten – hohe Kos­ten. Ande­re häu­fig genann­te Kri­tik­punk­te ins­be­son­de­re von Hand­werks­be­trie­ben und Schorn­stein­fe­gern über einen durch das EWär­meG beding­ten Sanie­rungs­stau bei Haus­hal­ten, kön­nen durch die Haus­halts­be­fra­gun­gen nicht bestä­tigt wer­den (s.o.).

Die Pflicht­er­fül­lung nach EWär­meG wird von den Akteu­ren über­wie­gend als unpro­ble­ma­tisch ein­ge­schätzt. Posi­tiv gese­hen wird die Brei­te an Erfül­lungs­op­tio­nen, die es ermög­licht, indi­vi­du­el­le Lösun­gen zu fin­den. Zusätz­lich wer­den Ide­en zu Ver­än­de­run­gen und Ergän­zun­gen bei den Erfül­lungs­op­tio­nen geäu­ßert. Eine Ver­schär­fung des EWär­meG wird über­wie­gend abge­lehnt. Der admi­nis­tra­ti­ve Auf­wand wird teil­wei­se kri­ti­siert, die Ein­schät­zung der Schorn­stein­fe­ger zum Mel­de­sys­tem zeigt aber, dass für vie­le Betrie­be der Auf­wand über­schau­bar ist. Ver­bes­se­run­gen soll der wei­te­re Aus­bau elek­tro­ni­scher Mel­de­sys­te­me brin­gen.

Die meis­ten Haus­hal­te suchen im Zuge der Hei­zungs­er­neue­rung und damit auch im Zuge der Umset­zung des EWär­meG Bera­tung, dabei sind Hand­werks­be­trie­be und Schorn­stein­fe­ger wich­ti­ge Infor­ma­ti­ons­ver­mitt­ler. Sowohl der Bera­tungs­be­darf als auch der Bera­tungs­auf­wand lässt sich aus den Befra­gungs­er­geb­nis­sen gut able­sen. Ein Schlüs­sel zur Errei­chung der Zie­le des EWär­meG ist also eine gute Ein­bin­dung und Schu­lung der Akteu­re.

Die Unter­su­chung der tech­ni­schen und wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung der EE-Wär­me Erfül­lungs­op­tio­nen zei­gen, dass sich ins­be­son­de­re bei den brenn­stoff­ba­sier­ten Erfül­lungs­tat­be­stän­den – Bio­me­than und Bio­heiz­öl eine dyna­mi­sche Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg erge­ben hat. Ein Ver­gleich zu den ande­ren Bun­des­län­dern zeigt, dass das Pro­dukt­an­ge­bot an Bei­misch­pro­duk­ten sowohl für Erd­gas mit Bio­me­than­an­teil, als auch Heiz­öl EL Bio 10 in Baden-Würt­tem­berg eine sehr viel höhe­re Ver­brei­tung hat. Bio­me­than­pro­duk­te wer­den mit Sanie­rungs­fahr­plan zur Erfül­lung des EWär­meG von Stadt­wer­ken als Paket ange­bo­ten und bewor­ben. Auch die Ver­füg­bar­keit von Bio­heiz­öl ist bei Heiz­öl­händ­lern in allen Post­leit­zahl­ge­bie­ten vor­han­den. So bie­ten 64 % der unter­such­ten Heiz­öl­händ­ler in Baden-Würt­tem­berg Bio­heiz­öl­pro­duk­te an, wäh­rend die Stich­pro­be in ande­ren Bun­des­län­dern zeigt, dass hier kaum Pro­duk­te ver­füg­bar sind. Inno­va­ti­ve Pro­duk­te bei den tech­no­lo­gie­ba­sier­ten Erfül­lungs­op­tio­nen sind dage­gen weni­ger ver­brei­tet, jedoch ver­ein­zelt vor­han­den, wie bei­spiels­wei­se Miet­an­ge­bo­te für Heiz­sys­te­me mit frei­er Aus­wahl der Tech­no­lo­gie zur Erfül­lung des EWär­meG.

Beim Ver­gleich der Wirt­schaft­lich­keit zeigt sich, dass in Abhän­gig­keit von der ange­nom­me­nen Ener­gie­preis­ent­wick­lung die spe­zi­fi­schen Wär­me­ge­ste­hungs­kos­ten der ein­zel­nen Tech­no­lo­gi­en sehr nahe bei­ein­an­der lie­gen. Aller­dings sind im Wohn­ge­bäu­de­be­reich oft­mals die Höhe der Inves­ti­tio­nen ein ent­schei­den­der Fak­tor und nicht die öko­no­mi­sche Bewer­tung anhand einer Kapi­tal­wert­be­rech­nung. Im Ver­gleich der not­wen­di­gen Anla­ge­inves­ti­tio­nen zeigt sich ein deut­li­cher Abstand zwi­schen fos­si­len Brenn­wert­kes­seln und den tech­no­lo­gie­ba­sier­ten Erfül­lungs­op­tio­nen – Wär­me­pum­pen, Solar­ther­mie und Bio­mas­se­kes­seln, wäh­rend bei Bio­me­than und Bio­heiz­öl zwar höhe­re Ener­gie­kos­ten anfal­len, jedoch kei­ne Mehr­in­ves­ti­tio­nen erfor­der­lich sind. Der Höhe des Abstands der Gesamt­in­ves­ti­tio­nen der EE-Wär­me Tech­no­lo­gi­en zu den fos­si­len Refe­renz­tech­no­lo­gi­en spie­gelt sich in den Antei­len der gewähl­ten Erfül­lungs­op­tio­nen wider. Die Ent­wick­lung der Gesamt­in­ves­ti­ti­ons­kos­ten, die der Gebäu­de­ei­gen­tü­mer beim Kauf und Instal­la­ti­on der Anla­gen vom Hei­zungs­in­stal­la­teur auf­brin­gen muss, zeigt, dass über die letz­ten zehn Jah­re in Deutsch­land kei­ne Reduk­ti­on rea­li­siert wur­de, son­dern die Höhe der Gesamt­an­la­gen­in­ves­ti­tio­nen sogar gestie­gen sind.

