Evaluation des Erneuerbare-Wärme-Gesetz (EWärmeG)

Endbericht im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg

Hei­del­berg, Ber­lin, Frei­burg, Karls­ru­he, Rot­ten­burg, 31. Okto­ber 2018

Umweltministerium BW logo

Der Eva­lua­ti­ons­be­richt zum Erneu­er­ba­re-Wär­me-Gesetz 2015 wur­de vom Umwelt­mi­nis­te­ri­um
Baden-Würt­tem­berg
in Auf­trag gege­ben und in Koope­ra­ti­on mit Econ­sult, dem Fraun­ho­fer ISI, dem Öko-Insti­tut e.V. und dem Insti­tut für Ener­gie und Umwelt­for­schung Hei­del­berg (ifeu) umge­setzt und berich­tet aus­führ­lich über die posi­ti­ven und ver­bes­se­rungs­wür­di­gen Aspek­te des län­der­spe­zi­fi­schen Wär­me­ge­set­zes aus Baden-Würt­tem­berg. Recht­li­che Hin­wei­se des
Umwelt­mi­nis­te­ri­ums BW
Mins­te­ri­um für Umwelt, Kli­ma und Ener­gie­wirt­schaft BW
Ker­ner­platz 9
70182 Stutt­gartifeu – Insti­tut für Ener­gie- und Umwelt­for­schung Hei­del­berg GmbH
Im Wei­her 10
69121 Hei­del­berg


Inhalt

Abkür­zungs­ver­zeich­nis7
1Zusam­men­fas­sung8
2Ein­lei­tung23
2.1Das EWär­meG Baden-Würt­tem­berg23
2.2Ziel­set­zung des Pro­jek­tes27
2.3 Eva­lua­ti­ons­de­sign und Struk­tur des Berichts28
3Sta­tis­tik der Erfül­lung des EWär­meG30
3.1Abschät­zung der Anzahl an Ver­pflich­tungs­fäl­len30
3.2Erfül­lungs­mix des EWär­meG38
4Empi­risch-sta­tis­ti­sche Ana­ly­se des Hei­zungs­mark­tes in Baden-Würt­tem­berg48
4.1Aus­gangs­la­ge und Fra­ge­stel­lung48
4.2Sta­tis­ti­sche Grund­la­gen49
4.3Aus­bau erneu­er­ba­rer Wär­me im Gebäu­de­be­stand51
4.4Moder­ni­sie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten im Hei­zungs­be­reich68
4.5Sanie­run­gen der Gebäu­de­hül­le und wei­te­re Ver­bes­se­run­gen der Gebäu­de­ef­fi­zi­enz79
4.6Zusam­men­fas­sung und Schluss­fol­ge­run­gen für die Eva­lu­ie­rung83
5Befra­gun­gen87
5.1Erneu­er­ba­re Ener­gien und EWär­meG aus Sicht der Ver­pflich­te­ten und der Bevöl­ke­rung87
5.2Erneu­er­ba­re Ener­gien und EWär­meG aus Sicht der Hei­zungs­bau­er97
5.3Erneu­er­ba­re Ener­gien und EWär­meG aus Sicht der Schorn­stein­fe­ger101
5.4Erneu­er­ba­re Ener­gien und EWär­meG aus Sicht der Woh­nungs­ge­sell­schaf­ten106
5.5Qua­li­ta­ti­ve Inter­views mit wei­te­ren Exper­ten und Sta­ke­hol­dern108
6Tech­ni­sche und wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung beim Ein­satz erneu­er­ba­rer Ener­gien112
6.1Bewer­tung und Wirt­schaft­lich­keit der Erfül­lungs­op­tio­nen112
6.2Markt­ent­wick­lung bio­ge­ner gas­för­mi­ger und flüs­si­ger Brenn­stof­fe117
6.3Über­prü­fung der tech­ni­schen Rah­men­be­din­gun­gen und Erfül­lungs­op­tio­nen121
7Nicht­wohn­ge­bäu­de129
7.1Gebäu­de­be­schrei­bung129
7.2Berech­nungs­er­geb­nis­se121
7.3Inter­pre­ta­ti­on der Berech­nun­gen130
7.3Inter­pre­ta­ti­on der Berech­nun­gen136
8Sanie­rungs­fahr­plä­ne in Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäu­den138
8.1Aus­gangs­la­ge138
8.2Geför­der­te und nicht geför­der­te SFP139
8.3Sanie­rungs­fahr­plä­ne als Erfül­lungs­op­ti­on für das EWär­meG: Sta­tis­ti­sche Aus­wer­tung140
8.4Sanierungsfahrplan:Detailauswertung149
8.5Port­fo­lio-Sanie­rungs­fahr­plä­ne168
8.6Sanie­rungs­fahr­plan und Maß­nah­men­um­set­zung aus Sicht der Aus­stel­ler168
8.7Sanie­rungs­fahr­plan und Maß­nah­men­um­set­zung aus Sicht der Bera­tungs­emp­fän­ger175
8.8Fazit und Emp­feh­lun­gen185
9Eva­lua­ti­on des SFP-För­der­pro­gramms189
9.1Über­sicht über die För­der­fäl­le und För­der­sum­me189
9.2Wir­kungs­ab­schät­zung195
9.3Schluss­fol­ge­run­gen für das För­der­pro­gramm197
10Voll­zug des EWär­meG198
10.1Voll­zug aus Sicht der uBRB und RP198
10.2Voll­zug aus Sicht der Ener­gie­be­ra­ter204
10.3Bei­spie­le für Umge­hung der Erfül­lung des EWär­meG206
10.4Zusam­men­fas­sung und Emp­feh­lun­gen206
11Qua­li­ta­ti­ve Abschät­zung der Wir­kun­gen des EWär­meG208
11.1Wohn­ge­bäu­de208
11.2Nicht­wohn­ge­bäu­de221
11.3Fazit224
12Hand­lungs­emp­feh­lun­gen226
13Lite­ra­tur235
14Anhang242
15Impres­sum235

Umweltministerium BW logo

Abkürzungsverzeichnis

BAFABun­des­amt für Wirt­schaft und Aus­fuhr­kon­trol­le
BDHBun­des­ver­band der Deut­schen Hei­zungs­in­dus­trie
EEErneu­er­ba­re Ener­gien
EEGErneu­er­ba­re-Ener­gien-Gesetz
EEWär­meGErneu­er­ba­re-Ener­gien-Wär­me-Gesetz
EWär­meGErneu­er­ba­re-Wär­me-Gesetz
GEGGebäu­de­en­er­gie­ge­setz
KfWKre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau
MAPMarkt­an­reiz­pro­gramm
NWGNicht­wohn­ge­bäu­de
PVPho­to­vol­ta­ik
RPRegie­rungs­prä­si­di­en
SFPSanie­rungs­fahr­plan
THGTreib­haus­ga­se
uBRBUnte­re Bau­rechts­be­hör­de
WGWohn­ge­bäu­de
Umweltministerium BW logo

Zusammenfassung

Mit dem EWär­meG ver­ab­schie­de­te das Land Baden-Würt­tem­berg 2007 das in Deutsch­land ers­te Lan­des­ge­setz sei­ner Art. Anfang 2008 trat es mit dem Ziel in Kraft, den Anteil erneu­er­ba­rer Ener­gien an der Wär­me­ver­sor­gung zu erhö­hen und durch die infol­ge­des­sen ver­min­der­ten Treib­haus­gas­emis­sio­nen einen Bei­trag zum Kli­ma­schutz und der Luft­rein­hal­tung zu leis­ten. 2015 wur­de eine Novel­lie­rung des EWär­meG beschlos­sen, die am 1. Juli 2015 in Kraft trat. Das novel­lier­te EWär­meG schreibt vor, dass bei einem Hei­zungs­an­la­gen­aus­tausch (oder nach­träg­li­chem Ein­bau) in bestehen­den Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäu­den 15 % des Wär­me­en­er­gie­be­darfs durch erneu­er­ba­re Ener­gien gedeckt wer­den muss oder ent­spre­chen­de Ersatz­maß­nah­men geleis­tet wer­den müs­sen.

Ziel der vor­lie­gen­den Eva­lu­ie­rung ist es, die Wir­kun­gen des Geset­zes seit Inkraft­tre­ten, ins­be­son­de­re seit der Novel­le, zu ana­ly­sie­ren und quan­ti­fi­zie­ren, die Erfül­lungs­op­tio­nen zu über­prü­fen und das mit dem Sanie­rungs­fahr­plan ver­bun­de­ne För­der­pro­gramm aus­zu­wer­ten und aus die­sen Eva­lu­ie­rungs­schrit­ten Hand­lungs­emp­feh­lun­gen abzu­lei­ten. Zu die­sem Zweck wer­den ver­schie­de­ne empi­ri­sche Ana­ly­sen, Befra­gun­gen, Model­lie­run­gen und Exper­ten­ge­sprä­che mit­ein­an­der kom­bi­niert. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Novel­le erst ver­hält­nis­mä­ßig kurz in Kraft ist und auf Grund der Nach­weis­fris­ten dadurch eine Eva­lua­ti­on erschwert wird.

Schaubild über die einzelnen Themen des EWärmeG-Evaluationsberichts 2015

Abbil­dung 1–1:Elemente der Eva­lua­ti­on

Im ers­ten Schritt wer­den die Mel­dun­gen über die Erfül­lung der Nut­zungs­pflicht ana­ly­siert. Bei einem Abgleich ver­schie­de­ner Daten­quel­len über die Zahl an Hei­zungs­aus­tausch­fäl­len, die der Nut­zungs­pflicht des EWär­meG unter­lie­gen, tre­ten signi­fi­kan­te Unter­schie­de zwi­schen den Quel­len zu Tage. Dabei ver­zeich­nen sowohl die Mel­de­li­nie über die unte­ren Bau­rechts­be­hör­den und das Daten­por­tal des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts als auch die Mel­de­li­nie über die Schorn­stein­fe­ger und die unte­ren Bau­rechts­be­hör­den (die­se Mel­de­li­nie lie­fert aller­dings erst ab dem 01.07.2015 Daten) maxi­mal halb so vie­le Ver­pflich­tungs­fäl­le im Ver­gleich zu den Fall­zah­len, die sich aus den BDH-Markt­ab­satz­da­ten ablei­ten las­sen. Dafür sind ver­mut­lich ver­schie­de­ne Grün­de ver­ant­wort­lich: Die Befra­gung der Schorn­stein­fe­ger ergab, dass im Groß­teil der Fäl­le, bei denen die Nut­zungs­pflicht über eine Wär­me­pum­pe oder den Anschluss an ein Wär­me­netz erfüllt wird, kei­ne Mel­dung an die zustän­di­ge Bau­rechts­be­hör­de erfolgt. Sei­tens der Bau­rechts­be­hör­den wird zudem berich­tet, dass ein­zel­ne Schorn­stein­fe­ger gar kei­ne oder nur unvoll­stän­di­ge Mel­dun­gen machen. Es kann aller­dings davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass mit zuneh­men­der Akzep­tanz des elek­tro­ni­schen Mel­de­we­ges der Erfas­sungs­grad zunimmt. Die Befra­gung der unte­ren Bau­rechts­be­hör­den ergab außer­dem, dass eini­ge Behör­den aus Zeit- und Res­sour­cen­grün­den eine zügi­ge Daten­ein­ga­be nicht sicher­stel­len kön­nen und ent­spre­chend vie­le Nach­wei­se noch gar nicht ein­ge­tra­gen wur­den.

Wie die gesetz­li­che Nut­zungs­pflicht erfüllt wird, zeigt Abbil­dung 1–2 für Wohn­ge­bäu­de. Dabei müs­sen die Ände­run­gen beim Über­gang des EWär­meG alt zum EWär­meG neu berück­sich­tigt wer­den. Die Ände­run­gen betref­fen ins­be­son­de­re die Hoch­set­zung des Pflicht­an­teils, Anpas­sun­gen bei den zuläs­si­gen Erfül­lungs­op­tio­nen sowie die Mög­lich­keit, die Nut­zungs­pflicht über eine Kom­bi­na­ti­on aus ver­schie­de­nen Maß­nah­men zu erfül­len.

Für die Zahl der Erfül­lun­gen bei Wär­me­pum­pen und Wär­me­net­zen muss­ten Zusatz­an­nah­men getrof­fen wer­den, da bei die­sen Tech­no­lo­gien oft­mals kei­ne Schorn­stein­fe­ger­mel­dung erfolgt. Die sich dar­aus erge­ben­den Dis­kre­pan­zen bei der Mel­dung der Erfül­lungs­op­tio­nen wur­den durch ein Schätz­ver­fah­ren behan­delt, das im aus­führ­li­chen End­be­richt beschrie­ben ist.

Diagramm über die zeitliche Entwicklung des EWärmeG 2010 bis 2017

Abbil­dung 1–2: Zeit­li­che Ent­wick­lung des Erfül­lungs­mix (rela­ti­ve Ver­tei­lung) des EWär­meG über die gesam­te Lauf­zeit für Wohn­ge­bäu­de, Stand 30.06.2018

Aus der zeit­li­chen Ent­wick­lung der Zusam­men­set­zung des Erfül­lungs­mix las­sen sich für die Wohn­ge­bäu­de fol­gen­de tech­no­lo­gie­spe­zi­fi­schen Beob­ach­tun­gen ablei­ten: Der Anteil der Solar­ther­mie nimmt über den gesam­ten Zeit­ver­lauf des EWär­meG suk­zes­si­ve ab, auch im Gel­tungs­be­reich des EWär­meG neu. Der Anteil fes­ter Bio­mas­se ist im Zeit­ver­lauf schwan­kend, eine ein­deu­ti­ge Ten­denz ist nicht erkenn­bar. Wäh­rend die Bio­gas-Bei­mi­schung im Gel­tungs­be­reich des EWär­meG alt über die Jah­re suk­zes­si­ve auf einen Anteil von 35 % zunimmt (und damit am Ende die domi­nie­ren­de Erfül­lungs­op­ti­on dar­stellt), bricht der Anteil beim Über­gang auf die Bedin­gun­gen des EWär­meG neu zunächst um mehr als den Fak­tor 3 ein. Dies kann wohl dar­auf zurück­ge­führt wer­den, dass die Bio­gas-Bei­mi­schung nur noch in Kom­bi­na­ti­on mit einer ande­ren Maß­nah­me die Nut­zungs­pflicht erfüllt. Es ist aber zu erwar­ten, dass sich die Ent­wick­lung von die­sem Ein­bruch erho­len und die Bedeu­tung des Bio­ga­ses in den kom­men­den Jah­ren wie­der anstei­gen wird, da die Kom­bi­na­ti­on aus Bio­gas-Bei­mi­schung und SFP eine ver­hält­nis­mä­ßig ein­fach zu ver­wirk­li­chen­de und aus Per­spek­ti­ve der rei­nen Inves­ti­ti­ons­kos­ten güns­ti­ge Erfül­lungs­kom­bi­na­ti­on dar­stellt und zuneh­mend Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men Kom­bi­na­ti­ons­pro­duk­te (ins­be­son­de­re Bio­gas + Sanie­rungs­fahr­plan) anbie­ten. Bei der Bio­öl-Bei­mi­schung ist eine ähn­li­che Ent­wick­lung wie bei der Erfül­lungs­op­ti­on Bio­gas zu beob­ach­ten. Der Anteil von Wär­me­pum­pen liegt im gesam­ten Betrach­tungs­zeit­raum zwi­schen 4 % und 12 %, eine ein­deu­ti­ge Ten­denz nach oben oder unten ist nicht erkenn­bar. Es muss jedoch berück­sich­tigt wer­den, dass vie­le Gebäu­de, die der Nut­zungs­pflicht unter­lie­gen, auf­grund eines gerin­gen Wär­me­schutz­stan­dards für Wär­me­pum­pen unge­eig­net sind. Auf der ande­ren Sei­te erfül­len vie­le sanier­te

Gebäu­de, die sich für Wär­me­pum­pen prin­zi­pi­ell eig­nen wür­den, die Nut­zungs­pflicht schon über die Ersatz­maß­nah­me Wär­me­schutz. Der Anteil der PV im Erfül­lungs­mix nimmt beim Über­gang zum EWär­meG neu stark zu. Auf­grund der guten För­de­rung durch das EEG sowie der EEG-indu­zier­ten hohen Durch­drin­gungs­ra­te von PV-Anla­gen in Baden-Würt­tem­berg kann jedoch davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass vie­le der in Anrech­nung gebrach­ten PV-Anla­gen auf den Gebäu­den schon vor­han­den waren und somit in die­sem Bereich dem EWär­meG nur ein klei­ner zusätz­li­cher Nut­zen zuge­schrie­ben wer­den kann. Dies wird durch die Ergeb­nis­se der Brei­ten­be­fra­gung bestä­tigt. Auch der Anteil der Erfül­lungs­op­ti­on bau­li­cher Wär­me­schutz nimmt beim Über­gang in den Wir­kungs­be­reich des EWär­meG neu deut­lich zu. Die Erfül­lungs­op­ti­on des gebäu­de­in­di­vi­du­el­len Sanie­rungs­fahr­plans (SFP) wird in 2016 und 2017 in rund 17 % der Ver­pflich­tungs­fäl­le gewählt. Das dürf­te u.a. dar­an lie­gen, dass der SFP eine Mög­lich­keit dar­stellt, in Kom­bi­na­ti­on mit ande­ren „nie­der­schwel­li­gen“ Maß­nah­men wie der Bei­mi­schung von Bio­gas oder Bio­öl, die Nut­zungs­pflicht ohne gro­ßen tech­ni­schen Umstel­lun­gen im Hei­zungs­kel­ler zu erfül­len. Bei Solar­kol­lek­to­ren erlaubt die Kom­bi­na­ti­on mit dem SFP auf ein kom­ple­xe­res Sys­tem mit Hei­zungs­un­ter­stüt­zung zu ver­zich­ten.

Abbil­dung 1–3 zeigt die rela­ti­ve Ver­tei­lung der Pflicht­er­fül­lungs­fäl­le des EWär­meG neu im Bereich der Nicht­wohn­ge­bäu­de1. Bei der Inter­pre­ta­ti­on sind die gerin­gen Fall­zah­len, also die gerin­ge Anzahl an Erfül­lungs­nach­wei­sen, die die unte­ren Bau­rechts­be­hör­den (uBRB) bis­lang in das Daten­mel­de­por­tal des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts (IDEV-Por­tal) ein­ge­ge­ben haben, zu berück­sich­ti­gen.

Diagramm über die zeitliche Entwicklung des EWärmeG bei Nichtwohngebäuden 2010 bis 2017

Abbil­dung 1–3: Zeit­li­che Ent­wick­lung des Erfül­lungs­mix (rela­ti­ve Ver­tei­lung) des EWär­meG neu für NWG (2015 nur 2. Halb­jahr), Stand 30.06.2018

Die Ana­ly­se des Hei­zungs­markts in Baden-Würt­tem­berg basie­rend auf ver­schie­de­nen Markt­ana­ly­sen und För­der­sta­tis­ti­ken zeigt, dass bezo­gen auf die Dyna­mik des Aus­baus erneu­er­ba­rer Ener­gien Baden-Würt­tem­berg im Bun­des­ver­gleich an der Spit­ze nach Bay­ern liegt, das bedingt durch Ein­kom­men, Gebäu­de­struk­tur, Solar- und Bio­mas­se­auf­kom­men und sozio­de­mo­gra­fi­schen Ent­wick­lun­gen tra­di­tio­nell eine hohe EE-Nach­fra­ge hat. Von einer guten Posi­ti­on aus­ge­hend konn­te Baden-Würt­tem­berg zudem den Anteil erneu­er­ba­rer Ener­gien an der Wär­me­ver­sor­gung zwi­schen 2010 und 2016 stär­ker stei­gern als im Bun­des­ge­biet. Auch das Inter­es­se an EE-Hei­zun­gen – gemes­sen als Ange­bots­an­fra­gen z. B. des Deut­schen Auf­trags­diens­tes – ist in Baden-Würt­tem­berg grö­ßer als in ande­ren Bun­des­län­dern.

Spe­zi­ell für die über das Markt­an­reiz­pro­gramm (MAP) geför­der­ten EE-Anla­gen weist Baden-Würt­tem­berg nach dem Spit­zen­rei­ter Bay­ern fast durch­wegs deut­lich höhe­re Antrags­zah­len pro Ein­woh­ner auf als der Bund und die bei­den ana­ly­sier­ten Ver­gleichs­län­der Hes­sen und Rhein­land-Pfalz – wobei der Bun­des­trend von Bay­ern und Baden-Würt­tem­berg mit­ge­prägt wird. Bei Wär­me­pum­pen lag die Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg vor Inkraft­tre­ten des Geset­zes gemäß den Absatz­zah­len des Bun­des­ver­bands der Deut­schen Hei­zungs­in­dus­trie (BDH) unter dem Bun­des­trend. Es folgt ein kurz­fris­ti­ges Empor­schnel­len der Aus­bau­zah­len im Gebäu­de­be­stand nach Inkraft­tre­ten des EWär­meG, das 2012 wie­der ver­ebbt. Hier lässt sich ver­mu­ten, dass die­se Ent­wick­lung mit der gleich­zei­ti­gen mas­si­ven Erhö­hung der Heiz­strom­prei­se in Baden-Würt­tem­berg zusam­men­hängt. Inzwi­schen hat sich ein grö­ße­rer bun­des­wei­ter Heiz­strom­markt ent­wi­ckelt, die Heiz­strom­prei­se sind aber auf hohem Niveau geblie­ben bzw. wei­ter ange­stie­gen, was den Aus­bau von Wär­me­pum­pen im Gebäu­de­be­stand auch bun­des­weit erheb­lich brem­sen dürf­te. 2016 folgt ent­kop­pelt vom Bun­des­trend ein zwei­tes Spit­zen­jahr.

Beim Blick auf die baden-würt­tem­ber­gi­schen Bio­mas­se-Anla­gen im Gebäu­de­be­stand zeigt sich eine Ent­kopp­lung vom bun­des­wei­ten Trend und ein stär­ke­rer Zuwachs bei nicht-geför­der­ten Anla­gen nach 2010. Damit lie­fern die Zah­len ein deut­li­ches Indiz für eine posi­ti­ve Wir­kung des EWär­meG für den Aus­bau von Wär­me aus Bio­mas­se. Die Daten­ba­sis der abge­setz­ten Anla­gen ist hier aller­dings weni­ger belast­bar als bei den Wär­me­pum­pen. Bei den MAP-geför­der­ten Bio­mas­se-Anla­gen liegt die Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg durch­ge­hend leicht ober­halb des bun­des­wei­ten Trends; hier ist bei den geför­der­ten Anla­gen eine gerin­ge Wir­kung des EWär­meG zu ver­mu­ten.

Bei der Solar­ther­mie zei­gen sowohl Absatz- als auch För­der­zah­len einen ernüch­tern­den Rück­gang des Anla­gen­zu­baus im Bun­des­ge­biet wie in Baden-Würt­tem­berg. Eine för­der­li­che Wir­kung des EWär­meG in Baden-Würt­tem­berg lässt sich aus den Zah­len nicht ablei­ten, aller­dings auch kei­ne nega­ti­ven Effek­te.

Bei Wär­me­net­zen ist auf­grund der ein­ge­schränk­ten Daten­la­ge kei­ne direk­te Aus­sa­ge über die Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg im Ver­gleich zum bun­des­wei­ten Trend mög­lich.

Ins­ge­samt las­sen sich posi­ti­ve, aber nicht sehr star­ke Effek­te des EWär­meG auf den Anla­gen­zu­bau erken­nen. Offen­sicht­lich prä­gen wesent­lich stär­ke­re Ursa­chen für Ver­än­de­run­gen im Anla­gen­zu­bau die all­ge­mei­nen Markt­ten­den­zen, allen vor­an Ener­gie­prei­se, außer­dem die Umsatz­steu­er­ent­wick­lung sowie MAP-inter­ne Effek­te wie Ver­än­de­run­gen der För­der­richt­li­ni­en oder der För­der­stopp 2010.

Zur Fra­ge einer Ver­lang­sa­mung der Moder­ni­sie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten (Atten­tis­mus) beim Kes­sel­tausch infol­ge des EWär­meG ist die Daten­la­ge unbe­frie­di­gend und wider­sprüch­lich. Die Absatz­ent­wick­lung des BDH deu­tet auf einen Vor­zieh­ef­fekt vor der Eta­blie­rung des Geset­zes und der Novel­le und eine anschlie­ßend etwas gerin­ge­re Moder­ni­sie­rungs­ra­te hin, die sich dann wie­der erholt. Aus der End­kun­den­be­fra­gung ergibt sich kaum ein Hin­weis auf einen Atten­tis­mus. Die­ser wür­de zudem allein die Öl- und Gas­kes­sel betref­fen und zu einem Teil durch stei­gen­de Absät­ze bei Wär­me­pum­pen und Bio­mas­se-Anla­gen abge­schwächt. Die Moder­ni­sie­rungs­ra­ten in Baden-Würt­tem­berg haben sich seit ihrem Abfall im Jahr 2010 deut­lich erholt und lagen 2014 und 2015 in ähn­li­cher Höhe wie im Bun­des­ge­biet – hier waren aller­dings mög­li­cher­wei­se auch Vor­zieh­ef­fek­te im Zusam­men­hang mit der EWär­meG-Novel­le ent­hal­ten; 2016 lag die Moder­ni­sie­rungs­ra­te wie­der leicht nied­ri­ger als zuvor.

Eine Ver­lang­sa­mung der Moder­ni­sie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten bei der Hei­zungs­er­neue­rung lässt sich nur teil­wei­se durch einen Abgleich mit ande­ren Quel­len vali­die­ren. Die Daten der Schorn­stein­fe­ger­sta­tis­tik sind inkon­sis­tent und vor dem Hin­ter­grund der gesetz­li­chen Grund­la­ge seit 2010 weni­ger gut geeig­net, ver­läss­li­che Zah­len zu lie­fern.

Daher wird im Fol­gen­den die Ent­wick­lung der Moder­ni­sie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten dif­fe­ren­ziert betrach­tet. Eine Ver­lang­sa­mung beim Hei­zungs­tausch ist zunächst ein­mal kri­tisch zu sehen. Aller­dings erge­ben sich beim Tausch von Öl- und Gas­hei­zun­gen ohne Ener­gie­trä­ger­wech­sel Lock-In-Effek­te. Die­se Lock-In-Effek­te erschwe­ren es, die Kli­ma­schutz­zie­le zu errei­chen, da die­se Kes­sel mit fos­si­len Ener­gie­trä­gern dann wei­te­re Jahr­zehn­te betrie­ben wer­den. Auf­grund ihrer hohen spe­zi­fi­schen CO2-Emis­sio­nen gilt dies für Ölkes­sel noch stär­ker als für Gas­kes­sel.

Die Betrach­tung von Sanie­run­gen der Gebäu­de­hül­le und wei­te­re Effi­zi­enz­maß­nah­men zeigt: Her­aus­ra­gend in Baden-Würt­tem­berg ist die posi­ti­ve Ent­wick­lung der Ener­gie­be­ra­tun­gen im Betrach­tungs­zeit­raum. Hier spie­len sicher­lich die guten Rah­men­be­din­gun­gen für Ener­gie­be­ra­tung eine Rol­le; ein zusätz­li­cher Impuls durch das EWär­meG ist aber wahr­schein­lich.

Die KfW-geför­der­ten Sanie­rungs­maß­nah­men über die Pro­gram­me Ener­gie­ef­fi­zi­ent Sanie­ren – Ein­zel­maß­nah­men (Kre­dit) und Zuschuss zei­gen bei den Ein­zel­maß­nah­men eine bes­se­re Ent­wick­lung als im Bun­des­ge­biet. Bei ins­ge­samt ver­gleich­ba­rer Ent­wick­lung zeigt sich ein etwas schwä­che­rer Trend zur Zuschuss­för­de­rung als in ande­ren Län­dern.

Ins­ge­samt deu­tet die Daten­la­ge zu Ener­gie­be­ra­tun­gen und KfW-geför­der­ten Sanie­rungs­maß­nah­men auf leicht posi­ti­ve Impul­se durch das EWär­meG hin.

Schließ­lich ist bei der Bewer­tung der Effek­te des EWär­meG zu berück­sich­ti­gen, dass sowohl der Zeit­punkt von Effi­zi­enz­maß­nah­men wie dem Kes­sel­tausch als auch die Ent­schei­dung für erneu­er­ba­re Ener­gien durch viel­fäl­ti­ge Ursa­chen beein­flusst wer­den. Glei­ches gilt für die Maß­nah­men zur Gebäu­de­sa­nie­rung. Eine wesent­li­che Rol­le spie­len die Ener­gie­preis­ent­wick­lung und die rela­ti­ve wirt­schaft­li­che Attrak­ti­vi­tät der ein­zel­nen Ener­gie­trä­ger, aber auch ande­re Fak­to­ren wie Ände­run­gen von För­der­be­din­gun­gen bis hin zu För­der­stopps. Vor allem aber soll­te bei der Bewer­tung die lang­fris­ti­ge Ziel­er­rei­chung im Vor­der­grund ste­hen: eine Umstel­lung auf erneu­er­ba­re Ener­gien hat lang­fris­tig deut­lich grö­ße­re CO2-Min­de­rungs­ef­fek­te als ein Aus­tausch alter gegen neue fos­sil befeu­er­te Kes­sel.

Das EWär­meG wird von ver­schie­de­nen Akteu­ren unter­schied­lich wahr­ge­nom­men und bewer­tet. Um die Band­brei­te der Wir­kun­gen und Per­spek­ti­ven bes­ser abschät­zen zu kön­nen, wur­den im Rah­men einer Rei­he von Unter­su­chun­gen ver­schie­de­ne Akteu­re befragt:

  • Haus­ei­gen­tü­mer: Es wur­den 500 Haus­hal­te in Baden-Würt­tem­berg befragt, die seit Mit­te 2015 einen Kes­sel­tausch vor­ge­nom­men hat­ten und zur Ein­hal­tung des EWär­meG ver­pflich­tet waren. Eine zwei­te Befra­gung bei einer Grup­pe ver­gleich­ba­rer Haus­ei­gen­tü­mer ohne Ver­pflich­tung (eben­falls 500) ermög­licht im Rah­men eines Kon­troll­grup­pen­de­signs die Absi­che­rung der Ergeb­nis­se. Die Befra­gun­gen wur­den mit Hil­fe tele­fo­ni­scher Inter­views von Kan­t­ar Emnid durch­ge­führt.
  • Hand­werks­be­trie­be: Im Rah­men des vom Umwelt­mi­nis­te­ri­um Baden-Würt­tem­berg geför­der­ten und von ifeu in Koope­ra­ti­on mit wei­te­ren Pro­jekt­part­nern – iTB, IÖW und Fraun­ho­fer FIT – durch­ge­führ­ten Pro­jek­tes „c.HANGE – Hand­werk als Gestal­ter der Ener­gie­wen­de“ wur­den in Zusam­men­ar­beit mit dem Fach­ver­band SHK zwi­schen Sep­tem­ber 2017 und Janu­ar 2018 ca. 3.600 Hei­zungs­hand­wer­ker zur Teil­nah­me an einer Online-Befra­gung auf­ge­ru­fen. Ins­ge­samt 152 Betrie­be haben an der Befra­gung teil­ge­nom­men. In die­se Unter­su­chung wur­den Fra­gen zum EWär­meG inte­griert.
  • Schorn­stein­fe­ger: In Koope­ra­ti­on mit dem Lan­des­in­nungs­ver­band des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks Baden-Würt­tem­berg (LIV) wur­de eine Online­be­fra­gung durch­ge­führt. Über den LIV wur­den rund 900 Betrie­be zur Teil­nah­me auf­ge­for­dert, 250 Betrie­be nah­men an der Unter­su­chung teil.
  • Woh­nungs- und Immo­bi­li­en­ge­sell­schaf­ten: In Koope­ra­ti­on mit dem vbw Ver­band baden-würt­tem­ber­gi­scher Woh­nungs- und Immo­bi­li­en­un­ter­neh­men e.V. wur­de eine Online­be­fra­gung durch­ge­führt, an der sich 50 Woh­nungs- und Immo­bi­li­en­ge­sell­schaf­ten betei­lig­ten. Die teil­neh­men­den Gesell­schaf­ten besit­zen im Durch­schnitt jeweils rund 250 Gebäu­de mit ins­ge­samt knapp 2.000 Woh­nun­gen.
  • Ergän­zend zu den Befra­gun­gen wur­den ein­stün­di­ge Tie­fen­in­ter­views mit Exper­ten durch­ge­führt, die in unter­schied­li­chen Kon­tex­ten mit dem EWär­meG befasst sind. Außer­dem wur­den im Rah­men eines Work­shops am 29.01.2018 mit Exper­ten und Sta­ke­hol­der die ers­ten Ergeb­nis­se der Eva­lu­ie­rung dis­ku­tiert.


Über­ein­stim­mend unter­stüt­zen alle Akteu­re mehr­heit­lich den Aus­bau von erneu­er­ba­ren Ener­gien. Die Ein­schät­zung des EWär­meG dage­gen ist weni­ger ein­heit­lich: Häu­fi­ge Argu­men­te gegen das Gesetz sind über­grei­fend die Bevor­zu­gung einer natio­na­len Rege­lung und Befürch­tun­gen über – im Ver­gleich zu den Effek­ten – hohe Kos­ten. Ande­re häu­fig genann­te Kri­tik­punk­te ins­be­son­de­re von Hand­werks­be­trie­ben und Schorn­stein­fe­gern über einen durch das EWär­meG beding­ten Sanie­rungs­stau bei Haus­hal­ten, kön­nen durch die Haus­halts­be­fra­gun­gen nicht bestä­tigt wer­den (s.o.).

Die Pflicht­er­fül­lung nach EWär­meG wird von den Akteu­ren über­wie­gend als unpro­ble­ma­tisch ein­ge­schätzt. Posi­tiv gese­hen wird die Brei­te an Erfül­lungs­op­tio­nen, die es ermög­licht, indi­vi­du­el­le Lösun­gen zu fin­den. Zusätz­lich wer­den Ideen zu Ver­än­de­run­gen und Ergän­zun­gen bei den Erfül­lungs­op­tio­nen geäu­ßert. Eine Ver­schär­fung des EWär­meG wird über­wie­gend abge­lehnt. Der admi­nis­tra­ti­ve Auf­wand wird teil­wei­se kri­ti­siert, die Ein­schät­zung der Schorn­stein­fe­ger zum Mel­de­sys­tem zeigt aber, dass für vie­le Betrie­be der Auf­wand über­schau­bar ist. Ver­bes­se­run­gen soll der wei­te­re Aus­bau elek­tro­ni­scher Mel­de­sys­te­me brin­gen.

Die meis­ten Haus­hal­te suchen im Zuge der Hei­zungs­er­neue­rung und damit auch im Zuge der Umset­zung des EWär­meG Bera­tung, dabei sind Hand­werks­be­trie­be und Schorn­stein­fe­ger wich­ti­ge Infor­ma­ti­ons­ver­mitt­ler. Sowohl der Bera­tungs­be­darf als auch der Bera­tungs­auf­wand lässt sich aus den Befra­gungs­er­geb­nis­sen gut able­sen. Ein Schlüs­sel zur Errei­chung der Zie­le des EWär­meG ist also eine gute Ein­bin­dung und Schu­lung der Akteu­re.

Die Unter­su­chung der tech­ni­schen und wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung der EE-Wär­me Erfül­lungs­op­tio­nen zei­gen, dass sich ins­be­son­de­re bei den brenn­stoff­ba­sier­ten Erfül­lungs­tat­be­stän­den – Bio­me­than und Bio­heiz­öl eine dyna­mi­sche Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg erge­ben hat. Ein Ver­gleich zu den ande­ren Bun­des­län­dern zeigt, dass das Pro­dukt­an­ge­bot an Bei­misch­pro­duk­ten sowohl für Erd­gas mit Bio­me­than­an­teil, als auch Heiz­öl EL Bio 10 in Baden-Würt­tem­berg eine sehr viel höhe­re Ver­brei­tung hat. Bio­me­than­pro­duk­te wer­den mit Sanie­rungs­fahr­plan zur Erfül­lung des EWär­meG von Stadt­wer­ken als Paket ange­bo­ten und bewor­ben. Auch die Ver­füg­bar­keit von Bio­heiz­öl ist bei Heiz­öl­händ­lern in allen Post­leit­zahl­ge­bie­ten vor­han­den. So bie­ten 64 % der unter­such­ten Heiz­öl­händ­ler in Baden-Würt­tem­berg Bio­heiz­öl­pro­duk­te an, wäh­rend die Stich­pro­be in ande­ren Bun­des­län­dern zeigt, dass hier kaum Pro­duk­te ver­füg­bar sind. Inno­va­ti­ve Pro­duk­te bei den tech­no­lo­gie­ba­sier­ten Erfül­lungs­op­tio­nen sind dage­gen weni­ger ver­brei­tet, jedoch ver­ein­zelt vor­han­den, wie bei­spiels­wei­se Miet­an­ge­bo­te für Heiz­sys­te­me mit frei­er Aus­wahl der Tech­no­lo­gie zur Erfül­lung des EWär­meG.

Beim Ver­gleich der Wirt­schaft­lich­keit zeigt sich, dass in Abhän­gig­keit von der ange­nom­me­nen Ener­gie­preis­ent­wick­lung die spe­zi­fi­schen Wär­me­ge­ste­hungs­kos­ten der ein­zel­nen Tech­no­lo­gien sehr nahe bei­ein­an­der lie­gen. Aller­dings sind im Wohn­ge­bäu­de­be­reich oft­mals die Höhe der Inves­ti­tio­nen ein ent­schei­den­der Fak­tor und nicht die öko­no­mi­sche Bewer­tung anhand einer Kapi­tal­wert­be­rech­nung. Im Ver­gleich der not­wen­di­gen Anla­ge­inves­ti­tio­nen zeigt sich ein deut­li­cher Abstand zwi­schen fos­si­len Brenn­wert­kes­seln und den tech­no­lo­gie­ba­sier­ten Erfül­lungs­op­tio­nen – Wär­me­pum­pen, Solar­ther­mie und Bio­mas­se­kes­seln, wäh­rend bei Bio­me­than und Bio­heiz­öl zwar höhe­re Ener­gie­kos­ten anfal­len, jedoch kei­ne Mehr­in­ves­ti­tio­nen erfor­der­lich sind. Der Höhe des Abstands der Gesamt­in­ves­ti­tio­nen der EE-Wär­me Tech­no­lo­gien zu den fos­si­len Refe­renz­tech­no­lo­gien spie­gelt sich in den Antei­len der gewähl­ten Erfül­lungs­op­tio­nen wider. Die Ent­wick­lung der Gesamt­in­ves­ti­ti­ons­kos­ten, die der Gebäu­de­ei­gen­tü­mer beim Kauf und Instal­la­ti­on der Anla­gen vom Hei­zungs­in­stal­la­teur auf­brin­gen muss, zeigt, dass über die letz­ten zehn Jah­re in Deutsch­land kei­ne Reduk­ti­on rea­li­siert wur­de, son­dern die Höhe der Gesamt­an­la­gen­in­ves­ti­tio­nen sogar gestie­gen sind.

Die als Erfül­lungs­op­ti­on erstell­ten SFP erfül­len oft­mals die Auf­ga­be, die oft weni­ger bis kaum inter­es­sier­ten Gebäu­de­ei­gen­tü­mer für den ener­ge­ti­schen Zustand und den Sanie­rungs­be­darf ihres Gebäu­des zu sen­si­bi­li­sie­ren und zumin­dest mit­tel- bis lang­fris­tig zur Maß­nah­men­um­set­zung zu moti­vie­ren. Dies trifft nach Aus­sa­gen der Aus­stel­ler ins­be­son­de­re auf Eigen­tü­mer selbst­ge­nutz­ter Ein­fa­mi­li­en­häu­ser zu. Der Ein­fluss des SFP auf eine unmit­tel­ba­re, kurz­fris­ti­ge Maß­nah­men­um­set­zung scheint eher gerin­ger zu sein. Kurz­fris­tig wer­den eher klei­ne­re Maß­nah­men umge­setzt, trotz­dem ist auch eine kurz­fris­ti­ge Wir­kung des SFP mess­bar. Die Mehr­heit der Gebäu­de­ei­gen­tü­mer ist mit der Bera­tungs­wir­kung des SFP und sei­nen Erläu­te­run­gen zufrie­den. Ins­be­son­de­re als mit­tel- bis lang­fris­tig nutz­ba­res Instru­ment für gegen­wär­tig wenig inter­es­sier­te Eigen­tü­mer ist er wert­voll. Die Bewer­tung des Haupt­do­ku­ments des SFP ist hete­ro­gen. Zum einen ist der SFP dadurch über­sicht­lich und kurz, zum ande­ren kön­nen nicht alle wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen ver­mit­telt wer­den. Eini­ge der Ener­gie­be­ra­ter behel­fen sich daher mit zusätz­li­chen aus­führ­li­chen Ener­gie­be­ra­tungs­be­rich­ten zusätz­lich zum sechs­sei­ti­gen Fahr­plan und dem Anhang. SFP-Emp­fän­ger, die den SFP außer­halb des EWär­meG erstel­len lie­ßen, bewer­ten des­sen Bera­tungs­qua­li­tät etwas schlech­ter. Dies könn­te ein Hin­weis dar­auf sein, dass die Erwar­tun­gen die­ser Ziel­grup­pe höher sind.

Die Inten­si­tät der per­sön­li­chen Bera­tung wird dem tat­säch­li­chen Inter­es­se der Gebäu­de­ei­gen­tü­mer ange­passt. Zugleich, so das Ergeb­nis der Befra­gung, erfolgt die Bera­tung in der Regel enga­giert und kom­pe­tent und zur Zufrie­den­heit der Kun­den. Gera­de die inter­view­ten Ener­gie­be­ra­ter mit einer gro­ßen Anzahl erstell­ter SFP schei­nen hohe Kom­pe­tenz und Enga­ge­ment auf­zu­wei­sen. Aller­dings wird ange­merkt, dass der SFP nicht geeig­net scheint, die gro­ße Zahl älte­rer Gebäu­de­ei­gen­tü­mer zu errei­chen. Zu ver­füg­ba­ren För­der­mit­teln scheint ein star­kes Infor­ma­ti­ons­be­dürf­nis zu bestehen, wel­ches oft mit dem SFP nicht gedeckt wer­den kann.

Der NWG-SFP wird von den Gebäu­de­ei­gen­tü­mern eben­falls über­wie­gend posi­tiv bewer­tet. Zur Wir­kung des NWG-SFP kann an die­ser Stel­le kei­ne gesi­cher­te Aus­sa­ge getrof­fen wer­den. Nach Aus­kunft der inter­view­ten Aus­stel­ler, die ins­ge­samt jedoch wenig Erfah­rung mit NWG-SFP haben, wird aus die­sen SFP weni­ger umge­setzt als bei den WG-SFP. Alle NWG-Eigen­tü­mer, die befragt wur­den, lie­ßen den SFP als Erfül­lungs­op­ti­on erstel­len. Ob also der NWG-SFP eine über die EWär­meG-Erfül­lung hin­aus­ge­hen­de Rol­le ein­nimmt, kann auf der Basis der Befra­gung nicht bewer­tet wer­den.

Bei einer Detail­ana­ly­se der Wohn­ge­bäu­de-SFP muss aller­dings bei vie­len SFP eine nicht aus­rei­chen­de Qua­li­tät fest­ge­stellt wer­den, die sich z. B. in einer nicht plau­si­blen Sanie­rungs­stra­te­gie doku­men­tiert. Nur 26 % der nicht von der L‑Bank geför­der­ten SFP berück­sich­ti­gen die indi­vi­du­el­le Situa­ti­on des Bera­tungs­emp­fän­gers. Auf Sei­ten der SFP-Aus­stel­ler besteht daher Hand­lungs- und Ver­bes­se­rungs­be­darf. Durch Qua­li­täts­si­che­rungs­maß­nah­men, Schu­lun­gen und Soft­ware­an­pas­sun­gen kann die Metho­dik der SFP-VO den SFP-Aus­stel­lern ver­deut­licht wer­den, sodass lang­fris­ti­ge und ambi­tio­nier­te Sanie­rungs­stra­te­gien ent­wi­ckelt wer­den, deren Bera­tung das Ziel eines nahe­zu kli­ma­neu­tra­len Gebäu­des ist und den Bera­tungs­emp­fän­ger per­sön­lich zur Sanie­rung moti­viert. Die geför­der­ten und nicht geför­der­ten Wohn­ge­bäu­de-SFP für Wohn­ge­bäu­de unter­schei­den sich nur gering­fü­gig von­ein­an­der.

Die Qua­li­tät der Sanie­rungs­fahr­plä­ne für Nicht­wohn­ge­bäu­de ist eben­falls nicht zufrie­den­stel­lend. Unzu­rei­chen­de Berück­sich­ti­gung fan­den ins­be­son­de­re die Nut­zer­wün­sche, Ziel­vor­ga­ben und För­der­mög­lich­kei­ten. Zudem war die weit über­wie­gen­de Zahl der Berich­te nicht voll­stän­dig. Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass die vom Minis­te­ri­um ver­öf­fent­lich­te „Check­lis­te zur Erstel­lung eines gebäu­de­in­di­vi­du­el­len Sanie­rungs­fahr­plans Baden-Würt­tem­berg – Nicht­wohn­ge­bäu­de –“ von den Aus­stel­lern nicht genutzt wur­de.

Berich­te, die neben hand­werk­li­chen Feh­lern hin­sicht­lich der ener­ge­ti­schen Bewer­tung sowie Dar­stel­lung der Kos­ten den Grund­ge­dan­ken des Sanie­rungs­fahr­plans offen­sicht­lich nicht zum Aus­druck brin­gen, hel­fen dem Bera­tungs­emp­fän­ger lei­der nicht bei sei­ner Ent­schei­dung, wie sein Gebäu­de Teil des kli­ma­neu­tra­len Gebäu­de­be­stands wer­den kann. Der Ein­druck drängt sich auf, dass die über­wie­gen­de Anzahl der geprüf­ten Sanie­rungs­fahr­plä­ne für Nicht­wohn­ge­bäu­de aus­schließ­lich zur Erfül­lung des EWär­meG aus­ge­stellt wur­den. Auf Basis die­ser Ana­ly­se wer­den ver­schie­de­ne Wei­ter­ent­wick­lungs­op­tio­nen ent­wi­ckelt (sie­he unten).

Gemes­sen an den Antrags- und Bewil­li­gungs­zah­len wird das För­der­pro­gramm mäßig ange­nom­men. Die Befra­gungs­er­geb­nis­se zei­gen, dass das Pro­gramm Sanie­rungs­im­pul­se gene­riert, die über eine Ohne­hin-Ent­wick­lung hin­aus­ge­hen. Aller­dings dient ein Groß­teil der geför­der­ten SFP der Erfül­lung des EWär­meG, wäh­rend die Impul­se außer­halb des EWär­meG (noch) sehr gering sind. Die Schluss­fol­ge­rung, dass die För­de­rung die Zahl der aus­ge­stell­ten SFP nur unwe­sent­lich erhöht, erscheint plau­si­bel. Das Umwelt­mi­nis­te­ri­um hat im Sep­tem­ber 2018 eine Been­di­gung der För­de­rung ange­kün­digt.

Die Ana­ly­sen zum Voll­zug des EWär­meG erge­ben ein recht ernüch­tern­des Bild: der Voll­zug ist der­zeit nicht aus­rei­chend sicher­ge­stellt. Haupt­pro­blem ist, dass die Voll­zugs­be­hör­den für die Wahr­neh­mung die­ser Auf­ga­be quan­ti­ta­tiv und teil­wei­se auch qua­li­ta­tiv nicht aus­rei­chen­de per­so­nel­le Kapa­zi­tä­ten zur Ver­fü­gung stel­len. Dies führt dazu, dass der Voll­zug nicht immer in hoher Qua­li­tät und zeit­nah umge­setzt wer­den kann.

Voll­zugs­pro­zes­se wer­den auf unter­schied­lichs­te Wei­se durch­ge­führt. Per­so­nel­le Kapa­zi­tä­ten müs­sen für Fris­ten­über­wa­chung, Abgleich von Lis­ten und Prü­fung for­ma­ler Aspek­te, z.B. Voll­stän­dig­keit der Nach­wei­se mit allen not­wen­di­gen Unter­schrif­ten und ent­spre­chen­de Nach­for­de­run­gen ein­ge­setzt wer­den – schon die for­mel­le Prü­fung der Nach­wei­se ist zeit­in­ten­siv und nimmt nach Aus­sa­ge der befrag­ten uBRB-Mit­ar­bei­ter das Zeit­bud­get voll­stän­dig in Anspruch. Infol­ge­des­sen sind die Kapa­zi­tä­ten für eine inhalt­li­che Prü­fung ent­spre­chend gering bzw. feh­len, und/oder die tech­ni­sche Fach­kennt­nis dafür ist nicht aus­rei­chend. Eine inhalt­li­che Prü­fung der Erfül­lung wird ent­spre­chend sel­ten umge­setzt. Stich­pro­ben zur Prü­fung umge­setz­ter Maß­nah­men wer­den i.d.R. nicht durch­ge­führt, wodurch die Prü­fung der Erfül­lung auf die Kon­trol­le der For­mu­la­re beschränkt bleibt.

Zu den Voll­zugs­pro­ble­men tra­gen auch ande­re Voll­zugs­ak­teu­re bei, näm­lich die Sach­kun­di­gen, die teil­wei­se ihrer Hin­weis­pflicht nicht nach­kom­men, und die Schorn­stein­fe­ger, die teil­wei­se ihrer Mel­de­pflicht nicht unauf­ge­for­dert und zeit­nah nach­kom­men.

Inwie­weit eine Ver­bes­se­rung des Voll­zugs die Wir­kung des EWär­meG ver­bes­sern wür­de, ist schwer abschätz­bar. Eine Ent­las­tung der uBRB bei der Durch­füh­rung der Voll­zugs­auf­ga­ben könn­te mög­li­cher­wei­se durch Soft­ware­tools für die Erleich­te­rung der for­ma­len Prü­fung sowie durch eine Aus­la­ge­rung der inhalt­li­chen Nach­weis­prü­fung an ent­spre­chend kom­pe­ten­te exter­ne Drit­te erreicht wer­den.

Die Eva­lu­ie­rung, ob und in wel­chem Aus­maß durch die ver­pflich­ten­de Nut­zung von Erneu­er­ba­ren im Gebäu­de­be­stand Umwelt­schä­den ver­mie­den wer­den konn­ten, wur­de mit­tels einer Wir­kungs­ab­schät­zung auf Basis der jähr­li­chen Ver­pflich­tungs­fäl­le und Ein­spa­rung je Erfül­lungs­op­ti­on für Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäu­de durch­ge­führt. Um dabei jene Effek­te zu quan­ti­fi­zie­ren, die maß­geb­lich auf das Gesetz zurück­zu­füh­ren sind, wur­den bereits vor dem Kes­sel­tausch vor­han­de­ne Erfül­lungs­op­tio­nen (Pho­to­vol­ta­ik, Gebäu­de­däm­mung und Solar­ther­mie­an­la­gen) und nicht durch das Gesetz indu­zier­ter Ein­satz von erneu­er­ba­ren Ener­gien und Ersatz­maß­nah­men (v.a. Anla­gen die ohne­hin ange­dacht waren) expli­zit berück­sich­tigt. Außer­dem wer­den Vor­zieh­ef­fek­te und Effek­te auf­grund des (gering­fü­gi­gen) Atten­tis­mus erfasst. Dabei wer­den die mit den vor­ge­zo­ge­nen Moder­ni­sie­run­gen ver­bun­de­nen Ein­spa­run­gen zusätz­lich quan­ti­fi­ziert. Im Gegen­zug wer­den ent­gan­ge­ne Ein­spa­run­gen auf­grund ver­zö­ger­ten Kes­sel­tauschs nega­tiv ange­las­tet. Ein­spa­run­gen auf­grund der Effi­zi­enz­stei­ge­rung des Kes­sels wur­den nicht berück­sich­tigt, da die­se auf­grund des Aus­lö­se­tat­be­stan­des Kes­sel­tauschs auch ohne das Gesetz ange­fal­len wären.

Ver­schie­de­ne Unsi­cher­heits­fak­to­ren, wie u.a. die Dis­kre­panz der Fall­zah­len oder die tat­säch­lich gewähl­ten Erfül­lungs­op­tio­nen erlau­ben nur eine nähe­rungs­wei­se Beschrei­bung des tat­säch­li­chen Effekts. Anders als bei der Eva­lu­ie­rung vie­ler ande­rer Instru­men­te und För­der­pro­gram­me wur­de bei der Wir­kungs­ab­schät­zung für das EWär­meG restrik­tiv vor­ge­gan­gen und z.B. alle Mit­nah­me­ef­fek­te her­aus­ge­rech­net. Dies ist auch beim Ver­gleich mit der Wir­kungs­ab­schät­zung in der Eva­lua­ti­on des ursprüng­li­chen EWär­meG von 2011 zu berück­sich­ti­gen.

Die Ana­ly­se zeigt, dass dem EWär­meG eine nen­nens­wer­te Wir­kung zuge­ord­net wer­den kann. Vom Zeit­punkt des Inkraft­tre­tens des Geset­zes bis 2017 konn­ten auf­grund des Ein­sat­zes von Erneu­er­ba­ren und ande­ren Ersatz­maß­nah­men im Jahr 2017 408 kt CO2,äq. (inklu­si­ve Vor­ket­te) jähr­lich addier­te Treib­haus­gas­emis­sio­nen im Wohn­ge­bäu­de­be­stand ein­ge­spart wer­den. Bezieht man die Wer­te auf die Emis­sio­nen der Ver­pflich­tungs­fäl­le vor dem Hei­zungs­tausch, belau­fen sich die Ein­spa­run­gen auf rd. 16 % der Emis­sio­nen. Die jähr­li­chen Emis­sio­nen sind in Abbil­dung 1–4 dar­ge­stellt.

Verlaufskurve der THG-Einsparungen 2010 bis 2017

Abbil­dung 1–4: Jähr­lich ver­mie­de­ne Treib­haus­gas­emis­sio­nen auf­grund des Ein­sat­zes von erneu­er­ba­ren Ener­gien und Ersatz­maß­nah­men (Wohn­ge­bäu­de), ohne Berück­sich­ti­gung bereits vor­han­de­ner Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men sowie Vor­zieh­ef­fek­te und Atten­tis­mus. (* Für das Jahr 2017 wur­den die Ver­pflich­tungs­fäl­le auf­grund der BDH-Absatz­zah­len aus dem Jahr 2016 bestimmt.)

Von den Ein­spa­run­gen sind schät­zungs­wei­se rd. 15 % (61 kt CO2,äq.) nicht direkt durch das EWär­meG indu­ziert, da die Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men laut Ergeb­nis der Brei­ten­be­fra­gung bereits vor­han­den waren und nach­träg­lich ange­rech­net wur­den (v.a. Solar­ther­mie, Pho­to­vol­ta­ik und Gebäu­de­däm­mung) bzw. vor­han­de­ne Anla­gen durch effi­zi­en­te­re Anla­gen ersetzt wur­den (v.a. Bio­mas­se). Bei wei­te­ren 18 % der Ein­spa­run­gen (75 kt CO2,äq.) wur­de die Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dung nicht durch das Gesetz aus­ge­löst, d.h. die Gebäu­de­ei­gen­tü­mer hät­ten die jewei­li­ge Erfül­lungs­op­ti­on ohne­hin gewählt (Ohne­hin-Effekt). Unter Berück­sich­ti­gung von Vor­zieh­ef­fek­ten (Hei­zungs­an­la­gen wur­den zeit­lich vor­ge­zo­gen aus­ge­tauscht wegen der Ankün­di­gung des Geset­zes) und eines gerin­gen ver­zö­ger­ten Aus­tauschs von Hei­zun­gen ver­rin­gern sich die gesam­ten Ein­spa­run­gen um wei­te­re 48 kt CO2,äq.. Die dar­aus resul­tie­ren­den Net­to Effek­te, die dem EWär­meG als attri­bu­ier­te Wir­kung ange­rech­net wer­den kön­nen, belau­fen sich somit auf 224 kt CO2,äq. jähr­lich addier­te Treib­haus­gas­ein­spa­run­gen im Jahr 2017 für die Maß­nah­men im Zeit­raum von 2010 bis 2017, was rund 1,5 % der gesam­ten Treib­haus­gas­emis­sio­nen für die Raum­wär­me- und Trink­warm­was­ser­be­reit­stel­lung des Wohn­ge­bäu­de­be­stands ent­spricht. Bezieht man die Wer­te auf die Emis­sio­nen der Ver­pflich­tungs­fäl­le vor dem Hei­zungs­tausch, belau­fen sich die Ein­spa­run­gen auf rd. 9 % der Emis­sio­nen. Die Ergeb­nis­se sind in Abbil­dung 1–5 dar­ge­stellt.

Im Nicht­wohn­ge­bäu­de­be­stand wur­den in den zwei­ein­halb Jah­ren seit Aus­wei­tung des Geset­zes Maß­nah­men mit einer Ein­spar­wir­kung von bis zu 246 kt CO2,äq. pro Jahr auf­grund des Ein­sat­zes von Erneu­er­ba­ren oder Ersatz­maß­nah­men ange­sto­ßen2. Abzüg­lich der Ein­spa­rung auf­grund vor­han­de­ner Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men (31 kt CO2,äq.) und der Ohne­hin-Effek­te (59 kt CO2,äq.) ergibt sich eine Ein­spa­rung in Höhe von 156 kt CO2,äq., was 1,8 % der gesam­ten Treib­haus­gas­emis­sio­nen des Nicht­wohn­ge­bäu­de­be­stands ent­spricht. (8.460 kt CO2,äq.). Die Ein­be­zie­hung von Nicht­wohn­ge­bäu­den hat sich also bewährt, weil in die­sem Bereich noch grö­ße­re CO2-Ein­spa­run­gen erzielt wer­den als bei Wohn­ge­bäu­den.

Verlaufskurve zur Wirkung des EWärmeG für Wohngebäude von 2008 bis 2017

Abbil­dung 1–5: Wir­kung des EWär­meG im Wohn­ge­bäu­de­be­stand unter Berück­sich­ti­gung der Vor­zieh­ef­fek­te und Atten­tis­mus, der bereits vor der Erneue­rung vor­han­de­nen Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men und jenen Anla­gen, die ohne­hin instal­liert wor­den wären und dadurch nicht durch das EWär­meG indu­ziert wur­den.

Ins­ge­samt wer­den durch das EWär­meG seit der Novel­lie­rung jähr­lich zusätz­lich 110.000 bis 170.000 t CO2,äq. ein­ge­spart (WG 50.000–70.000 t CO2,äq., NWG 60.000–100.000 t CO2,äq.)3. Alle Wohn­ge­bäu­de, die unter die Nut­zungs­pflicht des EWär­meG fal­len, haben zusätz­lich 9 % bis 16 % der Emis­sio­nen im Ver­gleich zu jenen vor dem Hei­zungs­tausch ein-gespart.

Die Eva­lu­ie­rung des EWär­meG hat gezeigt: das Gesetz führt zu einem zusätz­li­chen Aus­bau erneu­er­ba­rer Ener­gien, mehr Ener­gie­ef­fi­zi­enz und Bera­tung. Die­se Wir­kung ent­steht in der Sum­me unter­schied­li­cher Effek­te:

  • Es ver­mit­telt durch die expli­zi­ten Anfor­de­run­gen einen zusätz­li­chen direk­ten Aus­bau­an­reiz für erneu­er­ba­re Ener­gien und Ersatz­maß­nah­men.
  • Indi­rekt stärkt das Gesetz die Beschäf­ti­gung mit erneu­er­ba­ren Ener­gien sowohl im Bera­tungs­pro­zess bei Hei­zungs­bau­ern und Planern/Architekten als auch bei der Kauf­ent­schei­dung bei den End­kun­den. Auch zusätz­li­che Ener­gie­be­ra­tun­gen wer­den ange­reizt (Trig­ger­funk­ti­on).
  • Die Ein­spa­run­gen sind aller­dings nicht voll­stän­dig kau­sal dem EWär­meG zuzu­ord­nen. Ande­re Instru­men­te, wie För­der­pro­gram­me, EEG usw. sind eben­falls mit für die­se Markt­ent­wick­lung ver­ant­wort­lich. In ande­ren Fäl­len waren die Erfül­lungs­op­tio­nen auch schon vor dem Aus­lö­ser des Kes­sel­tauschs exis­tent. Aber auch bei Berück­sich­ti­gung die­ser ander­wei­ti­gen Effek­te ver­bleibt eine posi­ti­ve Net­to­wir­kung des Geset­zes.


Die Ein­spar- und Aus­bau­wir­kung des EWär­meG ist aller­dings noch nicht aus­rei­chend, um von einer ziel­kom­pa­ti­blen „Lan­des-Wär­me­wen­de“ zu spre­chen. In vie­len Fäl­len sind erneu­er­ba­re Ener­gien in der Wär­me­ver­sor­gung aus End­kun­den­sicht weni­ger wirt­schaft­lich als eine her­kömm­li­che Hei­zung mit fos­si­len Brenn­stof­fen – oder aber sie amor­ti­sie­ren sich nur län­ger­fris­tig nach anfäng­li­chen höhe­ren Inves­ti­ti­ons­kos­ten. Es ist eine Her­aus­for­de­rung, mit ord­nungs­recht­li­chen Bestim­mun­gen gegen die­se schwie­ri­ge Markt­si­tua­ti­on anzu­kom­men.

Es bedarf daher einer bun­des­po­li­ti­schen Flan­kie­rung, bes­ten­falls einer bun­des­wei­ten Eta­blie­rung ent­spre­chen­der Steue­rungs­in­stru­men­te. Zudem hat die Eva­lu­ie­rung gezeigt, dass es aktu­ell an eini­gen Stel­len deut­li­che Pro­ble­me mit dem Voll­zug des EWär­meG gibt.

Ins­ge­samt emp­feh­len die Gut­ach­ter eine Wei­ter­füh­rung des EWär­meG bei gleich­blei­ben­dem Ambi­ti­ons­grad. Wir­kungs­wei­se, Akzep­tanz und Voll­zug sol­len durch ein Bün­del an Ver­än­de­run­gen und Steue­rungs­in­stru­men­ten erhöht wer­den, die im Fol­gen­den – struk­tu­riert nach ver­schie­de­nen Hand­lungs­di­men­sio­nen – dar­ge­stellt wer­den. Zen­tral für die wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen der erneu­er­ba­ren Wär­me ist eine signi­fi­kan­te, auf­kom­mens­neu­tra­le bun­des­wei­te CO2-Len­kungs­kom­po­nen­te. Es wird emp­foh­len, dass das Land Baden-Würt­tem­berg sich wei­ter­hin für eine der­ar­ti­ge Len­kungs­kom­po­nen­te ein­setzt. Zudem soll­te die­ses Steue­rungs­in­stru­ment durch ord­nungs­recht­li­che Ver­bes­se­run­gen flan­kiert wer­den und ins­be­son­de­re die Aus­nah­men bei den unbe­ding­ten Nach­rüst­pflich­ten der gel­ten­den EnEV (§10) aus­ge­dünnt wer­den, um damit mehr wirt­schaft­li­che Aus­tausch­fäl­le zu gene­rie­ren. Auch Wär­me­net­ze auf Basis fos­si­ler Ener­gie­trä­ger müs­sen einen Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess durch­lau­fen. Dafür sind geeig­ne­te bun­des­po­li­ti­sche Vor­aus­set­zun­gen zu schaf­fen, damit Wär­me­net­ze auch wei­ter­hin einen CO2-Vor­teil bie­ten; hier­zu gehö­ren Wei­ter­ent­wick­lun­gen bei der CO2-Beprei­sung in der Ener­gie­steu­er und im Emis­si­ons­han­del, Rechen­ver­fah­ren für zukünf­ti­ge Anfor­de­rungs­grö­ßen des Gebäu­de­en­er­gie­ge­set­zes, För­der­pro­gram­me für die EE-Trans­for­ma­ti­on, ggf. aber auch wei­te­re ord­nungs­recht­li­che Rand­be­din­gun­gen u. a. in Umset­zung der euro­päi­schen Erneu­er­ba­re-Ener­gien-Richt­li­nie. Das Land kann die­se Rah­men­be­din­gun­gen nicht unmit­tel­bar ver­än­dern, son­dern nur mit­tel­bar in der poli­ti­schen Dis­kus­si­on und im Bun­des­rat adres­sie­ren.

Wei­te­re Hand­lungs­emp­feh­lun­gen sind detail­liert in Kapi­tel 12 beschrie­ben und in der fol­gen­den Tabel­le zusam­men­ge­fasst.

Vor­schlag
Über­grei­fend
Bun­des­wei­te Ein­füh­rung einer CO2-Len­kungs­ab­ga­be
Wei­ter­ent­wick­lung der Hei­zungs­aus­tausch­pflich­ten und Prü­fung der Aus­nah­men von Hei­zungs­tausch­pflich­ten im GEG
Bezug der 15 %-Nut­zungs­pflicht auf Wär­me- und Käl­te­en­er­gie­be­darf
Wei­ter­ent­wick­lung der kom­mu­na­len Wär­me­pla­nung
Strei­chung des Aus­nah­me­tat­be­stands EWär­meG § 2 (2) Nr. 13 für gewerb­li­che und indus­tri­el­le Hal­len
Aus­lö­se­tat­be­stand
Erwei­tert über bun­des­wei­te Rege­lung im GEG oder 1. BIm­schV
Erfül­lungs­op­tio­nen
Prü­fung der Auf­nah­me von Lüf­tungs­an­la­gen auch für Wohn­ge­bäu­de
Ver­ein­fach­te Aner­ken­nung von teil­ge­dämm­ten Kel­ler­de­cken
Trink­was­ser-WP als pau­scha­le Tei­l­er­fül­lung ein­füh­ren
Prü­fung der Auf­nah­me von Fens­ter­aus­tausch
Über­prü­fung der Pflicht­er­fül­lung für Bio­öl und Bio­me­than
Auf­nah­me von Bio-Flüs­sig­gas als Erfül­lungs­op­ti­on
Gleich­stel­lung von EE-PtG mit Bio­me­than, sobald es hier­für ein aner­kann­tes Güte­ver­fah­ren gibt
Har­mo­ni­sie­rung der 50 kW-Gren­ze durch Anwen­dung auch auf Bio­öl
Prü­fung einer Ein­füh­rung einer Pau­scha­l­an­rech­nung von Effi­zi­enz­maß­nah­men bei LED-Beleuch­tung, Ven­ti­la­to­ren und Pum­pen, som­mer­li­cher Wär­me­schutz, ggf. wei­te­re Maß­nah­men der Peri­phe­rie in NWG
Ein­füh­rung des Ersatz­tat­be­stan­des „Neu­bau-Niveau“ (ana­log zum EEWär­meG auf Bun­des­ebe­ne)
Prü­fung einer Auf­nah­me von Kamin­öfen mit sehr guten Emis­si­ons­ei­gen­schaf­ten (z. B. 2. Stu­fe BIm­schV; DIN Plus; zukünf­tig Blau­er Engel), für antei­li­ge Anrech­nung
Sanie­rungs­fahr­plan
Bei­be­hal­tung als Erfül­lungs­op­ti­on
Absen­kung der Aner­ken­nung von NWG-SFP auf z. B. 33 % Erfül­lungs­quo­te
Ins­be­son­de­re bei NWG-SFP: Qua­li­täts­of­fen­si­ve. Hier­zu Wei­ter­ent­wick­lung der Schu­lung und Erstel­lung von Infor­ma­ti­ons­ma­te­ria­li­en, Ein­füh­rung von Stich­pro­ben, Ver­öf­fent­li­chung von Mus­ter-Sanie­rungs­fahr­plä­nen für Nicht­wohn­ge­bäu­de; Anhe­bung der Anfor­de­rung an die Qua­li­fi­zie­rung für Nicht­wohn­ge­bäu­de-SFP.
Ver­pflich­tung des Ener­gie­be­ra­ters, dem Emp­fän­ger des NWG-SFP die voll­stän­dig aus­ge­füll­te und unter­schrie­be­ne „Check­lis­te zur Erstel­lung eines gebäu­de­in­di­vi­du­el­len Sanie­rungs­fahr­plans Baden-Würt­tem­berg – Nicht­wohn­ge­bäu­de“ gemein­sam mit dem Bericht aus­zu­hän­di­gen.
Prü­fung einer För­de­rung der NWG-SFP, sofern der SFP-NWG min­des­tens 3 Mona­te vor dem Ein­tre­ten der Nut­zungs­pflicht fer­tig­ge­stellt und über­ge­ben ist.
Voll­zug und Büro­kra­tie
Bes­se­re Res­sour­cen­aus­stat­tung des Voll­zugs auf Grund­la­ge des tat­säch­li­chen Bear­bei­tungs­auf­wands auf Sei­ten der unte­ren Bauch­rechts­be­hör­den; Prü­fung, ob durch Erhe­bung von Gebüh­ren Ein­nah­men erzielt wer­den kön­nen, die die Res­sour­cen­aus­stat­tung des Voll­zugs ver­bes­sern wür­den.
Stär­ke­re Ver­ein­heit­li­chung des Voll­zugs und der Voll­zugs­in­ten­si­tät
Zur Ver­ein­fa­chung der Fris­ten­über­wa­chung, der Lis­ten­füh­rung und zur Unter­stüt­zung der for­mel­len Nach­weis­prü­fung auf Voll­stän­dig­keit soll­ten Soft­ware­lö­sun­gen erar­bei­tet wer­den (z.B. Ent­wick­lung einer Soft­ware­lö­sung zur elek­tro­ni­schen Ver­ar­bei­tung der Mel­dun­gen aus dem Kehr­buch, ggf. Wei­ter­ent­wick­lung der Bau­rechts­soft­ware; Soft­ware­lö­sung zur auto­ma­ti­schen Über­nah­me der Lis­ten in das IDEV-Por­tal)
Aus­la­ge­rung der inhalt­li­chen Prü­fung an exter­ne Drit­te (auch Prü­fung der Befrei­ungs­an­trä­ge), Umset­zung der inhalt­li­chen Prü­fung als Stich­pro­ben­prü­fung, Bereit­stel­lung von Mit­teln dazu aus den Voll­zugs­res­sour­cen der uBRB Dis­kus­si­on des Vor­ge­hens bei Nicht­er­fül­lung, auch bei unzu­rei­chen­der Qua­li­tät der Sanie­rungs­fahr­plä­ne
Orga­ni­sa­ti­on einer gemein­sa­men Platt­form für die Bereit­stel­lung von Infor­ma­tio­nen und Mate­ria­len
Sen­si­bi­li­sie­rung der Schorn­stein­fe­ger zur Mel­de­pflicht, Mel­dung über elek­tro­ni­sches Kehr­buch ver­pflich­tend ein­füh­ren. Sicher­stel­len, dass Schorn­stein­fe­ger ihrer Mel­de­pflicht auch dann nach­kom­men, wenn eine nicht abnah­me­pflich­ti­ge Heiz­an­la­ge ein­ge­baut wird
Sen­si­bi­li­sie­rung der Hand­wer­ker und ande­rer Sach­kun­di­ger zu ihrer Hin­weis­pflicht, Moti­va­ti­ons­of­fen­si­ve zur Hin­weis­pflicht und Kom­bi­na­ti­on mit Über­ga­be eines Info-Fly­ers zum EWär­meG
Erhe­bung von Tele­fon­num­mern und E‑Mail-Adres­sen der Gebäu­de­ei­gen­tü­mer zur ver­ein­fach­ten Kon­takt­auf­nah­me bei „klei­nen“ Feh­lern (Nach­weis­for­mu­la­re)
Sen­si­bi­li­sie­rung der Denk­mal­schutz­be­hör­den für den Kli­ma­schutz und ver­bes­ser­te Koope­ra­ti­on
Infor­ma­ti­on und Fort­bil­dung
Ande­re Gewer­ke über posi­ti­ve Markt­chan­cen durch EWär­meG infor­mie­ren
Wei­ter­hin regel­mä­ßi­ge Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen mit ver­schie­de­nen Ziel­grup­pen und Kam­pa­gnen­in­hal­ten in Zusam­men­ar­beit mit den regio­na­len Ener­gie­agen­tu­ren

Tabel­le 1–1: Zusam­men­stel­lung der Detail-Hand­lungs­emp­feh­lun­gen

1 Bei den NWG wur­de für Wär­me­pum­pen und Wär­me­net­ze kei­ne Kor­rek­tur der Erfül­lungs­fäl­le vor­ge­nom­men.
2 Für Nicht­wohn­ge­bäu­de ist das aus­ge­wie­se­ne THG-Min­de­rungs­po­ten­zi­al des EWär­meG auf­grund der vor­han­de­nen Daten und der Hete­ro­ge­ni­tät der Gebäu­de mit grö­ße­rer Unsi­cher­heit behaf­tet als für Wohn­ge­bäu­de.
3 Die Band­brei­te ergibt sich auf­grund der Berück­sich­ti­gung von bereits vor­han­de­nen Anla­gen, Ohne­hin-Effek­ten und Vor­zieh­ef­fek­ten bzw. Effek­te auf­grund eines gerin­gen ver­zö­ger­ten Aus­tauschs von Hei­zun-gen. Dies dient der Abschät­zung, wel­che Ein­spa­run­gen kau­sal dem EWär­meG zuge­ord­net wer­den kön­nen. Dabei ent­spricht die obe­re Gren­ze jenen Ein­spa­run­gen, die ins­ge­samt auf­grund des Ein­sat­zes von erneu-erba­ren und Ersatz­maß­nah­men aus­ge­löst wur­den und bei denen die Ein­spa­rung nicht voll­stän­dig kau­sal dem EWär­meG zuge­ord­net wer­den kann. Die unte­re Gren­ze ent­spricht einem mode­ra­ten, mitt­le­ren Sze­na­rio unter Berück­sich­ti­gung der soeben genann­ten Effekte.Inhaltsverzeichnis

Umweltministerium BW logo

Einleitung

Das EWärmeG Baden Württemberg

2.1.1 Geschichte des EWärmeG

Mit dem EWär­meG ver­ab­schie­de­te das Land Baden-Würt­tem­berg 2007 das in Deutsch­land ers­te Lan­des­ge­setz sei­ner Art. Anfang 2008 trat es mit dem Ziel in Kraft, den Anteil erneu­er­ba­rer Ener­gien an der Wär­me­ver­sor­gung zu erhö­hen und durch die infol­ge­des­sen ver­min­der­ten Treib­haus­gas­emis­sio­nen einen Bei­trag zum Kli­ma­schutz und der Luft­rein­hal­tung zu leis­ten. Der Gel­tungs­be­reich erstreck­te sich sowohl auf Neu­bau­ten als auch auf Bestands­ge­bäu­de im Wohn­ge­bäu­de­be­reich. Die Ver­ab­schie­dung des Geset­zes war auf­grund der Gesetz­ge­bungs­kom­pe­tenz und ‑zustän­dig­keit mög­lich, die im Bereich der kon­kur­rie­ren­den Gesetz­ge­bung bei den Län­dern liegt, „solan­ge und soweit der Bun­de nicht von sei­ner Gesetz­ge­bungs­zu­stän­dig­keit durch Gesetz Gebrauch gemacht hat“ (Art. 72 Abs. 1 GG).

Aller­dings trat im fol­gen­den Jahr zum 1. Janu­ar 2009 das EEWär­meG des Bun­des in Kraft, in dem eben­falls eine antei­li­ge Nut­zungs­pflicht erneu­er­ba­rer Ener­gien bei der Wär­me­er­zeu­gung für Neu­bau­ten und Bestands­ge­bäu­de (beschränkt auf Bestands­ge­bäu­de der öffent­li­chen Hand) vor­ge­schrie­ben wur­de. Hier­durch wur­de das EWär­meG in Baden-Würt­tem­berg für Neu­bau­ten und Bestands­ge­bäu­de der öffent­li­chen Hand durch das EE-Wär­meG abge­löst. Nach § 3 Abs. 4 EEWär­meG kön­nen die Län­der jedoch „für bereits errich­te­te Gebäu­de, die kei­ne öffent­li­chen Gebäu­de [des Bun­des] sind, eine Pflicht zur Nut­zung von Erneu­er­ba­ren Ener­gien fest­le­gen“. Ergo kön­nen die Rege­lun­gen des EWär­meG wei­ter­hin für den Bestands­ge­bäu­de­be­reich ange­wen­det wer­den. 2015 wur­de eine Novel­lie­rung des EWär­meG beschlos­sen, die am 1. Juli 2015 in Kraft trat.

2.1.2 Ziele des EWärmeG im Kontext der Energiepolitik des Landes Baden-Württemberg

Pri­mä­rer Zweck des novel­lier­ten Geset­zes ist es,

den Ein­satz von erneu­er­ba­ren Ener­gien zu Zwe­cken der Wär­me­ver­sor­gung bei Gebäu­den und die effi­zi­en­te Nut­zung der Ener­gie […] zu stei­gern, die hier­für not­wen­di­gen Tech­no­lo­gien wei­ter aus­zu­bau­en und dadurch die Nach­hal­tig­keit der Ener­gie­ver­sor­gung im Wär­me­be­reich zu ver­bes­sern“ (§1 EWär­meG).

Damit ver­folgt das Gesetz sowohl einen ener­gie- wie auch einen tech­no­lo­gie­po­li­ti­schen Zweck. Durch den ener­gie­po­li­ti­schen Zweck des Aus­baus von EE-Wär­me soll zugleich kli­ma­po­li­tisch bei­getra­gen wer­den,

„die Gesamt­sum­me der Treib­haus­gas­emis­sio­nen in Baden-Würt­tem­berg im Ver­gleich zu den Gesamt­emis­sio­nen des Jah­res 1990 bis zum Jahr 2020 um min­des­tens 25 Pro­zent und bis zum Jahr 2050 um 90 % zu ver­rin­gern“ (§1 EWär­meG).

Für den Zweck der Eva­lu­ie­rung des Geset­zes ist es auf Basis von § 1 EWär­meG nicht mög­lich, quan­ti­ta­ti­ve Zie­le abzu­lei­ten, da das Gesetz ledig­lich auf „einen Bei­trag“ zum Kli­ma­schutz abstellt, der nicht näher quan­ti­fi­ziert ist. Daher wer­den die Ergeb­nis­se der Eva­lu­ie­rung semi­quan­ti­ta­tiv bezo­gen auf die fol­gen­den Eva­lua­ti­ons­kri­te­ri­en:

Kri­te­ri­umOpe­ra­tio­na­li­sie­rung
1Stei­ge­rung des Ein­sat­zes von erneu­er­ba­ren Ener­gien in der Gebäu­de-Wär­me­ver­sor­gung und effi­zi­en­te Nut­zungStei­ge­rung des Absat­zes von EE-Wär­me-Tech­no­lo­gien und Maß­nah­men der Gebäu­de­ef­fi­zi­enz gegen­über einer Refe­renz­ent­wick­lung
2Aus­bau von not­wen­di­gen Tech­no­lo­gien für Nr. 1Qua­li­ta­ti­ve Ein­schät­zung auf Basis von Markt­be­ob­ach­tun­gen und ‑sta­tis­tik
3Bei­trag zum Kli­ma­schutz in BWEin­ge­spar­te THG-Emis­sio­nen durch Nr. 1 gegen­über einer Refe­renz­ent­wick­lung

Tabel­le 2–1: Eva­lua­ti­ons­kri­te­ri­en und deren Ope­ra­tio­na­li­sie­rung

2.1.3 Erfüllungsoptionen des EWärmeG

Das EWär­meG schreibt bei einem Hei­zungs­an­la­gen­aus­tausch (oder nach­träg­li­chen Ein­bau) in bestehen­den Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäu­den einen Deckungs­an­teil des Wär­me­en­er­gie­be­darfs von 15 % durch erneu­er­ba­re Ener­gien oder ent­spre­chen­de Ersatz­maß­nah­men vor. Der Wär­me­en­er­gie­be­darf wird defi­niert als die „Sum­me der zur Deckung des Wär­me­be­darfs für Hei­zung und Warm­was­ser­be­rei­tung jähr­lich benö­tig­ten Wär­me­men­ge ein­schließ­lich des ther­mi­schen Auf­wands für Über­ga­be, Ver­tei­lung und Spei­che­rung“ (EWär­meG §3 Nr. 4). Die­se Nut­zungs­pflicht des EWär­meG gilt aus­schließ­lich für Gebäu­de, die vor dem 1. Janu­ar 2009 erbaut wur­den. Gebäu­de, die zu einem spä­te­ren Zeit­punkt errich­tet wur­den, gel­ten hin­ge­gen als Neu­bau­ten und fal­len unter das EEWär­meG. Die Nut­zungs­pflicht kann sowohl durch den Ein­satz von durch das Gesetz aner­kann­ten effi­zi­en­ten erneu­er­ba­ren Wär­me­er­zeu­gern als auch durch bau­li­che Wär­me­schutz­maß­nah­men oder Ersatz­maß­nah­men erfüllt wer­den. Zu den erneu­er­ba­ren Ener­gien zäh­len die sola­re Strah­lungs­en­er­gie, Geo­ther­mie, Umwelt­wär­me, fes­te, flüs­si­ge und gas­för­mi­ge Bio­mas­se (§5 Abs. 1 EWär­meG). Eine antei­li­ge Nut­zung erneu­er­ba­rer Ener­gien kann in Sum­me mit wei­te­ren Maß­nah­men zur voll­stän­di­gen Erfül­lung der Nut­zungs­pflicht füh­ren. Eine Über­sicht der Erfül­lungs­op­tio­nen ist in Tabel­le 2–2 dar­ge­stellt.

Tabelle: Übersicht der Erfüllungsoptionen des EWärmeG

Tabel­le 2–2: Über­sicht der Erfül­lungs­op­tio­nen des EWär­meG 2015 für Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäu­de. Quel­le: Dar­stel­lung Umwelt­mi­nis­te­ri­um

Bei der Nut­zung von Solar­ther­mie zur Warm­was­ser- und Raum­wär­me­er­zeu­gung wird die Aper­tur­flä­che in m² pro m² Wohn­flä­che (Wfl) (bzw. Nutz­flä­che im Nicht­wohn­ge­bäu­de­be­reich) her­an­ge­zo­gen. Für eine vol­le Erfül­lung der Pflicht für Ein- oder Zwei­fa­mi­li­en­häu­ser (EZFH) muss die Kol­lek­tor­flä­che 7 m² je 100 m² Wohn­flä­che betra­gen. Für Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser (MFH) beträgt die Min­dest­kol­lek­tor­flä­che 6 m² je 100 m² Wohn­flä­che. Letz­te­res trifft auch für Nicht­wohn­ge­bäu­de zu. Wer­den als effi­zi­en­ter gel­ten­de Vaku­um­röh­ren­kol­lek­to­ren genutzt, ver­min­dert sich die Kol­lek­tor­min­dest­flä­che jeweils um 20 % (§7 EWär­meG). Eine indi­vi­du­el­le Berech­nung des 15 %- Anteil ist immer mög­lich, Pau­scha­len die­nen der Ver­ein­fa­chung.

Unter den Begriff fes­te Bio­mas­se fal­len sowohl Wär­me­er­zeu­ger auf Basis der Ver­bren­nung von Holz mit­tels Holz­zen­tral­hei­zun­gen als auch mit­tels Holz­ein­zel­öfen. An die Tech­nik der Holz­zen­tral­hei­zun­gen wer­den sei­tens des EWär­meG kei­ne Anfor­de­run­gen gestellt. Mit Holz­ein­zel­feue­rungs­an­la­gen kann die Nut­zungs­pflicht dage­gen nur dann erfüllt wer­den, wenn sie zu den als emis­si­ons­arm gel­ten­den Anla­gen gehö­ren, wel­che in §5 Abs. 5 EWär­meG auf­ge­führt wer­den (Kamin­öfen gehö­ren nicht dazu, sie­he Begrün­dung zum EWär­meG). Teil­wei­se wird zusätz­lich ein Min­dest­wir­kungs­grad gefor­dert – bei Pel­let­öfen bei­spiels­wei­se 90 %. In den Öfen dür­fen nur natur­be­las­se­nes stü­cki­ges Holz oder Pel­lets ein­ge­setzt wer­den (§5 Abs. 5 EWär­meG). Mit den Ein­zel­raum­feue­run­gen müs­sen min­des­tens 30 % der Wohn­flä­che über­wie­gend beheizt wer­den, oder der Ofen muss mit einer Was­ser­ta­sche Wär­me an das Zen­tral­hei­zungs­sys­tem abge­ben, um die Nut­zungs­pflicht voll­stän­dig zu erfül­len. Aus­schließ­lich für Wohn­ge­bäu­de ist auch eine Anrech­nung der Erfül­lungs­op­ti­on zu zwei Drit­teln mög­lich, wenn 25 % der Wohn­flä­che über­wie­gend durch die Ein­zel­raum­feue­rung beheizt wer­den (§5 Abs. 5 EWär­meG).

Wär­me­pum­pen nut­zen Umwelt­wär­me und Geo­ther­mie durch den Ein­satz von Strom oder Brenn­stof­fen. Die Nut­zungs­pflicht gilt bei elek­trisch betrie­be­nen Wär­me­pum­pen als erfüllt, wenn die­se eine Jah­res­ar­beits­zahl (JAZ) von min­des­tens 3,5 erreicht. Für brenn­stoff­be­trie­be­ne Wär­me­pum­pen liegt der Grenz­wert bei einer Jah­res­heiz­zahl (JHZ) von 1,2 (§5 Abs. 2 Satz 1 und 2 EWär­meG).

Der antei­li­ge Ein­satz von gas­för­mi­ger Bio­mas­se bei Gas­hei­zun­gen ermög­licht eine Erfül­lung der Nut­zungs­pflicht von bis zu zwei Drit­teln. Vor­aus­set­zung ist eine ther­mi­sche Leis­tung der Hei­zungs­an­la­ge von weni­ger als 50 kW. Fer­ner muss der Heiz­kes­sel auf der Brenn­wert­tech­nik basie­ren (§5 Abs. 3 EWär­meG). Die Nut­zungs­pflicht kann des­halb nur antei­lig erfüllt wer­den, da im Ver­gleich zu ande­ren Erfül­lungs­op­tio­nen nur unge­nü­gend Treib­haus­ga­se im Sin­ne der Ziel­er­rei­chung des Geset­zes ein­ge­spart wer­den kön­nen (Minis­te­ri­um für Umwelt, Kli­ma und Ener­gie­wirt­schaft Baden-Würt­tem­berg, 2014).

Ähn­li­ches ist bei der Bei­mi­schung von Bio­öl in Ölhei­zun­gen der Fall. Der antei­li­ge Ein­satz flüs­si­ger Bio­mas­se steht hier in Nut­zungs­kon­kur­renz zum Bedarf in ande­ren Sek­to­ren. Das im Ver­gleich zu ande­ren Maß­nah­men nur gerin­ge Ein­spar­po­ten­zi­al für Treib­haus­gas­emis­sio­nen sowie tech­ni­sche Restrik­tio­nen bei der Bei­mi­schung von Bio­öl füh­ren zu einer ledig­lich gering­fü­gi­gen Effi­zi­enz­stei­ge­rung. Folg­lich kön­nen durch den Ein­satz von Bio­öl in Hei­zungs­an­la­gen nur zwei Drit­tel der Nut­zungs­pflicht erfüllt wer­den. Bei Nicht­wohn­ge­bäu­den darf außer­dem die ther­mi­sche Leis­tung der Hei­zung 50 kW nicht über­schrei­ten.

Wird beim Hei­zungs­an­la­gen­aus­tausch auf die Nut­zung von erneu­er­ba­ren Ener­gie­trä­gern ver­zich­tet, kön­nen auch Ener­gie­ein­spar­maß­nah­men durch bau­li­chen Wär­me­schutz zu einer antei­li­gen oder voll­stän­di­gen Erfül­lung der Nut­zungs­pflicht füh­ren. Bei der Bewer­tung der Erfül­lungs­op­tio­nen die­nen die rele­van­ten Grenz­wer­te der Ener­gie­ein­spar­ver­ord­nung des Jah­res 2014 (EnEV 2014) als Bezugs­grö­ße. Zu den bau­li­chen Wär­me­schutz­maß­nah­men zählt die voll­stän­di­ge Däm­mung der Außen­wän­de bzw. der Kel­ler­de­cken­räu­me (Wär­me­durch­gangs­ko­ef­fi­zi­ent 20 % unter EnEV 2014), oder eine Redu­zie­rung des Trans­mis­si­ons­wär­me­ver­lusts HT‘ durch eine Kom­bi­na­ti­on geeig­ne­ter Maß­nah­men auf ein Niveau, das in Abhän­gig­keit des Gebäu­de­al­ters und mit Bezug auf die EnEV 2014 bestimmt wird. Wer­den bei Kel­ler­de­cken oder Dach­flä­chen bzw. der obers­ten Geschoss­de­cke Dämm­maß­nah­men durch­ge­führt, wird zudem die Anzahl an Voll­ge­schos­sen (VG) des Gebäu­des für die Ermitt­lung des Erfül­lungs­grads berück­sich­tigt. Für Nicht­wohn­ge­bäu­de exis­tiert fer­ner die Opti­on, den Wär­me­en­er­gie­be­darf (WEB) durch geeig­ne­te Maß­nah­men um 15 % im Ver­gleich zum Bedarf bei Ent­ste­hung der Pflicht zu sen­ken. Wur­den in der Ver­gan­gen­heit bereits aus­rei­chen­de Dämm­maß­nah­men durch­ge­führt, genü­gen die­se für die Erfül­lung der Nut­zungs­pflicht (Minis­te­ri­um für Umwelt, Kli­ma und Ener­gie­wirt­schaft Baden-Würt­tem­berg, 2014).

Zusätz­lich ist die Nut­zungs­pflicht auch durch Ersatz­maß­nah­men erfüll­bar. Wird der Wär­me­en­er­gie­be­darf ganz oder teil­wei­se mit­tels Kraft-Wär­me-Kopp­lung (KWK) von einer Anla­ge mit einer elek­tri­schen Nenn­leis­tung von bis zu 20 kW gedeckt, gilt die Nut­zungs­pflicht als voll­stän­dig erfüllt, wenn ein Gesamt­wir­kungs­grad von min­des­tens 80 % erreicht und pro Qua­drat­me­ter Wohn­flä­che wenigs­tens 15 kWh elek­tri­sche Net­to­ar­beit im Jahr erzeugt wer­den. Bei KWK-Anla­gen mit einer elek­tri­schen Nenn­leis­tung über 20 kW und einem Wir­kungs­grad von min­des­tens 80 % wird hin­ge­gen kei­ne spe­zi­fi­sche Net­to­ar­beit vor­ge­schrie­ben. Das Umwelt­mi­nis­te­ri­um BW begrün­det die voll­stän­di­ge Erfüll­bar­keit durch KWK mit der beson­ders effi­zi­en­ten Nut­zung von Brenn­stoff und der damit ein­her­ge­hen­den Treib­haus­gas­min­de­rung (Minis­te­ri­um für Umwelt, Kli­ma und Ener­gie­wirt­schaft Baden-Würt­tem­berg, 2014). Fer­ner gilt nach §10 EWär­meG der Anschluss an ein Wär­me­netz mit einem Anteil der ver­teil­ten Wär­me von 50 % aus hoch­ef­fi­zi­en­ter KWK bzw. Abwär­me oder einem Min­dest­an­teil von 15 % aus erneu­er­ba­ren Ener­gien als Ersatz­maß­nah­me, die zur voll­stän­di­gen Erfül­lung der Nut­zungs­pflicht führt. Auch eine Kom­bi­na­ti­on aus den drei genann­ten Wär­me­quel­len ist mög­lich. Der Ein­satz von Pho­to­vol­ta­ik­mo­du­len mit einer Nenn­leis­tung von 0,02 kWp pro Qua­drat­me­ter Wohn­flä­che, die Imple­men­tie­rung eines Wär­me­rück­ge­win­nungs­sys­tems in Lüf­tungs­an­la­gen sowie die Abwär­me­nut­zung zäh­len eben­so zu den Erfül­lungs­op­tio­nen wie die Erstel­lung eines Sanie­rungs­fahr­plans. Letz­te­rer soll haupt­säch­lich als Informations‑, Moti­va­tions- und Bera­tungs­in­stru­ment die­nen (Minis­te­ri­um für Umwelt, Kli­ma und Ener­gie­wirt­schaft Baden-Würt­tem­berg, 2014). Für Nicht­wohn­ge­bäu­de ist bei der Erstel­lung eines ener­ge­ti­schen Sanie­rungs­fahr­plans zudem auch die Lüf­tung, Küh­lung, Kli­ma­ti­sie­rung und Beleuch­tung zu berück­sich­ti­gen (§ 16 Abs. 2 EWär­meG).

Zielsetzung des Projekts

Die Rege­lun­gen des EWär­meG, aber auch flan­kie­ren­de Akti­vi­tä­ten, wie die Schu­lung von Ener­gie­be­ra­tern, die Infor­ma­ti­ons­ak­ti­vi­tä­ten der Bera­tungs­stel­len (z. B. Zukunft Alt­bau, regio­na­le Ener­gie­agen­tu­ren), die För­der­pro­gram­me des Lan­des und natür­lich Maß­nah­men auf Bun­des­ebe­ne wir­ken auf die Ent­wick­lung des Baden-Würt­tem­ber­gi­schen Wär­me­mark­tes ein. Dabei wür­de es zu kurz grei­fen, allein die ord­nungs­recht­lich ver­an­ker­te Pflicht in den Blick zu neh­men. Viel­mehr gibt es auch durch ande­re direk­te und indi­rek­te Wirk­me­cha­nis­men Trans­for­ma­ti­ons­pro­zes­se.

Die­se Wir­kun­gen gilt es in einer Eva­lua­ti­on zu erfas­sen, zu bemes­sen, auf ihre Ursa­chen zurück­zu­füh­ren und dar­aus ein Ver­ständ­nis für die Wirk­wei­se des EWär­meG und des Sanie­rungs­fahr­plans zu erar­bei­ten. Dazu müs­sen einer­seits empi­ri­sche Daten aus Sta­tis­ti­ken, Befra­gun­gen, qua­li­ta­ti­ven Inter­views und wei­te­ren Infor­ma­ti­ons­quel­len erho­ben wer­den und ande­rer­seits modell­ge­stütz­te Ana­ly­sen durch­ge­führt wer­den.

For­mal lie­fert die­ses Vor­ha­ben zudem die wis­sen­schaft­li­chen Grund­la­gen und Ana­ly­sen für die Erstel­lung des Erfah­rungs­be­richts nach § 25 Abs. 2 EWär­meG, der zum 31.12.2018 dem Land­tag vor­zu­le­gen ist und in dem „über den Stand der Umset­zung des Geset­zes, die tech­ni­sche und wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung beim Ein­satz erneu­er­ba­rer Ener­gien zu Zwe­cken der Wär­me­ver­sor­gung sowie über die ers­ten Erfah­run­gen mit dem Sanie­rungs­fahr­plan und der Ein­be­zie­hung von Nicht­wohn­ge­bäu­den“ zu berich­ten ist. Auf­bau­end auf die empi­ri­sche Unter­su­chung und die Model­lie­rung wird zudem geprüft, wel­chen Bei­trag das EWär­meG zur Errei­chung der Kli­ma­schutz­zie­le leis­tet.

Die Zie­le die­ses Pro­jek­tes sind daher:

  • Schaf­fung der empi­ri­schen und wis­sen­schaft­li­chen Grund­la­gen für den EWär­meG-Erfah­rungs­be­richt
  • Abschät­zung des Bei­trags des EWär­meG zum Aus­bau der Wär­me­be­reit­stel­lung aus erneu­er­ba­ren Ener­gien und zur Min­de­rung der Treib­haus­gas­emis­sio­nen bis 2020 im Hin­blick auf die Kli­ma­schutz­zie­le aus dem baden-würt­tem­ber­gi­schen Kli­ma­schutz­ge­setz (KSG-BW)
  • Bei­trag des EWär­meG, des Sanie­rungs­fahr­plans und des För­der­pro­gramms zum Sanie­rungs­fahr­plan Baden-Würt­tem­berg zur Ver­bes­se­rung der Bera­tungs­si­tua­ti­on in Baden-Würt­tem­berg und zur ziel­kom­pa­ti­blen, schritt­wei­sen Sanie­rung
  • Erar­bei­tung von Wei­ter­ent­wick­lungs­op­tio­nen des Geset­zes, des För­der­pro­gramms Sanie­rungs­fahr­plan sowie wei­te­rer Instru­men­te einer Wär­me­po­li­tik in Baden-Würt­tem­berg.

Evaluationsdesign und Struktur des Berichts

Im ers­ten Teil des Berich­tes wer­den die für die Eva­lu­ie­rung des EWär­meG erfor­der­li­chen sta­tis­ti­schen und empi­ri­schen Daten erho­ben, ana­ly­siert und inter­pre­tiert. Die empi­ri­sche Ana­ly­se baut auf meh­re­ren Kom­po­nen­ten auf, ins­be­son­de­re

  • der sta­tis­ti­schen Aus­wer­tung der gemel­de­ten Erfül­lungs­fäl­le aus dem Daten­por­tal des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts, in das die unte­ren Bau­rechts­be­hör­den die bei ihnen ein­ge­gan­ge­nen Nach­wei­se ein­ge­ben (Kapi­tel 3.1.2);
  • der Aus­wer­tung der Mel­dun­gen der Schorn­stein­fe­ger nach §22 EWär­meG, nach dem die bevoll­mäch­tig­ten Bezirks­schorn­stein­fe­ger den unte­ren Bau­rechts­be­hör­den jeden Hei­zungs­aus­tausch anzei­gen müs­sen (Kapi­tel 3.1.3);
  • wei­te­ren Daten­quel­len wie den Markt­ab­satz­zah­len des Bun­des­ver­bands der Deut­schen Hei­zungs­in­dus­trie (BDH) für Hei­zungs­an­la­gen in Baden-Würt­tem­berg oder den lan­des­spe­zi­fi­schen Daten aus der aktu­el­len Mikro­zen­sus Zusat­zerhe­bung (Kapi­tel 4).


Sowohl Aus­wer­tung als auch Dar­stel­lung der Daten erfol­gen zunächst getrennt nach den Gel­tungs­be­rei­chen der ursprüng­li­chen sowie novel­lier­ten Geset­zes­re­ge­lun­gen. Zum leich­te­ren Ver­ständ­nis wer­den die bei­den Gel­tungs­be­rei­che als EWär­meG alt und EWär­meG neu bezeich­net.

Um die Ursäch­lich­keit und wei­te­re Aspek­te des EWär­meG zu erfas­sen, wur­den ver­schie­de­ne Umfra­gen durch­ge­führt. Eine Befra­gung von Ver­pflich­te­ten und einer Kon­troll­grup­pe erlaubt Auf­schluss über Moti­ve und Wir­kungs­me­cha­nis­men des Geset­zes. Sie ist in Kapi­tel 4.5 doku­men­tiert. Wei­te­re Sta­ke­hol­der und Akteurs­grup­pen wur­den befragt: Hei­zungs­bau­er, Schorn­stein­fe­ger, Woh­nungs­ge­sell­schaf­ten, Regie­rungs­prä­si­di­en und wei­te­re Exper­ten.

Tech­ni­sche Ein­zel­fra­ge­stel­lun­gen wer­den in Kapi­tel 6 unter­sucht. Ein Spe­zi­al­fall sind Nicht­wohn­ge­bäu­de, die mit der Novel­le 2015 als ver­pflich­te­te Objek­te in das EWär­meG auf­ge­nom­men wur­den und die daher in Kapi­tel 7 ver­tieft unter­sucht wer­den. Auch der Sanie­rungs­fahr­plan ist ein neu­es Ele­ment im EWär­meG 2015. Er wird in Kapi­tel 8 umfas­send eva­lu­iert. Die Wir­kun­gen des mit dem SFP ver­knüpf­ten För­der­pro­gramms des Lan­des wer­den in Kapi­tel 9 unter­sucht.

Schließ­lich wird in Kapi­tel 10 der Voll­zug des Geset­zes beschrie­ben und Wei­ter­ent­wick­lungs­po­ten­zia­le eru­iert.

Kapi­tel 11 führt die Unter­su­chun­gen der vor­an­ge­hen­den Kapi­tel zusam­men und syn­the­ti­siert sie – Ziel ist eine quan­ti­ta­ti­ve Abschät­zung der Wir­kun­gen des Geset­zes ein­ge­denk der ver­schie­de­nen Unsi­cher­hei­ten der Ein­gangs­pa­ra­me­ter. Aus den diver­sen Ana­ly­sen fol­gen schließ­lich Emp­feh­lun­gen für eine Wei­ter­ent­wick­lung des Geset­zes, die in Kapi­tel 12 erör­tert wer­den.

Schaubild über die einzelnen Themen des EWärmeG-Evaluationsberichts 2015

Abbil­dung 1–1:Elemente der Eva­lua­ti­on

Umweltministerium BW logo

Statistik der Erfüllungen des EWärmeG

Abschätzung der Anzahl an Verpflichtungsfällen

3.1.1 Abschät­zung auf Basis der Markt­da­ten des BDH und des Mikro­zen­sus

Der Gel­tungs­be­reich des EWär­meG alt erstreck­te sich über alle Wohn­ge­bäu­de mit Aus­nah­me von Gebäu­den, die wäh­rend der Heiz­pe­ri­ode nur sel­ten genutzt wer­den (z.B. rei­ne Feri­en­häu­ser) oder die sehr klein sind (Wohn­flä­che von weni­ger als 50 m²). Im neu­en E‑WärmeG wur­de der Gel­tungs­be­reich auf Nicht­wohn­ge­bäu­de (NWG) aus­ge­wei­tet und an den Gel­tungs­be­reich der EnEV ange­passt. Aus­nah­men gel­ten wei­ter­hin für wenig genutz­te und klei­ne Gebäu­de, fer­ner u.a. für offe­ne und unter­ir­di­sche Betriebs­ge­bäu­de, Treib­häu­ser, tem­po­rä­re Bau­ten, Kir­chen, Gebäu­de mit nied­ri­ger Innen­tem­pe­ra­tur, gewerb­li­che und indus­tri­el­le Hal­len sowie öffent­li­che Gebäu­de des Bun­des nach §2 Abs. 2 Nr. 5 des EE-Wär­meG.

Die Abschät­zung der Anzahl an jähr­li­chen Ver­pflich­tungs­fäl­len, also der Anzahl an Hei­zungs­aus­tau­schen, bei denen die Nut­zungs­pflicht des EWär­meG greift, basiert auf meh­re­ren Daten­quel­len. Grund­la­ge sind die Zah­len zum Absatz von Hei­zungs­an­la­gen in Baden-Würt­tem­berg des Bun­des­ver­bands der Deut­schen Hei­zungs­in­dus­trie (BDH). Die Daten des BDH erfas­sen alle pro Jahr in Baden-Würt­tem­berg abge­setz­ten Heiz­an­la­gen, berei­nigt um eine Abschät­zung der Anla­gen, die in den Neu­bau­sek­tor gehen.

Die BDH-Zah­len umfas­sen dabei auch die Heiz­an­la­gen, die im Bereich der Nicht­wohn­ge­bäu­de (NWG) instal­liert wer­den. Im Gel­tungs­be­reich des EWär­meG alt unter­la­gen die damit ver­bun­de­nen Aus­tausch­fäl­le kei­ner Nut­zungs­pflicht. Ent­spre­chend müs­sen bis Mit­te 2015 die ent­spre­chen­den BDH-Absatz­zah­len kor­ri­giert wer­den. Nach Öko-Insti­tu­t/I­SI (2012) gibt es in Baden-Würt­tem­berg rund 440.000 NWG. Nicht alle NWG fal­len in den Gel­tungs­be­reich des EWär­meG. Aus­ge­nom­men sind z.B. Betriebs­ge­bäu­de, die über­wie­gend zur Auf­zucht oder zur Hal­tung von Tie­ren genutzt wer­den oder die groß­flä­chig und lang­an­hal­tend offen­ste­hen, Kir­chen oder gewerb­li­che und indus­tri­el­le Hal­len, bei denen der über­wie­gen­de Teil der Net­to­grund­flä­che der Fer­ti­gung, Pro­duk­ti­on, Mon­ta­ge und Lage­rung dient. In der Regel sind dies Gebäu­de, die über kei­nen Heiz­kes­sel ver­fü­gen. Da für Baden-Würt­tem­berg kei­ne dif­fe­ren­zier­te NWG-Typo­lo­gie vor­liegt, wird auf Basis der GHD-Befra­gung von Schlo­mann et al. (2015) ange­nom­men, dass in etwa 27 % der bestehen­den NWG nicht der Nut­zungs­pflicht unter­lie­gen. Bei einer ange­nom­me­nen Aus­tauschra­te der Hei­zungs­an­la­gen von 2,5 %/a wer­den pro Jahr in NWG rund 8.000 Heiz­an­la­gen aus­ge­tauscht. Für das Jahr 2015 wur­de eine über das Jahr hin­weg gleich­mä­ßi­ge Ver­tei­lung der Hei­zungs­aus­tausch­fäl­le unter­stellt. Da das EWär­meG neu ab Mit­te 2015 auch die NWG erfasst, wird damit ange­nom­men, dass in 2015 rund 4.000 Ver­pflich­tungs­fäl­le im Bereich der NWG anfie­len.

Fer­ner umfas­sen die BDH-Absatz­zah­len auch Eta­gen­hei­zun­gen (i.d.R. Gas­eta­gen­hei­zun­gen). Auch die­se fal­len nicht in den Gel­tungs­be­reich des EWär­meG (alt und neu). Denn die Nut­zungs­pflicht gilt nur, wenn eine Heiz­an­la­ge aus­ge­tauscht oder nach­träg­lich ein­ge­baut wird. Eine Heiz­an­la­ge wie­der­um wird als Anla­ge zur zen­tra­len Erzeu­gung von Raum­wär­me oder Raum­wär­me und Warm­was­ser defi­niert (§3 Abs. 2 EWär­meG). Eta­gen­hei­zun­gen hin­ge­gen sind Anla­gen zur dezen­tra­len Erzeu­gung von Raum­wär­me und Warm­was­ser. Die Anzahl der Eta­gen­hei­zun­gen in Wohn­ge­bäu­den lässt sich aus den alle vier Jah­re durch­ge­führ­ten Mikro­zen­sus Zusat­zerhe­bun­gen ermit­teln (Desta­tis 2012 und 2016). Nach Desta­tis (2016) gab es in 2014 in Baden-Würt­tem­berg im Bereich der Wohn­ge­bäu­de rund 260.000 Eta­gen­hei­zun­gen (davon rund 92.000 in Eigen­tums­woh­nun­gen und rund 168.000 in Miet­woh­nun­gen). Unter der Annah­me einer Lebens­dau­er von durch­schnitt­lich 15 Jah­ren ergibt sich eine Aus­tauschra­te von rund 17.300 Eta­gen­hei­zun­gen pro Jahr. Die aus­ge­tausch­ten Eta­gen­hei­zun­gen müs­sen eben­falls von den BDH-Absatz­zah­len abge­zo­gen wer­den, um auf die Anzahl an jähr­li­chen Ver­pflich­tungs­fäl­len des EWär­meG zu gelan­gen.

Die BDH-Absatz­zah­len umfas­sen hin­ge­gen nicht die Fäl­le, bei denen ein Heiz­kes­sel zu Guns­ten eines Wär­me­netz­an­schlus­ses aus­ge­tauscht wird (der Heiz­kes­sel also durch eine Fern­wär­me­über­ga­be­sta­ti­on ersetzt wird). Auch für die­se Fäl­le gilt die Nut­zungs­pflicht des EWär­meG. Hier­für gibt es aller­dings kei­ne Daten und die Fall­zah­len kön­nen nur sehr grob abge­schätzt wer­den. Unter Zugrun­de­le­gung der Daten aus Die­fen­bach et al. (2018) kann man grob von rund 2.500 Aus­tausch­fäl­len pro Jahr aus­ge­hen.

Das Ergeb­nis der Abschät­zung der Ver­pflich­tungs­fäl­le zeigt Abbil­dung 3–1. Dem­nach lag die Anzahl der Ver­pflich­tungs­fäl­le des EWär­meG alt bei 29.900–38.600 pro Jahr (Zuord­nung nach Datum des Hei­zungs­tauschs). 2015 stieg die Anzahl auf rund 44.400, da ab Mit­te die­ses Jah­res der Gel­tungs­be­reich auf Nicht­wohn­ge­bäu­de aus­ge­wei­tet wur­de. 2016 lag die Anzahl bei rund 38.100 (zur Markt­ent­wick­lung an abge­setz­ten Hei­zungs­an­la­gen vgl. Kapi­tel 4). Für 2017 las­sen sich eben­falls rund 38.100 Ver­pflich­tungs­fäl­le abschät­zen (auf Basis der Absatz­zah­len in 2016).

Diagramm: Absatz von Wärmeerzeugern in BW von 2010 bis 2017

Abbil­dung 3–1: Absatz von Wär­me­er­zeu­gern in Baden-Würt­tem­berg [in Stück, nur Moder­ni­sie­rung] (Quel­len: BDH 2015, Desta­tis 2012, Desta­tis 2016, Öko-Insti­tu­t/I­SI 2012, Die­fen­bach et al. (2018), Schlo­mann et al. (2015), eige­ne Berech­nun­gen)

3.1.2 Meldedaten des Statistischen Landesamts

Nach §22 EWär­meG neu müs­sen die Ver­pflich­te­ten gegen­über der zustän­di­gen unte­ren Bau­rechts­be­hör­de den Nach­weis erbrin­gen, wel­che Maß­nah­men oder Maß­nah­men­kom­bi­na­tio­nen sie zur Erfül­lung der Nut­zungs­pflicht ergrif­fen haben. Für die Nach­weis­füh­rung sieht das Gesetz eine Frist von 18 Mona­ten vor, anders als im EWär­meG alt, in des­sen Gel­tungs­be­reich die Ver­pflich­te­ten den Nach­weis je nach Erfül­lungs­op­ti­on inner­halb einer Frist von drei bis 15 Mona­ten ein­zu­rei­chen hat­ten. In der Rea­li­tät wird der Voll­zug nur in Aus­nah­me­fäl­len durch das Ein­rei­chen der Nach­wei­se durch den Gebäu­de­ei­gen­tü­mer aus­ge­löst. Im Regel­fall wird die zustän­di­ge Bau­rechts­be­hör­de über einen Pflicht­fall durch die Mel­dung des invol­vier­ten Schorn­stein­fe­gers infor­miert. Erfolgt die Mel­dung durch einen Schorn­stein­fe­ger, wer­den die Eigen­tü­mer schrift­lich auf ihre Nut­zungs- und Nach­weis­pflich­ten hin­ge­wie­sen und zur Ein­rei­chung der Nach­wei­se unter Ein­hal­tung der gesetz­li­chen Frist auf­ge­for­dert.

Die unte­ren Bau­rechts­be­hör­den sind wie­der­um ver­pflich­tet, u.a. die Nach­wei­se in anony­mi­sier­ter Form dem Umwelt­mi­nis­te­ri­um oder einer sei­tens des Minis­te­ri­ums bestimm­ten Stel­le zu über­mit­teln. Die Zusam­men­füh­rung der gemel­de­ten Nach­wei­se erfolgt durch das Sta­tis­ti­sche Lan­des­amt. Für die Nach­weis­ein­ga­be steht den unte­ren Bau­rechts­be­hör­den ein elek­tro­ni­sches Daten­er­he­bungs­tool zur Ver­fü­gung (https://idev.statistik-bw.de/idev/OnlineMeldung). In die­ses kön­nen die Nach­wei­se getrennt nach den Gel­tungs­be­rei­chen des EWär­meG alt und neu ein­ge­tra­gen wer­den. Für die Ein­tra­gung in das Daten­por­tal setzt das EWär­meG kei­ne Frist.

Ver­gleicht man die Anzahl der durch das Sta­tis­ti­sche Lan­des­amt erfass­ten Nach­wei­se mit den aus den BDH-Markt­ab­sat­zah­len abge­lei­te­ten Ver­pflich­tungs­fäl­len, erkennt man eine erheb­li­che Dis­kre­panz. Bei­spiels­wei­se las­sen sich aus den BDH-Daten für 2014 rund 38.600 Ver­pflich­tungs­fäl­le ablei­ten, beim Sta­tis­ti­schen Lan­des­amt hin­ge­gen gin­gen für das ent­spre­chen­de Jahr bis­her nur 15.440 Nach­wei­se ein (Stand 07/2018). Im Fol­ge­jahr 2015 ste­hen geschätz­ten 44.400 Ver­pflich­tungs­fäl­len rund 18.300 ein­ge­tra­ge­ne Nach­weis gegen­über (davon rund 15.100 Nach­wei­se aus dem Gel­tungs­be­reich des EWär­meG alt und rund 3.200 aus dem Gel­tungs­be­reich des EWär­meG neu). In den Jah­ren 2010–2016 liegt der Deckungs­an­teil zwi­schen einem Vier­tel und knapp der Hälf­te, d.h. das Daten­por­tal des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts erfasst maxi­mal die Hälf­te der theo­re­tisch abge­schätz­ten Ver­pflich­tungs­fäl­le. Aus der Befra­gung aus­ge­wähl­ter unte­rer Bau­rechts­be­hör­den wur­de deut­lich, dass zahl­rei­che Nach­wei­se den Behör­den zwar vor­lie­gen, aus Zeit- und Per­so­nal­man­gel aller­dings noch nicht in das Daten­por­tal ein­ge­tra­gen wur­den (vgl. Kapi­tel 10.1). Für die Daten­über­tra­gung an das Sta­tis­ti­sche Lan­des­amt gibt es auch kei­ne Frist. Selbst für den Gel­tungs­be­reich des EWär­meG alt wer­den immer noch ver­ein­zelt Nach­wei­se in das Daten­por­tal ein­ge­tra­gen. Bei der Inter­pre­ta­ti­on der Dis­kre­pan­zen ist also zu berück­sich­ti­gen, dass die ver­schie­de­nen Voll­zugs­schrit­te (Mel­dung des Schorn­stein­fe­gers, Ein­for­de­rung des Erfül­lungs­nach­wei­ses durch die uBRB, Ein­ga­be der Daten in das Daten­por­tal) in der Regel meh­re­re Mona­te in Anspruch neh­men und es damit zu einem erheb­li­chen zeit­li­chen Aus­ein­an­der­lau­fen von Kes­sel­tausch und Erfas­sung im Daten­por­tal kom­men kann (vgl. Kapi­tel 3.1.4).

Eine wei­te­re Ursa­che für die Dis­kre­panz der Fall­zah­len liegt aller Vor­aus­sicht dar­in, dass im Fal­le der Pflicht­er­fül­lung des EWär­meG über eine Wär­me­pum­pe oder den Anschluss an ein Wär­me­netz man­gels Kennt­nis der Ver­pflich­te­ten bzw. aus­blei­ben­der Mel­dung durch den Schorn­stein­fe­ger den unte­ren Bau­rechts­be­hör­den gar kein Nach­weis vor­liegt (vgl. Kapi­tel 3.1.3).

Wei­ter­hin auf­fäl­lig ist die Ent­wick­lung der in das Daten­por­tal ein­ge­ge­ben Fall­zah­len in 2015. Für das ers­te Halb­jahr 2015 wur­den im Daten­por­tal des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts nahe­zu genau­so vie­le Nach­wei­se erfasst, wie für das gesam­te Vor­jahr 2014. Dies deu­tet auf einen Vor­zieh­ef­fekt hin, der sich dar­in äußert, dass zahl­rei­che Gebäu­de­ei­gen­tü­mer, die den Kes­sel­tausch für 2015 geplant hat­ten, den Tausch im ers­ten Halb­jahr voll­zo­gen haben dürf­ten, um noch in den Gel­tungs­be­reich des EWär­meG alt zu fal­len.

Diagramm: Anzahl der Verpflichtungsfälle in der Datenbank des Statistischen Landesamts

Abbil­dung 3–2: Anzahl der Ver­pflich­tungs­fäl­le in der Daten­bank des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts, Stand 30.06.2018

3.1.3 Meldungen der Schornsteinfeger nach §22 EWärmeG

§22 des EWär­meG neu ver­pflich­tet die bevoll­mäch­tig­ten Bezirks­schorn­stein­fe­ger, „Namen und Adres­sen der Eigen­tü­me­rin­nen und Eigen­tü­mer, deren Heiz­an­la­gen aus­ge­tauscht wur­den, den ver­wen­de­ten Brenn­stoff sowie das Datum der Abnah­me­be­schei­ni­gung inner­halb von drei Mona­ten nach Abnah­me an die zustän­di­ge Behör­de zu über­mit­teln“. Bei neu­en Heiz­an­la­gen, bei denen kei­ne Abnah­me erfor­der­lich ist (z.B. Wär­me­pum­pen), muss der Bezirks­schorn­stein­fe­ger die Daten eben­falls inner­halb einer Frist von drei Mona­ten an die zustän­di­ge Behör­de über­mit­teln. Anknüp­fungs­punkt ist dabei die Kennt­nis des Schorn­stein­fe­gers von der Still­le­gung einer ursprüng­lich nach der Kehr- und Über­prü­fungs­ord­nung erfass­ten Heiz­an­la­ge.

In der Begrün­dung zum EWär­meG wird die Mel­de­pflicht wei­ter kon­kre­ti­siert: „Nicht zu mel­den ist […] der Aus­tausch von Eta­gen­hei­zun­gen, da die­ser nicht die Nut­zungs­pflicht […] aus­löst. Mit­zu­tei­len ist auch, mit wel­chem Brenn­stoff die neue Heiz­an­la­ge betrie­ben wird (z. B. Öl, Gas, Holz)“. Zu mel­den ist damit der Brenn­stoff der neu­en Heiz­an­la­ge. Hin­ge­gen sind die Schorn­stein­fe­ger nicht ver­pflich­tet, den Brenn­stoff der aus­ge­tausch­ten Heiz­an­la­ge zu mel­den.

Zum Zwe­cke der Eva­lu­ie­rung erfolg­te die Zusam­men­füh­rung der Schorn­stein­fe­ger­mel­dun­gen, die bei den 205 unte­ren Bau­rechts­be­hör­den ein­gin­gen, über die Regie­rungs­prä­si­di­en. Die­se frag­ten die ent­spre­chen­den Daten bei den unte­ren Bau­rechts­be­hör­den quar­tals­wei­se ab. Dabei wird auch nach dem Brenn­stoff der aus­ge­tausch­ten (alten) Heiz­an­la­gen gefragt (auch wenn dies nicht durch die Mel­de­pflicht nach §22 EWär­meG abge­deckt ist).

Zum Zeit­punkt der Aus­wer­tung lagen Daten für den Zeit­raum Q3/2015 bis Q1/2018 vor. Im Rah­men der Abfra­ge haben knapp 90 % der unte­ren Bau­rechts­be­hör­den die ent­spre­chen­den Daten über­mit­telt. Rund die Hälf­te davon hat neben der Anzahl der pro Quar­tal durch die Schorn­stein­fe­ger gemel­de­ten Aus­tausch­fäl­le auch Anga­ben zum Brenn­stoff der aus­ge­tausch­ten Heiz­an­la­ge über­mit­telt. Die dabei über­mit­tel­ten Daten sug­ge­rie­ren jedoch, dass dabei Daten zum Brenn­stoff der aus­ge­tausch­ten und der neu­en Heiz­an­la­gen ver­mischt wur­den. Die­se Brenn­stoff­da­ten haben des­we­gen nur eine ein­ge­schränk­te Aus­sa­ge­kraft.

Im zwei­ten Halb­jahr 2015 erfas­sen die Schorn­stein­fe­ger­mel­dun­gen rund 12.700 Aus­tausch­fäl­le, im Jahr 2016 rund 18.700 und im Jahr 2017 rund 22.600. Die letz­te Aus­wer­tung der Schorn­stein­fe­ger­da­ten erfolg­te im Juni/Juli 2018 und müss­te damit alle Fäl­le aus den Jah­ren 2015–2017 erfas­sen (Schorn­stein­fe­ger haben drei Mona­te Zeit, die Aus­tausch­fäl­le an die zustän­di­ge unte­re Bau­rechts­be­hör­de zu mel­den). Die quar­tals­wei­se Zuord­nung erfolgt dabei anhand des Abnah­me­da­tums der neu­en Heiz­an­la­ge.

Ver­gleicht man die Mel­de­zah­len der Schorn­stein­fe­ger mit den aus den BDH-Markt­da­ten abge­lei­te­ten Ver­pflich­tungs­fäl­len sowie den Mel­de­fäl­len im Daten­por­tal des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts, erkennt man erheb­li­che Dis­kre­pan­zen (vgl. Abbil­dung 3–3). Für 2016 kön­nen aus den BDH-Markt­da­ten rund 38.100 Ver­pflich­tungs­fäl­le abge­schätzt wer­den. Dem ste­hen rund 18.700 sei­tens der Schorn­stein­fe­ger gemel­de­te Aus­tausch­fäl­le gegen­über, wäh­rend bis­her „nur“ 9.400 Nach­wei­se in das Daten­por­tal des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts ein­ge­ge­ben wur­den.

Bei den Schorn­stein­fe­ger­da­ten deu­tet die hohe Rück­lauf­quo­te bei der Daten­ab­fra­ge bei den unte­ren Bau­rechts­be­hör­den (knapp 90 %) dar­auf hin, dass die Dis­kre­panz der Fäl­le nicht allei­ne dar­an lie­gen kann, dass eini­ge Behör­den die ihnen vor­lie­gen­den Daten an die Regie­rungs­prä­si­di­en nicht wei­ter­ge­reicht haben. Aus den Rück­mel­dun­gen der unte­ren Bau­rechts­be­hör­den lässt sich außer­dem schlie­ßen, dass zwar ein­zel­ne Schorn­stein­fe­ger den Hei­zungs­tausch gar nicht mel­den, aber auch dies die gro­ße Dis­kre­panz nicht erklä­ren kann.

Ein erheb­li­ches Pro­blem scheint es aller­dings bei der Pflicht­er­fül­lung mit­tels Wär­me­pum­pen oder Wär­me­netz­an­schluss zu geben. Denn die Mehr­heit der Schorn­stein­fe­ger scheint den unte­ren Bau­rechts­be­hör­den gar nicht anzu­zei­gen, wenn ein Haus­ei­gen­tü­mer die Nut­zungs­pflicht über eine Wär­me­pum­pe oder den Anschluss an ein Wär­me­netz erfüllt. Wie oben beschrie­ben, müs­sen die Bezirks­schorn­stein­fe­ger auch sol­che Fäl­le (bei denen kei­ne Abnah­me der neu­en Heiz­an­la­ge erfor­der­lich ist) an die unte­ren Bau­rechts­be­hör­den mel­den. Im Rah­men der Befra­gung der Schorn­stein­fe­ger geben aller­dings rund 80 % der Befrag­ten an, in sol­chen Fäl­len gar kei­ne Mel­dung zu machen (vgl. Kapi­tel 5.3). Ent­spre­chend feh­len die­se Fäl­len in der hier gezeig­ten Sta­tis­tik. Gleich­zei­tig fehlt ein Groß­teil die­ser Fäl­le im Daten­por­tal des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts, da die unte­ren Bau­rechts­be­hör­den in Unkennt­nis die­ser Pflicht­fäl­le die betrof­fe­nen Haus­ei­gen­tü­mer nicht anschrei­ben, um den Nach­weis ein­zu­for­dern. Dies erklärt u.a. auch den gerin­gen Anteil der Wär­me­pum­pen am Pflicht­er­fül­lungs­mix (vgl. Kapi­tel 3.2.2).

Auf Basis der Markt­da­ten des BDH für Baden-Würt­tem­berg lässt sich abschät­zen, dass in 2016 rund 5.400 Wär­me­pum­pen abge­setzt wur­den, die in bestehen­den Gebäu­den instal­liert wer­den (im Daten­por­tal des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts wur­den für das Jahr 2016 bis zum Stich­tag 30.06.2018 rund 125 Wär­me­pum­pen ein­ge­tra­gen, vgl. Kapi­tel 3.2.2). Hin­zu kom­men die jähr­lich rund 2.500 Wär­me­netz­an­schlüs­se (s.o.), die eben­falls gemel­det wer­den müss­ten. Addiert man die­se „feh­len­den“ Fäl­le unter Berück­sich­ti­gung einer „Nicht­mel­de­quo­te“ von 80 % zu den Mel­de­fäl­len der Schorn­stein­fe­ger, erhält man für 2016 rund 25.000 Pflicht­fäl­le. Die­se ste­hen den aus den BDH-Markt­da­ten abge­schätz­ten 38.100 Pflicht­fäl­len gegen­über. Für 2017 lie­gen noch kei­ne detail­lier­ten Daten zum Wär­me­pum­pen­ab­satz in Baden-Würt­tem­berg vor. Auf Basis der Vor­jah­re kann aber davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass die­ser in einer Band­brei­te zwi­schen 1.800 und 5.300 Aggre­ga­ten liegt, die in den Gebäu­de­be­stand gehen.

Vergleich der nach §22 EWärmeG von den Schornsteinfegern gemeldeten Heizungstauschfälle mit der Anzahl abgeleiteter Verpflichtungsfälle sowie Nachweisfälle im Datenportal des Statistischen Landesamts

Abbil­dung 3–3: Ver­gleich der nach §22 EWär­meG von den Schorn­stein­fe­gern gemel­de­ten Hei­zungs­tausch­fäl­le mit der Anzahl abge­lei­te­ter Ver­pflich­tungs­fäl­le sowie Nach­weis­fäl­le im Daten­por­tal des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts (Stand 30.06.2018)

3.1.4 Schlussfolgerungen zur Anzahl an Verpflichtungsfällen

Der Abgleich ver­schie­de­ner Daten­quel­len über die Zahl an Hei­zungs­aus­tausch­fäl­len, die der Nut­zungs­pflicht des EWär­meG unter­lie­gen, zeigt signi­fi­kan­te Unter­schie­de zwi­schen den Quel­len. Dabei ver­zeich­nen sowohl die Mel­de­li­nie über die unte­ren Bau­rechts­be­hör­den und das Daten­por­tal des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts als auch die Mel­de­li­nie über die Schorn­stein­fe­ger und die unte­ren Bau­rechts­be­hör­den (die­se Mel­de­li­nie lie­fert aller­dings erst ab dem 01.07.2015 Daten) maxi­mal halb so vie­le Ver­pflich­tungs­fäl­le im Ver­gleich zu den Fall­zah­len, die sich aus den BDH-Markt­ab­satz­da­ten ablei­ten las­sen. Auch nach einer „Kor­rek­tur“ der Mel­de­da­ten der Schorn­stein­fe­ger hin­sicht­lich der meist nicht gemel­de­ten Pflicht­fäl­le, bei denen die Nut­zungs­pflicht über eine Wär­me­pum­pe oder einen Wär­me­netz­an­schluss erfüllt wird, ver­bleibt eine signi­fi­kan­te „Mel­de­lü­cke“.

Im Fol­gen­den wer­den mög­li­che Ursa­chen dis­ku­tiert, wie sich die erheb­li­chen Unter­schie­de erklä­ren las­sen könn­ten:

  • BDH-Markt­ab­satz­zah­len für Baden-Würt­tem­berg zu hoch: Dage­gen spricht die aus den Absatz­zah­len ableit­ba­re Aus­tauschra­te für Hei­zungs­an­la­gen. Bezo­gen auf die Anzahl an Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäu­den liegt die­se zwi­schen 2010 und 2016 bei durch­schnitt­lich 2,5 % pro Jahr. Zum einen liegt die­se Rate schon leicht unter dem Bun­des­durch­schnitt, zum ande­ren sug­ge­riert die Rate eine mitt­le­re Anla­gen­le­bens­dau­er von 40 Jah­ren.
  • Nicht­er­fül­lung sei­tens der Ver­pflich­te­ten (z.B. aus Unkennt­nis): Eine Nicht­er­fül­lung der Nut­zungs­pflicht müss­te eigent­lich im Rah­men des Voll­zugs auf­fal­len. Denn die Schorn­stein­fe­ger mel­den den unte­ren Bau­rechts­be­hör­den den Aus­tausch einer Heiz­an­la­ge, so dass die­se in der Lage sind zu prü­fen, ob auch der ent­spre­chen­de Nach­weis für die Pflicht­er­fül­lung vor­liegt.
  • 18 Monats­frist zur Pflicht­er­fül­lung: Das EWär­meG räumt Gebäu­de­ei­gen­tü­mern eine Frist von maxi­mal 18 Mona­ten zur Pflicht­er­fül­lung ein, d.h. nach dem Aus­tausch der Hei­zungs­an­la­ge muss die Nut­zungs­pflicht spä­tes­tens 18 Mona­te nach Inbe­trieb­nah­me der neu­en Hei­zungs­an­la­ge erfüllt sein. Infol­ge die­ser Frist kann es zu Ver­schie­bun­gen der Fall­zah­len zwi­schen den Jah­ren kom­men (z.B. zwi­schen der Schorn­stein­fe­ger­mel­dung und der Nach­weis­füh­rung, über wel­che Erfül­lungs­op­ti­on das EWär­meG ein­ge­hal­ten wird). Hin­zu kommt, dass den uBRB das Inbe­trieb­nah­me­da­tum der neu­en Hei­zungs­an­la­ge häu­fig nicht vor­liegt, da in den Schorn­stein­fe­ger­mel­dun­gen das Abnah­me­da­tum ange­ge­ben wer­den muss. Letz­te­res liegt teil­wei­se meh­re­re Mona­te nach der Inbe­trieb­nah­me. Ist das Inbe­trieb­nah­me­da­tum unbe­kannt, zie­hen die uBRB für die Frist­set­zung häu­fig das Abnah­me­da­tum her­an, was zu einer wei­te­ren zeit­li­chen Ver­zö­ge­rung führt.
  • Pflicht­er­fül­lung durch die Gebäu­de­ei­gen­tü­mer, aber kei­ne Nach­weis­füh­rung gegen­über der unte­ren Bau­rechts­be­hör­de: Da für die meis­ten Pflicht­er­fül­lungs­op­tio­nen die Bestä­ti­gung eines Sach­kun­di­gen vor­zu­le­gen ist und bei den tech­ni­schen Erfül­lungs­op­tio­nen (z.B. Wär­me­pum­pen, Solar­kol­lek­to­ren, Holz­hei­zun­gen) i.d.R. die Bestä­ti­gung durch den Fach­be­trieb aus­ge­stellt wird, der die Anla­ge instal­liert, lie­gen dem ver­pflich­te­ten Gebäu­de­ei­gen­tü­mer alle not­wen­di­gen Nach­wei­se vor, so dass die Hür­de zur Wei­ter­lei­tung an die unte­ren Bau­rechts­be­hör­den gering sein dürf­te. Fer­ner müss­ten die­se Fäl­le – ver­gleich­bar obi­ger Erklä­rung – eben­falls im Rah­men des Voll­zugs auf­fal­len.
  • Schorn­stein­fe­ger mel­den nur einen Teil oder gar kei­ne Aus­tausch­fäl­le an die unte­ren Bau­rechts­be­hör­den: Die Befra­gung der Schorn­stein­fe­ger ergab, dass im Groß­teil der Fäl­le, bei denen die Nut­zungs­pflicht über eine Wär­me­pum­pe oder den Anschluss an ein Wär­me­netz erfüllt wird, kei­ne Mel­dung an die zustän­di­ge Bau­rechts­be­hör­de erfolgt. Ent­spre­chend feh­len die­se Fäl­le in der Schorn­stein­fe­ger­sta­tistk und eben­so in der Nach­weis­sta­tis­tik des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts. Hin­zu kommt, dass die Mel­dung der Schorn­stein­fe­ger bis­her über die „Papier­form“ lief und des­we­gen auf­wän­dig war. Sei­tens der Bau­rechts­be­hör­den wird zudem berich­tet, dass ein­zel­ne Schorn­stein­fe­ger gar kei­ne oder nur unvoll­stän­di­ge Mel­dun­gen machen. Es kann aller­dings davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass mit Ein­rich­tung des elek­tro­ni­schen Mel­de­we­ges der Erfas­sungs­grad zunimmt.
  • Nach­wei­se lie­gen den unte­ren Bau­rechts­be­hör­den vor, die­se geben sie aber nicht in das IDEV-Por­tal ein: Die Befra­gung der unte­ren Bau­rechts­be­hör­den ergab, dass eini­ge Behör­den aus Zeit- und Res­sour­cen­grün­den eine zügi­ge Daten­ein­ga­be nicht sicher­stel­len kön­nen und ent­spre­chend vie­le Nach­wei­se noch gar nicht ein­ge­tra­gen wur­den. Der star­ke Bear­bei­tungs­rück­stand bei eini­gen der befrag­ten Behör­den lässt dar­auf schlie­ßen, dass hoch­ge­rech­net auf alle uBRB meh­re­re tau­send Fäl­le noch nicht bear­bei­tet wur­den und somit nicht im IDEV-Por­tal regis­triert sind.

Erfüllungsmix des EWärmeG

3.2.1 Erfüllungsmix EWärmeG alt

Abbil­dung 3–4 zeigt die rela­ti­ve Ver­tei­lung der Pflicht­er­fül­lungs­fäl­le des EWär­meG alt auf die ver­schie­de­nen Erfül­lungs­op­tio­nen (Erfül­lungs­mix). Grund­la­ge dafür sind die Nach­wei­se, die die unte­ren Bau­rechts­be­hör­den in das Daten­por­tal des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts ein­ge­ben. Die Zuord­nung auf die ver­schie­de­nen Jah­re erfolgt nach dem Datum des Hei­zungs­tauschs.

Auf­grund der oben dar­ge­stell­ten Pro­ble­ma­tik der oft­mals aus­blei­ben­den Schorn­stein­fe­ger­mel­dung im Fal­le von Wär­me­pum­pen ist die Anzahl an Erfül­lungs­fäl­len für Wär­me­pum­pen im Daten­por­tal des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts zu gering und muss kor­ri­giert wer­den. Für die Kor­rek­tur wird jah­res­scharf die Anzahl aller Erfül­lungs­fäl­le im IDEV-Daten­por­tal, die durch die BDH Sta­tis­tik abge­deckt wer­den (also alle Erfül­lungs­fäl­le, bei denen es zu einem Kes­sel­tausch kommt, den die BDH Sta­tis­tik erfasst) ins Ver­hält­nis zum gesam­ten Kes­sel­ab­satz im Gebäu­de­be­stand (abzgl. Eta­gen­hei­zun­gen) gesetzt. Mit Hil­fe des dar­aus ableit­ba­ren Ska­lie­rungs­fak­tors wird die Anzahl an Erfül­lungs­fäl­len „Wär­me­pum­pe“ abge­schätzt. Die Kor­rek­tur bei den Wär­me­netz­an­schlüs­sen erfolgt über das Ver­hält­nis aus der Anzahl aller Erfül­lungs­fäl­le im IDEV-Daten­por­tal zur Gesamt­heit aller Pflicht­fäl­le, wobei von jähr­lich ins­ge­samt 2.500 pflicht­er­fül­len­den Anschlüs­sen an ein Wär­me­netz aus­ge­gan­gen wird.

Im zeit­li­chen Ver­lauf wird deut­lich, dass der Anteil der Solar­ther­mie im Erfül­lungs­mix über die Jah­re hin­weg suk­zes­si­ve abnimmt, und zwar von rund 30 % in 2008 auf rund 16 % in 2015. Gegen­läu­fig, aber mit ver­gleich­ba­ren Antei­len, nimmt die Bedeu­tung der Bei­mi­schung von Bio­gas über die Jah­re zu: Lag der Bio­gas-Anteil in 2010 bei rund 16 % konn­te er sich bis 2015 mit 35 % mehr als ver­dop­peln. Der Anteil fes­ter Bio­mas­se lag in den Jah­ren 2010 – 2014 zwi­schen 16–18 %, sank in 2015 jedoch auf 14 %. Die Bio­öl­bei­mi­schung lag in den Jah­ren 2010–2014 zwi­schen 6–7 % und sprang in 2015 auf 11 %. Der Anteil von Wär­me­pum­pen schwankt zwi­schen 4 % und 11 %. Die ver­schie­de­nen Ersatz­maß­nah­men machen über die Jah­re kon­stant rund 15 % am Erfül­lungs­mix aus. Und schließ­lich liegt im Zeit­ver­lauf bei fast jedem zehn­ten Ver­pflich­tungs­fall ein Grund vor, dass die Nut­zungs­pflicht ent­fällt.

Diagramm: Zeitliche Entwicklung des Erfüllungsmix des EWärmeG von 2010 bis 2015

Abbil­dung 3–4: Zeit­li­che Ent­wick­lung des Erfül­lungs­mix (rela­ti­ve Ver­tei­lung) des EWär­meG alt (Stand 30.06.2018)

Abbil­dung 3–5 zeigt den Erfül­lungs­mix des EWär­meG alt über alle im Daten­por­tal des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts erfass­ten Erfül­lungs­fäl­le. Dies umfasst also alle erfass­ten Erfül­lungs­fäl­le im Gel­tungs­be­reich des EWär­meG alt für den Zeit­raum 2010–2015.

Der Anteil der Solar­ther­mie liegt dabei bei durch­schnitt­lich 22 % (bei über die Jah­re sin­ken­den Antei­len, s.o.), der Anteil der Bio­gas-Bei­mi­schung bei rund 24 % (bei über die Jah­re stei­gen­den Antei­len, s.o.). Bei der fes­ten Bio­mas­se (Anteil gesamt rund 17 %) liegt der Anteil an Ein­zel­raum­feue­rungs­an­la­gen bei rund 60 %, die Zen­tral­hei­zun­gen steu­ern rund 40 % der Erfül­lungs­fäl­le bei. Wär­me­pum­pen tra­gen rund 7 % zum Erfül­lungs­mix bei. Bei den Ersatz­maß­nah­men domi­nie­ren die Wär­me­net­ze (Anteil gesamt 7 %; Anteil an Ersatz­maß­nah­men rund 45 %), gefolgt von den Wär­me­schutz­maß­nah­men (rund 35 % aller Ersatz­maß­nah­men) und PV-Anla­gen (rund 17 % aller Ersatz­maß­nah­men). BHKWs machen rund 4 % der Ersatz­maß­nah­men aus.

In rund 9 % der pflicht­aus­lö­sen­den Aus­tausch­fäl­le ent­fällt die Nut­zungs­pflicht. In rund der Hälf­te der Fäl­le konn­te der Ver­pflich­te­te nach­wei­sen, dass ein tech­ni­scher oder bau­li­cher Grund die Erfül­lung der Nut­zungs­pflicht unmög­lich macht. In rund 20 % der Aus­nah­me­fäl­le liegt ein denk­mal­schutz-recht­li­cher Grund vor oder eine ande­re öffent­lich-recht­li­che Vor­schrift ver­hin­dert die Erfül­lung des EWär­meG. Bei rund einem Drit­tel der Aus­nah­me­fäl­le hat der ver­pflich­te­te Gebäu­de­ei­gen­tü­mer schon vor dem pflicht­aus­lö­sen­den Aus­tausch der Heiz­an­la­ge eine EE-Anla­ge instal­liert, mit der der Wär­me­be­darf des Gebäu­des voll­stän­dig oder teil­wei­se gedeckt wird.

Diagramm: Erfüllungsmix des EWärmeG 2008

Abbil­dung 3–5: Erfül­lungs­mix des EWär­meG alt über die gesam­te Lauf­zeit des Geset­zes (Stand 30.06.2018)

3.2.2 Erfüllungsmix EWärmeG neu

Mit der Novel­lie­rung des EWär­meG wur­den neben der Anhe­bung des Pflicht­an­teils auf 15 % eini­ge Ände­run­gen an der Lis­te mög­li­cher Erfül­lungs­op­tio­nen vor­ge­nom­men. U.a. wur­de dabei der gebäu­de­in­di­vi­du­el­le Sanie­rungs­fahr­plan als Erfül­lungs­op­tio­nen neu ein­ge­führt, die Anrech­nung von Bio­gas und Bio­öl als Erfül­lungs­op­ti­on men­gen­mä­ßig begrenzt sowie zuge­las­sen, die Nut­zungs­pflicht über eine Kom­bi­na­ti­on aus ver­schie­de­nen Erfül­lungs­op­tio­nen zu erfül­len. Dane­ben wur­de der Gel­tungs­be­reich des Geset­zes auf die Nicht­wohn­ge­bäu­de aus­ge­wei­tet.

Abbil­dung 3–6 zeigt die rela­ti­ve Ver­tei­lung der Pflicht­er­fül­lungs­fäl­le des EWär­meG neu im Bereich der Wohn­ge­bäu­de. Die Zuord­nung auf die Jah­re erfolgt nach dem Datum des Hei­zungs­aus­tauschs. Als Daten­grund­la­ge die­nen die sei­tens der Ver­pflich­te­ten bei den unte­ren Bau­rechts­be­hör­den ein­ge­reich­ten Nach­wei­se, die die Bau­rechts­be­hör­den in das Daten­por­tal des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts ein­ge­ben. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Bau­rechts­be­hör­den kei­ner Frist unter­lie­gen, bis wann die Nach­wei­se in das Daten­por­tal ein­ge­ge­ben wer­den müs­sen. Man kann des­we­gen davon aus­ge­hen, dass die hier gezeig­ten Daten nur einen Aus­schnitt der bis­he­ri­gen Erfül­lungs­fäl­le reprä­sen­tie­ren (s. dazu die nähe­ren Aus­füh­run­gen wei­ter oben). Die gerin­gen Fall­zah­len in 2015 resul­tie­ren u.a. dar­aus, dass das EWär­meG neu „erst“ zum 01.07.2015 in Kraft trat (davor galt das EWär­meG alt). Für Wär­me­pum­pen und Wär­me­net­ze wur­den die Fall­zah­len ent­spre­chend der im vor­an­ste­hen­den Kapi­tel beschrie­be­nen Metho­dik abge­schätzt.

In der Daten­auf­nah­me und ‑dar­stel­lung wird zwi­schen der Erfül­lung der Nut­zungs­pflicht in Form von „nur“ einer Erfül­lungs­op­ti­on sowie in Form einer Kom­bi­na­ti­on aus ver­schie­de­nen Erfül­lungs­op­tio­nen unter­schie­den. Abbil­dung 3–6 zeigt, dass über ein Vier­tel der ver­pflich­te­ten Gebäu­de­ei­gen­tü­mer ihrer Pflicht über eine Maß­nah­men­kom­bi­na­ti­on erfül­len. Eine „Auf­lö­sung“ der Kom­bi­na­tio­nen sowie eine Inter­pre­ta­ti­on der Daten erfolgt wei­ter unten.

Diagramm: Zeitliche Entwicklung des Erfüllungsmix des EWärmeG für Wohngebäude

Abbil­dung 3–6: Zeit­li­che Ent­wick­lung des Erfül­lungs­mix (rela­ti­ve Ver­tei­lung) des EWär­meG neu für Wohn­ge­bäu­de (2015 nur 2. Halb­jahr), Stand 30.06.2018

Die im Ver­gleich zur abge­lei­te­ten Zahl an Ver­pflich­tungs­fäl­len gerin­ge Zahl an Nach­wei­sen führt zur Fra­ge, wie gut der dar­ge­stell­te Erfül­lungs­mix den rea­len Erfül­lungs­mix wider­spie­gelt. So wäre es ja prin­zi­pi­ell mög­lich, dass

  • die Ver­pflich­te­ten die Nach­wei­se ihrer Pflicht­er­fül­lung für ver­schie­de­ne Erfül­lungs­op­tio­nen unter­schied­lich schnell bei den unte­ren Bau­rechts­be­hör­den ein­rei­chen (zum Bei­spiel indem Nach­wei­se für Maß­nah­men­kom­bi­na­tio­nen auf­grund einer grö­ße­ren Kom­ple­xi­tät ten­den­zi­ell spä­ter ein­ge­reicht wer­den als bei „ein­fa­che­ren“ Erfül­lungs­op­tio­nen).
  • die unte­ren Bau­rechts­be­hör­den aus dem glei­chen Grund Nach­wei­se unter­schied­lich schnell in das Daten­por­tal des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts ein­ge­ben.


In bei­den Fäl­len käme es zu Ver­zer­run­gen des Erfül­lungs­mix, der sich aus den Daten des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts ablei­ten lässt. Ent­spre­chen­de Ver­zer­run­gen kön­nen auch durch­aus iden­ti­fi­ziert wer­den. Abbil­dung 3–7 zeigt den Erfül­lungs­mix des EWär­meG neu für Wohn­ge­bäu­de in 2016. Die lin­ke Säu­le zeigt den Erfül­lungs­mix aller Aus­tausch­fäl­le in 2016, für die auch die Nach­wei­se schon in 2016 in das Daten­por­tal ein­ge­tra­gen wur­den. Die mitt­le­re Säu­le zeigt den Erfül­lungs­mix für alle Aus­tausch­fäl­le in 2016, der sich aus der Aus­wer­tung aller bis zum 06.07.2017 im Daten­por­tal des Sta­tis­ti­schen Lands­amts vor­lie­gen­den Nach­wei­se ergibt (also inkl. Nach­wei­se für 2016, die erst in 2017 in das Daten­por­tal ein­ge­ge­ben wur­den). Die rech­te Säu­le zeigt den Stand für das Erfül­lungs­jahr 2016 zum Stand 30.06.2018 (also inkl. aller Nach­wei­se, die erst zwi­schen 06.07.2017 und 30.06.2018 nach­ge­tra­gen wur­den). Die Daten­grund­la­ge der lin­ken sowie der mitt­le­ren Säu­le stellt dem­nach eine Teil­men­ge der Daten­grund­la­ge der rech­ten Säu­le dar. Unter­schie­de sind ins­be­son­de­re beim Anteil der Kom­bi­na­tio­nen zu erken­nen.

Diagramm: Zeitliche Entwicklung des Erfüllungsmix des EWärmeG für Wohngebäude 2016

Abbil­dung 3–7: Erfül­lungs­mix (rela­ti­ve Ver­tei­lung) des EWär­meG neu für Wohn­ge­bäu­de in 2016, unter­schie­den nach dem Datum des Hei­zungs­aus­tauschs sowie einer Kom­bi­na­ti­on aus Datum des Hei­zungs­aus­tauschs und Datum der Nach­weis­füh­rung gegen­über den unte­ren Bau­rechts­be­hör­den (uBRB), Stand 30.06.2018

Wie oben dar­ge­stellt, erfüllt bei den Wohn­ge­bäu­den rund ein Vier­tel der Ver­pflich­te­ten die Nut­zungs­pflicht über eine Kom­bi­na­ti­on aus Maß­nah­men. I.d.R. han­delt es sich dabei um eine Kom­bi­na­ti­on aus zwei Maß­nah­men, in Aus­nah­me­fäl­len auch aus drei Maß­nah­men (z.B. Solar­ther­mie + Sanie­rungs­fahr­plan + Däm­mung).

Abbil­dung 3–8 gibt einen Über­blick, wel­che Erfül­lungs­kom­bi­na­tio­nen im Betrach­tungs­zeit­raum 2015 (2. HJ) bis 2017 in wel­cher Häu­fig­keit gewählt wur­den. Dar­ge­stellt wer­den nur die Kom­bi­na­tio­nen aus 2 Erfül­lungs­op­tio­nen, die rund 99 % der Kom­bi­na­tio­nen aus­ma­chen.

Die mit gro­ßem Abstand belieb­tes­te Kom­bi­na­ti­on besteht aus dem Sanie­rungs­fahr­plan (SFP) sowie Bio­gas (i.d.R. als Bei­mi­schung zu Erd­gas in einem Gas­kes­sel). Im Betrach­tungs­zeit­raum macht die­se Kom­bi­na­ti­on knapp die Hälf­te aller Kom­bi­na­ti­ons­er­fül­lun­gen aus (bezo­gen auf alle Ver­pflich­tungs­fäl­le liegt der Anteil der Kom­bi­na­ti­on SFP+Biogas bei rund 12 %). Auch die Kom­bi­na­ti­on aus SFP und Bio­öl (eben­falls i.d.R. als Bei­mi­schung) erfreut sich gro­ßer Beliebt­heit. Die Daten­aus­wer­tung zeigt fer­ner, dass der SFP durch die Ver­pflich­te­ten gut ange­nom­men wird. So wird der SFP bei den Wohn­ge­bäu­den im Betrach­tungs­zeit­raum in rund 17 % aller nach­ge­wie­se­nen Ver­pflich­tungs­fäl­le zur antei­li­gen Pflicht­er­fül­lung ein­ge­setzt.

Abbil­dung 3–8 zeigt zudem, dass auch die Solar­ther­mie ger­ne in Kom­bi­na­ti­on mit ande­ren Erfül­lungs­op­tio­nen (z.B. Bio­gas-Bei­mi­schung, Däm­mung oder SFP) ver­wen­det wird. Dies liegt wahr­schein­lich dar­an, dass zahl­rei­che Ver­pflich­te­te mit rei­nen Trink­was­ser­an­la­gen den gefor­der­ten 15 % Pflicht­an­teil nicht errei­chen und somit eine wei­te­re Erfül­lungs­op­ti­on benö­ti­gen, um auf den gesetz­li­chen Pflicht­an­teil zu kom­men.

Tabelle: Häufigkeit verschiedener Erfüllungskombinationen des EWärmeG neu für Wohngebäude 2015 bis 2017

Abbil­dung 3–8: Häu­fig­keit ver­schie­de­ner Erfül­lungs­kom­bi­na­tio­nen des EWär­meG neu für Wohn­ge­bäu­de im Betrach­tungs­zeit­raum 2015 (2. HJ) bis 2017, Stand 30.06.2018

Abbil­dung 3–9 zeigt die rela­ti­ve Ver­tei­lung der Pflicht­er­fül­lungs­fäl­le des EWär­meG neu im Bereich der Nicht­wohn­ge­bäu­de. Bei der Inter­pre­ta­ti­on sind die gerin­gen Fall­zah­len, also die gerin­ge Anzahl an Erfül­lungs­nach­wei­sen, die die unte­ren Bau­rechts­be­hör­den in das IDEV-Por­tal des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts ein­ge­ge­ben haben, zu berück­sich­ti­gen (zum Stand 30.06.2018: 2. HJ 2015 136 Fäl­le; 2016 306 Fäl­le; 2017 218 Fäl­le).

Bei den Nicht­wohn­ge­bäu­den domi­niert der Sanie­rungs­fahr­plan, der im Bereich der NWG als allei­ni­ge Erfül­lungs­mög­lich­keit zuge­las­sen ist. Wei­te­re pro­mi­nen­te Erfül­lungs­op­tio­nen sind die Ersatz­maß­nah­me PV, die fes­te Bio­mas­se sowie Maß­nah­men im Bereich des bau­li­chen Wär­me­schut­zes. Im gesam­ten Betrach­tungs­zeit­raum wei­sen knapp 10 % der ein­ge­gan­ge­nen Nach­wei­se auf eine Befrei­ung von der Nut­zungs­pflicht hin.

Diagramm: Zeitliche Entwicklung des Erfüllungsmix des EWärmeG für NWG

Abbil­dung 3–9: Zeit­li­che Ent­wick­lung des Erfül­lungs­mix (rela­ti­ve Ver­tei­lung) des EWär­meG neu für NWG (2015 nur 2. Halb­jahr), Stand 30.06.2018

Im Bereich der Nicht­wohn­ge­bäu­de wird das EWär­meG neu nur in sehr sel­te­nen Fäl­len in Form einer Maß­nah­men­kom­bi­na­ti­on erfüllt. Im Betrach­tungs­zeit­raum war dies nur in rund 5 % aller nach­ge­wie­se­nen Ver­pflich­tungs­fäl­le der Fall.

3.2.3 Erfüllungsmix EWärmeG gesamt

Abbil­dung 3–10 zeigt die zeit­li­che Ent­wick­lung des Erfül­lungs­mix des EWär­meG seit sei­nem Inkraft­tre­ten. Die Dar­stel­lung erfasst dabei nur die Wohn­ge­bäu­de (auf­grund der bis­lang noch sehr gerin­gen Zahl an Nach­wei­sen für Nicht­wohn­ge­bäu­de wer­den die­se hier noch nicht berück­sich­tigt).

Bei der Inter­pre­ta­ti­on der Daten in Form einer durch­ge­hen­den Zeit­rei­he müs­sen die Ände­run­gen beim Über­gang des EWär­meG alt zum EWär­meG neu berück­sich­tigt wer­den. Die Ände­run­gen betref­fen ins­be­son­de­re die Hoch­set­zung des Pflicht­an­teils, Anpas­sun­gen bei den zuläs­si­gen Erfül­lungs­op­tio­nen sowie die Mög­lich­keit, die Nut­zungs­pflicht über eine Kom­bi­na­ti­on aus ver­schie­de­nen Maß­nah­men zu erfül­len.

Für das EWär­meG neu wer­den die bei­den wich­tigs­ten Kom­bi­na­tio­nen „Biogas+SFP“ sowie „Bioöl+SFP“ expli­zit aus­ge­wie­sen, alle ande­ren Kom­bi­na­tio­nen wer­den unter der Kate­go­rie „Sons­ti­ge Kom­bi­na­tio­nen“ sub­sum­miert.

Diagramm: Zeitliche Entwicklung des Erfüllungsmix (relative Verteilung) des EWärmeG über die gesamte Laufzeit für Wohngebäude

Abbil­dung 3–10: Zeit­li­che Ent­wick­lung des Erfül­lungs­mix (rela­ti­ve Ver­tei­lung) des EWär­meG über die gesam­te Lauf­zeit für Wohn­ge­bäu­de, Stand 30.06.2018

3.2.4 Schlussfolgerungen zum Erfüllungsmix

Aus der zeit­li­chen Ent­wick­lung der Zusam­men­set­zung des Erfül­lungs­mix las­sen sich für die Wohn­ge­bäu­de fol­gen­de tech­no­lo­gie­spe­zi­fi­schen Beob­ach­tun­gen ablei­ten:

  • Solar­ther­mie: Der Anteil der Solar­ther­mie nimmt über den gesam­ten Zeit­ver­lauf des EWär­meG suk­zes­si­ve ab. Dies gilt auch für den Gel­tungs­be­reich des EWär­meG neu, im Rah­men des­sen der Min­dest­an­teil von 10 % auf 15 % hoch­ge­setzt wur­de, aller­dings auch die Mög­lich­keit ein­ge­räumt wur­de, durch eine Kom­bi­na­ti­on mit ande­ren Erfül­lungs­maß­nah­men (z.B. den SFP) bei rei­nen Trink­was­ser­an­la­gen zu blei­ben. Die Aus­wer­tung der Maß­nah­men­kom­bi­na­tio­nen zeigt auch deut­lich, dass Ver­pflich­te­te, die sich für einen Kol­lek­tor ent­schei­den, die­se Kom­bi­na­ti­ons­lö­sun­gen ger­ne wäh­len.
  • Fes­te Bio­mas­se: Der Anteil fes­ter Bio­mas­se ist im Zeit­ver­lauf schwan­kend, eine ein­deu­ti­ge Ten­denz nach oben oder unten ist nicht erkenn­bar. Der Anteil an Ein­zel­raum­feue­run­gen lag im Wir­kungs­be­reich des EWär­meG alt bei rund 58 %. Beim EWär­meG neu sank die­ser Anteil auf rund 43 %.
  • Bio­gas: Wäh­rend die Bio­gas-Bei­mi­schung im Gel­tungs­be­reich des EWär­meG alt über die Jah­re suk­zes­si­ve auf einen Anteil von 35 % zunimmt (und damit am Ende die domi­nie­ren­de Erfül­lungs­op­ti­on dar­stellt), bricht der Anteil beim Über­gang auf die Bedin­gun­gen des EWär­meG neu zunächst um mehr als einen Fak­tor 3 ein. Dies kann wohl dar­auf zurück­ge­führt wer­den, dass die Bio­gas-Bei­mi­schung nur noch in Kom­bi­na­ti­on mit einer ande­ren Maß­nah­me die Nut­zungs­pflicht erfüllt. Es ist aber auf­grund der nach­fol­gend dar­ge­stell­ten Erwä­gun­gen zu erwar­ten, dass sich die Ent­wick­lung von die­sem Ein­bruch erho­len und die Rol­le des Bio­gas in den kom­men­den Jah­ren wie­der anstei­gen wird
  • Die Kom­bi­na­ti­on aus Bio­gas-Bei­mi­schung und SFP stellt eine ver­hält­nis­mä­ßig ein­fach zu ver­wirk­li­chen­de und aus Per­spek­ti­ve der rei­nen Inves­ti­ti­ons­kos­ten güns­ti­ge Erfül­lungs­kom­bi­na­ti­on dar (Aus­tausch Gas­kes­sel zu Guns­ten eines neu­en Gas-Brenn­wert­kes­sels, ledig­lich Anpas­sung des Gas-Tarifs, SFP als Ergän­zung dazu).
  • So wie die Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men nach Ein­füh­rung des EWär­meG began­nen, spe­zi­el­le Bio­gas-Tari­fe ein­zu­füh­ren (soge­nann­te Bei­mi­schungs­pro­duk­te) und die­se mit Ver­weis auf das EWär­meG zu ver­mark­ten, ist jetzt zu beob­ach­ten, dass Stadt­wer­ke begin­nen, Bio­gas-Bei­mi­schungs­pro­duk­ten in Kom­bi­na­ti­on mit dem SFP anzu­bie­ten (vgl. Kapi­tel 6.2).
  • Bio­öl: Bei der Bio­öl-Bei­mi­schung ist eine ähn­li­che Ent­wick­lung wie bei der Erfül­lungs­op­ti­on Bio­gas zu beob­ach­ten. Wie beim Bio­gass kann auch hier trotz des Ein­bruchs beim Über­gang auf das EWär­meG neu erwar­tet wer­den, dass die Rol­le der Bio­öl-Bei­mi­schung zukünf­tig wie­der stei­gen wird (in Form der Erfül­lungs­kom­bi­na­ti­on aus dem Bezug eines Bio­öl-Bei­mi­schungs­pro­dukts und einem SFP).
  • Wär­me­pum­pen: Der Anteil von Wär­me­pum­pen liegt im gesam­ten Betrach­tungs­zeit­raum zwi­schen 4 % und 12 %, eine ein­deu­ti­ge Ten­denz nach oben oder unten ist nicht erkenn­bar. Dabei steht der ver­hält­nis­mä­ßig gerin­ge Anteil der Wär­me­pum­pen der Bedeu­tung dia­me­tral ent­ge­gen, die zahl­rei­che Kli­ma­schutz­sze­na­ri­en für den Gebäu­de­sek­tor die­ser Tech­no­lo­gie in Hin­blick auf die Dekar­bo­ni­sie­rung der Wär­me­ver­sor­gung zuschrei­ben (z.B. ZSW et al. 2017, IBP/IWES 2017, Pro­g­nos et al. 2015, Öko-Insti­tu­t/I­SE 2015). Es muss jedoch berück­sich­tigt wer­den, dass vie­le Gebäu­de, die der Nut­zungs­pflicht unter­lie­gen, auf­grund eines gerin­gen Wär­me­schutz­stan­dards für Wär­me­pum­pen unge­eig­net sind. Auf der ande­ren Sei­te erfül­len vie­le sanier­te Gebäu­de, die sich für Wär­me­pum­pen prin­zi­pi­ell eig­nen wür­den, die Nut­zungs­pflicht schon über die Ersatz­maß­nah­me Wär­me­schutz erfül­len.
  • (Ersatz­maß­nah­me) PV: Der Anteil der PV im Erfül­lungs­mix nimmt beim Über­gang zum EWär­meG neu stark zu. Auf­grund der guten För­de­rung durch das EEG sowie der EEG-indu­zier­ten inzwi­schen hohe Durch­drin­gungs­ra­te von PV-Anla­gen in Baden-Würt­tem­berg kann jedoch davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass die in Anrech­nung gebrach­ten PV-Anla­gen auf den Gebäu­den schon vor­han­den waren und somit in die­sem Bereich dem EWär­meG kein oder nur sehr klei­ner zusätz­li­cher Nut­zen zuge­schrie­ben wer­den kann (vgl. hier­zu die Ver­pflich­te­ten-Befra­gung in Kapi­tel 5.1).
  • Ersatz­maß­nah­me bau­li­cher Wär­me­schutz: Auch der Anteil der Erfül­lungs­op­ti­on bau­li­cher Wär­me­schutz nimmt beim Über­gang in den Wir­kungs­be­reich des EWär­meG neu deut­lich zu. Ver­gleich­bar der Ersatz­maß­nah­me PV ist auch hier zu hin­ter­fra­gen, in wel­chem Aus­maß die ent­spre­chen­den Maß­nah­men neu sind und dabei durch das EWär­meG indu­ziert wur­den. Es steht auch hier die Ver­mu­tung im Raum, dass es sich um bau­li­che Sanie­rungs­maß­nah­men han­delt, die schon vor dem Zeit­punkt des Heiz­anal­gen­aus­tauschs durch­ge­führt wur­den und somit in die­sem Bereich durch das EWär­meG kein oder nur sehr begrenz­ter Zusatz­nut­zen bewirkt wird (vgl. Kapi­tel 5.1).
  • Sanie­rungs­fahr­plan: Die Erfül­lungs­op­ti­on des gebäu­de­in­di­vi­du­el­len SFP wird in 2016 und 2017 in rund 17 % der Ver­pflich­tungs­fäl­le gewählt. Das dürf­te u.a. dar­an lie­gen, dass der SFP eine Mög­lich­keit dar­stellt, in Kom­bi­na­ti­on mit ande­ren „nie­der­schwel­li­gen“ Maß­nah­men wie der Bei­mi­schung von Bio­gas oder Bio­öl, die Nut­zungs­pflicht ohne gro­ßen tech­ni­schen Umstel­lun­gen im Hei­zungs­kel­ler zu erfül­len. Bei Solar­kol­lek­to­ren erlaubt die Kom­bi­na­ti­on mit dem SFP auf ein kom­ple­xe­res Sys­tem mit Hei­zungs­un­ter­stüt­zung zu ver­zich­ten. Und schließ­lich wird auch ein Bera­tungs­be­richt einer Bafa-Vor-Ort-Bera­tung als SFP aner­kannt, sofern er nicht älter als fünf Jah­re ist.1 Liegt ein sol­cher Bericht vor, haben die betrof­fe­nen Gebäu­de­ei­gen­tü­mer schon ein Drit­tel der Nut­zungs­pflicht erfüllt. Der SFP ist zunächst „nur“ ein Infor­ma­ti­ons­in­stru­ment. Mit Blick auf die Wir­kungs­ab­schät­zung des EWär­meG stellt sich daher die Fra­ge, in wel­chem Aus­maß der SFP wirk­lich Sanie­rungs­maß­nah­men indu­ziert oder ob die­se aus­blei­ben (vgl. Kapi­tel 8.6).
Umweltministerium BW logo

Empirische-statistische Analyse des Heizungsmarktes in Baden-Württemberg

Ausgangslage und Fragestellung

Ergän­zend zu der Ana­ly­se der sta­tis­ti­schen Daten zur Erfül­lung der Nut­zungs­pflicht wer­den in die­sem Kapi­tel Markt­da­ten her­an­ge­zo­gen, um die Dyna­mik des baden-würt­tem­ber­gi­schen Wär­me­mark­tes zu unter­su­chen. Dabei steht die Fra­ge im Vor­der-grund, ob und in wel­chem Aus­maß sich an den Markt­zah­len Aus­wir­kun­gen des EWär­meG auf den Aus­bau erneu­er­ba­rer Wär­me – und auch auf Effi­zi­enz­maß­nah­men und Ener­gie­be­ra­tung – zei­gen. In die­sem Zusam­men­hang wird auch unter­sucht, wie sich die Anschluss­zah­len an Wär­me­net­ze (als wei­te­rer Erfül­lungs­op­ti­on) ent­wi­ckelt haben. Effi­zi­enz­maß­nah­men wer­den von zwei Sei­ten beleuch­tet: einer­seits wird unter­sucht, inwie­weit die Anfor­de­run­gen des EWär­meG dazu füh­ren, dass not­wen­di­ge Hei­zungs­mo­der­ni­sie­run­gen auf­ge­scho­ben wer­den (Atten­tis­mus), wie z. B. in (BDH 2018a) ver­mu­tet. Ande­rer­seits wird betrach­tet, inwie­weit sich Effek­te des EWär­meG in der Zahl von Ener­gie­be­ra­tung und in der Ent­wick­lung von För­der­zah­len zur Gebäu­de­sa­nie­rung nie­der­schla­gen.

Die Ana­ly­se muss ein­ge­bet­tet sein in ein Bewusst­sein über die Ent­wick­lung des Gesamt­mark­tes. Abbil­dung 4–1 zeigt die Ent­wick­lung des Mark­tes für Wär­me­er­zeu­ger auf Bun­des­ebe­ne seit 2005. Deut­lich wird, dass der gesam­te Absatz in der Bun­des­re­pu­blik nach mas­si­ven Ein­brü­chen 2007 auch 2017 noch nicht wie­der den Stand von 2005 und 2006 erreicht hat. Wäh­rend der Aus­bau von Erneu­er­ba­ren in der Wär­me­er­zeu­gung schlep­pend ver­läuft, durch­drin­gen vor allem Gas-Brenn­wert­kes­sel den Markt. 2016 und 2017 konn­ten Wär­me­pum­pen jedoch im Ver­gleich zu den Vor­jah­ren stär­ker zule­gen.

Diagramm: Absatz von Wärmeerzeugern in Deutschland

Abbil­dung 4–1: Absatz von Wär­me­er­zeu­gern in Deutsch­land [in Stück] (Quel­len: BDH 2016a, 2017a, 2018b)

Statistische Grundlagen

Die Her­aus­for­de­rung der vor­lie­gen­den Ana­ly­se ist, dass es kei­ne ein­heit­li­che, umfas­sen­de Heiz­kes­sel­sta­tis­tik gibt und die vor­han­de­nen Zah­len­wer­ke jeweils eige­ne Beschrän­kun­gen auf­wei­sen. Daher müs­sen ver­schie­de­ne Sta­tis­ti­ken so zusam­men­ge­setzt wer­den, dass sich ein Gesamt­bild ergibt. Zu die­sem Zweck wer­den die fol­gen­den sta­tis­ti­schen Quel­len genutzt:

  • Die Sta­tis­tik des BDH (anony­mi­sier­te Absatz­zah­len sowie Mul­ti­moment­auf­nah­me 2018) dient sowohl der Betrach­tung der Moder­ni­sie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten von Hei­zungs­be­trei­bern als auch der Ana­ly­se der Aus­bau­dy­na­mik von Erneu­er­ba­ren in der Wär­me­er­zeu­gung.
  • Die Schorn­stein­fe­ger­sta­tis­tik zu mess­pflich­ti­gen Feue­rungs­an­la­gen, die mit Öl oder Gas betrie­ben wer­den, wird zur Betrach­tung von Moder­ni­sie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten her­an­ge­zo­gen.
  • Die MAP-För­der­sta­tis­tik dient der Unter­su­chung der Aus­bau­dy­na­mik von Erneu­er­ba­ren in der Wär­me­er­zeu­gung.
  • Wei­te­re Ana­ly­sen und Lite­ra­tur­quel­len, ins­be­son­de­re sta­tis­ti­sche Quel­len zur Ent­wick­lung von Heiz­sys­te­men im neu gebau­ten Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäu­den. Damit lässt sich abschät­zen, wel­cher Teil der abge­setz­ten Kes­sel in den Gebäu­de­be­stand geht.


Die wich­tigs­ten sta­tis­ti­schen Quel­len wer­den im Fol­gen­den jeweils kurz vor­ge­stellt.

4.2.1 Statistik des BDH

Der Bun­des­ver­band der deut­schen Hei­zungs­in­dus­trie ver­trat im Jahr 2017 100 Unter­neh­men und zwei asso­zi­ier­te Ver­bän­de, die ins­ge­samt gut 90 % des Umsat­zes der Hei­zungs­in­dus­trie in Deutsch­land aus­ma­chen (BDH 2018). In Posi­ti­ons­pa­pie­ren von 20131, 20162 und 20183 argu­men­tiert der BDH, dass Baden-Würt­tem­berg bei der Moder­ni­sie­rung von Wär­me­er­zeu­gern sowohl nach dem ers­ten Inkraft­tre­ten des EWär­meG 2010 als auch nach der Novel­lie­rung 2015 gegen­über dem rest­li­chen Bun­des­ge­biet zurück­ge­fal­len sei (BDH 2016b, 2018a).

Für das Posi­ti­ons­pa­pier 2018 wur­de in einer soge­nann­ten Mul­ti­moment­auf­nah­me Her­stel­ler nach ihren Absatz­zah­len von zen­tra­len Wär­me­er­zeu­gern (Gas‑, Öl‑, Holz-Heiz­kes­sel und Wär­me­pum­pen) sowie Solar­ther­mie­an­la­gen in Baden-Würt­tem­berg befragt. Dabei kön­nen ver­mut­lich bei der Zuord­nung zum Bun­des­land Baden-Würt­tem­berg Unschär­fen ent­ste­hen, wenn Instal­la­ti­ons­be­trie­be in meh­re­ren Bun­des­län­dern tätig sind. Die­se Erhe­bung deckt die Jah­re 2008 bis 2016 ab und wur­de wie schon die vor­he­ri­ge Mul­ti­moment­auf­nah­me 2016 ergän­zend zu den übli­chen Erhe­bun­gen über die bun­des­wei­te Markt­ent­wick­lung durch­ge­führt. Für die BDH-Erhe­bun­gen wer­den die ein­zel­nen Unter­neh­mens­da­ten durch einen Wirt­schafts­prü­fer gesam­melt, anony­mi­siert und unter Nen­nung der teil­neh­men­den Unter­neh­men an den BDH über­mit­telt. Anschlie­ßend kor­ri­giert der BDH die Daten ent­spre­chend der geschätz­ten Markt­ab­de­ckung4. Anla­gen im Neu­bau wur­den über Zah­len des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes über Bau­fer­tig­stel­lun­gen und dabei ein­ge­setz­ten pri­mä­ren Heiz­ener­gien her­aus­ge­rech­net (ebd.). Anschlie­ßend wur­de dif­fe­ren­ziert nach Anla­gen­tech­no­lo­gie ein Moder­ni­sie­rungs­in­dex berech­net, bei dem alle Absatz­zah­len auf das Basis­jahr 2008 bezo­gen wur­den. Dar­über hin­aus berech­net der BDH ein Sze­na­rio, indem er eine hypo­the­ti­sche Markt­ent­wick­lung ohne Ein­füh­rung des EWär­meG berech­net, unter der Annah­me, dass der baden-würt­tem­ber­gi­sche Markt sich ent­spre­chend dem Trend in den übri­gen Bun­des­län­dern ent­wi­ckelt hät­te.

Neben den Mul­ti­moment­auf­nah­men des BDH wur­den die ver­öf­fent­lich­ten Absatz­zah­len des BDH für Wär­me­er­zeu­ger in Deutsch­land genutzt. Dar­über hin­aus stell­te der BDH Absatz­zah­len für Wär­me­er­zeu­ger in Baden-Würt­tem­berg zur Ver­fü­gung, die eben­falls für die Ana­ly­se ver­wen­det wur­den.

4.2.2 MAP-Förderstatistik

Das Markt­an­reiz­pro­gramm wur­de 1999 ein­ge­führt und ist das zen­tra­le För­der­instru­ment der Bun­des­re­gie­rung für erneu­er­ba­re Ener­gien im Wär­me­be­reich. Klei­ne Solar­ther­mie­an­la­gen sowie Bio­mas­se­an­la­gen und Wär­me­pum­pen unter 100 kW Leis­tung wer­den über das BAFA geför­dert, grö­ße­re Anla­gen über 100 kW wer­den über die Kre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau (KfW) geför­dert. Bei gro­ßen Solar­kol­lek­tor­an­la­gen besteht teil­wei­se ein Wahl­recht zwi­schen BAFA- und KfW-För­de­rung (nicht kumu­la­tiv). Das MAP zielt pri­mär auf die För­de­rung von Anla­gen im Gebäu­de­be­stand ab. Eine För­de­rung im Neu­bau ist daher nur noch unter bestimm­ten Bedin­gun­gen mög­lich (Inno­va­ti­ons­för­de­rung).

Das Bun­des­amt für Wirt­schaft und Aus­fuhr­kon­trol­le (BAFA) erstellt eige­ne Sta­tis­ti­ken über Anla­gen im Gebäu­de­be­stand, die von Sei­ten des BAFA über das MAP geför­dert wer­den. Erfasst wer­den Anzahl und Leis­tung bzw. Flä­che von solar­ther­mi­schen Anla­gen, Holz­hei­zun­gen – dif­fe­ren­ziert nach den Brenn­stof­fen Pel­lets, Hack­schnit­zel und Scheit­holz – sowie Wär­me­pum­pen. Die Anga­ben bezie­hen sich jeweils auf das Jahr der Inbe­trieb­nah­me, für 2015 wer­den das ers­te und zwei­te Halb­jahr unter­schie­den. Zah­len für 2017 sind vor­läu­fi­ge Zah­len, da noch wei­te­re Anträ­ge für 2017 ein­ge­hen kön­nen.