Die als Erfül­lungs­op­ti­on erstell­ten SFP erfül­len oft­mals die Auf­ga­be, die oft weni­ger bis kaum inter­es­sier­ten Gebäu­de­ei­gen­tü­mer für den ener­ge­ti­schen Zustand und den Sanie­rungs­be­darf ihres Gebäu­des zu sen­si­bi­li­sie­ren und zumin­dest mit­tel- bis lang­fris­tig zur Maß­nah­men­um­set­zung zu moti­vie­ren. Dies trifft nach Aus­sa­gen der Aus­stel­ler ins­be­son­de­re auf Eigen­tü­mer selbst­ge­nutz­ter Ein­fa­mi­li­en­häu­ser zu. Der Ein­fluss des SFP auf eine unmit­tel­ba­re, kurz­fris­ti­ge Maß­nah­men­um­set­zung scheint eher gerin­ger zu sein. Kurz­fris­tig wer­den eher klei­ne­re Maß­nah­men umge­setzt, trotz­dem ist auch eine kurz­fris­ti­ge Wir­kung des SFP mess­bar. Die Mehr­heit der Gebäu­de­ei­gen­tü­mer ist mit der Bera­tungs­wir­kung des SFP und sei­nen Erläu­te­run­gen zufrie­den. Ins­be­son­de­re als mit­tel- bis lang­fris­tig nutz­ba­res Instru­ment für gegen­wär­tig wenig inter­es­sier­te Eigen­tü­mer ist er wert­voll. Die Bewer­tung des Haupt­do­ku­ments des SFP ist hete­ro­gen. Zum einen ist der SFP dadurch über­sicht­lich und kurz, zum ande­ren kön­nen nicht alle wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen ver­mit­telt wer­den. Eini­ge der Ener­gie­be­ra­ter behel­fen sich daher mit zusätz­li­chen aus­führ­li­chen Ener­gie­be­ra­tungs­be­rich­ten zusätz­lich zum sechs­sei­ti­gen Fahr­plan und dem Anhang. SFP-Emp­fän­ger, die den SFP außer­halb des EWär­meG erstel­len lie­ßen, bewer­ten des­sen Bera­tungs­qua­li­tät etwas schlech­ter. Dies könn­te ein Hin­weis dar­auf sein, dass die Erwar­tun­gen die­ser Ziel­grup­pe höher sind.

Die Inten­si­tät der per­sön­li­chen Bera­tung wird dem tat­säch­li­chen Inter­es­se der Gebäu­de­ei­gen­tü­mer ange­passt. Zugleich, so das Ergeb­nis der Befra­gung, erfolgt die Bera­tung in der Regel enga­giert und kom­pe­tent und zur Zufrie­den­heit der Kun­den. Gera­de die inter­view­ten Ener­gie­be­ra­ter mit einer gro­ßen Anzahl erstell­ter SFP schei­nen hohe Kom­pe­tenz und Enga­ge­ment auf­zu­wei­sen. Aller­dings wird ange­merkt, dass der SFP nicht geeig­net scheint, die gro­ße Zahl älte­rer Gebäu­de­ei­gen­tü­mer zu errei­chen. Zu ver­füg­ba­ren För­der­mit­teln scheint ein star­kes Infor­ma­ti­ons­be­dürf­nis zu bestehen, wel­ches oft mit dem SFP nicht gedeckt wer­den kann.

Der NWG-SFP wird von den Gebäu­de­ei­gen­tü­mern eben­falls über­wie­gend posi­tiv bewer­tet. Zur Wir­kung des NWG-SFP kann an die­ser Stel­le kei­ne gesi­cher­te Aus­sa­ge getrof­fen wer­den. Nach Aus­kunft der inter­view­ten Aus­stel­ler, die ins­ge­samt jedoch wenig Erfah­rung mit NWG-SFP haben, wird aus die­sen SFP weni­ger umge­setzt als bei den WG-SFP. Alle NWG-Eigen­tü­mer, die befragt wur­den, lie­ßen den SFP als Erfül­lungs­op­ti­on erstel­len. Ob also der NWG-SFP eine über die EWär­meG-Erfül­lung hin­aus­ge­hen­de Rol­le ein­nimmt, kann auf der Basis der Befra­gung nicht bewer­tet wer­den.