4.2.3 Schornsteinfegerstatistik

Nach der ers­ten Ver­ord­nung zur Durch­füh­rung des Bun­des­im­mis­si­ons­schutz­ge­set­zes (1. BIm­SchV), der Ver­ord­nung über klei­ne und mitt­le­re Feue­rungs­an­la­gen, müs­sen bestimm­te Gas- und Ölhei­zungs­an­la­gen (neben ande­ren Anla­gen, wie zum Bei­spiel Bio­mas­se-befeu­er­te Hei­zungs­an­la­gen), regel­mä­ßig durch einen Schorn­stein­fe­ger auf Abgas­ver­lus­te und je nach Anla­gen­typ auch auf Kohlenstoffmonoxid‑, Ruß‑, Ölde­ri­vat- und Stick­stoff­oxid­emis­sio­nen über­prüft wer­den. Nicht mess­pflich­tig waren bis zum Inkraft­tre­ten der novel­lier­ten 1. BIm­SchV am 22. März 2010 alle Anla­gen mit einer Feue­rungs­wär­me­leis­tung klei­ner 11 kW. Seit dem 22. März 2010 liegt die Gren­ze bei 4 kW. Anla­gen mit einer Feue­rungs­wär­me­leis­tung grö­ßer 4 kW kön­nen von der Mess­pflicht aus­ge­nom­men sein, ins­be­son­de­re sind dies Gas-Brenn­wert­ge­rä­te und gewis­se Son­der­an­la­gen. Wäh­rend die Mes­sun­gen vor 2010 jähr­lich erfolg­ten, hat die BIm­SchV-Novel­le eine tur­nus­mä­ßi­ge Über­wa­chung ein­ge­führt. Anla­gen, deren Inbe­trieb­nah­me oder wesent­li­che Ände­rung mehr als zwölf Jahr zurück­liegt, müs­sen nun ein­mal in jedem zwei­ten Kalen­der­jahr gemes­sen wer­den. Jün­ge­re Anla­gen müs­sen nur ein­mal in jedem drit­ten Kalen­der­jahr über­wacht wer­den (§ 15 Abs. 3 1. BIm­SchV).

Die Bezirks­schorn­stein­fe­ger­meis­ter mel­den die Ergeb­nis­se der Mes­sun­gen jedes Kalen­der­jahr dem zustän­di­gen Lan­des­in­nungs­ver­band. Die Lan­des­in­nungs­ver­bän­de für das Schorn­stein­fe­ger­hand­werk erstel­len jeweils Über­sich­ten über die Ergeb­nis­se der Mes­sun­gen und legen die­se Über­sich­ten im Rah­men ihrer gesetz­li­chen Aus­kunfts­pflich­ten der für den Immis­si­ons­schutz zustän­di­gen obers­ten Lan­des­be­hör­de oder der nach Lan­des­recht zustän­di­gen Behör­de vor. In den Schorn­stein­fe­ger­sta­tis­ti­ken, den sog. „Erhe­bun­gen des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks“, wird nicht nur die Häu­fig­keit von Anla­gen­män­geln dar­ge­stellt, son­dern es wer­den auch Hoch­rech­nun­gen über den Bestand mess­pflich­ti­ger Anla­gen ver­öf­fent­licht. Die Hoch­rech­nung umfasst die im jewei­li­gen Jahr gemes­se­nen Anla­gen und die mess­pflich­ti­gen, aber im Kalen­der­jahr nicht gemes­se­nen Hei­zungs­an­la­gen. Sie dif­fe­ren­ziert nach Errich­tungs­da­tum und Feue­rungs­wär­me­leis­tung, nicht aber zwi­schen Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäu­den. Die Schorn­stein­fe­ger­sta­tis­tik umfasst nicht alle Anla­gen: Erd­gas-Brenn­wert­kes­sel sind nicht mess­pflich­tig und wer­den daher nicht erfasst. Öl-Brenn­wert­kes­sel sind zwar mess­pflich­tig, sie wer­den aus den Sta­tis­ti­ken über die Bestands­an­la­gen her­aus­ge­rech­net, um kein ver­zerr­tes Bild des Ver­hält­nis­ses der Anzahl von Öl- gegen­über Gas­hei­zun­gen ent­ste­hen zu las­sen.

Ausbau erneuerbarer Wärme im Gebäudebestand

4.3.1 Gesamtschau

Die Ana­ly­se der Aus­wir­kun­gen des EWär­meG muss vor dem Hin­ter­grund des schlep­pen­den Aus­baus der erneu­er­ba­ren Wär­me in Deutsch­land gese­hen wer­den. In der Gesamt­schau ste­chen Bay­ern und Baden-Würt­tem­berg her­vor, die Vor­rei­ter im Aus­bau der erneu­er­ba­ren Wär­me sind. So machen die­se bei­den Bun­des­län­der gemein­sam über die Hälf­te des Bun­des­be­stands an Solar­ther­mie und an Pel­let­hei­zun­gen aus, obwohl sie nur knapp 30 % der Bevöl­ke­rung stel­len. Sowohl Solar­ther­mie als auch Pel­let­kes­sel im Bestand fin­den sich zu gut einem Fünf­tel in Baden-Würt­tem­berg und sogar zu annä­hernd einem Drit­tel in Bay­ern (Agen­tur für erneu­er­ba­re Ener­gien 2018; Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt 2016). Auch beim Anteil der Gebäu­de mit erneu­er­ba­ren Wär­me­an­la­gen liegt Baden-Würt­tem­berg im Bun­des­län­der­ver­gleich auf den vor­ders­ten Plät­zen: Beim Anteil der Gebäu­de mit Wär­me­pum­pen liegt Baden-Würt­tem­berg auf Rang drei (hin­ter Rhein­land-Pfalz und Bran­den­burg und gleich­auf mit Bay­ern). Bei Pel­let­feue­run­gen und Solar­wär­me erreicht Baden-Würt­tem­berg Rang zwei hin­ter Bay­ern. Abbil­dung 4–2 zeigt jeweils den Anteil der Gebäu­de mit Wär­me­pum­pen, mit Pel­let­feue­run­gen und mit Solar­wär­me­an­la­gen. Bezo­gen auf den End­ener­gie­ver­brauch für Wär­me konn­te Baden-Würt­tem­berg so den Anteil der Erneu­er­ba­ren von 13,2 % in 2010 auf 16,0 % in 2016 stei­gern. Im glei­chen Zeit­raum stieg der Anteil der Erneu­er­ba­ren im Bund nur von 11,4 % auf 13,2 % des End­ener­gie­ver­brauchs für Wär­me (Minis­te­ri­um für Umwelt Kli­ma und Ener­gie­wirt­schaft Baden-Würt­tem­berg (Hrsg.) 2018; Umwelt­bun­des­amt (Hrsg.) 2018).

Kartenansicht: Anteil der Gebäude mit Wärmepumpen
Kartenansicht: Anteil der Gebäude mit Pelletfeuerung
Kartenansicht: Anteil der Gebäude mit Solarwärmeanlage

Abbil­dung 4–2: Anteil der Gebäu­de mit Wär­me­pum­pen (links), Pel­let­feue­run­gen (Mit­te) und Solar­wär­me­an­la­gen (rechts), in Pro­zent, Jahr 2016 (Quel­le: Agen­tur für Erneu­er­ba­re Ener­gien 2018)

Eine Viel­zahl von Grün­den bedingt die­sen erfolg­rei­chen Aus­bau, die aller­dings empi­risch-öko­no­me­trisch noch nicht unter­sucht wur­den. Eine Rol­le spie­len sicher das ver­gleichs­wei­se hohe Durch­schnitts­ein­kom­men in Baden-Würt­tem­berg und etwas mehr noch in Bay­ern, die hohen Eigen­tü­mer­quo­ten und ein rela­tiv gerin­ger Anteil an Ver­mie­tun­gen sowie ein hoher Anteil von Zen­tral­hei­zun­gen (Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt 2016b; Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt Baden Würt­tem­berg (Hrsg.) 2016). Außer­dem pro­fi­tie­ren bei­de Län­der von einer hohen Solar­strah­lung und beson­ders Bay­ern von hohen Bio­mas­se­be­stän­den. Aber auch poli­ti­sche Rah­men­be­din­gun­gen und die Wei­ter­ent­wick­lung des Ord­nungs­rechts, ört­li­che Infor­ma­ti­ons- und För­der­pro­gram­me und regio­na­le Ener­gie­agen­tu­ren, Indus­trie- und Tech­no­lo­gie­po­li­tik sowie die Unter­stüt­zung von For­schung und Ent­wick­lung zur Nut­zung von Erneu­er­ba­ren spie­len eine wich­ti­ge Rol­le. So kamen (Diek­mann et al. 2017) auf der Basis einer brei­ten Indi­ka­to­ren­ana­ly­se zu Erfolgs­fak­to­ren des Aus­baus von Erneu­er­ba­ren Ener­gien zu einem Ran­king der Bun­des­län­der mit Baden-Würt­tem­berg an der Spit­ze, Bay­ern fiel nach einem ers­ten Platz in 2014 auf den drit­ten Platz ab.

Ein ins­ge­samt anstei­gen­des Inter­es­se an erneu­er­ba­ren Ener­gien spie­gelt sich auch in Zah­len des Deut­schen Auf­trags­agen­tur GmbH. In einer Aus­wer­tung von 50.000 Auf­trags­an­fra­gen haben in Baden-Würt­tem­berg 38 % nach solar­ther­mi­scher Unter­stüt­zung oder ande­ren erneu­er­ba­ren Hei­zungs­sys­te­men gefragt. Damit war Baden-Würt­tem­berg Spit­zen­rei­ter vor Bay­ern, Sach­sen, Thü­rin­gen und Bran­den­burg. Ham­burg kommt als Schluss­licht nur auf 4 % Solar­ther­mie und 13 % Erneu­er­ba­re (Deut­sche Auf­trags­agen­tur in (EUWID 2017)). Bei der Ent­schei­dung für erneu­er­ba­re Wär­me spielt natur­ge­mäß die För­de­rung eine gro­ße Rol­le. Im Über­blick zeigt sich, dass sich der Anteil der in Baden-Würt­tem­berg im MAP geför­der­ten Anla­gen gegen­über dem lang­jäh­ri­gen Mit­tel und ins­be­son­de­re gegen­über der Peri­ode vor Inkraft­tre­ten des EWär­meG erhöht hat. Die­se Erhö­hung des Anteils liegt bei Solar­an­la­gen bei 1,9 Pro­zent­punk­ten, bei Wär­me­pum­pen bei 2,4 Pro­zent­punk­ten und bei Holz­feuerun­gen ins­ge­samt bei 2,0 Pro­zent­punk­ten. Beson­ders aus­ge­prägt ist der Anstieg bei den Hack­schnit­zel­hei­zun­gen (sie­he Tabel­le 4–1). Bei den meis­ten Tech­no­lo­gien zeigt sich ein Anstieg wäh­rend der Gel­tung der ers­ten Fas­sung des EWär­meG, gefolgt von einer wei­te­ren Stei­ge­rung seit Inkraft­tre­ten der Novel­le 2010. Eine Aus­nah­me bil­den hier die Wär­me­pum­pen, bei denen der baden-würt­tem­ber­gi­sche Anteil seit Mit­te 2015 hin­ter dem Anteil zwi­schen 2010 und Mit­te 2015 zurück­fällt. Ein leich­ter Rück­gang von der ers­ten zur zwei­ten Gel­tungs­pe­ri­ode zeigt sich auch bei den Scheit­holz­hei­zun­gen (sie­he Tabel­le 4–1).

Tabelle: Zeitreihe des Anteils der in Baden-Württemberg im Marktanreizprogramm geförderten EE-Anlagen

Tabel­le 4–1: Zeit­rei­he des Anteils der in Baden-Würt­tem­berg im Markt­an­reiz­pro­gramm geför­der­ten EE-Anla­gen

Letzt­lich rele­vant für die Ent­schei­dung für oder gegen erneu­er­ba­re Wär­me ist aber auch die Preis­struk­tur der Ener­gie­trä­ger, ins­be­son­de­re die Prei­se für Heiz­strom für Wär­me­pum­pen, Holz­pel­lets und bei den fos­si­len Ener­gie­trä­gern leich­tes Heiz­öl und Erd­gas. Hier wird deut­lich, dass sich der Preis für Wär­me­pum­pen­strom zwi­schen 2006 und 2014 bun­des­weit fast ver­dop­pelt hat und auch danach nur gering­fü­gig gesun­ken ist. Die Erd­gas­prei­se blie­ben zwi­schen 2006 und 2017 nahe­zu kon­stant. Hin­ge­gen zeigt sich seit 2012 ein deut­li­cher Preis­ver­fall beim Heiz­öl. Die Pel­let­prei­se sind nur sehr leicht gestie­gen, büßen aber in der Gesamt­schau ihren Preis­vor­teil gegen­über Heiz­öl fast voll­stän­dig ein. Letz­te­res ist ein gro­ßer Nach­teil für Pel­let­kes­sel, da sie in der Regel teu­rer als Ölkes­sel sind und Betrei­ber nun nicht mehr davon aus­ge­hen kön­nen, dass sich der Inves­ti­ti­ons­mehr­auf­wand durch gerin­ge­re Brenn­stoff­kos­ten amor­ti­siert. Ins­ge­samt lässt sich somit eine ungüns­ti­ge Preis­ent­wick­lung für erneu­er­ba­re Wär­me­an­la­gen fest­stel­len, wäh­rend Heiz­öl­kes­sel wirt­schaft­lich attrak­ti­ver gewor­den sind (Ver­brau­cher­zen­tra­le NRW 2017).

Diagramm: Entwicklung Energiepreise in Cent/kW

Abbil­dung 4–3: Ent­wick­lung Ener­gie­prei­se in Cent/kWh (Quel­le: Ver­brau­cher­zen­tra­le NRW 2017)

Eine dif­fe­ren­zier­te­re Ana­ly­se mit wei­te­ren Daten­quel­len erscheint ins­ge­samt erfor­der­lich. Daher wird in den fol­gen­den Kapi­teln zusätz­lich die Daten­ba­sis des BDH betrach­tet, in wel­cher unter ande­rem der Aus­bau erneu­er­ba­rer Wär­me unter­sucht wird, und zwar für Holz-Zen­tral­hei­zungs­kes­sel, Solar­ther­mie und Wär­me­pum­pen. Ergän­zend wird nach­fol­gend die För­der­sta­tis­tik des Markt­an­reiz­pro­gramms ana­ly­siert. Dabei wird neben der Ent­wick­lung in Gesamt­deutsch­land und Baden-Würt­tem­berg auch ein Blick auf die Ver­gleichs­län­der Bay­ern, Hes­sen und Rhein­land-Pfalz gewor­fen.

4.3.2 Wärmepumpen

4.3.2.1 Datenverfügbarkeit

Zu Markt­ent­wick­lung von Wär­me­pum­pen im Gebäu­de­be­stand steht eine ver­gleichs­wei­se gute Daten­ba­sis zur Ver­fü­gung. Es lie­gen vor:

  • Absatz­zah­len des BDH, sowohl für Deutsch­land als auch für Baden-Würt­tem­berg. Die Daten wur­den auf Absatz­zah­len von Wär­me­pum­pen für Bestands­ge­bäu­de umge­rech­net, indem jeweils die Zahl der Wär­me­pum­pen in fer­tig­ge­stell­ten Neu­bau­ten (desta­tis / Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt Baden-Wüt­tem­berg) abge­zo­gen wur­den.
  • BDH-Mul­ti­moment­auf­nah­men, zuletzt aktua­li­siert in 2018. Der BDH arbei­tet hier vor allem mit Anga­ben in Form von Indi­zes. Der soge­nann­te Moder­ni­sie­rungs­in­dex bezeich­net dabei jeweils die Absatz­ent­wick­lung in Bestands­ge­bäu­den. Zur bes­se­ren Ver­gleich­bar­keit wur­de die Index-Dar­stel­lung auch für ande­re Quel­len über­nom­men.
  • Schließ­lich ste­hen Anga­ben des BAFA für MAP-geför­der­te Wär­me­pum­pen im Gebäu­de­be­stand zur Ver­fü­gung. Die geför­der­ten Anla­gen machen aller­dings nur einen klei­nen Teil des Gesamt­mark­tes aus.

4.3.2.2 Marktentwicklung von Wärmepumpen im Gebäudebestand

Die auf Basis der Absatz­zah­len des BDH errech­ne­te Ent­wick­lung von Wär­me­pum­pen für den Gebäu­de­be­stand ergibt für Baden-Würt­tem­berg ein eher posi­ti­ves Bild im Ver­gleich zum übri­gen Deutsch­land. 2008 wur­den rund 4.900 Wär­me­pum­pen für Bestands­ge­bäu­de abge­setzt, 2016 lag die­ser Wert bei rund 5.400 Wär­me­pum­pen. In Deutsch­land (ein­schließ­lich Baden-Würt­tem­berg) gin­gen 2008 rund 44.400 Wär­me­pum­pen in den Gebäu­de­be­stand. 2016 war die­ser Wert auf rund 30.000 Wär­me­pum­pen gesun­ken. Abbil­dung 4–4 zeigt die Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg und Deutsch­land ohne Baden-Würt­tem­berg als Inde­x­ent­wick­lung. Auch der BDH hat in sei­ner Mul­ti­moment­auf­nah­me von 2018 eine ent­spre­chen­de Inde­x­ent­wick­lung ver­öf­fent­licht, die als Moder­ni­sie­rungs­in­dex bezeich­net wird. Dort stellt sich die Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg etwas schwä­cher dar (BDH 2018a). Der Grund dafür ist ver­mut­lich in der Zuord­nung der Wär­me­pum­pen zum Neu­bau zu suchen. Aller­dings ist die Daten­la­ge für Wär­me­pum­pen­hei­zung in neu errich­te­ten Gebäu­den sowohl in Baden-Würt­tem­berg als auch im Bun­des­ge­biet sehr gut, sodass die vor­lie­gen­de Abschät­zung als ver­gleichs­wei­se belast­bar betrach­tet wer­den kann.

Diagramm: Absatzentwicklung von Wärmepumpen im Gebäudebestand in Baden-Württemberg und Deutschland

Abbil­dung 4–4: Absatz­ent­wick­lung von Wär­me­pum­pen im Gebäu­de­be­stand in Baden-Würt­tem­berg und Deutsch­land Quel­le: eige­ne Berech­nun­gen auf Basis von BDH (2018b), BDH, pers. Komm. (22.06.2018), Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt Baden-Würt­tem­berg (2010–2018), Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt (2018)

In bei­den Abschät­zun­gen zeigt sich ein Rück­gang der Wär­me­pum­pen in Bestands­ge­bäu­den 2009 und 2010. Die­se Ent­wick­lung fand also noch vor dem Inkraft­tre­ten des EWär­meG statt. In Baden-Würt­tem­berg hat es nach ver­schie­de­nen Vor­komm­nis­sen ver­stärkt Dis­kus­sio­nen gege­ben, die Rück­wir­kun­gen auf den Markt zumin­dest für erd­ge­kop­pel­te Wär­me­pum­pen haben dürf­ten (Stau­fen, Böb­lin­gen, Lud­wigs­burg, Basel, Land­au). Hin­ge­gen stie­gen die Wär­me­pum­pen-Ver­käu­fe nach dem Inkraft­tre­ten des EWär­meG im Jahr 2011 deut­lich an, um im Fol­ge­jahr abrupt unter den Bun­des­trend abzu­sin­ken. Aus­schlag­ge­bend für den Absatz­ein­bruch dürf­te die Ent­wick­lung der Heiz­strom­prei­se gewe­sen sein. Wäh­rend Kun­den in Baden-Würt­tem­berg bis 2011 Zugang zu güns­ti­gen EnBW-Heiz­strom­ta­ri­fen für Wär­me­pum­pen von 11,02 Ct/kWh nachts und 15,2 Ct/kWh tags­über hat­ten, erhöh­te die EnBW ihre Wär­me­pum­pen­ta­ri­fe Mit­te 2011 um 56 % in der Nacht und 13 % am Tag (taz 2011). Bis 2015 wuchs die Zahl der bun­des­weit ange­bo­te­nen Wär­me­pum­pen­ta­ri­fe deut­lich, gleich­zei­tig stie­gen aber die Wär­me­pum­pen­ta­ri­fe bun­des­weit im Mit­tel auf 21,37 Ct/kWh ((BNetzA & BKar­tA 2015), vgl. auch Abbil­dung 4–3). Die­se Preis­ent­wick­lung hat die wirt­schaft­li­che Attrak­ti­vi­tät von Wär­me­pum­pen im Ver­gleich zu Heiz­öl- und Erd­gas­kes­seln deut­lich ver­schlech­tert. Bun­des­weit ist dem­entspre­chend ein deut­li­cher Rück­gang im Wär­me­pum­pen­ab­satz zu erken­nen. Aller­dings begann der Rück­gang des baden-würt­tem­ber­gi­schen Wär­me­pum­pen­mark­tes schon 2009, also vor Inkraft­tre­ten des EWär­meG. Somit lässt sich eine nega­ti­ve Aus­wir­kung des EWär­meG auf den baden-würt­tem­ber­gi­schen Wär­me­pum­pen­markt nicht aus den BDH-Zah­len ablei­ten. Eben­so wenig aller­dings zeigt sich die ange­streb­te posi­ti­ve Ent­wick­lung die­ses Mark­tes. Wahr­schein­li­cher ist es, dass zumin­dest ein Teil der hohen Absatz­zah­len 2011 als kurz­zei­ti­ger Erfolg des EWär­meG zu erklä­ren ist, eine dau­er­haf­te Trend­um­kehr aber durch die Ent­wick­lung der Heiz­strom­prei­se zunich­te­ge­macht wur­de. Noch offen ist, ob der deut­lich erfreu­li­che­re Zuwachs an Wär­me­pum­pen in Baden-Würt­tem­berg 2016 eine kurz­zei­ti­ge Ent­wick­lung bleibt oder zu einer dau­er­haf­ten Trend­um­kehr wird.

4.3.2.3 Entwicklung MAP-geförderter Wärmepumpen im Gebäudebestand

Ergän­zend soll ein Blick auf die MAP-geför­der­ten Anla­gen im Gebäu­de­be­stand gewor­fen wer­den. Die Ent­wick­lung der MAP-geför­der­ten Anla­gen seit 2010 ist aller­dings in Bezug auf den Gesamt­markt nur wenig aus­sa­ge­kräf­tig: mit dem weit­ge­hen­den Aus­schluss von Neu­an­la­gen aus der MAP-För­de­rung 2010 sank der Anteil MAP-geför­der­ter Anla­gen am Gesamt­ab­satz von 50 % in 2008 auf 10 % in 2010 und 5 % in 2014 (Lang­niss et al. 2010; Stui­ble et al. 2016). Abbil­dung 4–5 zeigt die Absatz­ent­wick­lung MAP-geför­der­ter Wär­me­pum­pen im Ver­gleich zum Gesamt­ab­satz für den Gebäu­de­be­stand.

Deut­lich wird vor allem für das Jahr 2016, dass der Zuwachs von Wär­me­pum­pen in Baden-Würt­tem­berg weit­ge­hend unab­hän­gig von der Zahl geför­der­ter Anla­gen statt­ge­fun­den hat. Die­se Ent­kopp­lung von den geför­der­ten Anla­gen war in Baden-Würt­tem­berg wesent­lich stär­ker aus­ge­prägt als im Bund.

Diagramm: Absatzentwicklung von Wärmepumpen im Bestand nach BDH und MAP-geförderte Anlagen (Stückzahlen) in Baden-Württemberg
Diagramm: Absatzentwicklung von Wärmepumpen im Bestand nach BDH und MAP-geförderte Anlagen (Stückzahlen) in Deutschland

Abbil­dung 4–5: Absatz­ent­wick­lung von Wär­me­pum­pen im Bestand nach BDH und MAP-geför­der­te Anla­gen (Stück­zah­len) in Baden-Würt­tem­berg (links) und Deutsch­land (rechts) Quel­le: Eige­ne Berech­nun­gen auf Basis von BAFA, pers. Komm. (25.05.2018), BDH (2018b), BDH, pers. Komm. (22.06.2018), Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt Baden-Würt­tem­berg (2010–2018), Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt (2018)

Der Index­ver­lauf in Abbil­dung 4–6 hin­ge­gen zeigt, dass die Ent­wick­lung bei den geför­der­ten Wär­me­pum­pen in Baden-Würt­tem­berg und Deutsch­land weit­ge­hend par­al­lel ver­lief, wobei die Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg durch­ge­hend leicht posi­ti­ver war. Zwar zei­gen sich auch hier die Aus­wir­kun­gen des MAP-För­der­stopps 2010 mit einem rasan­ten Absin­ken der bei­den Indi­zes. Aller­dings lag der Moder­ni­sie­rungs­in­dex für die MAP-geför­der­ten Wär­me­pum­pen in Baden-Würt­tem­berg zwi­schen 2010 und 2015 noch deut­lich ober­halb des Index im übri­gen Bun­des­ge­biet, hat sich 2017 aber dem übri­gen Bun­des­ge­biet wie­der ange­nä­hert.

Diagramm: Modernisierungsindex Wärmepumpen auf Basis MAP-Förderung in Bestandsgebäuden

Abbil­dung 4–6: Moder­ni­sie­rungs­in­dex Wär­me­pum­pen auf Basis MAP-För­de­rung in Bestands­ge­bäu­den (2008 = 100 %; Quel­le: BAFA, pers. Komm. (25.05.2018), eige­ne Berech­nun­gen)

Auch die Zahl der neu instal­lier­ten geför­der­ten Wär­me­pum­pen bezo­gen auf die Ein­woh­ner­zahl ver­mit­telt ein ver­hal­ten posi­ti­ves Bild für Baden-Würt­tem­berg: von 2010 bis 2015 lag Baden-Würt­tem­berg durch­ge­hend deut­lich ober­halb des deut­schen Durch­schnitts, aber hin­ter dem Spit­zen­rei­ter Bay­ern. Grün­de für das noch bes­se­re Abschnei­den Bay­erns könn­ten struk­tu­rel­ler Natur sein: so kommt Bay­ern jeweils auf etwas höhe­re Ein­kom­men und bei den Wohn­ein­hei­ten auf einen grö­ße­ren Anteil von Zen­tral­hei­zun­gen und Ein­fa­mi­li­en­häu­sern – alles Fak­to­ren, die einen Ein­bau von Wär­me­pum­pen ten­den­zi­ell erleich­tern. Seit 2016 hat Rhein­land-Pfalz zuge­legt und liegt nun unter den unter­such­ten Bun­des­län­dern bei den MAP-geför­der­ten Wär­me­pum­pen an ers­ter Stel­le, wobei hier Schwan­kun­gen auf­grund der abso­lut gese­hen nied­ri­ge­ren Zah­len als in den gro­ßen Flä­chen­län­dern ggf. eine stär­ker Rol­le spie­len kön­nen. Baden Würt­tem­berg bleibt ins­ge­samt ober­halb des Bun­des­durch­schnitts (sie­he Abbil­dung 4–7).

Diagramm: MAP-geförderte Wärmepumpen im Gebäudebestand pro Million Einwohner für Deutschland und ausgewählte Bundesländer

Abbil­dung 4–7: MAP-geför­der­te Wär­me­pum­pen im Gebäu­de­be­stand pro Mil­li­on Ein­woh­ner für Deutsch­land und aus­ge­wähl­te Bun­des­län­der (Quel­le: BAFA, Pers. Komm. (25.05.2018)

4.3.3 Biomasse

4.3.3.1 Datenverfügbarkeit

Bei Bio­mas­se-Anla­gen stellt sich die Daten­ver­füg­bar­keit etwas schlech­ter dar als bei Wär­me­pum­pen. Zwar ste­hen auch hier zur Ver­fü­gung:

  • Absatz­zah­len des BDH für Deutsch­land als auch für Baden-Würt­tem­berg. Die Daten wur­den auf Absatz­zah­len von Bio­mas­se-Anla­gen für Bestands­ge­bäu­de umge­rech­net, indem jeweils die Zahl der fer­tig­ge­stell­ten Neu­bau­ten (desta­tis / Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt Baden-Würt­tem­berg) mit Bio­mas­se-Hei­zung abge­zo­gen wur­den.
  • BDH-Mul­ti­moment­auf­nah­men, zuletzt aktua­li­siert in 2018. Der BDH arbei­tet hier vor allem mit Anga­ben in Form von Indi­zes. Der soge­nann­te Moder­ni­sie­rungs­in­dex bezeich­net dabei jeweils die Absatz­ent­wick­lung in Bestands­ge­bäu­den. Auch hier wur­de zur bes­se­ren Ver­gleich­bar­keit die Index-Dar­stel­lung auch für ande­re Quel­len über­nom­men.
  • Schließ­lich ste­hen Anga­ben des BAFA für MAP-geför­der­te Bio­mas­se-Anla­gen (Hack­schnit­zel- und Scheit­holz­hei­zun­gen sowie Pel­let­feue­run­gen) im Gebäu­de­be­stand zur Ver­fü­gung.


Es fällt jedoch auf, dass die vom BDH ange­ge­be­nen und auf den Gebäu­de­be­stand umge­rech­ne­ten Absatz­zah­len sowohl für Baden-Würt­tem­berg als auch im Bun­des­ge­biet für meh­re­re Jah­re nied­ri­ger als die MAP-För­der­zah­len im Gebäu­de­be­stand sind. Dies liegt ver­mut­lich an einer unvoll­stän­di­gen Markt­ab­de­ckung des BDH. Der BDH ermit­telt die Absatz­zah­len anhand der Ver­kaufs­zah­len der Mit­glieds­un­ter­neh­men. Der BDH kor­ri­giert zwar nach eige­nen Anga­ben um eine geschätz­te Markt­ab­de­ckung; es ist jedoch davon aus­zu­ge­hen, dass die Schät­zung im vor­lie­gen­den Fall zu vor­sich­tig ist und die rea­len Absatz­zah­len unter­schätzt. Ins­be­son­de­re müs­sen die Zah­len im Zeit­ver­lauf mit Vor­sicht betrach­tet wer­den. So gibt die BDH-Mark­sta­tis­tik für 2004–2014 eine „Erwei­te­rung des Mel­de­krei­ses in der Pro­duk­ti­ons­sta­tis­tik „Bio­mas­se­kes­sel“ an, wel­che die Stück­zah­len um über 30 % an-wach­sen las­sen (BDH 2015). Die ver­hal­te­ne Markt­ent­wick­lung in Deutsch­land zwi­schen 2009 und 2016 wird auch vom Deut­schen Ener­gie­holz- und Pel­let­ver­band (DEPV) bestä­tigt, wobei Baden-Würt­tem­berg expli­zit als posi­ti­ve Aus­nah­me genannt wird (Bau­links 2017). Die Anga­ben des DEPV zur Zahl der in Deutsch­land ver­kauf­ten Pel­let­feue­run­gen zwi­schen 2009 und 2016 lie­gen mit Aus­nah­me des Jah­res 2014 durch­gän­gig ober­halb der BDH-Anga­ben zum Gesamt­markt – auch dies ein Indiz dafür, dass die Zahl der Bio­mas­se­an­la­gen nach BDH-Anga­ben ins­ge­samt unter­schätzt wird und das Jahr 2014 mit beson­de­rer Vor­sicht zu betrach­ten ist (DEPV 2018).

4.3.3.2 Marktentwicklung von Biomasse-Anlagen im Gebäudebestand

Die Markt­ent­wick­lung stellt sich bei den Holz-Zen­tral­hei­zungs­kes­seln posi­tiv dar: hier liegt Baden-Würt­tem­berg durch­ge­hend über dem Bun­des­trend. In abso­lu­ten Zah­len gin­gen 2008 rund 4.400 Bio­mas­se-Anla­gen in den baden-würt­tem­ber­gi­schen Gebäu­de­be­stand. Die­se Zahl stieg 2016 auf rund 5.700 Anla­gen (Basis: BDH Anga­ben, eige­ne Berech­nun­gen). Auf Bun­des­ebe­ne hin­ge­gen sank die Zahl von rund 32.200 in 2008 auf etwa 22.100 in 2016. Auf­grund der ver­mut­lich unvoll­stän­di­gen Markt­ab­de­ckung des BDH bei den Bio­mas­se-Anla­gen stel­len die­se Zah­len ver­mut­lich eine kon­ser­va­ti­ve Abschät­zung der rea­len Ent­wick­lung bei Bio­mas­se-Anla­gen dar.

Abbil­dung 4–8 zeigt die Ent­wick­lung als Index, mit Deutsch­land ohne Baden-Würt­tem­berg als Ver­gleichs­wert. Wie auf Bun­des­ebe­ne, jedoch etwas abge­schwächt ist ein Ein­bruch in den Jah­ren 2009 und 2010 erkenn­bar. Ab 2011 jedoch ent­kop­pelt sich der Absatz in Baden-Würt­tem­berg vom Bun­des­trend und steigt auf deut­lich höhe­re Wer­te an. Dage­gen erho­len sich die Absatz­zah­len auf Bun­des­ebe­ne nur lang­sam und lie­gen im gesam­ten Betrach­tungs­zeit­raum unter­halb des Aus­gangs­wer­tes von 2008. Auch hier hat der BDH in sei­ner Mul­ti­moment­auf­nah­me (2018) eine ver­gleich­ba­re Ana­ly­se erstellt. Die BDH-Ana­ly­se fällt von der Inde­x­ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg her posi­ti­ver aus. Das kann auch dadurch bedingt sein, dass die Daten­la­ge zu Bio­mas­se-Hei­zun­gen im Neu­bau in Baden-Würt­tem­berg nicht gut ist. Mög­li­cher­wei­se führ­te die in der vor­lie­gen­den Stu­die gewähl­te kon­ser­va­ti­ve Abschät­zung von Bio­mas­se im Neu­bau 2008 und 2009 zu einer Über­schät­zung von Bio­mas­se-Anla­gen in Bestands­ge­bäu­den in die­sen Jah­ren. Dem­entspre­chend zei­gen sich die Fol­ge­jah­re dann in der hier ermit­tel­ten Abschät­zung mit schwä­che­rem Wachs­tum im Gebäu­de­be­stand. Die Fest­stel­lung des BDH, die Ent­wick­lung seit 2010 in Baden-Würt­tem­berg ver­lau­fe „unab­hän­gig von der Gesetz­ge­bung“, da durch bes­se­re Bezugs­be­din­gun­gen von Holz in Baden-Würt­tem­berg sowie in Bay­ern bedingt (BDH 2018a), lässt sich anhand der Gra­phik nicht nach­voll­zie­hen. Viel­mehr erscheint es zwei­fel­haft, dass der Ein­fluss die­ser Bezugs­be­din­gun­gen erst nach 2010 und damit direkt nach Inkraft­tre­ten des EWär­meG so zum Tra­gen kam, dass sich die Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg vom Bun­des­trend ent­kop­pelt hat.

Diagramm: Absatzentwicklung Biomasse-Kessel im Gebäudebestand

Abbil­dung 4–8: Absatz­ent­wick­lung Bio­mas­se-Kes­sel im Gebäu­de­be­stand Quel­le: eige­ne Berech­nun­gen auf Basis von BDH (2018b), BDH, pers. Komm. (22.06.2018), Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt Baden-Würt­tem­berg (2010–2018), Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt (2018)

4.3.3.3 Entwicklung MAP-geförderter Biomasse-Anlagen im Gebäudebestand

Ergän­zend zu den Markt­da­ten des BDH wird die För­der­sta­tis­tik des MAP betrach­tet, um wei­te­re Erkennt­nis­se über die Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg zu gewin­nen. Abschät­zun­gen zufol­ge mach­ten MAP-geför­der­te Bio­mas­se-Anla­gen im Gebäu­de­be­stand 2008 und 2009 mit 84 % noch den Groß­teil des Absatz­mark­tes aus. Die­ser Anteil ist jedoch über die Jah­re stark gesun­ken und lag 2013 bei 56 % und 2014 nur noch bei 29 % (Lang­niss et al. 2010; Stui­ble et al. 2016).

Auf­fäl­lig ist beim Ver­gleich der För­der­sta­tis­tik des MAP und der BDH-Zah­len, dass die BDH-Absatz­zah­len regel­mä­ßig gerin­ger sind als die MAP-För­der­zah­len im glei­chen Zeit­raum. Dies betrifft ins­be­son­de­re die Jah­re bis 2013, die noch auf einer gerin­ge­ren Markt­ab­de­ckung beru­hen als die Fol­ge­jah­re (sie­he Dis­kus­si­on unter 4.3.3.1). Abbil­dung 4–9 ver­gleicht die MAP-För­der­da­ten mit den errech­ne­ten Absatz­zah­len auf Basis des BDH, jeweils bezo­gen auf den Gebäu­de­be­stand. Als jewei­li­ge Ober­gren­ze wur­den gestri­chelt die Absatz­zah­len ein­schließ­lich Neu­bau bzw. die För­der­zah­len zuzüg­lich einer Abschät­zung der Anla­gen in Neu­bau­ten auf­ge­tra­gen. Es ist anzu­neh­men, dass die rea­len Absatz­zah­len jeweils deut­lich grö­ßer als die För­der­zah­len sein müs­sen, da die geför­der­ten Anla­gen nur einen Teil­markt dar­stel­len. Denk­bar ist auch, dass ein Teil der posi­ti­ven Markt­ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg schlicht auf eine regio­na­le Ver­bes­se­rung der Markt­ab­de­ckung des BDH zurück­geht. Für eine rein regio­na­le Ver­bes­se­rung der Markt­ab­de­ckung gibt es kei­ne Hin­wei­se; aus­schlie­ßen lässt sich dies jedoch nicht.

Diagramm: Absatzentwicklung von Biomasse-Anlagen nach BDH und MAP-geförderte Anlagen (Stückzahlen) in Baden-Württemberg
Diagramm: Absatzentwicklung von Biomasse-Anlagen nach BDH und MAP-geförderte Anlagen (Stückzahlen) in Deutschland

Abbil­dung 4–9: Baden-Würt­tem­berg – Absatz­ent­wick­lung von Bio­mas­se-Anla­gen nach BDH und MAP-geför­der­te Anla­gen (Stück­zah­len) in Baden-Würt­tem­berg (links) und Deutsch­land (rechts)1 Quel­le: Eige­ne Berech­nun­gen auf Basis von BAFA, pers. Komm. (25.05.2018), BDH (2018b), BDH, pers. Komm. (22.06.2018), Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt Baden-Würt­tem­berg (2010–2018), Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt (2018)

Die Ent­wick­lung der MAP-geför­der­ten Anla­gen in Baden-Würt­tem­berg im Ver­gleich zum übri­gen Deutsch­land zeigt Abbil­dung 4–10. Deut­lich zeigt sich die Aus­wir­kung der Haus­halts­sper­re 2010 und dem fol­gen­den MAP-För­der­stopp, der ein Absin­ken des Index auf unter 40 zur Fol­ge hat­te.

Die Index­wer­te ver­deut­li­chen, dass die Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg und im übri­gen Bun­des­ge­biet zwar stets nah bei­ein­an­der lag; begin­nend mit dem Jahr 2009 jedoch Baden-Würt­tem­berg durch­ge­hend leicht ober­halb des Trends im übri­gen Bun­des­ge­biet lag. Eine ähn­lich deut­li­che Ent­kopp­lung des Mark­tes für Bio­mas­se-Anla­gen wie in der BDH-Ana­ly­se ist jedoch nicht zu erken­nen. Dies deu­tet dar­auf hin, dass die posi­ti­ve Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg laut BDH-Zah­len weit­ge­hend auf einem von der För­de­rung unab­hän­gi­gem Markt beruht. Ein mög­li­cher Grund für die­se Ent­wick­lung könn­te in den Ver­pflich­tun­gen des EWär­meG lie­gen.

Dar­über hin­aus ist fest­zu­hal­ten, dass sich der Aus­bau von Bio­mas­se-Anla­gen in Baden-Würt­tem­berg ohne­hin seit Jah­ren auf ver­gleichs­wei­se hohem Niveau bewegt. Abbil­dung 4–11 zeigt die MAP-geför­der­ten Bio­mas­se-Anla­gen bezo­gen auf die Ein­woh­ner­zahl von Deutsch­land, Baden-Würt­tem­berg und von Bay­ern, Rhein­land-Pfalz und Hes­sen als Ver­gleichs­län­dern. Baden-Würt­tem­berg liegt dabei fast durch­ge­hend an zwei­ter Stel­le hin­ter dem Spit­zen­rei­ter Bay­ern (Aus­nah­men: 2012 und 2013) und deut­lich ober­halb des Anla­gen­aus­baus im Bun­des­ge­biet.

Diagramm: Entwicklung von Biomasse-Anlagen auf Basis der MAP-Förderung in Bestandsgebäuden

Abbil­dung 4–10: Ent­wick­lung von Bio­mas­se-Anla­gen auf Basis MAP-För­de­rung in Bestands­ge­bäu­den (2008 = 100 %) (Quel­le: BAFA, pers. Komm. (25.05.2018), eige­ne Berech­nun­gen)

Diagramm: MAP-geförderte Biomasseanlagen im Gebäudebestand

Abbil­dung 4–11: MAP-geför­der­te Bio­mas­se­an­la­gen im Gebäu­de­be­stand pro Mil­lio­nen Ein­woh­ner für Deutsch­land und aus­ge­wähl­te Bun­des­län­der (Quel­le: BAFA, pers. Komm. (25.05.2018))

4.3.4 Solarthermie

4.3.4.1 Datenverfügbarkeit

Die Daten­ver­füg­bar­keit für Solar­ther­mie-Anla­gen ist bedau­er­li­cher­wei­se spär­lich. Für die­ses Markt­seg­ment lie­gen kei­ne BDH-Absatz­zah­len vor. Eine Abgren­zung von Anla­gen in Neu­bau und Bestand ist daher schwer mög­lich und wird durch den BDH in sei­ner Mul­ti­moment­auf­nah­me nicht durch­ge­führt. Abso­lu­te Zah­len des Gesamt­markts im Gebäu­de­be­stand sind daher nicht ermit­tel­bar.

Die För­der­zah­len des MAP lie­gen vor, lie­gen aber ganz erheb­lich unter­halb der Anga­ben des BSW (für Deutsch­land). Es ist daher davon aus­zu­ge­hen, dass die MAP-Anla­gen nur einen klei­nen Teil des Mark­tes aus­ma­chen. Dies wird auch in der Eva­lua­ti­on des MAP (Lang­niss et al. 2010; Stui­ble et al. 2016) für die Jah­re bis 2014 so gese­hen – Fol­ge­jah­re sind noch nicht ver­füg­bar.

4.3.4.2 Marktentwicklung von Solarthermie-Anlagen

Wur­den im Jahr 2008 noch rund 210.000 Solar­wär­me-Anla­gen instal­liert, so sank die­se Zahl 2017 auf 78.000. Das ent­spricht einem Rück­gang von 63 % (Quel­le BSW 2018).

Für die Solar­ther­mie zeigt der BDH einen Ver­lauf, in dem die Ent­wick­lung der Absatz­zah­len in Baden-Würt­tem­berg meist leicht ober­halb des Bun­des­trends ver­läuft, Aus­nah­men sind die Jah­re 2012 und 2015 (sie­he Abbil­dung 4–12, als Moder­ni­sie­rungs­in­dex bezeich­net). Aller­dings bezie­hen sich die BDH-Zah­len – anders als bei Holz-Zen­tral­hei­zun­gen und Wär­me­pum­pen – auf den Gesamt­ab­satz und schlie­ßen somit auch den Neu­bau mit ein. Rück­schlüs­se auf die Wir­kung des EWär­meG las­sen sich daher aus die­ser Ent­wick­lung schwer zie­hen. Deut­lich wird jedoch, dass das EWär­meG in Baden-Würt­tem­berg den Abwärts­trend der Solar­ther­mie nicht brem­sen konn­te.

Diagramm: BDH-Modernisierungsindex für Solarthermie

Abbil­dung 4–12: BDH-Moder­ni­sie­rungs­in­dex für Solar­ther­mie – Neu­bau und Gebäu­de­be­stand 2008–2016 (Quel­le: BDH 2018b))

4.3.4.3 Entwicklung MAP-geförderter Solarthermie-Anlagen

Bei den Solar­ther­mie-Anla­gen machen die MAP-geför­der­ten Anla­gen mit 17 % in 2014 nur noch einen klei­nen Teil des Mark­tes aus (2010: 30 %), der Groß­teil ist auf auto­no­me Nach­fra­ge und in gerin­ge­rem Maße auf den Neu­bau zurück­zu­füh­ren (Lang­niss et al. 2010; Stui­ble et al. 2016).

Die Ent­wick­lung für Solar­ther­mie-Anla­gen auf Basis der MAP-För­de­rung zeigt für Baden-Würt­tem­berg einen Ver­lauf, der fast exakt dem übri­gen Bun­des­ge­biet folgt (sie­he Abbil­dung 4–14). Auch hier zei­gen sich die Aus­wir­kun­gen der Umsatz­steu­er­erhö­hung zum 1. Janu­ar 2007 in Form eines Vor­zieh­ef­fek­tes 2006 und einem deut­li­chen Rück­gang des Zubaus in 2007. Noch deut­li­cher reagiert der Zubau von Solar­ther­mie im Bestand auf den zeit­wei­li­gen MAP-För­der­stopp in 2010, der zu einem schlag­ar­ti­gen Absin­ken der geför­der­ten Anla­gen führ­te. In abso­lu­ten Zah­len gin­gen 2008 rund 31.500 MAP-geför­der­te Solar­ther­mie-Anla­gen in den Gebäu­de­be­stand; 2017 waren es nur noch rund 3.300. Im glei­chen Zeit­raum san­ken die Zah­len in Deutsch­land von etwa 165.600 auf 14.200 in 2017.

Diagramm: Absatzentwicklung von MAP-geförderten Solarthermie-Anlagen im Gebäudebestand in Baden-Württemberg
Diagramm: Absatzentwicklung von MAP-geförderten Solarthermie-Anlagen im Gebäudebestand in Deutschland

Abbil­dung 4–13: Absatz­ent­wick­lung von MAP-geför­der­ten Solar­ther­mie-Anla­gen im Gebäu­de­be­stand (Stück­zah­len) in Baden-Würt­tem­berg (links) und Deutsch­land (rechts)

Ein direk­ter Ver­gleich der Ent­wick­lung in Form von Indi­zes zeigt einen nahe­zu deckungs­glei­chen Ver­lauf (Abbil­dung 4–14). Zwar liegt der Index für Baden-Würt­tem­berg seit 2009 gering­fü­gig ober­halb des Index für das rest­li­che Deutsch­land; der Aus­bau von Solar­ther­mie ist aber 2010 eben­so plötz­lich wie nach­hal­tig zurück­ge­gan­gen. Inso­fern las­sen sich aus der Ent­wick­lung der geför­der­ten Anla­gen kei­ne Rück­schlüs­se auf eine nen­nens­wer­te för­der­li­che Wir­kung des EWär­meG für Solar­ther­mie-Anla­gen zie­hen. Ein leich­ter Anstieg der Moder­ni­sie­run­gen in 2015 könn­te ein Vor­zieh­ef­fekt der EWär­meG-Novel­le 2015 sein, da bis zu die­sem Zeit­punkt noch rei­ne Brauch­was­ser­an­la­gen als Erfül­lungs­op­ti­on mög­lich waren. Abge­se­hen davon setzt sich der nega­ti­ve Trend sowohl in Baden-Würt­tem­berg als auch im übri­gen Bun­des­ge­biet 2017 fort.

Diagramm: Entwicklung Solarthermie auf Basis MAP-Förderung in Bestandsgebäuden

Abbil­dung 4–14: Ent­wick­lung Solar­ther­mie auf Basis MAP-För­de­rung in Bestands­ge­bäu­den (2008 = 100; Quel­le: BAFA, eige­ne Berech­nun­gen)

Auch die Ent­wick­lung der instal­lier­ten geför­der­ten Solar­ther­mie-Anla­gen bezo­gen auf die Ein­woh­ner­zahl bestä­tigt den ernüch­tern­den Rück­gang des Solar­ther­mie-Aus­baus seit 2010 (Abbil­dung 4–15). Immer­hin zeigt sich hier, dass Baden-Würt­tem­berg deut­lich ober­halb des Bun­des­ge­biets liegt und seit 2014 gleich­auf mit dem frü­he­ren Spit­zen­rei­ter Bay­ern liegt.

Diagramm: MAP-geförderte solarthermische Anlagen im Gebäudebestand pro Millionen Einwohner für Deutschland und ausgewählte Bundesländer

Abbil­dung 4–15: MAP-geför­der­te solar­ther­mi­sche Anla­gen im Gebäu­de­be­stand pro Mil­lio­nen Ein­woh­ner für Deutsch­land und aus­ge­wähl­te Bun­des­län­der (Quel­le: BAFA 2018)

4.3.5 Wärmenetze

4.3.5.1 Datenverfügbarkeit

Zur Ent­wick­lung der Wär­me­net­ze lie­gen ver­schie­de­ne Daten­quel­len vor, die jedoch jeweils eine Teil­men­ge an Net­zen beschrei­ben und kei­ne fun­dier­ten Aus­sa­gen zum Ver­gleich der Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg und dem Bund lie­fern. Es lie­gen vor:

  • Anga­ben des Ener­gie­ef­fi­zi­enz­ver­bands für Wär­me, Käl­te und KWK (AGFW) zu den Zugän­gen, Abgän­gen und gesam­ten Anzahl an Haus­über­ga­be­sta­tio­nen in Baden-Würt­tem­berg und im Bund für den Gebäu­de­be­stand und Neu­bau im Zeit­raum von 2008 bis 2016 (AGFW 2018). Die Sta­tis­tik umfasst aus­schließ­lich die Net­ze der AGFW-Mit­glie­der (35 ordent­li­che Mit­glie­der in Baden-Würt­tem­berg und 262 Mit­glie­der in Deutsch­land, Stand August 2018) kann des­we­gen nicht den gesam­ten Wär­me­netz­be­stand abbil­den (v.a. klei­ne­re Net­ze und dörf­li­che Nah­wär­me­net­ze sind nicht ent­hal­ten).
  • Daten zu den Bio­en­er­gie­dör­fern, ergänzt um jene Net­ze, die im aktu­el­len För­der­pro­gramm Ener­gie­ef­fi­zi­en­te Wär­me­net­ze geför­dert wer­den, zur Ver­fü­gung gestellt durch das Refe­rat 64 des Minis­te­ri­ums für Umwelt, Kli­ma und Ener­gie­wirt­schaft. Die­se Daten umfas­sen aus­schließ­lich Haus­an­schlüs­se in Bestands­net­zen. Da kei­ne Ver­gleichs­quel­le für den Bund ver­füg­bar sind, kön­nen die­se Daten nur in ein­ge­schränk­ter Form ver­wen­det wer­den.
  • Anga­ben der im MAP geför­der­te Haus­über­ga­be­sta­tio­nen im Gebäu­de­be­stand. Die­se Zah­len las­sen wenig Rück­schlüs­se auf die tat­säch­li­che Anzahl an Haus­an­schlüs­se zu, da meh­re­re Gebäu­de des glei­chen Eigen­tü­mers bzw. meh­re­re Abneh­mer mit einer Haus­über­ga­be­sta­ti­on ver­sorgt wer­den kön­nen.

4.3.5.2 Marktentwicklung Wärmenetze

Die Ent­wick­lung der Anzahl an Haus­über­ga­be­sta­tio­nen zeigt eine gerin­ge­re Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg im Ver­gleich zum Bun­des­ge­biet. Bis 2012 ist auch ein Rück­gang zu erken­nen, der sich anschlie­ßend wie­der durch einen stär­ke­ren Zubau erhöht. Da die AGFW- Zah­len jedoch nur jene Haus­über­ga­be­sta­tio­nen der Mit­glie­der berück­sich­ti­gen (die im Zeit­ver­lauf vari­ie­ren kön­nen), und die­se dann sowohl die Ent­wick­lung im Bestand als auch im Neu­bau beinhal­ten, sind die Daten sehr beschränkt aus­sa­ge­kräf­tig.

Diagramm: Anzahl an Hausübergabestationen der AGFW Mitglieder für Bestandsgebäude und Neubau

Abbil­dung 4–16: Anzahl an Haus­über­ga­be­sta­tio­nen der AGFW Mit­glie­der für Bestands­ge­bäu­de und Neu­bau (2008 = 100; Quel­le: AGFW 2018, eige­ne Berech­nun­gen)

Dass die Infor­ma­tio­nen der AGFW Mit­glie­der nicht den gesam­ten Wär­me­netz­be­stand und des­sen Ent­wick­lung abde­cken kön­nen, zeigt sich durch einen Ver­gleich der Ent­wick­lung der Haus­über­ga­be­sta­tio­nen in Baden-Würt­tem­berg, die aus den AGFW-Zah­len abge­lei­tet wer­den (AGFW 2018)6 und der Infor­ma­ti­on hin­sicht­lich Neu­bau­ge­bäu­den in Baden-Würt­tem­berg, die laut Bau­fer­tig­stel­lung Fern­hei­zung als pri­mä­re Heiz­ener­gie nut­zen. (Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt 2018b, Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt 2018c, Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt 2018d). Obwohl die Zugän­ge berech­net aus den AGFW Mit­glied­sin­for­ma­tio­nen auch Bestands­ge­bäu­de umfas­sen, kön­nen weni­ger Neu­zu­gän­ge aus­ge­wie­sen wer­den als laut Sta­tis­ti­schem Lan­des­amt Gebäu­de fer­tig­ge­stellt wur­den, die Fern­wär­me als pri­mä­re Heiz­ener­gie nut­zen.

Diagramm: Vergleich der Zugänge an Hausübergabestationen laut AGFW Zahlen und mit Fernwärme primär beheizte Wohn- und Nichtwohngebäude laut Baufertigstellungen

Abbil­dung 4–17: Ver­gleich der Zugän­ge an Haus­über­ga­be­sta­tio­nen laut AGFW Zah­len und mit Fern­wär­me pri­mär beheiz­te Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäu­de laut Bau­fer­tig­stel­lun­gen (Quel­le: AGFW 2018, Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt 2018b, Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt 2018c, Sta­tis-tisches Lan­des­amt 2018d, eige­ne Berech­nun­gen)

4.4 Modernisierungsaktivitäten im Heizungsbereich

Neben der Erfas­sung des Aus­baus von Erneu­er­ba­ren in der Wär­me sowie von Wär­me­net-zen wird im fol­gen­den Kapi­tel unter­sucht, in wie­weit sich die Moder­ni­sie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten im Kes­sel­markt in Baden-Würt­tem­berg durch die Ein­füh­rung des EWär­meG ver­än­dert haben.

4.4.1 Datenverfügbarkeit

Es wird ein Gesamt­bild aus meh­re­ren Daten­quel­len erar­bei­tet:

  • Zur bestehen­den Kes­sel­struk­tur in Deutsch­land und Baden-Würt­tem­berg lie­gen Zah­len des BDH vor (gerun­de­te Schät­zun­gen, Stand 2015).
  • Außer­dem sind Anga­ben zu Absät­zen von Öl‑, Gas- und Bio­mas­se-Kes­seln sowie von Wär­me­pum­pen in Deutsch­land und Baden-Würt­tem­berg ver­füg­bar, die auf den Gebäu­de­be­stand umge­rech­net wur­den. Die Daten­qua­li­tät für Bio­mas­se-Kes­sel unter­liegt aller­dings den in Abschnitt 4.3 dis­ku­tier­ten Ein­schrän­kun­gen, die ver­mut­lich auf eine gerin­ge­re Markt­ab­de­ckung zurück­zu­füh­ren sind. Ergänzt wer­den die­se Anga­ben durch das Posi­ti­ons­pa­pier zur Mul­ti­moment­auf­nah­me des BDH, aktua­li­siert im Jahr 2018.
  • Zum Rück­bau von Alt­an­la­gen wer­den die Schorn­stein­fe­gerer­he­bun­gen des Bun­des­ver­bands des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks sowie der Lan­des­ver­bän­de Baden-Würt­tem­berg und Bay­ern genutzt. Die­se Daten sind aller­dings für die vor­lie­gen­den Fra­ge­stel­lun­gen auf­grund von Inkon­sis­ten­zen nur sehr ein­ge­schränkt ver­wend­bar.

4.4.2 Kesselstruktur in Deutschland und Baden-Württemberg im Vergleich

Aus­gangs­punkt in Baden-Würt­tem­berg ist eine Kes­sel­struk­tur, die vom Anteil alter Heiz­kes­sel her mit dem Bun­des­durch­schnitt ver­gleich­bar ist. Nach Anga­ben des Lan­des­in­nungs­ver­bands des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks Baden-Würt­tem­berg (2016) gibt es in Baden-Würt­tem­berg 2015 noch rund 870.000 Kes­sel, die bis 1997 ein­ge­baut wur­den. Bezo­gen auf den Gesamt­be­stand von rund 2,3 Mio. Kes­seln (BDH, pers. Komm, 20.07.2017) ergibt sich ein Anteil von Alt­an­la­gen von rund 38 %. Im Bun­des­ge­biet ste­hen nach Anga­ben des Bun­des­ver­bands des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks (2016) noch rund 7,5 Mio. Kes­sel, die bis 1997 ein­ge­baut wur­den. Das ergibt bezo­gen auf den Gesamt­be­stand der Kes­sel nach BDH-Anga­ben von rund 21 Mio. einen Anteil von etwa 36 % Alt­an­la­gen (BDH 2017b). Ähn­lich fällt der Ver­gleich nach tech­ni­schen Gesichts­punk­ten aus: sowohl in Baden-Würt­tem­berg als auch im Bund setzt sich der Anla­gen­be­stand zu rund zwei Drit­teln aus ver­al­te­ten Heiz­wert­ge­rä­ten zusam­men. Auf­fäl­lig ist in Baden-Würt­tem­berg hin­ge­gen der gro­ße Anteil an Ölkes­seln bei gleich­zei­tig deut­lich weni­ger Gas­kes­seln als im Bun­des­durch­schnitt: hier zeigt sich, dass neben Ener­gie­ef­fi­zi­enz­ver­bes­se­run­gen in Baden-Würt­tem­berg noch stär­ker als im Bund Ener­gie­trä­ger­wech­sel not­wen­dig sind, um die Kli­ma­bi­lanz der Wär­me­ver­sor­gung zu ver­bes­sern (sie­he Abbil­dung 4–18).

Diagramm: Gesamtbestand der zentralen Wärmeerzeuger in Deutschland und Baden-Württemberg 2015

Abbil­dung 4–18: Gesamt­be­stand der zen­tra­len Wär­me­er­zeu­ger in Deutsch­land und Baden-Würt­tem­berg 2015 (Quel­le: BDH 2017b, BDH, pers. Kom­mu­ni­ka­ti­on, 20.07.2017)

4.4.3 Der Modernisierungsmarkt in Deutschland und Baden-Württemberg

Auf Basis von Anga­ben des BDH sowie ver­öf­fent­lich­ter Anga­ben (BDH 2018b) wur­de eine Ent­wick­lung des Absatz­mark­tes für Öl‑, Gas- und Bio­mas­se­kes­sel sowie Wär­me­pum­pen im Gebäu­de­be­stand ent­wi­ckelt – d.h. eine Ent­wick­lung des Moder­ni­sie­rungs­mark­tes. Dafür wur­den die Absatz­zah­len jeweils um Anga­ben von Desta­tis bzw. des Sta­tis­ti­schen Lan­des­am­tes Baden-Würt­tem­berg zu den in Neu­bau­ten instal­lier­ten Wär­me­er­zeu­gern berei­nigt. Die Ent­wick­lung ist auf­ge­schlüs­selt nach Kes­sel­typ in Abbil­dung 4–19 und Abbil­dung 4–20 dar­ge­stellt. Deut­lich wird, dass die Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg sich von der Ent­wick­lung im übri­gen Bun­des­ge­biet unter­schei­det: wäh­rend die Absät­ze von Öl- und Gas-kes­seln in Baden-Würt­tem­berg in meh­re­ren Jah­ren zurück­ge­hen, zeigt sich vor allem von 2015 nach 2016 eine dyna­mi­sche­re Ent­wick­lung bei Bio­mas­se und Wär­me­pum­pen. Auf­fäl­lig ist ins­be­son­de­re die Ver­dopp­lung der Zahl der Wär­me­pum­pen im Gebäu­de­be­stand zwi­schen 2015 und 2016. Dahin­ter steht nach BDH-Anga­ben ein deut­li­ches Wachs­tum der Wär­me­pum­pen-Absät­ze von rund 39 %, das sich aber kaum in der Neu­bau­sta­tis­tik wie­der­fin­det (+ 14 % Gebäu­de mit Wär­me­pum­pen). Da Wär­me­pum­pen fast immer Zen­tral­hei­zun­gen sind, müss­te die Zahl der fer­tig­ge­stell­ten Gebäu­de recht genau mit der Zahl der Anla­gen über­ein­stim­men. Denk­bar sind aller­dings Inkon­sis­ten­zen der BDH-Sta­tis­tik, die hier jedoch nicht geprüft wer­den kön­nen. Schließt man die­se Inkon­sis­ten­zen aus, ergibt sich der Groß­teil des Wachs­tums im Gebäu­de­be­stand (+ 128 %). Sinn­voll ist es, die Absatz­ent­wick­lung auch künf­tig zu beob­ach­ten. Nur so kann geklärt wer­den, ob hin­ter die­ser Ent­wick­lung ein ech­ter und dau­er­haf­ter Trend steht.

Ins­ge­samt machen Wär­me­pum­pen 2016 in Baden-Würt­tem­berg rund 10 % und Bio­mas­se-Anla­gen rund 11 % des Moder­ni­sie­rungs­mark­tes aus. In Deutsch­land kom­men die Wär­me-pum­pen im Moder­ni­sie­rungs­markt 2016 auf 5 % und die Bio­mas­se auf 4 %. Für Öl- und Gas­kes­sel ist davon aus­zu­ge­hen, dass es 2015 zu leich­ten Vor­zieh­ef­fek­ten im Zusam­men­hang mit dem Inkraft­tre­ten der Novel­lie­rung des EWär­meG kam. Inso­fern sin­ken die Absät­ze von Öl- und Gas­kes­seln nach­voll­zieh­bar 2016 etwas stär­ker.

Diagramm: Entwicklung Kesselverkäufe im Gebäudebestand in Baden-Württemberg

Abbil­dung 4–19: Ent­wick­lung Kes­sel­ver­käu­fe im Gebäu­de­be­stand in Baden-Würt­tem­berg (Quel­le: BDH, eige­ne Berech­nun­gen)

Diagramm: Entwicklung Kesselverkäufe im Gebäudebestand im Bund

Abbil­dung 4–20: Ent­wick­lung Kes­sel­ver­käu­fe im Gebäu­de­be­stand im Bund (Quel­le: BDH, eige­ne Berech­nun­gen)

Der Rück­gang bei den Kes­sel­ab­sät­zen im Gebäu­de­be­stand steht natur­ge­mäß in Zusam­men­hang mit den Moder­ni­sie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten. Einen Blick auf die Moder­ni­sie­rungs­ra­ten lie­fert Abbil­dung 4–21. Moder­ni­sie­rungs­ra­te bezeich­net hier die Absatz­zah­len von Wär­me­er­zeu­gern im Gebäu­de­be­stand bezo­gen auf die Zahl der Hei­zungs­an­la­gen im Gebäu­de­be­stand nach Anga­ben des BDH. Hier­bei sind neue Anschlüs­se an Wär­me­net­ze nicht berück­sich­tigt.

Die Zah­len von Hei­zungs­an­la­gen im Gebäu­de­be­stand beru­hen nach BDH-Anga­ben auf Schorn­stein­fe­ger-Erhe­bun­gen und BDH-Schät­zun­gen; es ist davon aus­zu­ge­hen, dass hier vor allem auf­grund von Inkon­sis­ten­zen in der Schorn­stein­fe­ger­sta­tis­tik sowie unvoll­stän­di­ger Markt­ab­de­ckun­gen bei der Bio­mas­se Unsi­cher­hei­ten in Kauf genom­men wer­den müs­sen. Inso­fern las­sen sich die jewei­li­gen Moder­ni­sie­rungs­ra­ten nicht exakt bestim­men.

Die Moder­ni­sie­rungs­ra­ten zei­gen, dass in Baden-Würt­tem­berg 2008 ein etwas grö­ße­rer Anteil der Kes­sel als im Bun­des­ge­biet getauscht wur­de. Wäh­rend jedoch die Moder­ni­sie­rungs­ra­ten im Bun­des­ge­biet zwi­schen 2008 und 2015 nahe­zu kon­ti­nu­ier­lich anstie­gen, zeigt sich für Baden-Würt­tem­berg eine deut­lich Absatz­spit­ze im Jahr 2009, gefolgt von einem Abfall der Raten 2010. Die­se Absatz­spit­ze lässt sich zu gro­ßen Tei­len als Vor­zieh­ef­fekt des EWär­meG 2010 erklä­ren. Aller­dings hat auch auf Bun­des­ebe­ne zeit­gleich eine Absatz­spit­ze mit nach­fol­gen­dem Rück­gang statt­ge­fun­den, wenn­gleich erheb­lich schwä­cher aus­ge­prägt als in Baden-Würt­tem­berg. Seit 2010 hat Baden-Würt­tem­berg bei den Moder­ni­sie­rungs­ra­ten kon­ti­nu­ier­lich auf­ge­holt, sodass die Moder­ni­sie­rungs­ra­ten 2014 und 2015 die bun­des­deut­schen Raten fast erreicht haben. Tei­le die­ses Anstiegs sind ver­mut­lich auf den o.g. Vor­zieh­ef­fekt zurück­zu­füh­ren. Dem­entspre­chend sinkt die Moder­ni­sie­rungs­ra­te in Baden-Würt­tem­berg nach Inkraft­tre­ten der EWär­meG-Novel­le 2015 wie­der ab.

Diagramm: Modernisierungsraten für Wärmeerzeuger in Deutschland und Baden-Württemberg (Bestand 2015)

Abbil­dung 4–21: Moder­ni­sie­rungs­ra­ten für Wär­me­er­zeu­ger in Deutsch­land und Baden-Würt­tem­berg bezo­gen auf den Bestand des Jah­res 2015 (Quel­le: eige­ne Berech­nun­gen auf Basis von (BDH 2016a, BDH 2017b, BDH 2018a, BDH, pers. Kom­mu­ni­ka­ti­on, 20.07.2017)

Der Rück­gang der Moder­ni­sie­rungs­ra­ten im Ver­gleich zum übri­gen Deutsch­land lässt sich auf die Rück­gän­ge bei den Absät­zen von Öl- und Gas­kes­seln zurück­füh­ren. Abbil­dung 4–22 zeigt die Ent­wick­lung bei Ölkes­seln als Index für Baden-Würt­tem­berg und das übri­ge Deutsch­land, Abbil­dung 4–23 zeigt die ent­spre­chen­den Indi­zes für Gas­kes­sel. Deut­lich wird in der Tat eine schwä­che­re Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg als im Bund, mit Aus­nah­me jeweils der Jah­re 2009 und 2015. Die­se Absatz­spit­zen sind auf Vor­zieh­ef­fek­te vor Inkraft­tre­ten der bei­den EWär­meG-Fas­sun­gen zurück­zu­füh­ren. Dabei ist anzu­mer­ken, dass der Anstieg der Absät­ze von Ölkes­seln zwar die Moder­ni­sie­rungs­ra­te stei­gert, aus kli­ma­po­li­ti­scher Sicht aber durch­aus pro­ble­ma­tisch ist. Zwar ersetzt jeder neue Ölkes­sel im Gebäu­de­be­stand einen älte­ren, inef­fi­zi­en­te­ren Kes­sel und redu­ziert dadurch CO2-Emis­sio­nen. Im Gegen­zug aber wird die­se kli­ma­schäd­li­che Art der Hei­zung über Jah­re hin­weg fest­ge­legt. Für ziel­kom­pa­ti­ble Maß­nah­men durch Ein­satz erneu­er­ba­rer Ener­gien sind die­se Gebäu­de dann vor­erst ver­lo­ren. Unab­hän­gig vom EWär­meG ist aber auch im übri­gen Deutsch­land eine leich­te Absatz­spit­ze in 2015 fest­stell­bar. Die­se dürf­te mit dem Inkraft­tre­ten der ers­ten Anfor­de­rungs­stu­fe der EU-Öko­de­sign-Ver­ord­nung zusam­men­hän­gen, die eben­falls leich­te Vor­zieh­ef­fek­te (und einen ent­spre­chend gerin­ge­ren Absatz in 2016) ver­ur­sacht haben kann.

Diagramm: Absatzentwicklung Ölkessel im Gebäudebestand

Abbil­dung 4–22: Absatz­ent­wick­lung Ölkes­sel im Gebäu­de­be­stand (BDH, eige­ne Berech­nun­gen)

Diagramm: Absatzentwicklung Gaskessel im Gebäudebestand

Abbil­dung 4–23: Absatz­ent­wick­lung Gas­kes­sel im Gebäu­de­be­stand (BDH, eige­ne Berech­nun­gen)

Ins­ge­samt konn­ten die Zuwäch­se bei Bio­mas­se­kes­seln und Wär­me­pum­pen den Moder­ni­sie­rungs­rück­gang in Baden-Würt­tem­berg bis­lang nicht kom­plett aus­glei­chen. Der star­ke Rück­gang in 2016 ist jedoch im Zusam­men­hang mit den erwähn­ten Vor­zieh­ef­fek­ten in 2015 zu rela­ti­vie­ren – hier ist ein Gegen­ef­fekt wahr­schein­lich, sodass eine schritt­wei­se Erho­lung der Absatz­ent­wick­lung in kom­men­den Jah­ren durch­aus denk­bar ist.

4.4.4 Exkurs: Zubau fossiler Kessel und die Rolle der Energieträgerpreise

Ange­sichts der kli­ma­po­li­ti­schen Bedeu­tung fos­sil betrie­be­ner Heiz­kes­sel und der für 2015 fest­ge­stell­ten Wachs­tums­ra­ten bei kli­ma­schäd­li­chen Ölkes­seln soll ein kur­zer Blick auf den Zusam­men­hang der Ener­gie­preis­ent­wick­lung und Kauf­ent­schei­dun­gen für Heiz­kes­sel gewor­fen wer­den. In Abbil­dung 4–24 sind die Ent­wick­lung der Ener­gie­trä­ger­prei­se für Heiz­öl und Erd­gas zusam­men mit den Ver­än­de­rungs­ra­ten von Absatz­zah­len von Öl- und Gas­kes­seln im Gebäu­de­be­stand Baden-Würt­tem­bergs auf­ge­tra­gen; Abbil­dung 4–25 lie­fert die ent­spre­chen­de Dar­stel­lung für Deutsch­land.

Die Abbil­dun­gen ver­deut­li­chen eine sicht­li­che Kor­re­la­ti­on von Preis­ent­wick­lung und Kauf­ent­schei­dun­gen für Heiz­kes­sel. Sowohl in Deutsch­land als auch in Baden-Würt­tem­berg erfolgt der Rück­gang bei den Ölkes­seln zeit­gleich mit stei­gen­den Prei­sen. Mit dem Sin­ken der Ölprei­se nach 2012 kehrt sich die Ent­wick­lung schritt­wei­se um (Wachs­tum in Baden-Würt­tem­berg und im Bund ab 2014 und vor allem in 2015). Bei den Gas­kes­seln sind kaum Effek­te sicht­bar; im Ver­gleich zu den Heiz­öl­prei­sen blie­ben die Erd­gas­prei­se jedoch ver­gleichs­wei­se kon­stant. Auch hier wer­den 2009/2010 und 2015/2016 jeweils Vor­zieh­ef­fek­te im Zusam­men­hang mit dem Inkraft­tre­ten der bei­den EWär­meG-Fas­sun­gen sicht­bar. Auf­fäl­lig ist der star­ke Ein­bruch 2016 nach hohen Wachs­tums­ra­ten in 2015, vor allem für Ölkes­sel. Für Deutsch­land lässt sich die­ser Ein­bruch auch nicht mit dem EWär­meG erklä­ren, da die­ses ja nur in Baden-Würt­tem­berg gilt. Neben der Preis­ent­wick­lung dürf­te ein wei­te­rer Grund für die­se Ent­wick­lung das oben erwähn­te Inkraft­tre­ten der ers­ten Anfor­de­rungs­stu­fe der EU Öko­de­sign-Ver­ord­nung zu Heiz­kes­seln sein, die ent­spre­chen­de Vor­zieh­ef­fek­te mit sich gebracht hat.

Ent­schei­dend für den Ener­gie­trä­ger­wech­sel weg von fos­si­len und hin zu kli­ma­scho­nen­de­ren Ener­gie­trä­gern ist daher neben den jewei­li­gen Mög­lich­kei­ten vor Ort auch, die wirt­schaft­li­che Attrak­ti­vi­tät die­ser Ener­gie­trä­ger zu brem­sen, etwa durch eine ange­mes­se­ne CO2-Beprei­sung.

Diagramm: Veränderungsraten der Absatzzahlen von Öl- und Gaskesseln im Gebäudebestand sowie Preisentwicklung der Energieträger in BW

Abbil­dung 4–24: Baden-Würt­tem­berg: Ver­än­de­rungs­ra­ten der Absatz­zah­len von Öl- und Gas­kes­seln im Gebäu­de­be­stand sowie Preis­ent­wick­lung der Ener­gie­trä­ger (Quel­le: BDH, Ver­brau­cher­zen­tra­le NRW 2017, eige­ne Berech­nun­gen)

Diagramm: Veränderungsraten der Absatzzahlen von Öl- und Gaskesseln im Gebäudebestand sowie Preisentwicklung der Energieträger in Deutschland

Abbil­dung 4–25: Deutsch­land: Ver­än­de­rungs­ra­ten der Absatz­zah­len von Öl- und Gas­kes­seln im Gebäu­de­be­stand sowie Preis­ent­wick­lung der Ener­gie­trä­ger (Quel­le: BDH, Pers. Kom­mu­ni­ka­ti­on, 20.07.2017, Ver­brau­cher­zen­tra­le NRW 2017, eige­ne Berech­nun­gen)

4.4.5 Rückbau alter Heizkessel

Ergän­zend zur Betrach­tung der Moder­ni­sie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten über den Zubau von Hei­zungs­an­la­gen im Gebäu­de­be­stand soll der Rück­bau von alten Heiz­kes­seln in den Blick genom­men wer­den. Die Rück­bau-Betrach­tung erfolgt mit Hil­fe der Schorn­stein­fe­ger­sta­tis­ti­ken. Auf Basis der Schorn­stein­fe­ger­da­ten über die Zahl mess­pflich­ti­ger Heiz­kes­sel im Bestand (sie­he Beschrei­bung in Abschnitt 4.2.3) wird eine Rück­bau­ra­te defi­niert als pro­zen­tua­le Ver­än­de­rung der Zahl der mess­pflich­ti­gen Hei­zungs­an­la­gen, die bis 1997 errich­tet wur­den – die­se Alters­be­schrän­kung ist den ange­ge­be­nen Alters­klas­sen der Schorn­stein­fe­ger­sta­tis­tik geschul­det. Eine gro­ße Zahl von Alt­an­la­gen, die aus der Sta­tis­tik her­aus­fal­len, ist hier­bei ein Indi­ka­tor für vie­le Moder­ni­sie­run­gen von Hei­zun­gen. Die­ser Zusam­men­hang unter­stellt jedoch eini­ge Ver­ein­fa­chun­gen:

  • Alt­an­la­gen kön­nen aus der Sta­tis­tik her­aus­fal­len, weil ein Kes­sel­tausch statt­ge­fun­den hat. Es kann aber auch sein, dass das ent­spre­chen­de Gebäu­de abge­ris­sen wur­de. Die Betrach­tung der Schorn­stein­fe­ger­sta­tis­tik ver­nach­läs­sigt den Gebäu­de­ab­riss. Damit wird die Moder­ni­sie­rungs­ra­te ten­den­zi­ell über­schätzt. Die Abgän­ge von Woh­nun­gen durch Abriss von Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäu­den lagen zwi­schen 2010 und 2015 rela­tiv kon­stant unter­halb von 30.000 Abgän­gen pro Jahr und damit um ein etwa eine Grö­ßen­ord­nung unter­halb der jähr­li­chen Ver­min­de­rung alter Hei­zungs­an­la­gen.
  • Ein struk­tu­rel­les Pro­blem der Erhe­bun­gen ist, dass kei­ne rol­lie­ren­de Betrach­tung von Alt­an­la­gen ober­halb eines bestimm­ten Alters mög­lich ist. Aus die­sem Grund muss­te auf die Anga­ben zu Kes­seln zurück­ge­grif­fen wer­den, die bis ein­schließ­lich 1997 instal­liert wur­den. Natur­ge­mäß wer­den dadurch im Lauf der Zeit die betrach­te­ten Alt­an­la­gen immer älter und der Pool mög­li­cher Alt­an­la­gen klei­ner, was wie­der­um ten­den­zi­ell die Rück­bau­ra­ten senkt. Es wird ange­nom­men, dass die­ser Effekt die Ergeb­nis­se aber nicht grund­sätz­lich ver­fälscht und auch die Rang­fol­ge der betrach­te­ten Regio­nen davon unbe­ein­flusst bleibt. Dass die Kes­sel die­ser Alters­klas­se immer noch eine signi­fi­kan­te Rol­le spie­len, zei­gen die Schorn­stein­fe­ger-Erhe­bun­gen: so waren 2016 in Deutsch­land wie in Baden-Würt­tem­berg über 60 % der Ölkes­sel und über 50 % der Gas­kes­sel mehr als zwan­zig Jah­re alt (Bun­des­ver­band des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks – Zen­tra­lin­nungs­ver­band (ZIV) (Hrsg.) 2017; Lan­des­in­nungs­ver­band des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks Baden-Würt­tem­berg 2017).
  • Außer­dem berück­sich­tigt die Sta­tis­tik kei­ne Brenn­wert­ge­rä­te. Da aus­schließ­lich Alt­an­la­gen betrach­tet wer­den, die bis 1997 instal­liert wur­den, macht das für Öl-Brenn­wert­kes­sel prak­tisch kei­nen Unter­schied: sie spiel­ten vor 1998 fast kei­ne Rol­le ((TGA Fach­pla­ner 2013). Gas-Brenn­wert­kes­sel hin­ge­gen haben sich schon seit Beginn der neun­zi­ger Jah­re im Markt ver­brei­tet und stell­ten 1998 rund ein Drit­tel der ver­kauf­ten Gas­kes­sel in Deutsch­land. Inso­fern unter­schätzt die Sta­tis­tik ins­be­son­de­re die Zahl der alten Gas­hei­zun­gen.
  • Wei­ter wird unter­stellt, dass die Moder­ni­sie­rungs­ra­ten von Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäu­den in etwa ver­gleich­bar sind, da die Schorn­stein­fe­ger­sta­tis­tik nicht nach Gebäu­de­ka­te­go­rien unter­schei­det, das EWär­meG aber erst ab 2015 die Nicht­wohn­ge­bäu­de umfasst. Eine mög­li­che Ver­lang­sa­mung der Hei­zungs­mo­der­ni­sie­rung in Fol­ge des EWär­meG hät­te aber vor 2015 nur Wohn­ge­bäu­de betrof­fen. Die aggre­gier­te Betrach­tung von Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäu­den wür­de also dazu füh­ren, dass der Grad des Atten­tis­mus unter­schätzt wird.
  • Außer­dem kön­nen Abbau­ra­ten zwi­schen 2005 und 2010 nur für Hei­zungs­an­la­gen ober­halb von 11 kW berech­net wer­den, da klei­ne­re Anla­gen zwi­schen 4 und 11 kW erst ab März 2010 mess­pflich­tig wur­den. Dadurch ver­rin­gert sich für die­sen Zeit­raum die geschätz­te Abde­ckung.
  • Ver­gleicht man die Anzahl der errech­ne­ten Abgän­ge aus der Schorn­stein­fe­ger­sta­tis­tik mit den BDH-Anga­ben über den Moder­ni­sie­rungs­markt, so lie­gen die Abgän­ge laut Schorn­stein­fe­ger­sta­tis­tik zwi­schen 10 und knapp 170 % % der Stück­zah­len zum Moder­ni­sie­rungs­markt laut BDH, durch­schnitt­lich bei rund 50 %. Es muss daher davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Schorn­stein­fe­ger­sta­tis­ti­ken nur Daten über einen Teil der rück­ge­bau­ten Anla­gen lie­fern. Im Fol­gen­den wird dabei davon aus­ge­gan­gen, dass Lücken in der Abde­ckung die pro­zen­tua­le Ent­wick­lung nicht beein­flus­sen.

Rückbau von Gaskesseln

Die Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg wird mit der Ent­wick­lung im Bun­des­ge­biet und in Bay­ern als Ver­gleichs­land betrach­tet. In den Ver­gleich ein­be­zo­gen wer­den aus­schließ­lich Kes­sel mit mehr als 11 kW Leis­tung und Inbe­trieb­nah­me vor 1997, da nur in die­sen Fäl­len Ver­gleichs­da­ten ab 2005 zur Ver­fü­gung ste­hen. Es fällt auf, dass regel­mä­ßig nega­ti­ve Rück­bau­ra­ten berech­net wer­den. Dies kann natür­lich nicht auf eine plötz­li­che Zunah­me alter Hei­zungs­kes­sel zurück­zu­füh­ren sein, son­dern deu­tet auf erheb­li­che Inkon­sis­ten­zen in der Sta­tis­tik hin. Grün­de kön­nen die Nicht-Abga­be von Mess­sta­tis­ti­ken durch ein­zel­ne Schorn­stein­fe­ger-Meis­ter sein; der Lan­des­ver­band Baden-Würt­tem­berg wies zudem auf mög­li­che Schnitt­stel­len­pro­ble­me bei der Daten­über­tra­gung hin (Kugel, Pers. Komm., 2014). Abbil­dung 4–26 zeigt die Ent­wick­lung der Rück­bau­ra­ten von Gas­kes­seln mit Instal­la­ti­ons­jahr bis 1997 in Baden-Würt­tem­berg sowie im Bun­des­ge­biet und im Ver­gleichs­land Bay­ern. Die Daten­la­ge erscheint lücken­haft, da in meh­re­ren Jah­ren nega­ti­ve Wer­te auf­tau­chen, die auf Inkon­sis­ten­zen in der Sta­tis­tik hin­deu­ten. In die­sem Sin­ne ist auch die hohe Rück­bau­ra­te von 20 % in Bay­ern, gefolgt von einer nega­ti­ven Rate von unter ‑15 %, eher als Hin­weis auf Inkon­sis­ten­zen denn auf ein beson­ders moder­ni­sie­rungs­rei­ches Jahr zu deu­ten. Außer­dem fällt ein Ein­bruch der Rück­bau­ra­ten um 2010 her­um auf, der wahr­schein­lich auf die Umstel­lung der Mess­pflich­ten aus der 1. BIm­SchV zurück­zu­füh­ren ist. Seit Inkraft­tre­ten der novel­lier­ten 1.BImschV im März 2010 müs­sen mess­pflich­ti­ge Hei­zungs­an­la­gen, die älter als 12 Jah­re sind, nur noch alle zwei Jah­re über­wacht wer­den müs­sen. Wahr­schein­lich ist daher, dass im ers­ten Jahr bzw. zwei­ten Jahr der neu­en Rege­lun­gen – in denen dann sehr viel weni­ger Mes­sun­gen not­wen­dig waren – die Hoch­rech­nun­gen des Schorn­stein­fe­ger­ver­ban­des noch nicht rea­li­täts­nah erfolg­ten. Grund­sätz­lich zei­gen sich für Baden-Würt­tem­berg in der Ten­denz höhe­re Wer­te in der Zeit zwi­schen 2005 und 2009 als danach. In Bay­ern sind die Raten so wech­sel­haft, dass sie kaum eine belast­ba­re Aus­sa­ge zulas­sen. Hin­ge­gen ver­lau­fen die Rück­bau­ra­ten im Bun­des­ge­biet – mit der Aus­nah­me von 2010/2011 – weni­ger wech­sel­haft. Ange­sichts der Daten­qua­li­tät las­sen sich belast­ba­re Schlüs­se nur schwer zie­hen, die Daten spre­chen aber in der Ten­denz für einen leich­ten Rück­gang der Moder­ni­sie­rung von Gas­kes­seln seit Inkraft­tre­ten des EWär­meG 2010.

Diagramm: Rückbauraten von Gaskesseln

Abbil­dung 4–26: Baden-Würt­tem­berg, Bay­ern, Bund: Rück­bau­ra­ten von Gas­kes­seln >11 kW Leis­tung auf Basis der Schorn­stein­fe­gerer­he­bun­gen, jeweils bezo­gen auf den Vor­jah­res­be­stand von Anla­gen mit Errich­tung bis 1997. (Quel­le: Bun­des­ver­band des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks – Zen­tra­lin­nungs­ver­band 2006–2016, Lan­des­in­nungs­ver­band des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks Baden-Würt­tem­berg 2006–2016, Lan­des­in­nungs­ver­band für das Baye­ri­sche Kamin­keh­rer­hand­werk 2006–2016, eige­ne Berech­nun­gen)

Rückbauraten von Ölkesseln

Für den Rück­bau alter Ölkes­sel zeigt sich in Baden-Würt­tem­berg nach zwei Spit­zen­jah­ren 2006/2007 und 2007/2008 mit über 7 % Aus­tauschra­ten ein deut­li­cher Rück­gang ab 2009/2010. Die Wer­te erho­len sich leicht von 2012 auf 2013 und von 2013 auf 2014, kön­nen aber nicht an die hohen frü­he­ren Raten anschlie­ßen. Im Ver­gleichs­land Bay­ern zeigt sich eine wech­sel­haf­te Ent­wick­lung mit zwei her­aus­ra­gen­den Spit­zen­jah­ren 2009/2010 und 2011/2012. Die im Ver­gleich dazu sehr gerin­ge Rück­bau­ra­te 2010/2011 lässt jedoch sta­tis­ti­sche Inkon­sis­ten­zen ver­mu­ten, eben­so der nega­ti­ve Wert für 2015/2016. Außer­dem fällt ein Ein­bruch der Rück­bau­ra­ten um 2010 her­um auf, der wahr­schein­lich auf die Umstel­lung der Mess­pflich­ten aus der 1. BIm­SchV und damit ver­bun­de­nen Inkon­sis­ten­zen der Hoch­rech­nung zurück­zu­füh­ren ist. In den Jah­ren 2012/2013 und 2013/2014 lagen die baye­ri­schen Rück­bau­ra­ten im Mit­tel leicht ober­halb der baden-würt­tem­ber­gi­schen Raten. 2014/2015 hin­ge­gen kam Baden-Würt­tem­berg auf eine etwas höhe­re Rück­bau­ra­te. 2015/2016 lässt sich auf­grund der o.g. Inkon­sis­tenz für Bay­ern nicht aus­wer­ten. Auf Bun­des­ebe­ne hin­ge­gen lässt sich kei­ne kla­re Ten­denz erken­nen. Auch hier fällt ein Rück­gang der Rück­bau­ra­ten zwi­schen 2009 und 2011 auf, der mit der Umstel­lung der Mess­pflich­ten zusam­men­hän­gen könn­te. Danach stei­gen die Raten wie­der an, blei­ben im Mit­tel aber gering­fü­gig unter­halb des Niveaus von 2005 bis 2009 (sie­he Abbil­dung 4–27).