Bei einer Detail­ana­ly­se der Wohn­ge­bäu­de-SFP muss aller­dings bei vie­len SFP eine nicht aus­rei­chen­de Qua­li­tät fest­ge­stellt wer­den, die sich z. B. in einer nicht plau­si­blen Sanie­rungs­stra­te­gie doku­men­tiert. Nur 26 % der nicht von der L‑Bank geför­der­ten SFP berück­sich­ti­gen die indi­vi­du­el­le Situa­ti­on des Bera­tungs­emp­fän­gers. Auf Sei­ten der SFP-Aus­stel­ler besteht daher Hand­lungs- und Ver­bes­se­rungs­be­darf. Durch Qua­li­täts­si­che­rungs­maß­nah­men, Schu­lun­gen und Soft­ware­an­pas­sun­gen kann die Metho­dik der SFP-VO den SFP-Aus­stel­lern ver­deut­licht wer­den, sodass lang­fris­ti­ge und ambi­tio­nier­te Sanie­rungs­stra­te­gi­en ent­wi­ckelt wer­den, deren Bera­tung das Ziel eines nahe­zu kli­ma­neu­tra­len Gebäu­des ist und den Bera­tungs­emp­fän­ger per­sön­lich zur Sanie­rung moti­viert. Die geför­der­ten und nicht geför­der­ten Wohn­ge­bäu­de-SFP für Wohn­ge­bäu­de unter­schei­den sich nur gering­fü­gig von­ein­an­der.

Die Qua­li­tät der Sanie­rungs­fahr­plä­ne für Nicht­wohn­ge­bäu­de ist eben­falls nicht zufrie­den­stel­lend. Unzu­rei­chen­de Berück­sich­ti­gung fan­den ins­be­son­de­re die Nut­zer­wün­sche, Ziel­vor­ga­ben und För­der­mög­lich­kei­ten. Zudem war die weit über­wie­gen­de Zahl der Berich­te nicht voll­stän­dig. Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass die vom Minis­te­ri­um ver­öf­fent­lich­te „Check­lis­te zur Erstel­lung eines gebäu­de­in­di­vi­du­el­len Sanie­rungs­fahr­plans Baden-Würt­tem­berg – Nicht­wohn­ge­bäu­de –“ von den Aus­stel­lern nicht genutzt wur­de.

Berich­te, die neben hand­werk­li­chen Feh­lern hin­sicht­lich der ener­ge­ti­schen Bewer­tung sowie Dar­stel­lung der Kos­ten den Grund­ge­dan­ken des Sanie­rungs­fahr­plans offen­sicht­lich nicht zum Aus­druck brin­gen, hel­fen dem Bera­tungs­emp­fän­ger lei­der nicht bei sei­ner Ent­schei­dung, wie sein Gebäu­de Teil des kli­ma­neu­tra­len Gebäu­de­be­stands wer­den kann. Der Ein­druck drängt sich auf, dass die über­wie­gen­de Anzahl der geprüf­ten Sanie­rungs­fahr­plä­ne für Nicht­wohn­ge­bäu­de aus­schließ­lich zur Erfül­lung des EWär­meG aus­ge­stellt wur­den. Auf Basis die­ser Ana­ly­se wer­den ver­schie­de­ne Wei­ter­ent­wick­lungs­op­tio­nen ent­wi­ckelt (sie­he unten).

Gemes­sen an den Antrags- und Bewil­li­gungs­zah­len wird das För­der­pro­gramm mäßig ange­nom­men. Die Befra­gungs­er­geb­nis­se zei­gen, dass das Pro­gramm Sanie­rungs­im­pul­se gene­riert, die über eine Ohne­hin-Ent­wick­lung hin­aus­ge­hen. Aller­dings dient ein Groß­teil der geför­der­ten SFP der Erfül­lung des EWär­meG, wäh­rend die Impul­se außer­halb des EWär­meG (noch) sehr gering sind. Die Schluss­fol­ge­rung, dass die För­de­rung die Zahl der aus­ge­stell­ten SFP nur unwe­sent­lich erhöht, erscheint plau­si­bel. Das Umwelt­mi­nis­te­ri­um hat im Sep­tem­ber 2018 eine Been­di­gung der För­de­rung ange­kün­digt.

Die Ana­ly­sen zum Voll­zug des EWär­meG erge­ben ein recht ernüch­tern­des Bild: der Voll­zug ist der­zeit nicht aus­rei­chend sicher­ge­stellt. Haupt­pro­blem ist, dass die Voll­zugs­be­hör­den für die Wahr­neh­mung die­ser Auf­ga­be quan­ti­ta­tiv und teil­wei­se auch qua­li­ta­tiv nicht aus­rei­chen­de per­so­nel­le Kapa­zi­tä­ten zur Ver­fü­gung stel­len. Dies führt dazu, dass der Voll­zug nicht immer in hoher Qua­li­tät und zeit­nah umge­setzt wer­den kann.

Voll­zugs­pro­zes­se wer­den auf unter­schied­lichs­te Wei­se durch­ge­führt. Per­so­nel­le Kapa­zi­tä­ten müs­sen für Fris­ten­über­wa­chung, Abgleich von Lis­ten und Prü­fung for­ma­ler Aspek­te, z.B. Voll­stän­dig­keit der Nach­wei­se mit allen not­wen­di­gen Unter­schrif­ten und ent­spre­chen­de Nach­for­de­run­gen ein­ge­setzt wer­den – schon die for­mel­le Prü­fung der Nach­wei­se ist zeit­in­ten­siv und nimmt nach Aus­sa­ge der befrag­ten uBRB-Mit­ar­bei­ter das Zeit­bud­get voll­stän­dig in Anspruch. Infol­ge­des­sen sind die Kapa­zi­tä­ten für eine inhalt­li­che Prü­fung ent­spre­chend gering bzw. feh­len, und/oder die tech­ni­sche Fach­kennt­nis dafür ist nicht aus­rei­chend. Eine inhalt­li­che Prü­fung der Erfül­lung wird ent­spre­chend sel­ten umge­setzt. Stich­pro­ben zur Prü­fung umge­setz­ter Maß­nah­men wer­den i.d.R. nicht durch­ge­führt, wodurch die Prü­fung der Erfül­lung auf die Kon­trol­le der For­mu­la­re beschränkt bleibt.

Zu den Voll­zugs­pro­ble­men tra­gen auch ande­re Voll­zugs­ak­teu­re bei, näm­lich die Sach­kun­di­gen, die teil­wei­se ihrer Hin­weis­pflicht nicht nach­kom­men, und die Schorn­stein­fe­ger, die teil­wei­se ihrer Mel­de­pflicht nicht unauf­ge­for­dert und zeit­nah nach­kom­men.

Inwie­weit eine Ver­bes­se­rung des Voll­zugs die Wir­kung des EWär­meG ver­bes­sern wür­de, ist schwer abschätz­bar. Eine Ent­las­tung der uBRB bei der Durch­füh­rung der Voll­zugs­auf­ga­ben könn­te mög­li­cher­wei­se durch Soft­ware­tools für die Erleich­te­rung der for­ma­len Prü­fung sowie durch eine Aus­la­ge­rung der inhalt­li­chen Nach­weis­prü­fung an ent­spre­chend kom­pe­ten­te exter­ne Drit­te erreicht wer­den.

Die Eva­lu­ie­rung, ob und in wel­chem Aus­maß durch die ver­pflich­ten­de Nut­zung von Erneu­er­ba­ren im Gebäu­de­be­stand Umwelt­schä­den ver­mie­den wer­den konn­ten, wur­de mit­tels einer Wir­kungs­ab­schät­zung auf Basis der jähr­li­chen Ver­pflich­tungs­fäl­le und Ein­spa­rung je Erfül­lungs­op­ti­on für Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäu­de durch­ge­führt. Um dabei jene Effek­te zu quan­ti­fi­zie­ren, die maß­geb­lich auf das Gesetz zurück­zu­füh­ren sind, wur­den bereits vor dem Kes­sel­tausch vor­han­de­ne Erfül­lungs­op­tio­nen (Pho­to­vol­ta­ik, Gebäu­de­däm­mung und Solar­ther­mie­an­la­gen) und nicht durch das Gesetz indu­zier­ter Ein­satz von erneu­er­ba­ren Ener­gi­en und Ersatz­maß­nah­men (v.a. Anla­gen die ohne­hin ange­dacht waren) expli­zit berück­sich­tigt. Außer­dem wer­den Vor­zieh­ef­fek­te und Effek­te auf­grund des (gering­fü­gi­gen) Atten­tis­mus erfasst. Dabei wer­den die mit den vor­ge­zo­ge­nen Moder­ni­sie­run­gen ver­bun­de­nen Ein­spa­run­gen zusätz­lich quan­ti­fi­ziert. Im Gegen­zug wer­den ent­gan­ge­ne Ein­spa­run­gen auf­grund ver­zö­ger­ten Kes­sel­tauschs nega­tiv ange­las­tet. Ein­spa­run­gen auf­grund der Effi­zi­enz­stei­ge­rung des Kes­sels wur­den nicht berück­sich­tigt, da die­se auf­grund des Aus­lö­se­tat­be­stan­des Kes­sel­tauschs auch ohne das Gesetz ange­fal­len wären.

Ver­schie­de­ne Unsi­cher­heits­fak­to­ren, wie u.a. die Dis­kre­panz der Fall­zah­len oder die tat­säch­lich gewähl­ten Erfül­lungs­op­tio­nen erlau­ben nur eine nähe­rungs­wei­se Beschrei­bung des tat­säch­li­chen Effekts. Anders als bei der Eva­lu­ie­rung vie­ler ande­rer Instru­men­te und För­der­pro­gram­me wur­de bei der Wir­kungs­ab­schät­zung für das EWär­meG restrik­tiv vor­ge­gan­gen und z.B. alle Mit­nah­me­ef­fek­te her­aus­ge­rech­net. Dies ist auch beim Ver­gleich mit der Wir­kungs­ab­schät­zung in der Eva­lua­ti­on des ursprüng­li­chen EWär­meG von 2011 zu berück­sich­ti­gen.

Die Ana­ly­se zeigt, dass dem EWär­meG eine nen­nens­wer­te Wir­kung zuge­ord­net wer­den kann. Vom Zeit­punkt des Inkraft­tre­tens des Geset­zes bis 2017 konn­ten auf­grund des Ein­sat­zes von Erneu­er­ba­ren und ande­ren Ersatz­maß­nah­men im Jahr 2017 408 kt CO2,äq. (inklu­si­ve Vor­ket­te) jähr­lich addier­te Treib­haus­gas­emis­sio­nen im Wohn­ge­bäu­de­be­stand ein­ge­spart wer­den. Bezieht man die Wer­te auf die Emis­sio­nen der Ver­pflich­tungs­fäl­le vor dem Hei­zungs­tausch, belau­fen sich die Ein­spa­run­gen auf rd. 16 % der Emis­sio­nen. Die jähr­li­chen Emis­sio­nen sind in Abbil­dung 1–4 dar­ge­stellt.