Ins­ge­samt erscheint die Daten­ba­sis auf­grund von Inkon­sis­ten­zen kaum belast­bar. Den­noch zei­gen die Schorn­stein­fe­ger­da­ten für Ölkes­sel für die Jah­re zwi­schen 2009/2010 und 2013/2014 eine gewis­se Abnah­me der Rück­bau­ak­ti­vi­tä­ten in Baden-Würt­tem­berg im Ver­gleich zu Bay­ern und zum Bund.

Diagramm: Rückbauraten von Ölkesseln

Abbil­dung 4–27: Baden-Würt­tem­berg, Bay­ern, Bund: Rück­bau­ra­ten von Ölkes­seln >11 kW Leis­tung auf Basis der Schorn­stein­fe­gererhe-bun­gen, jeweils bezo­gen auf den Vor­jah­res­be­stand von Anla­gen mit Errich­tung bis 1997 Quel­le: Bun­des­ver­band des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks – Zen­tra­lin­nungs­ver­band 2006–2016, Lan­des­in­nungs­ver­band des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks Baden-Würt­tem­berg 2006–2016, Lan­des­in­nungs­ver­band für das Baye­ri­sche Kamin­keh­rer­hand­werk 2006–2016, eige­ne Berech­nun­gen

Sanierungen der Gebäudehülle und weitere Verbesserungen der Gebäudeeffizienz

Im vor­her­ge­hen­den Kapi­tel wur­den die Markt­ent­wick­lun­gen für erneu­er­ba­re Wär­me und Wär­me­net­ze sowie die Moder­ni­sie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten bei Heiz­kes­seln betrach­tet. Dar­über hin­aus gilt es aber auch zu unter­su­chen, inwie­weit ande­re Effi­zi­enz­maß­nah­men erfolgt sind, etwa an der Gebäu­de­hül­le oder der Anla­gen­pe­ri­phe­rie: Ziel des EWär­meG ist nicht nur eine Stei­ge­rung des Ein­sat­zes von erneu­er­ba­ren Ener­gien, son­dern auch deren effi­zi­en­te Nut­zung. Unter­sucht wird daher zunächst, ob das Inter­es­se an Gebäu­de­sa­nie­run­gen in Baden-Würt­tem­berg im Betrach­tungs­zeit­raum gestie­gen ist, indem die Ent­wick­lung bei Ener­gie­be­ra­tun­gen betrach­tet wird. Ener­gie­be­ra­tun­gen sind zum Teil auch als direk­te Erfül­lungs­op­ti­on rele­vant: ab dem zwei­ten Halb­jahr 2015 sind durch die EWär­meG-Novel­le indi­vi­du­el­le Sanie­rungs­fahr­plä­ne oder die BAFA Vor-Ort-Bera­tung als Erfül­lungs­op­ti­on zuge­las­sen. In einem zwei­ten Schritt wird der Ver­lauf der KfW-geför­der­ten Sanie­rungs­maß­nah­men ana­ly­siert.

4.5.1 Energieberatung

In Baden-Würt­tem­berg exis­tiert ein nahe­zu flä­chen­de­cken­des Netz an regio­na­len Ener­gie- und Kli­ma­schutz­agen­tu­ren. Zusätz­lich koope­rie­ren die­se Agen­tu­ren mit den Ver­brau­cher­zen­tra­len: die Rah­men­be­din­gun­gen für Ener­gie­be­ra­tung sind damit beson­ders güns­tig (Sta­tus­be­richt kom­mu­na­ler Kli­ma­schutz 2018). Auch das Inte­grier­te Ener­gie- und Kli­ma­schutz­kon­zept (IEKK) Baden-Würt­tem­bergs sieht vor, die Ener­gie­be­ra­tung im Wär­me­be­reich aus­zu­bau­en und eine Bera­tungs­of­fen­si­ve Sanie­rungs­fahr­plan zu ent­wi­ckeln.

Deut­lich zeigt sich die Ent­wick­lung bei der BAFA-vor-Ort-Bera­tung: Ab dem Jahr 2015 – also dem Beginn der Erfül­lungs­op­ti­on „Sanie­rungs­fahr­plan“ – zeigt sich eine erheb­li­cher Anstieg der Bera­tungs­zah­len in Baden-Würt­tem­berg, und zwar ent­kop­pelt vom Bun­des­trend (sie­he Abbil­dung 4–28). Dies deu­tet auf eine posi­ti­ve Wir­kung des EWär­meG hin.

Diagramm: BAFA-Vor-Ort-Beratungen

Abbil­dung 4–28: BAFA-Vor-Ort-Bera­tun­gen bezo­gen auf die Ein­woh­ner­zahl in Baden-Würt­tem­berg, Ver­gleichs­län­dern und dem Bun­des-gebiet (BAFA 2018b)

Anzu­mer­ken ist, dass die BAFA-Vor-Ort-Bera­tun­gen nur einen Teil der Bera­tungs­land­schaft dar­stel­len. Neben den BAFA-Vor-Ort-Bera­tun­gen (die den indi­vi­du­el­len Sanie­rungs­fahr­plä­nen (iSFP) gleich­ge­stellt sind)) gibt es durch die Baden-Würt­tem­ber­gi­sche L‑Bank geför­der­te Sanie­rungs­fahr­plä­ne (sie­he hier­zu die Dis­kus­si­on der Erfül­lungs­op­tio­nen in Abschnitt 3 und die Aus­wer­tun­gen der Sanie­rungs­fahr­plä­ne in Abschnitt 8). Aus End­kun­den­sicht machen die­se als Erfül­lungs­op­ti­on zuge­las­se­nen Bera­tun­gen nur einen klei­nen Aus­schnitt des­sen aus, was als Bera­tung wahr­ge­nom­men, wie die vzbv-vor-Ort- und online-Bera­tun­gen, Bera­tun­gen durch Hand­wer­ker und Schorn­stein­fe­ger sowie über ört­li­che Ener­gie- und Kli­ma­agen­tu­ren (vgl. BfEE (Hrsg.) 2017).

Auch auf Ener­gie­be­ra­tun­gen, die nicht als Erfül­lungs­op­ti­on zuge­las­sen sind, scheint das EWär­meG jedoch einen leich­ten Ein­fluss in Form einer Trig­ger­wir­kung aus­zu­üben. So konn­ten die Ver­brau­cher­zen­tra­len die Zahl ihrer Ener­gie­be­ra­tun­gen in Baden-Würt­tem­berg zwi­schen 2012 und 2015 stei­gern – ganz im Gegen­satz zum Bun­des­trend mit rück­läu­fi­gen Bera­tungs­zah­len. Aller­dings wur­de in die­sem Zeit­raum auch die Koope­ra­ti­on mit ört­li­chen Ener­gie­agen­tu­ren aus­ge­baut, sodass End­kun­den ein erheb­lich ver­bes­ser­tes Netz an Bera­tungs­ein­rich­tun­gen vor­fan­den. Auch in den regio­na­len Ener­gie­agen­tu­ren schei­nen zusätz­li­che Bera­tungs­ak­ti­vi­tä­ten aus­ge­löst wor­den zu sein. Bei­spiels­wei­se hat das über die Lan­des­agen­tur KEA finan­zier­te Bera­tungs­te­le­fon von Zukunft Alt­bau stei­gen­de Bera­tungs­zah­len im Zusam­men­hang mit Fra­gen zum EWär­meG fest­ge­stellt, ins­be­son­de­re um die Novel­lie­rung 2015 her­um bis ins Jahr 2016 (per­sön­li­che Infor­ma­ti­on F. Hett­ler 2018).

4.5.2 Gebäudesanierungen im Rahmen der KfW-Förderung

Hin­sicht­lich der Gebäu­de­sa­nie­run­gen wird als Indi­ka­tor die Ent­wick­lung der KfW-För­der­zah­len hin­zu­ge­zo­gen. Betrach­tet wer­den die Pro­gram­me „Ener­gie­ef­fi­zi­ent Sanie­ren – Ein­zel­maß­nah­men“ (152) und „Ener­gie­ef­fi­zi­ent Sanie­ren – Zuschuss“ (430). Effi­zi­enz­haus­sa­nie­run­gen sind im Zusam­men­hang mit dem EWär­meG weni­ger rele­vant, da sie umfas­sen­de Pro­jek­te dar­stel­len, die weit über das im Rah­men der Erfül­lungs­op­ti­on Not­wen­di­ge hin­aus­ge­hen. Inso­fern wird die För­de­rung von Effi­zi­enz­häu­sern in der Sanie­rung hier nicht ana­ly­siert. Ins­ge­samt konn­te Baden-Würt­tem­berg den Anteil an den bun­des­weit bewil­lig­ten För­der­mit­teln leicht stei­gern. So stieg der Anteil Baden-Würt­tem­bergs an den För­der­mit­teln für Ein­zel­maß­nah­men von 19,1 % der För­der­sum­me in 2008 auf 21,5 % der För­der­sum­me in 2017, bei einem Bevöl­ke­rungs­an­teil an der Gesamt­be­völ­ke­rung in Deutsch­land von 13,3 %. Auf­fäl­lig ist, dass in Baden-Würt­tem­berg die För­der­sum­men im Zuschuss­pro­gramm gerin­ger wach­sen als in ande­ren Bun­des­län­dern. Das Zuschuss­pro­gramm wird ver­stärkt nach­ge­fragt, da es für vie­le Antrag­stel­ler im gegen­wär­ti­gen Nied­rig­zins­um­feld als attrak­ti­ver gilt. In Baden-Würt­tem­berg ist die­ser Trend offen­sicht­lich etwas gerin­ger aus­ge­prägt (KfW 2018). Abbil­dung 4–29 zeigt die Ent­wick­lung der För­der­sum­men im KfW-Pro­gramm Ein­zel­maß­nah­men. Deut­lich wird für Baden-Würt­tem­berg eine posi­ti­ve Ent­wick­lung ab 2012, mit Aus­nah­me des Jah­res 2013 deut­lich ober­halb der Ver­gleichs­län­der und des Bun­des­ge­biets. Nach einem leich­ten Absin­ken zwi­schen 2016 und 2017 liegt der Index 2017 bei über 140 und damit deut­lich ober­halb dem auf 100 nor­mier­ten Start­jahr 2008.

Die wach­sen­de Bedeu­tung des KfW-Zuschuss­pro­gramms zeigt Abbil­dung 4–30. Im Bun­des­ge­biet steigt der dazu­ge­hö­ri­ge Index von 100 im Jahr 2008 auf nahe­zu 1.800 in 2017. Auch in Baden-Würt­tem­berg steigt der Index auf über 1.000, liegt damit aber noch erheb­lich unter den Ver­gleichs­län­dern. Die­ses Ver­hält­nis von Ein­zel­maß­nah­men und Zuschuss­för­de­rung ist aber durch­aus posi­tiv zu wer­ten: so geht das Moni­to­ring der KfW-För­de­rung (Die­fen­bach et al. 2018) regel­mä­ßig davon aus, dass im Mit­tel in den Ein­zel­maß­nah­men höhe­re CO2-Ein­spa­run­gen pro Woh­nung erreicht wer­den als bei den Zuschuss­fäl­len. Die Ent­wick­lung der För­der­fäl­le könn­te daher dafür spre­chen, dass in Baden-Würt­tem­berg eine Ten­denz zu etwas tie­fe­ren Sanie­run­gen besteht als anders­wo. Die Ent­wick­lung der Antrags­zah­len für bei­de För­der­pro­gram­me ins­ge­samt (aus­ge­drückt als Zahl der betrof­fe­nen Wohn­ein­hei­ten) ist hin­ge­gen in Baden-Würt­tem­berg nahe­zu deckungs­gleich mit den Ver­gleichs­län­dern und dem Bun­des­ge­biet (sie­he Inde­x­ent­wick­lung in Abbil­dung 4–31). Obwohl die Antrags­zah­len sich ins­ge­samt seit 2008 posi­tiv ent­wi­ckelt haben, ver­deut­li­chen sie auch: eine ech­te Wär­me­wen­de mit einem Durch­bruch in der Sanie­rungs­ak­ti­vi­tät ist nicht erkenn­bar. Inso­fern bil­det auch Baden-Würt­tem­berg hier kei­ne Aus­nah­me zum Bun­des­ge­biet.

Diagramm: Indexentwicklung der Fördersummen im KfW-Programm Energieeffizient Sanieren – Einzelmaßnahmen (152) in Baden-Württemberg, in Vergleichsländern und dem Bundesgebiet

Abbil­dung 4–29: Inde­x­ent­wick­lung der För­der­sum­men im KfW-Pro­gramm Ener­gie­ef­fi­zi­ent Sanie­ren – Ein­zel­maß­nah­men (152) in Baden-Würt­tem­berg, in Ver­gleichs­län­dern und dem Bun­des­ge­biet (KfW 2008–2017)

Diagramm: Indexentwicklung der Fördersummen im KfW-Programm Energieeffizient Sanieren – Zuschuss (430) in Baden-Württemberg, in Vergleichsländern und dem Bundesgebiet

Abbil­dung 4–30: Inde­x­ent­wick­lung der För­der­sum­men im KfW-Pro­gramm Ener­gie­ef­fi­zi­ent Sanie­ren – Zuschuss (430) in Baden-Würt­tem­berg, in Ver­gleichs­län­dern und dem Bun­des­ge­biet (KfW 2008–2017)

Diagramm: Indexentwicklung der Antragszahlen in den KfW-Programmen Energieeffizient Sanieren – Einzelmaßnahmen (152) und Zuschuss (430) in Baden-Württemberg, in Vergleichsländern und dem Bundesgebiet

Abbil­dung 4–31: Inde­x­ent­wick­lung der Antrags­zah­len in den KfW-Pro­gram­men Ener­gie­ef­fi­zi­ent Sanie­ren – Ein­zel­maß­nah­men (152) und Zuschuss (430) in Baden-Würt­tem­berg, in Ver­gleichs­län­dern und dem Bun­des­ge­biet

Zusammenfassung und Schlussfolgerungen für die Evaluierung

Ins­ge­samt wäre eine bes­se­re Daten­la­ge über­aus wün­schens­wert, um ein­deu­ti­ge­re Aus­sa­gen zu machen. Die unter­schied­li­chen Daten­quel­len sind teil­wei­se inkon­sis­tent und las­sen sich z. T. auch nicht unab­hän­gig vali­die­ren. In der Gesamt­schau der Ergeb­nis­se las­sen sich jedoch meh­re­re Ten­den­zen fest­hal­ten:

  1. Bezo­gen auf die Dyna­mik des Aus­baus erneu­er­ba­rer Ener­gien liegt Baden-Würt­tem­berg im Bun­des­ver­gleich mit Bay­ern an der Spit­ze. Bei­de Län­der haben tra­di­tio­nell eine hohe EE-Nach­fra­ge, bedingt durch Ein­kom­men, Gebäu­de­struk­tur, sozio­de­mo­gra­fi­sche Ent­wick­lun­gen sowie hohe Solar­strah­lung und (beson­ders Bay­ern) hohem Bio­mas­se­auf­kom­men. Auch das Inter­es­se an EE-Hei­zun­gen – gemes­sen als Ange­bots­an­fra­gen – ist in Baden-Würt­tem­berg grö­ßer als in ande­ren Bun­des­län­dern und seit Ein­füh­rung des EWär­meG merk­lich gewach­sen.

Spe­zi­ell für die über das MAP geför­der­ten EE-Anla­gen weist Baden-Würt­tem­berg nach dem Spit­zen­rei­ter Bay­ern fast durch­weg deut­lich höhe­re Antrags­zah­len pro Ein­woh­ner auf als der Bund und die bei­den Ver­gleichs­län­der Hes­sen und Rhein­land-Pfalz – wobei der Bun­des­trend schon von Bay­ern und Baden-Würt­tem­berg mit­ge­prägt wird. Dabei zeigt die Ent­wick­lung der MAP-geför­der­ten instal­lier­ten Anla­gen in allen Fäl­len ähn­li­che Höhen und Tie­fen, wenn auch auf unter­schied­li­chem Niveau. Die Daten zei­gen zugleich, dass der Anla­gen­zu­bau einem bun­des­wei­ten Trend­mus­ter folgt. Deut­lich erkenn­bar ist dem­nach der Ein­bruch des Zubaus nach dem För­der­stopp zwi­schen Mai und Juni 2010, von dem sich die MAP-För­der­zah­len auch nach spä­te­ren Erhö­hun­gen nie wie­der erho­len konn­ten. Zudem ist bei den Solar­ther­mie- und Bio­mas­se-Anla­gen ein star­ker Rück­gang zwi­schen 2006 und 2007 zu erken­nen – Wär­me­pum­pen wur­den zu die­ser Zeit nicht durch das MAP geför­dert. Die­ser Rück­gang hängt ver­mut­lich mit der dama­li­gen Erhö­hung des Umsatz­steu­er­sat­zes von 16 auf 19 % zum 1.1.2007 und damit ver­bun­de­nen Vor­zugs­ef­fek­ten zusam­men.

Bei Wär­me­pum­pen lag die Ent­wick­lung in BW vor Inkraft­tre­ten des Geset­zes unter dem Bun­des­trend. Es folgt ein kurz­fris­ti­ges Empor­schnel­len der Aus­bau­zah­len im Gebäu­de­be­stand nach Inkraft­tre­ten des EWär­meG, das aber schon 2012 wie­der ver­ebbt. Hier lässt sich ver­mu­ten, dass die­se Ent­wick­lung mit der gleich­zei­ti­gen mas­si­ven Erhö­hung der Heiz­strom­prei­se in Baden-Würt­tem­berg zusam­men­hängt. Inzwi­schen hat sich ein grö­ße­rer bun­des­wei­ter Heiz­strom­markt ent­wi­ckelt, die Heiz­strom­prei­se sind aber auf hohem Niveau geblie­ben bzw. wei­ter ange­stie­gen, was den Aus­bau von Wär­me­pum­pen auch bun­des­weit erheb­lich brem­sen dürf­te. 2016 folgt ent­kop­pelt vom Bun­des­trend ein zwei­tes Spit­zen­jahr – hier gilt es, die wei­te­re Ent­wick­lung zu beob­ach­ten, um zu sehen, ob sich ein dau­er­haf­ter Trend ent­wi­ckelt. Auf­fäl­lig ist, dass das Markt­wachs­tum in bei­den Spit­zen­jah­ren 2011 und 2016 offen­bar unab­hän­gig vom geför­der­ten Bereich ent­stand: die MAP-För­der­zah­len in Baden-Würt­tem­berg zei­gen kei­ne ver­gleich­ba­re Ent­wick­lung. Bezo­gen auf den (klei­nen) Teil­be­reich der MAP-geför­der­ten Wär­me­pum­pen zeigt sich eine ins­ge­samt schlep­pen­de Ent­wick­lung zwi­schen 2010 und 2015, bei der aber Baden-Würt­tem­berg über dem Bun­des­trend liegt. In 2016 und 2017 nähert sich die Ent­wick­lung der MAP-Wär­me­pum­pen in Baden-Würt­tem­berg wie­der dem Bun­des­trend an. Hier ist daher ins­be­son­de­re für die Jah­re 2010 bis 2015 durch­aus eine posi­ti­ve Wir­kung des EWär­meG zu ver­mu­ten, aber auf sehr gerin­gem Niveau.

Beim Blick auf die baden-würt­tem­ber­gi­schen Bio­mas­se-Anla­gen im Gebäu­de­be­stand zeigt sich eine Ent­kopp­lung vom bun­des­wei­ten Trend und stär­ke­re Ent­wick­lung eines nicht-geför­der­ten Mark­tes nach 2010. Damit lie­fern die Zah­len ein deut­li­ches Indiz für eine posi­ti­ve Wir­kung des EWär­meG für den Aus­bau von Wär­me aus Bio­mas­se. Die Daten­ba­sis der abge­setz­ten Anla­gen ist hier aller­dings weni­ger belast­bar als bei den Wär­me­pum­pen: die BDH-Zah­len schei­nen die Anla­gen­ab­sät­ze auf­grund einer gerin­ge­ren Markt­ab­de­ckung als in ande­ren Seg­men­ten zu unter­schät­zen. Bei den MAP-geför­der­ten Bio­mas­se-Anla­gen liegt die Ent­wick­lung in Baden-Würt­tem­berg durch­ge­hend leicht ober­halb des bun­des­wei­ten Trends; hier ist bei den geför­der­ten Anla­gen eine gerin­ge Wir­kung des EWär­meG zu ver­mu­ten.

Bei der Solar­ther­mie zei­gen sowohl Absatz- als auch För­der­zah­len einen ernüch­tern­den Rück­gang des Anla­gen­zu­baus im Bun­des­ge­biet wie in Baden-Würt­tem­berg. Eine för­der­li­che Wir­kung des EWär­meG in Baden-Würt­tem­berg lässt sich aus den Zah­len nicht ablei­ten, aller­dings auch kei­ne nega­ti­ven Effek­te.

Ins­ge­samt las­sen sich posi­ti­ve, aber nicht sehr star­ke Effek­te des EWär­meG auf den Anla­gen­zu­bau erken­nen. Offen­sicht­lich prä­gen aber wesent­lich stär­ke­re Ursa­chen für Ver­än­de­run­gen im Anla­gen­zu­bau die all­ge­mei­nen Markt­ten­den­zen wie Ener­gie­prei­se oder die Umsatz­steu­er­ent­wick­lung sowie MAP-inter­ne Effek­te wie die Ver­än­de­rung der För­der­richt­li­ni­en oder der För­der­stopp 2010.

Zur Ent­wick­lung des Fern­wär­me­netz­aus­bau­es in Baden-Würt­tem­berg im Ver­gleich zu Deutsch­land las­sen sich auf­grund der unbe­frie­di­gen­den Daten­la­ge kei­ne Rück­schlüs­se auf eine ver­mehr­te Anrei­zwir­kung für den Aus­bau von Wär­me­net­zen indu­ziert durch das EWär­meG zie­hen. Die von der AGFW zur Ver­fü­gung gestell­ten Daten der Haus­über­ga­be­sta­tio­nen für Baden-Würt­tem­berg und Deutsch­land beschrei­ben lei­der nur eine beschränk­te Teil­men­ge aller Haus­über­ga­be­sta­tio­nen.

  1. Zur Fra­ge einer Ver­lang­sa­mung der Moder­ni­sie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten (Atten­tis­mus) infol­ge des EWär­meG ist die Daten­la­ge unbe­frie­di­gend. Die Ent­wick­lung der Absatz­zah­len auf Basis von Anga­ben des BDH deu­tet auf Vor­zieh­ef­fek­te vor der Eta­blie­rung des Geset­zes und der Novel­le hin. Eine nied­ri­ge­re Moder­ni­sie­rungs­ra­te nach Inkraft­tre­ten des EWär­meG und der Novel­le ist zum einen auf die­se Vor­zieh­ef­fek­te zurück­zu­füh­ren. Die nied­ri­ge­re Moder­ni­sie­rungs­ra­te kann aber zum ande­ren auch mit einer zu einem Atten­tis­mus pas­sen­den höhe­ren Repa­ra­tur­quo­te bei Öl- und Gas­kes­seln als Alter­na­ti­ve zum Kes­sel­tausch erklärt wer­den. Schwach posi­tiv auf die Moder­ni­sie­rungs­ak­ti­vi­tät wir­ken hin­ge­gen stei­gen­de Absät­ze bei Wär­me­pum­pen und Bio­mas­se-Anla­gen. Die Moder­ni­sie­rungs­ra­ten in Baden-Würt­tem­berg haben sich seit ihrem Abfall im Jahr 2010 deut­lich erholt und lagen 2014 und 2015 in ähn­li­cher Höhe wie im Bun­des­ge­biet – hier waren aller­dings mög­li­cher­wei­se auch Vor­zieh­ef­fek­te im Zusam­men­hang mit der EWär­meG-Novel­le ent­hal­ten; 2016 lag die Moder­ni­sie­rungs­ra­te wie­der nied­ri­ger.

Eine Ver­lang­sa­mung der Moder­ni­sie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten lässt sich nur teil­wei­se durch einen Abgleich mit ande­ren Quel­len vali­die­ren. Die Daten der Schorn­stein­fe­ger-sta­tis­tik nach der 1. BIm­SchV sind stre­cken­wei­se inkon­sis­tent und von der Natur der gesetz­li­chen Grund­la­ge seit 2010 her weni­ger gut geeig­net, ver­läss­li­che Zah­len zu lie­fern. Sie unter­schei­den sich auch in ihrer Grö­ßen­ord­nung deut­lich vom auf Basis der BDH-Absatz­zah­len berech­ne­ten Moder­ni­sie­rungs­markt. Ins­ge­samt deu­ten auch die Schorn­stein­fe­ger­da­ten durch einen etwas stär­ke­ren Rück­gang der Kes­sel­tauschra­ten in Baden-Würt­tem­berg als im Bund und im Ver­gleichs­land Bay­ern hin. Auf der ande­ren Sei­te gibt die im Rah­men die­ser Unter­su­chung durch­ge­führ­te End­kun­den­be­fra­gung (vgl. Kapi­tel 5.1) wenig Indi­zi­en auf einen Atten­tis­mus.

Ins­ge­samt muss die Ent­wick­lung der Moder­ni­sie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten dif­fe­ren­ziert betrach­tet wer­den. Für Ölkes­sel stär­ker als für Gas­kes­sel gilt: Eine Ver­lang­sa­mung beim Hei­zungs­tausch alter gegen neue Kes­sel ist aus Kli­ma­schutz­ge­sichts­punk­ten nicht unbe­dingt nega­tiv zu bewer­ten. Bei einem gro­ßen Ölkes­sel­be­stand wie in Baden-Würt­tem­berg erge­ben sich gro­ße Lock-In-Effek­te, wenn beim Kes­sel­tausch von Ölkes­seln kein Ener­gie­trä­ger­wech­sel erfolgt. Die­se Lock-In-Effek­te erschwe­ren es, die Kli­ma­schutz­zie­le zu errei­chen, da die­se Ölkes­sel dann wei­te­re Jahr­zehn­te betrie­ben wer­den. Im Gegen­satz dazu kann eine Ver­lang­sa­mung eine „Atem­pau­se“ dar­stel­len, die es ermög­licht, durch neue Instru­men­te eine Ent­schei­dung für kli­ma­scho­nen­de­re Heiz­sys­te­me zu einem spä­te­ren Zeit­punkt zu errei­chen. Unbe­dingt ver­mei­den soll­te man in die­sem Zusam­men­hang, die inef­fi­zi­en­ten Öl-Nie­der­tem­pe­ra­tur­kes­sel wei­ter­hin im Markt zu hal­ten. Inso­fern ist die men­gen-mäßi­ge Begren­zung der Bio­öl-Mög­lich­keit rich­tig.

  1. Die Betrach­tung von Sanie­run­gen der Gebäu­de­hül­le und wei­te­re Effi­zi­enz­maß-nah­men zeigt: Her­aus­ra­gend in Baden-Würt­tem­berg ist die posi­ti­ve Ent­wick­lung der Ener­gie­be­ra­tun­gen im Betrach­tungs­zeit­raum. Hier spie­len sicher­lich die guten Rah­men­be­din­gun­gen für Ener­gie­be­ra­tung eine Rol­le; ein zusätz­li­cher Impuls durch das EWär­meG ist aber wahr­schein­lich.

Die KfW-geför­der­ten Sanie­rungs­maß­nah­men über die Pro­gram­me Ener­gie­ef­fi­zi­ent Sanie­ren – Ein­zel­maß­nah­men und Zuschuss zei­gen vor allem bei den Ein­zel­maß-nah­men eine bes­se­re Ent­wick­lung als im Bun­des­ge­biet. Bei ins­ge­samt ver­gleich­ba­rer Ent­wick­lung zeigt sich ein etwas schwä­che­rer Trend zur Zuschuss­för­de­rung als in ande­ren Län­dern.

Ins­ge­samt deu­tet die Sach­la­ge bei Ener­gie­be­ra­tun­gen und KfW-geför­der­ten Sanie­rungs­maß­nah­men auf leicht posi­ti­ve Impul­se durch das EWär­meG hin. Ein Durch­bruch bei den für die Wär­me­wen­de not­wen­di­gen Gebäu­de­sa­nie­run­gen ist hin­ge-gen bis­lang aus­ge­blie­ben.

Schließ­lich ist ins­ge­samt zu berück­sich­ti­gen, dass sowohl der Zeit­punkt von Effi­zi­enz­maß­nah­men wie dem Kes­sel­tausch als auch die Ent­schei­dung für erneu­er­ba­re Ener­gien durch viel­fäl­ti­ge Ursa­chen beein­flusst wer­den. Glei­ches gilt für die Maß­nah­men zur Gebäu­de­sa­nie­rung. Eine wesent­li­che Rol­le spielt die Ener­gie­preis­ent­wick­lung und die rela­ti­ve wirt­schaft­li­che Attrak­ti­vi­tät der ein­zel­nen Ener­gie­trä­ger. Aber auch ande­re Fak­to­ren wir­ken sich auf die Ent­schei­dung für oder gegen bestimm­te Maß­nah­men aus, etwa

  • tages­ak­tu­el­le Dis­kus­sio­nen über Ener­gie­preis­be­las­tun­gen und Kli­ma­wan­del
  • Vor­bil­der im Umfeld, aber auch durch die öffent­li­che Hand
  • Zugang zu all­ge­mei­nen Infor­ma­tio­nen sowie Bera­tung durch das Hand­werk
  • sub­jek­ti­ve Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen und ver­hal­tens­öko­no­mi­sche Effek­te
  • Ände­run­gen von För­der­be­din­gun­gen bis hin zu För­der­stopps.


Auch muss berück­sich­tigt wer­den, dass in Bezug auf eine Ver­lang­sa­mung der Hei­zungs­mo­der­ni­sie­rung ein Atten­tis­mus teil­wei­se ein Über­gangs­phä­no­men dar­stellt. Zudem bil­den sich gegen­läu­fi­ge Vor­zieh­ef­fek­te, wie sie zum Teil um die Novel­le des EWär­meG 2015 her­um erkenn­bar waren: vor Inkraft­tre­ten des Geset­zes steigt die Zahl der Kes­sel­täu­sche deut­lich an, um nach Inkraft­tre­ten umso stär­ker abzu­fal­len. Vor allem aber soll­te bei der Bewer­tung die lang­fris­ti­ge Ziel­er­rei­chung im Vor­der­grund ste­hen: eine Umstel­lung auf erneu­er­ba­re Ener­gien hat lang­fris­tig deut­lich grö­ße­re CO2-Min­de­rungs­ef­fek­te als ein Aus­tausch alter gegen neue fos­sil befeu­er­te Kes­sel. Auch bei einem Brenn­stoff­wech­sel von Heiz­öl auf Erd­gas kön­nen grö­ße­re CO2-Ein­spa­run­gen erreicht wer­den als beim rei­nen Kes­sel­tausch mit gleich­blei­ben­dem fos­si­lem Ener­gie­trä­ger (Lam­brecht 2018). Daher kann es unter Umstän­den sinn­voll sein, begrenz­te Ver­zö­ge­run­gen wie oben für den Ölkes­sel­tausch beschrie­ben in Kauf zu neh­men, um im Gegen­zug Lock-in-Effek­te durch nicht ziel­kon­for­me Anla­gen und Gerä­te zu ver­mei­den.

1 BDH (2013): EWär­meG blo­ckiert ener­ge­ti­sche Moder­ni­sie­rung (Posi­ti­ons­pa­pier, Stand Sep­tem­ber 2013)
2 BDH (2016): Mul­ti­moment­auf­nah­me für Neu­bau und Moder­ni­sie­rung in Baden-Würt­tem­berg. EWär­meG blo­ckiert ener­ge­ti­sche Moder­ni­sie­rung. Stand 21.12.2016
3 BDH (2018): Mul­ti­moment­auf­nah­me für Neu­bau und Moder­ni­sie­rung in Baden-Würt­tem­berg für die Jah­re 2008–2016. EWär­meG blo­ckiert ener­ge­ti­sche Moder­ni­sie­rung. Stand 31.01.2018
4 Per­sön­li­che Mit­tei­lung Dr. Lothar Brei­den­bach, BDH, 6. Juli 2017
5 In den Jah­ren 2008 und 2009 gehen auf Basis von Anga­ben des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts Baden-Würt­tem­berg zu erneu­er­ba­ren Ener­gien im Neu­bau sehr wenig Bio­mas­se-Anla­gen in neue Gebäu­de – expli­zi­te Anga­ben fin­den sich jedoch erst mit dem Jahr 2010, sodass die Anga­ben für die Vor­jah­re als weni­ger belast­bar betrach­tet wer­den müs­sen. Indi­rekt könn­te dies auch Aus­wir­kun­gen auf die Anla­gen-zah­len im Gebäu­de­be­stand in 2008 und 2009 mit sich brin­gen.
6 Hier­für wer­den auf Basis der durch­schnitt­li­chen, jähr­li­chen Leis­tungs­zu­gän­ge und der durch­schnitt­li­chen Leis­tung je Haus­über­ga­be­sta­ti­on die jähr­li­chen Zugän­ge an Haus­über­ga­be­sta­tio­nen ermit­telt.

Umweltministerium BW logo

Befragung

Erneuerbare Energien und EWärmeG aus Sicht der Verpflichteten und der Bevölkerung

5.1.1 Befragungskonzept und empirische Gesamtheit

Um die Wir­kun­gen des EWär­meG in der Bevöl­ke­rung zu erfas­sen, wur­den zwei Befra­gun­gen von jeweils 500 Haus­ei­gen­tü­mern in Baden-Würt­tem­berg durch­ge­führt. Die ers­te Befra­gung erfolg­te bei den­je­ni­gen, die im Zuge eines Kes­sel­tauschs ab Mit­te 2015 zur Ein­hal­tung des EWär­meG ver­pflich­tet waren. Sie soll Infor­ma­tio­nen zur Wir­kungs­wei­se des EWär­meG lie­fern. Die zwei­te Befra­gung bei einer Grup­pe ver­gleich­ba­rer Haus­ei­gen­tü­mer ohne Ver­pflich­tung (eben­falls 500) ermög­licht im Rah­men eines Kon­troll­grup­pen­de­signs die Absi­che­rung der Ergeb­nis­se und gibt Hin­wei­se zur Zuschrei­bung der Wir­kun­gen auf das EWär­meG.

Die Brei­ten­be­fra­gung der Bevöl­ke­rung in zwei Tran­chen wur­de mit Hil­fe tele­fo­ni­scher Inter­views (CATI1) von Kan­t­ar Emnid durch­ge­führt. Durch die tele­fo­ni­schen Inter­views wird ein hohes Maß an Genau­ig­keit erreicht und gleich­zei­tig ein aus­rei­chen­der Rück­lauf garan­tiert, der bei ande­ren Metho­den nur schwer zu errei­chen wäre. Die Befra­gung von ver­pflich­te­ten Haus­ei­gen­tü­mern soll­te im Durch­schnitt 20 Minu­ten Län­ge pro Inter­view nicht über­stei­gen. Die Befra­gung der Kon­troll­grup­pe war deut­lich kür­zer, weil die Fra­gen zu den genutz­ten Erfül­lungs­op­tio­nen weg­fal­len.

Die Her­aus­for­de­rung bei bei­den Befra­gun­gen lag dar­in, genü­gend Inter­view­part­ner zur Errei­chung der geplan­ten Fall­zah­len zu errei­chen. Dazu wur­den für die EWär­meG-Ver­pflich­te­ten und die Kon­troll­grup­pe zwei unter­schied­li­che Vor­ge­hens­wei­sen ent­wi­ckelt. Die Kon­troll­grup­pe wur­de über die regel­mä­ßig vom Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tut Kan­t­ar Emnid durch­ge­führ­ten Befra­gun­gen erho­ben, indem gezielt pas­sen­de Haus­hal­te ohne Hei­zungs­tausch im betrach­te­ten Zeit­raum aus­ge­wählt wer­den. Die­se wur­den dann im Rah­men von kur­zen CATIs befragt.

Die Befra­gung der EWär­meG-Ver­pflich­te­ten stell­te eine grö­ße­re Her­aus­for­de­rung dar, weil zunächst ein­mal die Befra­gung wesent­lich umfang­rei­cher war. Zudem war die Situa­ti­on bei den Kon­takt­da­ten kom­pli­ziert. Für CATIs wer­den Daten von pas­sen­den Haus­hal­ten (Ansprech­part­ner, (gro­be) Adres­se und Tele­fon­num­mer) erho­ben, die zudem der Befra­gung zustim­men müs­sen. Bei den unte­ren Bau­rechts­be­hör­den lie­gen zumin­dest die Adress­da­ten von EWär­meG-Ver­pflich­te­ten vor, aller­dings weit­ge­hend ohne die benö­tig­ten tele­fo­ni­schen Kon­takt­da­ten und ohne die Zustim­mung zur Wei­ter­ga­be die­ser Daten für den For­schungs­zweck.

Die Befra­gung erfolg­te unter Berück­sich­ti­gung der Erfor­der­nis­se des Daten­schut­zes. Die Teil­nah­me an bei­den Befra­gun­gen erfolg­te auf frei­wil­li­ger Basis. Sie wur­den im Mai und Juni 2018 durch­ge­führt. Die genutz­ten Fra­ge­bö­gen fin­den sich im Anhang des Berichts.

Sowohl bei der Ziel­grup­pe als auch bei der Kon­troll­grup­pe gibt es auf­grund der gewähl­ten Metho­de gewis­se Ein­schrän­kun­gen der Aus­sa­ge­kraft. Die Befrag­ten der Ziel­grup­pe sind nicht kom­plett reprä­sen­ta­tiv für alle EWär­meG-Ver­pflich­te­ten, weil es sich um einen Aus­zug der gemel­de­ten Fäl­le han­delt. Dadurch sind Fäl­le unter­re­prä­sen­tiert, bei denen kei­ne Mel­dung erfolgt, bei­spiels­wei­se durch den Ein­bau von Wär­me­pum­pen. Bei der Kon­troll­grup­pe ist die Ver­gleich­bar­keit mit der Ziel­grup­pe nicht kom­plett gege­ben. Wäh­rend sich im Opti­mal­fall eines qua­si­ex­pe­ri­men­tel­len Unter­su­chungs­de­signs die Ziel­grup­pe nur durch den sog. Tre­at­ment-Fak­tor von der Kon­troll­grup­pe unter­schei­det, gibt es im Fal­le der Ziel­grup­pe in die­ser Unter­su­chung (Per­so­nen, die seit Mit­te 2015 ihre Hei­zung getauscht haben und damit dem EWär­meG unter­lie­gen) zumin­dest einen zusätz­li­chen Unter­schied: Das Hei­zungs­sys­tem und dabei vor allem das Hei­zungs­al­ter. Die Kon­troll­grup­pe nutzt älte­re Hei­zungs­sys­te­me, weil es seit 2015 noch zu kei­nem Aus­tausch kam. Da sich ange­streb­te Effek­te (mehr erneu­er­ba­re Ener­gien, effi­zi­en­te­re Hei­zun­gen) aber vor allem durch den Ver­gleich der Hei­zungs­sys­te­me erge­ben, muss die Eva­lua­ti­on hier einen sys­te­ma­ti­schen Feh­ler zu kor­ri­gie­ren suchen. Bei der Kon­troll­grup­pe sind daher vor allem die Haus­hal­te von Inter­es­se, die ent­we­der vor Mit­te 2015 ihre Hei­zung getauscht haben, oder einen Aus­tausch in den kom­men­den zwei Jah­ren pla­nen. Bei eini­gen Unter­su­chun­gen wur­de aus der Kon­troll­grup­pe zusätz­lich eine Teil­grup­pe gebil­det, bei denen die Befrag­ten nur vor dem ers­ten EWär­meG (vor 2010) die Hei­zung getauscht hat­ten.

5.1.2 Untersuchungsergebnisse

Rah­men­da­ten der Grup­pe (sozio­de­mo­gra­phi­sche Daten) Die über­wie­gen­de Mehr­heit der Befrag­ten unter­stützt grund­sätz­lich den Aus­bau von Erneu­er­ba­ren Ener­gien. Zwei Drit­tel wei­sen der Umstel­lung der Ener­gie­ver­sor­gung auf Erneu­er­ba­re eine sehr gro­ße oder gro­ße Bedeu­tung zu, nur 7 % eine gerin­ge oder sehr gerin­ge Bedeu­tung. Auf die Fra­ge, ob im Bereich der Wär­me­er­zeu­gung hier­für eine gesetz­li­che Lösung rich­tig ist, die Haus­hal­ten einen Anteil von Erneu­er­ba­ren Ener­gien vor­schreibt, ergibt sich ein unein­heit­li­ches Bild. Rund die Hälf­te der Befrag­ten stimmt zu, die ande­re Hälf­te sieht eine gesetz­li­che Rege­lung ent­we­der für Haus­hal­te (aber nicht für ande­re Spar­ten) oder gene­rell kri­tisch.

Diagramm: Einstellung zur gesetzlichen Regelung der Energiewende

Abbil­dung 5–1: Ein­stel­lung zur gesetz­li­chen Rege­lung der Ener­gie­wen­de (Quel­le: Befra­gung EWär­meG-Ver­pflich­te­te 2018)

Gro­ße Einig­keit dage­gen herrscht bei der Fra­ge, ob das EWär­meG in sei­ner aktu­el­len Form mit dem Gel­tungs­be­reich nur für Baden-Würt­tem­berg sinn­voll ist. Nur 16 % mei­nen, Baden-Würt­tem­berg soll­te mit einer Land­re­ge­lung Vor­rei­ter sein, über 80 % der Befrag­ten bevor­zu­gen eine bun­des­wei­te Lösung.

Infor­ma­ti­ons­stand und Infor­ma­ti­ons­we­ge EWär­meG Zwei Drit­tel der Befrag­ten EWär­meG-Ver­pflich­te­ten gaben an, sich im Zuge der Hei­zungs­er­neue­rung mit dem EWär­meG befasst zu haben. Die meis­ten von ihnen (ins­ge­samt 43 %) hat­ten sich bereits im Vor­feld infor­miert, ein wei­te­res Vier­tel der Befrag­ten im Pro­zess der Hei­zungs­er­neue­rung. Ein wei­te­res Vier­tel gibt an, das The­ma EWär­meG kom­plett den Fach­leu­ten über­las­sen zu haben. Etwa 6 % der Befrag­ten wuss­te nach eige­nen Anga­ben nichts vom EWär­meG – hier müss­ten die für den Kes­sel­tausch Ver­ant­wort­li­chen alle nöti­gen Schrit­te im Allein­gang durch­ge­führt haben.

Diagramm: Informationsquellen zum EWärmeG

Abbil­dung 5–2: Infor­ma­ti­ons­quel­len zum EWär­meG (Quel­le: Befra­gung EWär­meG-Ver­pflich­te­te 2018)

Die­je­ni­gen, die Kennt­nis vom EWär­meG hat­ten, nutz­ten ein brei­tes Feld von Infor­ma­ti­ons­quel­len. Jeweils über die Hälf­te der Befrag­ten nann­ten Hand­wer­ker und Pres­se bzw. Medi­en als Quel­le, jeweils ein Drit­tel Schorn­stein­fe­ger, Ener­gie­be­ra­ter oder spe­zi­el­le Infor­ma­ti­ons­ma­te­ria­li­en.

Ver­gleicht man die von den EWär­meG-Ver­pflich­te­ten gewähl­ten Hei­zungs­sys­te­me (nach der Erneue­rung) mit der Kon­troll­grup­pe (hier nur die Fäl­le, wo auch zwi­schen 2010 und 2015 kein Hei­zungs­tausch statt­ge­fun­den hat, also auch vom ers­ten EWär­meG kein Effekt zu erwar­ten ist), so lie­gen die wesent­li­chen Unter­schie­de bei der Nut­zung von Brenn­wert­hei­zun­gen. Die­se wer­den von den Ver­pflich­te­ten wesent­lich häu­fi­ger genutzt als von den Befrag­ten der Kon­troll­grup­pe, die häu­fi­ger noch mit Nie­der­tem­pe­ra­tur­hei­zun­gen auf­war­ten. Ganz beson­ders ist der Effekt bei Gas-Brenn­wert­hei­zun­gen zu sehen. Der tat­säch­li­che Effekt dürf­te noch stär­ker sein, da davon aus­zu­ge­hen ist, dass bei den Gas- und Ölhei­zun­gen unbe­kann­ten Typs der Anteil von Brenn­wert­hei­zun­gen bei neu­en Hei­zun­gen deut­lich über den alten Sys­te­men lie­gen soll­te. Wei­te­re Abwei­chun­gen sind bei den Holz­hei­zun­gen zu sehen, die von den EWär­meG-Ver­pflich­te­ten häu­fi­ger genutzt wer­den. Eben­falls erkenn­bar ist die bereits ange­spro­che­ne sys­te­ma­ti­sche Ver­zer­rung bei Hei­zungs­sys­te­men, die von den Schorn­stein­fe­gern nicht unbe­dingt gemel­det wer­den. So fin­den sich Wär­me­pum­pen und Fern­wär­me­an­schlüs­se häu­fi­ger bei den Befrag­ten der Kon­troll­grup­pe, weil bei den EWär­meG-Ver­pflich­te­ten die Chan­ce dar­auf auf­grund der Beschrän­kun­gen im Adres­sa­ten­pool der Befra­gung gerin­ger ist.

Diagramm: Genutzte Heizungssysteme der EWärmeG-Verpflichteten im Vergleich zur Kontrollgruppe

Abbil­dung 5–3: Genutz­te Hei­zungs­sys­te­me der EWär­meG-Ver­pflich­te­ten im Ver­gleich zur Kon­troll­grup­pe (Quel­le: Befra­gung EWär­meG-Ver­pflich­te­te 2018, Befra­gung Kon­troll­grup­pe 2018)

Für die Wahl des Hei­zungs­sys­tems spie­len Kos­ten­er­wä­gun­gen (Anschaf­fungs­preis, Wirt­schaft­lich­keit der Anla­ge) und tech­ni­sche Erwä­gun­gen (ein­fa­che, siche­re, gut steu­er­ba­re Anla­gen) mit jeweils rund ein Drit­tel der Nen­nung etwa gleich­ran­gi­ge Rol­len. Umwelt­er­wä­gun­gen wer­den etwas sel­te­ner als Haupt­grund für die Ent­schei­dung genannt, sie spie­len aber zumin­dest für ein Vier­tel der Befrag­ten die wich­tigs­te Rol­le.

Rund 60 % der der befrag­ten EWär­meG-Ver­pflich­te­ten hat­ten im Vor­feld des Hei­zungs­tau­sches Kennt­nis über ver­schie­de­ne Erfül­lungs­op­tio­nen. Am bes­ten bekannt waren die Optio­nen Gebäu­de­däm­mung, Pho­to­vol­ta­ik, Solar­ther­mie, Bio­öl bzw. Bio­gas­an­tei­le am Brenn­stoff.

Diagramm: Welche Möglichkeiten, die Vorgaben des EWärmeG umzusetzen, waren Ihnen bereits bekannt?

Abbil­dung 5–4: Bekann­te Erfül­lungs­op­tio­nen (Quel­le: Befra­gung EWär­meG-Ver­pflich­te­te 2018)

Tat­säch­lich zur Erfül­lung der Anfor­de­run­gen des EWär­meG als Optio­nen genutzt2 wur­den von den Befrag­ten am häu­figs­ten Holz­hei­zun­gen (dar­un­ter knapp 40 % Zen­tral­hei­zun­gen und etwas über 60 % Holz-Zusatz­hei­zun­gen), Antei­le von Bio­öl bzw. Bio­gas am Brenn­stoff oder es wur­den Gebäu­de­dämm­maß­nah­men als Ersatz ange­rech­net. Aber auch alle ande­ren Erfül­lungs­op­tio­nen wer­den genutzt.

Diagramm: Anteil der genutzten Erfüllungsoptionen

Abbil­dung 5–5: Genutz­te Erfül­lungs­op­tio­nen der EWär­meG-Ver­pflich­te­ten (Quel­le: Befra­gung EWär­meG-Ver­pflich­te­te 2018).

Etwas mehr als zwei Drit­tel der Befrag­ten gaben an, Kom­bi­na­tio­nen von Erfül­lungs­op­tio­nen genutzt zu haben. Dar­un­ter waren 33 %, die eine Kom­bi­na­ti­on aus zwei Opti­on nen­nen und 35 % die drei oder mehr Optio­nen genutzt haben.

Im Ver­gleich zum Erfül­lungs­mix, der sich aus den Aus­wer­tun­gen der Mel­de­da­ten ergibt (vgl. 3.2.2), erge­ben sich höhe­re Antei­le der Solar­ther­mie und ähn­li­che Antei­le von fes­ter Bio­mas­se und Dämm­maß­nah­men. Deut­li­che nied­ri­ger sind die Antei­le von Wär­me­pum­pen, was an der bereits dis­ku­tier­ten Ver­zer­rung der Stich­pro­be liegt. Die Maß­nah­men­kom­bi­na­tio­nen las­sen sich auf­grund der Abfra­ge­me­tho­dik nicht ver­glei­chen.

Ein Teil der befrag­ten Haus­hal­te hat­te schon im Vor­feld der Hei­zungs­er­neue­rung Maß­nah­men durch­ge­führt, die im Rah­men des EWär­meG als Ersatz­maß­nah­men für Erfül­lungs­op­tio­nen anre­chen­bar waren. So war bei zwei Drit­teln der Haus­hal­te, die als Erfül­lungs­op­ti­on Pho­to­vol­ta­ik-Anla­gen nutz­ten, die­se schon vor dem Kes­sel­tausch vor­han­den. Bei den Haus­hal­ten, die Gebäu­de­däm­mung zur Erfül­lung der Anfor­de­run­gen des EWär­meG nutz­ten, waren sogar schon in 75 % der Fäl­le die Dämm­maß­nah­men schon vor dem Kes­sel­tausch durch­ge­führt wor­den. Letz­te­res ist auf­grund der rich­ti­gen Dimen­sio­nie­rung der neu­en Kes­sel natür­lich sehr sinn­voll. Bei der Betrach­tung der Wir­kun­gen des EWär­meG müs­sen die Effek­te die­ser Erfül­lungs­op­tio­nen ent­spre­chend kor­ri­giert wer­den.

Diagramm: Vor dem Heizungstausch umgesetzte Maßnahmen im EWärmeG

Abbil­dung 5–6: Genutz­te Erfül­lungs­op­tio­nen die bei den EWär­meG-Ver­pflich­te­ten schon vor­han­den waren (Quel­le: Befra­gung EWär­meG-Ver­pflich­te­te 2018)

Um ähn­li­che Effek­te für Solar­ther­mie, fes­te Bio­mas­se und Wär­me­pum­pen in ihrem Umfang beschrei­ben zu kön­nen, wur­den die vor der Erneue­rung bereits vor­han­de­nen (Zusatz)-Heizsysteme der EWär­meG-Ver­pflich­te­ten mit den nach Kes­sel­tausch genutz­ten ver­gli­chen. Dadurch las­sen sich fol­gen­de Antei­le schon vor dem Aus­lö­se­tat­be­stand vor­han­den Hei­zungs­sys­te­me quan­ti­fi­zie­ren:

Solar­ther­mie:

  • 160 Erfül­lungs­op­tio­nen
  • 38 von 160 hat­ten Solar­ther­mie als Zusatz­hei­zung vor der Erneue­rung

Fes­te Bio­mas­se:

  • Fes­te Bio­mas­se als Erfül­lungs­op­ti­on UND Heiz­sys­tem nach­her (ohne Kamin): 213
  • Bereits vor­han­den: 82

Wär­me­pum­pen:

  • Erfül­lungs­op­tio­nen: 49
  • Bereits vor­han­den: 7


Wäh­rend also bei der Nut­zung von Holz ähn­lich hohe Mit­nah­me­ef­fek­te auf­tre­ten wie bei Gebäu­de­däm­mung und Pho­to­vol­ta­ik, sind die Effek­te bei der Solar­ther­mie deut­lich nied­ri­ger. Die Zah­len der Wär­me­pum­pen und damit auch mög­li­che Mit­nah­me­ef­fek­te sind, wie bereits dis­ku­tiert, nur bedingt aus­sa­ge­kräf­tig.

Bera­tung Vier von fünf der befrag­ten EWär­meG-Ver­pflich­te­ten haben sich im Rah­men der Hei­zungs­er­neue­rung bera­ten las­sen. Am häu­figs­ten als Bera­ter genannt wur­den dabei Hand­werks­be­trie­be. Ande­re Bera­tungs­stel­len wie der Ener­gie­ver­sor­ger, die Stadt oder die Ver­brau­cher­zen­tra­le spie­len eine unter­ge­ord­ne­te Rol­le. Ein Ver­gleich mit der Kon­troll­grup­pe (Fra­ge: „Von wem wür­den Sie sich im Fal­le einer Hei­zungs­er­neue­rung bera­ten las­sen?“) zeigt, dass bei der Kon­troll­grup­pe die Kon­zen­tra­ti­on auf Hand­wer­ker als wich­tigs­te Quel­le zwar auch gege­ben ist, aber ande­re Infor­ma­ti­ons-Alter­na­ti­ven stär­ker aus­ge­prägt sind.

Diagramm: Beratung zur Heizungserneuerung

Abbil­dung 5–7: Genutz­te Bera­tung zur Hei­zungs­er­neue­rung (Quel­le: Befra­gung EWär­meG-Ver­pflich­te­te 2018, Befra­gung Kon­troll­grup­pe 2018)

Die Bera­tun­gen haben einen erheb­li­chen Ein­fluss auf die Wahl der neu­en Hei­zungs­sys­te­me. 44 % der Befrag­ten geben an, dass die Bera­tung den ent­schei­den­den Impuls (14 %) oder eine wich­ti­ge Hil­fe­stel­lung (30 %) geleis­tet hat, wei­te­re 40 % wei­sen der Bera­tung eine ergän­zen­de Hil­fe­stel­lung zu. Nur 15 % der Befrag­ten mei­nen, dass die Bera­tung kei­nen Ein­fluss auf ihre Wahl hat­te.

Wir­kun­gen des EWär­meG Das EWär­meG hat nach Aus­sa­ge der Befrag­ten EWär­meG-Ver­pflich­te­ten bei 22 % der Befrag­ten einen Ein­fluss auf die Wahl des Hei­zungs­sys­tems vor­han­den, über drei Vier­tel der Befrag­ten (76 %) ver­neint einen Effekt des Geset­zes auf die Wahl des Hei­zungs­sys­tems.

Diagramm: Hatte das EWärmeG einen Einfluss auf das gewählte Heizungssystem?

Abbil­dung 5–8: Ein­fluss des EWär­meG auf das gewähl­te Hei­zungs­sys­tem in % (n=503; Quel­le: Befra­gung EWär­meG-Ver­pflich­te­te 2018)

Die Letzt­ge­nann­ten wur­den im Anschluss zu den Grün­den befragt, war­um aus ihrer Sicht kein Ein­fluss vor­liegt. Dabei zeigt sich, dass rund ein Vier­tel bereits im Vor­feld der Hei­zungs­er­neue­rung die Anfor­de­run­gen des EWär­meG abge­deckt hat­ten. Die Mehr­heit (63 %) woll­te die letzt­lich genutz­te Hei­zungs­tech­nik ohne­hin wäh­len. Die­se Fra­ge bezieht sich aller­dings auf das Haupt­hei­zungs­sys­tem. Nicht davon erfasst wer­den u. a. die Erstel­lung des Sanie­rungs­fahr­plans oder der Bezug von Bio­öl oder Bio­me­than.

Diagramm: Warum hatte das EWärmeG keinen Einfluss auf das gewählte Heizungssystem?

Abbil­dung 5–9: Grün­de, war­um das EWär­meG kei­nen Ein­fluss auf die Wahl des Hei­zungs­sys­tem hat­te. (Fil­ter: Bera­te­ne die ange­ben, das EWär­meG habe kei­nen Ein­fluss auf die Wahl des Hei­zungs­sys­tems (n=382); Quel­le: Befra­gung EWär­meG-Ver­pflich­te­te 2018)

Durch den bereits geschil­der­ten Ein­fluss der Bera­tung (wenn in Anspruch genom­men) auf die Wahl des Hei­zungs­sys­tems kann zudem indi­rekt ein höhe­rer Ein­fluss des EWär­meG vor­lie­gen, wenn die Bera­ter sach­ge­mäß die Erfül­lungs­op­tio­nen bei der Bera­tung mit beden­ken und damit impli­zit das EWär­meG vor­weg­ge­nom­men haben. Die­ser Effekt kann aber anhand der Daten nicht genau quan­ti­fi­ziert wer­den.

83 % der Befrag­ten weist dem EWär­meG kei­nen Ein­fluss auf ihre Ent­schei­dung zu, zu wel­chem Zeit­punkt die Hei­zungs­er­neue­rung durch­ge­führt wur­de. Nur knapp unter 10 % der Befrag­ten hat die Erneue­rung vor­ge­zo­gen. Ein Atten­tis­mus, also das Her­aus­zö­gern einer an sich not­wen­di­gen Hei­zungs­er­neue­rung auf­grund des EWär­meG, ergibt sich aus der Befra­gung der EWär­meG-Ver­pflich­te­ten nicht (2 %).

Diagramm: Hatte das EWärmeG Einfluss auf den Zeitpunkt der Heizungserneuerung?

Abbil­dung 5–10: Ein­fluss des EWär­meG auf den Zeit­punkt der Hei­zungs­er­neue­rung (Quel­le: Befra­gung EWär­meG-Ver­pflich­te­te 2018)

Mit Hil­fe der Kon­troll­grup­pe kann die Aus­sa­ge der EWär­meG-Ver­pflich­te­ten nur ein­ge­schränkt abge­gli­chen wer­den. Zwar wur­de die Fra­ge der Kon­troll­grup­pe vor­ge­legt, aller­dings aus metho­di­schen Grün­den mit zwei wesent­li­chen Fil­tern. Die Befrag­ten muss­ten das EWär­meG ken­nen und zudem einen Aus­tausch der Hei­zung in den nächs­ten zwei Jah­ren geplant haben. Vor allem die­ser letz­te Fil­ter schränkt die Fall­zahl stark ein (n=24). Er wur­de den­noch gewählt, da die Befrag­ten in der Kon­troll­grup­pe, die zwi­schen 2010 und 2015 ihre Hei­zung aus­ge­tauscht hat­ten, eben­falls unter dem Ein­fluss des (ers­ten) EWär­meG stan­den. Eine drit­te als Kon­troll­grup­pe denk­ba­re Grup­pe von Haus­hal­ten, die nicht zu den EWär­meG-Ver­pflich­te­ten gehö­ren, aber der­zeit (seit 2010) einen Hei­zungs­tausch hin­aus­zö­gern und auch noch nicht pla­nen, hät­te nur durch eine zusätz­li­che Befra­gung ermit­telt wer­den kön­nen. In Hin­blick auf die Schwie­rig­kei­ten bei der Ermitt­lung (auf­grund der erwart­bar gerin­gen Fall­zahl) wur­de im Rah­men die­ser Stu­die dar­auf ver­zich­tet.

Betrach­tet man die Per­so­nen der Kon­troll­grup­pe, die einen Aus­tausch pla­nen, so erge­ben sich weit­ge­hend ver­gleich­ba­re Aus­sa­gen zu denen der EWär­meG-Ver­pflich­te­ten. Die Pro­zent­an­ga­ben im Detail sind auf­grund der nied­ri­gen Fall­zah­len zwar nur ein­ge­schränkt aus­sa­ge­kräf­tig, von der Ten­denz aber nutz­bar: 75 % der Befrag­ten der Kon­troll­grup­pe ver­nei­nen einen Ein­fluss des EWär­meG auf das das gewähl­te Hei­zungs­sys­tem. Die Hälf­te die­ser Befrag­ten wird das ohne­hin gewähl­te Hei­zungs­sys­tem instal­lie­ren. Rund ein Drit­tel hat die Anfor­de­run­gen des EWär­meG bereits erfüllt. 80 % der Befrag­ten der Kon­troll­grup­pe geben an, dass das EWär­meG auch kei­nen Ein­fluss auf den Zeit­punkt der Erneue­rung hat. Unter den rest­li­chen 20 % sagen etwa die Hälf­te, dass sie die Hei­zungs­er­neue­rung vor­zie­hen wol­len, die ande­re Hälf­te zögert die Erneue­rung hin­aus. In die­ser Grup­pe ist ein Atten­tis­mus also etwas aus­ge­präg­ter vor­han­den als bei den befrag­ten EWär­meG-Ver­pflich­te­ten. In Anbe­tracht der gerin­gen Fall­zah­len lässt sich aber auch aus der Kon­troll­grup­pen­un­ter­su­chung kein deut­li­cher Hin­weis auf ver­brei­te­ten Atten­tis­mus ablei­ten. Außer­dem ist die eben­so gro­ße Grup­pe gegen­zu­rech­nen, die die Hei­zungs­er­neue­rung sogar vor­zie­hen wol­len.

Erneuerbare Energien und EWärmeG aus Sicht der Heizungsbauer

5.2.1 Befragungskonzept und empirische Gesamtheit

Im Rah­men des vom Umwelt­mi­nis­te­ri­um Baden-Würt­tem­berg geför­der­ten und von ifeu in Koope­ra­ti­on mit wei­te­ren Pro­jekt­part­nern – iTB, IÖW und Fraun­ho­fer FIT – durch­ge­führ­ten Pro­jek­tes „c.HANGE – Hand­werk als Gestal­ter der Ener­gie­wen­de“ wur­den in Zusam­men­ar­beit mit dem Fach­ver­band SHK im Zeit­raum zwi­schen Sep­tem­ber 2017 und Janu­ar 2018 ca. 3.600 Hei­zungs­hand­wer­ker zur Teil­nah­me an der Online-Befra­gung auf­ge­ru­fen. Ins­ge­samt 152 Betrie­be haben an der Befra­gung teil­ge­nom­men, was einem Rück­lauf von 4 % ent­spricht. Wegen der gerin­gen Rück­lauf­quo­te von nur 4 % kann die SHK-Hand­wer­ker­um­fra­ge nicht als reprä­sen­ta­tiv gel­ten. Den­noch kann davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass aus der Umfra­ge wenigs­tens die Ten­den­zen rich­tig abge­lei­tet wer­den kön­nen. Das EWär­meG wird in der Umfra­ge nur aus der Sicht des SHK-Hand­werks beur­teilt. Die im EWär­meG vor­ge­se­he­nen bau­li­chen Erfül­lungs­op­tio­nen wer­den nicht erwähnt. Auch die Aus­wei­tung der Ver­pflich­tung zur Nut­zung erneu­er­ba­rer Ener­gien auf NWG im „neu­en“ EWär­meG bleibt unbe­rück­sich­tigt. Der Fokus der befrag­ten Hand­wer­ker liegt auf den erneu­er­ba­ren Ener­gien und hier ins­be­son­de­re auf der Solar­ther­mie.

Die beant­wor­te­ten Fra­ge­bö­gen wur­den in 89 % der Fäl­le vom Geschäfts­füh­rer bzw. die Geschäfts­füh­re­rin aus­ge­füllt. Die Mehr­heit (63 %) der Aus­fül­len­den ist über 50 Jah­re, 34 % sind zwi­schen 30 und 50 Jah­ren alt und nur 3 % zäh­len zu den unter 30-Jäh­ri­gen. Anhand der Zahl der Mit­ar­bei­ter kann auf die Grö­ße des Betriebs geschlos­sen wer­den. Zum Befra­gungs­zeit­punkt waren durch­schnitt­lich elf Mit­ar­bei­ter im Betrieb der befrag­ten SHK-Hand­werks­be­trie­be beschäf­tigt. Mit durch­schnitt­lich ca. sie­ben bzw. drei Mit­ar­bei­tern stel­len Fach­kräf­te und Azu­bis die am häu­figs­ten ver­tre­te­ne Mit­ar­bei­ter­po­si­ti­on in der Stich­pro­be dar. 60 % der teil­neh­men­den Betrie­be haben Aus­kunft über die Höhe ihres Jah­res­um­sat­zes gemacht. Für das Jahr 2016 geben über die Hälf­te (52 %) einen Umsatz von über einer Mil­li­on Euro an. Die­sen erwirt­schaf­ten sie haupt­säch­lich im regio­na­len Umkreis (unter 50 km) mit Pri­vat­kun­den im Gebäu­de­be­stand.

5.2.2 Untersuchungsergebnisse

Grund­sätz­lich wird erneu­er­ba­ren Ener­gien von der gro­ßen Mehr­heit (86 %) ein mitt­le­res bis gro­ßes wirt­schaft­li­ches Poten­zi­al für den eige­nen Betrieb zuge­schrie­ben. Die Ein­schät­zung des Stel­len­wer­tes von EE ist im Ver­lauf der letz­ten fünf Jah­ren gestie­gen. Mehr als die Hälf­te (53 %) der von den ant­wor­ten­den Betrie­ben instal­lier­ten Hei­zungs­an­la­gen nutzt EE.

Aus­führ­lich wird auf Sor­gen und Hemm­nis­se bezüg­lich inno­va­ti­ver Hei­zungs­tech­no­lo­gien hin­ge­wie­sen. Die meis­ten Beden­ken wer­den bei Block­heiz­kraft­wer­ken ange­merkt, danach fol­gen Bio­mas­se­an­la­gen und mit gro­ßem Abstand Wär­me­pum­pen und Solar­ther­mie. Auf die Fra­ge, wel­che Rah­men­be­din­gun­gen sich ändern müss­ten, damit die SHK-Betrie­be mehr EE-Anla­gen ein­bau­en kön­nen, ant­wor­tet über die Hälf­te (63 %) der Befrag­ten mit der Not­wen­dig­keit einer ver­ein­fach­ten För­de­rung bzw. einer Prä­mie für den Hand­werks­be­trieb. Die Hälf­te (51 %) der Betrie­be wünscht sich zudem eine höhe­re För­de­rung für End­kun­den. Aus den offe­nen Nen­nun­gen geht zudem her­vor, dass ein „Büro­kra­tie­ab­bau“ not­wen­dig wäre und dass Pflich­ten und Geset­ze eher hem­mend wir­ken.

Die Mit­ar­bei­ter-Ebe­ne, auf der vor­nehm­lich Bera­tungs­ge­sprä­che zu EE mit End­kun­den geführt wer­den, ist die­je­ni­ge mit Füh­rungs­ver­ant­wor­tung. 89 % der Befrag­ten gibt an, die Wei­ter­bil­dung als Infor­ma­ti­ons­quel­le für die Bera­tung zu EE zu nut­zen, gefolgt von Fach­zeit­schrif­ten (69 %) und Her­stel­ler­in­for­ma­tio­nen (67 %). Nach Ein­schät­zung der befrag­ten Hand­wer­ker wün­schen sich die Hei­zungs­kun­den im Bera­tungs­ge­spräch eine indi­vi­du­el­le Bera­tung (89 %) und/oder eine Bera­tung zur Wirt­schaft­lich­keit (80 %). Als The­men im Bera­tungs­ge­spräch wer­den die Erfül­lung gesetz­li­cher Auf­la­gen (92 %), Kos­ten und Wirt­schaft­lich­keit (78 %), Zuver­läs­sig­keit der Tech­no­lo­gie (74 %) und/oder Erfah­rung des Hand­wer­kers mit Tech­no­lo­gien (74 %) genannt. Der Aspekt „Kon­kre­te Prä­fe­ren­zen der Kund/innen“ wur­de dage­gen nur in 40 % der Bera­tungs­ge­sprä­che the­ma­ti­siert. Die gro­ße Dis­kre­panz zu dem Kun­den­wunsch nach indi­vi­du­el­ler Bera­tung deu­tet auf Ver­bes­se­rungs­mög­lich­kei­ten in den Bera­tungs­ge­sprä­chen hin. Der Ein­satz digi­ta­ler Hilfs­mit­tel beginnt sich aus­zu­brei­ten: 88 % spre­chen digi­ta­len Pro­duk­ten bzw. inno­va­ti­ven Dienst­leis­tun­gen eine hohe Rele­vanz zu und 51 % nut­zen bereits digi­ta­le Pro­duk­te und Dienst­leis­tun­gen im Bera­tungs­ge­spräch. 59 % der Betrie­be führt Wer­be­maß­nah­men zuguns­ten von EE durch, vor­ran­gig zu Solar­an­la­gen (inkl. Pho­to­vol­ta­ik). Die 41 % der Befrag­ten, die kei­ne Wer­bungs­maß­nah­men durch­füh­ren, ver­wei­sen häu­fig auf vol­le Auf­trags­bü­cher.

In Bezug auf das EWär­meG füh­len sich 73 % hin­rei­chend infor­miert. Die Bewer­tung des Geset­zes fällt mehr­heit­lich nega­tiv aus (66 % nega­tiv, 18 % posi­tiv). Bei den inno­va­ti­ven Betrie­ben3 fällt dabei die Zustim­mung zum EWär­meG dop­pelt so hoch aus wie bei den nicht inno­va­ti­ven. Die Aus­wir­kun­gen des Geset­zes auf den End­kun­den wer­den von den befrag­ten Betrie­ben zum Groß­teil in einem Moder­ni­sie­rungs­stau gese­hen: die Hei­zungs­kun­den ver­zö­gern den Aus­tausch (91 %) und zie­hen eine Repa­ra­tur dem Hei­zungs­tausch vor (86 %). Hier ergibt sich ein kla­rer Wider­spruch zum Befund der Bevöl­ke­rungs­be­fra­gung, die kei­nen Atten­tis­mus iden­ti­fi­zier­te.

15 % der Hei­zungs­bau­er sind der Ansicht, dass wegen des EWär­meG mehr EE instal­liert wer­den. Aller­dings wür­den nur 18 % das EWär­meG abschaf­fen. Eine Mehr­heit von 53 % plä­diert für eine Modi­fi­ka­ti­on (z.B. Aus­wei­tung des Gel­tungs­be­reichs des EWär­meG auf ganz Deutsch­land).

Bei meh­re­ren Fra­gen mit Bezug zum EWär­meG waren offe­ne, frei for­mu­lier­te Ant­wor­ten mög­lich. Tabel­le 5–1 gibt davon eine infor­ma­ti­ve Aus­wahl wie­der. Häu­fig wird in die­sen Nen­nun­gen auf die Solar­ther­mie Bezug genom­men. Solar­ther­mie war die Anker­tech­no­lo­gie im „alten“ EWär­meG. Dies scheint noch nach­zu­wir­ken. Ersatz­maß­nah­men oder bau­li­che Erfül­lungs­op­tio­nen wer­den dage­gen kaum oder gar nicht erwähnt. Die Tabel­le ist in die vier Aspek­te „Grund­sätz­li­che Ein­schät­zung“, „Atten­tis­mus“, „Aus­ge­stal­tung der Nut­zungs­pflicht im Detail“ und „Kom­mu­ni­ka­ti­on und Bera­tung“ unter­glie­dert.

Grund­sätz­lich wird in den frei­en Nen­nun­gen die Ziel­rich­tung des EWär­meG begrüßt. Meist wird aber kri­ti­siert, dass durch das Gesetz Zwang auf die Kun­den aus­ge­übt wird. Ver­schär­fend kommt hin­zu, dass die­ser Zwang nur den Bür­gern in Baden-Würt­tem­berg auf­er­legt ist. Im Detail wird beson­ders die Erhö­hung der Anfor­de­run­gen an den sola­ren Deckungs­an­teil von 10 % auf 15 % im „neu­en“ EWär­meG kri­ti­siert. Als Bei­spiel häu­fig genannt wer­den älte­re Ehe­paa­re, denen eine für sie viel zu gro­ße Solar­an­la­ge „auf­ge­zwun­gen“ wer­de. Je nach Ein­stel­lung der Hei­zungs­bau­er wird ange­merkt, dass es ver­gleichs­wei­se bil­li­ge Erfül­lungs­op­tio­nen gebe, wie etwa die als Erfül­lungs­op­ti­on zuge­las­se­ne Kom­bi­na­ti­on von Bio­erd­gas mit einem Sanie­rungs­fahr­plan.

AspektZitat
Grund­sätz­li­che Ein­schät­zungPrin­zi­pi­ell ist das Gesetz in Ord­nung. Das Gesetz ist zu kom­pli­ziert auf­ge­baut. Einem End­kun­den ist sehr schwer zu erklä­ren, was er zu erfül­len hat und was er für Optio­nen hat. (…) 80–90 Pro­zent der Kun­den haben noch nie etwas dar­über gehört und füh­len sich bei der ers­ten Bera­tung über­fah­ren. Das EWär­meG ist gut gemeint und for­dert eigent­lich sinn­vol­le und not­wen­di­ge Stan­dards. Wenn man aber selbst­be­wuss­te, mün­di­ge Bür­ger zu etwas zwingt, pro­vo­ziert man Wider­stand. Über Umwelt­schutz und nach­hal­ti­gen Umgang mit Res­sour­cen kann nicht immer nur gere­det wer­den. Frei­wil­lig tut kaum jemand was. Daher hal­te ich sol­che Art von Geset­zen für wich­tig. Die gesetz­li­che Ver­pflich­tung hemmt Kun­den. Wer muss, will nicht! Mehr­wert für das Hand­werk Die Rege­lung BW soll­te deutsch­land­weit über­nom­men wer­den. Das wür­de die Akzep­tanz bei den Kun­den deut­lich erhö­hen.
Atten­tis­musDie Repa­ra­tur­quo­te alter Hei­zun­gen wird immer höher. Erneu­er­ba­re Ener­gien grund­sätz­lich sind ja eine fei­ne Sache, aber ein­fach umständ­lich, jedes Mal den Kun­den das zu erklä­ren, wel­che Mög­lich­kei­ten der Erfül­lung das es gibt. Bes­ser der Kun­de tauscht sei­nen alten NT-Ölkes­sel gegen einen Brenn­wert­kes­sel, als dass er kei­nen Kes­sel tauscht, weil er noch eine Solar­an­la­ge instal­lie­ren muss.
Aus­ge­stal­tung der Nut­zungs­pflicht im DetailBei­spiel: Älte­res Ehe­paar (70+) bewohnt 240 m², Wär­me­pum­pe macht kei­nen Sinn (Heiz­kör­per mit hohen Vor­lauf­tem­pe­ra­tu­ren), Pel­lets schafft das Ehe­paar kör­per­lich nicht und die Solar­an­la­ge muss so groß sein, dass die Nach­bars links und rechts mit­du­schen kön­nen. Vor­ga­ben zu hoch, Bsp. Solar Die Anfor­de­run­gen EWär­meG 2008 waren pas­send und rea­li­sier­bar. Um 2015 zu erfül­len, fehlt es an Nie­der­tem­pe­ra­tur­sys­te­men, Räum­lich­kei­ten, Dach­flä­che, etc… Ech­te Ener­gie­ver­schwen­der, näm­lich Eta­gen­hei­zun­gen und Kachel­ofen­ein­sät­ze mit fos­si­len Brenn­stof­fen, blei­ben außen vor. Beim häu­fi­gen Ein­satz von Bioöl/Biogas pro­fi­tie­ren nur die Ener­gie­lie­fe­ran­ten. Öko­lo­gie frag­wür­dig.
Kom­mu­ni­ka­ti­on und Bera­tungDurch unse­re grenz­na­he Lage zu Bay­ern herrscht beim Kun­den oft Unverständnis/Unmut vor den höhe­ren Kos­ten. Wir als Betrieb haben einen höhe­ren Bera­tungs­auf­wand und mit den Anträgen/Formularen einen zeit­li­chen Mehr­auf­wand. Der SHK-Hand­wer­ker ist der­je­ni­ge, der rund um das Gesetz berät, aber der Ener­gie­be­ra­ter macht spä­ter den Sanie­rungs­fahr­plan und der Gas­lie­fe­rant lie­fert Bio­erd­gas.…

Tabel­le 5–1: Bei­spiel­haf­te Zita­te der befrag­ten Hand­wer­ker zum EWär­meG

Zu den wich­ti­gen Modi­fi­ka­tio­nen gehö­ren gemäß den frei for­mu­lier­ten Ant­wor­ten der Betrie­be eine Aus­wei­tung des baden-würt­tem­ber­gi­schen EWär­meG auf ganz Deutsch­land, eine Rück­nah­me der in der neu­en Fas­sung des EWär­meG ver­schärf­ten Anfor­de­rung an den Deckungs­an­teil von Solar­an­la­gen sowie eine Schlie­ßung von Erfül­lungs­op­tio­nen, die eine bil­li­ge Geset­zes­er­fül­lung zu Las­ten des Hand­werks ermög­li­chen. Auch dass die Zustim­mung von inno­va­ti­ven Betrie­ben zum EWär­meG dop­pelt so hoch ist wie bei nicht inno­va­ti­ven Betrie­ben, kann als Rela­ti­vie­rung der Ableh­nung ver­stan­den wer­den.

Kri­tik gibt es, weil von den aus­schließ­lich in Baden-Würt­tem­berg befrag­ten Hand­werks­be­trie­ben seit Inkraft­tre­ten des EWär­meG nach eige­nen Anga­ben weni­ger EE-Anla­gen (ins­be­son­de­re solar­ther­mi­sche Anla­gen) als zuvor instal­liert wur­den. Die baden-würt­tem­ber­gi­schen Hand­wer­ker suchen die Ursa­che hier­für im EWär­meG (53 %). Es steht zu ver­mu­ten, dass es sich hier um eine Fehl­ein­schät­zung han­delt: Auch in den übri­gen Bun­des­län­dern ging die Nach­fra­ge nach EE zurück. Im Jahr vor dem Wirk­sam­wer­den des EWär­meG (also im Jahr 2009) wur­den bun­des­weit noch 150.000 solar­ther­mi­sche Anla­gen mit einer Kol­lek­tor­flä­che von 1,55 Mio. m² instal­liert. Im Jahr vor der Befra­gung (also 2016) nur noch 93.000 Anla­gen mit einer Flä­che von 0,74 Mio. m² (Quel­le: Fak­ten­blät­ter des BSW). In Baden-Würt­tem­berg ging dabei die Nach­fra­ge nach EE lang­sa­mer zurück als in den übri­gen Bun­des­län­dern. Aus der Hand­wer­ker­be­fra­gung erge­ben sich aus den frei­en Ant­wor­ten der Betrie­be zusätz­lich noch fol­gen­de Anre­gun­gen für eine Modi­fi­ka­ti­on des EWär­meG:

  • Erfül­lungs­op­tio­nen kri­tisch über­prü­fen (ins­be­son­de­re Erfül­lungs­op­tio­nen, die kei­ne Inves­ti­tio­nen erfor­dern)
  • Akzep­tanz­pro­ble­me bear­bei­ten (ins­be­son­de­re bei Rent­nern, die wei­ter­hin in ihren gro­ßen, fami­li­en­ge­rech­ten Eigen­hei­men woh­nen blei­ben, obwohl die Kin­der inzwi­schen an ande­ren Orten woh­nen).

Erneuerbare Energien und EWärmeG aus Sicht der Schornsteinfeger

Die Befra­gung von Schorn­stein­fe­gern hat für die Eva­lua­ti­on zwei wesent­li­che Grün­de. Ers­tens neh­men Schorn­stein­fe­ger eine wich­ti­ge Mitt­ler­funk­ti­on ein und haben über die Nähe zu den Haus­hal­ten und die oft lan­gen gewach­se­nen Ver­trau­ens­ver­hält­nis­se sowie ihre Bera­tungs­tä­tig­keit erheb­li­chen Ein­fluss auf die Sanie­rungs­ent­schei­dun­gen in der Hei­zungs­tech­nik. Zum ande­ren haben Schorn­stein­fe­ger gro­ße Bedeu­tung für das Mel­de­we­sen beim EWär­meG. Wie bereits in Kapi­tel 3.1 gezeigt gibt es bei der Hei­zungs­sta­tis­tik gewis­se Unschär­fen und die ein­zel­nen Daten­quel­len ent­spre­chen sich nicht durch­ge­hend. Über die Befra­gung der Schorn­stein­fe­ger soll­ten eini­ge die­ser Unschär­fen mög­lichst geklärt wer­den.

5.3.1 Befragungskonzept und empirische Gesamtheit

Die Unter­su­chung wur­de als Online-Befra­gung kon­zi­piert. In Koope­ra­ti­on mit dem Lan­des­in­nungs­ver­band des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks Baden-Würt­tem­berg (LIV) wur­de zunächst ein Fra­ge­bo­gen ent­wi­ckelt und dann mit Hil­fe der Soft­ware Lime­S­ur­vey auf dem Web­ser­ver des ifeu auf­ge­setzt. Der Ver­sand der Teil­nah­me­ein­la­dun­gen erfolg­te per Mail über den LIV an rund 900 Betrie­be. Dabei ergab sich ein erfreu­lich hoher Rück­lauf von 250 voll nutz­ba­ren Ant­wor­ten.

5.3.2 Untersuchungsergebnisse

Vie­le Schorn­stein­fe­ger ste­hen Hei­zungs­sys­te­men auf Basis von erneu­er­ba­ren Ener­gien auf­ge­schlos­sen gegen­über. Über zwei Drit­tel der Befrag­ten fin­den sol­che Sys­te­me sehr emp­feh­lens­wert (19 %) oder emp­feh­lens­wert (50 %), ledig­lich 2 % der Schorn­stein­fe­ger kön­nen sie nicht emp­feh­len. Außer­dem gehen sie von einer deut­li­chen Erhö­hung des Stel­len­werts von erneu­er­ba­ren Ener­gien aus. Drei Vier­tel der befrag­ten Schorn­stein­fe­ger rech­nen damit, dass sich der Stel­len­wert deut­lich erhö­hen (12 %) oder erhö­hen (61 %) wird, nur zwei Pro­zent rech­nen mit einem Rück­gang der Bedeu­tung. Mit den Ent­wick­lun­gen der Hei­zungs­tech­nik wird sich nach Mei­nung von rund 80 % der Schorn­stein­fe­ger auch ihr Berufs­bild deut­lich ver­än­dern.

Diagramm: Wird sich das Berufsbild des Schornsteinfegers durch erneuerbare Energien verändern?

Abbil­dung 5–11: Ände­rung des Berufs­bilds des Schorn­stein­fe­gers durch erneu­er­ba­re Ener­gien (Quel­le: Befra­gung Schorn­stein­fe­ger 2018)

Das EWär­meG als Ele­ment der Ver­än­de­run­gen wird von den Schorn­stein­fe­gern unein­heit­lich bewer­tet. Ableh­nen­de Stim­men über­wie­gen die posi­ti­ven Beur­tei­lun­gen leicht, die größ­te Grup­pe der Schorn­stein­fe­ger nimmt aber eine neu­tra­le Hal­tung gegen­über dem Gesetz ein.

Diagramm: Wie bewerten Sie das EWärmeG?

Abbil­dung 5–12: Bewer­tung des EWär­meG durch Schorn­stein­fe­ger (Quel­le: Befra­gung Schorn­stein­fe­ger 2018)

Nach den bestimm­ten Fol­gen für ihre Kun­den befragt stim­men die Schorn­stein­fe­ger jeweils mit deut­li­chen Mehr­hei­ten von 80 % den Aus­sa­gen zu, dass Kun­den mit dem Aus­tausch des Kes­sels zögern und sie ihn ver­mehrt repa­rie­ren, statt den Kes­sel zu tau­schen. Auch hier ergibt sich ein von der End­kun­den­be­fra­gung abwei­chen­des Bild.

Nach Mei­nung der Befrag­ten fra­gen die Kun­den ver­mehrt nach erneu­er­ba­ren Ener­gien. 23 % der Schorn­stein­fe­ger stimmt voll und ganz oder eher der Aus­sa­ge zu, dass Kun­den beim Hei­zungs­tausch höhe­re EE-Antei­le instal­lie­ren.

Diagramm: Welche Folgen hat dieses Gesetz Ihrer Einschätzung nach für Ihre Kunden?

Abbil­dung 5–13: Fol­gen des EWär­meG für Kun­den nach Ein­schät­zung der Schorn­stein­fe­ger (Quel­le: Befra­gung Schorn­stein­fe­ger 2018)

Wäh­rend sich die Aus­sa­gen zum Atten­tis­mus nicht durch die Befra­gung von Haus­hal­ten, die dem EWär­meG ver­pflich­tet waren, unter­mau­ern las­sen (dort wird dem EWär­meG nur ein sehr gerin­ger Effekt auf den Zeit­punkt des Kes­sel­tauschs zuge­wie­sen), stützt die empi­ri­sche Ana­ly­se des Hei­zungs­mark­tes den Ein­druck der Schorn­stein­fe­ger, dass die Net­to-Zubau-Effek­te ein biss­chen gerin­ger aus­fal­len.

Die Bekannt­heit des EWär­meG beim Kun­den wird von den Schorn­stein­fe­gern nicht als Pro­blem ange­se­hen. Die Hälf­te der Befrag­ten sieht eine gute Bekannt­heit, wei­te­re 33 % eine mitt­le­re Bekannt­heit des Geset­zes bei den Haus­hal­ten, 16 % gehen von einer gerin­gen Bekannt­heit aus. Auch der Umset­zungs­grad wird weit­ge­hend posi­tiv genannt. Über die Hälf­te der Schorn­stein­fe­ger beob­ach­tet eine häu­fi­ge Umset­zung des EWär­meG, nur 10 % der Befrag­ten gehen von einer gerin­gen Umset­zung aus.

Diagramm: Wie schätzen Sie die Umsetzung des EWärmeG in der Praxis ein?

Abbil­dung 5–14: Grad der Umset­zung des EWär­meG in der Pra­xis (Quel­le: Befra­gung Schorn­stein­fe­ger 2018)

Die Anspra­che des EWär­meG gehört zum All­tag der Schorn­stein­fe­ger, zwei Drit­tel der Befrag­ten spre­chen das The­ma regel­mä­ßig an, das ver­blei­ben­de Drit­tel nur bei einem kon­kre­ten Anlass. Die­se Zah­len decken sich mit der all­ge­mei­nen Bera­tungs­tä­tig­keit der Schorn­stein­fe­ger zum Hei­zungs­tech­nik: 70 % der Befrag­ten gibt an, dazu regel­mä­ßig zu bera­ten, 30 % bera­ten nur auf Anfra­ge der Kun­den. Durch das EWär­meG hat sich aber nach Ansicht der Schorn­stein­fe­ger ihr Bera­tungs­auf­wand erhöht, dar­in sind sich 96 % der Befrag­ten einig. Wenn zum The­ma bera­ten wird, emp­feh­len die wei­ter über­wie­gen­de Mehr­heit der befrag­ten Schorn­stein­fe­ger den Ein­satz erneu­er­ba­rer Ener­gien immer (40 %) oder meis­tens (55 %).