Verlaufskurve der THG-Einsparungen 2010 bis 2017

Abbil­dung 1–4: Jähr­lich ver­mie­de­ne Treib­haus­gas­emis­sio­nen auf­grund des Ein­sat­zes von erneu­er­ba­ren Ener­gi­en und Ersatz­maß­nah­men (Wohn­ge­bäu­de), ohne Berück­sich­ti­gung bereits vor­han­de­ner Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men sowie Vor­zieh­ef­fek­te und Atten­tis­mus. (* Für das Jahr 2017 wur­den die Ver­pflich­tungs­fäl­le auf­grund der BDH-Absatz­zah­len aus dem Jahr 2016 bestimmt.)

Von den Ein­spa­run­gen sind schät­zungs­wei­se rd. 15 % (61 kt CO2,äq.) nicht direkt durch das EWär­meG indu­ziert, da die Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men laut Ergeb­nis der Brei­ten­be­fra­gung bereits vor­han­den waren und nach­träg­lich ange­rech­net wur­den (v.a. Solar­ther­mie, Pho­to­vol­ta­ik und Gebäu­de­däm­mung) bzw. vor­han­de­ne Anla­gen durch effi­zi­en­te­re Anla­gen ersetzt wur­den (v.a. Bio­mas­se). Bei wei­te­ren 18 % der Ein­spa­run­gen (75 kt CO2,äq.) wur­de die Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dung nicht durch das Gesetz aus­ge­löst, d.h. die Gebäu­de­ei­gen­tü­mer hät­ten die jewei­li­ge Erfül­lungs­op­ti­on ohne­hin gewählt (Ohne­hin-Effekt). Unter Berück­sich­ti­gung von Vor­zieh­ef­fek­ten (Hei­zungs­an­la­gen wur­den zeit­lich vor­ge­zo­gen aus­ge­tauscht wegen der Ankün­di­gung des Geset­zes) und eines gerin­gen ver­zö­ger­ten Aus­tauschs von Hei­zun­gen ver­rin­gern sich die gesam­ten Ein­spa­run­gen um wei­te­re 48 kt CO2,äq.. Die dar­aus resul­tie­ren­den Net­to Effek­te, die dem EWär­meG als attri­bu­ier­te Wir­kung ange­rech­net wer­den kön­nen, belau­fen sich somit auf 224 kt CO2,äq. jähr­lich addier­te Treib­haus­gas­ein­spa­run­gen im Jahr 2017 für die Maß­nah­men im Zeit­raum von 2010 bis 2017, was rund 1,5 % der gesam­ten Treib­haus­gas­emis­sio­nen für die Raum­wär­me- und Trink­warm­was­ser­be­reit­stel­lung des Wohn­ge­bäu­de­be­stands ent­spricht. Bezieht man die Wer­te auf die Emis­sio­nen der Ver­pflich­tungs­fäl­le vor dem Hei­zungs­tausch, belau­fen sich die Ein­spa­run­gen auf rd. 9 % der Emis­sio­nen. Die Ergeb­nis­se sind in Abbil­dung 1–5 dar­ge­stellt.

Im Nicht­wohn­ge­bäu­de­be­stand wur­den in den zwei­ein­halb Jah­ren seit Aus­wei­tung des Geset­zes Maß­nah­men mit einer Ein­spar­wir­kung von bis zu 246 kt CO2,äq. pro Jahr auf­grund des Ein­sat­zes von Erneu­er­ba­ren oder Ersatz­maß­nah­men ange­sto­ßen2. Abzüg­lich der Ein­spa­rung auf­grund vor­han­de­ner Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men (31 kt CO2,äq.) und der Ohne­hin-Effek­te (59 kt CO2,äq.) ergibt sich eine Ein­spa­rung in Höhe von 156 kt CO2,äq., was 1,8 % der gesam­ten Treib­haus­gas­emis­sio­nen des Nicht­wohn­ge­bäu­de­be­stands ent­spricht. (8.460 kt CO2,äq.). Die Ein­be­zie­hung von Nicht­wohn­ge­bäu­den hat sich also bewährt, weil in die­sem Bereich noch grö­ße­re CO2-Ein­spa­run­gen erzielt wer­den als bei Wohn­ge­bäu­den.

Verlaufskurve zur Wirkung des EWärmeG für Wohngebäude von 2008 bis 2017

Abbil­dung 1–5: Wir­kung des EWär­meG im Wohn­ge­bäu­de­be­stand unter Berück­sich­ti­gung der Vor­zieh­ef­fek­te und Atten­tis­mus, der bereits vor der Erneue­rung vor­han­de­nen Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men und jenen Anla­gen, die ohne­hin instal­liert wor­den wären und dadurch nicht durch das EWär­meG indu­ziert wur­den.

Ins­ge­samt wer­den durch das EWär­meG seit der Novel­lie­rung jähr­lich zusätz­lich 110.000 bis 170.000 t CO2,äq. ein­ge­spart (WG 50.000–70.000 t CO2,äq., NWG 60.000–100.000 t CO2,äq.)3. Alle Wohn­ge­bäu­de, die unter die Nut­zungs­pflicht des EWär­meG fal­len, haben zusätz­lich 9 % bis 16 % der Emis­sio­nen im Ver­gleich zu jenen vor dem Hei­zungs­tausch ein-gespart.

Die Eva­lu­ie­rung des EWär­meG hat gezeigt: das Gesetz führt zu einem zusätz­li­chen Aus­bau erneu­er­ba­rer Ener­gi­en, mehr Ener­gie­ef­fi­zi­enz und Bera­tung. Die­se Wir­kung ent­steht in der Sum­me unter­schied­li­cher Effek­te:

  • Es ver­mit­telt durch die expli­zi­ten Anfor­de­run­gen einen zusätz­li­chen direk­ten Aus­bau­an­reiz für erneu­er­ba­re Ener­gi­en und Ersatz­maß­nah­men.
  • Indi­rekt stärkt das Gesetz die Beschäf­ti­gung mit erneu­er­ba­ren Ener­gi­en sowohl im Bera­tungs­pro­zess bei Hei­zungs­bau­ern und Planern/Architekten als auch bei der Kauf­ent­schei­dung bei den End­kun­den. Auch zusätz­li­che Ener­gie­be­ra­tun­gen wer­den ange­reizt (Trig­ger­funk­ti­on).
  • Die Ein­spa­run­gen sind aller­dings nicht voll­stän­dig kau­sal dem EWär­meG zuzu­ord­nen. Ande­re Instru­men­te, wie För­der­pro­gram­me, EEG usw. sind eben­falls mit für die­se Markt­ent­wick­lung ver­ant­wort­lich. In ande­ren Fäl­len waren die Erfül­lungs­op­tio­nen auch schon vor dem Aus­lö­ser des Kes­sel­tauschs exis­tent. Aber auch bei Berück­sich­ti­gung die­ser ander­wei­ti­gen Effek­te ver­bleibt eine posi­ti­ve Net­to­wir­kung des Geset­zes. 

Die Ein­spar- und Aus­bau­wir­kung des EWär­meG ist aller­dings noch nicht aus­rei­chend, um von einer ziel­kom­pa­ti­blen „Lan­des-Wär­me­wen­de“ zu spre­chen. In vie­len Fäl­len sind erneu­er­ba­re Ener­gi­en in der Wär­me­ver­sor­gung aus End­kun­den­sicht weni­ger wirt­schaft­lich als eine her­kömm­li­che Hei­zung mit fos­si­len Brenn­stof­fen – oder aber sie amor­ti­sie­ren sich nur län­ger­fris­tig nach anfäng­li­chen höhe­ren Inves­ti­ti­ons­kos­ten. Es ist eine Her­aus­for­de­rung, mit ord­nungs­recht­li­chen Bestim­mun­gen gegen die­se schwie­ri­ge Markt­si­tua­ti­on anzu­kom­men.

Es bedarf daher einer bun­des­po­li­ti­schen Flan­kie­rung, bes­ten­falls einer bun­des­wei­ten Eta­blie­rung ent­spre­chen­der Steue­rungs­in­stru­men­te. Zudem hat die Eva­lu­ie­rung gezeigt, dass es aktu­ell an eini­gen Stel­len deut­li­che Pro­ble­me mit dem Voll­zug des EWär­meG gibt.

Ins­ge­samt emp­feh­len die Gut­ach­ter eine Wei­ter­füh­rung des EWär­meG bei gleich­blei­ben­dem Ambi­ti­ons­grad. Wir­kungs­wei­se, Akzep­tanz und Voll­zug sol­len durch ein Bün­del an Ver­än­de­run­gen und Steue­rungs­in­stru­men­ten erhöht wer­den, die im Fol­gen­den – struk­tu­riert nach ver­schie­de­nen Hand­lungs­di­men­sio­nen – dar­ge­stellt wer­den. Zen­tral für die wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen der erneu­er­ba­ren Wär­me ist eine signi­fi­kan­te, auf­kom­mens­neu­tra­le bun­des­wei­te CO2-Len­kungs­kom­po­nen­te. Es wird emp­foh­len, dass das Land Baden-Würt­tem­berg sich wei­ter­hin für eine der­ar­ti­ge Len­kungs­kom­po­nen­te ein­setzt. Zudem soll­te die­ses Steue­rungs­in­stru­ment durch ord­nungs­recht­li­che Ver­bes­se­run­gen flan­kiert wer­den und ins­be­son­de­re die Aus­nah­men bei den unbe­ding­ten Nach­rüst­pflich­ten der gel­ten­den EnEV (§10) aus­ge­dünnt wer­den, um damit mehr wirt­schaft­li­che Aus­tausch­fäl­le zu gene­rie­ren. Auch Wär­me­net­ze auf Basis fos­si­ler Ener­gie­trä­ger müs­sen einen Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess durch­lau­fen. Dafür sind geeig­ne­te bun­des­po­li­ti­sche Vor­aus­set­zun­gen zu schaf­fen, damit Wär­me­net­ze auch wei­ter­hin einen CO2-Vor­teil bie­ten; hier­zu gehö­ren Wei­ter­ent­wick­lun­gen bei der CO2-Beprei­sung in der Ener­gie­steu­er und im Emis­si­ons­han­del, Rechen­ver­fah­ren für zukünf­ti­ge Anfor­de­rungs­grö­ßen des Gebäu­de­en­er­gie­ge­set­zes, För­der­pro­gram­me für die EE-Trans­for­ma­ti­on, ggf. aber auch wei­te­re ord­nungs­recht­li­che Rand­be­din­gun­gen u. a. in Umset­zung der euro­päi­schen Erneu­er­ba­re-Ener­gi­en-Richt­li­nie. Das Land kann die­se Rah­men­be­din­gun­gen nicht unmit­tel­bar ver­än­dern, son­dern nur mit­tel­bar in der poli­ti­schen Dis­kus­si­on und im Bun­des­rat adres­sie­ren.