Das EWär­meG ver­pflich­tet die Bezirks­schorn­stein­fe­ger, den Aus­tausch einer Hei­zungs­an­la­ge den zustän­di­gen Behör­den zu mel­den. Dabei wer­den nach Anga­ben der Schorn­stein­fe­ger von den Behör­den zumeist Mel­dun­gen über eine elek­tro­ni­sche Schnitt­stel­le des Kehr­buchs (57 %), in sel­te­ne­ren Fäl­len auch Mel­dun­gen per Mail (21 %) oder schrift­lich z. B. per Fax (11 %) ver­langt. Jeder zehn­te Befrag­te gibt an, dass die Behör­de meh­re­re Mel­de­we­ge eröff­net. Ins­ge­samt spie­geln die Mög­lich­kei­ten der Mel­dung auch die Vor­lie­ben der Schorn­stein­fe­ger. Sie befür­wor­ten eben­falls mit einer Mehr­heit die Nut­zung einer Schnitt­stel­le (61 %), sel­te­ner die Mel­dung per Mail (26 %) oder in schrift­li­cher Form (10 %). Der Auf­wand für die Mel­dung wird unein­heit­lich ein­ge­schätzt: Die meis­ten befrag­ten Schorn­stein­fe­ger emp­fin­den nur einen gerin­gen (42 %) oder mitt­le­ren (40 %) Auf­wand, für 17 % ist der Auf­wand hoch. Dabei spie­len die zeit­li­chen Fris­ten aller­dings nur eine gerin­ge Rol­le. Für 80 % der Befrag­ten ist die Frist von drei Mona­ten prak­ti­ka­bel, für 16 % nicht aus­rei­chend.

Um Fra­gen zu Unter­schie­den zwi­schen den ver­schie­de­nen sta­tis­ti­schen Grund­la­gen zum Hei­zungs­markt zu klä­ren, wur­den die Schorn­stein­fe­ger zum Vor­ge­hen befragt, wenn ein Heiz­kes­sel still­ge­legt wird und die neue Heiz­an­la­ge von den Schorn­stein­fe­gern nicht abge­nom­men wer­den muss (z. B. im Fal­le einer Wär­me­pum­pe).

Diagramm: Wie gehen Sie vor, wenn ein Heizkessel stillgelegt wird und die neue Heizanlage von Ihnen nicht angenommen werden muss (z.B. im Falle einer Wärmepumpe)?

Abbil­dung 5–15: Vor­ge­hen, wenn eine neue Heiz­an­la­ge nicht abge­nom­men wer­den muss (Quel­le: Befra­gung Schorn­stein­fe­ger 2018)

Es zeigt sich, dass tat­säch­lich nur in einem klei­nen Teil die­ser Fäl­le eine Mel­dung erfolgt. Mit die­ser Aus­sa­ge erhär­tet sich die Ver­mu­tung, dass bestimm­te Hei­zungs­sys­te­me, ins­be­son­de­re Wär­me­pum­pen, in den Mel­de­zah­len der Schorn­stein­fe­ger nach §22 EWär­meG Schorn­stein­fe­ger­sta­tis­tik unter­re­prä­sen­tiert sind.

Erneuerbare Energien und EWärmeG aus Sicht der Wohnungsgesellschaften

5.4.1 Befragungskonzept und empirische Gesamtheit

Um ein tie­fe­res Ver­ständ­nis für die beson­de­re Situa­ti­on von Woh­nungs- und Immo­bi­li­en­ge­sell­schaf­ten zu gewin­nen, wur­de in Koope­ra­ti­on mit dem vbw Ver­band baden-würt­tem­ber­gi­scher Woh­nungs- und Immo­bi­li­en­un­ter­neh­men e.V. eine Befra­gung durch­ge­führt, an der sich 50 Woh­nungs- und Immo­bi­li­en­ge­sell­schaf­ten betei­lig­ten. Dazu wur­de zunächst ein Fra­ge­bo­gen ent­wi­ckelt und dann mit Hil­fe der Soft­ware Lime­S­ur­vey auf dem Web­ser­ver des ifeu auf­ge­setzt. Der Ver­sand der Teil­nah­me­ein­la­dun­gen erfolg­te per Mail über den vbw an sei­ne Mit­glie­der-Betrie­be.

Die teil­neh­men­den Gesell­schaf­ten besit­zen im Durch­schnitt jeweils rund 250 Gebäu­de mit ins­ge­samt knapp 2.000 Woh­nun­gen. 63 % der Unter­neh­men sind als Genos­sen­schaf­ten orga­ni­siert, 27 % sind kom­mu­na­le und 10 % pri­vat­wirt­schaft­li­che Woh­nungs­un­ter­neh­men.

5.4.2 Untersuchungsergebnisse

Die befrag­ten Unter­neh­men gaben an, im Zeit­raum des ers­ten EWär­meG zwi­schen 2010 und 1. Juli 2015 rund 15 % ihres Hei­zungs­be­stan­des aus­ge­tauscht zu haben. Seit dem 1. Juli 2015 wur­den wei­te­re 9 % aus­ge­tauscht. Das ent­spricht jeweils jähr­li­chen Aus­tauschra­ten um 3 %, wobei eine Ver­än­de­rung zwi­schen der Pha­se des ers­ten und des zwei­ten EWär­meG nicht fest­ge­stellt wer­den kann.

Auf die Fra­ge, wel­che Grün­de für die Hei­zungs­er­neue­rung ent­schei­dend waren, ant­wor­ten die befrag­ten Unter­neh­men damit, dass die Hei­zung ent­we­der aus Alters- und Effi­zi­enz­grün­den aus­ge­tauscht wur­de oder ein tech­ni­scher Defekt vor­lag. Auf die Wahl des Ener­gie­trä­gers und der Heiz­tech­nik haben nach Anga­ben der Befrag­ten vor allem Kos­ten­er­wä­gun­gen einen Ein­fluss. Gewählt wird die wirt­schaft­lichs­te Anla­ge. An zwei­ter Stel­le fol­gen tech­ni­sche Erwä­gun­gen wie Sicher­heit und Steu­er­bar­keit. Das EWär­meG wird von rund einem Drit­tel der Woh­nungs­un­ter­neh­men als Ein­fluss genannt, rund ein Vier­tel geben zudem Umwelt­er­wä­gun­gen an.

Kon­kret nach einem Ein­fluss des EWär­meG auf das gewähl­te Hei­zungs­sys­tem gefragt, bejah­ten 40 % der befrag­ten Unter­neh­men die­sen, 60 % sahen kei­nen beson­de­ren Ein­fluss.

Diagramm: Was hat bei den Heizungserneuerungen hauptsächlich die Wahl der Technologie/Energieträger beeinflusst?

Abbil­dung 5–16: Ein­flüs­se auf die Wahl der Heiz­tech­nik (Quel­le: Befra­gung Woh­nungs­ge­sell­schaf­ten 2018)

Neben einem Ein­fluss auf die Wahl der Heiz­tech­nik wird dem EWär­meG von 30 % der befrag­ten Unter­neh­men auch ein Ein­fluss auf den Zeit­punkt der Hei­zungs­er­neue­rung zuge­wie­sen. Die­ser Ein­fluss äußer­te sich etwa zur Hälf­te, indem die Hei­zungs­er­neue­rung vor­ge­zo­gen wur­de, die ande­re Hälf­te der Unter­neh­men, die dem EWär­meG einen Ein­fluss auf den Zeit­punkt zuwie­sen, ver­zö­ger­te die Erneue­rung.

Die Woh­nungs- und Immo­bi­li­en­un­ter­neh­men wur­den gefragt, zu wel­chem Anteil die ein­zel­nen Erfül­lungs­op­tio­nen des EWär­meG genutzt wer­den, um sei­nen Anfor­de­run­gen zu ent­spre­chen. Die­se Antei­le wur­den im Anschluss auf Basis der vom jewei­li­gen Unter­neh­men beses­se­nen Gebäu­de nor­miert. Die fol­gen­de Gra­phik gibt Auf­schluss über die genutz­ten Erfül­lungs­op­tio­nen. Bei zwei Drit­teln aller betrach­te­ten Gebäu­de wer­den Kom­bi­na­tio­nen von Erfül­lungs­op­tio­nen genutzt, aller­dings geben die Daten kei­nen Auf­schluss über mög­li­che Kom­bi­na­tio­nen.

Diagramm: Anteil der genutzten Erfüllungsoptionen

Abbil­dung 5–17: Anteil der Erfül­lungs­op­tio­nen1, gewich­tet nach Gebäu­de­zahl der Unter­neh­men (Quel­le: Befra­gung Woh­nungs­ge­sell­schaf­ten 2018)

Im Ver­gleich zu pri­va­ten Wohn­ge­bäu­den fällt zunächst ein­mal der hohe Anteil der Gebäu­de­däm­mung als Ersatz­maß­nah­me auf. Denk­bar ist, dass für sie die Inves­ti­ti­ons­kos­ten eine gerin­ge­re Rol­le spie­len und die Maß­nah­men in Hin­blick auf Wert­er­halt und –stei­ge­rung sowie die Mög­lich­keit, höhe­re Mie­ten zu erzie­len, ren­ta­bler sind. Es ist auch wahr­schein­lich, dass Unter­neh­men mit grö­ße­rem Gebäu­de­be­stand und einem hohen Anteil von Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern die Sanie­run­gen pro Wohn­ein­heit güns­ti­ger durch­füh­ren kön­nen.

Dage­gen ist die Nut­zung von Pho­to­vol­ta­ik und Solar­ther­mie eher unter­re­prä­sen­tiert. Auch das lässt sich anhand des Gebäu­de­be­stands der Unter­neh­men erklä­ren. Pro Wohn­ein­heit ste­hen im Durch­schnitt weni­ger Dach­flä­chen zur Ver­fü­gung; Mie­ter­ver­mark­tung von PV-Strom unter­liegt zudem der­zeit noch ver­schie­de­nen Hemm­nis­sen.

Da sich Woh­nungs- und Immo­bi­li­en­un­ter­neh­men in einem gro­ßen Maß­stab mit dem E‑WärmeG kon­fron­tiert sehen und gleich­zei­tig zwi­schen den eige­nen wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen und den Belan­gen von Mie­tern ver­mit­teln müs­sen, wur­den sie zu spe­zi­el­len Ände­rungs­wün­schen in Bezug auf das Gesetz gefragt. In den offe­nen Ant­wor­ten gab es Ein­zel­mei­nun­gen, die die Abschaf­fung des Geset­zes oder zumin­dest eine Ver­schlan­kung der Vor­schrif­ten for­dern. Die Fra­ge, ob eine Berück­sich­ti­gung eines gesam­ten Quar­tiers (meh­re­re benach­bar­te Gebäu­de) zur Errei­chung der Vor­ga­ben des EWär­meG aus ihrer Sicht wün­schens­wert wäre, ant­wor­ten die Woh­nungs­ge­sell­schaf­ten unein­heit­lich. Eine Mehr­heit wür­de ein sol­ches Vor­ha­ben begrü­ßen (sehr wün­schens­wert: 33 %, eher wün­schens­wert 27 %), rund 40 % leh­nen es (eher) ab. Bei den Vor­tei­len wird mehr­fach die Mög­lich­keit genannt, die Hei­zungs­ver­sor­gung über­grei­fend und damit effi­zi­en­ter zu gestal­ten, z.B. durch Nah­wär­me­net­ze und gemein­sa­me Heiz­zen­tra­len.

Einig­keit herrscht dage­gen dar­in, dass für bestimm­te Gebäu­de Här­te­fall­re­ge­lun­gen und Aus­nah­men für das EWär­meG gel­ten soll­ten. Rund die Hälf­te der befrag­ten Unter­neh­men schlägt eine Här­te­fall­re­ge­lung anhand des Gebäu­de­al­ters vor, die ande­re Hälf­te anhand von sozia­len Kri­te­ri­en (Zumut­bar­keit für Mie­ter). Für sol­che wirt­schaft­li­chen oder sozia­len Son­der­fäl­le sol­len nach Mei­nung der befrag­ten Unter­neh­men die Anfor­de­run­gen des Geset­zes ver­rin­gert wer­den. Wei­te­re Mög­lich­kei­ten für Här­te­fall­re­ge­lun­gen erge­ben sich nach Aus­sa­gen ein­zel­ner Unter­neh­men über indi­vi­du­el­le Gebäu­de­ge­ge­ben­hei­ten wie z. B. ver­füg­ba­re Dach­flä­chen und ihre Aus­rich­tung, die die Nut­zung von Solar­ener­gie ein­schrän­ken.

Qualitative Interviews mit weiteren Experten und Stakeholdern

Ergän­zend zu den Brei­ten­be­fra­gun­gen wur­den ein­stün­di­ge Tie­fen­in­ter­views mit Exper­ten durch­ge­führt, die in unter­schied­li­chen Kon­tex­ten mit dem EWär­meG befasst sind. Außer­dem wur­den im Rah­men eines Work­shops am 29.01.2018 Exper­ten und Sta­ke­hol­der die ers­ten Ergeb­nis­se der Eva­lu­ie­rung vor­ge­stellt und dis­ku­tiert. Eine Lis­te mit befrag­ten Exper­ten fin­det sich im Anhang (Tabel­le 14–1). Im Fol­gen­den sind die wesent­li­chen Rück­mel­dun­gen doku­men­tiert.

Trig­ger­funk­ti­on. Von eini­gen Befrag­ten wur­de auf die Initi­ie­rungs­wir­kung des EWär­meG hin­ge­wie­sen. Bei regio­na­len Ener­gie­agen­tu­ren rufen bei­spiels­wei­se geschätzt 10–15 Kun­den pro Woche an, die sich zum EWär­meG bera­ten las­sen wol­len. Der Bera­ter nutzt die­se Gele­gen­heit, um auf die Mög­lich­keit einer Bera­tung hin­zu­wei­sen. Bei schät­zungs­wei­se einem Drit­tel der Anru­fer erfolgt im Anschluss eine genaue­re Ener­gie­be­ra­tung (Trig­ger­funk­ti­on). Der Bera­ter einer regio­na­len Ener­gie­agen­tur weist dar­auf hin, dass bei vie­len Anru­fern eine all­fäl­li­ge „anfäng­li­che Ver­är­ge­rung über die Pflich­ten durch das Bera­tungs­ge­spräch ver­raucht“.

Auch ein wei­te­rer Befrag­ter bestä­tigt die Trig­ger­wir­kung: es wird über EE-Wär­me dis­ku­tiert. Er schlägt vor, einen expli­zi­ten Prüf­nach­weis zu ver­lan­gen, in dem das Durch­prü­fen aller sinn­vol­len Erfül­lungs­op­tio­nen doku­men­tiert wird. Erfül­lungs­op­tio­nen und Aus­lö­se­tat­be­stand. Ins­ge­samt wird die Brei­te der Erfül­lungs­op­tio­nen gelobt. Kei­ner der Befrag­ten spricht sich dafür aus, die Erfül­lungs­op­tio­nen auf EE-Wär­me ein­zu­schrän­ken, um eine fokus­sier­te Wir­kung zu bekom­men („Der ganz­heit­li­che Ansatz ist gera­de der Charme des EWär­meG.“). Eine Reflex­lö­sung ist aller­dings nach Aus­sa­ge eines Befrag­ten das „Erha­schen eines SFP“ in Kom­bi­na­ti­on mit Bio­gas. Der Befrag­te spricht sich aller­dings dafür aus, dass es die Ver­ant­wor­tung der Fach­hand­wer­ker und Pla­ner ist, hier anders vor­zu­ge­hen.

Die Befrag­ten machen unter­schied­li­che Vor­schlä­ge zur Wei­ter­ent­wick­lung der Erfül­lungs­op­tio­nen, die auch vom jewei­li­gen Fokus der Befrag­ten abhän­gen:

  • Die Auf­nah­me von Fens­tern in den Kata­log von Erfül­lungs­op­tio­nen wird ange­regt.
  • Kamin­öfen soll­ten ggf. auf­ge­nom­men wer­den, aber nur bei Erfül­lung stren­ger Umwelt­stan­dards (Sekun­där­ver­bren­nung; Sekun­där­maß­nah­men; u.ä.).
  • Auch im WG soll­ten Lüf­tungs­an­la­gen mit WRG und Effi­zi­enz­an­for­de­rung aner­kannt wer­den.
  • Ein Wei­ter­ent­wick­lungs­be­darf wird gese­hen bei der Aner­ken­nung von teil­ge­dämm­ten Kel­ler­de­cken: die Teil­flä­chen soll­ten antei­lig aner­kannt wer­den.
  • Die Ein­füh­rung von Trink­was­ser-WP als pau­scha­le Tei­l­er­fül­lung wird von eini­gen begrüßt, aber nur unter zusätz­li­chen Effi­zi­enz­an­for­de­run­gen. Auch wird auf die star­ke Nut­zer­ab­hän­gig­keit von Trink­was­ser-WP hin­ge­wie­sen.
  • Bio­gas und Bio­öl wird von meh­re­ren Befrag­ten und Teil­neh­mern des Work­shops aus ener­gie­wirt­schaft­li­cher Per­spek­ti­ve deut­lich in Fra­ge gestellt (Argu­men­te: rein kauf­män­nisch-rech­ne­ri­sche Opti­on ohne Zusätz­lich­keits­wir­kung; Bio­öl wird in ande­ren Markt­seg­men­ten (Ver­kehr) drin­gen­der benö­tigt; frag­li­che Aus­wir­kun­gen des Bio­me­thans (Anbau von nach­wach­sen­den Roh­stof­fen).
  • Bei Bio­öl wird zudem dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es in ver­schie­de­nen Fäl­len zu Lie­fer­ver­zö­ge­run­gen gekom­men ist auf Grund der gerin­gen Nach­fra­ge. Ins­ge­samt äußern drei Exper­ten, dass Bio­öl aus den Erfül­lungs­op­tio­nen ent­fernt wer­den soll­ten, zumal der­zeit noch der fos­si­le Kes­sel­tausch von der KfW geför­dert wird; die ande­ren äußern sich hier­zu nicht.
  • Es wird auf ver­schie­de­ne Spe­zi­al­fäl­le hin­ge­wie­sen, die nicht ein­deu­tig gere­gelt sind bzw. zu Nach­fra­gen füh­ren (Heiz­kes­sel ist im Kel­ler des Nach­barn; Erwei­te­rung von Werk­stät­ten).
  • Die Zulas­sung des SFP für NWG als voll­stän­di­ge Erfül­lungs­op­ti­on löse viel­fach Er-stau­nen aus. Auf der ande­ren Sei­te ist bei NWG der zeit­li­che Nut­zungs­ho­ri­zont oft­mals kür­zer und damit weni­ger Spiel­raum für inves­ti­ve Maß­nah­men klei­ner.
  • Daher wer­den für NWG eher wei­te­re Erfül­lungs­op­tio­nen ins Spiel gebracht, die die­ses Nut­zungs­zeit­pro­blem umge­hen, nament­lich LED-Beleuch­tung, wesent­li­che Ver­bes­se­rung des som­mer­li­chen Wär­me­schut­zes durch inves­ti­ve Maß­nah­men, Effi­zi­enz­maß­nah­men bei der Warm­was­ser­be­rei­tung.
  • Von meh­re­ren Befrag­ten wird die Öff­nung der 50 kW-Gren­ze bei Bio­me­than für sehr wich­tig erach­tet, was gera­de für Betrie­be im NWG-Bereich wich­tig sein kann.
  • Ein Befrag­ter schlägt den Ein­be­zug von PtG als äqui­va­lent zu Bio­me­than vor.
  • Von Befrag­ten aus dem Kon­text der NWG wird genannt, dass auch Maß­nah­men bzgl. HT‘ am Gebäu­de auch im NWG rück­wärts­ge­rich­tet aner­kannt wer­den soll-ten. Wenn an einem Bau­teil gear­bei­tet wird, kann es so gemacht wer­den, dass die Nut­zungs­pflicht erfüllt wird. Dies wäre ein Argu­ment für Pla­ner, vor allem aber für Hand­wer­ker, wei­te­re Effi­zi­enz­maß­nah­men im NWG vor­ge­zo­gen zu ver­wirk­li­chen.
  • Zwei Befrag­te schla­gen vor, den Aus­lö­se­tat­be­stand nicht mehr an den Kes­sel­tausch zu knüp­fen, da hier zudem hin und wie­der Irri­ta­ti­on über die genaue Begriffs­de­fi­ni­ti­on des Kes­sels herrscht („gene­ra­tor ver­sus hea­ter“). Im Gespräch wer­den die Optio­nen „Kes­sel älter als 30 Jah­re“ oder „Kes­sel schlech­ter als Effi­zi­enz­klas­se X“ ins Spiel gebracht.


Bera­tung und Sanie­rungs­fahr­plan. Der Sanie­rungs­fahr­plan wird von den end­kun­den­nah täti­gen Befrag­ten gelobt („Für den Bür­ger ist es eine sehr gute Lösung, „Was wäre wenn“ zu ana­ly­sie­ren.“; „Der SFP ist ein Voll­tref­fer“). Ein Befrag­ter regt eine grö­ße­re Schrift­grö­ße im Bericht an. Ein Befrag­ter stellt her­aus, dass nur durch den SFP die Bio­me­than-Erfül­lung zu einer nach­hal­ti­gen Opti­on wird, weil sich so eine lang­fris­ti­ge Wir­kung ergibt. Es wird auch auf die wich­ti­ge Rol­le der Schorn­stein­fe­ger hin­ge­wie­sen. („Wenn der Schorn­stein­fe­ger sagt, die Anla­ge ist noch gut, unter­nimmt der Kun­de nichts.“) Hier wird auf die Bedeu­tung der Nach­rüst­ver­pflich­tung der EnEV und die Außer­be­trieb­nah­me gemäß BIm­schG hin­ge­wie­sen.

Ver­ständ­lich­keit der For­mu­la­re und Mate­ria­li­en wird von allen Befrag­ten gene­rell als gut bezeich­net („Die For­mu­la­re erklä­ren die Erfül­lungs­op­tio­nen bes­ser als das Gesetz“); ver­ein­zelt wird der Wunsch nach einer ver­ein­fach­ten Dar­stel­lung geäu­ßert („Zu vie­le Bruch­stri­che im For­mu­lar“).

Fort­bil­dung. Vie­le regio­na­le Ener­gie­agen­tu­ren füh­ren Fort­bil­dun­gen zum EWär­meG für Hand­wer­ker durch. „Es kom­men aber immer die Glei­chen“ (bspw. haben in einer Ener­gie­agen­tur von 150 Archi­tek­ten nur rd. 20 an Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen teil­ge­nom­men). Das Infor­ma­ti­ons­an­ge­bot wird ins­ge­samt als aus­ge­zeich­net betrach­tet. Ins­be­son­de­re die „Erfül­lungs-App“ und Excel­ta­bel­le wird als sehr hilf­reich genannt (von einem Befrag­ten sogar als „bahn­bre­chend“).

Zwei Befrag­te wei­sen dar­auf hin, dass man in der Kom­mu­ni­ka­ti­on ver­stärkt Ziel­grup­pen auf die (Markt-)Chancen des EWär­meG hin­wei­sen muss. So könn­te das EWär­meG auch jen­seits des Hei­zungs­baus ein Argu­ment sein, bei­spiels­wei­se eine Kel­ler­de­cken­däm­mung oder eine obers­te Geschoss­de­cken­däm­mung durch­zu­füh­ren. Hier soll­ten die ein­zel­nen Gewer­ke (z. B. Stuk­ka­teu­re, Dach­de­cker, Zim­mer­män­ner) gezielt akti­viert wer­den, bei­spiels­wei­se optio­na­le Zusatz­an­ge­bo­te in Ange­bo­te auf­zu­neh­men („Hier­mit erfül­len Sie das EWär­meG“).

Ein Befrag­ter ver­weist dar­auf, dass die Ver­an­ke­rung des EWär­meG in den Regio­na­len Kom­pe­tenz­stel­len für Ener­gie­ef­fi­zi­enz KEFF ver­bes­sert wer­den könn­te. Voll­zug. Ein Befrag­ter äußert den Vor­schlag, dass mit den Zah­len zur Pflicht­er­fül­lung ein Bench­mar­king der Kom­mu­nen durch­ge­führt wer­den könn­te, dass dann einen Kom­mu­nen­ver­gleich ermög­licht.

Atten­tis­mus. Nach Ein­schät­zung aller end­kun­den­na­hen Befrag­ten ist der Atten­tis­mus als gering ein­zu­stu­fen (Schät­zung regio­na­le Ener­gie­agen­tur: < 10 % der Ver­pflich­te­ten). Befrag­te ver­wei­sen dar­auf, dass das „Gesetz kei­ne Ein­tags­flie­ge ist und die Leu­te zuneh­mend Ver­ständ­nis für das Anlie­gen des Geset­zes haben“.

Ein Ver­tre­ter eines Woh­nungs­un­ter­neh­mens bestä­tig­te, dass für sein Unter­neh­men die Pflicht­er­fül­lung kein Pro­blem dar­stel­le, ins­be­son­de­re, da vie­le der betrof­fe­nen Gebäu­de an ein pflicht­er­fül­len­des Wär­me­netz ange­schlos­sen sind.

Ver­wal­te­ter Woh­nungs­be­stand. Im ver­wal­te­ten Woh­nungs­be­stand, so ein Ver­tre­ter eines Woh­nungs­un­ter­neh­mens, exis­tie­ren über­pro­por­tio­nal vie­le Gas­eta­gen­hei­zun­gen, die von der Nut­zungs­pflicht nicht betrof­fen sind. Dach­flä­chen sind hier viel­fach nicht aus­rei­chend, um die Nut­zungs­pflicht zu erfül­len. Gegen die Erfül­lungs­op­ti­on Solar­ther­mie spre­chen hier oft auch Dach­flä­chen­fens­ter und Gau­ben. Für Pel­lets fehlt in den MFH viel­fach der Platz.

Pro­ble­ma­tisch ist hier viel­fach, dass die Eigen­tü­mer im WEG-Kon­text vom Ver­wal­ter „das gesam­mel­te Wis­sen ver­lan­gen“. Hier wer­den immer wie­der exter­ne Fach­in­ge­nieu­re ein­ge­la­den, dem eher eine neu­tra­le Bera­tung abge­nom­men wird. Der erhöh­te Auf­wand für die Bera­tung zum EWär­meG wird i. d. R. nicht durch den Kun­den ver­gü­tet; neue Lehr­gän­ge für Ver­wal­ter sind ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung. Erwä­gens­wert wäre aus Sicht des Exper­ten eine För­de­rung der Teil­nah­me für Ver­wal­ter durch das Land.

Der Exper­te ist der Auf­fas­sung, dass durch die Erhö­hung der Nut­zungs­pflicht von 10 auf 15 % ver­stärkt Con­trac­ting und Fern­wär­me­lö­sun­gen gewählt wer­den. Auch die Bedeu­tung der Erfül­lungs­op­ti­on PV wird nach Ansicht des Exper­ten stei­gen, z. T. in Ver­bin­dung mit All­ge­meinst­rom­ver­sor­gung oder Mie­ter­strom. Hier wir­ken aller­dings die steu­er­li­chen Restrik­tio­nen von Mie­ter­strom beson­ders stark (umsatz­steu­er­freie Ver­mie­tung; hoher Auf­wand für Steu­er­erklä­rung usw.). Eine Ent­bü­ro­kra­ti­sie­rung des Mie­ter­stroms wür­de also auch die Rea­li­sie­rung der Erfül­lungs­op­ti­on des EWär­meG ver­ein­fa­chen.

Ein beson­de­res Pro­blem im Bereich der WEG taucht auf durch die Behei­zungs­struk­tur. Gas­ther­men sind in der Regel im Son­der­ei­gen­tum der ein­zel­nen Woh­nungs­ei­gen­tü­mer (wäh­rend zen­tra­le Hei­zun­gen im Gemein­schafts­ei­gen­tum sind). Bereits heu­te tritt das Pro­blem auf, wer bei Tausch einer Gas­ther­me und Instal­la­ti­on einer Gas­brenn­wert­ther­me für die Kon­di­tio­nie­rung des Kamins auf­kommt; eigent­lich müss­ten dann alle Gas­ther­men gleich­zei­tig getauscht oder ein­zel­ne Kami­ne errich­ten wer­den. Eine ähn­li­che Fra­ge wür­de sich bei einer Aus­wei­tung des EWär­meG auf Gas­eta­gen­hei­zun­gen stel­len.

1 Com­pu­ter Assis­ted Tele­pho­ne Inter­view
2 Die Dar­stel­lung der Erfül­lungs­op­tio­nen ist auf­grund der Unter­schie­de zwi­schen Abfra­ge­me­tho­dik und der Aus­wer­tung der Mel­de­re­gis­ter­da­ten nicht kom­plett ver­gleich­bar. Wich­ti­ge Unter­schie­de erge­ben sich bei den Maß­nah­men­kom­bi­na­tio­nen und bei der Nut­zung von Wär­me­pum­pen.
3 Als inno­va­tiv im Sin­ne der SHK-Umfra­ge gel­ten hier­bei Hand­werks­be­trie­be, die sowohl digi­ta­le Pro­duk­te und Dienst­leis­tun­gen für den End­kun­den anbie­ten als auch im Bera­tungs­ge­spräch auf tech­ni­sche Hilfs­mit­tel zurück­grei­fen.
4 Die Dar­stel­lung der Erfül­lungs­op­tio­nen ist auf­grund der Unter­schie­de zwi­schen Abfra­ge­me­tho­dik und der Aus­wer­tung der Mel­de­re­gis­ter­da­ten nicht kom­plett ver­gleich­bar. Wich­ti­ge Unter­schie­de erge­ben sich vor allen bei den Maß­nah­men­kom­bi­na­tio­nen, die hier nicht sepa­rat auf­ge­führt sind.

Umweltministerium BW logo

Technische und wirtschaftliche Entwicklung beim Einsatz erneuerbarer Energien

Ziel die­ses Arbeits­pa­ke­tes ist es, den Ent­wick­lungs­stand der Tech­no­lo­gien zur Nut­zung erneu­er­ba­rer Ener­gien im Wär­me­be­reich und des­sen Wett­be­werbs­fä­hig­keit gegen­über kon­ven­tio­nel­len fos­si­len Tech­no­lo­gien zu unter­su­chen. Dabei wer­den ins­be­son­de­re die tech­ni­schen Rah­men­be­din­gen für die ein­zel­nen Erfül­lungs­op­tio­nen geprüft und Hand­lungs­emp­feh­lun­gen für Ände­run­gen oder Anpas­sun­gen dis­ku­tiert. Neben der tech­ni­schen und wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung der ein­zel­nen Tech­no­lo­gien wer­den eine Ana­ly­se bio­ge­ner gas­för­mi­ger und flüs­si­ger Ener­gie­trä­ger und die Aus­wir­kung des EWär­meG auf die Markt­struk­tu­ren dar­ge­stellt.

Bewertung und Wirtschaftlichkeit der Erfüllungsoptionen

Abbil­dung 6–2 fasst die Ergeb­nis­se der Wirt­schaft­lich­keits­ana­ly­se der Erfül­lungs­op­tio­nen zusam­men, die für ver­schie­de­ne Refe­renz­ge­bäu­de als spe­zi­fi­sche Wär­me­ge­ste­hungs­kos­ten ermit­telt wer­den. Neben den Refe­renz­ge­bäu­den im Gebäu­de­be­stand (saniert, unsa­niert), wer­den für drei Gebäu­de­ty­pen (Ein­fa­mi­li­en­haus, Mehr­fa­mi­li­en­haus, Büro) auch die Wer­te für den Neu­bau als Ver­gleich dar­ge­stellt. Bei der Berech­nung ist kei­ne För­de­rung berück­sich­tigt. Bei den unter­stell­ten Ener­gie­prei­sen sind Ener­gie­preis­stei­ge­run­gen über die nächs­ten 20 Jah­re mit ein­kal­ku­liert, die auf Basis der Ener­gie­preis­ent­wick­lung im Pro­jek­ti­ons­be­richt des BMU ange­setzt wur­de (BMUB 2017).

Diagramm: Energiepreise in der Wirtschaftlichkeitsrechnung inklusive der angenommenen Energiepreissteigerung

Abbil­dung 6–1: Ener­gie­prei­se in der Wirt­schaft­lich­keits­rech­nung inklu­si­ve der ange­nom­me­nen Ener­gie­preis­stei­ge­rung

Als kal­ku­la­to­ri­scher Zins wird in der Berech­nung 4 % ange­nom­men. Als Tech­no­lo­gien sind neben den dezen­tra­len EE-Optio­nen auch die Ergeb­nis­se für die mit Heiz­öl und Erd­gas befeu­er­ten Brenn­wert­kes­sel als fos­si­le Refe­renz­tech­no­lo­gien berück­sich­tigt. Bei den Bio­me­than Vari­an­ten sind neben der mit 10 % Bio­me­than Anteil auch je eine Vari­an­te mit 20 % und 100 % Bio­me­than ent­hal­ten, sowie ein mit Erd­gas und ein mit 100 % Bio­me­than befeu­er­tes BHKW.

Tabelle: Ermittelte Gesamtinvestitionen der Heizsysteme für unterschiedliche Gebäudekategorien

Tabel­le 6–1: Ermit­tel­te Gesamt­in­ves­ti­tio­nen der Heiz­sys­te­me für unter­schied­li­che Gebäu­de­ka­te­go­rien

Die Ergeb­nis­se zei­gen, dass die spe­zi­fi­schen Wär­me­ge­ste­hungs­kos­ten (inkl. MwSt.) in den Wohn­ge­bäu­de­be­stands­va­ri­an­ten­rech­nun­gen sehr nahe bei­ein­an­der­lie­gen. Eine Aus­nah­me bil­det die 100 % Bio­me­than Vari­an­te im Brenn­wert­kes­sel und im BHKW (die über die Anfor­de­run­gen des EWär­meG deut­lich hin­aus­ge­hen)1. Die Neu­bau­va­ri­an­ten wei­sen auf­grund der nied­ri­gen Wär­me­be­dar­fe ent­spre­chend höhe­re spe­zi­fi­sche Wär­me­ge­ste­hungs­kos­ten aus. Der Bezug für die Wär­me­ge­ste­hungs­kos­ten ist die Nut­z­en­er­gie für Raum­wär­me und Warm­was­ser. In denen für das EWär­meG zen­tra­len Refe­renz­ge­bäu­de­ka­te­go­rien – EFH saniert und EFH unsa­niert – sind Solar­ther­mie zur Warm­was­ser­er­zeu­gung und 10 % Bio­erd­gas die Optio­nen mit den nied­rigs­ten Geste­hungs­kos­ten2. Dabei ist zu beach­ten, dass sich die Wär­me­ge­ste­hungs­kos­ten auf das Gesamt­sys­tem bezie­hen und nicht auf die erzeug­te Ein­heit Nut­z­en­er­gie. Im Fall von Solar­ther­mie ist dies ein Sys­tem aus Erd­gas oder Heiz­öl Brenn­wert­kes­sel und solar­ther­mi­scher Brauch­was­ser­er­zeu­gung.

Diagramm: Wärmegestehungskosten EE-Optionen und fossile Referenztechnologien ohne Förderung

Abbil­dung 6–2: Wär­me­ge­ste­hungs­kos­ten EE-Optio­nen und fos­si­le Refe­renz­tech­no­lo­gien ohne För­de­rung (Quel­le: eige­ne Berech­nung auf Basis (BMWi 2017; sirA­dos 2017; Stein­bach 2015; BMUB 2017))

Neben den Wär­me­ge­ste­hungs­kos­ten sind zur Beur­tei­lung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit jedoch noch ande­re Para­me­ter ent­schei­dend, die im Fol­gen­den in kur­zen Tabel­len­über­sich­ten für die ein­zel­nen Tech­no­lo­gien zusam­men­ge­fasst wer­den. Fol­gen­de Para­me­ter wer­den dabei für die zen­tra­len EE-Erfül­lungs­op­tio­nen ana­ly­siert:

  • Inves­ti­ti­ons­kos­ten im Ver­hält­nis zu fos­si­ler Refe­renz­tech­no­lo­gie: Für die Gebäu­de­ei­gen­tü­mer ist dies ein ent­schei­den­der Fak­tor, da neben der Wirt­schaft­lich­keit auch ent­schei­dend ist, wie hoch der Kapi­tal­be­darf gegen­über einer Stan­dard­tech­no­lo­gie ist, womit die Wett­be­werbs­fä­hig­keit aus­ge­drückt wird. Das Ver­hält­nis der Inves­ti­ti­ons­kos­ten der EE-Tech­no­lo­gien zu den fos­si­len Refe­renz­tech­no­lo­gien liegt zwi­schen 1,7 und 4. Aus­nah­me sind die brenn­stoff­ba­sier­ten Erfül­lungs­op­tio­nen (Bio­heiz­öl, Bio­me­than), bei denen kei­ne zusätz­li­chen Inves­ti­tio­nen erfor­der­lich sind. Bei Solar­an­la­gen wer­den dabei die Gesamt­in­ves­ti­tio­nen der Anla­gen gegen­über gestellt.
Tabelle: Verhältnis Investition zu fossiler Referenztechnologie
  • Wär­me­ge­ste­hungs­kos­ten im Ver­hält­nis zur fos­si­len Refe­renz­tech­no­lo­gie: Dies zeigt ana­log zu Abbil­dung 6–2 die Wirt­schaft­lich­keit der ein­zel­nen Tech­no­lo­gien auf Grund­la­ge einer Jah­res­voll­kos­ten­rech­nung unter Ein­be­zie­hung der kapital‑, betriebs‑, und ver­brauchs­ge­bun­de­nen Kos­ten. Hier­bei wer­den die Ergeb­nis­se zusätz­lich noch für die der­zei­ti­gen Ener­gie­preis­ni­veaus dar­ge­stellt.
Tabelle: Wärmegestehungskosten im Verhältnis zu fossilen Referenztechnologie
  • Ent­wick­lung der Inves­ti­ti­ons­kos­ten über 5- 10 Jah­re: Mit die­sem Para­me­ter soll die Markt­dy­na­mik der Tech­no­lo­gien ver­gli­chen wer­den. Im Ver­gleich zu erneu­er­ba­ren Strom Tech­no­lo­gien konn­ten die EE-Wär­me Tech­no­lo­gien in den ver­gan­ge­nen 10 Jah­ren bei wei­tem nicht die glei­che Dyna­mik hin­sicht­lich der Kos­ten­de­gres­si­on ent­fal­ten. Der Ver­gleich basiert auf den Aus­wer­tun­gen, die im Rah­men der Eva­lua­ti­on des Markt­an­reiz­pro­gramms durch­ge­führt wor­den sind (Lang­niß et al. 2004; Nast et al. 2009; Stui­ble et al. 2016). Die in der Eva­lua­ti­on erfass­ten Daten basie­ren auf den Rech­nungs­da­ten der End­kun­den und stel­len somit die Ver­kaufs­prei­se inklu­si­ve Instal­la­ti­ons­kos­ten dar. Es zeigt sich, dass es nicht nur kei­nen Rück­gang bei den Gesamt­in­ves­ti­tio­nen gege­ben hat, son­dern die­se sogar gestie­gen sind.
Tabelle: Entwicklung der spezifischen Investitionskosten 2004 bis 2014

Des Wei­te­ren gibt es mög­li­che tech­ni­sche Ein­schrän­kun­gen, die das Poten­ti­al zum Ein­satz in bestimm­ten Gebäu­de­seg­men­ten redu­zie­ren.

Tabelle: Mögliche technische Hemmnisse

Der Ver­gleich zeigt ins­ge­samt, dass für alle EE-Optio­nen ohne För­de­rung Mehr­in­ves­ti­tio­nen zum Zeit­punkt des Kes­sel­tauschs erfor­der­lich sind. Auch wenn Effi­zi­enz­fort­schrit­te bei den Tech­no­lo­gien erzielt wor­den sind, ist die­se Ent­wick­lung im Ver­gleich zu den EE-Strom­tech­no­lo­gien ernüch­tern­der und die Sys­tem­kos­ten für den Ein­bau der meis­ten EE-Tech­no­lo­gien sind z. T. sogar gestie­gen. Auch wenn die För­de­rung durch das Markt­an­reiz­pro­gramm mit ein­ge­rech­net wird, ist die Wett­be­werbs­fä­hig­keit gegen­über den fos­si­len Kes­seln nicht höher, da die­se eben­falls über die KfW geför­dert wur­den.

Aus ein­zel­wirt­schaft­li­cher Per­spek­ti­ve bleibt nur der Ver­weis auf rea­li­sier­ba­re Ener­gie­kos­ten­ein­spa­run­gen, was für vie­le Gebäu­de­ei­gen­tü­mer eben­falls ein wich­ti­ges Kri­te­ri­um dar­stellt. Auf­grund der nied­ri­gen fos­si­len Brenn­stoff­prei­se bei gleich­zei­tig gestie­ge­nem Strom­preis (Wär­me­pum­pen­ta­ri­fe) und Bio­mas­se­prei­sen sind hohe Ener­gie­kos­ten­ein­spa­rung bei Bio­mas­se­kes­seln und Wär­me­pum­pe nur bedingt dar­stell­bar.

Aller­dings ist abseh­bar, dass sich durch eine Ver­än­de­rung der Rah­men­be­din­gun­gen auf Bun­des­ebe­ne, bei­spiels­wei­se durch eine CO2-Beprei­sung, die­ses Kos­ten­ge­fü­ge bald ändern könn­te.

Bei den brenn­stoff­ba­sier­ten Erfül­lun­gen über Bio­me­than Bei­mi­schung und Bio­heiz­öl sind die Ener­gie­kos­ten­ein­spa­rung auf­grund der hohen Auf­prei­se kein Ver­kaufs­ar­gu­ment. Aller­dings sind die Optio­nen gegen­über den EE-Wär­me Tech­no­lo­gien attrak­tiv, da die­se mit kei­nen Inves­ti­ti­ons­mehr­kos­ten ver­bun­den sind. Auch die Wär­me­ge­ste­hungs­kos­ten sind aus Sicht der Gebäu­de­ei­gen­tü­mer im Ver­gleich zu den ande­ren Optio­nen bei den der­zei­ti­gen Ener­gie­prei­sen am gerings­ten.

Der Ver­gleich der spe­zi­fi­schen Kos­ten pro erneu­er­ba­re bereit­ge­stell­te Nut­z­en­er­gie zeigt jedoch, dass die brenn­stoff­ba­sier­ten Erfül­lungs­op­tio­nen aus gesamt­wirt­schaft­li­cher Sicht zu den höchs­ten sys­te­mi­schen Kos­ten füh­ren3. D.h. aus sys­te­mi­scher Sicht soll­te die brenn­stoff­ba­sier­ten Tech­no­lo­gien mög­lichst nur in Gebäu­den ein­ge­setzt wer­den, die sich aus tech­ni­schen Grün­den nicht für tech­no­lo­gie­ba­sier­te Erfül­lungs­op­tio­nen eig­nen.

Marktentwicklung biogener gasförmiger und flüssiger Brennstoffe

6.2.1 Biogas/Biomethan

Um den Stand der Markt­struk­tu­ren im Bereich Bio­me­than zu ana­ly­sie­ren und die Aus­wir­kung des EWär­meG auf spe­zi­el­le Pro­duk­te in Baden-Würt­tem­berg zu eru­ie­ren, wer­den die Bio-/Öko­gas Ange­bo­te der Gas­ver­sor­ger aus 30 Städ­ten in Baden-Würt­tem­berg aus­ge­wer­tet sowie die Ein­spei­sung von Bio­gas in das Erd­gas­netz im Ver­hält­nis zum übri­gen Bun­des­ge­biet ana­ly­siert.

Biomethaneinspeisung und Wärmenutzung

In Deutsch­land sind im Jahr 2015 ins­ge­samt 8 360 GWh Bio­me­than in das Erd­gas­netz ein­ge­speist wor­den (BNetzA 2016). Auf die Bereit­stel­lung von Raum­wär­me, Warm­was­ser und Kochen ent­fal­len davon etwa 300 GWh (dena 2016). Der größ­te Anteil ist der Strom­erzeu­gung in dezen­tra­len Erd­gas-BHWKs zuzu­schrei­ben mit rund 7.600 GWh, gefolgt von der Kraft­stoff­be­reit­stel­lung im Ver­kehrs­sek­tor mit 370 GWh. In Baden-Würt­tem­berg sind 72 GWh Bio­me­than im Jahr 2015 zur Wär­me- und Kraft­stoff­be­reit­stel­lung ver­wen­det wor­den (UM 2016). Die durch­schnitt­li­che Pro-Kopf Nut­zung liegt damit unter dem Bun­des­durch­schnitt. Aller­dings lässt sich auf­grund die­ser Zah­len kei­ne direk­ten Schluss­fol­ge­run­gen für den Wär­me­sek­tor ablei­ten, da eine Dif­fe­ren­zie­rung der Nut­zung nach Kraft- und Heiz­stof­fen in der Lan­des­sta­tis­tik nicht vor­liegt (Tabel­le 6–2). Auch die Anzahl der Bio­gas­ein­spei­se­an­la­gen mit Bezug auf die Ein­woh­ner­zahl liegt unter dem Bun­des­durch­schnitt. Da Ein­spei­sung und Ent­nah­me jedoch deutsch­land­weit über Lie­fer­ver­trä­ge gere­gelt ist und in der Regel eine vir­tu­el­le Ent­nah­me aus dem Erd­gas­netz erfolgt, ist eine regio­na­le Aus­wir­kung des EWär­meG nicht zu erwar­ten.

Tabelle: Biogaseinspeisung und Biomethannutzung im Jahr 2015

Tabel­le 6–2: Bio­gas­ein­spei­sung und Bio­me­than­nut­zung im Jahr 2015

Angebotsstruktur und Endkundenpreise

Die Ana­ly­se der Pro­dukt­port­fo­li­os der Gas­ver­sor­ger zeigt eine deut­li­che­re Wir­kung des EWär­meG im Ver­gleich zu den ande­ren Bun­des­län­dern. Alle unter­such­ten Stadt­wer­ke in Baden-Würt­tem­berg bie­ten min­des­tens ein Erd­gas­pro­dukt mit 10 % Bio­me­than Bei­mi­schung an. Dabei wird im Zusam­men­hang mit dem Pro­dukt expli­zit auf die Tei­l­er­fül­lung des EWär­meG ver­wie­sen und in der Regel die Kom­bi­na­ti­on mit einem Sanie­rungs­fahr­plan emp­foh­len. Die Ver­gleichs­ana­ly­se in den ande­ren Bun­des­län­dern zeigt, dass außer­halb Baden-Würt­tem­bergs nur rund ein Drit­tel der unter­such­ten Stadt­wer­ke ein Bio­erd­gas Pro­dukt anbie­ten4.

Die zusätz­li­chen Kos­ten der Bio­erd­gas­pro­duk­te mit einer 10 % Bei­mi­schung von Bio­me­than sind in Abbil­dung 6–3 dar­ge­stellt. Für die Ermitt­lung der Auf­prei­se ist der ver­gleich­ba­re Erd­gas­ta­ri­fe des jewei­li­gen Stadt­werks her­an­ge­zo­gen wor­den, der die glei­chen Bedin­gun­gen (Lauf­zeit, Preis­ga­ran­tie) auf­weist und so auch bei fast allen unter­such­ten Tari­fen die glei­chen Grund­prei­se beinhal­tet.5 Der Auf­preis für ein 10 % Bio­erd­gas­pro­duk­te liegt bei den unter­such­ten Gas­ver­sor­gern zwi­schen 0,12 und 1,44 €-cent/kWh. Der durch­schnitt­li­che Auf­preis beträgt 0,72 €-cent/ kWh, was bei einem typi­schen Ver­brauch im unsa­nier­ten Ein­fa­mi­li­en­haus zu jähr­li­chen Mehr­kos­ten von rund 150 bis 200 € führt.

Diagramm: Zusätzliche spezifische Kosten durch den Bezug von Bioerdgas gegenüber Erdgas

Abbil­dung 6–3: Zusätz­li­che spe­zi­fi­sche Kos­ten durch den Bezug von Bio­erd­gas gegen­über Erd­gas. Quel­le: Eige­ne Unter­su­chung über die Inter­net­sei­te der jewei­li­gen Stadt­wer­ke

Eini­ge Gas­ver­sor­ger in Baden-Würt­tem­berg bie­ten dar­über hin­aus noch wei­te­re Bio­erd­gas­pro­duk­te mit unter­schied­li­chen Bei­mi­schun­gen von 5 % bis 100 % Bio­me­than an (Abbil­dung 6–4). Bis auf einen Gas­ver­sor­ger bie­ten alle ein Bio­erd­gas­pro­dukt mit 10 % Bei­mi­schung an, womit die maxi­ma­le Anrech­nung zur EWär­meG Erfül­lung abge­deckt wird. Nur ein Ver­sor­ger bie­tet eine 15 % Bei­mi­schung als ein­zi­ges Bio­erd­gas­pro­dukt an. Als zusätz­li­ches Pro­dukt wird am häu­figs­ten Bio­erd­gas mit 30 % Bio­me­than ange­bo­ten. Zwei der unter­such­ten Gas­ver­sor­ger bie­ten auch noch ein 100 % Bio­me­than­pro­dukt an. Bio­erd­gas mit 5 % Bei­mi­schung wird von drei der 30 unter­such­ten Gas­ver­sor­ger ange­bo­ten. Dies wird eben­falls expli­zit als Tei­l­er­fül­lung zum EWär­meG bewor­ben.

Diagramm: Bioerdgasprodukte

Abbil­dung 6–4: Antei­li­ge Auf­tei­lung der Bio­erd­gas­pro­duk­te bei den unter­such­ten Stadt­wer­ken

Nahe­zu alle Stadt­wer­ke geben wei­te­re Lösungs­vor­schlä­ge zur Erfül­lung des EWär­meG. Die Kom­bi­na­ti­on Bio­erd­gas und Sanie­rungs­fahr­plan wird am häu­figs­ten bewor­ben. Fast die Hälf­te der Stadt­wer­ke bie­tet einen Sanie­rungs­fahr­plan direkt an – teil­wei­se in Koope­ra­ti­on mit ande­ren Part­nern wie Kli­ma­schutz­agen­tu­ren. Einen Sanie­rungs­fahr­plan zum Fest­preis wer­den von rund 27 % der Ver­sor­ger auf den Inter­net­sei­ten bewor­ben. Die Kos­ten für den Sanie­rungs­fahr­plan lie­gen dabei zwi­schen 369 € (Kon­stanz) und 999 € (Karls­ru­he). Neben der Sanie­rungs­be­ra­tung wer­den auch Kom­bi­na­tio­nen mit Solar und PV-Anla­gen oder die kom­plet­te Hei­zungs­er­neue­rung zur Erfül­lung des EWär­meG ange­bo­ten. Bade­no­va (Frei­burg, Offen­burg) hat ein spe­zi­el­les Con­trac­ting Ange­bot zur Erfül­lung des EWär­meG ent­wi­ckelt, bei dem der Kun­de die Hei­zung mie­ten und auch unter­schied­li­che Sys­te­me und Ener­gie­trä­ger zur Erfül­lung wäh­len kann.

6.2.2 Bioheizöl

Pro­duk­te Bio-Heiz­öl wird durch die DIN SPEC 51603–6 defi­niert. Die genaue Bezeich­nung ist Heiz­öl EL Bio. Die­ses ist schwe­fel­ar­mes Heiz­öl mit einer Bei­mi­schung von Fett­säu­re­me­thyl­es­ter (FAME).

Bereits im her­kömm­li­chen Heiz­öl ist eine Bei­mi­schung von 0,5 % FAME zuläs­sig. Die­sel ent­hält indu­ziert durch die Bio­kraft­stoff­quo­te bereits eine Bei­mi­schung von 5 – 7 %. Auf­grund der ande­ren Besteue­rung ist die­ser aber nur als Kraft­stoff zuläs­sig. Heiz­öl EL Bio gibt es mit unter­schied­li­chen Bei­mi­schungs­quo­ten, wel­che ent­spre­chend gekenn­zeich­net sind und für die Erfül­lung des EWär­meG ange­rech­net wer­den kön­nen. Dar­über hin­aus gibt es noch ver­schie­de­ne Mar­ken­heiz­öl­pro­duk­te. In die­sem Zusam­men­hang ist das das Pro­dukt Pre­mi­um eco­therm zu erwäh­nen, das ver­sucht, sich mit Umwelt­spen­den als öko­lo­gi­sches Heiz­öl zu posi­tio­nie­ren, was hin­sicht­lich des EWär­meG bei Ver­brau­chern teil­wei­se fälsch­li­cher­wei­se zur Annah­me führt, dass damit eine Aner­ken­nung im Rah­men des EWär­meG mög­lich ist.

Ange­bots­struk­tur und End­kun­den­prei­se Um die Ange­bots­struk­tur und die End­kun­den­prei­se in Baden-Würt­tem­berg zu eru­ie­ren, sind für alle Post­leit­zah­len­ge­bie­te Pro­dukt­an­ge­bo­ten ana­ly­siert wor­den6. Da die Händ­ler auch in meh­re­ren PLZ-Gebie­ten aktiv sind, sind mit Bezug auf die Anzahl der Händ­ler Dop­pel­zäh­lung in die Ana­ly­se ein­ge­gan­gen. Ins­ge­samt sind die Ange­bo­te von 162 Händ­lern unter­sucht wor­den, wovon 64 % Heiz­öl Bio 10 Pro­duk­te anbie­ten. Als Ver­gleichs­stich­pro­be wur­den PLZ-Gebie­te in ande­ren Bun­des­län­dern als Stich­pro­be ana­ly­siert. Die Ergeb­nis­se zei­gen, dass in den ande­ren Bun­des­län­dern kaum Bio­heiz­öl­pro­duk­te ange­bo­ten wer­den, wor­aus sich ablei­ten lässt, dass das EWär­meG einen signi­fi­kan­ten Ein­fluss auf die Markt­struk­tur bzw. das Pro­dukt­port­fo­lio der Heiz­öl­händ­ler hat.

Abbil­dung 6–5 zeigt die Ergeb­nis­se der Ana­ly­se zu der Händ­ler­struk­tur nach PLZ-Gebie­ten und den durch­schnitt­li­chen Auf­preis von Heiz­öl EL Bio 10 zum jewei­li­gen von den Händ­lern ange­bo­te­nen Stan­dard­heiz­öl­pro­dukt. Im Mit­tel über alle PLZ-Gebie­te beträgt der abso­lu­te Auf­preis 1,23 €-cent/kWh, was einem rela­ti­ven Auf­preis auf das her­kömm­li­che Heiz­öl­pro­dukt von 21 % ent­spricht.

Diagramm: Aufpreis Heizöl Bio 10 und Händlerstruktur

Abbil­dung 6–5: Ana­ly­se Auf­preis für Heiz­öl EL Bio 10 und Händ­ler­struk­tur in Baden-Würt­tem­berg

Überprüfung der technischen Rahmenbedingungen und Erfüllungsoptionen

6.3.1 Biomasse: Technologiebewertung und Anerkennung von Bio-Flüssiggas (LPG)

Aus­gangs­la­ge und Tech­no­lo­gie­be­wer­tung Flüs­sig­gas mit bio­ge­nem Anteil ist bis­her nicht direkt im EWär­meG als Erfül­lungs­op­ti­on zuge­las­sen, was ins­be­son­de­re auch am Fokus auf die Umstel­lung von Heiz­öl und Erd­gas liegt, die in der Wär­me­ver­sor­gung der Bestands­ge­bäu­de domi­nie­ren. Aller­dings besteht in den mit Flüs­sig­gas ver­sorg­ten Gebäu­den ein signi­fi­kan­tes Poten­ti­al zur Umstel­lung auf EE oder antei­li­gen Nut­zung von EE. Mit 1,47 TWh hat Flüs­sig­gas einen Anteil von 2 % des Brenn­stoff­be­darfs in Haus­hal­ten und dem GHD Sek­tor (Stat­LaA BaWü 2018).

Zudem ist Bio-Flüs­sig­gas ein neu­es Pro­dukt, des­sen Her­stel­lungs­ver­fah­ren der­zeit teil­wei­se noch erforscht oder erprobt wer­den. Bis­her gibt es in Euro­pa einen Pro­du­zen­ten in den Nie­der­lan­den, der Bio-Flüs­sig­gas her­stellt. In Deutsch­land plant der­zeit ein Lie­fe­rant den Ver­trieb von Bio-Flüs­sig­gas ab Mit­te 2018.

Fol­gen­de Ver­fah­ren zu Her­stel­lung von Bio-Flüs­sig­gas sind bekannt:

  • Neben­pro­dukt aus Bio­die­sel Pro­duk­ti­on: Her­stel­lung aus Pro­pan, das bei der Pro­duk­ti­on von Bio­die­sel der 2. Genera­ti­on (NextBTL) anfällt. Der­zeit wer­den durch Nes­te (NL) 40 000 t/a mit die­sem Ver­fah­ren pro­du­ziert (Nes­te 2015). Davon wer­den nach Anga­ben vom Flüs­sig­gas­lie­fe­ran­ten Prima­gas 2000 t/a nach Deutsch­land impor­tiert (PRIMAGAS 2018). Nach Anga­ben des DVFG7 sind bei den der­zei­ti­gen Bio­die­sel­pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten in Euro­pa von 970 000 t eine Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tät von 70 000 t Bio-Flüs­sig­gas mit die­sem Ver­fah­ren mög­lich (DVFG 2011).
  • Her­stel­lung aus Gly­ce­rin durch kata­ly­ti­sche Hydrie­rung (Adolf et al. 2011; Hul­te­berg et al. 2010): Gly­ce­rin fällt als Neben­pro­dukt bei der Bio­die­sel­pro­duk­ti­on, bei der Zel­lu­lo­se Her­stel­lung, in der Etha­nol Pro­duk­ti­on und als Rest­stoff in ande­ren Indus­trien an.
  • Ein expe­ri­men­tel­les Ver­fah­ren zur Her­stel­lung von Bio-Flüs­sig­gas aus Mikro­or­ga­nis­men ist im Pro­jekt Bio­Flüs­sig­gas am Zen­trum für Mari­ne Umwelt­wis­sen­schaf­ten der Uni­ver­si­tät Bre­men erforscht wor­den. Inwie­weit die Labor­ex­pe­ri­men­te erfolgs­ver­spre­chen­de Ergeb­nis­se brin­gen konn­ten, ist nicht bekannt.


Bewer­tung Nach dem EWär­meG fällt Bio-Flüs­sig­gas grund­sätz­lich unter die Defi­ni­ti­on für flüs­si­ge Bio­mas­se, da die Inhalts­stof­fe sich aus bio­ge­nen Rest- und Abfall­stof­fe der Indus­trie sowie Pflan­zen­ölen zusam­men­set­zen. Aller­dings wird in der Defi­ni­ti­on des Min­dest­an­teils bei der Erfül­lung des EWär­meG durch Bei­mi­schung flüs­si­ger Bio­mas­se nur Bezug auf Heiz­öl genom­men (EWär­meG §5 (4)). Damit ist Bio-Flüs­sig­gas nicht als Erfül­lungs­op­ti­on aner­kannt.

Emp­feh­lung Aus Sicht der For­schungs­neh­mer soll­te bei der Aner­ken­nung flüs­si­ger Bio­mas­se grund­sätz­lich nicht zwi­schen der Bei­mi­schung in Heizöl/ Erd­gas oder Flüs­sig­gas unter­schie­den wer­den. Um die­se Rege­lungs­lü­cke zu schlie­ßen, könn­te die §5 (4) fol­gen­der­ma­ßen geän­dert wer­den:

Der Ein­satz von flüs­si­ger Bio­mas­se wird in Wohn­ge­bäu­den als Erfül­lung der Nut­zungs­pflicht zu maxi­mal zwei Drit­teln aner­kannt, wenn Heiz­öl [Neu] oder Flüs­sig­gas [/Neu] mit einem anre­chen­ba­ren Anteil flüs­si­ger Bio­mas­se von bis zu 10 Pro­zent zur voll­stän­di­gen Deckung des Wär­me­en­er­gie­be­darfs ver­wen­det wird und die Nut­zung in einem Heiz­kes­sel erfolgt, der der bes­ten ver­füg­ba­ren Tech­nik ent­spricht.“

Es stellt sich jedoch die Fra­ge, wel­che Neben­an­for­de­run­gen für Bio-Flüs­sig­gas gel­ten. Die Ver­mark­tung des ver­füg­ba­ren Bio-Flüs­sig­ga­ses geschieht über ein Mas­sen­bi­lan­zie­rungs­ver­fah­ren. Damit soll wie bei der Ein­spei­sung von Bio­me­than in das Erd­gas­netz sicher­ge­stellt wer­den, dass die pro­du­zier­ten Men­gen nicht dop­pelt ver­mark­tet wer­den. Der Mas­sen­bi­lanz­nach­weis dient dem Nach­weis einer Bei­mi­schung, wenn der Ener­gie­trä­ger wie bei Bio­me­than als lei­tungs­ge­bun­de­ner Ener­gie­trä­ger bei der Ent­nah­me aus dem Netz auf einer rei­nen bilan­zi­el­len Ebe­ne bezo­gen wird und die äqui­va­len­te Men­ge an einer ande­ren Stel­le ein­ge­speist wird. Bei Erfül­lung des EWär­meG durch flüs­si­ge Ener­gie­trä­ger ist jedoch davon aus­zu­ge­hen, dass nicht nur eine bilan­zi­el­le Pro­dukt­bei­mi­schung erfolgt. Da es aber für Bio­pro­pan kei­ne sepa­ra­te Sor­ten­de­kla­ra­ti­on wie bei Heiz­öl EL Bio gibt und das Bio­pro­pan dem Norm­stan­dard für her­kömm­li­ches Flüs­sig­gas ent­spricht und somit in Lie­fer­ket­te kei­ne phy­si­sche Pro­dukt­tren­nung erfolgt, ist eine Nach­weis­füh­rung für die Her­kunft des Pro­duk­tes not­wen­dig. Im EWär­meG wäre damit neben der Nach­hal­tig­keits­an­for­de­rung für die Bei­mi­schung bio­ge­ner flüs­si­ger Brenn­stof­fe zusätz­lich noch eine Mas­sen­bi­lan­zie­rung zu for­dern, mit der Pro­duk­ti­ons­men­gen von Her­stel­lung bis zum Ver­brau­cher nach­ge­wie­sen wer­den kön­nen. Eine sol­che Mas­sen­bi­lan­zie­rung müss­te von unab­hän­gi­gen Drit­ten gewähr­leis­tet wer­den. Abbil­dung 6–6 zeigt das Sche­ma der Mas­sen­bi­lanz für Bio-Flüs­sig­gas des Flüs­sig­gas­lie­fe­ran­ten PRIMAGAS.

Diagramm: Schema der Massenbilanz für Bio-Flüssiggas von PRIMAGAS

Abbil­dung 6–6: Sche­ma der Mas­sen­bi­lanz für Bio-Flüs­sig­gas von PRIMAGAS. Quel­le: (PRIMAGAS 2018)

6.3.2 Biomasse: 50 kW Grenze für gasförmige Biomasse

Aus­gangs­la­ge Nach § 5 (3) EWär­meG ist eine Tei­l­er­fül­lung durch Bio­me­than nur in Wär­me­er­zeu­gern bis 50 kW mög­lich.

Bewer­tung Die unter­schied­li­che Behand­lung zwi­schen gas­för­mi­ger und flüs­si­ger Bei­mi­schung durch die­se Anfor­de­run­gen wird durch die Akteu­re aus der Pra­xis viel kri­ti­siert. Ein kon­kre­ter Fall, der von den Stadt­wer­ken Kon­stanz geschil­dert wur­de, ver­deut­licht, dass dies nicht nur theo­re­tisch zu Fehl­an­rei­zen bei zen­tral­be­heiz­ten Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern, die in den Bereich über Heiz­leis­tung von 50 kW fal­len, führt.

Emp­feh­lung Es wird emp­foh­len, eine Har­mo­ni­sie­rung der Anfor­de­run­gen für die brenn­stoff­ba­sier­ten Erfül­lungs­op­tio­nen (flüs­si­ge und gas­för­mi­ge Bio­mas­se) im EWär­meG zu errei­chen. Dazu gibt es ent­we­der die Mög­lich­keit, die 50 kW-Gren­ze zu strei­chen oder die­se eben­falls für die Bei­mi­schung von flüs­si­ger Bio­mas­se zu for­dern.

Die For­schungs­neh­mer emp­feh­len, die 50 kW-Gren­ze für Bio­me­than und Bio­öl zu for­dern, um damit die Anfor­de­run­gen zwi­schen Bio­me­than-Gas­kes­seln und Bio-Heiz­öl Heiz­kes­seln zu har­mo­ni­sie­ren. Die Bei­be­hal­tung der 50 kW-Gren­ze ist inso­fern sinn­voll, als es damit einen Anreiz zur Nut­zung dezen­tra­len EE-Wär­me Tech­no­lo­gien, dezen­tra­ler KWK oder wär­me­netz­ba­sier­ten Optio­nen gibt, die aus tech­no-öko­no­mi­scher Sicht in die­sem Leis­tungs­be­reich sinn­voll zum Ein­satz kom­men kön­nen, aber auf­grund der über­wie­gen­den Besitz­struk­tur in die­sem Seg­ment (meist ver­mie­te­te Gebäu­de) gegen­über den brenn­stoff­ba­sier­ten Erfül­lungs­op­tio­nen oft­mals nicht zum Zuge kom­men wür­den. Für die Ver­mie­ter ent­ste­hen bei den brenn­stoff­ba­sier­ten Erfül­lungs­op­tio­nen kei­ne Inves­ti­ti­ons­kos­ten, wäh­rend für die Mie­ter in jedem Fall höhe­ren Ener­gie­kos­ten ent­ste­hen (vgl. Kapi­tel 6.1).

6.3.3 Biomasse: Anerkennung brennstoffbasierter Erfüllungsoptionen

Aus­gangs­la­ge Die Eva­lua­ti­ons­er­geb­nis­se zei­gen, dass die Erfül­lung mit Bio­me­than und Bio-Heiz­öl einen hohen Anteil haben. In Kom­bi­na­ti­on mit dem Sanie­rungs­fahr­plan stel­len sie im Ver­gleich zu den EE-Wär­me Tech­no­lo­gie­op­tio­nen sehr „ein­fa­che“ Erfül­lungs­op­tio­nen dar, die mit nied­ri­gem Inves­ti­tio­nen und Trans­ak­ti­ons­kos­ten imple­men­tiert wer­den kön­nen. Wie in Abschnitt 6.2 auf­ge­zeigt, hat es eine dyna­mi­sche Markt­ent­wick­lung bei den Gas­ver­sor­gern / Stadt­wer­ken und Hei­zöl­lie­fe­ran­ten gege­ben, die mit ent­spre­chen­den Pro­duk­ten die Erfül­lung des EWär­meG bewer­ben.

Bewer­tung Die Ver­wen­dung die­ser brenn­stoff­ba­sier­ten Erfül­lungs­op­tio­nen leis­ten einen gerin­gen Bei­trag für den ziel­kon­for­men Gebäu­de­be­stand, da sie die bestehen­den Infra­struk­tu­ren einer auf gas- und ölba­sier­ten Wär­me­ver­sor­gung stüt­zen, wäh­rend die lang­fris­ti­gen Sze­na­ri­en­un­ter­su­chun­gen für den Gebäu­de­be­stand in Deutsch­land einen mas­si­ven Rück­gang von Gas- und Ölhei­zun­gen erfor­der­lich hal­ten, um die Kli­ma­schutz­zie­le zu errei­chen (Pflu­ger et al. 2017; Repen­ning et al. 2015; Tham­ling et al. 2015). Durch die flä­chen­de­cken­de Mög­lich­keit mit dem Ein­bau von Gas- und Heiz­öl­kes­seln das EWär­meG zu erfül­len, wer­den kei­ne Anrei­ze an den Markt gesetzt, Pro­duk­te zu gene­rie­ren, die auch auf Basis dezen­tra­ler EE-Wär­me­tech­no­lo­gien eine ein­fa­che Erfül­lung ermög­li­chen. Auch mit Bezug auf die spe­zi­fi­schen THG-Ein­spa­run­gen fällt die Bewer­tung gas­för­mi­ger und flüs­si­ger Bio-mas­se schlech­ter aus als für fes­te Bio­mas­se (Abbil­dung 6–7).

Diagramm: Spezifische THG-Einsparungen biogener Energieträger gegenüber Erdgas und Heizöl

Abbil­dung 6–7: Spe­zi­fi­sche THG-Ein­spa­run­gen bio­ge­ner Ener­gie­trä­ger gegen­über Erd­gas und Heiz­öl. Quel­le: eige­ne Berech­nun­gen auf Basis von Feh­ren­bach et al. (2016)

Die Erfül­lung über Bio­me­than und Bio-Heiz­öl macht hin­ge­gen in den Gebäu­den Sinn, bei denen tech­no­lo­gie­ba­sier­te EE-Optio­nen nicht mög­lich sind oder nur mit sehr hohem tech­ni­schen und finan­zi­el­lem Auf­wand imple­men­tiert wer­den kön­nen. Aus Akzep­tanz­grün­den für das EWär­meG ist es daher auch wich­tig, die­se Optio­nen grund­sätz­lich zu erhal­ten.

Hand­lungs­op­tio­nen und Emp­feh­lung Aus den genann­ten Grün­den wird emp­foh­len, die Anfor­de­run­gen an gas­för­mi­ge und flüs­si­ge Bio­mas­se zu ändern, um eine Poten­ti­al­aus­schöp­fung für tech­no­lo­gie­ba­sier­te EE-Wär­me Optio­nen in den dafür geeig­ne­ten Gebäu­de­seg­men­ten anzu­rei­zen. Durch Ände­rung der Neben­an­for­de­run­gen könn­ten die brenn­stoff­ba­sier­te Erfül­lungs­op­tio­nen ins­be­son­de­re auf die Seg­men­te beschränkt wer­den, in denen EE-Wär­me Tech­no­lo­gien nicht mög­lich sind. Dies sind ins­be­son­de­re Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser mit Eta­gen­hei­zun­gen, die bis­her nicht vom EWär­meG erfasst sind. Eine Vari­an­te wäre, eine Aus­wei­tung der EWär­meG-Nut­zungs­pflicht auf Eta­gen­hei­zun­gen in Kom­bi­na­ti­on mit der Beschrän­kung der Erfül­lung durch gas­för­mi­ge und flüs­si­ge Bio­mas­se auf die­ses Seg­ment im EWär­meG zu ver­an­kern. Da hier­bei nicht die Gebäu­de, son­dern Woh­nun­gen ver­pflich­tet sind, wäre dabei eine Kom­bi­na­ti­on mit dem Sanie­rungs­fahr­plan nur bedingt umsetz­bar. Eine Ein­schrän­kung der Erfül­lun­gen bei Zen­tral­hei­zung (EFH und MFH) durch brenn­stoff­ba­sier­te Opti­on könn­te ent­we­der dadurch gesche­hen, dass in die­sen Seg­men­ten nur noch tech­no­lo­gie­ba­sier­te EE-Wär­me-Erfül­lungs­op­tio­nen zuge­las­sen wer­den oder der maxi­mal zuläs­si­ge Erfül­lungs­grad durch die Bei­mi­schung von gas­för­mi­ger oder flüs­si­ger Bio­mas­se redu­ziert wird. Aller­dings führt die Aus­wei­tung der Ver­pflich­tung des EWär­meG auf Gas­eta­gen­hei­zun­gen zu einer wei­te­ren Kos­ten­kom­po­nen­te für Mieter­haus­hal­te.

Alter­na­tiv dazu könn­te daher ein Nach­weis eines Bera­tungs­ge­sprä­ches ein­ge­for­dert wer­den, in dem über ande­re EE-Hei­zungs­tech­no­lo­gien und Ersatz­maß­nah­men gespro­chen wur­de. Damit könn­te erreicht wer­den, dass die brenn­stoff­ba­sier­ten Erfül­lungs­op­tio­nen stär­ker auf Seg­men­te beschränkt wer­den, in denen ande­re EE-Wär­me Tech­no­lo­gien nicht mög­lich sind.

6.3.4 Wärmepumpe: Brauchwasserwärmepumpe als Teilerfüllung

Tech­no­lo­gie­be­wer­tung Brauch­was­ser­wär­me­pum­pen kön­nen für die zen­tra­le Erzeu­gung von Warm­was­ser mit einem Spei­cher­sys­tem ein­ge­setzt wer­den. Die Tech­no­lo­gie sind Luft/Wasser Wär­me­pum­pen, die durch die Nut­zung von Innenluft/Kellerluft von rund 15 °C eine effi­zi­en­te Erzeu­gung ermög­li­chen. Am Markt sind etwa 100 Pro­duk­te ver­füg­bar, die sich hin­sicht­lich der Spei­cher- und Leis­tungs­grö­ße sowie der Effi­zi­enz unter­schei­den (SWW 2015). Abbil­dung 6–8 zeigt die Aus­wer­tung der Markt­über­sicht. Die Tech­no­lo­gien sind mit Spei­cher­grö­ßen von bis zu 400 Liter und Leis­tung bis 5 kW für die Warm­was­ser­er­zeu­gung in Ein­fa­mi­li­en­häu­ser geeig­net. Aus den Leis­tungs­zah­len der am Markt ver­füg­ba­ren Tech­no­lo­gien ergibt sich für die Erwär­mung von Warm­was­ser auf 60°C nach VDI 4650 eine Jah­res­ar­beits­zahl zwi­schen 2,98 und 4.5.

Diagramm: Technische Bewertung Brauchwasserwärmepumpe

Abbil­dung 6–8: Tech­ni­sche Bewer­tung Brauch­was­ser­wär­me­pum­pe. Quel­le: eige­ne Dar­stel­lung basie­rend auf (ebd.)

Die spe­zi­fi­schen Inves­ti­tio­nen betra­gen je nach Leis­tung und Spei­cher­grö­ße zwi­schen 560 €/kW und 2350 €/kW.

Aus­gangs­la­ge Die Aner­ken­nung der Brauch­was­ser­wär­me­pum­pe als Erfül­lungs­op­ti­on ist im EWär­meG im Rah­men von §11 (3) „Kom­bi­na­ti­ons­mög­lich­keit bei antei­li­ger Wär­me­pum­pen­de­ckung“ mög­lich. Die EE-Wär­me­men­ge, die für die Erfül­lung ange­rech­net wer­den kann, wird dabei aus der fol­gen­den For­mel berech­net:

EE=???−3.0???∗???

Hier­bei stellt sich die Fra­ge, ob die aus die­ser For­mel resul­tie­ren­de Tei­l­er­fül­lung des E‑WärmeG, der Wir­kung der Maß­nah­me und den damit ver­bun­de­nen Inves­ti­tio­nen Rech­nung trägt.

Bewer­tung Um die resul­tie­ren­de antei­li­gen Erfül­lungs­grad zu ermit­telt, wird eine Berech­nung anhand von zwei Refe­renz­ge­bäu­den und unter­schied­li­chen JAZ der Wär­me­pum­pe durch­ge­führt. Abbil­dung 6–9 zeigt den Raum­wär­me und Warm­was­ser­en­er­gie­be­darf des sanier­ten und unsa­nier­ten Refe­renz­ge­bäu­des. Der Wär­me­be­darf der Trink­was­ser­an­la­ge ist bei bei­den Gebäu­den gleich, wäh­rend der Raum­wär­me­be­darf im Fall des sanier­ten Gebäu­des ent­spre­chend nied­ri­ger ist. Die rech­te Sei­te der Abbil­dung zeigt für unter­schied­li­che JAZ den resul­tie­ren­den End­ener­gie­be­darf der Brauch­was­ser­wär­me­pum­pe und die jeweils anre­chen­ba­re EE-Men­ge ent­spre­chend der oben dar­ge­stell­ten For­mel.

Diagramm: Referenzberechnung für die anrechenbare EE-Wärmeenergie von Brauchwasserwärmepumpen.

Abbil­dung 6–9: Refe­renz­be­rech­nung für die anre­chen­ba­re EE-Wär­me­en­er­gie von Brauch­was­ser­wär­me­pum­pen. Quel­le: eige­ne Berech­nung

Dar­aus ergibt sich je nach Effi­zi­enz der Wär­me­pum­pe und Refe­renz­ge­bäu­de ein anre­chen­ba­rer EE-Wär­me­an­teil zwi­schen 0,7 % und 7,17 %. Eine Anrech­nung von wenigs­tens 5 % ermög­licht im Rah­men des EWär­meG sinn­vol­le Kom­bi­na­ti­ons­mög­lich­keit, die aber nur bei der höchs­ten Jah­res­ar­beits­zahl im Fall des sanier­ten Gebäu­des erreicht wird.

Diagramm: Resultierenden EE-Wärme Anteil der Brauchwasserwärmepumpe für die Erfüllung des EWärmeG

Abbil­dung 6–10: Resul­tie­ren­den EE-Wär­me Anteil der Brauch­was­ser­wär­me­pum­pe für die Erfül­lung des EWär­meG. Quel­le: eige­ne Berech­nung

Emp­feh­lung Mit den der­zei­ti­gen Rege­lun­gen stellt die Brauch­was­ser­wär­me­pum­pe kei­ne Opti­on dar, mit der eine rea­lis­ti­sche Tei­l­er­fül­lung des EWär­meG erreicht wer­den kann. Dies liegt ins­be­son­de­re an der Berech­nungs­for­mel, die mit einem Kenn­wert von 3,0 den Strom­mix bewer­tet – mitt­ler­wei­le liegt der Pri­mär­ener­gie­fak­tor des Stroms aber deut­lich unter 3. Die Brauch­was­ser­wär­me­pum­pe ist eine för­der­wür­di­ge Tech­no­lo­gie, die sowohl als Ein­zel­tech­no­lo­gie zu rele­van­ten THG Emis­si­ons­ein­spa­run­gen führt, die per­spek­ti­visch mit sin­ken­dem Emis­si­ons­fak­tor für Strom noch stei­gen wer­den. Es wird emp­foh­len, die Aner­ken­nung ent­spre­chend zu ändern, so dass mit der Brauch­was­ser­wär­me­pum­pe sinn­vol­le Kom­bi­na­tio­nen zur Erfül­lung des EWär­meG mög­lich sind. Dazu kann zum einen eine pau­scha­le Aner­ken­nung der Brauch­was­ser­wär­me mit 5 % zur Erfül­lung fest­ge­schrie­ben wer­den, unter der Vor­aus­set­zung einer Min­dest­leis­tungs­zahl z. B. von 3,8 (bei 60 °C) erreicht wird (Mit­tel­wert aus Markt­ana­ly­se) bei voll­stän­di­ger Erzeu­gung des Trink­was­sers. Eine wei­te­re Alter­na­ti­ve besteht in der Anpas­sung des Kenn­wer­tes in der For­mel. Die Bewer­tung des Stroms könn­te ana­log zu der Ände­rung der pri­mär­ener­ge­ti­schen Bewer­tung nach der EnEV von 3,0 auf 1,8 gesenkt wer­den. Auch ein direk­ter Bezug auf den Pri­mär­ener­gie­fak­tor in der EnEV stellt eine Mög­lich­keit dar.

1 Bei der BHKW Vari­an­te ist die För­de­run­gen sehr rele­vant. Hier ist ohne Inves­ti­ti­ons­zu­schüs­se, EEG Ein­spei­se­ver­gü­tung und Ener­gie­steu­er­rück­erstat­tung gerech­net wor­den.
2 Die­se bei­den Vari­an­ten rei­chen für sich genom­men aber auch nicht aus, um die Pflicht zur Nut­zung erneu­er­ba­rer Ener­gien gemäß EWär­meG voll­stän­dig zu erfül­len.
3 Für die Rech­nung wird jeweils eine 100 % Deckung mit Bio­me­than oder Bio­heiz­öl in den Gebäu­den ange­setzt
4 Für die Ver­gleichs­ana­ly­se wur­den die Erd­gas­pro­duk­te der Stadt­wer­ke in den jeweils drei größ­ten Städ-ten der übri­gen Bun­des­län­der unter­sucht
5 Bei einem Stadt­werk lag der Grund­prei­se des Bio­erd­gas­ta­rifs unter dem ver­gleich­ba­ren Erd­gas­ta­rif. Dies wur­de in der Berech­nung der Auf­prei­se auf den Arbeits­preis umge­legt
6 Die Ana­ly­se wur­de im Sep­tem­ber / Okto­ber 2017 durch­ge­führt.
7 Deut­scher Ver­band für Flüs­sig­gas e.V

Umweltministerium BW logo

Nichtwohngebäude

Mit der Novel­le des EWär­meG wur­den Nicht­wohn­ge­bäu­de erst­ma­lig als ver­pflich­te­te Gebäu­de mit ein­be­zo­gen. Die Ana­ly­se der Erfül­lungs­op­tio­nen erlaubt Schluss­fol­ge­run­gen, inwie­weit aus­rei­chend vie­le Optio­nen vor­lie­gen und wie wirk­sam die­se sind. Die Wirk­sam­keit wur­de auch für Pro­duk­ti­ons­hal­len unter­sucht, die der­zeit vom EWär­meG aus­ge­nom­men sind.

Im Grund­satz geht es im EWär­meG dar­um, 15 Pro­zent des Wär­me­en­er­gie­be­darfs – also der Wär­me­men­ge, die ein Wär­me­er­zeu­ger an das Heiz­sys­tem abgibt – aus erneu­er­ba­ren Ener­gien zu decken oder den Wär­me­en­er­gie­be­darf um min­des­tens 15 Pro­zent zu redu­zie­ren. Die öko­lo­gi­sche Wirk­sam­keit von Maß­nah­men misst sich hin­ge­gen dar­an, wie­viel Pri­mär­ener­gie – d. h. der gesam­te Ener­gie­be­darf des Gebäu­des in den Bilanz­gren­zen der EnEV ein­schließ­lich der vor­ge­la­ger­ten Pro­zess­ket­te für die Energieträger/Brennstoffe – durch die jewei­li­ge Maß­nah­me ein­ge­spart wird. Alter­na­tiv kann die Wirk­sam­keit auch über eine CO2,äq.-Einsparung ermit­telt wer­den.

Gebäudebeschreibung

Für fünf typi­sche Bei­spiel­ge­bäu­de, die zum einen die von der Nut­zungs­pflicht erfass­ten Nicht­wohn­ge­bäu­de in der Brei­te abde­cken sowie von der Nut­zungs­pflicht aus­ge­nom­men (Pro­duk­ti­ons­hal­le) wur­den, wur­den Berech­nun­gen über ein­ge­spar­te End­ener­gie, Pri­mär­ener­gie und CO2-Emis­sio­nen durch­ge­führt. Unter­sucht wur­den:

  • ein Büro­ge­bäu­de (1.080 m² NGF)
  • eine Schu­le (5.291 m² NGF)
  • ein Discounter/Lebensmittelmarkt (1.600 m² NGF)
  • ein Kon­gress­zen­trum mit Gas­tro­no­mie (1.844 m² NGF)
  • eine Pro­duk­ti­ons­hal­le (4.362 m² NGF)


Rand­be­din­gun­gen Die Berech­nun­gen wur­den mit DIN V 18599 als Mehr­zo­nen­mo­del­le mit dem Test­re­fe­renz­jahr TRY12 durch­ge­führt, wel­ches für den Stand­ort Stutt­gart (sowie auch für Karls­ru­he, Mann­heim, Frei­burg u.a.) zutrifft. Die Abwei­chun­gen zu Berech­nun­gen mit dem Test­re­fe­renz­jahr TRY 4 (Pots­dam), wel­ches für die EnEV vor­ge­schrie­ben ist, lagen beim exem­pla­risch her­an­ge­zo­ge­nen Büro­ge­bäu­de im unte­ren ein­stel­li­gen Pro­zent­be­reich.

Vari­an­ten Zur Erfül­lung des EWär­meG gibt es zahl­rei­che Optio­nen. Die Wirk­sam­keit die­ser Optio­nen wird nach­fol­gend dar­ge­stellt, wo mög­lich auch für Tei­l­er­fül­lun­gen (5 %/10 %/15 %). Erfül­lungs­op­tio­nen, die tech­nisch nicht mög­lich sind, sind aus­ge­spart. Grund­sätz­lich wur­de ange­nom­men, dass die Hei­zung getauscht wird gegen einen neu­en Gas-Brenn­wert­kes­sel (Erd­gas H).

Die detail­lier­ten Beschrei­bun­gen von Gebäu­den und Vari­an­ten sowie der Rand­be­din­gun­gen sind in Anhang 14.7 doku­men­tiert.

Berechnungsergebnisse

7.2.1 Nutz‑, End- und Primärenergiebedarf aufgeteilt nach Heizung, Trinkwarmwasser, Kühlung, Belüftung und Beleuchtung

Sowohl in den Abso­lut­wer­ten wie auch in der Ver­tei­lung auf Hei­zung, Trink­warm­was­ser, Küh­lung, Belüf­tung und Beleuch­tung sind Nicht­wohn­ge­bäu­de nicht nur von den Dimen­sio­nen des Gebäu­des stark abhän­gig, son­dern auch von der jewei­li­gen Nut­zung. Nach­fol­gend ist der Ist-Zustand – vor dem Kes­sel­tausch – der fünf her­an­ge­zo­ge­nen Gebäu­de dar­ge­stellt. Die detail­lier­ten Wer­te ste­hen im Anhang.

Diagramm: Jährlicher Energiebedarf des Bürogebäudes (1.080 m² NGF) im Ursprungszustand

Abbil­dung 7–1: Jähr­li­cher Ener­gie­be­darf des Büro­ge­bäu­des (1.080 m² NGF) im Ursprungs­zu­stand

Diagramm: Jährlicher Energiebedarf der Produktionshalle (4.362 m² NGF) im Ursprungszustand

Abbil­dung 7–2: Jähr­li­cher Ener­gie­be­darf der Pro­duk­ti­ons­hal­le (4.362 m² NGF) im Ursprungs­zu­stand

Diagramm: Jährlicher Energiebedarf der Schule (5.291 m² NGF) im Ursprungszustand

Abbil­dung 7–3: Jähr­li­cher Ener­gie­be­darf der Schu­le (5.291 m² NGF) im Ursprungs­zu­stand

Diagramm: Jährlicher Energiebedarf des Kongresszentrums (1.844 m² NGF) im Ursprungszustand

Abbil­dung 7–4: Jähr­li­cher Ener­gie­be­darf des Kon­gress­zen­trums (1.844 m² NGF) im Ursprungs­zu­stand

Diagramm: Jährlicher Energiebedarf des Discounters (1.600 m² NGF) im Ursprungszustand

Abbil­dung 7–5: Jähr­li­cher Ener­gie­be­darf des Dis­coun­ters (1.600 m² NGF) im Ursprungs­zu­stand

7.2.2 Wirksamkeit der Erfüllungsoptionen

Die Wirk­sam­keit von Maß­nah­men lässt sich anhand der dar­aus indu­zier­ten Ein­spa­run­gen ermit­teln. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass hier nur eine begrenz­te Anzahl an Bei­spiel­ge­bäu­den bewer­tet wer­den kann und die Wirk­sam­keit der tech­ni­schen Maß­nah­men von Objekt zu Objekt stark schwankt.