Wei­te­re Hand­lungs­emp­feh­lun­gen sind detail­liert in Kapi­tel 12 beschrie­ben und in der fol­gen­den Tabel­le zusam­men­ge­fasst.

Vor­schlag
Über­grei­fend
Bun­des­wei­te Ein­füh­rung einer CO2-Len­kungs­ab­ga­be
Wei­ter­ent­wick­lung der Hei­zungs­aus­tausch­pflich­ten und Prü­fung der Aus­nah­men von Hei­zungs­tausch­pflich­ten im GEG
Bezug der 15 %-Nut­zungs­pflicht auf Wär­me- und Käl­te­en­er­gie­be­darf
Wei­ter­ent­wick­lung der kom­mu­na­len Wär­me­pla­nung
Strei­chung des Aus­nah­me­tat­be­stands EWär­meG § 2 (2) Nr. 13 für gewerb­li­che und indus­tri­el­le Hal­len
Aus­lö­se­tat­be­stand
Erwei­tert über bun­des­wei­te Rege­lung im GEG oder 1. BIm­schV
Erfül­lungs­op­tio­nen
Prü­fung der Auf­nah­me von Lüf­tungs­an­la­gen auch für Wohn­ge­bäu­de
Ver­ein­fach­te Aner­ken­nung von teil­ge­dämm­ten Kel­ler­de­cken
Trink­was­ser-WP als pau­scha­le Tei­ler­fül­lung ein­füh­ren
Prü­fung der Auf­nah­me von Fens­ter­aus­tausch
Über­prü­fung der Pflicht­er­fül­lung für Bio­öl und Bio­me­than
Auf­nah­me von Bio-Flüs­sig­gas als Erfül­lungs­op­ti­on
Gleich­stel­lung von EE-PtG mit Bio­me­than, sobald es hier­für ein aner­kann­tes Güte­ver­fah­ren gibt
Har­mo­ni­sie­rung der 50 kW-Gren­ze durch Anwen­dung auch auf Bio­öl
Prü­fung einer Ein­füh­rung einer Pau­scha­l­an­rech­nung von Effi­zi­enz­maß­nah­men bei LED-Beleuch­tung, Ven­ti­la­to­ren und Pum­pen, som­mer­li­cher Wär­me­schutz, ggf. wei­te­re Maß­nah­men der Peri­phe­rie in NWG
Ein­füh­rung des Ersatz­tat­be­stan­des „Neu­bau-Niveau“ (ana­log zum EEWär­meG auf Bun­des­ebe­ne)
Prü­fung einer Auf­nah­me von Kamin­öfen mit sehr guten Emis­si­ons­ei­gen­schaf­ten (z. B. 2. Stu­fe BIm­schV; DIN Plus; zukünf­tig Blau­er Engel), für antei­li­ge Anrech­nung
Sanie­rungs­fahr­plan
Bei­be­hal­tung als Erfül­lungs­op­ti­on
Absen­kung der Aner­ken­nung von NWG-SFP auf z. B. 33 % Erfül­lungs­quo­te
Ins­be­son­de­re bei NWG-SFP: Qua­li­täts­of­fen­si­ve. Hier­zu Wei­ter­ent­wick­lung der Schu­lung und Erstel­lung von Infor­ma­ti­ons­ma­te­ria­li­en, Ein­füh­rung von Stich­pro­ben, Ver­öf­fent­li­chung von Mus­ter-Sanie­rungs­fahr­plä­nen für Nicht­wohn­ge­bäu­de; Anhe­bung der Anfor­de­rung an die Qua­li­fi­zie­rung für Nicht­wohn­ge­bäu­de-SFP.
Ver­pflich­tung des Ener­gie­be­ra­ters, dem Emp­fän­ger des NWG-SFP die voll­stän­dig aus­ge­füll­te und unter­schrie­be­ne „Check­lis­te zur Erstel­lung eines gebäu­de­in­di­vi­du­el­len Sanie­rungs­fahr­plans Baden-Würt­tem­berg – Nicht­wohn­ge­bäu­de“ gemein­sam mit dem Bericht aus­zu­hän­di­gen.
Prü­fung einer För­de­rung der NWG-SFP, sofern der SFP-NWG min­des­tens 3 Mona­te vor dem Ein­tre­ten der Nut­zungs­pflicht fer­tig­ge­stellt und über­ge­ben ist.
Voll­zug und Büro­kra­tie
Bes­se­re Res­sour­cen­aus­stat­tung des Voll­zugs auf Grund­la­ge des tat­säch­li­chen Bear­bei­tungs­auf­wands auf Sei­ten der unte­ren Bauch­rechts­be­hör­den; Prü­fung, ob durch Erhe­bung von Gebüh­ren Ein­nah­men erzielt wer­den kön­nen, die die Res­sour­cen­aus­stat­tung des Voll­zugs ver­bes­sern wür­den.
Stär­ke­re Ver­ein­heit­li­chung des Voll­zugs und der Voll­zugs­in­ten­si­tät
Zur Ver­ein­fa­chung der Fris­ten­über­wa­chung, der Lis­ten­füh­rung und zur Unter­stüt­zung der for­mel­len Nach­weis­prü­fung auf Voll­stän­dig­keit soll­ten Soft­ware­lö­sun­gen erar­bei­tet wer­den (z.B. Ent­wick­lung einer Soft­ware­lö­sung zur elek­tro­ni­schen Ver­ar­bei­tung der Mel­dun­gen aus dem Kehr­buch, ggf. Wei­ter­ent­wick­lung der Bau­rechts­soft­ware; Soft­ware­lö­sung zur auto­ma­ti­schen Über­nah­me der Lis­ten in das IDEV-Por­tal)
Aus­la­ge­rung der inhalt­li­chen Prü­fung an exter­ne Drit­te (auch Prü­fung der Befrei­ungs­an­trä­ge), Umset­zung der inhalt­li­chen Prü­fung als Stich­pro­ben­prü­fung, Bereit­stel­lung von Mit­teln dazu aus den Voll­zugs­res­sour­cen der uBRB Dis­kus­si­on des Vor­ge­hens bei Nicht­er­fül­lung, auch bei unzu­rei­chen­der Qua­li­tät der Sanie­rungs­fahr­plä­ne
Orga­ni­sa­ti­on einer gemein­sa­men Platt­form für die Bereit­stel­lung von Infor­ma­tio­nen und Mate­ria­len
Sen­si­bi­li­sie­rung der Schorn­stein­fe­ger zur Mel­de­pflicht, Mel­dung über elek­tro­ni­sches Kehr­buch ver­pflich­tend ein­füh­ren. Sicher­stel­len, dass Schorn­stein­fe­ger ihrer Mel­de­pflicht auch dann nach­kom­men, wenn eine nicht abnah­me­pflich­ti­ge Heiz­an­la­ge ein­ge­baut wird
Sen­si­bi­li­sie­rung der Hand­wer­ker und ande­rer Sach­kun­di­ger zu ihrer Hin­weis­pflicht, Moti­va­ti­ons­of­fen­si­ve zur Hin­weis­pflicht und Kom­bi­na­ti­on mit Über­ga­be eines Info-Fly­ers zum EWär­meG
Erhe­bung von Tele­fon­num­mern und E‑Mail-Adres­sen der Gebäu­de­ei­gen­tü­mer zur ver­ein­fach­ten Kon­takt­auf­nah­me bei „klei­nen“ Feh­lern (Nach­weis­for­mu­la­re)
Sen­si­bi­li­sie­rung der Denk­mal­schutz­be­hör­den für den Kli­ma­schutz und ver­bes­ser­te Koope­ra­ti­on
Infor­ma­ti­on und Fort­bil­dung
Ande­re Gewer­ke über posi­ti­ve Markt­chan­cen durch EWär­meG infor­mie­ren
Wei­ter­hin regel­mä­ßi­ge Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen mit ver­schie­de­nen Ziel­grup­pen und Kam­pa­gnen­in­hal­ten in Zusam­men­ar­beit mit den regio­na­len Ener­gie­agen­tu­ren