In den Berech­nun­gen wird nach­fol­gend dar­ge­stellt, wel­che Ein­spa­run­gen (Pri­mär­ener­gie und CO2,äq.) durch die jewei­li­gen Erfül­lungs­op­tio­nen erreicht wer­den. Optio­nen, die tech­nisch nicht mög­lich sind (z.B. Wär­me­pum­pe an Heiz­kör­per 70/55), wur­den nicht berück­sich­tigt. Die Holz­zen­tral­hei­zung (Pel­lets) deckt den gesam­ten Wär­me­be­darf, da hier biva­len­te Sys­te­me nicht üblich sind. Bei allen fünf Gebäu­den liegt die Nenn­wär­me­leis­tung über 50 kW, des­halb wur­de Bio­gas und Bio­öl nicht berück­sich­tigt. Zur Bewer­tung des der Wär­me­netz­va­ri­an­te wur­de auf die Kenn­wer­te des Fern­wär­me­mix für Deutsch­land zurück­ge­grif­fen; nach den Mini­mal­an­for­de­run­gen des EWär­meG wären deut­lich schlech­te­re Wär­me­net­ze zuläs­sig.

Die detail­lier­ten Berech­nungs­er­geb­nis­se der Vari­an­ten mit den Abso­lut­wer­ten für End­ener­gie, Pri­mär­ener­gie und CO2,äq. sind getrennt für die fünf Gebäu­de im Anhang dar­ge­stellt.

In den nach­fol­gen­den Tabel­len und Gra­phi­ken wer­den die rela­ti­ven Ein­spa­run­gen für CO2,äq. (Treib­haus­ga­se THG) und Pri­mär­ener­gie auf­ge­zeigt, wenn anstatt ledig­lich eines neu­en Gas-Brenn­wert-Kes­sels wei­te­re Maß­nah­men durch­ge­führt wer­den. Die detail­lier­te Beschrei­bung der Maß­nah­men ist im Anhang doku­men­tiert. In den Gra­phi­ken und nach­fol­gen­den Tabel­len ist zu sehen, dass die erziel­ten Ein­spa­run­gen sehr unter­schied­lich aus­fal­len. Die Dis­kus­si­on dar­über ist im nach­fol­gen­den Kapi­tel doku­men­tiert.

Diagramm: Primärenergie-Einsparung, Baseline Gas-Brennwert-Kessel (Erdgas)

Abbil­dung 7–6: Pri­mär­ener­gie­ein­spa­rung durch die jewei­li­ge Erfül­lungs­op­ti­on gegen­über einem neu instal­lier­ten Erd­gas-Brenn­wert­kes­sel; in Pro­zent * Bio­gas und Bio­öl nicht zuläs­sig, da Kes­sel­nenn­leis­tung über 50 kW

Diagramm: THG-Einsparung, Baseline Gas-Brennwert-Kessel (Erdgas)

Abbil­dung 7–7: Treib­haus­gas­ein­spa­rung durch die jewei­li­ge Erfül­lungs­op­ti­on gegen­über einem neu instal­lier­ten Gas-Brenn­wert­kes­sel; in Pro­zent * Bio­gas und Bio­öl nicht zuläs­sig, da Kes­sel­nenn­leis­tung über 50 kW

Tabelle: Erfüllungsoptionen einschließlich Teilerfüllungsoptionen und deren Primärenergie- sowie Treibhausgaseinsparungen gegenüber einem neu installierten Gas-Brennwertkessel
Tabelle: Erfüllungsoptionen einschließlich Teilerfüllungsoptionen und deren Primärenergie- sowie Treibhausgaseinsparungen gegenüber einem neu installierten Gas-Brennwertkessel

Tabel­le 7–1: (Bei­de Tabel­len): Erfül­lungs­op­tio­nen ein­schließ­lich Tei­l­er­fül­lungs­op­tio­nen und deren Pri­mär­ener­gie- sowie Treib­haus­gas­ein­spa­run­gen gegen­über einem neu instal­lier­ten Gas-Brenn­wert­kes­sel; in Pro­zent

Interpretation der Berechnungen

Die Wirk­sam­keit hin­sicht­lich CO2- und Pri­mär­ener­gie-Ein­spa­rung ist sehr unter­schied­lich, sowohl in Bezug auf die jewei­li­ge Erfül­lungs­op­ti­on wie auch auf den Gebäu­de­typ.

7.3.1 Zur Verfügung stehende Erfüllungsoptionen

Ins­ge­samt gibt es eine genü­gen­de Anzahl an Erfül­lungs­op­tio­nen, u. a. die Mög­lich­keit, den Wär­me­en­er­gie­be­darf durch belie­bi­ge Maß­nah­men um 15 % zu redu­zie­ren, die jede Men­ge Frei­heits­gra­de schafft.

7.3.2 Vergleich der Wirkung der Erfüllungsoptionen

Prin­zi­pi­ell kann fest­ge­stellt wer­den, dass eine ener­ge­ti­sche Ertüch­ti­gung des­sel­ben Gebäu­des auf das im EWär­meG fest­ge­leg­te Anfor­de­rungs­ni­veau umso wirk­sa­mer ist, je schlech­ter der Aus­gangs­zu­stand ist (z. B. eine Außen­wand mit U=1,2 W/m²K). Auch spie­len die geo­me­tri­schen Ver­hält­nis­se der Außen­bau­tei­le zuein­an­der hin­sicht­lich der Wirk­sam­keit auf das Gesamt­ge­bäu­de eine Rol­le. Des Wei­te­ren dif­fe­rie­ren bei Nicht­wohn­ge­bäu­den – im Gegen­satz zu Wohn­ge­bäu­den – die Nut­zun­gen viel stär­ker, was sich wie­der­um in der Wirk­sam­keit von Maß­nah­men nie­der­schlägt. So kann z. B. eine solar­ther­mi­sche Anla­ge im Som­mer kei­ne Wär­me lie­fern – und somit auch nicht wirk­sam sein –, wenn kein Warm­was­ser­be­darf vor­han­den ist.

Die Wirk­sam­keit durch den Wech­sel des Ener­gie­trä­gers hängt stark von der Bewer­tung der jewei­li­gen Ener­gie­trä­ger ab. So hät­te ein Bio­gas-Brenn­wert­kes­sel pri­mär­ener­ge­tisch über­haupt kei­ne Wirk­sam­keit, da nach EnEV der Pri­mär­ener­gie­fak­tor für Erd­gas und Bio­gas gleich ist. Bezüg­lich der THG-Emis­sio­nen wür­den durch Bio­gas Ver­bes­se­run­gen aus­ge­wie­sen wer­den, sofern die vor­ge­la­ger­te Pro­zess­ket­te berück­sich­tigt wird. Auch bei Wär­me- und Strom­net­zen ist ent­schei­dend, mit wel­chen Fak­to­ren das jewei­li­ge Netz bewer­tet wird.

Ohne Wech­sel des Ener­gie­trä­gers oder Brenn­stoffs

Wird der Brenn­stoff nicht gewech­selt, geht die Ein­spa­rung an Pri­mär­ener­gie nahe­zu ana­log zur Ein­spa­rung des Wär­me­en­er­gie­be­darfs. Star­ke Abwei­chun­gen gegen­über einem Ziel­wert mit einer Ein­spa­rung von 5/10/15 % gibt es bei Solar­ther­mie, Dach, Bau­tei­len nach unten sowie Abwär­me­nut­zung über raum­luft­tech­ni­sche Anla­gen mit Wär­me­rück­ge­win­nung, wenn vor­han­de­ne alte WRG ersetzt wird.

Mit Wech­sel des Ener­gie­trä­gers oder Brenn­stoffs

Im Ver­gleich der jewei­li­gen Min­des­t­er­fül­lun­gen las­sen sich die höchs­ten Ein­spa­run­gen – sowohl Pri­mär­ener­gie wie auch THG – durch den Wech­sel des Ener­gie­trä­gers erzie­len. Wird die Wär­me­ver­sor­gung an ein Wär­me­netz ange­schlos­sen, statt an einen neu­en Gas-Brenn­wert­kes­sel, kön­nen sowohl der Pri­mär­ener­gie­be­darf wie die THG-Emis­sio­nen signif­kant redu­ziert wer­den. Jedoch sind nach EWär­meG auch Wär­me­net­ze zuläs­sig, die die­se Kenn­wer­te ver­schlech­tern. Auch Wär­me­net­ze soll­ten daher auf einen per­spek­ti­vi­schen Trans­for­ma­ti­ons­pfad hin zu hohen Antei­len CO2-armer Brenn­stof­fe geführt wer­den. Das Land ergreift mit dem För­der­pro­gramm für Wär­me­net­ze sowie wei­te­ren Maß­nah­men bereits wich­ti­ge Schrit­te in Rich­tung einer Dekar­bo­ni­sie­rung von Wär­me­net­zen.

7.3.3 Empfehlungen

Grund­sätz­lich gehen wir davon aus, dass Maß­nah­men, die grund­le­gend tech­nisch sinn­los sind – z. B. wenn es kei­nen Bedarf gibt und die Tech­nik kei­nen Nut­zen stif­ten kann –, auch nicht zur Anwen­dung kom­men. Vor die­sem Hin­ter­grund rela­ti­vie­ren sich die teil­wei­se gerin­gen Wirk­sam­kei­ten, die in den exem­pla­ri­schen Berech­nun­gen fest­ge­stellt wur­den. Ein Nach­jus­tie­ren von Kenn­grö­ßen (z. B. m² Kol­lek­tor­flä­che zu m² NGF) sehen wir daher nicht als ziel­füh­rend, da sich die­se Ziel­grö­ßen immer am – je nach NWG-Typ sehr unter­schied­li­chem – Bedarf ori­en­tie­ren müss­ten.

Alter­na­tiv könn­ten alle Optio­nen gestri­chen wer­den und als Anfor­de­rungs­grö­ße der Pri­mär­ener­gie­be­darf her­an­ge­zo­gen wer­den, der beim Kes­sel­tausch um 15 % zu ver­rin­gern ist. Wenn durch vor­ge­zo­ge­ne Maß­nah­men – egal ob in der Tech­nik, Hül­le, Beleuch­tung etc. – bereits Pri­mär­ener­gie ein­ge­spart wur­de, kann dies für die Aus­stel­lung der EWär­meG-Nach­wei­se berech­net und ent­spre­chend berück­sich­tigt wer­den. Fest­zu­le­gen wäre, wie vie­le Jah­re rück­wärts oder ab wel­chem Datum die bereits durch­ge­führ­te Maß­nah­me berück­sich­tigt wer­den darf. Nach­tei­lig an die­sem Vor­schlag ist aller­dings, dass die Fest­le­gung anre­chen­ba­rer Maß­nah­men will­kür­lich erfol­gen muss. Auch kön­nen durch die­se Vor­ge­hens­wei­se Qua­li­täts­an­for­de­run­gen an die Hei­zungs­sys­te­me, z. B. Min­dest-Jah­res­ar­beits­zah­len, umgan­gen wer­den. Daher wird die­ser Vor­schlag nicht wei­ter­ver­folgt.

Wir emp­feh­len, die Auf­nah­me fol­gen­der Erfül­lungs­op­tio­nen zu prü­fen:

  • Ver­bes­se­rung in der Beleuch­tung (z. B. LED und Licht­steue­rung). Bei Nicht­wohn­ge­bäu­den kann der Anteil der Beleuch­tung – je nach Nut­zung – am Ener­gie­be­darf erheb­lich sein und zugleich sind hier durch aktu­el­le Sys­te­me gro­ße Ein­spar­po­ten­tia­le erziel­bar.
  • Ver­bes­se­rung der Käl­te­er­zeu­gung. Auch Maß­nah­men bei der Käl­te­er­zeu­gung, deren Anteil bei Nicht­wohn­ge­bäu­de erheb­lich sein kann, kön­nen kli­ma­wirk­sam sein.
  • Ver­bes­se­rung der Peri­phe­rie (hydrau­li­scher Abgleich, Reg­lungs­tech­nik etc.) ein­schließ­lich der Strom­ef­fi­zi­enz (Hoch­ef­fi­zi­enz­pum­pen, effi­zi­en­te RLT etc.). Die Berech­nun­gen haben erge­ben, dass dadurch Ein­spa­run­gen im Bereich von 10 Pro­zent bezo­gen auf den gesam­ten Wär­me­en­er­gie­be­darf erreicht wer­den kön­nen.


Ein Vor­schlag zur Ope­ra­tio­na­li­sie­rung wird in Kapi­tel 12 gemacht.

Des Wei­te­ren emp­feh­len wir:

  • Erwei­te­rung des Bilan­zie­rungs­rah­mens und der Anfor­de­run­gen um den Käl­te­en­er­gie­be­darf ana­log zum EEWär­meG auf Bun­des­ebe­ne
  • Eine Strei­chung des Aus­nah­me­tat­be­stands EWär­meG § 2 (2) Nr. 13 für gewerb­li­che und indus­tri­el­le Hal­len zu prü­fen, bei denen der über­wie­gen­de Teil der Net­to­grund­flä­che der Fer­ti­gung, Pro­duk­ti­on, Mon­ta­ge und Lage­rung dient. Die Wirk­sam­keit der Maß­nah­men nach dem EWär­meG wäre auch bei Pro­duk­ti­ons­hal­len gege­ben. „Tech­nisch“ gese­hen gibt es daher kei­nen Grund für die Aus­nah­me. Bei ande­ren Aus­nah­men aus EEWär­meG oder EnEV wie z. B. Kir­chen, Bun­ker etc. ist davon aus­zu­ge­hen, dass die­se auf Grund ihrer Nut­zung einen gerin­gen Ener­gie­ver­brauch haben und daher mit glei­chen Maß­nah­men jeweils ein gerin­ges Ein­spar­po­ten­ti­al besteht. Bei Pro­duk­ti­ons­hal­len ist dem nicht so, hier wäre eine Wirk­sam­keit gege­ben.
Umweltministerium BW logo

Sanierungsfahrpläne in Wohn- und Nichtwohngebäuden

Ausgangslage

Mit der Novel­le des EWär­meG sind gebäu­de­in­di­vi­du­el­le Sanie­rungs­fahr­plä­ne (SFP) als Erfül­lungs­op­ti­on auf­ge­nom­men wor­den. Ziel des Sanie­rungs­fahr­plans ist es, für ein ein­zel­nes Gebäu­de eine auf die indi­vi­du­el­le Situa­ti­on des Gebäu­des zuge­schnit­te­ne Sanie­rungs­stra­te­gie zu ent­wi­ckeln und zu ver­mit­teln. Bei Wohn­ge­bäu­den kann die Nut­zungs­pflicht nach § 9 Abs. 1 EWär­meG zu einem Drit­tel dadurch erfüllt wer­den, dass die Ver­pflich­te­ten einen gebäu­de­in­di­vi­du­el­len SFP vor­le­gen. Bei Nicht­wohn­ge­bäu­den kann der SFP als allei­ni­ge Erfül­lungs­op­ti­on her­an­ge­zo­gen wer­den (§ 16 Abs. 1).

Gemäß § 9 Abs. 2 EWär­meG ent­hält ein SFP „aus­ge­hend vom Ist-Zustand des Gebäu­des Emp­feh­lun­gen für Maß­nah­men am Gebäu­de, die sich am lang­fris­ti­gen Ziel eines nahe­zu kli­ma­neu­tra­len Gebäu­de­be­stands im Jahr 2050 ori­en­tie­ren und schritt­wei­se oder in einem Zug durch­ge­führt wer­den kön­nen. Die Maß­nah­men­emp­feh­lun­gen berück­sich­ti­gen die gebäu­de­in­di­vi­du­el­len Gege­ben­hei­ten, ins­be­son­de­re die geschätz­ten zu erwar­ten­den Kos­ten der Maß­nah­men und Ener­gie­kos­ten­ein­spa­run­gen, die öffent­li­chen För­der­mög­lich­kei­ten, bau­tech­ni­sche, bau­phy­si­ka­li­sche und anla­gen­tech­ni­sche Aspek­te sowie bau­kul­tu­rel­le und städ­te­bau­li­che Vor­ga­ben“.

Ein bereits vor Ent­ste­hen der Nut­zungs­pflicht erstell­ter SFP wird als (antei­li­ge) Erfül­lungs­op­ti­on aner­kannt, wenn zwi­schen dem Erstel­lungs­da­tum und dem Zeit­punkt des Aus­tauschs der Heiz­an­la­ge nicht mehr als 5 Jah­re lie­gen. Die detail­lier­ten Anfor­de­run­gen an den Sanie­rungs­fahr­plan regelt die Sanie­rungs­fahr­plan-Ver­ord­nung (SFP-VO)1.

Das Umwelt­mi­nis­te­ri­um stellt Gebäu­de­ei­gen­tü­mern und Ener­gie­be­ra­tern umfang­rei­ches Infor­ma­ti­ons­ma­te­ri­al zur Ver­fü­gung. Beson­ders zu nen­nen sind der Mus­ter­sa­nie­rungs­fahr­plan (für Wohn­ge­bäu­de), ein ent­spre­chen­des Druck­tool, wel­ches über eine Schnitt­stel­le in die Ener­gie­be­ra­ter-Pro­gram­me inte­griert wer­den kann sowie einen Mus­ter­be­richt.

Fer­ner för­dert das Land die Erstel­lung von SFP über ein För­der­pro­gramm der L‑Bank2. Die För­de­rung beschränkt sich auf Wohn­ge­bäu­de (vgl. Kapi­tel 9). Das Land hat ange­kün­digt, die­se För­de­rung zum Ende des Jah­res 2018 ein­zu­stel­len.

Geförderte und nicht geförderte SFP

Sanie­rungs­fahr­plä­ne kön­nen im Rah­men des EWär­meG zur (antei­li­gen) Pflicht­er­fül­lung und „außer­halb“ des EWär­meG erstellt wer­den (Aus­stel­lungs­an­lass). SFP für Wohn­ge­bäu­de kön­nen geför­dert oder unge­för­dert sein. Auch SFP für Nicht­wohn­ge­bäu­de kön­nen unter bestimm­ten Umstän­den und für bestimm­te Ziel­grup­pen mit Bun­des­mit­teln geför­dert wer­den.

Variantenmatrix SFP

Abbil­dung 8–1: Vari­an­ten­ma­trix SFP

Nach­fol­gen­de Tabel­le gibt einen Über­blick über die Anzahl an bis­her als Nach­weis bei der Behör­de ein­ge­reich­ten sowie an geför­der­ten SFP.

Tabelle: Übersicht WG-SFP

Tabel­le 8–1: Über­sicht WG-SFP. Stand 30.6.2018

Sanierungsfahrpläne als Erfüllungsoption für das EWärmeG: Statistische Auswertung

Zur Erfas­sung von ver­schie­de­nen Merk­ma­len des SFP wur­de eine sta­tis­ti­sche Aus­wer­tung von SFP durch­ge­führt, die als (antei­li­ge) Erfül­lungs­op­ti­on im Rah­men des EWär­meG vor­ge­legt wur­den. Dabei kann es sich bei den Wohn­ge­bäu­den um geför­der­te oder unge­för­der­te SFP han­deln.

8.3.1 Wohngebäude

Die sta­tis­ti­sche Aus­wer­tung der SFP für Wohn­ge­bäu­de umfasst 160 SFP, die nach §22 Abs. 6 EWär­meG sei­tens der unte­ren Bau­rechts­be­hör­den zum Zwe­cke der Eva­lu­ie­rung bereit­ge­stellt wur­den. Bei allen sta­tis­tisch aus­ge­wer­te­ten SFP han­del­te es sich um sog. Mus­ter­fahr­plä­ne, die über das Druck­tool erstellt wur­den. Aus­ge­wer­tet wur­den fol­gen­de Indi­ka­to­ren:

  • Gebäu­de­typ, Bau­jahr, beheiz­ba­re Wohn­flä­che, Anzahl Wohn­ein­hei­ten
  • Energiebedarf/Primärenergiebedarf/CO2-Emis­sio­nen im IST-Zustand und nach dem letz­ten Sanie­rungs­schritt
  • Bewer­tung Endenergiebedarf/Gebäude/Wärmeversorgung (A+ bis H) im IST-Zustand und nach dem letz­ten Sanie­rungs­schritt
  • Ener­gie­kos­ten im IST-Zustand (errech­net und real)
  • Sanie­rungs­schrit­te und dabei erfass­te Maß­nah­men
  • Pri­mä­res Heiz­sys­tem nach letz­tem vor­ge­schla­ge­nen Sanie­rungs­schritt
  • Berufs­qua­li­fi­ka­ti­on der SFP-Aus­stel­ler


Gemäß § 4 Abs. 3 der Sanie­rungs­fahr­plan-Ver­ord­nung wird auch eine BAFA-Vor-Ort Bera­tung als Sanie­rungs­fahr­plan aner­kannt. Bei rund 15 % der bis zum 30.06.2018 im Rah­men des EWär­meG neu im Daten­por­tal des Sta­tis­ti­schen Lan­des­amts erfass­ten SFP han­del­te es sich um eine sol­che Vor-Ort-Bera­tung. Abbil­dung 8–2 zeigt eine Über­sicht eini­ger aus­ge­wähl­ter Merk­ma­le der im Rah­men der sta­tis­ti­schen Aus­wer­tung betrach­te­ten Gebäu­de, für die zur antei­li­gen Erfül­lung des E‑WärmeG ein SFP ein­ge­reicht wur­de. Bei rund der Hälf­te der Gebäu­de han­delt es sich um Ein­fa­mi­li­en­häu­ser, Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser mit mehr als drei Wohn­ein­hei­ten machen rund ein Vier­tel der betrach­te­ten SFP aus. Die Ver­tei­lung der aus­ge­wer­te­ten SFP auf die ver­schie­de­nen Alters­klas­sen ent­spricht in etwa der Alters­ver­tei­lung der Wohn­ge­bäu­de in Baden-Würt­tem­berg. Rund die Hälf­te der betrach­te­ten Wohn­ge­bäu­de hat einen Pri­mär­ener­gie­be­darf grö­ßer 200 kWh/m2*a.

Diagramm: Ausgewählte Merkmale der im Rahmen der statistischen Auswertung erfassten Wohngebäude

Abbil­dung 8–2: Aus­ge­wähl­te Merk­ma­le der im Rah­men der sta­tis­ti­schen Aus­wer­tung erfass­ten Wohn­ge­bäu­de (jeweils ange­ge­ben in Anzahl SFP)

Abbil­dung 8–3 ver­gleicht die ener­ge­ti­schen Kenn­wer­te der betrach­te­ten Gebäu­de im Aus­gangs­zu­stand mit dem Ziel­zu­stand. Der Ziel­zu­stand ist dabei der Zustand nach dem letz­ten im Rah­men des SFP vor­ge­schla­ge­nen Sanie­rungs­schritt. Bei den Kenn­wer­ten han­delt es sich um

  • den spe­zi­fi­schen End­ener­gie­be­darf im Sin­ne der EnEV (End­ener­gie­bei­trä­ge aus gebäu­de­nah gewan­del­ten Umwelt­ener­gien, z.B. sola­re Wär­me, Umge­bungs­wär­me, wer­den dabei per Defi­ni­ti­on mit Null bewer­tet)
  • eine Bewer­tung des Gebäu­des in Form des spe­zi­fi­schen Wär­m­ener­gie­be­darfs (dabei han­delt es sich um die Erzeu­ger­nutz­wär­me­ab­ga­be qoutg gemäß DIN V 18599)
  • eine Bewer­tung der Wär­me­ver­sor­gung, dar­ge­stellt als Quo­ti­ent aus dem spe­zi­fi­schen Jah­res-Pri­mär­ener­gie­be­darf und der Erzeu­ger­nutz­wär­me­ab­ga­be (der Quo­ti­ent ist also ein Maß für die Effi­zi­enz des Wär­me­er­zeu­gers sowie den pri­mär­ener­ge­ti­schen Auf­wand des ein­ge­setz­ten Ener­gie­trä­gers)
  • die spe­zi­fi­schen CO2-Emis­sio­nen, die aus der Wär­me­ver­sor­gung des Gebäu­des resul­tie­ren


Die Anga­be der ers­ten drei Kenn­wer­te erfolgt jeweils in Form einer Effi­zi­enz­klas­se (Wer­te von A+ bis H). Für die Effi­zi­enz­klas­sen gel­ten fol­gen­de Grenz­wer­te:

Tabelle: Grenzwerte der Effizienzklassen gemäß SFP-Musterbericht

Tabel­le 8–2: Grenz­wer­te der Effi­zi­enz­klas­sen gemäß SFP-Mus­ter­be­richt

Rund 45 % der betrach­te­ten Wohn­ge­bäu­de haben heu­te einen End­ener­gie­be­darf ober­halb von 200 kWh/m2a, ein wei­te­res Vier­tel einen spe­zi­fi­schen End­ener­gie­be­darf zwi­schen 160 und 200 kWh/m2a. Dies ist ein Hin­weis dar­auf, dass ins­be­son­de­re Eigen­tü­mer ener­ge­tisch ver­hält­nis­mä­ßig schlech­ter Gebäu­de einen Sanie­rungs­fahr­plan zur (antei­li­gen) Erfül­lung der Nut­zungs­pflicht ver­wen­den. Im Ziel­zu­stand, also dem Zustand nach der Sanie­rungs­maß­nah­me, die auf der Zeit­ach­se als letz­te Maß­nah­me beschrie­ben bzw. emp­foh­len wird, errei­chen rund ein Drit­tel der betrach­te­ten Gebäu­de die Klas­se A+, was einem spe­zi­fi­schen End­ener­gie­be­darf unter­halb 30 kWh/m2a ent­spricht. Vie­le die­ser Gebäu­de errei­chen beim Wär­me­en­er­gie­be­darf „nur“ die Klas­se C. Hier­bei han­delt es sich oft­mals um Gebäu­de, bei denen nur in ein­ge­schränk­tem Aus­maß die Außen­hül­le gedämmt wird und zur Wär­me­er­zeu­gung eine Wär­me­pum­pe ein­ge­setzt wird. Da die durch die Wär­me­pum­pe genutz­te Umge­bungs­wär­me nach den Vor­ga­ben der EnEV end­ener­ge­tisch mit Null bewer­tet wird, errei­chen die­se Gebäu­de einen sehr gerin­gen End­ener­gie­kenn­wert, obwohl die Gebäu­de­hül­le nicht so effi­zi­ent ist. Mehr als die Hälf­te aller Gebäu­de wür­den infol­ge der vor­ge­schla­ge­nen Sanie­rungs­schrit­te spe­zi­fi­sche CO2-Kenn­wer­te klei­ner als 20 kg/m2a errei­chen.

Diagramm: Energetische Indikatoren der ausgewerteten Wohngebäude im Ausgangszustand (IST) sowie dem Zielzustand (ZIEL) nach dem letzten vorgeschlagenen Sanierungsschritt

Abbil­dung 8–3: Ener­ge­ti­sche Indi­ka­to­ren der aus­ge­wer­te­ten Wohn­ge­bäu­de im Aus­gangs­zu­stand (IST) sowie dem Ziel­zu­stand (ZIEL) nach dem letz­ten vor­ge­schla­ge­nen Sanie­rungs­schritt (jeweils ange­ge­ben in Anzahl SFP)

Im (flä­chen­ge­wich­te­ten) Durch­schnitt wür­den die betrach­te­ten Gebäu­de ihren spe­zi­fi­schen Pri­mär­ener­gie­be­darf von rund 200 auf 65 kWh/m2a redu­zie­ren (Abbil­dung 8–4). Dies ent­spricht einer Min­de­rung von rund 67 %. Damit wür­de die unter­such­te Stich­pro­be das über­ge­ord­ne­te poli­ti­sche Ziel, den nicht-erneu­er­ba­ren Pri­mär­ener­gie­be­darf bis zum Ziel­jahr 2050 um 80 % zu redu­zie­ren, ver­feh­len. Infol­ge der vor­ge­schla­ge­nen Sanie­rungs­maß­nah­men wür­de der durch­schnitt­li­che spe­zi­fi­sche End­ener­gie­be­darf von rund 180 auf 65 kWh/m2a gesenkt (Min­de­rung um rund 63 %). Im Ver­gleich dazu errei­chen die Wohn­ge­bäu­de in den Sze­na­ri­en der Ener­gie­ef­fi­zi­enz­stra­te­gie Gebäu­de (BMWI 2015) Ziel­wer­te zwi­schen 35 und 37 kWh/m2*a (End­ener­gie im Sin­ne der EnEV). Dies ist ein wei­te­rer Hin­weis, dass die im Rah­men der SFP vor­ge­schla­ge­nen Ziel­ni­veaus im Durch­schnitt noch nicht aus­rei­chen, die Gebäu­de­zie­le der Bun­des­re­gie­rung zu errei­chen.

Die spe­zi­fi­schen CO2-Emis­sio­nen sin­ken infol­ge der vor­ge­schla­ge­nen Maß­nah­men um rund 63 %.

Diagramm: Durchschnittliche (flächengewichtete) Reduktionswerte für den spezifischen Primärenergie- und Endenergiebedarf sowie die spezifischen CO<sub><noscript><img src=

Abbil­dung 8–4: Durch­schnitt­li­che (flä­chen­ge­wich­te­te) Reduk­ti­ons­wer­te für den spe­zi­fi­schen Pri­mär­ener­gie- und End­ener­gie­be­darf sowie die spe­zi­fi­schen CO2-Emis­sio­nen

Abbil­dung 8–5 gibt einen Über­blick über die im Rah­men der aus­ge­wer­te­ten SFP emp­foh­le­nen Heiz­sys­te­me, kon­kret die Ver­tei­lung der pri­mä­ren Heiz­sys­te­me nach dem letz­ten vor­ge­schla­ge­nen Sanie­rungs­schritt. Deut­lich zu erken­nen ist eine star­ke Domi­nanz von Wär­me­pum­pen und Pel­let­hei­zun­gen, die zusam­men rund 60 % der Heiz­sys­te­me aus­ma­chen. Knapp ein Drit­tel aller betrach­te­ten Gebäu­de wird dem letz­ten vor­ge­schla­ge­nen Sanie­rungs­schritt ent­spre­chend noch über einen fos­si­len Heiz­kes­sel beheizt. Rund 20 % der Gebäu­de ver­fü­gen über eine solar­ther­mi­sche Anla­ge, die mehr­heit­lich als rei­ne Brauch­was­ser­an­la­ge vor­ge­schla­gen wird.

Diagramm: Primäres Heizsystem nach dem letzten vorgeschlagenen Sanierungsschritt

Abbil­dung 8–5: Pri­mä­res Heiz­sys­tem nach dem letz­ten vor­ge­schla­ge­nen Sanie­rungs­schritt

Die Aus­stel­ler der SFP ver­fü­gen über ver­schie­de­nen Berufs­qua­li­fi­ka­tio­nen (Abbil­dung 8–6, die Kate­go­rie „Ener­gie­be­ra­ter“ sub­sum­miert dabei ver­schie­de­ne Berufs­qua­li­fi­ka­tio­nen). Auf­fäl­lig ist der hohe SFP-Anteil, der durch Schorn­stein­fe­ger aus­ge­stellt wird.

Diagramm: Berufsqualifikation der SFP-Aussteller

Abbil­dung 8–6: Berufs­qua­li­fi­ka­ti­on der SFP-Aus­stel­ler

Im Fol­gen­den wird eine Rei­he von Ein­zel­be­ob­ach­tun­gen dar­ge­stellt, die bei der sta­tis­ti­schen Aus­wer­tung beson­ders ins Auge gefal­len sind:

  • eini­ge SFP decken nur einen ver­hält­nis­mä­ßig kur­zen Zeit­raum ab (z.B. bis 2025);
  • eini­ge SFP beschrän­ken sich dar­auf, ledig­lich ein bis zwei Sanie­rungs­maß­nah­men vor­zu­schla­gen, ent­spre­chend gering ist die poten­zi­el­le Min­de­rungs­wir­kung des Vor­schlags;
  • ein SFP-Aus­stel­ler schlägt bei allen SFP immer nur die Voll­sa­nie­rung in einem Schritt vor, dabei wird als emp­foh­le­ner Zeit­raum das Jahr 2050 ange­ge­ben;
  • eini­ge SFP-Aus­stel­ler arbei­ten mit Stan­dard­sa­nie­rungs­pa­ke­ten, es stellt sich dabei die Fra­ge, in wel­cher Form ein indi­vi­du­el­ler Zuschnitt auf das betrach­te­te Gebäu­de gege­ben ist;
  • ein SFP unter­sucht ledig­lich eine Sanie­rungs­maß­nah­me (Wär­me­dämm­ver­bund­sys­tem) und ver­weist auf deren Unwirt­schaft­lich­keit; hier­bei scheint es sich um einen SFP zu han­deln, der allei­nig zur Erfül­lung des EWär­meG bean­tragt und erstellt wur­de (Erfül­lungs­op­ti­on Bio­öl­bei­mi­schung + SFP);
  • mit Ver­weis auf den ver­meint­lich sehr guten ener­ge­ti­schen Zustand (spez. End­ener­gie­be­darf von 100 kWh/m2*a) ver­zich­tet ein SFP auf die Unter­su­chung kon­kre­ter Sanie­rungs­maß­nah­men (Erfül­lungs­op­ti­on Bio­gas­bei­mi­schung + SFP);
  • mit Ver­weis dar­auf, dass es bei dem betrach­te­ten Gebäu­de (spez. End­ener­gie­be­darf von 130 kWh/m2*a) bei der Fas­sa­de, Dach und Fens­ter kei­ne Not­wen­dig­keit für eine ener­ge­ti­sche Sanie­rung gäbe, wer­den in einem SFP ledig­lich die Instal­la­ti­on eines Brauch­was­ser­kol­lek­tors sowie die Däm­mung der Heiz­ver­teil­lei­tun­gen vor­ge­schla­gen.


2‑Emissionen im IST-Zustand und nach dem letz­ten Sanie­rungs­schritt

  • Sanie­rungs­schrit­te und dabei erfass­te Maß­nah­men
  • Pri­mä­res Heiz­sys­tem nach letz­tem oder effek­tivs­ten vor­ge­schla­ge­nen Sanie­rungs­schritt
  • Berufs­qua­li­fi­ka­ti­on der SFP-Aus­stel­ler


Man­gels eines Mus­ter­fahr­plans gibt es für die SFP sehr ver­schie­de­ne Erschei­nungs­for­men. Fer­ner las­sen sich die SFP grob in drei Klas­sen unter­schei­den:

a) SFP, die ver­schie­de­ne Sanie­rungs­va­ri­an­ten bzw. ‑maß­nah­men ver­glei­chen, ohne die­se mit­ein­an­der zu verknüpfen/kombinieren oder zeit­lich anzu­ord­nen, b) SFP, die ver­schie­de­ne Sanie­rungs­va­ri­an­ten bzw. ‑maß­nah­men sowie eine Kom­bi­na­ti­on aus meh­re­ren bzw. allen Vari­an­ten ver­glei­chen, c) SFP, die ver­schie­de­ne Sanie­rungs­va­ri­an­ten bzw. ‑maß­nah­men ver­glei­chen und die­se sowohl mit­ein­an­der kom­bi­nie­ren als auch zeit­lich anord­nen.

Im enge­ren Sin­ne erfül­len ledig­lich SFP der Opti­on c) die Ansprü­che an einen wirk­li­chen Fahr­plan.

Abbil­dung 8–7 zeigt eine Über­sicht eini­ger aus­ge­wähl­ter Merk­ma­le der im Rah­men der sta­tis­ti­schen Aus­wer­tung betrach­te­ten Nicht­wohn­ge­bäu­de, für die zur Erfül­lung des E‑WärmeG ein SFP ein­ge­reicht wur­de. Unter den Gebäu­den, bei denen aus dem SFP die Nut­zungs­form her­vor­geht, waren zehn Büro‑, Dienst­leis­tungs- bzw. Klein­ge­wer­be­ge­bäu­de, vier Bank­ge­bäu­de, drei Tech­nik­ge­bäu­de, zwei Schulen/Kindergärten, zwei Sport­hal­len und je ein Gemein­de­haus, eine Büro­ein­heit mit ange­schlos­se­ner Pro­duk­ti­ons­hal­le sowie ein Kauf­haus. Bei allen ande­ren der aus­ge­wer­te­ten SFP war die Nut­zungs­form nicht ersicht­lich. Rund 80 % der Gebäu­de wur­den nach 1959 errich­tet. Die Net­to­grund­flä­che lag bei durch­schnitt­lich 1.750 m².

Diagramm: Ausgewählte Merkmale der im Rahmen der statistischen Auswertung erfassten Nichtwohngebäude

Abbil­dung 8–7: Aus­ge­wähl­te Merk­ma­le der im Rah­men der sta­tis­ti­schen Aus­wer­tung erfass­ten Nicht­wohn­ge­bäu­de (jeweils ange­ge­ben in Anzahl SFP)

Abbil­dung 8–8 und Abbil­dung 8–9 ver­glei­chen die ener­ge­ti­schen Kenn­wer­te der betrach­te­ten Nicht­wohn­ge­bäu­de im Aus­gangs­zu­stand mit dem Ziel­zu­stand. Der Ziel­zu­stand ist dabei ent­we­der der Zustand nach dem letz­ten im Rah­men des SFP vor­ge­schla­ge­nen Sanie­rungs­schritt oder der Zustand, der erreicht wür­de, wenn die ambi­tio­nier­tes­te der unter­such­ten Sanie­rungs­va­ri­an­ten umge­setzt wird.

Zwei Drit­tel der aus­ge­wer­te­ten Gebäu­de haben im IST-Zustand einen spe­zi­fi­schen Pri­mär­ener­gie­be­darf von mehr als 200 kWh/m2a. der flä­chen­ge­wich­te­te Mit­tel­wert liegt dabei bei 227 kWh/m2a. Infol­ge der vor­ge­schla­ge­nen Sanie­rungs­maß­nah­men bzw. ‑vari­an­ten lie­ße sich der Pri­mär­ener­gie­kenn­wert auf durch­schnitt­lich 120 kWh/m2a redu­zie­ren. Drei Vier­tel der Gebäu­de hät­te dann einen spe­zi­fi­schen Pri­mär­ener­gie­be­darf unter­halb von 150 kWh/m2a. Bezo­gen auf den spe­zi­fi­schen End­ener­gie­be­darf liegt der flä­chen­ge­wich­te­te Mit­tel­wert der aus­ge­wer­te­ten Gebäu­de bei rund 192 kWh/m2a. Wür­den die im Rah­men der SFP betrach­te­ten ambi­tio­nier­tes­ten Sanie­rungs­va­ri­an­ten gewählt, wür­de der Mit­tel­wert auf rund 110 kWh/m2a sin­ken.

Diagramm: Energetische Indikatoren der ausgewerteten Nichtwohngebäude im Ausgangszustand (IST) sowie dem Zielzustand (ZIEL) gemäß der ambitioniertesten Sanierungsvariante

Abbil­dung 8–8: Ener­ge­ti­sche Indi­ka­to­ren der aus­ge­wer­te­ten Nicht­wohn­ge­bäu­de im Aus­gangs­zu­stand (IST) sowie dem Ziel­zu­stand (ZIEL) gemäß der ambi­tio­nier­tes­ten Sanie­rungs­va­ri­an­te (jeweils ange­ge­ben in Anzahl SFP)

Diagramm: Durchschnittliche (flächengewichtete) Reduktionswerte für den spezifischen Primärenergie- und Endenergiebedarf sowie die spezifischen CO<sub><noscript><img src=

Abbil­dung 8–9: Durch­schnitt­li­che (flä­chen­ge­wich­te­te) Reduk­ti­ons­wer­te für den spe­zi­fi­schen Pri­mär­ener­gie- und End­ener­gie­be­darf sowie die spe­zi­fi­schen CO2-Emis­sio­nen

Abbil­dung 8–10 gibt einen Über­blick über die im Rah­men der aus­ge­wer­te­ten NWG-SFP emp­foh­le­nen Heiz­sys­te­me, soweit dies aus dem SFP her­vor­geht. Kon­kret dar­ge­stellt ist die Ver­tei­lung der pri­mä­ren Heiz­sys­te­me nach dem letz­ten vor­ge­schla­ge­nen Sanie­rungs­schritt oder im Zuge der ambi­tio­nier­tes­ten Sanie­rungs­va­ri­an­te. Mit rund 70 % domi­nie­ren hier fos­si­le Wär­me­tech­no­lo­gien, wobei Gas-Brenn­wert die am häu­figs­ten emp­foh­le­ne Ver­sor­gungs­tech­nik dar­stellt. In rund einem Drit­tel der Fäl­le schlägt der SFP den Ein­satz erneu­er­ba­rer Wär­mer­zeu­ger vor. Wie bei den Wohn­ge­bäu­den domi­nie­ren dabei Luft-Wär­me­pum­pen und Pel­let­kes­sel. In rund 40 % der aus­ge­wer­te­ten SFP wird u.a. auch die Instal­la­ti­on einer PV-Anla­gen unter­sucht.

Diagramm: Primäres Heizsystem nach dem letzten vorgeschlagenen Sanierungsschritt bzw. infolge der ambitioniertesten Sanierungsvariante

Abbil­dung 8–10: Pri­mä­res Heiz­sys­tem nach dem letz­ten vor­ge­schla­ge­nen Sanie­rungs­schritt bzw. infol­ge der ambi­tio­nier­tes­ten Sanie­rungs­va­ri­an­te (jeweils ange­ge­ben in Anzahl SFP)

Sanierungsfahrplan: Detailauswertung

In einem zwei­ten Schritt wer­den 77 Sanie­rungs­fahr­plä­ne für Wohn­ge­bäu­de und 10 SFP für Nicht­wohn­ge­bäu­de einer ver­tief­ten Begut­ach­tung unter­zo­gen. Dabei ori­en­tiert sich die Prü­fung an den Kri­te­ri­en, die in der Sanie­rungs­fahr­plan-Ver­ord­nung nie­der­ge­legt sind.

Die Begut­ach­tung erfolg­te anhand einer Matrix aus ca. 100 Kri­te­ri­en, die Fol­gen­des berück­sich­ti­gen:

  • Wer­den die Hand­lungs­fel­der (Maß­nah­men zur Gebäu­de­hül­le, Anla­gen­tech­nik etc.) aus der SFP-VO Anla­ge 1 beach­tet?
  • Stim­men die Anga­ben der ener­ge­ti­schen Bewer­tung, der Kos­ten­an­ga­ben usw.?
  • Wer­den die zen­tra­len Ele­men­te des Sanie­rungs­fahr­plan-Gedan­kens umge­setzt?
  • Über­zeugt das Doku­ment durch Form, Anzahl, Kom­ple­xi­tät, Plau­si­bi­li­tät, ggf. Ori­gi­na­li­tät der vor­ge­schla­ge­nen Sanie­rungs­schrit­te?


Es wur­de über­prüft und aus­ge­wer­tet, in wel­chem Sanie­rungs­schritt wel­che Maß­nah­me oder Maß­nah­men­pa­ket vor­ge­schla­gen wird, ob die­ser Vor­schlag ambi­tio­niert im Sin­ne der SFP-VO ist oder mit oder ohne Begrün­dung von der Ambi­tio­niert­heits-Anfor­de­rung abge­wi­chen wird.

8.4.1 Wohngebäude

Für die Eva­lu­ie­rung des EWär­meG wur­de eine Anzahl von 27 Stich­pro­ben der geför­der­ten SFP zur Begut­ach­tung aus­ge­wählt. Um ein aus­sa­ge­kräf­ti­ges Gesamt­bild der SFP zu erhal­ten, wur­den zusätz­lich aus einem Pool von 160 nicht geför­der­ten SFP, 50 SFP unter­sucht, die der Erfül­lung des EWär­meG die­nen und von den uBRB zur Ver­fü­gung gestellt wur­den. Die nicht geför­der­ten SFP wur­den in einem Zeit­raum zwi­schen Dezem­ber 2015 und Febru­ar 2017 erstellt.

In Tabel­le 2 wer­den die geför­der­ten und nicht geför­der­ten SFP mit­ein­an­der ver­gli­chen. Für die geför­der­ten SFP stan­den ergän­zen­de Unter­la­gen (z. B. Bau­plä­ne, Rech­nun­gen der SFP-Aus­tel­ler) zur Ver­fü­gung, sodass die Kos­ten der SFP-Erstel­lung ange­ge­ben wer­den kön­nen. Die­se lie­gen abhän­gig von der Grö­ße des Gebäu­des zwi­schen 300 € und 1100 €. Alle geför­der­ten SFP erhal­ten zusätz­lich eine För­de­rung in Form eines Zuschus­ses der Erstel­lungs­kos­ten in Höhe von 200 € (EZFH) bis zu 500 € (MFH mit 8 oder mehr Wohn­ein­hei­ten). Zwei Drit­tel aller unter­such­ten SFP wur­den für Ein- und Zwei­fa­mi­li­en­häu­ser erstellt. Wäh­rend bei den geför­der­ten SFP die Gebäu­de haupt­säch­lich bis 1930 errich­tet wur­den, sind bei den nicht geför­der­ten 36 % der Gebäu­de nach 1981 erbaut wor­den.

In weni­ger als 10 % der SFP wer­den nur 1–2 Sanie­rungs­schrit­te vor­ge­schla­gen. Ein lang­fris­ti­ges schritt­wei­ses Sanie­rungs­kon­zept mit fünf Schrit­ten wur­de dage­gen in ca. 40 % der SFP vor­ge­se­hen (Tabel­le 8–3). Für 4 % der nicht geför­der­ten SFP kann kei­ne Aus­sa­ge zum Sanie­rungs­kon­zept getrof­fen wer­den, da Vari­an­ten anstatt Sanie­rungs­schrit­te vor­ge­schla­gen wur­den oder kei­ne Sanie­rungs­schrit­te zu erken­nen waren.

Tabelle: Überblick über die detailliert ausgewerteten Sanierungsfahrpläne

Tabel­le 8–3: Über­blick über die detail­liert aus­ge­wer­te­ten Sanie­rungs­fahr­plä­ne

Die in den SFP vor­ge­schla­ge­nen Maß­nah­men sol­len den Ener­gie­be­darf sen­ken, die Ener­gie­ef­fi­zi­enz erhö­hen und den Anteil erneu­er­ba­rer Ener­gien im Wär­me­markt stei­gern. Die Hand­lungs­fel­der der Maß­nah­men kön­nen der SFP-Ver­ord­nung Anla­ge 1 (Maß­nah­men zur Gebäu­de­hül­le und Anla­gen­tech­nik, geringinves­ti­ve Maß­nah­men sowie die Erzeu­gung von Eigen­strom) ent­nom­men wer­den. Aus der Unter­su­chung der SFP (n=50, nicht geför­der­te SFP) zeigt sich, dass fast alle SFP die ange­ge­be­nen Hand­lungs­fel­der berück­sich­ti­gen. In 10 % aller SFP wird kein Hei­zungs­aus­tausch vor­ge­se­hen und kei­ne erneu­er­ba­re Ener­gie ein­ge­setzt. In nur 4 % aller SFP wer­den kei­ne Maß­nah­men zur Gebäu­de­hül­le vor­ge­schla­gen. In 40 % aller SFP wer­den geringinves­ti­ve Maß­nah­men in Form von Kel­ler­däm­mung, Dusch­vor­rich­tun­gen oder Däm­mung der Rohr­lei­tun­gen ein­ge­setzt. Ledig­lich in 4 % der SFP wird eine Eigen­strom­erzeu­gung vor­ge­schla­gen.

In 70 % der SFP wer­den plau­si­ble Sanie­rungs­kos­ten, Ener­gie­kos­ten und CO2-Ein­spa­rung ange­ge­ben. Bei den nicht nach­voll­zieh­ba­ren Anga­ben wer­den zum Teil Kos­ten kumu­liert oder ener­gie­be­ding­ten Mehr­kos­ten den Inves­ti­ti­ons­kos­ten gleich­ge­setzt.

Die Bera­tungs­rich­tung der geför­der­ten sowie nicht geför­der­ten SFP ist oft ambi­tio­niert, sodass die Effi­zi­enz­klas­se A+ in 30–40 % erreicht wird (Abbil­dung 8–11). Durch­schnitt­lich ver­bes­sern sich die Gebäu­de um vier Effi­zi­enz­stu­fen.

Diagramm: Vergleich der Gebäudeeffizienz nicht geförderte SFP

Abbil­dung 8–11: Ver­gleich der Gebäu­de­ef­fi­zi­enz nicht geför­der­te SFP (n=50) – geför­der­te SFP (n=27)

Die SFP-Aus­tel­ler sol­len, dem Grund­ge­dan­ken des SFP fol­gend, ambi­tio­nier­te Maß­nah­men vor­schla­gen. Wenn dies nicht mög­lich ist, müs­sen Begrün­dun­gen für Abwei­chun­gen ang­ge­ben wer­den. Ca. 40 % der Maß­nah­men in den nicht geför­der­ten SFP kön­nen als ambi­tio­niert bewer­tet wer­den und ent­spre­chen dem Best­mög­lich-Prin­zip (Abbil­dung 8–12). Bei den geför­der­ten SFP kön­nen 45 % der Maß­nah­men als ambi­tio­niert bewer­tet wer­den und ca. 60 % sind nach dem Best­mög­lich-Prin­zip geplant (Abbil­dung 8–13). Aller­dings wird, wenn kei­ne ambi­tio­nier­ten Maß­nah­men ange­wen­det wer­den, in kei­nem SFP eine Begrün­dung dafür genannt. Das wider­spricht dem § 3 der SFP-VO.

Nach § 3 SFP-VO sol­len Sanie­rungs­fahr­plä­ne Maß­nah­men ent­hal­ten, die an die indi­vi­du­el­len Gege­ben­hei­ten des Bera­tungs­emp­fän­gers und des Gebäu­des ange­passt sind. Das fin­det aller­dings in den nicht geför­der­ten SFP gar nicht bis sel­ten statt (Abbil­dung 8–12). Die indi­vi­du­el­le Anspra­che besteht zu gro­ßen Tei­len aus vor­ge­ge­be­nen Tex­ten. Im Unter­schied dazu berück­sich­ti­gen alle geför­der­ten SFP voll­stän­dig oder teil­wei­se die indi­vi­du­el­le Situa­ti­on der Bera­tungs­emp­fän­ger (Abbil­dung 8–13).

Diagramm: Beachtung und Umsetzung allgemeiner Anforderungen und Prinzipien des Sanierungsfahrplans in Prozent

Abbil­dung 8–12: Beach­tung und Umset­zung all­ge­mei­ner Anfor­de­run­gen und Prin­zi­pi­en des Sanie­rungs­fahr­plans in Pro­zent (nicht geför­der­te SFP n=50)

Diagramm: Beachtung und Umsetzung allgemeiner Anforderungen und Prinzipien des Sanierungsfahrplans in Prozent

Abbil­dung 8–13 Beach­tung und Umset­zung all­ge­mei­ner Anfor­de­run­gen und Prin­zi­pi­en des Sanie­rungs­fahr­plans in Pro­zent (geför­der­te SFP n=27)

Die Aus­wer­tung der nicht geför­der­ten SFP zeigt aller­dings, dass 70 % metho­di­sche Män­gel auf­wei­sen (Abbil­dung 8–14). Die häu­figs­ten sind: „Unklar beschrie­be­ne Maß­nah­men“, das wie­der­ho­len­de „EWärmeG-erfüllt“-Symbol und in jedem Sanie­rungs­schritt wie­der­ho­len­de Maß­nah­men.

Diagramm: Mängel in der Methodik bei der Erstellung des Sanierungsfahrplan

Abbil­dung 8–14: Män­gel in der Metho­dik bei der Erstel­lung des Sanie­rungs­fahr­plan (n=50)

Im Fol­gen­den wer­den eini­ge gute Bei­spie­le für aus­ge­wer­te­te SFP gezeigt. Der Auf­bau des SFP in Abbil­dung 8–15 ist über­sicht­lich. Im ers­ten Sanie­rungs­schritt wer­den geringinves­ti­ve Maß­nah­men vor­ge­schla­gen. Das Gebäu­de erreicht durch die Sanie­rungs­maß­nah­men die Effi­zi­enz­stu­fe A+.

Darstellung: Beispiel Best practice: Langfristkonzept und ambitionierte Maßnahmen

Abbil­dung 8–15: Bei­spiel Best prac­ti­ce: Lang­frist­kon­zept und ambi­tio­nier­te Maß­nah­men

SFP: Beispiel Best practice: Klimaneutraler Zielzustand wird erreicht

Abbil­dung 8–16: Bei­spiel Best prac­ti­ce: Kli­ma­neu­tra­ler Ziel­zu­stand wird erreicht

Der Auf­bau der Sanie­rungs­schrit­te ist nach­voll­zieh­bar. Die Maß­nah­men sind ambi­tio­niert, sodass im Sanie­rungs­schritt 5 das Effi­zi­enz­ni­veau A+ erreicht wird. Inves­ti­ti­ons- und ener­gie­be­ding­te Mehr­kos­ten sind plau­si­bel und in einer ange­mes­se­nen Zeit­span­ne. Ledig­lich die För­de­rung wird nicht benannt.

Das fol­gen­de Bei­spiel beschreibt den Sanie­rungs­schritt aus­führ­lich beschrie­ben und die Maß­nah­men sind ambi­tio­niert. Außer­dem wer­den tech­ni­sche Details genannt, Lock-in-Effek­te berück­sich­tigt und geringinves­ti­ve Maß­nah­men vor­ge­se­hen.

SFP: Beispiel Best practice: Detaillierte Maßnahmenbeschreibung

Abbil­dung 8–17: Bei­spiel Best prac­ti­ce: Detail­lier­te Maß­nah­men­be­schrei­bung

Dane­ben tre­ten aber auch wie­der­keh­ren­de Män­gel auf. Bei eini­gen SFP-Aus­stel­lern besteht Ver­bes­se­rungs­po­ten­zi­al hin­sicht­lich der Nut­zung des SFP als Bera­tungs­in­stru­ment: Die Maß­nah­men könn­ten genau­er beschrie­ben wer­den und den Bera­tungs­emp­fän­gern mehr nutz­ba­re Infor­ma­tio­nen geben. Vie­le Ener­gie­be­ra­ter nut­zen den SFP voll­stän­dig und zei­gen, dass der SFP ein gutes Instru­ment für die Bera­tungs­emp­fän­ger ist. Die geför­der­ten SFP fal­len ten­den­zi­ell bes­ser aus, aller­dings besteht auch bei die­sen ein Ver­bes­se­rungs­be­darf bei der Umset­zung der metho­di­schen Vor­ga­ben.

Die Metho­dik des SFP in Abbil­dung 8–18 wur­de nicht ver­stan­den: die Bezeich­nun­gen „Sanie­rungs­fahr­plan a“ und „Sanie­rungs­fahr­plan c“ kön­nen als Sanie­rungs­va­ri­an­ten ver­stan­den wer­den; der Inhalt der Maß­nah­men wur­de nicht beschrie­ben.

Beispiel Mangel: Sanierungsfahrplan ohne Maßnahmenbeschreibung

Abbil­dung 8–18: Bei­spiel Man­gel: Sanie­rungs­fahr­plan ohne Maß­nah­men­be­schrei­bung

Pri­mär­ener­gie und End­ener­gie zei­gen kei­ne Ver­bes­se­rung trotz umfang­rei­cher Sanie­rungs­maß­nah­men. Mög­li­che Rechen­feh­ler wur­den vom Aus­stel­ler nicht kor­ri­giert.

Diagramm: SFP zeigt keine Verbesserung der Endenergie

Abbil­dung 8–19: Bei­spiel 2: SFP zeigt kei­ne Ver­bes­se­rung der End­ener­gie

In 30 % aller SFP (nicht geför­dert) wer­den in jedem Sanie­rungs­schritt die Maß­nah­men­be­schrei­bun­gen der vor­an­ge­gan­ge­nen Schrit­te wie­der­holt.

SFP - Wiederholende Maßnahmen

Abbil­dung 8–20: Bei­spiel Man­gel: Wie­der­ho­len­de Maß­nah­men

Die Maß­nah­men füh­ren zu kei­ner wesent­li­chen Ver­bes­se­rung der End­ener­gie. Der Sanie­rungs­schritt fünf „Alle Maß­nah­men“ wird nicht erläu­tert. Die ener­gie­be­ding­ten Maß­nah­men ent­spre­chen den Inves­ti­ti­ons­kos­ten. Der emp­foh­le­ne Zeit­raum aller Maß­nah­men ist 2016–2018. Daher ist nicht klar, ob eine Gesamt­sa­nie­rung in einem Schritt oder eine schritt­wei­se Sanie­rung erfol­gen soll.

Beispiel für einen methodisch fehlerhaften Sanierungsfahrplan

Abbil­dung 8–21: Bei­spiel für einen metho­disch feh­ler­haf­ten SFP

8.4.2 Nichtwohngebäude

Es wur­den zehn SFP für Nicht­wohn­ge­bäu­de detail­liert geprüft. Die Prüf­kri­te­ri­en lei­ten sich aus den Hand­lungs­fel­dern und Anfor­de­run­gen aus der SFP-VO ab. Da die Berich­te sehr unter­schied­lich auf­ge­baut waren, fin­den sich die Anga­ben inner­halb der Berich­te an sehr unter­schied­li­chen Stel­len.

Nach­fol­gend sind die Prüf­kri­te­ri­en detail­liert dar­ge­stellt ein­schließ­lich deren exem­pla­ri­scher Anwen­dung auf einen man­gel­haf­ten Bericht.

Nach die­ser Sys­te­ma­tik wur­den die Berich­te geprüft. Die ein­zel­nen Prüf­kri­te­ri­en wur­den voll, mit Ein­schrän­kun­gen oder gar nicht erfüllt. Mit den wei­te­ren Prüf­kri­te­ri­en wur­de die Qua­li­tät der Berich­te beur­teilt.

Prüfung eines Sanierungsfahrplans für Nichtwohngebäude anhand der Prüfkriterien
Prüfung eines Sanierungsfahrplans für Nichtwohngebäude anhand der Prüfkriterien

Tabel­le 8–4: Prü­fung eines Sanie­rungs­fahr­plans für Nicht­wohn­ge­bäu­de anhand der Prüf­kri­te­ri­en (Fort­set­zung nächs­te Sei­te)

Qua­li­tät der SFP für Nicht­wohn­ge­bäu­de Hin­sicht­lich des Ziel­zu­stan­des wei­chen die geprüf­ten Sanie­rungs­fahr­plä­ne gra­vie­rend von den Vor­ga­ben der SFP-VO ab. Oft­mals sind gar kei­ne Indi­ka­to­ren (wie CO2-Ein­spa­rung oder KfW-Effi­zi­enz­haus-Stan­dard) genannt, an Hand derer der Ziel­zu­stand beur­teilt wer­den kann.

Erreichte CO<sub><noscript><img src=

Abbil­dung 8–22: Erreich­te CO2-Ein­spa­rung im Ziel­zu­stand

Wenn kei­ne Aus­sa­gen zum erreich­ten KfW-Effi­zi­enz­haus-Stan­dard gemacht wer­den, kön­nen auch kei­ne Aus­sa­gen zu den ent­spre­chen­den För­de­run­gen getrof­fen wer­den. So feh­len wesent­li­che Bestand­tei­le für eine belast­ba­re Wirt­schaft­lich­keits­aus­sa­ge.

Diagramm: Erreichter KfW-Effizienzhaus-Standard im Zielzustand

Abbil­dung 8–23: Erreich­ter KfW-Effi­zi­enz­haus-Stan­dard im Ziel­zu­stand

Die Sanie­rungs­fahr­plan-Ver­ord­nung defi­niert als Ziel „die Ent­wick­lung und Ver­mitt­lung einer Sanie­rungs­stra­te­gie für ein ein­zel­nes Gebäu­de. Damit soll das ener­gie­po­li­ti­sche Ziel der Bun­des­re­gie­rung unter­stützt wer­den, bis 2050 einen nahe­zu kli­ma­neu­tra­len Gebäu­de­be­stand zu errei­chen.“ Die­ses Ziel wur­de bei kei­nem der geprüf­ten Berich­te erreicht. Wenn schon die Bera­ter die­ses Ziel nicht berück­sich­ti­gen, dann hat der ein­zel­ne Eigen­tü­mer kei­ne Ent­schei­dungs­grund­la­ge, wel­che Maß­nah­men er zu täti­gen hat, um dem Ziel gerecht zu wer­den.

Diagramm: Erreichung des übergeordneten Ziels als Teil des weitgehend klimaneutralen Gebäudebestands

Abbil­dung 8–24: Errei­chung des über­ge­ord­ne­ten Ziels als Teil des weit­ge­hend kli­ma­neu­tra­len Gebäu­de­be­stands

Über­wie­gend konn­te in den Berich­ten kei­ne Sanie­rungs­stra­te­gie unter Berück­sich­ti­gung einer vor­aus­schau­en­den Pla­nung erkannt wer­den.

Diagramm: Erkennbarkeit einer vorausschauenden Planung des Gebäudes

Abbil­dung 8–25: Erkenn­bar­keit einer vor­aus­schau­en­den Pla­nung des Gebäu­des

Ob die in den Berich­ten vor­han­de­nen Defi­zi­te bei der Berück­sich­ti­gung der Nut­zer­wün­sche statt­des­sen im Bera­tungs­ge­spräch mit dem Bera­tungs­emp­fän­ger eine Rol­le gespielt haben, kann nicht aus­ge­schlos­sen wer­den. Erkenn­bar war dies in den Berich­ten nicht.

Diagramm: Berücksichtigung der Wünsche des Eigentümers

Abbil­dung 8–26: Berück­sich­ti­gung der Wün­sche des Eigen­tü­mers

Ein gra­vie­ren­der Man­gel in der weit über­wie­gen­den Zahl der Berich­te ist, dass die Inan­spruch­nah­me von För­de­rung nicht auf­ge­zeigt wird. In der Kon­se­quenz kann auch die Wirt­schaft­lich­keit nicht beur­teilt wer­den oder wird zu schlecht beur­teilt. Aus der lang­jäh­ri­gen Pra­xis­er­fah­rung kann gesagt wer­den, dass Bera­tungs­emp­fän­ger sehr stark dar­an inter­es­siert sind, wel­che För­de­rung sie für die vor­ge­schla­ge­nen Inves­ti­tio­nen erhal­ten kön­nen. Wol­len jedoch die Bera­tungs­emp­fän­ger gar nicht inves­tie­ren, dann inter­es­siert sie die För­de­rung auch nicht. Das Feh­len von För­der­aus­sa­gen kann daher als Indiz gewer­tet wer­den, dass der Sanie­rungs­fahr­plan in der Schub­la­de ver­schwin­den und nicht zur Umset­zung kom­men wird.

Diagramm: Inanspruchnahme von Förderung im Bericht dokumentiert

Abbil­dung 8–27: Inan­spruch­nah­me von För­de­rung im Bericht doku­men­tiert

Wenn in Berich­ten kei­ne Aus­sa­gen zu För­de­run­gen ste­hen, dann wur­den die Maß­nah­men auch nicht unter Berück­sich­ti­gung etwai­ger För­der­mit­tel ent­wi­ckelt. Ein erheb­li­cher Teil der Sanie­rungs­vor­schlä­ge war nicht ambi­tio­niert.

Diagramm: Ambitioniertheit der vorgeschlagen Maßnahmen und Sanierungsschritte

Abbil­dung 8–28: Ambi­tio­niert­heit der vor­ge­schla­gen Maß­nah­men und Sanie­rungs­schrit­te

Der Schwer­punkt der vor­ge­schla­ge­nen Maß­nah­men lag ten­den­zi­ell auf der Gebäu­de­hül­le und Ener­gie­ef­fi­zi­enz.

Diagramm: Schwerpunkt der vorgeschlagenen Maßnahmen auf Erneuerbaren Energien, Energieeffizienz oder Gebäudehülle

Abbil­dung 8–29: Schwer­punkt der vor­ge­schla­ge­nen Maß­nah­men auf Erneu­er­ba­ren Ener­gien, Ener­gie­ef­fi­zi­enz oder Gebäu­de­hül­le

Eigen­strom­erzeu­gung wur­de über­wie­gend berück­sich­tigt und in der Hälf­te der Fäl­le emp­foh­len.

Diagramm: Berücksichtigung der Anlagen zur Eigenstromerzeugung

Abbil­dung 8–30: Berück­sich­ti­gung der Anla­gen zur Eigen­strom­erzeu­gung

Die geprüf­ten Berich­te kön­nen – ganz abge­se­hen von inhalt­li­chen und tech­ni­schen Män­geln – weit über­wie­gend dem Bera­tungs­emp­fän­ger gar nicht als Ent­schei­dungs­hil­fe die­nen, da sie – teil­wei­se sogar gra­vie­rend – unvoll­stän­dig sind. Teil­wei­se hat­ten die Berich­te mit den Anfor­de­run­gen der SFP-VO nahe­zu nichts zu tun, wie z. B. eine Bera­tung zu Quer­schnitts­tech­no­lo­gien in einem Unter­neh­men.

Diagramm: SFP - Vollständigkeit des Berichts

Abbil­dung 8–31: Voll­stän­dig­keit des Berichts

Best prac­ti­ce-Bei­spie­le Gute Bei­spie­le waren in den geprüf­ten Berich­ten sehr rar. Posi­tiv auf­ge­fal­len ist, wenn eine Über­sicht über die vor­ge­schla­ge­nen Maß­nah­men gege­ben wur­de. Des Wei­te­ren wenn in über­sicht­li­cher Form auch dar­ge­stellt wird, war­um gewis­se Hand­lungs­fel­der nicht unter­sucht wer­den.

SFP - Übersichtliche Darstellung

Abbil­dung 8–32: Über­sicht­li­che Dar­stel­lung; bis auf weni­ge Aus­nah­men waren der­ar­ti­ge Dar­stel­lun­gen nicht zu fin­den

SFP - Gute Darstellung

Abbil­dung 8–33: Gute Dar­stel­lung, bei ande­ren Berich­ten fal­len nicht unter­such­te Hand­lungs­fel­der häu­fig ein­fach unter den Tisch

Häu­fi­ge Män­gel: Bei­spie­le Beim über­wie­gen­den Teil der Berich­te scheint eine End­kon­trol­le durch ein abschlie­ßen­des Durch­le­sen nicht statt­ge­fun­den zu haben. Wider­sprüch­li­che Aus­sa­gen oder Copy-pas­te war häu­fig anzu­fin­den. Wenn inner­halb eines Berich­tes z. B. der End­ener­gie­be­darf als drei unter­schied­li­che Wer­te dar­ge­stellt wird, ist jede Aus­sa­ge zur Wirt­schaft­lich­keit nicht glaub­haft.

SFP - Copy-paste-Fehler
SFP - Copy-paste-Fehler

Abbil­dung 8–34: Copy-pas­te-Feh­ler

SFP - Unplausible Angaben und eine Bilanz, die nicht aufgeht

Abbil­dung 8–35: Unplau­si­ble Anga­ben und eine Bilanz, die nicht auf­geht

Mängel: Widersprüchliche Angaben innerhalb eines Berichts

Abbil­dung 8–36: Män­gel: Wider­sprüch­li­che Anga­ben inner­halb eines Berichts

Einreichung eines Berichtes in Form eines 9seitigen Tabellenwerks aus der Energieberatung Mittelstand

Abbil­dung 8–37: Ein­rei­chung eines Berich­tes in Form eines 9seitigen Tabel­len­werks aus der Ener­gie­be­ra­tung Mit­tel­stand, in dem nur Quer­schnitts­tech­no­lo­gien betrach­tet wur­den

Wenn die vor­ge­schrie­be­nen Hand­lungs­fel­der nicht berück­sich­tigt wur­den, ist bei der über­wie­gen­den Zahl der Berich­te kei­ne Begrün­dung ange­ge­ben. Pau­schal­aus­sa­gen wie folgt dar­ge­stellt sind kei­ne aus­rei­chen­de Begrün­dung.

Unzulässige

Abbil­dung 8–38: Unzu­läs­si­ge »General»ausnahme ohne wei­te­re Begrün­dung

Portfolio-Sanierungsfahrpläne

Da sei­tens der uBRB zum Zwe­cke der Eva­lu­ie­rung des EWär­meG nur ein Port­fo­lio-SFP bereit­ge­stellt wur­de, kann zu die­sem Punkt kei­ne Detail­aus­wer­tung in Hin­blick auf die Ein­hal­tung der in der SFP-Ver­ord­nung gefor­der­ten Kri­te­ri­en vor­ge­nom­men wer­den. Die gerin­ge Rück­lauf­quo­te impli­ziert, dass selbst Woh­nungs­ge­sell­schaf­ten, die das EWär­meG (antei­lig) über einen SFP erfül­len, nicht von der Mög­lich­keit eines Port­fo­lio-SFP Gebrauch machen zu schei­nen.

Sanierungsfahrplan und Maßnahmenumsetzung aus Sicht der Aussteller

8.6.1 Methodik

Die Inhal­te die­ses Kapi­tels beru­hen auf der Befra­gung von 11 Aus­stel­lern von Sanie­rungs­fahr­plä­nen. Die Befra­gung erfolg­te tele­fo­nisch auf Basis eines Inter­view­leit­fa­dens. Bei der Aus­wahl der Inter­view­part­ner wur­de dar­auf geach­tet, eine mög­lichst brei­te regio­na­le Ver­tei­lung zu gewähr­leis­ten und sowohl sehr erfah­re­ne als auch weni­ger erfah­re­ne SPF-Aus­stel­ler zu inter­view­en.

Im fol­gen­den Kapi­tel wer­den wesent­li­che Ergeb­nis­se der Inter­views zusam­men­fas­send dar­ge­stellt. Neben den Ergeb­nis­sen aus den tele­fo­ni­schen Befra­gun­gen der SFP-Aus­stel­ler wer­den auch Ergeb­nis­se aus der durch­ge­führ­ten Schorn­stein­fe­ger­be­fra­gung (vgl. Kapi­tel 5.3) mit Rele­vanz für die SFP-Aus­stel­lung dar­ge­stellt.

8.6.2 Ergebnisse

Erfah­rung der Aus­stel­ler

Die Zahl der aus­ge­stell­ten SFP für Wohn­ge­bäu­de durch die inter­view­ten Aus­stel­ler reicht von 10 bis 480 Stück. Vier der Befrag­ten stel­len auch SFP für Nicht­wohn­ge­bäu­de aus, deren Anzahl reicht von 2 bis 20 Stück. In den Inter­views wer­den also über­wie­gend Erfah­run­gen mit SFP für WG wie­der­ge­ge­ben, da sie den wesent­li­chen Teil der Arbeit der Befrag­ten umfas­sen. SFP für Nicht­wohn­ge­bäu­de sind zudem so unter­schied­lich, dass kaum ver­allgmei­ner­ba­re Aus­sa­gen dazu getrof­fen wer­den kön­nen.

Fort­bil­dun­gen

Die Bewer­tung der besuch­ten Fort­bil­dun­gen ist durch­ge­hend posi­tiv und reich­te von „super“ über „nicht schlecht“ bis „Fort­bil­dun­gen sind immer sinn­voll“. Drei der Befrag­ten hat­ten kei­ne Fort­bil­dung spe­zi­ell zum SFP. Sie begrün­den das mit ihren ins­ge­samt aus­ge­zeich­ne­ten Kennt­nis­sen zur The­ma­tik, die sich aus lang­jäh­ri­ger Tätig­keit in dem Gebiet ergibt. Teil­wei­se haben sie auch Vor­trä­ge zum SFP als Infor­ma­ti­ons­quel­le gehört.

Aus­stel­lungs­pro­zess / Kun­den­kon­takt

Der Arbeits­auf­wand, der im Mit­tel für das Aus­stel­len eines SFP auf­ge­wen­det wird, liegt bei vie­len der Bera­ter bei etwa einem Tag. Zwei der Aus­stel­ler geben einen Auf­wand von 2 bis 3 Tagen an, ein Bera­ter wen­det nur 4 Stun­den pro SFP auf. Die auf­ge­wen­de­te Zeit kor­re­liert nicht mit der Erfah­rung, so ist der Bera­ter, der die gerings­te Zeit auf­wen­det, ein weni­ger Erfah­re­ner. Alle Befrag­ten wei­sen dar­auf hin, dass der tat­säch­li­che Auf­wand teil­wei­se von der Grö­ße, über­wie­gend aber von der Kuba­tur des Gebäu­des abhän­gig ist. In MFH ist der Zeit­auf­wand für die Auf­nah­men oft viel höher, da mehr Volu­men, schwie­ri­ge­rer Brand­schutz, Lüf­tung, teil­wei­se dezen­tra­le Hei­zung zu berück­sich­ti­gen sind. Bei Wohn­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaf­ten kommt ggf. noch der Auf­wand für den Besuch einer Eigen­tü­mer­ver­samm­lung hin­zu.

Zu Beginn der Erar­bei­tung von SFP haben sich vie­le Bera­ter eige­ne Tex­te und Text­bau­stei­ne, z.B. zur Beschrei­bung immer wie­der­keh­ren­der Maß­nah­men, erstellt, mit denen der SFP dann bestückt wird. Die vor­ge­ge­be­nen Tex­te im SFP wer­den über­wie­gend gut bewer­tet, aller­dings wün­schen sich eini­ge Aus­stel­ler auch Text­vor­schlä­ge für die Maß­nah­men­be­schrei­bung.

Der Auf­wand für die Erstel­lung eines NWG-SFP lässt sich nicht ver­all­ge­mei­nern, da er sehr stark abhän­gig ist vom Gebäu­de­typ und der Art sei­ner Nut­zung. Einer der Befrag­ten benö­tig­te in einem Fall zwei Mona­te für einen NWG-SFP, da das Gebäu­de aus zahl­rei­chen Nut­zungs­zo­nen bestand.

Der Ablauf zur Erstel­lung des SFP-WG läuft i.d.R. bei allen Bera­tern gleich ab: Nach dem Erst­kon­takt mit dem Kun­den wird ein Ter­min vor Ort ver­ein­bart und dort ein per­sön­li­ches Gespräch zu den Wün­schen des Auf­trag­ge­bers und die Gebäu­de­auf­nah­me durch­ge­führt. Einer der Aus­stel­ler lässt sich vor die­sem Gespräch Unter­la­gen zum Haus zusen­den. Anschlie­ßend wer­den im Büro die Berech­nun­gen durch­ge­führt und der eigent­li­che SFP erstellt, dem Eigen­tü­mer zuge­sen­det und anschlie­ßend ein Ter­min für die Erläu­te­rung vor Ort ver­ein­bart und durch­ge­führt.

Mit zwei Aus­nah­men gaben alle Befrag­ten an, dass sie den Bericht vor Ort per­sön­lich erläu­tern und alle bestehen­den Fra­gen beant­wor­ten. Eini­ge SFP-Aus­stel­ler berich­ten, dass bei eini­gen SFP-Emp­fän­gern, die den SFP als Erfül­lungs­op­ti­on erstel­len lie­ßen, das Inter­es­se an einer aus­führ­li­chen Erläu­te­rung eher gering sei und des­halb auch nicht aus­führ­lich bera­ten wer­de. Die meis­ten der befrag­ten SFP-Aus­stel­ler gaben jedoch an, dass auch im Fal­le der Erstel­lung des SFP als Erfül­lungs­op­ti­on Inter­es­se bestehe und auch die­se SFP erläu­tert wür­den. Ein Aus­stel­ler erläu­tert nicht vor Ort, son­dern die Kun­den kön­nen in sei­ne Sprech­stun­de kom­men und dort Fra­gen zum vor­her zuge­sand­ten SFP stel­len. Ein wei­te­rer Aus­stel­ler sen­det SFP, die als Erfül­lungs­op­ti­on erstellt wur­den, nur zu und erläu­tert nur bei Nach­fra­ge per­sön­lich. Es wird mehr­fach dar­auf hin­ge­wie­sen, dass für älte­re Gebäu­de­ei­gen­tü­mer, die rela­tiv häu­fig zu den Auf­trag­ge­bern gehö­ren, der Inhalt des SFP nicht ver­ständ­lich und eine aus­führ­li­che Erläu­te­rung oft nicht sinn­voll ist.

Kei­ner der Befrag­ten macht expli­zit Wer­bung mit der Aus­stel­lung des SFP. Weit über­wie­gend wer­den die Kun­den durch Mund-zu-Mund-Pro­pa­gan­da gewon­nen. Hand­wer­ker und Schorn­stein­fe­ger ver­wei­sen die Gebäu­de­ei­gen­tü­mer an die Ener­gie­be­ra­ter, gleich­zei­tig sind die­se teil­wei­se so lan­ge im Geschäft, dass sie unter den Eigen­tü­mern wei­ter­emp­foh­len wer­den. Vie­le der Inter­view­ten sind außer­dem auf ande­re Wei­se aktiv, füh­ren Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen zu ener­ge­ti­schen Sanie­run­gen durch, bie­ten für Kom­mu­ne oder Land­kreis Ener­gie­be­ra­tun­gen an, gehen auf Mes­sen usw., wodurch sich eben­falls Kun­den­kon­tak­te erge­ben. Nur einer der Befrag­ten gab an, über ein ent­spre­chen­des Por­tal online SFP anzu­bie­ten, aller­dings gewinnt er dar­über nur weni­ge und eher „schwie­ri­ge“ Kun­den, die an den Inhal­ten des SFP kein wirk­li­ches Inter­es­se haben. Stich­pro­ben erga­ben außer­dem, dass alle der zufäl­lig aus­ge­wähl­ten Befrag­ten sehr gute und infor­ma­ti­ve Web­sei­ten pfle­gen, auf denen es auch Infor­ma­tio­nen zum SFP gibt.

Diagramm: Zufriedenheit befragter Schornsteinfeger mit den Hilfsmitteln zum SFP

Abbil­dung 8–39: Zufrie­den­heit befrag­ter Schorn­stein­fe­ger mit den Hilfs­mit­teln zum SFP (Quel­le: Befra­gung Schorn­stein­fe­ger, Fra­ge 5–2)

Bewer­tung der Hilfs­mit­tel: Mus­ter­fahr­plan / Ener­gie­be­ra­ter­soft­ware / Daten-/Text­ein­ga­be

Die vor­han­de­nen Hilfs­mit­tel wer­den mehr­heit­lich posi­tiv bewer­tet, trotz­dem gibt es eine Rei­he kon­kre­ter Anmer­kun­gen, Kri­tik­punk­te und Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge. Meh­re­re Bera­ter geben an, die bereit gestell­ten Hilfs­mit­tel nicht mehr zu nut­zen, statt­des­sen grei­fen sie auf eige­ne Tools und Hilfs­mit­tel zurück.

Vie­le Bera­ter emp­fin­den den Platz, der im Mus­ter­fahr­plan für nähe­re Erläu­te­run­gen zur Ver­fü­gung steht, als zu gering (die Zahl der Zei­chen sei begrenzt), für eine ernst­haf­te Infor­ma­ti­on der Kun­den rei­che er nicht aus. Wäh­rend einer der Aus­stel­ler viel Zeit auf das Kür­zen von Tex­ten ver­wen­det, erstel­len ande­re zusätz­li­che Ener­gie­be­ra­ter­be­rich­te, in denen sie die Kun­den aus­führ­li­cher und kon­kre­ter bera­ten. Ein Bera­ter schlägt vor, eine Dop­pel­sei­te pro Maß­nah­me vor­zu­se­hen, um kon­kre­ter bera­ten zu kön­nen. Einer der Befrag­ten schlägt Ände­run­gen an den vor­ge­fer­tig­ten Tex­ten vor. Etwa die Hälf­te der Bera­ter geben an, dass sie eige­ne Text­bau­stei­ne erstellt haben und die­se nut­zen. Die Nut­zung der vor­ge­fer­tig­ten Text­bau­stei­ne wird auch mit dem Hin­weis abge­lehnt, dass dann immer das glei­che im SFP ste­he und sich „Stan­dard­for­mu­lie­run­gen stän­dig wie­der­ho­len“ (2 Bera­ter). Ein Aus­stel­ler gibt an, dass das Ein­ga­be­feld für den Namen des Gebäu­de­ei­gen­tü­mers zu klein sei und z.B. WEG-Namen nicht pas­sen.

Die Begren­zung auf fünf Sanie­rungs­schrit­te wird im Prin­zip für gut befun­den, aller­dings wäre ein sechs­ter Schritt oft hilf­reich. Spie­gel­stri­che für zwei Hier­ar­chien in den Text­fel­dern wären hilf­reich, das Feld „zu beach­ten“ müss­te mehr Text zulas­sen.

Bei der Ver­knüp­fung zur Ener­gie­be­ra­ter­soft­ware bzw. zur Text­ein­ga­be wird kri­ti­siert, dass das Hand­ling umständ­lich sei und Tex­te teil­wei­se zwei­mal ein­ge­fügt wer­den müss­ten (2 Bera­ter).

Einer der Befrag­ten hat sich selbst einen Leit­fa­den ent­wi­ckelt, was er vor Ort abfra­gen muss. So einen Leit­fa­den könn­te es nach sei­ner Mei­nung auch als Infor­ma­ti­ons­ma­te­ri­al vom Umwelt­mi­nis­te­ri­um geben.

Aus der stan­dar­di­sier­ten Online-Befra­gung der Schorn­stein­fe­ger (vgl. Kapi­tel 5.3) lie­gen Ergeb­nis­se zur Bewer­tung der Hilfs­mit­tel vor, die in Abbil­dung 8–39 dar­ge­stellt sind. Dem­nach sind deut­lich mehr als die Hälf­te bis zu zwei Drit­teln der befrag­ten Schorn­stein­fe­ger mit den jewei­li­gen Hilfs­mit­teln zufrie­den oder eher zufrie­den.

Bewer­tung der Hilfs­mit­tel: Infor­ma­ti­ons­ma­te­ria­li­en

Ver­füg­ba­re Fly­er zum EWär­meG wer­den gelobt, einer der Schorn­stein­fe­ger unter den Bera­tern ver­teilt die Fly­er bei jeder Feu­er­stät­ten­schau. Ein Befrag­ter ver­schickt den EWär­meG-Fly­er vor dem ers­ten Abstim­mungs­ter­min als Vor­ab­infor­ma­ti­on an die Kun­den und macht damit sehr gute Erfah­run­gen. Ein Fly­er mit Beschrei­bung der Erfül­lungs­op­tio­nen wird ver­misst, obwohl ein ent­spre­chen­des Ange­bot exis­tiert. Ein Bera­ter gibt dazu an, eine im Inter­net ver­füg­ba­re Power­Point-Prä­sen­ta­ti­on zu den Erfül­lungs­op­tio­nen zu nut­zen. Ein Bera­ter hat sich eige­ne Merk­blät­ter erstellt, die er bei den Kun­den ver­teilt.

Bewer­tung des SFP als Bera­tungs­in­stru­ment

Nahe­zu alle befrag­ten Aus­stel­ler hal­ten den SFP prin­zi­pi­ell für geeig­net, den Kun­den ver­ständ­lich und umfas­send zu infor­mie­ren. Beson­ders wich­tig sei die Erläu­te­rung; „nur die Über­ga­be“ des SFP an den Gebäu­de­ei­gen­tü­mer „brin­ge nichts“, dafür sei er zu kom­pli­ziert. Zusätz­lich zur gene­rel­len Zustim­mung zum SFP gibt es eini­ge kon­kre­te posi­ti­ve sowie eini­ge kri­ti­sche Anmer­kun­gen, die im Fol­gen­den auf­zählt wer­den und die sich teil­wei­se auch wider­spre­chen:

Posi­tiv:

  • Als ers­ter Über­blick SFP sehr gut geeig­net
  • Durch SFP als Erfül­lungs­op­ti­on sind Kun­den gezwun­gen, sich näher mit dem Gebäu­de zu beschäf­ti­gen, mit Bera­tern in Kon­takt zu tre­ten (Zitat: „sonst wür­de gar nichts pas­sie­ren“)
  • Kun­de bekom­me durch SFP alle Infor­ma­tio­nen, die er braucht, um sich eine Mei­nung zu bil­den (die­se ände­re er im fol­gen­den mehr­fach nach Gesprä­chen mit Nach­barn, Ver­wand­ten, Hand­wer­kern)
  • farb­li­che Gestal­tung, die ihn sehr über­sicht­lich mache; sei­ne Kom­pakt­heit, plau­si­ble Lösun­gen sei­en gebün­delt dar­ge­stellt


Kri­tik:

  • Betrach­tungs­zeit­raum zu lang, da der Kun­de nicht so weit im Vor­aus den­ke
  • Ins­be­son­de­re Anga­be zu Kos­ten und För­de­rung in der fer­ne­ren Zukunft sind unge­nau und unrea­lis­tisch
  • Nega­ti­ve Kun­den­re­ak­tio­nen kom­men vor: „Ich will doch nur die Hei­zung tau­schen, war­um schrei­ben sie hier was von Fasa­den­däm­mung“ – die mög­li­cher­wei­se zu zusätz­lich ableh­nen­der Hal­tung gegen­über Sanie­run­gen all­ge­mein füh­ren
  • SFP wird oft erst dann aus­ge­stellt, wenn Maß­nah­men schon umge­setzt oder kon­kret geplant sind (z. B. auch wenn gera­de der KfW-Antrag gestellt wird).
  • Im SFP sei prin­zi­pi­ell zu wenig Platz:
  • So kön­ne weni­ger auf Kun­den­wün­sche ein­ge­gan­gen wer­den – wenn, dann muss hier­zu ein eige­ner Anhang bei­gefügt wer­den.
  • So kön­nen Vari­an­ten zu wenig dar­ge­stellt wer­den, auf Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen ver­schie­de­nen Maß­nah­men kön­ne nicht ein­ge­gan­gen wer­den, Platz für Dar­stel­lung der Lüf­tungs­an­la­ge sei weder bei Fens­ter­tausch noch bei Däm­mung, daher müs­se sie als extra Maß­nah­me dar­ge­stellt wer­den.
  • Zum SFP sei auf­grund des feh­len­den Plat­zes ein zusätz­li­cher aus­führ­li­cher Bera­tungs­be­richt not­wen­dig: meh­re­re Bera­ter geben an, die­sen immer zusätz­lich zu erstel­len.
  • Maß­nah­men soll­ten auch geschossweise/für ein­zel­ne Geschos­se, z.B. DG, dar­ge­stellt wer­den kön­nen, nicht nur Maß­nah­men für gesam­tes Haus


SFP als Erfül­lungs­op­ti­on

Die weit über­wie­gen­de Mehr­heit der Kun­den lässt den SFP aus­stel­len, um damit (antei­lig) das EWär­meG zu erfül­len. Die Nen­nun­gen rei­chen von etwa 40 % Anteil Erfül­lungs­op­ti­on bis zu 95 % Anteil. Ände­run­gen des Anteils der SFP zur Erfül­lung des EWär­meG wer­den nicht wahr­ge­nom­men. Zwei der Befrag­ten geben an, dass sie Eigen­tü­mern mit Inter­es­se an Infor­ma­ti­on zur Gebäu­de­sa­nie­rung eher eine her­kömm­li­che Ener­gie­be­ra­tung anbie­ten als einen SFP, da die­se frei­er, fle­xi­bler und infor­ma­ti­ver sei.

Gebäu­de­ei­gen­tü­mer, die den SFP zur Erfül­lung des EWär­meG erstel­len las­sen, zei­gen eben­falls Inter­es­se an des­sen Inhalt. Das zeigt sich in kon­kre­ten Nach­fra­gen, auch Jah­re nach der Erstel­lung. Vie­le Kun­den hät­ten den Anspruch, den SFP zu ver­ste­hen, auch wenn er als Erfül­lungs­op­ti­on erstellt wur­de (Zitat: „immer­hin haben sie ja dafür bezahlt, dann wol­len sie es auch ver­ste­hen“)

Maß­nah­men­um­set­zung / Wir­kung des SFP

Die Erfah­run­gen mit der Maß­nah­men­um­set­zung bei den befrag­ten Ener­gie­be­ra­tern sind sehr unter­schied­lich. Eini­ge der Bera­ter geben an, dass sie recht gut ver­fol­gen kön­nen, wel­che Maß­nah­men umge­setzt wer­den. Zum einen, weil sie bei KfW-För­de­run­gen mit der Erstel­lung der Nach­wei­se beauf­tragt wer­den, teil­wei­se über­neh­men sie die Bau­be­glei­tung bei Sanie­rungs­maß­nah­men. Zum Anteil der SFP-Emp­fän­ger, die eine oder meh­re­re der vor­ge­schla­ge­nen Sanie­rungs­maß­nah­men umset­zen, lässt sich aus den Befra­gungs­er­geb­nis­sen eine recht brei­te Span­ne von 5 % bis 70 % her­aus­le­sen. Ein Bera­ter gibt den Anteil derer, die Maß­nah­men über den Hei­zungs­tausch hin­aus umset­zen, mit 30–40 % an. Zwei­mal wur­de ange­ge­ben, dass der Hei­zungs­tausch mit zusätz­li­chen Maß­nah­men aus dem SFP gekop­pelt wird, weil sich dann der För­der­satz bei der KfW erhöht. Eini­gen Bera­tern ist die Aus­wir­kung des SFP auf kon­kre­te Maß­nah­men­ent­schei­dun­gen unklar, da sie kei­ne Rück­mel­dung dazu erhal­ten. Ein Bera­ter gibt an, dass der SFP nur noch wenig Ein­fluss auf die Maß­nah­men­um­set­zung hat, da zum Zeit­punkt der Erstel­lung schon „alles ent­schie­den“ sei. Die stan­dar­di­sier­te Schorn­stein­fe­ger­be­fra­gung brach­te bezüg­lich der Maß­nah­men­um­set­zung das fol­gen­de Ergeb­nis: 31 % der Befrag­ten geben an, dass bereits Maß­nah­men umge­setzt wur­den, 40 %, dass dies nicht der Falls sei, Rest „weiß nicht“ (n=107, Fra­ge 5–3, ohne Abbil­dung).

Auf die Fra­ge, wel­che Maß­nah­men umge­setzt wer­den bzw. an wel­chen Maß­nah­men Inter­es­se besteht, wer­den in den Inter­views prak­tisch alle mög­li­chen Maß­nah­men genannt. Mehr­heit­lich wird jedoch betont, dass aus Sicht der Bera­ter eher klei­ne­re Maß­nah­men umge­setzt wer­den.

Nahe­zu alle der Befrag­ten gehen davon aus, dass die SFP eher lang­fris­tig wir­ken. Dies wird auch durch ein Ergeb­nis der stan­dar­di­sier­ten Schorn­stein­fe­ger­be­fra­gung bestä­tigt: dort schät­zen 44 % der Befrag­ten, dass Maß­nah­men mehr als ein Jahr nach der Erstel­lung des SFP umge­setzt wer­den (Abbil­dung 8–40). In den Inter­views wer­den wei­te­re Aus­sa­gen dazu gemacht: so sei mit den SFP ein Bera­tungs­do­ku­ment im Hau­se, wel­ches regel­mä­ßig, auch Jah­re spä­ter, zur Ver­fü­gung stün­de. Auf­grund sei­nes Auf­baus ist der SFP leicht zu aktua­li­sie­ren, wei­te­re Vari­an­ten und Berech­nun­gen kön­nen spä­ter ergänzt wer­den, da alle Daten bereits erfasst sind. Die Aus­stel­ler, die schon län­ger SFP aus­stel­len, berich­ten, dass auch Jah­re nach der Aus­stel­lung Eigen­tü­mer anrie­fen mit kon­kre­ten Fra­gen bzw. Umset­zungs­wün­schen. Dies gilt aus Sicht der befrag­ten SFP-Aus­stel­ler ins­be­son­de­re auch für die SFP, die als Erfül­lungs­op­ti­on aus­ge­stellt wer­den. Auch wenn das Inter­es­se zum Zeit­punkt der Aus­stel­lung noch gering sei und erst­mal die „Inves­ti­ti­on in die neue Hei­zung ver­daut“ wer­den müs­se, wach­se das Inter­es­se mit den Jah­ren und es wür­den wei­te­re Maß­nah­men umge­setzt. Die Rück­mel­dun­gen zum SFP sei­en über­wie­gend posi­tiv, mit die­sem Doku­ment füh­len sich die Eigen­tü­mer siche­rer in ihren Ent­schei­dun­gen.

Diagramm: Zeitliche Wirkung des SFP: Zeitraum bis zur Maßnahmenumsetzung

Abbil­dung 8–40: Zeit­li­che Wir­kung des SFP: Zeit­raum bis zur Maß­nah­men­um­set­zung (Quel­le: Befra­gung Schorn­stein­fe­ger, Fra­ge 5–5)

Unter den Befrag­ten herrscht nahe­zu Einig­keit dar­über, dass Maß­nah­men eher in selbst­be­wohn­ten Ein­fa­mi­li­en­häu­sern umge­setzt wer­den, da dort posi­ti­ve Effek­te der Sanie­rung wie ver­rin­ger­te Ener­gie­kos­ten, Kom­fort­ge­winn, ver­bes­ser­te Optik direkt den Eigen­tü­mern zu Gute kämen. In ver­mie­te­ten Objek­ten dage­gen über­wie­ge das Gewinn­in­ter­es­se der Eigen­tü­mer, das Inter­es­se an Inves­ti­tio­nen in ener­ge­ti­sche Sanie­rung ist aus­ge­spro­chen gering, posi­ti­ve Neben­ef­fek­te für die Mie­ter prak­tisch nicht von Belang. Dem­zu­fol­ge wird neben dem Unver­meid­ba­ren nichts umge­setzt. Die Erfül­lung des EWär­meG erfol­ge häu­fig durch Ein­kauf von Bioöl/Biogas zu Las­ten der Mie­ter und zusätz­lich durch den SFP, mit dem sich der Gebäu­de­ei­gen­tü­mer mit geringst­mög­li­chen Kos­ten „frei­kau­fe“.

Ein Bera­ter gibt an, dass der Aspekt der finan­zi­el­len Ver­hält­nis­se der Eigen­tü­mer wich­ti­ger sei als die Fra­ge, ob das Gebäu­de ver­mie­tet oder selbst­ge­nutzt sei. Auch ande­re Aus­stel­ler beto­nen, dass es Gebäu­de­ei­gen­tü­mer gibt, die Maß­nah­men aus dem SFP aus finan­zi­el­len Grün­den nicht umset­zen kön­nen.

SFP Baden-Würt­tem­berg / Bun­des­wei­ter iSFP4

Die Mei­nun­gen zum SFP Baden-Würt­tem­berg im Ver­gleich zum iSFP des BAFA sind unter den Befrag­ten nicht ein­heit­lich. Etwa ein Drit­tel der Bera­ter haben kei­ne Erfah­rung mit dem iSFP und daher zu die­ser Fra­ge kei­ne Ant­wort abge­ge­ben.

Der iSFP wird zum einen als „auf­ge­bla­sen“ und zu aus­führ­lich beschrie­ben, jedoch auch als detail­lier­ter, über­sicht­li­cher, „moder­ner“ und mit mehr Bera­tungs­mög­lich­keit. Durch die Fotos zei­ge er Schwach­stel­len bes­ser auf, aller­dings sei das Ein­fü­gen der Fotos viel zu auf­wän­dig auf­grund schlech­ter Pro­gram­mie­rung des For­mu­lars. Einer der Befrag­ten stellt fast nur noch den iSFP aus, da er umfang­rei­cher ist und mehr Vari­an­ten gerech­net wer­den kön­nen. Der iSFP las­se mehr Infor­ma­tio­nen und eine detail­lier­te Bera­tung zu. Wenn man die Gebäu­de­ei­gen­tü­mer wirk­lich moti­vie­ren wol­le, sei der iSFP bes­ser. Die För­de­rung für den iSFP sei zudem sehr viel auf­wen­di­ger.

Auf der ande­ren Sei­te sei der SFP Baden-Würt­tem­berg völ­lig aus­rei­chend und erfolg­reich imple­men­tiert; die Schaf­fung eines wei­te­ren Sanie­rungs­fahr­plans sei nicht nach­voll­zieh­bar. Der iSFP sei nicht bes­ser als der SFP BW (2x). Meh­re­re Bera­ter sind der Mei­nung, dass bei­de Sanie­rungs­fahr­plä­ne ihre Daseins­be­rech­ti­gung hät­ten und je nach Inter­es­se der Kun­den und der Kennt­nis­se des Aus­stel­lers ein­ge­setzt wer­den könn­ten. Ein Schorn­stein­fe­ger fin­det es wün­schens­wert, nur noch den SFP BW zu haben.

8.6.3 Exkurs: Bewertung des EWärmeG und der Erfüllungsoptionen durch SFP-Aussteller

Das EWär­meG wird von den Ener­gie­be­ra­tern durch­weg posi­tiv bewer­tet, auch wenn unstrit­tig ist, dass es unter den Gebäu­de­ei­gen­tü­mern teil­wei­se kri­tisch gese­hen wird. Ein wesent­li­cher Kri­tik­punkt ist, dass es das EWär­meG nur in Baden-Würt­tem­berg gibt, dies erschwe­re die Argu­men­ta­ti­on beim Kun­den, eine bun­des­wei­te Ein­füh­rung wäre daher von Vor­teil. Mehr­fach wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass gera­de älte­re Men­schen Schwie­rig­kei­ten hät­ten, die Geset­zes­la­ge zu ver­ste­hen und Maß­nah­men umzu­set­zen. In den Inter­views äußer­ten sich die Ener­gie­be­ra­ter in zahl­rei­chen Anmer­kun­gen zu den Erfül­lungs­op­tio­nen:

  • Der SFP soll­te auch im NWG nur antei­lig aner­kannt wer­den:
  • Kel­ler­de­cken­däm­mung geht oft nicht, wegen Roh­ren oder zu nied­ri­ger Decken­hö­he; Tei­l­er­fül­lung wie bei Dach-/Fas­sa­den­däm­mung soll­te ange­rech­net wer­den, da kaum je alle Kel­ler­räu­me für eine Kel­ler­de­cken­däm­mung geeig­net sei­en. Zur Kel­ler­de­cken­däm­mung soll­te außer­dem bes­ser kom­mu­ni­ziert wer­den: vie­le Kun­den wähl­ten die­se Maß­nah­me als rela­tiv ein­fa­che Erfül­lungs­op­ti­on, stell­ten dann aber fest, dass es wie geplant nicht mög­lich sei oder nicht aner­kannt wer­de und sind dann ver­är­gert.
  • Bio­gas und Bio­öl geht aus­schließ­lich zu Las­ten der Mie­ter, Ver­mie­ter haben durch EWär­meG und Erfül­lungs­op­tio­nen wenig Anrei­ze, Maß­nah­men umzu­set­zen, wenn sie Bio­gas-/Bio­öl­op­ti­on umset­zen kön­nen; gleich­zei­tig ist Erfül­lung bei Anla­gen >50kW teil­wei­se schwie­rig, da nicht inves­tiert wer­den soll oder man sich nicht eini­gen kann (bei WEG) oder auch tech­ni­sche oder Platz­re­strik­tio­nen bestehen; BHKW als Erfül­lungs­op­ti­on sei­en zu teu­er, die Anla­gen zu anfäl­lig.
  • Für rela­tiv neue Gebäu­de mit Bau­jahr nach 1995, die rela­tiv guten ener­ge­ti­schen Stan­dard haben und deren Hei­zung kaputt geht, ist Erfül­lung schwie­rig – da lohnt auch noch kein SFP.
  • Unklar sei, war­um Kachel­öfen mit Hei­z­ein­satz aner­kannt wer­den und Kamin­öfen nicht – ins­be­son­de­re in länd­li­chen Regio­nen sind die­se häu­fig und soll­ten aner­kannt wer­den.

Sanierungsfahrplan und Maßnahmenumsetzung aus Sicht der Beratungsempfänger

Zur Bewer­tung der Sanie­rungs­fahr­plä­ne aus Sicht der Gebäu­de­ei­gen­tü­mer bzw. ‑ver­wal­ter, zur Abschät­zung der Wir­kung der Sanie­rungs­fahr­plä­ne, sowie zur Bewer­tung des För­der­pro­gramms für die Erstel­lung von Sanie­rungs­fahr­plä­nen wur­den zwei Befra­gun­gen durch­ge­führt. Zum einen wur­den Sanie­rungs­fahr­plan­emp­fän­ger mit Wohn­ge­bäu­den, zum ande­ren mit Nicht­wohn­ge­bäu­den befragt.

8.7.1 Emp­fän­ger von Sanie­rungs­fahr­plä­nen (SFP) für Wohn­ge­bäu­de (WG) In den fol­gen­den Kapi­teln wer­den Metho­dik und wesent­li­che Ergeb­nis­se der durch­ge­führ­ten Befra­gun­gen zusam­men­fas­send dar­ge­stellt. Dar­un­ter sind neben den Ergeb­nis­sen aus den spe­zi­fi­schen Befra­gun­gen der SFP-Emp­fän­ger auch Ergeb­nis­se aus der durch­ge­führ­ten Brei­ten­be­fra­gung (vgl. Kapi­tel 5.1) mit Rele­vanz für den SFP. Die aus­führ­li­chen Ergeb­nis­se mit Abbil­dun­gen zu den ein­zel­nen Fra­gen sowie der ver­sand­te Fra­ge­bo­gen sind in Anhang 14.4 ent­hal­ten.

8.7.1.1 Methodik

Befragt wur­den Gebäu­de­ei­gen­tü­mer, deren Sanie­rungs­fahr­plan (SFP) über die L‑Bank geför­dert wur­de. Aus einer Daten­bank mit etwa 1.500 Adres­sen wur­den gezielt alle 250 Ver­wal­ter von Wohn­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaf­ten für die Befra­gung aus­ge­wählt5, sowie wei­te­re 750 zufäl­lig aus­ge­wähl­te Gebäu­de­ei­gen­tü­mer. Die Befra­gung erfolg­te als pos­ta­li­sche Befra­gung. Mit der Befra­gung wur­den dem­nach nur Emp­fän­ger geför­der­ter SFP erfasst6. Dar­un­ter waren Gebäu­de­ei­gen­tü­mer, die den SFP als Erfül­lungs­op­ti­on sowie sol­che, die ihn nicht als Erfül­lungs­op­ti­on erstellt haben.

Es konn­te eine sehr hohe Rück­lauf­quo­te von 402 aus­ge­füll­ten Fra­ge­bö­gen erreicht wer­den, so dass auf die Grund­ge­samt­heit der SFP-Emp­fän­ger für Wohn­ge­bäu­de hoch­ge­rech­net wer­den kann7. Dies trifft auch auf die Teil­men­ge der SFP-Emp­fän­ger zu, die den SFP als Erfül­lungs­op­ti­on erstellt haben. Betrach­tet man jedoch den Anteil der Befrag­ten, die den SFP außer­halb des EWär­meG erstellt haben, so ist deren Anteil so gering, dass die Stich­pro­ben­grö­ße nicht aus­reicht, um auf alle Gebäu­de­ei­gen­tü­mer mit SFP außer­halb des E‑WärmeG hoch­zu­rech­nen. Im fol­gen­den Text wer­den trotz­dem Pro­zent­an­ga­ben gemacht, um einen Ver­gleich zwi­schen den ver­schie­de­nen Grup­pen zu ermög­li­chen. Bei der Inter­pre­ta­ti­on der Ergeb­nis­se muss dies jedoch berück­sich­tigt wer­den.

Zusätz­lich gab es nach Aus­sendung des Fra­ge­bo­gens zahl­rei­che tele­fo­ni­sche Rück­fra­gen vor allem von älte­ren Fra­ge­bo­gen­emp­fän­gern, für die die Befra­gung unver­ständ­lich war bzw. die ihren SFP nicht kann­ten. Die­se Per­so­nen haben ihren Fra­ge­bo­gen i.d.R. nicht aus­ge­füllt, so dass davon aus­ge­gan­gen wer­den muss, dass in den Ergeb­nis­sen ein Bias ent­hal­ten ist, da über­haupt nur Per­so­nen den Fra­ge­bo­gen aus­fül­len konn­ten, für die die Fra­gen ver­ständ­lich waren bzw. denen ihr SFP geläu­fig war. Der Anteil der Per­so­nen unter den Befrag­ten, für die die Fra­gen und ver­mut­lich auch der SFP unver­ständ­lich oder gar nicht bekannt waren, kann nicht ermit­telt wer­den. Daher ist die Grö­ße des Bias nicht bestimm­bar. Es muss jedoch davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass ins­be­son­de­re die Ergeb­nis­se zu Ver­ständ­lich­keit und Wir­kung eher zu posi­tiv sind, da die Per­so­nen­grup­pen, für die der SFP unver­ständ­lich ist, an der Befra­gung häu­fig nicht teil­ge­nom­men haben. Zusätz­lich zur Befra­gung der SFP-Emp­fän­ger wer­den hier Ergeb­nis­se der Brei­ten­be­fra­gung der Bevöl­ke­rung (vgl. Kapi­tel 5.1) aus­ge­wer­tet. Die Stich­pro­be von 111 Befrag­ten ist jedoch zu gering, um eine Hoch­rech­nung auf alle SFP-Emp­fän­ger zu mög­li­chen.

8.7.1.2 Ergeb­nis­se Knapp zwei Drit­tel (64 %) der SFP wur­den für ein selbst bewohn­tes Ein- oder Zwei­fa­mi­li­en­haus (EZFH) erstellt, 9 % für ein ver­mie­te­tes EZFH. 26 % der SFP wur­den für ein Mehr­fa­mi­li­en­haus (MFH) erstellt, dar­un­ter 12 % für eine Wohn­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft (WEG), 7 % für ein MFH, in dem auch der Eigen­tü­mer wohnt sowie wei­te­re 7 % für ein kom­plett ver­mie­te­tes MFH (Fra­ge 1).

Grund für die Aus­stel­lung des SFP

85 % der Befrag­ten haben den SFP als Erfül­lungs­op­ti­on für das EWär­meG erstellt, 75 % haben ihn nur als Erfül­lungs­op­ti­on erstellt und kein wei­te­res Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se ange­ge­ben. 16 % gaben an, den SFP erstellt zu haben, um sich über Sanie­rungs­mög­lich­kei­ten für ihr Gebäu­de zu infor­mie­ren, wei­te­re 8 % woll­ten sich spe­zi­ell über eine Hei­zungs­sa­nie­rung infor­mie­ren (Fra­ge 2).

Von den­je­ni­gen, die den SFP als Erfül­lungs­op­ti­on erstellt haben (n=342), haben ihn 37 % gewählt, da er die kos­ten­güns­tigs­te Opti­on zur Pflicht­er­fül­lung war. 41 % die­ser SFP-Emp­fän­ger wur­de die Erstel­lung des SFP vom Ener­gie­be­ra­ter emp­foh­len. 19 % die­ser Befrag­ten gaben außer­dem an, dass die Nut­zung erneu­er­ba­rer Ener­gien bau­lich unmög­lich war. 13 % lie­ßen den SFP auch als Infor­ma­ti­ons­quel­le für Sanie­run­gen erstel­len. 11 % haben erst nach dem Kes­sel­tausch vom EWär­meG erfah­ren (Fra­ge 10, Mehr­fach­nen­nun­gen mög­lich).

Im Fol­gen­den wer­den, wo immer sinn­voll, jeweils die Ergeb­nis­se für alle Befrag­ten (n=402), für die Befrag­ten mit SFP als Erfül­lungs­op­ti­on (N=342) sowie für die Befrag­ten mit SFP außer­halb des EWär­meG (n=60) dar­ge­stellt.

Bewer­tung des SFP all­ge­mein

Von allen Befrag­ten stim­men 41 % der Aus­sa­ge „Der SFP ist für mich nutz­brin­gend und infor­ma­tiv“ zu, 34 % stim­men teil­wei­se zu (teils/teils), 8 % stim­men der Aus­sa­ge nicht zu. Wer­den nur die SFP betrach­tet, die als Erfül­lungs­op­ti­on erstellt wer­den, so bewer­ten etwas mehr, näm­lich 42 % der Befrag­ten, den SFP als nutz­brin­gend und infor­ma­tiv, 32 % mit „teils/teils“ und 9 % stim­men der Aus­sa­ge nicht zu. 5 % (alle Befrag­ten) bzw. 6 % (SFP als Erfül­lungs­op­ti­on) der Befrag­ten hat kein Inter­es­se, den SFP zu nut­zen.

Von den SFP, die außer­halb des EWär­meG erstellt wur­den, wer­den weni­ger, näm­lich nur 37 % als nutz­brin­gend und infor­ma­tiv bewer­tet, und 42 % mit „teils/teils“. 7 % der Befrag­ten bezeich­net den SFP als nicht nutz­brin­gend und infor­ma­tiv, dies ent­spricht etwa dem Wert für alle Befrag­ten. Kei­ner der Befrag­ten, die den SFP außer­halb des EWär­meG erstel­len lie­ßen, hat kein Inter­es­se, ihn zu nut­zen. (Rest jeweils k.A., Fra­ge 11)

Der Aus­sa­ge „Das Bera­tungs­ge­spräch zum SFP ist für mich nutz­brin­gend und infor­ma­tiv“ stimmt fast die Hälf­te aller SFP-Emp­fän­ger zu (49 %), 29 % ant­wor­ten mit „teils/teils“ und eine Min­der­heit von 8 % stimmt nicht zu. Ganz ähn­lich sind die Ergeb­nis­se zum Bera­tungs­ge­spräch bei den SFP-Emp­fän­gern, die ihn als Erfül­lungs­op­ti­on erstel­len lie­ßen, näm­lich 48 % Zustim­mung, 30 % „teils/teils“ und eben­falls 8 % kei­ne Zustim­mung. Im Gegen­satz dazu wird das Bera­tungs­ge­spräch bei den SFP außer­halb des EWär­meG deut­lich posi­ti­ver bewer­tet, näm­lich von 57 % als „nutz­brin­gend und infor­ma­tiv“ und nur von 22 % mit „teils/teils“. Kei­ne Zustim­mung zur Aus­sa­ge geben eben­falls 8 % der Befrag­ten (Rest jeweils k.A., Fra­ge 11).

Ver­ständ­lich­keit des SFP

Die Ver­ständ­lich­keit des SFP wur­de für jeden Teil des SFP-Mus­ter­for­mu­lars getrennt abge­fragt („Ihr Gebäu­de heu­te“, „Über­blick“, „Die Schrit­te im Detail“ sowie die Schluss­in­for­ma­ti­on „Was sind die nächs­ten Schrit­te“ und „Wei­te­re Infor­ma­tio­nen“). Ins­ge­samt wer­den alle Tei­le des SFP mehr­heit­lich, näm­lich von 54 % bis 73 % der Befrag­ten, als gut ver­ständ­lich bewer­tet. Am bes­ten wird die Ver­ständ­lich­keit der „Beschrei­bung des Ist-Zustan­des“ bewer­tet (73 % „gut ver­ständ­lich“), am schlech­tes­ten „Die nächs­ten Schrit­te im Detail“ sowie „Was sind die nächs­ten Schrit­te“ und Erläu­te­run­gen mit 54 % bzw. 55 % posi­ti­ver Bewer­tung. Die Ant­wort­mög­lich­keit „Infor­ma­ti­on nicht ent­hal­ten“ wur­de von unter 1 % aller Befrag­ten ange­kreuzt.

Die Unter­schie­de in der Bewer­tung der Ver­ständ­lich­keit zwi­schen der Gesamt­heit der Befrag­ten und den Befrag­ten mit SFP als Erfül­lungs­op­ti­on sind gering und wer­den nicht extra dar­ge­stellt. Die Ver­ständ­lich­keit der SFP außer­halb des EWär­meG wird jedoch deut­lich bes­ser bewer­tet: 62 % bis 80 % bewer­ten die ein­zel­nen Abschnit­te als gut ver­ständ­lich; der Anteil an Bewer­tun­gen mit „schwer ver­ständ­lich“ liegt bei allen Befrag­ten zwi­schen 3 % und 7 %.

Bera­tungs­wir­kung des SFP

71 % aller Befrag­ten wur­den vom Aus­stel­ler des SFP umfas­send bera­ten und fan­den die Bera­tung ver­ständ­lich und infor­ma­tiv. 7 % der Bera­tungs­emp­fän­ger geben an, dass es kei­ne per­sön­li­che Bera­tung durch den Aus­stel­ler gege­ben hat.

Die Befrag­ten, die den SFP außer­halb des EWär­meG erstel­len lie­ßen, bewer­ten die Bera­tungs­qua­li­tät etwas bes­ser. Jedoch lag der Anteil derer, die kei­ne per­sön­li­che Bera­tung erhal­ten haben, mit 12 % eben­falls etwas höher (Fra­ge 12).

Im Mit­tel wur­de etwa 1,5 h per­sön­lich durch den SFP-Aus­stel­ler bera­ten (Fra­ge 14) und es wur­den etwa 1,6 Bera­tungs­ter­mi­ne vor Ort durch­ge­führt. 2 % aller Befrag­ten gaben an, dass kein Bera­tungs­ter­min vor Ort statt­ge­fun­den hat. Bei SFP, die als Erfül­lungs­op­ti­on erstellt wur­den, gab es in 34 % der Fäl­le zwei Ter­mi­ne und bei 9 % der Befrag­ten drei oder mehr Bera­tungs­ter­mi­ne vor Ort. Bei SFP außer­halb des EWär­meG wur­de inten­si­ver bera­ten: in 42 % der Fäl­le gab es zwei Bera­tungs­ter­mi­ne und in 11 % der Fäl­le 3 oder mehr Ter­mi­ne (Fra­ge 15).

Zwei Drit­tel aller Befrag­ten geben an, dass alle wich­ti­gen Kenn­zah­len, die not­wen­dig sind, um kon­kre­te Maß­nah­men zu ergrei­fen, im SFP ent­hal­ten sind oder im Bera­tungs­ge­spräch erläu­tert wur­den. 6 % der Befrag­ten haben dage­gen not­wen­di­ge Infor­ma­tio­nen zur Umset­zung von Maß­nah­men nicht erhal­ten. Zwi­schen dem SFP als Erfül­lungs­op­ti­on und außer­halb des EWär­meG gibt es hier nur sehr gerin­ge Unter­schie­de, die nicht geson­dert dar­ge­stellt wer­den (Fra­ge 16).

Maß­nah­men­um­set­zung

Zur Maß­nah­men­um­set­zung gaben zwei Drit­tel aller Befrag­ten an, bereits Maß­nah­men aus dem SFP umge­setzt zu haben bzw. die­se kon­kret zu pla­nen. Es gibt kaum einen Unter­schied zwi­schen allen Befrag­ten und den Befrag­ten, die ihren SFP als Erfül­lungs­op­ti­on erstellt haben. Befrag­te mit einem SFP außer­halb des EWär­meG dage­gen geben weni­ger oft an, bereits Maß­nah­men umge­setzt oder geplant zu haben (62 % ja und 30 % nein, Fra­ge 17).

Auf die Fra­ge danach, wel­che kon­kre­ten Maß­nah­men aus dem SFP bereits umge­setzt wur­den oder kon­kret geplant sind, gaben 74 % aller Befrag­ten an, dass sie ihre Heiz­an­la­ge getauscht haben. Die­ser Anteil liegt höher als der Anteil der Befrag­ten, die anga­ben, bereits Maß­nah­men aus dem SFP umge­setzt zu haben. Dies lässt die Inter­pre­ta­ti­on zu, dass hier auch Maß­nah­men genannt wur­den, die bereits vor der Erstel­lung des SFP umge­setzt wur­den, und dass auch ein gewis­ser Anteil der Heiz­an­la­gen vor Erstel­lung des SFP bereits getauscht wur­de. Wei­te­re häu­fig umge­setz­te Maß­nah­men sind der hydrau­li­sche Abgleich mit 39 %, der Fens­ter­tausch mit 30 % und die Däm­mung des Daches bzw. der obe­ren Geschoss­de­cke mit 23 % der Befrag­ten. Eben­falls 23 % gaben an, erneu­er­ba­re Ener­gien zu nut­zen. Die Däm­mung von Kel­ler­de­cke und Außen­wand wird am wenigs­ten umge­setzt bzw. geplant (14 % bzw. 12 %, Fra­ge 18, Abbil­dung 8–41).

Wer­den nur die Gebäu­de­ei­gen­tü­mer mit SFP außer­halb des EWär­meG betrach­tet, so wer­den weni­ger Maß­nah­men mit Bezug zur Hei­zungs­an­la­ge (Hei­zungs­tausch, hydrau­li­scher Abgleich, erneu­er­ba­re Ener­gien) und statt­des­sen mehr Dämm­maß­nah­men umge­setzt (Fra­ge 18, Anhang). Auch dies scheint plau­si­bel, da der SFP als Erfül­lungs­op­ti­on immer mit dem Aus­tausch der Heiz­an­la­ge (= Pflicht­aus­lö­ser für das EWär­meG) ver­bun­den ist, wohin­ge­gen beim SFP außer­halb des EWär­meG ggf. kein Hei­zungs­tausch ansteht.

Zusätz­lich wur­de danach gefragt, ob die Maß­nah­men in der Rei­hen­fol­ge umge­setzt wur­den, wie im SFP emp­foh­len. Bei 54 % der Befrag­ten war dies der Fall, bei einem Vier­tel (26 %) nicht (Rest k.A.). Die Unter­schie­de zwi­schen Befrag­ten mit und ohne Erfül­lungs­op­ti­on sind so gering, dass sie nicht dar­ge­stellt wer­den (Fra­ge 19).

Diagramm: Bereits umgesetzte oder konkret geplante Maßnahmen aus dem SFP

Abbil­dung 8–41: Bereits umge­setz­te oder kon­kret geplan­te Maß­nah­men aus dem SFP (Befra­gung von Emp­fän­gern von WG-SFP, Fra­ge 18)

Zur Abschät­zung der Wir­kung des SFP auf die Maß­nah­men­um­set­zung wur­de gefragt, wel­che der Maß­nah­men auch ohne den SFP umge­setzt wor­den wären. In der Aus­wer­tung wur­de jeweils gefil­tert nach den Befrag­ten, die in Fra­ge 18 zur Maß­nah­men­um­set­zung ange­ge­ben haben, eine ent­spre­chen­de Maß­nah­me bereits umge­setzt zu haben oder kon­kret zu pla­nen. Das Ergeb­nis zeigt Abbil­dung 8–42. Erwar­tungs­ge­mäß war ein hoher Anteil, näm­lich drei Vier­tel der durch­ge­führ­ten oder kon­kret geplan­ten Hei­zungs­tau­sche, bereits vor Erstel­lung des SFP geplant. Ähn­lich sieht es beim Fens­ter­tausch aus, bei dem 70 % auch ohne den SFP durch­ge­führt wor­den wären, wäh­rend nur 15 % der Maß­nah­men nicht geplant war. Von den durch­ge­führ­ten oder geplan­ten hydrau­li­schen Abglei­chen und Kel­ler­de­cken­däm­mun­gen hin­ge­gen waren 45 % bzw. 44 % vor der Aus­stel­lung des SFP nicht geplant, und bei Dach- und Fas­sa­den­däm­mung waren es noch 26 % bzw. 27 %, die mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit auf die Bera­tung zum SFP zurück­zu­füh­ren sind.

Nach Ergeb­nis­sen der Brei­ten­be­fra­gung der Bevöl­ke­rung (vgl. Kapi­tel 5.1) ist der Ein­fluss des SFP auf Sanie­rungs­ent­schei­dun­gen bei 10 %-28 % der Befrag­ten eher groß oder groß. Den größ­ten Ein­fluss hat er auf die Ände­rung der Art der Sanie­rungs­maß­nah­men (28 % groß oder eher groß), gefolgt von der Durch­füh­rung wei­te­rer Sanie­rungs­maß­nah­men (25 % groß oder eher groß). Mit 10 % am gerings­ten wird der Ein­fluss des SFP auf das Ver­schie­ben von Sanie­rungs­maß­nah­men ein­ge­schätzt (Abbil­dung 8–43.

Diagramm: Wirkung des SFP: Anteil der Maßnahmen, die vor Erstellung des SFP nicht geplant waren

Abbil­dung 8–42: Wir­kung des SFP: Anteil der Maß­nah­men, die vor Erstel­lung des SFP nicht geplant waren (Befra­gung von Emp­fän­gern von WG-SFP, Fra­ge 20)

Diagramm: Wirkung des SFP auf Sanierungsentscheidungen Wirkung des SFP auf Sanierungsentscheidungen

Abbil­dung 8–43: Wir­kung des SFP auf Sanie­rungs­ent­schei­dun­gen Wir­kung des SFP auf Sanie­rungs­ent­schei­dun­gen (waren (Befra­gung von Emp­fän­gern von WG-SFP, Fra­ge 20)

In Tabel­le 8–6 ist zusätz­lich nach den Gebäu­den, für die der SFP erstellt wur­de (Fra­ge 1), dar­ge­stellt, wel­cher Anteil der Befrag­ten angibt, bereits Maß­nah­men umge­setzt zu haben. Über­ra­schen­der­wei­se errei­chen hier die SFP für ver­mie­te­te Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser, in denen der Eigen­tü­mer selbst wohnt, sowie ver­mie­te­te Ein­fa­mi­li­en­häu­ser mit 79 % bzw. 74 % den höchs­ten Anteil an Nen­nun­gen. Dies wider­spricht den Ergeb­nis­sen der Befra­gung der SFP-Aus­stel­ler, die nahe­zu über­ein­stim­mend ange­ben, dass in ver­mie­te­ten Gebäu­den sehr weni­ge Maß­nah­men umge­setzt wer­den, son­dern dass es haupt­säch­lich die Eigen­tü­mer selbst­ge­nutz­ter EFH sind, die Maß­nah­men ergrei­fen (vgl. Kapi­tel 8.6). Aller­dings sind in den in Tabel­le 8–6 ange­ge­be­nen Maß­nah­men auch die Hei­zungs­tau­sche selbst ent­hal­ten. Am wenigs­ten wer­den Maß­nah­men in Wohn­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaf­ten umge­setzt, was sich mit den Erfah­run­gen der Ener­gie­be­ra­ter deckt. Zu beach­ten ist, dass die Stich­pro­ben­zahl gering ist, so dass die Anga­ben nicht hoch­ge­rech­net wer­den soll­ten.

Tabelle: Umsetzung von Maßnahmen aus dem SFP nach Gebäudegröße und -eigentum

Tabel­le 8–6: Umset­zung von Maß­nah­men aus dem SFP nach Gebäu­de­grö­ße und ‑eigen­tum

Letzt­end­lich wur­de danach gefragt, ob über die Maß­nah­men im SFP hin­aus wei­te­re Maß­nah­men umge­setzt wur­den. Das Ergeb­nis: 9 % aller Befrag­ten sowie 9 % der Befrag­ten mit SFP als Erfül­lungs­op­ti­on haben über den SFP hin­aus Maß­nah­men umge­setzt. 80 % bzw. 82 % haben dies nicht getan (Rest k.A.). Bei den Befrag­ten mit SFP außer­halb des EWär­meG haben 13 % über den SFP hin­aus wei­te­re Maß­nah­men umge­setzt, 73 % haben dies nicht getan und 13 % haben dazu kei­ne Anga­be gemacht (Fra­ge 21).

Schluss­fra­gen

72 % der Befrag­ten wür­den sich wie­der einen SFP erstel­len las­sen, dar­un­ter 6 % von einem ande­ren Ener­gie­be­ra­ter. 21 % wür­den das nicht tun. Ver­bes­se­rungs­po­ten­zi­al besteht aus Sicht der Befrag­ten vor allem hin­sicht­lich der Infor­ma­tio­nen zu För­der­mit­teln (31 % der Befrag­ten) und hin­sicht­lich der Ver­ständ­lich­keit (19 %). 26 % der Befrag­ten wün­schen sich „mehr Ein­ge­hen auf mei­ne spe­zi­fi­sche Situa­ti­on“ und 20 % mehr „kon­kre­te Hil­fen zur Umset­zung von Bau­maß­nah­men“ (Fra­ge 23).

Ergeb­nis­se der Brei­ten­be­fra­gung zei­gen, dass die Zufrie­den­heit der Bera­tungs­emp­fän­ger mit dem SFP ins­ge­samt recht hoch ist. Beson­ders hoch ist sie mit der Ver­ständ­lich­keit, der Dar­stel­lung des Ist-Zustands und dem Detail­grad der vor­ge­schla­ge­nen Maß­nah­men (73 % bis 75 %). Knapp 70 % sind mit der Dar­stel­lung der Sanie­rungs­per­spek­ti­ve für die nächs­ten Jah­re eben­falls zufrie­den. Die Infor­ma­tio­nen zum ener­ge­ti­sche Nut­zen und zur Wirt­schaft­lich­keit der Sanie­run­gen, sowie die Nütz­lich­keit für den Bera­tungs­emp­fän­ger selbst wird von jeweils >60 % der SFP-Emp­fän­ger als gut oder sehr gut bezeich­net. Schlech­te Schul­no­ten für die genann­ten Aspek­te wer­den nur jeweils von 5 % oder weni­ger ver­ge­ben (Abbil­dung 8–44).

Diagramm: Zufriedenheit mit dem Sanierungsfahrplan

Abbil­dung 8–44: Zufrie­den­heit mit dem Sanie­rungs­fahr­plan waren (Brei­ten­be­fra­gung, Fra­ge 19)

8.7.2 Befragung von Empfängern von SFP für Nichtwohngebäude (NWG)

8.7.2.1 Methodik

Befragt wur­den Eigen­tü­mer, Ver­wal­ter oder Nut­zer von Nicht­wohn­ge­bäu­den mit SFP, die der Nut­zung ihrer Daten für Eva­lu­ie­rungs­zwe­cke zuge­stimmt hat­ten. Den Gut­ach­tern lagen 20 ent­spre­chen­de Adres­sen vor. Die Befra­gung erfolg­te als pos­ta­li­sche Befra­gung mit einem stan­dar­di­sier­ten Fra­ge­bo­gen.

Mit 11 aus­ge­füll­ten Fra­ge­bö­gen liegt die Rück­lauf­quo­te bei über 50 %. Auf­grund der gerin­gen Gesamt­zahl kön­nen die Ergeb­nis­se jedoch nicht auf die Gesamt­heit der Nicht­wohn­ge­bäu­de­ei­gen­tü­mer mit SFP hoch­ge­rech­net wer­den. Sie lie­fern daher ledig­lich wich­ti­ge Anhalts­punk­te.

8.7.2.2 Ergebnisse

Zehn der SFP wur­den als Erfül­lungs­op­ti­on für das EWär­meG erstellt. Ein SFP wur­de aus­schließ­lich erstellt, um sich über all­ge­mei­ne Sanie­rungs­mög­lich­kei­ten zu infor­mie­ren. Die­ses Gebäu­de wur­de anschlie­ßend abge­ris­sen. Ein wei­te­rer Befrag­ter hat bei­de Optio­nen ange­kreuzt (Fra­ge 1). Die Kos­ten für sechs der SFP lagen zwi­schen knapp 2.000 und etwas mehr als 4.000€, ein wei­te­rer kos­te­te 800€, ein ande­rer knapp 8.500€ (Fra­ge 2). Fünf der SFP wur­den von Ener­gie­be­ra­tern und sechs von Inge­nieu­ren aus­ge­stellt (Fra­ge 3).

Bewer­tung des Sanie­rungs­fahr­plans für Nicht­wohn­ge­bäu­de und der Bera­tung

Jeweils sechs der Befrag­ten bewer­ten sowohl den SFP als auch das dazu­ge­hö­ren­de Bera­tungs­ge­spräch als nutz­brin­gend und infor­ma­tiv, jeweils drei stim­men dem nur teil­wei­se zu (teils/teils). Eine Per­son hat kein Inter­es­se, den SFP zu nut­zen. Die glei­che Per­son bewer­tet auch das Bera­tungs­ge­spräch als nicht nutz­brin­gend oder infor­ma­tiv (Fra­ge 4).

Die Ver­ständ­lich­keit der Beschrei­bung des Gebäu­de-IST-Zustands, des ange­streb­ten Ziel­zu­stands sowie des Über­blicks über emp­foh­le­ne Maß­nah­men wird über­wie­gend gut bewer­tet (von 8 bis 10 Befrag­ten, Rest weni­ger gut). Die Beschrei­bung des IST-Zustan­des wur­de ein­mal als schwer ver­ständ­lich bewer­tet. Die detail­lier­te Beschrei­bung der nächs­ten Schrit­te sowie wei­te­re Hin­wei­se und Erläu­te­run­gen wer­den von jeweils fünf Befrag­ten als gut und eben­falls von fünf Befrag­ten als weni­ger gut bewer­tet (Rest k.A., Fra­ge 5).

Sechs Befrag­te wur­den vom Aus­stel­ler umfas­send bera­ten, vier wur­den nur teil­wei­se gut bera­ten (teils/teils). Acht Befrag­te bewer­ten die Bera­tung als ver­ständ­lich und infor­ma­tiv, zwei als teil­wei­se ver­ständ­lich und infor­ma­tiv (teils/teils, Rest jeweils „stim­me nicht zu“). Eine Per­son gibt an, dass es kei­ne per­sön­li­che Bera­tung gege­ben hat, dies ist die glei­che Per­son, die kein Inter­es­se hat, den SFP zu nut­zen (Fra­ge 6).

Jeweils vier der Befrag­ten hat­ten einen bzw. zwei Bera­tungs­ter­mi­ne vor Ort. Bei einem Befrag­ten wur­den drei Ter­mi­ne durch­ge­führt, ein Befrag­ter gab wie­der an, dass kein Bera­tungs­ter­min durch­ge­führt wur­de (1 x k.A., Fra­ge 7). Die Dau­er der Bera­tungs­ge­sprä­che lag zwi­schen einer hal­ben und vier Stun­den, im Mit­tel bei 1,75 Stun­den (Fra­ge 8).

Acht der Befrag­ten gaben an, dass im SFP alle wich­ti­gen Kenn­zah­len und Maß­nah­men ent­hal­ten sind und im Gespräch erläu­tert wur­den. Eine Per­son gibt an, dass dies teil­wei­se der Fall war und beim Aus­stel­ler noch Rück­fra­gen gestellt wur­den (2 x k.A., Fra­ge 9).

Maß­nah­men­um­set­zung

In zwei der unter­such­ten Gebäu­de wur­den bereits kon­kre­te Maß­nah­men aus dem SFP umge­setzt, in neun noch nicht (Fra­ge 10). Tabel­le 8–7 zeigt, wel­che Maß­nah­men durch die Befrag­ten ange­ge­ben wur­den. Von den 11 Befrag­ten wur­den am häu­figs­ten Hei­zungs­tausch und Beleuch­tungs­sa­nie­rung umge­setzt bzw. geplant.

Tabelle: Umgesetzte und geplante Maßnahmen aus NWG-SFP nach Angaben der Beratungsempfänger

Tabel­le 8–7: Umge­setz­te und geplan­te Maß­nah­men aus NWG-SFP nach Anga­ben der Bera­tungs­emp­fän­ger

Die Fra­ge danach, wel­che der Maß­nah­men auch ohne SFP aus­ge­führt wor­den wäre, lässt lei­der kei­ne Aus­sa­gen zu, da sie nicht plau­si­bel beant­wor­tet wur­de. Da die Fall­zahl ohne­hin zu gering ist, um Aus­sa­gen zur Wir­kung der SFP-NWG zu tref­fen, wird auf eine wei­te­re Dar­stel­lung ver­zich­tet (Fra­ge 12). Einer der Befrag­ten gibt an, eine Maß­nah­me über die im SFP hin­aus umge­setzt zu haben, und zwar eine Umstel­lung auf LED-Beleuch­tung (Fra­gen 13 und 14).

Schluss­fra­ge

Neun von 11 Bera­tungs­emp­fän­gern wür­den den SFP noch ein­mal erstel­len las­sen, jeweils vom glei­chen Ener­gie­be­ra­ter; einer wür­de es nicht tun und einer macht kei­ne Anga­be dazu (Fra­ge 15).

Auf die Fra­ge, was die Bera­tungs­emp­fän­ger am SFP ver­bes­sern wür­den, wur­den 5x „mehr Infor­ma­tio­nen zu För­der­mit­teln“ gewünscht, 2x „Ver­ständ­lich­keit“ genannt und eben­falls 2x „kon­kre­te Hil­fen zur Pla­nung und Aus­füh­rung der Sanie­rungs­maß­nah­men“. Jeweils 1x wur­de „weni­ger tech­ni­sche Details“ sowie „mehr Ein­ge­hen auf mei­ne spe­zi­el­le Situa­ti­on / mein Gebäu­de“ genannt (Fra­ge 16).

Fazit und Empfehlungen

Der Sanie­rungs­fahr­plan wird im Wesent­li­chen als Erfül­lungs­op­ti­on für das EWär­meG erstellt und weni­ger als Bera­tungs­in­stru­ment für Haus­ei­gen­tü­mer genutzt, die sich für kon­kre­te Sanie­rungs­maß­nah­men an ihrem Gebäu­de inter­es­sie­ren. Die als Erfül­lungs­op­ti­on erstell­ten SFP erfül­len viel­mehr die Auf­ga­be, die oft weni­ger bis kaum inter­es­sier­ten Gebäu­de­ei­gen­tü­mer für den ener­ge­ti­schen Zustand und den Sanie­rungs­be­darf ihres Gebäu­des zu sen­si­bi­li­sie­ren und zumin­dest mit­tel- bis lang­fris­tig zur Maß­nah­men­um­set­zung zu moti­vie­ren. Dies trifft nach Aus­sa­gen der Aus­stel­ler ins­be­son­de­re auf Eigen­tü­mer selbst­ge­nutz­ter Ein­fa­mi­li­en­häu­ser zu, wäh­rend Ver­mie­ter schwie­ri­ger zu moti­vie­ren sind.

Kurz­fris­tig wer­den eher klei­ne­re Maß­nah­men des SFP umge­setzt, trotz­dem ist auch eine kurz­fris­ti­ge Wir­kung des SFP mess­bar. Da die weit über­wie­gen­de Mehr­heit der SFP als Erfül­lungs­op­ti­on erstellt wird, ist dort wohl in der Regel die Maß­nah­men­ent­schei­dung bereits gefal­len und kurz­fris­ti­ge Ände­run­gen auf­grund des SFP eher sel­ten.

Die Mehr­heit der Gebäu­de­ei­gen­tü­mer ist mit der Bera­tungs­wir­kung des SFP und sei­nen Erläu­te­run­gen zufrie­den. Ins­ge­samt scheint der SFP also eine recht gute Bera­tungs­wir­kung zu erzie­len. Ins­be­son­de­re als mit­tel- bis lang­fris­tig nutz­ba­res Instru­ment für gegen­wär­tig wenig inter­es­sier­te Eigen­tü­mer ist er wert­voll. Ein Ver­gleich mit einer her­kömm­li­chen Ener­gie­be­ra­tung und damit ver­bun­den die Fra­ge, ob der Sanie­rungs­fahr­plan aus Sicht der Eigen­tü­mer und Aus­stel­ler der her­kömm­li­chen Ener­gie­be­ra­tung über­le­gen ist, kann nicht abschlie­ßend beant­wor­tet wer­den. Zumin­dest eini­ge Ener­gie­be­ra­ter hal­ten eine her­kömm­li­che Ener­gie­be­ra­tung für sinn­vol­ler.

Die Bewer­tung des knapp gehal­te­nen For­mats des SFP mit begrenz­tem Inhalt ist hete­ro­gen. Zum einen ist der SFP dadurch über­sicht­lich und kurz, zum ande­ren kön­nen nicht alle wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen ver­mit­telt wer­den. Eini­ge der Ener­gie­be­ra­ter behel­fen sich daher mit zusätz­li­chen aus­führ­li­chen Ener­gie­be­ra­tungs­be­rich­ten. Dies muss auch bei der Bewer­tung der inhalt­li­chen Detail­be­wer­tung der Sanie­rungs­fahr­plä­ne (Kapi­tel 8.4) berück­sich­tigt wer­den: oft ist der SFP nicht das ein­zi­ge vom Ener­gie­be­ra­ter über­ge­be­ne Bera­tungs­pro­dukt, son­dern wird durch ein bis meh­re­re wei­te­re ergänzt. SFP-Emp­fän­ger, die den SFP außer­halb des EWär­meG erstel­len lie­ßen, bewer­ten des­sen Bera­tungs­qua­li­tät etwas schlech­ter. Dies könn­te ein Hin­weis dar­auf sein, dass die Erwar­tun­gen die­ser Ziel­grup­pe höher sind und eher Bedarf für umfas­sen­de­re Bera­tung besteht als durch den SFP mög­lich ist.

Die Arbeit der Ener­gie­be­ra­ter kann nach Ansicht der Gut­ach­ter (auf der Basis der elf Inter­views und der schrift­li­chen Befra­gun­gen) über­wie­gend posi­tiv bewer­tet wer­den. Auch wenn die Inten­si­tät der per­sön­li­chen Bera­tung dem tat­säch­li­chen Inter­es­se der Gebäu­de­ei­gen­tü­mer ange­passt wird, so ergibt die Befra­gung, dass die Bera­tung in der Regel enga­giert und kom­pe­tent und zur Zufrie­den­heit der Kun­den erfolgt. Gera­de die inter­view­ten Ener­gie­be­ra­ter mit einer gro­ßen Anzahl erstell­ter SFP schei­nen hohe Kom­pe­tenz und Enga­ge­ment auf­zu­wei­sen. Aller­dings ist es mög­lich, dass sich gera­de beson­ders enga­gier­te Aus­stel­ler für ein Inter­view bereit erklärt haben und die Ergeb­nis­se daher ver­zerrt sind. Die Ant­wor­ten der Eigen­tü­mer in der Befra­gung wei­sen dar­auf hin, dass bei den Kun­den Fra­gen offen­blei­ben.

Bei der Ver­ständ­lich­keit des SFP besteht Ver­bes­se­rungs­po­ten­zi­al. Ins­be­son­de­re scheint der SFP nicht geeig­net, die gro­ße Zahl älte­rer Gebäu­de­ei­gen­tü­mer zu errei­chen. Der rela­tiv hohe Anteil der Ant­wor­ten „k.A.“ in der schrift­li­chen Befra­gung spie­gelt evtl. den hohen Anteil älte­rer Men­schen unter den Gebäu­de­ei­gen­tü­mern wider, die mit der Befra­gung wenig anfan­gen konn­ten. Wie älte­re Gebäu­de­ei­gen­tü­mer bes­ser erreicht wer­den kön­nen und ob dies über­haupt mög­lich ist, kann an die­ser Stel­le nicht beant­wor­tet wer­den. Es sei aber dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der SFP bei Eigen­tü­mer­wech­sel im Gebäu­de ver­blei­ben dürf­te und somit auch dem neu­en Eigen­tü­mer als Bera­tungs­in­stru­ment die­nen kann. Zu ver­füg­ba­ren För­der­mit­teln besteht ein star­kes Infor­ma­ti­ons­be­dürf­nis, wel­ches oft mit dem SFP nicht gedeckt wer­den kann.

Der SFP-NWG wird von den Gebäu­de­ei­gen­tü­mern eben­falls über­wie­gend posi­tiv bewer­tet. Zur Wir­kung des NWG-SFP kann an die­ser Stel­le kei­ne Aus­sa­ge getrof­fen wer­den. Nach Aus­kunft der inter­view­ten Aus­stel­ler, die ins­ge­samt jedoch wenig Erfah­rung mit NWG-SFP haben, wird aus die­sen SFP weni­ger umge­setzt als bei den WG-SFP. Alle NWG-Eigen­tü­mer, die befragt wur­den, lie­ßen den SFP als Erfül­lungs­op­ti­on erstel­len. Ob also der NWG-SFP eine über die EWär­meG-Erfül­lung hin­aus­ge­hen­de Rol­le ein­nimmt, kann auf der Basis der Befra­gung nicht bewer­tet wer­den.

Bei einer Detail­ana­ly­se der Wohn­ge­bäu­de-SFP muss aller­dings bei vie­len SFP eine nicht aus­rei­chen­de Qua­li­tät fest­ge­stellt wer­den. Mehr als die Hälf­te der unter­such­ten SFP zei­gen kei­ne plau­si­ble, lang­fris­ti­ge oder ambi­tio­nier­te Sanie­rungs­stra­te­gie. Dies äußert sich in der ange­wen­de­ten Metho­dik, die oft nicht ver­stan­den wur­de oder man­gel­haft ist. Bei­spiels­wei­se ist ein zen­tra­les Prin­zip des SFP, Maß­nah­men­pa­ke­te zu ent­wi­ckeln, die an den Nut­zer ange­passt sind. Nur 26 % der nicht geför­der­ten SFP berück­sich­ti­gen die indi­vi­du­el­le Situa­ti­on des Bera­tungs­emp­fän­gers. Auf Sei­ten der SFP-Aus­stel­ler besteht daher Hand­lungs- und Ver­bes­se­rungs­be­darf. Durch Qua­li­täts­si­che­rungs­maß­nah­men, Schu­lun­gen und Soft­ware­an­pas­sun­gen kann die Metho­dik der SFP-VO den SFP-Aus­stel­lern ver­deut­licht wer­den, sodass lang­fris­ti­ge und ambi­tio­nier­te Sanie­rungs­stra­te­gien ent­wi­ckelt wer­den, deren Bera­tung das Ziel eines nahe­zu kli­ma­neu­tra­len Gebäu­des ist und den Bera­tungs­emp­fän­ger per­sön­lich zur Sanie­rung moti­viert. Die geför­der­ten und nicht geför­der­ten Wohn­ge­bäu­de-SFP für Wohn­ge­bäu­de unter­schei­den sich nur gering­fü­gig von­ein­an­der.

Die Qua­li­tät der Sanie­rungs­fahr­plä­ne für Nicht­wohn­ge­bäu­de ist eben­falls nicht zufrie­den­stel­lend. Unzu­rei­chen­de Berück­sich­ti­gung fan­den ins­be­son­de­re die Nut­zer­wün­sche, Ziel­vor­ga­ben und För­der­mög­lich­kei­ten. Zudem war die weit über­wie­gen­de Zahl der Berich­te nicht voll­stän­dig. Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass die vom Minis­te­ri­um ver­öf­fent­lich­te „Check­lis­te zur Erstel­lung eines gebäu­de­in­di­vi­du­el­len Sanie­rungs­fahr­plans Baden-Würt­tem­berg – Nicht­wohn­ge­bäu­de –“ von den Aus­stel­lern nicht genutzt wur­den. Berich­te, die neben ekla­tan­ten hand­werk­li­chen Feh­lern hin­sicht­lich der ener­ge­ti­schen Bewer­tung sowie Dar­stel­lung der Kos­ten – sofern die­se über­haupt umfäng­lich ange­ge­ben wur­den -, den Grund­ge­dan­ken des Sanie­rungs­fahr­plans offen­sicht­lich nicht zum Aus­druck brin­gen, hel­fen dem Bera­tungs­emp­fän­ger lei­der nicht bei sei­ner Ent­schei­dung, wie ein Gebäu­de Teil des kli­ma­neu­tra­len Gebäu­de­be­stands wer­den kann.

Der Ein­druck drängt sich auf, dass die über­wie­gen­de Anzahl der geprüf­ten Sanie­rungs­fahr­plä­ne für Nicht­wohn­ge­bäu­de eine ver­meint­lich bil­li­ge Opti­on zur Erfül­lung des EWär­meG dar­stel­len.

Emp­feh­lun­gen

  • Der SFP als Erfül­lungs­op­ti­on soll­te bei­be­hal­ten wer­den, da er ein beson­ders nie­der­schwel­li­ges Instru­ment dar­stellt, um bis­her des­in­ter­es­sier­te Gebäu­de­ei­gen­tü­mer erst­mals mit einer Ener­gie­be­ra­tung zu errei­chen und somit ggf. zumin­dest mit­tel- bis lang­fris­tig eine Wir­kung in Form ver­stärk­ter Sanie­rungs­ak­ti­vi­tät ent­fal­tet. Die Ver­knüp­fung von Ord­nungs­recht mit einem Bera­tungs­in­stru­ment hat sich aus Sicht der Eva­lu­ie­rung bewährt.
  • Der SFP-NWG soll zukünf­tig nicht mehr als vol­le Erfül­lungs­op­ti­on anre­chen­bar sein, son­dern nur noch antei­lig, bei­spiels­wei­se ana­log wie bei Wohn­ge­bäu­den zu einem Drit­tel. Hier­für spre­chen einer­seits die Sym­me­trie mit den Anfor­de­run­gen an WG, aber auch die viel­fäl­ti­gen zur Ver­fü­gung ste­hen­den Erfül­lungs­op­tio­nen auch in NWG – dies doku­men­tiert auch die Ana­ly­se des Erfül­lungs­mi­xes in Kapi­tel 3.2.2. Die voll­stän­di­ge Pflicht­er­fül­lung war ja u. a. ein­ge­führt wor­den, um die Aus­wir­kun­gen einer neu­en Erfül­lungs­pflicht für NWG im Jahr 2015 abzu­fe­dern.
  • Ins­be­son­de­re bei SFP für NWG ist eine erheb­li­che Qua­li­täts­of­fen­si­ve erfor­der­lich.
  • Hier­zu dient eine Wei­ter­ent­wick­lung der Schu­lung und Erstel­lung von Infor­ma­ti­ons­ma­te­ria­li­en, die u. a. fol­gen­de The­men­fel­der adres­sie­ren: Plau­si­ble Maß­nah­men­pa­ke­te ent­wi­ckeln und die­se in ein Lang­frist­kon­zept ein­bau­en; U‑Werte des Ist-Zustands und der Maß­nah­men ange­ben; stär­ke­re Berück­sich­ti­gung des Ist-Zustan­des und der indi­vi­du­el­len Situa­ti­on des Eigen­tü­mers; Begrün­dun­gen für Sanie­rungs­schrit­te kon­kre­ti­sie­ren.
  • Die Ein­füh­rung von Stich­pro­ben kann zu einer Qua­li­täts­si­che­rung füh­ren, erfor­dert aller­dings zusätz­li­che Per­so­nal­ka­pa­zi­tä­ten und Kom­pe­ten­zen bei den unte­ren Bau­rechts­be­hör­den, von ihnen beauf­trag­ten Drit­ten oder auch frei­wil­li­gen Selbst­kon­trol­len z. B. der Ener­gie­be­ra­ter­ver­bän­de. Die im Pro­jekt erar­bei­ten Prüf­tools kön­nen hier­für ver­wen­det wer­den.
  • Ver­öf­fent­li­chung von Mus­ter-Sanie­rungs­fahr­plä­nen für Nicht­wohn­ge­bäu­de;
  • Ver­öf­fent­li­chen der Arbeits­hil­fe zum SFP-NWG (Kapi­tel 14.9)
  • Anhe­bung der Anfor­de­rung an die Qua­li­fi­zie­rung für Nicht­wohn­ge­bäu­de-SFP im Umfang von min­des­tens 50 Unter­richts­ein­hei­ten – statt bis­her 16 UE – ana­log zum Bun­des-För­der­pro­gramm „Ener­gie­be­ra­tung für Nicht­wohn­ge­bäu­de von Kom­mu­nen und gemein­nüt­zi­gen Orga­ni­sa­tio­nen vom 24. Febru­ar 2017“. Ein Mus­ter-Cur­ri­cu­lum fin­det sich im Anhang (Kapi­tel 14.7.1). Wird die Aus­stel­lungs­be­rech­ti­gung über Refe­ren­zen nach­ge­wie­sen, ist die not­wen­di­ge Anzahl der Refe­ren­zen von eine auf drei Refe­ren­zen inner­halb der letz­ten zwei Jah­re zu erhö­hen.
  • Ver­pflich­tung des Ener­gie­be­ra­ters, dem Bera­tungs­emp­fän­ger die voll­stän­dig aus­ge­füll­te und unter­schrie­be­ne „Check­lis­te zur Erstel­lung eines gebäu­de­in­di­vi­du­el­len Sanie­rungs­fahr­plans Baden-Würt­tem­berg – Nicht­wohn­ge­bäu­de –“ gemein­sam mit dem Bericht aus­zu­hän­di­gen
  • Nach­dem das Land Baden-Würt­tem­berg mit der Ein­füh­rung und För­de­rung von SFP für WG bereits eine Vor­rei­ter­rol­le ein­ge­nom­men hat, wäre es nun denk­bar, auch SFP für NWG zu för­dern. Damit könn­te Baden-Würt­tem­berg wie­der eine Vor­rei­ter­rol­le ein­neh­men für die Kon­zep­ti­on von SFP für NWG auf Bun­des­ebe­ne. Eine Kom­bi­na­ti­on mit wei­te­ren För­der­mit­teln für die Bera­tung ist aus­drück­lich erwünscht.

1 Ver­ord­nung der Lan­des­re­gie­rung zum gebäu­de­in­di­vi­du­el­len ener­ge­ti­schen Sanie­rungs­fahr­plan Baden-Würt­tem­berg (Sanie­rungs­fahr­plan-Ver­ord­nung – SFP-VO) vom 28. Juli 2015.
2 Ver­wal­tungs­vor­schrift des Minis­te­ri­ums für Umwelt, Kli­ma und Ener­gie­wirt­schaft zur För­der­richt­li­nie Sanie­rungs­fahr­plan Baden-Würt­tem­berg (FöRL SFP) vom 6. Okto­ber 2015 – Az.: 6–4503.3–7 –
3 Es ist zu berück­sich­ti­gen, dass ver­pflich­te­te Gebäu­de­ei­gen­tü­mer die Nut­zungs­pflicht spä­tes­tens inner­halb von 18 Mona­ten nach Inbe­trieb­nah­me der neu­en Heiz­an­la­ge zu erfül­len und der zustän­di­gen Behör­de nach­zu­wei­sen haben. Zudem ver­zö­gert sich die Daten­ein­ga­be bei eini­gen uBRB (s.o.). Auf­grund die­ses Zeit­ver­zugs erfas­sen die hier dar­ge­stell­ten Pflicht­fäl­le, die in das IDEV-Daten­por­tal ein­ge­ge­ben wur­den, nicht alle Pflicht­fäl­le aus den ent­spre­chen­den Jah­ren.
4 In die­sen Absatz gehen auch Kom­men­ta­re aus offe­nen Ant­wor­ten der Schorn­stein­fe­ger­be­fra­gung (vgl. Kapi­tel 5.3) mit ein.
5 Bei die­ser Grup­pe wur­de mit gerin­ge­rer Bereit­schaft, den Fra­ge­bo­gen aus­zu­fül­len, gerech­net. Die Annah­me hat sich bewahr­hei­tet: 25 % der Ange­schrie­be­nen waren WEG-Ver­wal­ter, aber nur wenig mehr als 10 % der Ant­wor­ten­den.
6 Kon­takt­da­ten von Emp­fän­gern nicht geför­der­ter SFP waren nicht ver­füg­bar.
7 Kon­fi­denz­ni­veau 95 % bei einer Feh­ler­span­ne zwi­schen 4 % und 5 %

Umweltministerium BW logo

Evaluation des SFP-Förderprogramms

Übersicht über die Förderfälle und Fördersumme

Baden-Würt­tem­berg för­dert die Erstel­lung von SFP über ein För­der­pro­gramm der L‑Bank. Die För­de­rung beschränkt sich auf Wohn­ge­bäu­de. Kei­ne För­de­rung wird gewährt, wenn für das Gebäu­de in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren bereits eine vom Bun­des­amt für Wirt­schaft und Aus­fuhr­kon­trol­le (BAFA) geför­der­te Vor-Ort-Bera­tung in Anspruch genom­men wur­de, ohne dass sich der Eigen­tü­mer geän­dert hat. Eben­falls kei­ne För­de­rung wird gewährt, wenn die Nut­zungs­pflicht des EWär­meG bereits vor Abschluss des Ver­trags für die Erstel­lung des SFP zwi­schen Bera­ter und Bera­tungs­emp­fän­ger ent­stan­den ist (der Heiz­kes­sel also vor dem Ver­trags­ab­schluss aus­ge­tauscht wur­de) und ein SFP zur Erfül­lung die­ser Pflicht ein­ge­setzt wer­den soll.

Bis zum Stich­tag 30.06.2018 wur­de für rund 5.230 SFP ein För­der­kon­tin­gent bean­tragt sowie rund 2.300 SFP fer­tig­ge­stellt. Die Befra­gung der SFP-Emp­fän­ger ergab, dass ein Groß­teil der Emp­fän­ger geför­der­ter SFP den SFP beauf­tragt haben, um das EWär­meG (antei­lig) zu erfül­len (vgl. Kapi­tel 8.6). Die För­de­rung bean­tragt der SFP-Aus­stel­ler. Die­ser muss die För­de­rung in vol­ler Höhe an den Bera­tungs­emp­fän­ger wei­ter­ge­ben. Dies erfolgt durch Abset­zung des Zuschus­ses von den Hono­rar­kos­ten in der Rech­nung. Der Bera­tungs­emp­fän­ger bezahlt damit nur die redu­zier­ten Hono­rar­kos­ten. Der SFP-Aus­stel­ler bean­tragt die För­de­rung für jeweils meh­re­re SFP (also ein bestimm­tes SFP-Kon­tin­gent, das er ggf. gar nicht aus­schöp­fen wird). Aus die­sem Grund kommt es zu den in Tabel­le 8–1 dar­ge­stell­ten Dif­fe­ren­zen zwi­schen der Zahl bean­trag­ter und abge­rech­ne­ter SFP. Die För­der­hö­he hängt von der Anzahl der Wohn­ein­hei­ten in den jewei­li­gen Gebäu­den ab, für die die SFP erstellt wer­den. Sie beträgt je 200 EUR für Ein- und/oder Zwei­fa­mi­li­en­häu­ser und erhöht sich für Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser ab der drit­ten Wohn­ein­heit um 50 EUR für jede wei­te­re Wohn­ein­heit. Der maxi­ma­le Zuschuss pro Gebäu­de beträgt 500 EUR.

Abbil­dung 9–1 zeigt die Ver­tei­lung der bis zum 30.06.2018 aus­ge­stell­ten und geför­der­ten SFP auf die vier Regie­rungs­be­zir­ke. Der Regie­rungs­be­zirk Stutt­gart ver­zeich­net nicht nur abso­lut die höchs­ten För­der­zah­len, son­dern auch bezo­gen auf die Ein­woh­ner­zahl und die Anzahl an Wohn­ge­bäu­den. So wur­den im Regie­rungs­be­zirk Stutt­gart im Betrach­tungs­zeit­raum rund 0,3 SFP pro 1.000 Ein­woh­ner sowie 1,42 SFP pro 1.000 Wohn­ge­bäu­de geför­dert. Im Regie­rungs­be­zirk Frei­burg lag die Quo­te bei 0,19 SFP pro 1.000 Ein­woh­ner und 0,85 SFP pro 1.000 Wohn­ge­bäu­de. Im Regie­rungs­be­zirk Karls­ru­he wur­den 0,18 SFP pro 1.000 Ein­woh­ner und 0,69 SFP pro 1.000 Wohn­ge­bäu­de geför­dert. Im Regie­rungs­be­zirk Tübin­gen waren es 0,14 SFP pro 1.000 Ein­woh­ner und 0,55 SFP pro 1.000 Wohn­ge­bäu­de.

Diagramm: Verteilung ausgestellter und geförderter SFP auf die vier Regierungsbezirke

Abbil­dung 9–1: Ver­tei­lung aus­ge­stell­ter und geför­der­ter SFP auf die vier Regie­rungs­be­zir­ke, Stand 30.06.2018

Abbil­dung 9–2 zeigt die Ver­tei­lung der SFP-För­de­rung auf die ver­schie­de­nen Pro­gramm­jah­re, dif­fe­ren­ziert nach bean­trag­ter, bewil­lig­ter und aus­ge­zahl­ter För­de­rung. Im Betrach­tungs­zeit­raum 10/2015 bis einschl. 06/2018 wur­de eine För­der­sum­me von 1,32 Mio. EUR bean­tragt, von der die L‑Bank bis Ende 06/2018 rund 0,91 Mio. EUR als Kon­tin­gen­te bewil­lig­te. Bis Ende Juni 2018 wur­den rund 0,59 Mio. EUR aus­ge­zahlt.

Diagramm: Verteilung der SFP-Förderung auf die verschiedenen Programmjahre

Abbil­dung 9–2: Ver­tei­lung der SFP-För­de­rung auf die ver­schie­de­nen Pro­gramm­jah­re, Stand 30.06.2018

Abbil­dung 9–3 zeigt eine Rei­he aus­ge­wähl­ter Merk­ma­le der geför­der­ten SFP. Knapp die Hälf­te der bis zum 30.06.2018 aus­ge­stell­ten und geför­der­ten SFP fiel auf Ein­fa­mi­li­en­häu­ser, rund zwei Drit­tel aller geför­der­ten SFP wur­de für Ein- und Zwei­fa­mi­li­en­häu­ser aus­ge­stellt. Der flä­chen­ge­wich­te­te Mit­tel­wert des spe­zi­fi­schen End­ener­gie­be­darfs lag bei rund 180 kWh/m2*a. Bei der ener­ge­ti­schen Bewer­tung der Wohn­ge­bäu­de anhand des Wär­me­en­er­gie­be­darfs wie­sen rund 85 % der betrof­fe­nen Gebäu­de die Effi­zi­enz­klas­se E oder schlech­ter auf. Bei der Bewer­tung der Wär­me­ver­sor­gung anhand des Quo­ti­en­ten aus qp und qoutg lag die­ser Anteil bei rund 70 %.

Diagramm: Beheizte Wohnfläche in qm
Diagramm: Anzahl Wohneinheiten
Diagramm: Endenergiebedarf IST (kWh/qm/*a)
Diagramm: Bewertung Gebäude und Wärmeversorgung

Abbil­dung 9–3: Aus­ge­wähl­te Merk­ma­le der geför­der­ten SFP, Stand 30.06.2018

9.1.1 Empfohlene Maßnahmen und Ambitionsniveau

Abbil­dung 9–4 ver­gleicht die geför­der­ten SFP anhand der spe­zi­fi­schen CO2-Emis­sio­nen im Aus­gangs­zu­stand (IST) und Ziel­zu­stand (erreich­ter Zustand nach Durch­füh­rung aller vor­ge­schla­ge­nen Sanie­rungs­maß­nah­men). Der flä­chen­ge­wich­te­te Mit­tel­wert liegt im Aus­gangs­zu­stand bei rund 61 kg/m2a, im Ziel­zu­stand bei rund 22 kg/m2a. Dies ent­spricht einer Reduk­ti­on von rund 65 %. Da die L‑Bank im Rah­men der zen­tra­len Daten­er­he­bung weder die Daten für den spe­zi­fi­schen Pri­mär­ener­gie­be­darf (IST und ZIEL) noch für den spe­zi­fi­schen End­ener­gie­be­darf im Ziel­zu­stand erhebt, kön­nen zu deren Reduk­ti­ons­wer­te kei­ne Anga­ben gemacht wer­den.

Diagramm: Spezifische CO<sub><noscript><img src=

Abbil­dung 9–4: Spe­zi­fi­sche CO2-Emis­sio­nen im Aus­gangs- und Ziel­zu­stand (jeweils ange­ge­ben in Anzahl SFP), Stand 30.06.2018

Im Rah­men der zen­tra­len Daten­auf­nah­me erhebt die L‑Bank auch die Daten zu den im Rah­men der geför­der­ten SFP vor­ge­schla­ge­nen Sanie­rungs­maß­nah­men, kon­kret die ers­ten bei­den Maß­nah­men, die für den ers­ten Sanie­rungs­schritt vor­ge­schla­gen wer­den, sowie die ers­ten bei­den Maß­nah­men des zwei­ten Sanie­rungs­schritts. Bei Sanie­rungs­schritt 1 schla­gen die SFP-Aus­stel­ler in rund der Hälf­te der Fäl­le die Bei­mi­schung von Bio­gas und Bio­öl vor. Das ver­wun­dert nicht, da vie­le der geför­der­ten SFP zur Erfül­lung des EWär­meG ver­wen­det wer­den, im Rah­men der „belieb­ten“ Kom­bi­na­tio­nen Bio­gas­bei­mi­schung + SFP sowie Bio­öl­bei­mi­schung + SFP. Wei­te­re häu­fig emp­foh­le­ne Maß­nah­men im Rah­men des ers­ten Sanie­rungs­schritts sind die Däm­mung des Dachs oder der obers­ten Geschoss­de­cke, die Däm­mung der Außen­wand und die Opti­mie­rung der Wär­me­ver­tei­lung. Für den Sanie­rungs­schritt 2 wer­den neben der Däm­mung von Dach/Oberster Geschoss­de­cken und Außen­wand beson­ders häu­fig der Fens­ter­tausch sowie die Däm­mung der Kel­ler­de­cke vor­ge­schla­gen. Bei der Inter­pre­ta­ti­on die­ser Daten muss aller­dings die begrenz­te Aus­sa­ge­kraft berück­sich­tigt wer­den, die sich dadurch bedingt, dass bei der Daten­auf­nah­me nur die ers­ten bei­den Maß­nah­men pro Sanie­rungs­schritt erfasst wer­den, ein Sanie­rungs­schritt hin­ge­gen oft­mals aus mehr als zwei Maß­nah­men besteht, die nicht unbe­dingt ent­lang ihrer Bedeu­tung dar­ge­stellt wer­den.

Diagramm: Verteilung der vorgeschlagenen Sanierungsmaßnahmen

Abbil­dung 9–5: Ver­tei­lung der vor­ge­schla­ge­nen Sanie­rungs­maß­nah­men (jeweils ange­ge­ben in Anzahl SFP), Stand 30.06.2018

9.1.2 Aussteller und Beratungskosten

Die bis­her geför­der­ten SFP wur­den von rund 190 SFP-Aus­stel­lern erstellt. Abbil­dung 9–6 zeigt dabei, wie sich die För­der­sum­me auf die betei­lig­ten Aus­stel­ler ver­teilt. Rund ein Drit­tel der För­der­sum­me ent­fällt auf vier Aus­stel­ler. Rund 20 Aus­stel­ler haben im Betrach­tungs­zeit­raum mehr als 20 SFP aus­ge­stellt, rund 50 Aus­stel­ler mehr als 10 SFP. Wäh­rend also eini­ge Aus­stel­lungs­be­rech­tig­te die Gele­gen­heit ergrif­fen haben, den SFP als (antei­li­ges) Geschäfts­mo­dell zu eta­blie­ren, läuft er bei vie­len Aus­stel­lungs­be­rech­tig­ten „neben­her“. Denn rund 95 Aus­stel­ler haben im Betrach­tungs­zeit­raum weni­ger als 5 SFP aus­ge­stellt.

Diagramm: Verteilung der ausgezahlten SFP-Förderung auf die SFP-Aussteller

Abbil­dung 9–6: Ver­tei­lung der aus­ge­zahl­ten SFP-För­de­rung auf die SFP-Aus­stel­ler, Stand 30.06.2018

Abbil­dung 9–7 zeigt die durch­schnitt­li­chen Bera­tungs­kos­ten, die die SFP-Aus­stel­ler abzgl. der För­de­rung pro SFP in Rech­nung stel­len. Die grü­nen Bal­ken stel­len die durch­schnitt­li­chen Bera­tungs­kos­ten dar, die Feh­ler­bal­ken die teils erheb­li­che Band­brei­te die­ser Kos­ten. Ten­den­zi­ell stei­gen die Kos­ten mit der Anzahl an Wohn­ein­hei­ten in den Wohn­ge­bäu­den, für die ein SFP erstellt wird. Bei einem EFH lie­gen die durch­schnitt­li­chen SFP-Kos­ten bei rund 735 EUR, bei einem ZFH bei rund 760 EUR. Für ein MFH mit 9 Wohn­ein­hei­ten belau­fen sich die durch­schnitt­li­chen SFP-Kos­ten auf rund 1.540 EUR.

Diagramm: Durchschnittliche Beratungskosten für die SFP-Erstellung

Abbil­dung 9–7: Durch­schnitt­li­che Bera­tungs­kos­ten für die SFP-Erstel­lung, Stand 30.06.2018

Wirkungsabschätzung

Die Abschät­zung der Wir­kung des SFP-För­der­pro­gramms in Form ein­ge­spar­ter THG-Emis­sio­nen erfolgt über fol­gen­den Rechen­weg:

THG-Ein­spa­rung = Anzahl an geför­der­ten SFP Umset­zungs­ra­te Zusätz­lich­keits­fak­tor spez. End­ener­gie-Ein­spa­rung pro Maß­nah­me1 THG-Fak­tor

Die Umset­zungs­ra­te lässt sich maß­nah­menscharf aus der Umfra­ge der SFP-Emp­fän­ger ablei­ten (vgl. Abbil­dung 8–41), getrennt nach schon durch­ge­führ­ten bzw. für den Zeit­raum 2018–2020 kon­kret geplan­ten Sanie­rungs­maß­nah­men. Der Zusätz­lich­keits­fak­tor spie­gelt den Anteil an durch­ge­führ­ten Maß­nah­men wider, der ohne den SFP nicht durch­ge­führt wor­den wäre und somit dem SFP zuge­schrie­ben wer­den kann. Hier­zu wer­den eben­falls die Daten aus der SFP-Umfra­ge (vgl. Abbil­dung 8–42) her­an­ge­zo­gen. Die End­ener­gie­ein­spa­rung wird für das Durch­schnitts­ge­bäu­de maß­nah­menscharf hin­ter­legt (durch­schnitt­li­che Wohn­flä­che aller geför­der­ten SFP: 300 m2; flä­chen­ge­wich­te­ter End­ener­gie­be­darf aller Gebäu­de mit geför­der­tem SFP im IST-Zustand: 133 kWh/m1AN*a). Zur Abschät­zung der THG-Ein­spa­rung wird ein THG-Fak­tor von 254 g/kWh ver­wen­det (Durch­schnitt­li­cher THG-Fak­tor des baden-würt­tem­ber­gi­schen Gebäu­de­be­stands inkl. Vor­ket­ten).

In Sum­me füh­ren die im Rah­men des För­der­pro­gramms bis zum 30.06.2018 erstell­ten rund 2.300 Sanie­rungs­fahr­plä­ne zu einer THG-Ein­spa­rung von rund 1.300 t CO2,äq. pro Jahr. Die­se sind zusätz­lich, d.h. ein­deu­tig dem För­der­pro­gramm zuzu­rech­nen. Nimmt man die Sanie­rungs­maß­nah­men hin­zu, deren Durch­füh­rung die befrag­ten SFP-Emp­fän­ger für den Zeit­raum 2018–2020 pla­nen, wür­de sich der Ein­spar­ef­fekt auf rund 2.700 t CO2,äq. erhö­hen.

9.2.1 Förderprogramm aus Sicht der SFP-Empfänger

Bei den fol­gen­den Ergeb­nis­sen han­delt es sich um Ergeb­nis­se der Befra­gung der SFP-Emp­fän­ger für Wohn­ge­bäu­de (vgl. Kapi­tel 8.7.1). 17 % der Befrag­ten haben ange­ge­ben, kei­ne För­de­rung erhal­ten zu haben. Da aller­dings alle Befrag­ten in der För­der­da­ten­bank der L‑Bank ent­hal­ten sind, haben alle Befrag­ten eine För­de­rung erhal­ten. Aller­dings ist dies offen­sicht­lich nicht allen Befrag­ten bewusst bzw. haben sie es zwi­schen­zeit­lich ver­ges­sen, da die För­der­mit­tel vom Aus­stel­ler abge­ru­fen wer­den müs­sen.

58 % der Befrag­ten wur­den vom Aus­stel­ler des SFP auf die För­de­rung hin­ge­wie­sen, 14 % über einen ande­ren Ener­gie­be­ra­ter als den Aus­stel­ler, 11 % haben über das Inter­net von der För­de­rung erfah­ren und 7 % über Arti­kel in den Medi­en. Die 16 % der Befrag­ten, die dazu kei­ne Anga­be gemacht haben, kor­re­spon­die­ren mit den 17 %, die ange­ge­ben haben, dass sie kei­ne För­de­rung erhal­ten haben. Die­je­ni­gen, die „Ande­res“ ange­ge­ben haben (10 %), haben fast aus­schließ­lich Hei­zungs­bau­er genannt, weni­ge Male wur­den auch Ban­ken, Ener­gie­ver­sor­ger oder Ver­wand­te auf­ge­schrie­ben. Der Unter­schied zwi­schen allen Befrag­ten und den Befrag­ten mit Erfül­lungs­op­ti­on ist gering. Bei den Gebäu­de­ei­gen­tü­mern, die außer­halb des EWär­meG einen SFP erstel­len lie­ßen, ist der Anteil derer, die vom Aus­stel­ler auf die För­de­rung hin­ge­wie­sen wur­den, mit 67 % grö­ßer, und der Anteil der Nen­nun­gen von „Inter­net“ und „Ande­re“ mit 5 % gerin­ger (Fra­ge 6).

40 % der Befrag­ten hät­ten den SFP auch ohne För­de­rung beauf­tragt, bei den SFP, die als Erfül­lungs­op­ti­on erstellt wur­den, waren es noch ein Pro­zent mehr (41 %). 18 % (19 % bei Erfül­lungs­op­ti­on) der Befrag­ten hät­ten den SFP ohne För­de­rung nicht beauf­tragt, 25 % (23 % bei Erfül­lungs­op­ti­on) bezeich­nen die För­de­rung als wesent­li­chen Anreiz, den SFP erstel­len zu las­sen (Rest k.A.). Bei den SFP außer­halb des EWär­meG hät­te ein Drit­tel der Befrag­ten den SFP auch ohne För­de­rung beauf­tragt, für 35 % war sie ein wesent­li­cher Anreiz und 17 % hät­ten den SFP ohne För­de­rung nicht beauf­tragt (Fra­ge 7).

Nur eine Min­der­heit von 3 % der Befrag­ten hät­te die För­der­mit­tel lie­ber selbst bean­tragt, knapp zwei Drit­tel (64 %) sind mit der Bean­tra­gung durch den Ener­gie­be­ra­ter zufrie­den (Rest k.A., Fra­ge 9).

9.2.2 Förderprogramm aus Sicht der SFP-Aussteller

Für die Bera­ter spielt die För­de­rung in der Regel kei­ne Rol­le, da sie die För­de­rung direkt an den Kun­den wei­ter­rei­chen müs­sen. Da der über­wie­gen­de Teil der geför­der­ten SFP als Erfül­lungs­op­ti­on EWär­meG erstellt wird, kann dies bei den SFP-Emp­fän­gern mit einem Maß an Mit­nah­me kor­re­spon­die­ren. Trotz­dem hal­ten die Aus­stel­ler die För­de­rung aus Sicht der Kun­den über­wie­gend für wich­tig. Sie wird als Ansporn und Moti­va­ti­on bezeich­net.

Ein Bera­ter weist expli­zit dar­auf hin, dass auch „getrickst“ wür­de, um die För­de­rung zu erhal­ten, indem bei­spiels­wei­se Rech­nungs­da­ten ange­passt wür­den. Es wird aber auch dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Kun­den die För­de­rung gar nicht wahr­näh­men. Und es wird ver­ein­zelt kri­ti­siert, dass der SFP als Erfül­lungs­op­ti­on von der För­de­rung aus­ge­nom­men ist, wenn der Ver­trag zur SFP-Erstel­lung erst nach dem Kes­sel­tausch geschlos­sen wür­de.

Die Höhe der För­de­rung hal­ten 5 Befrag­te für ange­mes­sen, 4 Befrag­te wün­schen sich eine höhe­re För­de­rung, 2 machen dazu kei­ne Anga­be. Ein Bera­ter ver­weist in die­sem Zusam­men­hang auf die unent­gelt­li­che Bera­tungs­tä­tig­keit, die die Ener­gie­be­ra­ter in vie­len Fäl­len leis­ten und die nicht ver­gü­tet wird. Ins­be­son­de­re, wenn z.B. Hand­wer­ker ihrer Hin­weis­pflicht nicht nach­kom­men, müss­ten Ener­gie­be­ra­ter dies nach­ho­len.

Verfahren/Abwicklung

Die Abwick­lung der Abrech­nung wird mehr­heit­lich sehr posi­tiv bewer­tet, ins­be­son­de­re die Kom­pe­tenz und Koope­ra­ti­on der Sach­be­ar­bei­ter der L‑Bank. Aller­dings wird auch dar­auf ver­wie­sen, dass der Pro­zess anfangs schwie­rig gewe­sen sei. Weni­ger SFP-erfah­re­ne Ener­gie­be­ra­ter berich­ten auch aktu­ell davon, dass das Ver­fah­ren sehr auf­wen­dig sei. So müss­ten alle For­mu­la­re mit Unter­schrift des Kun­den und rich­ti­gem Datum ver­se­hen sein, teil­wei­se müs­sen Kun­den mehr­fach ange­schrie­ben wer­den, bis alles bei­sam­men ist. Zwei Bera­ter geben an, dass sie Kol­le­gen ken­nen, die die För­de­rung nicht mehr abru­fen, da das Ver­fah­ren zu auf­wen­dig sei. Außer­dem wird kri­ti­siert, dass das Geld „zu spät kom­me“, ohne zeit­li­chen Zusam­men­hang zur geleis­te­ten Arbeit (bis zu 1 Jahr spä­ter).