Tabel­le 1–1: Zusam­men­stel­lung der Detail-Hand­lungs­emp­feh­lun­gen

1 Bei den NWG wur­de für Wär­me­pum­pen und Wär­me­net­ze kei­ne Kor­rek­tur der Erfül­lungs­fäl­le vor­ge­nom­men. 
2 Für Nicht­wohn­ge­bäu­de ist das aus­ge­wie­se­ne THG-Min­de­rungs­po­ten­zi­al des EWär­meG auf­grund der vor­han­de­nen Daten und der Hete­ro­ge­ni­tät der Gebäu­de mit grö­ße­rer Unsi­cher­heit behaf­tet als für Wohn­ge­bäu­de. 
3 Die Band­brei­te ergibt sich auf­grund der Berück­sich­ti­gung von bereits vor­han­de­nen Anla­gen, Ohne­hin-Effek­ten und Vor­zieh­ef­fek­ten bzw. Effek­te auf­grund eines gerin­gen ver­zö­ger­ten Aus­tauschs von Hei­zun-gen. Dies dient der Abschät­zung, wel­che Ein­spa­run­gen kau­sal dem EWär­meG zuge­ord­net wer­den kön­nen. Dabei ent­spricht die obe­re Gren­ze jenen Ein­spa­run­gen, die ins­ge­samt auf­grund des Ein­sat­zes von erneu-erba­ren und Ersatz­maß­nah­men aus­ge­löst wur­den und bei denen die Ein­spa­rung nicht voll­stän­dig kau­sal dem EWär­meG zuge­ord­net wer­den kann. Die unte­re Gren­ze ent­spricht einem mode­ra­ten, mitt­le­ren Sze­na­rio unter Berück­sich­ti­gung der soeben genann­ten Effek­te.