För­de­rungs­ver­fah­ren Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge:

  • Kon­tin­gen­te: Abschaf­fung der Kon­tin­gen­te wäre sinn­voll (1x), Kon­tin­gen­te zu gering (man kann 3x3.000€ bean­tra­gen, das ist zu wenig, vor allem wenn man mit der Abrech­nung nicht hin­ter­her kommt (1x genannt))
  • Antrags-/Ab­rech­nungs­for­mu­lar hat zu wenig Zei­len, eige­nes Excel­for­mu­lar wird ver­wen­det
  • 2x wird kri­ti­siert, dass alle For­mu­la­re inkl. der SFP selbst auf dem Post­we­ge ver­sen­det wer­den müs­sen, Papier­ver­schwen­dung, müss­te digi­tal mög­lich sein
  • Abrech­nung der För­de­rung bei Vor­gän­ger­pro­jekt Ener­gie­spar­check war ein­fa­cher, Ver­fah­ren soll­te als Vor­bild genom­men wer­den (Abrech­nung über Ver­bän­de, HWK, nur der „Check“ selbst muss­te ein­ge­sen­det wer­den)

Schlussfolgerungen für das Förderprogramm

Gemes­sen an den Antrags- und Bewil­li­gungs­zah­len wird das För­der­pro­gramm mäßig ange­nom­men. Die Befra­gungs­er­geb­nis­se zei­gen, dass der SFP Sanie­rungs­im­pul­se gene­riert, die über eine Ohne­hin-Ent­wick­lung hin­aus­ge­hen. Aller­dings dient ein Groß­teil der geför­der­ten SFP der Erfül­lung des EWär­meG, wäh­rend die Impul­se außer­halb des EWär­meG (noch) sehr gering sind. Der gro­ße Anteil geför­der­ter SFP als (antei­li­ger) Pflicht­er­fül­ler kann als Mit­nah­me inter­pre­tiert wer­den, ist aber nicht anders zu bewer­ten als die För­de­rung pflicht­er­fül­len­der EE-Anla­gen durch das MAP oder pflicht­er­fül­len­der Sanie­rungs­maß­nah­men durch die KfW. Die Schluss­fol­ge­rung, dass die För­de­rung die Zahl der aus­ge­stell­ten SFP nur unwe­sent­lich erhöht, erscheint plau­si­bel. Es wäre zudem zu prü­fen, ob evtl. mehr ande­re (tech­ni­sche) Erfül­lungs­op­tio­nen umge­setzt wür­den, wenn der SFP (ver­stärkt durch die För­de­rung und in Kom­bi­na­ti­on mit der Bio­gas-/Bio­öl-Bei­mi­schung) nicht die mit Abstand güns­tigs­te Erfül­lungs­op­ti­on wäre. Auf der ande­ren Sei­te wird ins­be­son­de­re von den Ener­gie­be­ra­tern her­vor­ge­ho­ben, wie wich­tig die För­de­rung für die Qua­li­tät der aus­ge­stell­ten SFP ist, da mit För­de­rung mehr Zeit für die Erstel­lung auf­ge­wen­det wer­den kann. Ob jedoch die Befürch­tung, dass höhe­re Kos­ten für den Gebäu­de­ei­gen­tü­mer, um die Qua­li­tät bei Abschaf­fung der För­de­rung auf­recht zu erhal­ten, nicht mehr getra­gen wer­den wür­den, berech­tigt ist, ist schwer vor­her­zu­se­hen.

Nach Abschluss der Eva­lu­ie­rung kün­dig­te die Lan­des­re­gie­rung an, das För­der­pro­gramm bis zum Ende des Jah­res 2018 ein­zu­stel­len, u. a. da durch die För­de­rung des iSFP durch den Bund eine attrak­ti­ve­re För­de­rung auf Bun­des­ebe­ne besteht.

1 Spe­zi­fi­sche End­ener­gie­ein­spa­rung in Form ein­ge­spar­ter kWh pro m2 Wohn­flä­che und Jahr.

Umweltministerium BW logo

Vollzug des EWärmeG

Vollzug aus Sicht der uBRB und RP

10.1.1 Zielstellung und methodisches Vorgehen

Mit der Befra­gung der Regie­rungs­prä­si­di­en (RP) und der unte­ren Bau­rechts­be­hör­den (uBRB) wur­de das Ziel ver­folgt, Infor­ma­tio­nen über die Voll­zugs­ab­läu­fe, deren Auf­wand sowie deren Pro­ble­me zu sam­meln sowie Vor­schlä­ge zur Ver­bes­se­rung des Voll­zugs auf­zu­neh­men bzw. selbst aus den Ergeb­nis­sen abzu­lei­ten.

Befragt wur­den jeweils die für das EWär­meG zustän­di­gen Sach­be­ar­bei­ter in den vier RP und in 16 uBRB. Die Befra­gung erfolg­te in Form eines leit­fa­den­ge­stütz­ten Inter­views. Die Inter­views mit dem ers­ten RP und der ers­ten uBRB fan­den jeweils als per­sön­li­che Gesprä­che vor Ort statt. Alle ande­ren 18 Gesprä­che wur­den tele­fo­nisch geführt.

Die inter­view­ten uBRB wur­den so aus­ge­wählt, dass sie sowohl gleich­mä­ßig über die vier Regie­rungs­be­zir­ke ver­teilt waren, als auch die ver­schie­de­nen Ebe­nen der uBRB (Land­rats­äm­ter, Stadt­krei­se, Gro­ße Kreis­städ­te, Ver­wal­tungs­ge­mein­schaf­ten und Gemein­den) abge­deckt waren.

10.1.2 Aufgaben und Personalausstattung der Regierungspräsidien

Die RP sind für die Rechts- und Fach­auf­sicht der uBRB sowie die Bear­bei­tung von Wider­spruchs­ver­fah­ren der Gebäu­de­ei­gen­tü­mer, die dem EWär­meG unter­lie­gen, zustän­dig. Sie stel­len in Zusam­men­ar­beit mit dem Umwelt­mi­nis­te­ri­um den uBRB Arbeits­hil­fen und Infor­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung und orga­ni­sie­ren Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen. Außer­dem sind sie deren Ansprech­part­ner bei kon­kre­ten Fra­gen oder Son­der­fäl­len. Die Inten­si­tät des Aus­tauschs zwi­schen RP und uBRB ist unter­schied­lich, sie reicht von regem Kon­takt bis zu kei­nem Aus­tausch und ist im Wesent­li­chen abhän­gig von den uBRB. Die RP sind außer­dem Schnitt­stel­le zum Umwelt­mi­nis­te­ri­um und lei­ten bei­spiels­wei­se Daten und Sta­tis­ti­ken aus dem Voll­zug wei­ter.

An drei der RP ist jeweils eine Per­son mit einer Stel­len­hö­he von 100 % für EWär­meG, EnEV und EEWär­meG zustän­dig, am vier­ten RP ver­fügt die zustän­di­ge Per­son über eine Stel­len­hö­he von 75 %. Die Per­so­nal­ka­pa­zi­tät wird in allen RP als aus­rei­chend emp­fun­den. Die zustän­di­gen Mit­ar­bei­ter an den RP arbei­ten eng zusam­men und ste­hen in regel­mä­ßi­gem Aus­tausch mit­ein­an­der. Sie füh­len sich durch das Umwelt­mi­nis­te­ri­um Baden-Würt­tem­berg gut über die mit dem Voll­zug ver­bun­de­nen Auf­ga­ben infor­miert. Die Befra­gung der uBRB hat zudem eine hohe Zufrie­den­heit mit der Arbeit der RP erge­ben. Von 11 der 16 befrag­ten uBRB wur­de die Arbeit der Regie­rungs­prä­si­di­en expli­zit posi­tiv erwähnt.

10.1.3 Aufgaben, Personalausstattung, Qualifikation der unteren Baurechtsbehörden

Die uBRB sind zustän­dig für den Voll­zug des EWär­meG und über­wa­chen die Ein­hal­tung der Nut­zungs- und Nach­weis­pflich­ten.

Die Anzahl der durch die Schorn­stein­fe­ger gemel­de­ten Aus­tausch­fäl­le pro Jahr vari­iert sehr stark je nach Grö­ße des Zustän­dig­keits­be­reichs der uBRB. Die gemel­de­ten Fall­zah­len lagen bei neun Behör­den zwi­schen 30 und 150 Fäl­len im Jahr und bei sechs uBRB zwi­schen 400 und 800 pro Jahr. Eine wei­te­re uBRB hat kei­ne Über­sicht über die Zahl der Fäl­le. Die Ent­wick­lung der Anzahl der gemel­de­ten Aus­tausch­fäl­le wird von etwa der Hälf­te der uBRB als gleich­blei­bend und von der ande­ren Hälf­te als stei­gend wahr­ge­nom­men. Ins­ge­samt wer­den deut­lich mehr Wohn­ge­bäu­de als Nicht­wohn­ge­bäu­de gemel­det. Die befrag­ten Behör­den schät­zen den Anteil an Wohn­ge­bäu­den auf deut­lich über 90 %.

Die Per­so­nal­ka­pa­zi­tä­ten bei den uBRB unter­schei­den sich sehr stark. Sie­ben der 16 befrag­ten uBRB berich­ten, dass bei ihnen kein bestimm­ter Stel­len­um­fang für den Voll­zug des EWär­meG zuge­teilt wur­de oder ihnen die dafür vor­ge­se­he­ne Stel­len­hö­he nicht bekannt ist. An die­sen Behör­den fin­det der Voll­zug zusätz­lich zu den zuvor vor­han­de­nen Auf­ga­ben der Sach­be­ar­bei­ter statt, ohne eine Auf­sto­ckung der Per­so­nal­ka­pa­zi­tät. Sechs der 16 uBRB haben zwi­schen 0,1 und 0,5 Voll­zeit­äqui­va­len­te für die Bear­bei­tung des EWär­meG1. Drei uBRB haben ein Voll­zeit­äqui­va­lent (100 %), wel­ches teil­wei­se auf meh­re­re Per­so­nen auf­ge­teilt ist. Die ver­füg­ba­re Stel­len­hö­he kor­re­liert nicht mit der Anzahl zu bear­bei­ten­der Fäl­le, d.h., die uBRB mit den meis­ten Fäl­len sind nicht die uBRB mit den höchs­ten Stel­len­hö­hen. 11 von 16 uBRB sagen expli­zit, dass die vor­han­de­nen Per­so­nal­ka­pa­zi­tä­ten für den Voll­zug des EWär­meG nicht aus­rei­chen. Prak­tisch alle Behör­den geben an, dass sie in der Abar­bei­tung der gemel­de­ten Aus­tausch­fäl­le teil­wei­se mas­siv im Ver­zug sind oder den Voll­zug nur in gerin­ger Qua­li­tät umset­zen kön­nen.

Knapp die Hälf­te der befrag­ten Sach­be­ar­bei­ter hat einen beruf­li­chen Ver­wal­tungs­hin­ter­grund und hat sich teil­wei­se Wis­sen zu den tech­ni­schen Aspek­ten des EWär­meG ange­eig­net. In die­ser Grup­pe ist der Anteil jener, die sich über das EWär­meG und die damit ver­bun­de­nen Voll­zugs­auf­ga­ben aus­rei­chend infor­miert füh­len, am gerings­ten (4 von 7). Sechs Sach­be­ar­bei­ter haben einen fach­na­hen Hin­ter­grund (Bau­in­ge­nieur­we­sen, Archi­tek­tur, Schorn­stein­fe­ger­we­sen, Ener­gie­be­ra­tung), die­se füh­len sich gut infor­miert. Sechs von 16 Sach­be­ar­bei­tern wün­schen sich mehr Schu­lungs­an­ge­bo­te und Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen zum EWär­meG und den damit ver­bun­de­nen Voll­zugs­auf­ga­ben.

10.1.4 Vollzugsablauf

Der genaue Voll­zugs­ab­lauf ist den unte­ren Bau­rechts­be­hör­den nicht vor­ge­schrie­ben. Als Unter­stüt­zung und um einen mög­lichst ein­heit­li­chen Voll­zugs­ab­lauf in allen Regie­rungs­be­zir­ken zu errei­chen stel­len die Regie­rungs­prä­si­di­en in Abstim­mung mit dem Umwelt­mi­nis­te­ri­um eine inter­ne Arbeits­hil­fe zur Ver­fü­gung, an der sich alle der befrag­ten uBRB ori­en­tie­ren. Abbil­dung 10–1 zeigt sche­ma­tisch den gro­ben Voll­zugs­ab­lauf an den Behör­den. Die Umset­zung vari­iert im Detail aller­dings stark zwi­schen den Behör­den, vor allem was den zeit­li­chen Ablauf, die Über­wa­chung von Fris­ten, das Füh­ren von Lis­ten und die Wahl der Arbeits­mit­tel betrifft.

Der Voll­zug wird i.d.R. durch die Mel­dung eines Aus­tausch­fal­les durch den zustän­di­gen Schorn­stein­fe­ger aus­ge­löst, in Aus­nah­me­fäl­len auch durch das Ein­rei­chen der Nach­wei­se durch den Gebäu­de­ei­gen­tü­mer. Erfolgt die Mel­dung durch einen Schorn­stein­fe­ger, wer­den die Eigen­tü­mer schrift­lich auf ihre Nut­zungs- und Nach­weis­pflich­ten hin­ge­wie­sen und zur Ein­rei­chung der Nach­wei­se unter Ein­hal­tung der gesetz­li­chen Frist auf­ge­for­dert. Die Fris­ten wer­den durch die uBRB über­wacht. In vie­len Fäl­len müs­sen die Eigen­tü­mer mehr­fach auf­ge­for­dert wer­den, bis die Nach­wei­se bei den Behör­den ein­ge­reicht sind. Die ein­ge­reich­ten Nach­wei­se wer­den von den uBRB in unter­schied­li­cher Aus­führ­lich­keit geprüft. Inkor­rek­te oder unvoll­stän­di­ge Nach­wei­se wer­den bean­stan­det und die Eigen­tü­mer wer­den erneut kon­tak­tiert. Sind die Nach­wei­se voll­stän­dig und kor­rekt, wer­den die Fäl­le durch Ein­ga­be in das IDEV-Daten­por­tal (s.o.) an das Sta­tis­ti­sche Lan­des­amt gemel­det.

Schema des Vollzugsablaufs

Abbil­dung 10–1: Sche­ma des Voll­zugs­ab­laufs

10.1.5 Herausforderungen und Verbesserungsvorschläge der uBRB für den Vollzug

Aus­lö­sung des Voll­zugs und Fris­ten­über­wa­chung

Die Mel­dung der Aus­tausch­fäl­le über das elek­tro­ni­sche Kehr­buch der Schorn­stein­fe­ger wird mehr­heit­lich posi­tiv bewer­tet. Meh­re­re uBRB wün­schen sich eine flä­chen­de­cken­de und ver­pflich­ten­de Ein­füh­rung die­ses Mel­de­wegs. Eini­ge Schorn­stein­fe­ger mel­den erst nach einer Erin­ne­rung durch die uBRB ihre Aus­tausch­fäl­le; hier wäre eine Sen­si­bi­li­sie­rung hilf­reich.

Der Abgleich der Schorn­stein­fe­ger­mel­dun­gen mit den ein­ge­reich­ten Nach­wei­sen wird jedoch als hoher Auf­wand emp­fun­den. Teil­wei­se wer­den die Schorn­stein­fe­ger­mel­dun­gen erst mit erheb­li­chem Zeit­ver­zug bear­bei­tet und die Eigen­tü­mer ange­schrie­ben. Die Frist­set­zung erfolgt in den uBRB nicht ein­heit­lich. Als Beginn der 18-Monats­frist wird je nach uBRB ent­we­der das Inbe­trieb­nah­me- oder das Abnah­me­da­tum des betrof­fe­nen Kes­sels oder das Datum des Schrei­bens der uBRB an den Eigen­tü­mer gewählt.

Vie­le uBRB füh­ren ver­schie­de­ne Lis­ten zur Fris­t­über­wa­chung, die mit­ein­an­der abge­gli­chen und immer wie­der auf ablau­fen­de Fris­ten über­prüft wer­den müs­sen. Hier bestehen zwi­schen den uBRB gro­ße Unter­schie­de, was die Arbeits­mit­tel­wahl (Papier­ord­ner, Excel, Bau­rechts­soft­ware) und das genaue Vor­ge­hen angeht, bei­spiels­wei­se zu wel­chem Zeit­punkt Eigen­tü­mer kon­tak­tiert wer­den, wie die Wie­der­vor­la­ge ein­ge­rich­tet wird etc. Behör­den, wel­che die Bau­rechts­soft­ware auch für die Bear­bei­tung des EWär­meG nut­zen, stu­fen ihre Arbeits­be­las­tung durch Lis­ten­ab­gleich und Fris­ten­über­wa­chung als deut­lich gerin­ger ein. In die­sen Behör­den wur­de die Bau­rechts­soft­ware von der haus­in­ter­nen IT-Abtei­lung so ergänzt, dass sie auch für die Bear­bei­tung des EWär­meG genutzt wer­den kann. Es wird vor­ge­schla­gen zu prü­fen, ob durch einen ver­stärk­ten Erfah­rungs­aus­tausch zwi­schen den uBRB oder die Bereit­stel­lung einer Stan­dard­lö­sung eine Digi­ta­li­sie­rung des Pro­zes­ses auch in den ande­ren uBRB umge­setzt wer­den kann, um einen effi­zi­en­te­ren Voll­zug des EWär­meG zu errei­chen.

Vier der befrag­ten Behör­den geben an, dass die Anga­ben der Schorn­stein­fe­ger­mel­dun­gen zu den Haus­ei­gen­tü­mern oft nicht kor­rekt sei­en und die Namen und Adres­sen erneut recher­chiert wer­den müs­sen, um den Abgleich mit den Nach­wei­sen durch­füh­ren zu kön­nen.

Nach­weis­an­for­de­rung, Nach­weis­prü­fung, Anord­nung

Die Eigen­tü­mer müs­sen häu­fig nicht nur ein­mal, son­dern mehr­fach ange­schrie­ben wer­den, bis der uBRB alle Nach­wei­se voll­stän­dig vor­lie­gen. Ins­ge­samt erge­hen jedoch sehr weni­ge Anord­nun­gen. Vier uBRB haben noch kei­ne Anord­nung aus­ge­spro­chen, die übri­gen 12 uBRB jeweils unter zehn. Buß­gel­der wer­den teil­wei­se ange­droht, jedoch sel­ten voll­streckt. Über die ange­mes­se­ne Höhe bestehen bei den uBRB Unklar­hei­ten.

Die Prü­fung der ein­ge­reich­ten Nach­wei­se gestal­tet sich schwie­rig. Für eine detail­lier­te Prü­fung fehlt sowohl die Zeit als auch das Fach­wis­sen.

Zwei von 16 befrag­ten uBRB geben an, über­haupt kei­ne Prü­fung der Nach­wei­se vor­zu­neh­men. Drei der befrag­ten Behör­den prü­fen ledig­lich auf Voll­stän­dig­keit (Unter­schrift der Sach­kun­di­gen und Eigen­tü­mer, Vor­han­den­sein aller For­mu­la­re). Acht Behör­den geben an, auf Voll­stän­dig­keit und Plau­si­bi­li­tät zu prü­fen. Die Beschrei­bung der Plau­si­bi­li­täts­prü­fung vari­iert aller­dings stark. Es wer­den bei­spiels­wei­se Flä­chen­an­ga­ben (Wohnfläche/Kollektorfläche) über­prüft oder die Qua­li­fi­ka­ti­on des unter­schrei­ben­den Sach­kun­di­gen. Drei uBRB geben an, den Inhalt der Nach­wei­se detail­lier­ter zu prü­fen. Dort wer­den bei­spiels­wei­se Berech­nun­gen, Wohn­flä­chen und sogar stich­pro­ben­ar­tig die Ein­hal­tung der ange­ge­be­nen Kol­lek­tor­flä­chen geprüft.

Exkurs: Prü­fung von Sanie­rungs­fahr­plä­nen als Erfül­lungs­op­ti­on

Wer­den Sanie­rungs­fahr­plä­ne (SFP) als Erfül­lungs­op­ti­on gewählt, fin­det nur eine sehr begrenz­te Prü­fung statt. Drei uBRB prü­fen die­se gar nicht. Zwei Behör­den prü­fen, ob die Unter­schrift eines Sach­kun­di­gen vor­han­den ist. Acht uBRB geben an, zusätz­lich auf Voll­stän­dig­keit zu prü­fen. Nur eine Behör­de prüft den Inhalt auf Plau­si­bi­li­tät und akzep­tiert den SFP gege­be­nen­falls nicht, falls die Anga­ben unplau­si­bel erschei­nen. Drei uBRB geben an, dass die Bewer­tung, ob die aus­stel­len­den Sach­kun­di­gen tat­säch­lich aus­stel­lungs­be­rech­tigt und qua­li­fi­ziert sind, schwie­rig ist. Daher schla­gen sie vor, eine Lis­te für qua­li­fi­zier­te und berech­tig­te Sach­kun­di­ge anzu­le­gen, anhand derer die uBRB die Sach­kun­di­gen prü­fen kön­nen, ob eine Aus­stel­lungs­be­rech­ti­gung vor­liegt.

Eini­ge uBRB geben an, dass die SFP zum Teil nicht gebäu­de­in­di­vi­du­ell aus­ge­stellt sind, son­dern Stan­dard­lö­sun­gen vor­ge­schla­gen wer­den. Neun von 16 unte­ren Bau­rechts­be­hör­den hal­ten den SFP für nicht zwecker­fül­lend, da kei­ne Umset­zungs­pflicht besteht.

Bean­stan­dun­gen

Die Feh­ler­quo­ten bei der Nach­weis­füh­rung wer­den von den uBRB sehr unter­schied­lich ange­ge­ben. In drei Behör­den wer­den 5–15 % der Nach­wei­se bean­stan­det. Sechs Behör­den geben an, dass 15–30 % der Nach­wei­se bean­stan­det wer­den und fünf Behör­den geben eine Bean­stan­dungs­quo­te von 50–80 % an. Feh­len­de Anga­ben, Unter­schrif­ten oder For­mu­la­re wer­den beson­ders häu­fig bean­stan­det (von 13 der 16 befrag­ten Behör­den). 10 Behör­den geben außer­dem an, dass sie häu­fig auf­grund nicht plau­si­bler oder fal­scher Anga­ben bean­stan­den (bei­spiels­wei­se feh­ler­haf­te Berech­nun­gen, fal­sche For­mu­la­re) bzw. weil die 15 % erneu­er­ba­re Ener­gien durch die vor­ge­leg­ten Nach­wei­se nicht erreicht wer­den (bei­spiels­wei­se zu gerin­ge Kol­lek­tor­flä­chen).

Vier der befrag­ten Behör­den schla­gen vor, den Kon­takt zu den Eigen­tü­mern im Fal­le klei­ne­rer Bean­stan­dun­gen zu erleich­tern, indem die Eigen­tü­mer auf den Nach­weis­for­mu­la­ren ihre Tele­fon­num­mern und E‑Mail-Adres­sen bereit­stel­len. Ord­nungs­wid­rig­kei­ten wur­den bis­her nur von zwei der 16 Bau­rechts­be­hör­den fest­ge­stellt und geahn­det.

Befrei­un­gen und Aus­nah­men

Befrei­un­gen und Aus­nah­men wer­den seit der Novel­le des EWär­meG in 2015 sehr viel sel­te­ner erteilt. Fünf uBRB berich­ten von 0–1 Anträ­gen auf Befrei­ung im letz­ten Kalen­der­jahr, die höchs­te genann­te Zahl waren 20 Anträ­ge seit der Novel­le 2015. Vie­le Anträ­ge auf Befrei­ung kön­nen bereits durch Gesprä­che mit den Eigen­tü­mern durch Hin­weis auf die Erfül­lungs­op­tio­nen abge­wen­det wer­den.

Als Grün­de für erteil­te Befrei­un­gen wer­den unbil­li­ge Här­te (9 von 16) und Denk­mal­schutz (7 von 16) genannt. Bei Vor­lie­gen einer Bestä­ti­gung durch das Denk­mal­schutz­amt wer­den Anträ­ge auf Befrei­ung teil­wei­se nicht mehr geprüft, son­dern direkt bestä­tigt.

Teil­wei­se gibt es befris­te­te Befrei­un­gen, bei­spiels­wei­se in Krank­heits­fäl­len oder wenn ein Gebäu­de in den nächs­ten Jah­ren abge­ris­sen wer­den soll. Bei eini­gen Behör­den besteht Unsi­cher­heit, wie detail­liert Nach­wei­se von den Antrags­stel­lern gefor­dert wer­den müs­sen, gera­de bei per­sön­li­chen Schick­sals­schlä­gen.

Auf­be­rei­tung für die Sta­tis­tik

Bei der Über­mitt­lung der Fäl­le an das Sta­tis­ti­sche Lan­des­amt über das IDEV-Por­tal gehen die befrag­ten Behör­den unter­schied­lich vor. Neun der befrag­ten Behör­den geben die Fäl­le ein­zeln, direkt nach der Über­prü­fung der Nach­wei­se ein. Sechs Behör­den sam­meln Fäl­le vor der Ein­ga­be und geben sie gebün­delt ein. Eine uBRB gibt je nach zeit­li­chen Kapa­zi­tä­ten ein­zeln oder gebün­delt ein. Es wird von eini­gen Behör­den kri­ti­siert, dass die RP gele­gent­lich sepa­ra­te Sta­tis­ti­ken abfra­gen (z.B. zu den Mel­de­zah­len der Schorn­stein­fe­ger). Aus die­sem Grund füh­ren die meis­ten uBRB zusätz­li­che Lis­ten, was einen erhöh­ten Arbeits­auf­wand bedeu­tet. Aus Sicht der uBRB wäre es wün­schens­wert, wenn alle benö­tig­ten Sta­tis­ti­ken direkt über das IDEV-Por­tal ein­ge­tra­gen wer­den kön­nen.

Per­so­nal­ka­pa­zi­tä­ten und Mit­tel für den Voll­zug

13 von 16 der befrag­ten uBRB geben an, mit der Bear­bei­tung der Fäl­le im Rück­stand zu sein oder die Bear­bei­tung nur in man­gel­haf­ter Qua­li­tät umset­zen zu kön­nen. Grund sind die feh­len­den per­so­nel­len Kapa­zi­tä­ten. Die Mit­tel­zu­tei­lung für den Voll­zug wird als zu gering wahr­ge­nom­men. Teil­wei­se wer­den finan­zi­el­le Mit­tel inner­halb der Ver­wal­tun­gen anders ver­teilt als vor­ge­se­hen. Dies lie­ge unter ande­rem auch dar­an, dass die für den Voll­zug des EWär­meG bereit­ge­stell­ten Mit­tel deut­lich zu gering sei­en. Nach Aus­sa­gen der uBRB und RP wäre eine bes­se­re Finan­zie­rung hilf­reich, um die Qua­li­tät des Voll­zugs zu ver­bes­sern. Aus Sicht der uBRB wäre es zudem hilf­reich, wenn die Lei­tun­gen der Bau­rechts­be­hör­den von RP oder UM auf die Bedeu­tung und den Auf­wand des Voll­zugs des EWär­meG hin­ge­wie­sen wür­den, da in eini­gen Behör­den dem Voll­zug des EWär­meG eine gerin­ge­re Prio­ri­tät ein­ge­räumt wird als dem Voll­zug des Bau­rechts.

Infor­ma­ti­on der uBRB zum EWär­meG

Der Kennt­nis­stand der uBRB zum EWär­meG wird von 12 der 16 Behör­den als rela­tiv gut ein­ge­stuft. Aller­dings wün­schen sich den­noch fast die Hälf­te der Befrag­ten mehr Schu­lungs­an­ge­bo­te und Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen, dar­un­ter vor allem zu tech­ni­schen Aspek­ten. Vie­le befrag­te Behör­den berich­ten, dass Nach­fra­gen von Eigen­tü­mern zur tech­ni­schen Umset­zung des EWär­meG nicht beant­wor­tet wer­den kön­nen. Als kon­kre­ter Vor­schlag wird hier eine Erwei­te­rung des Schu­lungs­an­ge­bo­tes genannt, vor allem zu tech­ni­schen Aspek­ten und zur Prü­fung der ein­ge­reich­ten Nach­wei­se (ins­be­son­de­re der Sanie­rungs­fahr­plä­ne).

Fünf von 16 unte­ren Bau­rechts­be­hör­den wün­schen sich außer­dem mehr Mög­lich­kei­ten für einen Erfah­rungs­aus­tausch zwi­schen den ver­schie­de­nen Behör­den. Ein RP orga­ni­siert bereits Tref­fen zwi­schen uBRB, was sehr posi­tiv auf­ge­nom­men wird und auf die ande­ren Regie­rungs­be­zir­ke über­tra­gen wer­den könn­te. Wei­ter­hin wird die Ein­füh­rung einer gemein­sa­men Online­platt­form für alle Regie­rungs­be­zir­ke, auf wel­cher Mate­ria­li­en und aktu­el­le Infor­ma­tio­nen bereit­ge­stellt wer­den könn­ten, emp­foh­len. Die­se Platt­form könn­te gege­be­nen­falls auch als eine Art Online-Forum für den Erfah­rungs­aus­tausch zwi­schen den uBRB genutzt wer­den.

Drei von 16 befrag­ten Behör­den geben außer­dem an, dass neue Mit­ar­bei­ten­de einen schlech­ten Zugang zu Infor­ma­tio­nen hät­ten.

Infor­ma­ti­on der Eigen­tü­mer zum EWär­meG

Der Kennt­nis­stand der Gebäu­de­ei­gen­tü­mer zum EWär­meG wird von den uBRB als eher schlecht wahr­ge­nom­men. 15 von 16 befrag­ten Behör­den berich­ten, dass vie­le Eigen­tü­mer nicht oder nur man­gel­haft über das EWär­meG und sei­ne Erfül­lungs­op­tio­nen infor­miert sei­en. Eini­ge Eigen­tü­mer geben an, vor dem Hin­weis durch die uBRB noch nie etwas von dem Gesetz gehört zu haben. Dies führt dazu, dass die uBRB Hin­ter­grün­de des Geset­zes erläu­tern müs­sen. Bei den Eigen­tü­mern herr­sche gro­ße Unzu­frie­den­heit in Bezug auf das EWär­meG. 12 der 16 befrag­ten Behör­den geben an, dass vie­le der Eigen­tü­mer dem E‑WärmeG sehr nega­tiv gegen­über­ste­hen. Fol­gen­de Grün­de wer­den dafür genannt:

  • Hoher Kos­ten­druck für die Erfül­lung (12 von 16 Behör­den)
  • Emp­fin­den, dass bereits in eine effi­zi­en­te­re Hei­zung inves­tiert wur­de (näm­lich den aus­ge­tausch­ten Kes­sel, der die Nut­zungs­pflicht aus­löst) bei feh­len­dem Ver­ständ­nis, dass dies für den Kli­ma­schutz nicht aus­reicht
  • EWär­meG gibt es nur in Baden-Würt­tem­berg


13 von 16 uBRB erach­ten eine bes­se­re Infor­ma­ti­on der Eigen­tü­mer als not­wen­dig, um den eige­nen Bera­tungs­auf­wand zu redu­zie­ren und den Voll­zug zu beschleu­ni­gen. 12 von 16 uBRB beto­nen, dass die Eigen­tü­mer bereits recht­zei­tig vor dem Hei­zungs­tausch infor­miert wer­den müss­ten, um die Erfül­lungs­op­tio­nen nicht ein­zu­schrän­ken. Die Hei­zungs­bau­er und Schorn­stein­fe­ger müss­ten ihrer Hin­weis­pflicht stär­ker nach­kom­men.

Sach­kun­di­ge

Bei 9 von 16 uBRB besteht der Ein­druck, dass teil­wei­se auch die Sach­kun­di­gen selbst (Hei­zungs­bau­er, Schorn­stein­fe­ger und teil­wei­se Ener­gie­be­ra­ter) schlecht über das EWär­meG und die Erfül­lungs­op­tio­nen infor­miert sei­en. Die­ser Ein­druck ent­ste­he durch die Art von Rück­fra­gen, die bei den uBRB von Sach­kun­di­gen ein­ge­hen und durch Rück­mel­dun­gen von Eigen­tü­mern. Dies sei auch ein mög­li­cher Grund für die schlech­te Infor­ma­ti­ons­la­ge bei den Eigen­tü­mern. Die Hälf­te der befrag­ten uBRB befür­wor­tet mehr ver­pflich­ten­de oder all­ge­mein mehr Schu­lungs­an­ge­bo­te für Sach­kun­di­ge. Um die Umset­zung der Hin­weis­pflicht vor­an­zu­trei­ben, wird von den uBRB vor­ge­schla­gen, ein For­mu­lar ein­zu­füh­ren, über wel­ches der Eigen­tü­mer per Unter­schrift bestä­tigt, sei­tens des Sach­kun­di­gen über das EWär­meG und die Nut­zungs- und Nach­weis­pflicht infor­miert wor­den zu sein.

Hin­wei­se zu Erfül­lungs­op­tio­nen

In Hin­blick auf die Erfül­lungs­op­tio­nen gab es sei­tens der uBRB fol­gen­de Anre­gun­gen:

  • Abschaf­fung der 50kW-Gren­ze bei Erfül­lungs­op­ti­on „Bio­gas“ und „Bio­öl“ (5 von 16)
  • Aner­ken­nung von Ver­trä­gen zum Bezug von „Öko-Gas“, „CO2-neu­tra­lem Gas“ und „Bio-Flüssiggas“im Rah­men der Erfül­lungs­op­ti­on „Bio­gas“ (3 von 16)
  • Bei Wohn­ge­bäu­den Mög­lich­keit der Kom­plet­ter­fül­lung der Nut­zungs­pflicht über den Bezug von Bio­gas und Bio­öl
  • Sanie­rungs­fahr­plan als Erfül­lungs­op­ti­on abschaf­fen, da Maß­nah­men sel­ten umge­setzt wer­den und oft nicht gebäu­de­in­di­vi­du­ell (3 von 16)
  • Aner­ken­nung von Fens­ter- und Türen­tausch als Erfül­lungs­op­ti­on
  • Aner­ken­nung von Kamin­öfen als Erfül­lungs­op­ti­on
  • Erfül­lungs­op­ti­on Solar­kol­lek­to­ren: Fak­tor für die Flä­chen­be­rech­nung bei klei­nen Haus­hal­ten in gro­ßen Häu­sern zu hoch (da gerin­ger Warm­was­ser­ver­brauch)

Vollzug aus Sicht der Energieberater

Bei den fol­gen­den Inhal­ten han­delt es sich um Ergeb­nis­se der Inter­views mit den Aus­stel­lern von Sanie­rungs­fahr­plä­nen (vgl. Kapi­tel 8.6). In die­sen Inter­views wur­de zwar nicht sys­te­ma­tisch nach dem Voll­zug des EWär­meG oder nach der Zusam­men­ar­beit mit den uBRB gefragt, trotz­dem wur­den von den Inter­view­ten zahl­rei­che Aus­sa­gen dazu gemacht. Die fol­gen­den Aspek­te bie­ten einen wert­vol­len Ein­blick in die Voll­zugs­pra­xis des EWär­meG aus Sicht der Ener­gie­be­ra­ter, auch wenn die Punk­te jeweils nur von Weni­gen vor­ge­bracht wur­den.

10.2.1 Hinweispflicht

Meh­re­re der befrag­ten Aus­stel­ler von Sanie­rungs­fahr­plä­nen füh­ren an, dass nicht alle Hei­zungs­bau­er ihre Kun­den im Fal­le des Hei­zungs­tauschs zu den Erfül­lungs­op­tio­nen des EWär­meG bera­ten. Mehr­fach wird genannt, dass ledig­lich zu Solar­ther­mie als Erfül­lungs­op­ti­on bera­ten wird, alles ande­re nicht. (Zitat: „Hand­wer­ker bie­ten nur Solar­ther­mie­an­la­gen an, die­se sind aber schwer ver­käuf­lich“). Als Ursa­chen wird feh­len­des Inter­es­se der Hei­zungs­bau­er an ande­ren Maß­nah­men (z.B. Däm­mung) genannt, evtl. auch feh­len­des Wis­sen.

10.2.2 Zusammenarbeit mit uBRB

Vie­le der Ener­gie­be­ra­ter arbei­ten mit meh­re­ren ver­schie­de­nen uBRB zusam­men. Oft wird die Arbeit der uBRB gelobt und es besteht ein gutes Ver­hält­nis. Den Ener­gie­be­ra­tern fällt jedoch auf, dass die Unter­schie­de im Voll­zug bei den ver­schie­de­nen uBRB groß sind. Dies wird als nach­tei­lig emp­fun­den. Wer­den Sanie­rungs­fahr­plä­ne zu detail­liert geprüft und Inhal­te bemän­gelt, so wird der ent­spre­chen­den uBRB die Kom­pe­tenz abge­spro­chen bzw. dar­auf ver­wie­sen, dass die Wün­sche des End­kun­den zu beach­ten sei­en. Die­se wür­den dadurch „unter Stress gesetzt“ bzw. ver­wirrt. Ins­be­son­de­re wird die (Nach-)Forderung einer detail­lier­ten Kos­ten­schät­zung für SFP-Maß­nah­men kri­ti­siert, da Kos­ten für zukünf­ti­ge Maß­nah­men der­zeit nur grob geschätzt wer­den könn­ten.

Eini­ge Ener­gie­be­ra­ter kri­ti­sie­ren, dass uBRB Befrei­un­gen teil­wei­se zu schnell ertei­len. Befrei­ungs­grün­de, z. B. feh­len­der Lager­raum für Pel­lets in MFH, wer­den nicht vor Ort geprüft, son­dern vom Schreib­tisch aus ent­schie­den, da dies ver­mut­lich der ein­fachs­te Weg für die Behör­de sei. „Feh­len­der Lager­raum“ wer­de jedoch oft nur vor­ge­scho­ben (wird ohne Nach­fra­ge 2x genannt bei 11 Inter­views). Bei dezen­tra­len Hei­zun­gen wird nicht geprüft, ob die Erfül­lungs­um­ge­hungs­vor­aus­set­zung tat­säch­lich lang­fris­tig ein­ge­hal­ten wird.

10.2.3 Erfüllungsoptionen EWärmeG

Wei­te­re Kom­men­ta­re zu Erfül­lungs­op­tio­nen wur­den in den Inter­views mit Ener­gie­be­ra­tern genannt:

  • Erfül­lung für gro­ße Wohn­ge­bäu­de gene­rell schwie­rig, vie­le Erfül­lungs­op­tio­nen sind nicht geeig­net.
  • Zur Anrech­nung von Bio­gas bei Anla­gen >50kW gibt es unter­schied­li­che Mei­nun­gen.
  • Pro: im Sin­ne der Eigen­tü­mer ein­fach umzu­set­zen­de Erfül­lungs­op­ti­on
  • Con­tra: Bio­gas­be­zug geht kom­plett zu Las­ten der Mie­ter, wäh­rend der Eigen­tü­mer und Ver­mie­ter nur die Kos­ten für den SFP trägt und sonst nichts am Gebäu­de machen muss.
  • Evtl. Aus­nah­me­re­ge­lung für Gebäu­de mit Bau­jahr nach 1995 schaf­fen, da ener­ge­ti­scher Stan­dard recht gut und Bau­teil­sa­nie­run­gen noch nicht wirt­schaft­lich. Da ist auch ein SFP noch nicht sinn­voll, da kein Sanie­rungs­be­darf.

Beispiele für Umgehung der Erfüllung des EWärmeG

Sowohl die Aus­stel­ler von SFP als auch die inter­view­ten Sach­be­ar­bei­ter der uBRB kann­ten und nann­ten Fäl­le, in denen die Erfül­lung des EWär­meG umgan­gen bzw. hin­aus­ge­zö­gert wur­de oder miss­lingt. Zumeist han­delt es sich um Anla­gen >50kW. Bei­spie­le wer­den im Fol­gen­den genannt:

  • Es wer­den unüb­li­che Repa­ra­tu­ren umge­setzt, um Alt­an­la­gen wei­ter zu betrei­ben, z.B. schwei­ßen des Kes­sel­blocks oder Ein­bau moder­ner Rege­lungs­an­la­gen, die prak­tisch nichts regelt, aber ver­hin­dert, dass der Schorn­stein­fe­ger die Anla­ge still legen kann.
  • Auf­grund des EWär­meG zusätz­lich zum neu­en Gas­kes­sel instal­lier­tes BHKW wird nicht betrie­ben, da War­tung und Betrieb zu teu­er, geheizt wird nur noch mit Gas­kes­sel.
  • 50 kW-Gren­ze wird nur auf dem Papier (Ange­bot, Rech­nung) ein­ge­hal­ten, in Wirk­lich­keit ist Leis­tung des ein­ge­bau­ten Kes­sels grö­ßer.
  • Es wer­den zwei Heiz­kes­sel mit einer Leis­tung unter 50 kW ein­ge­baut.
  • Eta­gen­hei­zun­gen wer­den bei­be­hal­ten, um Erfül­lung EWär­meG zu umge­hen.

Zusammenfassung und Empfehlungen

Die Ana­ly­sen zum Voll­zug des EWär­meG erge­ben ein recht ernüch­tern­des Bild: der Voll­zug ist der­zeit nicht aus­rei­chend sicher­ge­stellt. Haupt­pro­blem in den Voll­zugs­bör­den sind feh­len­de per­so­nel­le Kapa­zi­tä­ten und teil­wei­se auch feh­len­de, ins­be­son­de­re tech­ni­sche Fach­kennt­nis­se der ver­ant­wort­li­chen Sach­be­ar­bei­ter. Dies führt dazu, dass der Voll­zug nicht immer in hoher Qua­li­tät und zeit­nah umge­setzt wer­den kann.

Voll­zugs­pro­zes­se wer­den auf unter­schied­lichs­te Wei­se durch­ge­führt. Per­so­nel­le Kapa­zi­tä­ten müs­sen für Fris­ten­über­wa­chung, Abgleich von Lis­ten und Prü­fung for­ma­ler Aspek­te, z. B. Voll­stän­dig­keit der Nach­wei­se mit allen not­wen­di­gen Unter­schrif­ten und ent­spre­chen­de Nach­for­de­run­gen ein­ge­setzt wer­den – die for­mel­le Prü­fung der Nach­wei­se ist zeit­in­ten­siv und nimmt das Zeit­bud­get voll­stän­dig in Anspruch. Infol­ge­des­sen sind die Kapa­zi­tä­ten für eine inhalt­li­che Prü­fung ent­spre­chend gering bzw. feh­len, und/oder die tech­ni­sche Fach­kennt­nis dafür ist nicht aus­rei­chend. Eine inhalt­li­che Prü­fung der Erfül­lung wird ent­spre­chend sel­ten umge­setzt. Stich­pro­ben bei umge­setz­ten Maß­nah­men wer­den gene­rell nicht durch­ge­führt, wodurch die Prü­fung der Erfül­lung auf die Kon­trol­le der For­mu­la­re beschränkt bleibt.

Zu den Voll­zugs­pro­ble­men tra­gen auch ande­re Voll­zugs­ak­teu­re bei, näm­lich die Sach­kun­di­gen, die teil­wei­se ihrer Hin­weis­pflicht nicht nach­kom­men, und Schorn­stein­fe­ger, die teil­wei­se ihrer Mel­de­pflicht nicht unauf­ge­for­dert und zeit­nah nach­kom­men.

Inwie­weit eine Ver­bes­se­rung des Voll­zugs die Wir­kung des EWär­meG ver­bes­sern wür­de, ist schwer abschätz­bar. Eine Ent­las­tung der uBRB bei der Durch­füh­rung der Voll­zugs­auf­ga­ben könn­te mög­li­cher­wei­se durch Soft­ware­tools für die Erleich­te­rung der for­ma­len Prü­fung, durch Schu­lun­gen und regel­mä­ßi­gen Aus­tausch erreicht wer­den.

Die Befra­gung der uBRB und der RP geben einen guten Ein­blick in die Voll­zugs­pra­xis des EWär­meG und die Her­aus­for­de­run­gen, die bei der Umset­zung des Geset­zes bestehen. Die Arbeit der RP wird von den uBRB sehr posi­tiv wahr­ge­nom­men und auch die RP selbst sind mit der Infor­ma­ti­ons­la­ge und der per­so­nel­len Situa­ti­on zufrie­den. Auf Sei­ten der uBRB wird die Situa­ti­on für den Voll­zug jedoch als stark ver­bes­se­rungs­wür­dig emp­fun­den. Die größ­te Her­aus­for­de­rung für den Voll­zug bei den Behör­den sind die feh­len­den Per­so­nal­ka­pa­zi­tä­ten. Auch die schlech­te Infor­ma­ti­ons­la­ge und gro­ße Unzu­frie­den­heit auf Sei­ten der Eigen­tü­mer und teil­wei­se auf Sei­ten der Sach­kun­di­gen führt zu gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen im Voll­zugs­all­tag.

Fol­gen­de Emp­feh­lun­gen für die Ver­bes­se­rung des Voll­zugs des EWär­meG wer­den aus den Ergeb­nis­sen der Inter­views abge­lei­tet:

  • list text her­eBes­se­re Res­sour­cen­aus­stat­tung des Voll­zugs ist not­wen­dig. Dies soll­te auf der Grund­la­ge des tat­säch­li­chen Bear­bei­tungs­auf­wands auf Sei­ten der uBRB erfol­gen.
  • list text here­Ei­ne Ver­ein­heit­li­chung des Voll­zugs und eine Voll­zugs­in­ten­si­vie­rung ist aus Sicht der Eva­lu­ie­rung sinn­voll. Dafür ist es hilf­reich, dass kom­mu­na­le Lan­des­ver­bän­de, ggf. in Abstim­mung mit UM BW, gemein­sa­me Voll­zugs­kon­zep­te und Hilfs­mit­tel erar­bei­ten und zur Ver­fü­gung stel­len.
  • list text here­Zur Ver­ein­fa­chung der Fris­ten­über­wa­chung, der Lis­ten­füh­rung und zur Unter­stüt­zung der for­mel­len Nach­weis­prü­fung auf Voll­stän­dig­keit soll­ten Soft­ware­lö­sun­gen erar­bei­tet wer­den (z. B. Ent­wick­lung einer Soft­ware­lö­sung zur elek­tro­ni­schen Ver­ar­bei­tung der Mel­dun­gen aus dem Kehr­buch, ggf. Wei­ter­ent­wick­lung der Bau­rechts­soft­ware; Soft­ware­lö­sung zur auto­ma­ti­schen Über­nah­me der Lis­ten in das IDEV-Por­tal)
  • list text here­Aus­la­ge­rung der inhalt­li­chen Prü­fung an exter­ne Drit­te (auch Prü­fung der Befrei­ungs­an­trä­ge), Umset­zung der inhalt­li­chen Prü­fung als Stich­pro­ben­prü­fung (z.B. jeder 10. Nach­weis), Bereit­stel­lung von Mit­teln dazu
  • list text her­e­Dis­kus­si­on des Vor­ge­hens bei Nicht­er­fül­lung, auch bei unzu­rei­chen­der Qua­li­tät der Sanie­rungs­fahr­plä­ne
  • list text here­Sen­si­bi­li­sie­rung der Schorn­stein­fe­ger zur Mel­de­pflicht und Mel­dung über elek­tro­ni­sches Kehr­buch ver­pflich­tend ein­füh­ren
  • list text here­Sen­si­bi­li­sie­rung der Hand­wer­ker und ande­rer Sach­kun­di­ger zu ihrer Hin­weis­pflicht, Hand­wer­ker zur Über­ga­be eines Inf­o­fly­ers zum EWär­meG an Gebäu­de­ei­gen­tü­mer moti­vie­ren
  • list text here­Er­he­bung von Tele­fon­num­mern und E‑Mail-Adres­sen der Gebäu­de­ei­gen­tü­mer zur ver­ein­fach­ten Kon­takt­auf­nah­me bei „klei­nen“ Feh­lern (Nach­weis­for­mu­la­re)
  • Sen­si­bi­li­sie­rung der Denk­mal­schutz­be­hör­den für den Kli­ma­schutz und ver­bes­ser­te Koope­ra­ti­on

1 Neben dem EWär­meG beinhal­ten die Auf­ga­ben der der Sach­be­ar­bei­ter in der vor­ge­ge­be­nen Stel­lenhö-he meist auch Voll­zugs­auf­ga­ben für die EnEV sowie das EEWär­meG. Das EWär­meG macht jedoch laut Aus­sa­ge der Befrag­ten den größ­ten Anteil der Arbeits­zeit aus.

Umweltministerium BW logo

Quantitative Abschätzung der Wirkungen des EWärmeG

Eines der wesent­li­chen Zie­le des EWär­meG ist die Erhö­hung des Anteils erneu­er­ba­rer Ener­gien an der Wär­me­ver­sor­gung und damit die ver­stärk­te Ein­spa­rung von CO2- und Treib­haus­gas­emis­sio­nen. Um zu eva­lu­ie­ren, ob und in wel­chem Aus­maß durch die ver­pflich­ten­de Nut­zung von Erneu­er­ba­ren im Gebäu­de­be­stand Umwelt­schä­den ver­mie­den wer­den konn­ten, wird eine Wir­kungs­ab­schät­zung auf Basis der Ver­pflich­tungs­fäl­le und Ein­spa­rung je Erfül­lungs­op­ti­on durch­ge­führt. Die Ana­ly­se erfolgt dif­fe­ren­ziert für Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäu­de (Abschnitt 11.1 und 11.2), gefolgt von einem abschlie­ßen­den Fazit in Abschnitt 11.3. Ein Ver­gleich mit der vor­an­ge­gan­ge­nen Eva­lu­ie­rung aus dem Jahr 2011 wird eben­so durch­ge­führt.

Wohngebäude

11.1.1 Vorgehensweise

Die Reduk­ti­on der Treib­haus­gas­emis­sio­nen im Wohn­ge­bäu­de­be­stand seit Inkraft­tre­ten des EWär­meG wer­den mit­tels eines empi­ri­schen Bot­tom-Up-Ansat­zes bestimmt1. Aus­ge­hend von einem Refe­renz­ge­bäu­de und den durch­schnitt­li­chen Ein­spa­run­gen pro Gebäu­de und Erfül­lungs­op­ti­on wer­den die jähr­li­chen Ein­spa­run­gen durch Mul­ti­pli­ka­ti­on mit den Fall­zah­len im Zeit­raum der Gül­tig­keit des EWär­meG sum­miert.

Um dabei jene Effek­te zu quan­ti­fi­zie­ren, die maß­geb­lich auf das Gesetz zurück­zu­füh­ren sind, ist die Berück­sich­ti­gung von bereits vor­han­de­nen Erfül­lungs­op­tio­nen, sowie nicht durch das Gesetz indu­zier­ter Ein­satz von erneu­er­ba­rer Ener­gien und Ersatz­maß­nah­men rele­vant. Bereits vor­han­de­ne Erfül­lungs­op­tio­nen wer­den dahin­ge­hend inter­pre­tiert, dass die Anla­gen oder Ersatz­maß­nah­men bereits vor dem Aus­lö­se­tat­be­stand des Kes­sel­tauschs vor­han­den waren, jedoch erst anschlie­ßend als Erfül­lungs­op­ti­on gemel­det wur­den (Pho­to­vol­ta­ik, Gebäu­de­däm­mung und Solar­ther­mie­an­la­gen2). Ver­pflich­tungs­fäl­le, bei denen schon vor dem Kes­sel­tausch eine EE-Anla­ge im Ein­satz war, die im Betrach­tungs­zeit­raum erneu­ert wur­de, wer­den die Ein­spa­run­gen als nicht durch das Gesetz indu­ziert gewer­tet (v.a. fes­te Bio­mas­se und z. T. Wär­me­pum­pen). Eine wei­te­re Ein­schrän­kung ergibt sich auf­grund ohne­hin ange­dach­ter Maß­nah­men der Ver­pflich­te­ten, die auch ohne Gesetz­ge­bung gewählt wor­den wäre.

Außer­dem wer­den Vor­zieh­ef­fek­te und Effek­te auf­grund des gering­fü­gi­gen Atten­tis­mus berück­sich­tigt (Abbil­dung 4–21). Da die Absatz­ent­wick­lung des BDH auf Vor­zieh­ef­fek­te vor der Eta­blie­rung des Geset­zes hin­deu­tet, wer­den die mit den vor­ge­zo­ge­nen Moder­ni­sie­run­gen ver­bun­de­nen Ein­spa­run­gen zusätz­lich gewer­tet. Im Gegen­zug wer­den ent­gan­ge­ne Ein­spa­run­gen auf­grund des ver­zö­ger­ten Kes­sel­tauschs nega­tiv ange­las­tet.

Bei dem gewähl­ten Vor­ge­hen wer­den die Ein­spa­run­gen auf­grund der Effi­zi­enz­stei­ge­rung des Kes­sel­tau­sches nicht berück­sich­tigt, da die­se ange­sichts des Aus­lö­se­tat­be­stan­des Kes­sel­tauschs ohne­hin ange­fal­len wären. Dadurch wer­den in dem gewähl­ten Ansatz nicht die rea­len Ein­spa­run­gen seit der Gül­tig­keit des Geset­zes quan­ti­fi­ziert, son­dern aus­schließ­lich eine dem EWär­meG attri­bu­ier­te zusätz­li­che Wir­kung. Eine Über­sicht über die Vor­ge­hens­wei­se zur Quan­ti­fi­zie­rung der Wir­kung des EWär­meG ist in Abbil­dung 11–1 dar­ge­stellt.

Diagramm: Vorgehensweise bei der Quantifizierung der Wirkungen des EWärmeG

Abbil­dung 11–1: Vor­ge­hens­wei­se bei der Quan­ti­fi­zie­rung der Wir­kun­gen des EWär­meG

Die Ein­spa­rung infol­ge des Ein­sat­zes von erneu­er­ba­ren Ener­gien und Ersatz­maß­nah­men kann nur durch die expli­zi­te Berück­sich­ti­gung der ein­zel­nen zur Aus­wahl ste­hen­den Erfül­lungs­op­tio­nen erfol­gen. Da die Ein­spar­ef­fek­te des Kes­sel­tau­sches aus­ge­nom­men sind, ergibt sich die Ein­spa­rung durch die Dif­fe­renz der Treib­haus­gas­emis­sio­nen der erneu­er­ten Refe­renz­an­la­ge und der Emis­sio­nen für die gewähl­te Erfül­lungs­op­ti­on. Bei jenen Erfül­lungs­op­tio­nen, die auch Strom bereit­stel­len, muss die jewei­li­ge Strom­gut­schrift der Opti­on eben­falls berück­sich­tigt wer­den. Das Vor­ge­hen kann mit fol­gen­dem Rechen­weg dar­ge­stellt wer­den:

?????????? ???????? ??? ????????? ??? ?? ??? ????????ß??ℎ??? =Σ??????ℎ? ?? ??????∗???????? ( ?????????? ???ℎ ???????????ℎ ??? ?????????????? ∗ ??? ?????? ???ℎ ?????????? ?ü? ?????????????? ?.?????? −?????????? ???ℎ ???????????ℎ ?ü? ???äℎ??? ???ü???????????? ∗ ??? ?????? ???ℎ ?????????? ?ü? ???ü???????????? +??????????ℎ???? ?? ?????? ∗ ??? ?????? ?????)

Die für die Berech­nung not­wen­di­gen Daten wer­den im nach­fol­gen­den Abschnitt 11.1.2 ange­führt.

11.1.2 Zugrundeliegende Daten und Annahmen

Fall­zah­len und Mix an Erfül­lungs­op­tio­nen

Der dem EWär­meG attri­bu­ier­te Ein­spar­ef­fekt hängt wesent­lich von den ent­spre­chen­den Fall­zah­len und gewähl­ten Erfül­lungs­op­tio­nen ab. Wie in Kapi­tel 3.1 detail­liert aus­ge­führt, zei­gen sich erheb­li­che Unter­schie­de in den ver­schie­de­nen Daten­quel­len: Die jähr­li­chen Fall­zah­len – abglei­tet aus der um Fern­wär­me­zah­len erwei­ter­ten BDH-Markt­sta­tis­tik für den Wohn­ge­bäu­de­be­stand – sind deut­lich höher als die Fall­zah­len, die sich nach der „Kor­rek­tur“ um Wär­me­pum­pen und Fern­wär­me­an­schlüs­se der ein­ge­reich­ten Nach­wei­se bei den unte­ren Bau­rechts­be­hör­den erge­ben. Dabei ent­spre­chen die aus der BDH-Markt­sta­tis­tik und den Fern­wär­me­ab­satz­zah­len abge­lei­te­ten Fall­zah­len einer durch­schnitt­li­chen Kes­sel­tauschra­te von 2,5 % pro Jahr und somit einer mitt­le­ren Anla­gen­le­bens­dau­er von 40 Jah­ren. Zudem ergab die Befra­gung der unte­ren Bau­rechts­be­hör­den, dass vor­lie­gen­de Nach­wei­se aus Zeit- und Res­sour­cen­grün­den zum Teil nicht in das IDEV-Por­tal ein­ge­ge­ben wer­den (sie­he Kapi­tel 10.1). Ins­ge­samt erschei­nen damit die aus Markt­sta­tis­ti­ken abge­lei­te­ten Fall­zah­len in ihrer Grö­ßen­ord­nung erheb­lich rea­lis­ti­scher als die aus den Nach­wei­sen der unte­ren Bau­rechts­be­hör­den abge­lei­te­ten Zah­len; sie wer­den im Fol­gen­den als zen­tra­le Berech­nungs­grund­la­ge ver­wen­det. Die jähr­li­che Auf­tei­lung der 272.000 Ver­pflich­tungs­fäl­le im Wohn­ge­bäu­de­be­stand seit Inkraft­tre­ten des EWär­meG sind in Abbil­dung 3–1 dar­ge­stellt.

Der Mix an gewähl­ten Erfül­lungs­op­tio­nen für Wohn­ge­bäu­de wird ent­spre­chend Abbil­dung 3–10 berück­sich­tigt und auf die hoch­ska­lier­ten Ver­pflich­tungs­fäl­le ange­wandt

Refe­renz­ge­bäu­de

Da kei­ne empi­ri­schen Infor­ma­tio­nen zur Ein­spa­rung der Treib­haus­gas­emis­sio­nen vor­lie­gen, erfor­dert die Quan­ti­fi­zie­rung der End­ener­gie nach Kes­sel­tausch mit einer Refe­renz­an­la­ge Annah­men zu dem zugrun­de­lie­gen­den Refe­renz­ge­bäu­de. Die Bevöl­ke­rungs­be­fra­gung lie­fert Infor­ma­tio­nen zum durch­schnitt­li­chen Alter der Gebäu­de, die unter die Pflich­ten des EWär­meG fal­len. Der Anteil der Gebäu­de je Bau­al­ters­klas­se ist in Abbil­dung 11–2 dar­ge­stellt. Dabei ist zu erken­nen, dass 62 % der Ver­pflich­tungs­fäl­le in jenen Gebäu­den auf­tre­ten, die zwi­schen 1949 und 1983 erbaut wur­den, wobei 23 % der Gebäu­de unter die Bau­al­ters­klas­se von 1949–1968 fal­len, 21 % der Gebäu­de zwi­schen 1984 und 1995 erbaut wur­den und 18 % der Gebäu­de in denen der Heiz­kes­sel aus­ge­tauscht wur­de, wur­den zwi­schen 1978 und 1983 errich­tet.

Diagramm: Baualtersklassen Wohngebäude im EWärmeG

Abbil­dung 11–2: Ver­tei­lung der an der Bevöl­ke­rungs­be­fra­gung teil­ge­nom­me­nen Haus­hal­te, die seit der Novel­lie­rung des EWär­meG ihren Heiz­kes­sel aus­ge­tauscht haben (Quel­le: Befra­gung EWär­meG Ver­pflich­te­te 2018)

Auf­bau­end auf der Alters­struk­tur jener Gebäu­de, die auf­grund des EWär­meG zum Ein­satz von erneu­er­ba­ren Ener­gien oder zum Ein­satz von Ersatz­maß­nah­men ver­pflich­te­ten wer­den, wer­den typi­sche Wär­me­durch­gangs­ko­ef­fi­zi­en­ten für die ein­zel­nen Kom­po­nen­ten her­an­ge­zo­gen. Zusam­men mit den Geo­me­trie­ei­gen­schaf­ten eines typi­schen Ein­fa­mi­li­en­haus der Bau­pe­ri­ode 1949 bis 1957 aus der Deut­schen Wohn­ge­bäu­de­ty­po­lo­gie (IWU 2015a) und Annah­men zu den Antei­len nach­träg­lich gedämm­ter Bau­teil­flä­chen und zuge­hö­ri­gen U‑Werten3 wird das Wohn­ge­bäu­de mit Hil­fe des Excel Tools EnEV-XL 5.1 (IWU 2015b) nach EnEV 2014 ener­ge­tisch bilan­ziert. Um die Wohn- und Gebäu­de­nutz­flä­che AN des Refe­renz­wohn­ge­bäu­des zu bestim­men, wird die Daten­bank des Gebäu­de­mo­dells GE-MOD, wel­che im Pro­jekt „Ener­gie- und Kli­ma­schutz­zie­le 2030“ kali­briert wur­de und den Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäu­de­be­stand in Baden-Würt­tem­berg (Schmidt et al. 2017) beschreibt, her­an­ge­zo­gen. Danach beträgt die durch­schnitt­li­che Gebäu­de­nutz­flä­che AN der jewei­li­gen Wohn­ge­bäu­de 243 m2 ent­spre­chend einer Wohn­flä­che von 202 m2.

Da für die Quan­ti­fi­zie­rung der Treib­haus­gas­min­de­rung Ener­gie­ver­brauchs­kenn­wer­te not­wen­dig sind, wird mit Hil­fe einer empi­ri­schen Funk­ti­on der aus der ener­ge­ti­schen Bilan­zie­rung resul­tie­ren­de End­ener­gie­be­darf ange­passt4.

Die für die nach­fol­gen­de Ana­ly­se ver­wen­de­ten Daten sind in Tabel­le 11–1 ange­führt und die­nen als Grund­la­ge für die Eva­lu­ie­rung. Zu beach­ten ist, dass es sich bei allen Ener­gie­kenn­zah­len um (berech­ne­te) Ver­brauchs­da­ten han­delt, die auf die Gebäu­de­nutz­flä­che A3 bezo­gen sind.

Tabelle: Beschreibung des Referenzwohngebäudes in Baden Württemberg

Tabel­le 11–1: Beschrei­bung des Refe­renz­wohn­ge­bäu­des in Baden Würt­tem­berg

Die resul­tie­ren­den Ener­gie­ver­brauchs­wer­te wei­sen Grö­ßen­ord­nun­gen auf, die auch in der Lite­ra­tur auf­grund empi­ri­scher Aus­wer­tun­gen genannt wer­den: So lag laut dena (2012) der Medi­an des deut­schen Gebäu­de­be­stands im Jahr 2012 bei 151 kWh/m2N5 für Raum­wär­me und Trink­warm­was­ser. Arge e.V. (2012) wies eben­so einen Ener­gie­ver­brauchs­kenn­wert inkl. Warm­was­ser in Höhe von rd. 141 kWh m2AN für Mehr­fa­mi­li­en­wohn­ge­bäu­de in Baden-Würt­tem­berg aus. Auch die vor­an­ge­gan­ge­ne Eva­lu­ie­rung des EWär­meG in Baden-Würt­tem­berg ver­wen­de­te für ihre Ana­ly­sen einen Ener­gie­ver­brauchs­kenn­wert in Höhe von 144 kWh m2AN (Minis­te­ri­um für Umwelt, Kli­ma und Ener­gie­wirt­schaft Baden-Würt­tem­berg 2011).

Treib­haus­gas­ein­spa­run­gen der ein­zel­nen Erfül­lungs­op­tio­nen

Mit dem Tausch der Hei­zungs­an­la­ge sind die Gebäu­de­ei­gen­tü­mer ver­pflich­tet eine der zuläs­si­gen Erfül­lungs­op­tio­nen bzw. Erfül­lungs­kom­bi­na­tio­nen zu wäh­len, sofern die Nut­zungs­pflicht auf­grund von Aus­nah­men nicht ent­fällt. Je nach Wahl der Opti­on bzw. Kom­bi­na­ti­on unter­schei­den sich die resul­tie­ren­den Treib­haus­gas­ein­spa­run­gen. Da der Aus­lö­se­zeit­punkt durch den Kes­sel­tausch gege­ben ist, wird die Ein­spa­rung, die sich durch­schnitt­lich auf­grund des Tau­sches der alten Hei­zungs­an­la­ge durch eine effi­zi­en­te­re Neu­an­la­ge ergibt, grund­sätz­lich nicht als Effekt des EWär­meG aus­ge­wie­sen. Annah­men hier­zu wer­den jedoch für die Berück­sich­ti­gung der Vor­zieh­ef­fek­te und der Aus­wir­kun­gen des Atten­tis­mus, sowie der kor­rek­ten Berech­nung der Ein­spa­rung auf­grund des Ein­sat­zes erneu­er­ba­rer Ener­gie oder ent­spre­chen­den Ersatz­maß­nah­men benö­tigt.

In Lam­brecht (2018) wur­de gezeigt, dass die End­ener­gie­ein­spa­rung durch den Tausch eines alten Kes­sels durch einen Brenn­wert­kes­sel zwi­schen 10 und 15 % schwankt, wenn ein Kon­stant­tem­pe­ra­tur­kes­sel ersetzt wird. Ersetzt der Brenn­wert­kes­sel einen alten Nie­der­tem­pe­ra­tur­kes­sel, so schwankt die End­ener­gie­ein­spa­rung zwi­schen 5 und 10 %. Beim Tausch eines alten gegen einen neu­en Brenn­wert­kes­sel liegt die Ein­spa­rung nur noch zwi­schen 2 bis 3 %. Wird zusätz­lich die Peri­phe­rie ver­bes­sert, kön­nen wei­te­re 5 bis 12 % ein­ge­spart wer­den. Da laut BDH (2015) rd. 70 % der Gas- und Ölkes­sel im Bestand kei­ne Brenn­wert­kes­sel sind, wer­den die End­ener­gie­ein­spa­run­gen mit 10 % für den Kes­sel­tausch und zusätz­li­chen 5 % für die Peri­phe­rie­ver­bes­se­rung ange­nom­men.

Zusätz­lich zu den Ein­spa­run­gen, die sich durch den Kes­sel­tausch erge­ben, wer­den für das Refe­renz­ge­bäu­de und alle Erfül­lungs­op­tio­nen die ent­spre­chen­den ver­mie­de­nen CO2-Emis­sio­nen je Ver­pflich­tungs­fall ermit­telt. Für die Berech­nung der Treib­haus­gas­emis­sio­nen wer­den die Emis­si­ons­fak­to­ren nach Ver­ur­sa­cher­prin­zip mit Vor­ket­te zu Grun­de gelegt, auf­ge­lis­tet in Tabel­le 14–7. Wenn nach­fol­gend nicht anders ange­führt, wer­den für den CO2-Ver­mei­dungs­fak­tor vor dem Kes­sel­tausch der nach Ener­gie­trä­ger­ein­satz gewich­te­tet Fak­tor in Baden-Würt­tem­berg her­an­ge­zo­gen, der im Jahr 2010 bei 254 g CO2,äq./kWh lag6. Die­ser CO2-Fak­tor wird auch her­an­ge­zo­gen, wenn nach dem Kes­sel­tausch kei­ne Infor­ma­ti­on über das pri­mä­re Hei­zungs­sys­tem bekannt ist, was bei­spiels­wei­se beim Ein­satz von Solar­ther­mie oder der Däm­mung des Gebäu­des auf­tritt.

  • Solar­ther­mie: Im Fal­le der Instal­la­ti­on einer Solar­ther­mie­an­la­ge wird die zur Pflicht­er­fül­lung not­wen­di­ge Kol­lek­tor­flä­che in Höhe von 0,04 m2 Aper­tur­flä­che pro m2 Wohn­flä­che bis zur Novel­lie­rung des EWär­meG bzw. 0,07 m2 pro m2 Wohn­flä­che seit dem zwei­ten Halb­jahr 2015 her­an­ge­zo­gen und ein jähr­li­cher durch­schnitt­li­cher Ertrag in Höhe von 275 kWh/m2 Aper­tur­flä­che zugrun­de gelegt7.
  • Fes­te Bio­mas­se: Beim Ein­satz von fes­ter Bio­mas­se muss unter­schie­den wer­den, ob es sich um eine Holz­zen­tral­hei­zung bzw. Ein­zel­raum­feue­rung han­delt. Bei Holz­zen­tral­hei­zung wird beim Tausch des alten Hei­ungs­kes­sel durch eine Holz­zen­tral­hei­zung mit einem Wir­kungs­grad von 80 % gerech­net. Bei der Ein­zel­raum­feue­rung ist eine über­wie­gen­de Behei­zung8 von 25 % (EWär­meG alt) bzw. 30 % (EWär­meG neu) erfor­der­lich. Die jewei­li­gen Ein­spa­run­gen wer­den mit der antei­li­gen Häu­fig­keit mul­ti­pli­ziert (60 % Ein­zel­raum­feue­rung und 40 % Holz­zen­tral­hei­zung).
  • Wär­me­pum­pe: Bei der Quan­ti­fi­zie­rung der Ein­spa­rung auf­grund des Ein­sat­zes von strom­be­trie­be­nen Wär­me­pum­pen wird davon aus­ge­gan­gen, dass die Wär­me­pum­pe 100 % des Wär­me­be­darfs abdeckt und die gefor­der­te Jah­res­ar­beits­zahl von 3,5 für die Berech­nung ver­wen­det9. Die zugrun­de­lie­gen­den Emis­si­ons­fak­to­ren für Strom betra­gen 567 g CO2,äq./kWh.
  • Bio­gas und Bio­öl: Beim Ein­satz von Bio­gas und Bio­öl wer­den aus­schließ­lich jene Ein­spa­run­gen dem EWär­meG zuge­rech­net, die durch den Ein­satz des Brenn­stof­fes anfal­len. Dabei wird von der gefor­der­ten 10 % Bei­mi­schung aus­ge­gan­gen. Die Ein­spa­run­gen auf­grund des Tau­sches des alten Kes­sels durch einen effi­zi­en­te­ren Kes­sel wird wie bei den ande­ren Erfül­lungs­op­tio­nen und Ersatz­maß­nah­men ver­nach­läs­sigt, da sie auch ohne EWär­meG rea­li­siert wor­den wären. Im Unter­schied zu den ande­ren Erfül­lungs­op­tio­nen wird hier davon aus­ge­gan­gen, dass beim Ein­satz von Bio­gas vor­her ein Gas­kes­sel in Betrieb war und bei Ein­satz von Bio­öl ein Ölkes­sel ver­wen­det wur­de, wes­we­gen die Emis­si­ons­fak­to­ren von Gas und Öl anstatt des baden-würt­tem­ber­gi­schen Mix für die Quan­ti­fi­zie­rung her­an­ge­zo­gen wer­den. (240 g/kWh CO2,äq. bzw. 310 g/kWh CO2,äq.)

- Bau­li­cher Wär­me­schutz: Um Däm­mung als Erfül­lungs­op­ti­on anrech­nen zu kön­nen, müs­sen die ein­zel­nen Kom­po­nen­ten um min­des­tens 20 % bes­ser gedämmt sein als die Ener­gie­ein­spar­ver­ord­nung (EnEV 2013) das für Bestands­ge­bäu­de for­dert. Die dadurch resul­tie­ren­den Anfor­de­run­gen an die U‑Werte der ein­zel­nen Bau­tei­le flie­ßen in das Excel Tool EnEV-XL von IWU (2015b) ein, mit dem die resul­tie­ren­den Nut­z­en­er­gie­ein­spa­run­gen berech­net wer­den:

  1. Däm­mung der Dach­flä­chen: 16 % Nut­z­en­er­gie­ein­spa­rung
  2. Däm­mung der Außen­wän­de: 27 % Nut­z­en­er­gie­ein­spa­rung
  3. Däm­mung der Kel­ler­de­cke: 10 % Nut­z­en­er­gie­ein­spa­rung
  4. Däm­mung gesam­tes Gebäu­de: 34 % Nut­z­en­er­gie­ein­spa­rung10


Die zugrun­de lie­gen­den Annah­men hin­sicht­lich U‑Werte vor und nach der Sanie­rung sind im Anhang im Abschnitt 14.10 dar­ge­stellt.

- Pho­to­vol­ta­ik und hoch­ef­fi­zi­en­te KWK: Im Fal­le der Instal­la­ti­on einer die­ser bei­den Tech­no­lo­gien wird der ent­spre­chend bereit­ge­stell­te Strom in der Bewer­tung berück­sich­tigt. Die Anla­gen­leis­tung einer Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge muss min­des­tens 0,02 kWp pro m2 Wohn­flä­che betra­gen, wobei in die­ser Aus­wer­tung ein Ertrag von 950 kWh/kWp ange­nom­men wird. Die Ein­spa­rung von hoch­ef­fi­zi­en­ten KWK Anla­gen wird ange­lehnt an detail­lier­te Berech­nun­gen mit dem Pro­gramm BHWK Plan in (IBZ 2012) mit 25 % der Treib­haus­gas­emis­sio­nen ange­nom­men. - Anschluss an Wär­me­netz: Wird die Opti­on der lei­tungs­ge­bun­de­nen Ver­sor­gung durch Wär­me­net­ze gewählt, wird ein Wir­kungs­grad von 90 % ange­nom­men und Emis­si­ons­fak­to­ren inklu­si­ve Vor­ket­te in Höhe von 198 g CO2,äq. /kWh in der Berech­nung berück­sich­tigt. - Sanie­rungs­fahr­plan: Die zusätz­li­chen Ein­spa­run­gen infol­ge des Sanie­rungs­fahr­plans wer­den auf Basis der 2300 geför­der­ten Sanie­rungs­fahr­plä­ne quan­ti­fi­ziert. Die zugrun­de­lie­gen­de Dar­stel­lung in Kapi­tel 9.2 wird dahin­ge­hend ange­passt, dass die Ein­spa­rung auf­grund der Nut­zung von Erneu­er­ba­ren und der hydrau­li­sche Abgleich nicht dem EWär­meG als Effekt attri­bu­iert wird, da der Kes­sel­tausch als Aus­lö­se­tat­be­stand ohne­hin schon aus­ge­führt wur­de. Dem­nach redu­zie­ren sich die durch den Sanie­rungs­fahr­plan zusätz­lich aus­ge­lös­te Reduk­ti­on der THG-Emis­sio­nen auf 0,31 t CO2,äq. pro Ver­pflich­tungs­fall. - Mix an Erfül­lungs­op­tio­nen: Mit der Novel­lie­rung des EWär­meG sind Kom­bi­na­tio­nen aus Erfül­lungs­op­tio­nen mög­lich bzw. not­wen­dig. Die häu­figst gewähl­te Kom­bi­na­ti­on ergibt sich durch den Ein­satz von Bio­öl bzw. Bio­gas zusam­men mit der Aus­stel­lung eines Sanie­rungs­fahr­plans (sie­he Abbil­dung 3–8). Hin­sicht­lich der THG-Ein­spa­run­gen wer­den in die­sem Fall die gesam­ten Ein­spa­run­gen bei­der Kom­bi­na­tio­nen ange­setzt. Für die rest­li­chen Kom­bi­na­tio­nen (rd. 10 bis 11 % seit 2015) wer­den die häu­figs­ten Kom­bi­na­tio­nen bestimmt (sie­he Abbil­dung 3–8) und deren Ein­spa­run­gen antei­lig quan­ti­fi­ziert. Als Ein­spa­rung je Erfül­lungs­kom­bi­na­ti­on wird anschlie­ßend deren Mit­tel­wert her­an­ge­zo­gen. Berück­sich­ti­gung der Erkennt­nis­se aus der Brei­ten­be­fra­gung und Sze­na­ri­en


Die Brei­ten­be­fra­gung von Haus­ei­gen­tü­mern, die ab Mit­te 2015 zur Ein­hal­tung des EWär­meG ver­pflich­tet waren, lie­fert auch Anhalts­punk­te bezüg­lich der Ein­schät­zung der Antei­le bereits vor­han­de­ner Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men (Pho­to­vol­ta­ik, Solar­ther­mie, Bio­mas­se, Wär­me­pum­pen und Gebäu­de­däm­mung), eben­so wie zu jenen Fäl­len, bei denen die Wahl der Erfül­lungs­op­ti­on nicht durch das EWär­meG indu­ziert wur­de (im Fol­gen­den Ohne­hin-Maß­nah­me genannt).

Wäh­rend nach vor­han­de­ner Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge und Gebäu­de­däm­mung vor dem Aus­lö­se­tat­be­stan­des des Kes­sel­tau­sches expli­zit gefragt wur­de, kön­nen die Infor­ma­tio­nen bezüg­lich bereits vor­han­de­ner Solar­ther­mie­an­la­gen, Wär­me­pum­pen und fes­ter Bio­mas­se aus den Befra­gun­gen durch einen Ver­gleich der vor und nach dem Kes­sel­tausch ein­ge­setz­ten Anla­gen zu Heiz­zwe­cken abge­lei­tet wer­den (sie­he hier­zu Abbil­dung 5–6 und nach­fol­gen­de Erläu­te­run­gen). Dem­nach sag­ten 66 %, die eine Pho­to­vol­ta­ik instal­liert haben, dass sie die Anla­ge bereits im Vor­feld besa­ßen, und auch bei 75 % der gemel­de­ten Gebäu­de­däm­mun­gen war die Däm­mung bereits vor­han­den.

Ange­sichts der unsi­che­ren Daten­la­gen und der Tat­sa­che, dass einer­seits nur Haus­ei­gen­tü­mer befragt wur­den und ander­seits ein unbe­kann­ter Anteil der Ver­pflich­te­ten die Maß­nah­men auch bewusst im Vor­griff auf das EWär­meG durch­ge­führt haben, wer­den drei Sze­na­ri­en berück­sich­tigt: Neben der posi­ti­ven Abschät­zung, in der ange­nom­men wird, dass alle gemel­de­ten Erfül­lungs­op­tio­nen, die auf die Ver­pflich­tungs­fäl­le hoch­ge­rech­net wer­den, direkt durch das EWär­meG indu­ziert wur­den, wird in einer kon­ser­va­ti­ven Betrach­tung ange­nom­men, dass die Anla­gen, die laut Ergeb­nis der Bevöl­ke­rungs­be­fra­gung nicht durch das EWär­meG indu­ziert wur­den, in kei­ner Wei­se dem EWär­meG zuge­ord­net wer­den kön­nen. Als drit­te Opti­on wird anschlie­ßend die THG-Ein­spa­rung auf­grund der Annah­me berech­net, dass jeweils 50 % der Effek­te der als bereits vor­han­den gemel­de­ten Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men als Vor­griffs­maß­nah­men in Erwar­tung einer zukünf­ti­gen Nut­zungs­pflicht dem EWär­meG zuge­schrie­ben wer­den.

Auf die zusätz­li­che Fra­ge, war­um das EWär­meG kei­nen Ein­fluss auf das gewähl­te Hei­zungs­sys­tem gehabt haben, ant­wor­te­ten 48 % der Haus­ei­gen­tü­mer, dass sie „sowie­so die­se Hei­zungs­tech­nik wäh­len woll­ten“ (sie­he Abbil­dung 5–9). Da hier even­tu­ell der Effekt der sozia­len Erwünschtheit bzw. einer Ant­wort­ten­denz hin zu sozi­al akzep­tier­ten und aner­kann­ten Aus­sa­gen auf­tre­ten kann, wird auch hier in einer mitt­le­ren Abschät­zung ange­nom­men, dass 50 % die­ser Ein­spa­run­gen nicht direkt durch das EWär­meG indu­ziert wur­de. Die­ses Sze­na­rio wird wie­der­um in eine unte­re und obe­re Abschät­zung ein­ge­bet­tet, bei der ana­log zum vor­he­ri­gen Fall vor­ge­gan­gen wird.

11.1.3 Ergebnisse

In die­sem Kapi­tel wer­den die Ein­spa­run­gen seit Inkraft­tre­ten des EWär­meG quan­ti­fi­ziert. Ver­schie­de­ne Unsi­cher­heits­fak­to­ren, wie u.a. die Dis­kre­panz der Fall­zah­len oder die tat­säch­lich gewähl­ten Erfül­lungs­op­tio­nen erlau­ben nur eine nähe­rungs­wei­se Beschrei­bung des tat­säch­li­chen Effekts. Die ein­zel­nen Effek­te wer­den im Fol­gen­den schritt­wei­se dar­ge­stellt, um so das Ver­ständ­nis für die Unsi­cher­hei­ten zu erleich­tern und dadurch eine abschlie­ßen­de Bewer­tung zu ermög­li­chen.

Tabelle: Übersicht EWärmeG

Tabel­le 11–2: Anzahl der Ver­pflich­tungs­fäl­le seit Inkraft­tre­ten des EWär­meG, Treib­haus­gas­ein­spa­rung je Erfül­lungs­op­ti­on sowie resul­tie-ren­den addiert jähr­li­chen Ein­spa­run­gen im Jahr 2017 für Maß­nah­men im Zeit­raum von 2010 bis 2017 je Erfül­lungs­op­ti­on. Dar­ge­stellt sind drei Vari­an­ten, die sich hin­sicht­lich der berück­sich­ti­gen Antei­le bereits vor­han­de­ner Anla­gen bzw. Ersatz­maß­nah­men und bezüg­lich der von den Gebäu­de­ei­gen­tü­mern ohne­hin ange­dach­ten Maß­nah­men unter­schei­den.

Die Ergeb­nis­se hin­sicht­lich der Ein­spa­rung der ein­zel­nen Erfül­lungs­op­tio­nen unter Berück­sich­ti­gung der hoch­ge­rech­ne­ten Ver­pflich­tungs­fäl­le im Zeit­raum von 2010 bis 2017 sind in Tabel­le 11–2 ange­führt. Dabei sind die THG-Ein­spa­run­gen auf­grund des Ein­sat­zes von erneu­er­ba­ren Ener­gie und Ersatz­maß­nah­men je Ver­pflich­tungs­fall ange­führt. Die unte­re, mitt­le­re und obe­re Abschät­zung unter­schei­det sich hin­sicht­lich der Annah­men der bereits vor­han­de­nen Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men sowie der von den Ver­pflich­te­ten ohne­hin ange­dach­ten Maß­nah­men11. In die­ser Bewer­tung sind noch kei­ne Vor­zieh­ef­fek­te und Effek­te des Atten­tis­mus berück­sich­tigt. In den nach­fol­gen­den Kapi­teln wer­den die Aus­wer­tun­gen auf Basis der mitt­le­ren und obe­ren Abschät­zung durch­ge­führt.

Ein­spa­rung auf­grund des Ein­sat­zes von Erneu­er­ba­ren und Ersatz­maß­nah­men Die Treib­haus­gas­ein­spa­rung für die Raum­wär­me und Trink­warm­was­ser­be­reit­stel­lung im Gebäu­de­be­stand auf­grund des Ein­sat­zes von Erneu­er­ba­ren und Ersatz­maß­nah­men ergibt sich durch die Mul­ti­pli­ka­ti­on der jewei­li­gen Fall­zah­len der ein­zel­nen Erfül­lungs­op­tio­nen mit den Ein­spa­run­gen je Erfül­lungs­op­ti­on. Die jähr­li­chen addier­ten Ein­spa­run­gen wer­den ab dem Zeit­punkt des Auf­tre­tens für den gesam­ten Eva­lu­ie­rungs­zeit­raum von 2010 bis 2017 berück­sich­tigt und dem­entspre­chend addiert. Die dar­aus resul­tie­ren­den jähr­lich addier­ten Ein­spa­run­gen im Jahr 2017 auf­grund des Ein­sat­zes von Erneu­er­ba­ren und Ersatz­maß­nah­men im Zeit­raum zwi­schen 2010 und 2017 erge­ben 408 kt CO2,äq. ver­mie­de­ne Treib­haus­gas­emis­sio­nen im Jahr 2017. Im Ver­gleich zu den gesam­ten Emis­sio­nen für die Raum­wär­me- und Trink­warm­was­ser­be­reit­stel­lung des Wohn­ge­bäu­de­be­stands in Baden-Würt­tem­berg in Höhe von 15.125 kt CO2,äq.12 im Jahr 2017 ent­spricht dies rund 2,7 %. Bezo­gen auf die Gesamt­emis­sio­nen der Ver­pflich­tungs­fäl­le wird eine Ein­spa­rung in Höhe von rd. 16 % erzielt13.

Die jähr­li­chen Ein­spa­run­gen zwi­schen 2010 und 2017 sind in Abbil­dung 11–3 dar­ge­stellt. Eine Erhö­hung der Ein­spa­run­gen mit der Novel­lie­rung über 50 % im Ver­gleich zum Durschnitt der Jah­re 2010 bis 1. Halb­jahr 2015 ist ersicht­lich. Der Grund liegt in der stei­gen­den Bedeu­tung von Bio­mas­se, wel­che im 2. Halb­jahr 2015 bei 27 % der gemel­de­ten Fäl­le ange­ge­ben wur­de.

Auch vor der Novel­lie­rung des EWär­meG im Jahr 2015 ist trotz der stei­gen­den Bedeu­tung von Bio­gas zwi­schen 2014 und ers­tem Halb­jahr 2015 ein Anstieg der jähr­lich ver­mie­de­nen Treib­haus­gas­emis­sio­nen ersicht­lich. Die­ser ist im Wesent­li­chen auf die stei­gen­de Anzahl der Ver­pflich­tungs­fäl­le zurück­zu­füh­ren ist, Details hier­zu in Abbil­dung 3–1.

Diagramm: Die jährlichen Treibhausgaseinsparungen aufgrund des Einsatzes von erneuerbaren Energien und Ersatzmaßnahmen

Abbil­dung 11–3: Die jähr­li­chen Treib­haus­gas­ein­spa­run­gen auf­grund des Ein­sat­zes von erneu­er­ba­ren Ener­gien und Ersatz­maß­nah­men. (*Die Ver­pflich­tungs­fäl­le für das Jahr 2017 auf Basis des Jah­res 2016 abge­schätzt)

Eine Berück­sich­ti­gung der bereits vor dem Kes­sel­tausch vor­han­de­nen Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men, sowie jene Fäl­le, bei denen die Wahl der Erfül­lungs­op­ti­on nicht durch das EWär­meG indu­ziert wur­de, redu­ziert die jähr­lich addier­ten Ein­spa­run­gen des Jah­res 2017 auf 272 kt CO2,äq., was immer noch 1,8 % der Gesamt­emis­sio­nen des Wohn­ge­bäu­de­be­stands Baden-Würt­tem­berg im Jahr 2017 bzw. rd. 11 % der Emis­sio­nen der Ver­pflich­tungs­fäl­le vor dem Kes­sel­tausch ent­spricht.

Vor­zieh­ef­fek­te und Atten­tis­mus

Für die Abschät­zung der Aus­wir­kun­gen von Vor­zieh­ef­fek­ten und Atten­tis­mus wer­den die aus der BDH-Markt­sta­tis­tik abge­lei­te­ten Moder­ni­sie­rungs­ra­ten für Baden-Würt­tem­berg und den Bund her­an­ge­zo­gen (sie­he Abbil­dung 4–21). Dies ist eine Ver­ein­fa­chung, weil markt­struk­tu­rel­le Grün­de (z. B. die Alters­struk­tur der Kes­sel) grund­sätz­lich auch zu einer ande­ren Sanie­rungs­ra­te füh­ren könn­ten. Die Dar­stel­lung zeigt, dass vor Inkraft­tre­ten des Geset­zes im Jahr 2010 die Moder­ni­sie­rungs­ra­te in Baden-Würt­tem­berg höher war als jene im Bund (Vor­zieh­ef­fekt). Seit 2010 über­steigt die Moder­ni­sie­rungs­ra­te des Bun­des jene in Baden-Würt­tem­berg leicht, mit einem Auf­ho­len im Jahr 2014 und einem erneu­ten, leich­ten Rück­gang gegen Ende der Zeit­pe­ri­ode (Atten­tis­mus)14.

Sowohl die Vor­zieh­ef­fek­te als auch die Effek­te des Atten­tis­mus wer­den für drei Jah­re berück­sich­tigt. Dabei liegt die Annah­me zu Grun­de, dass der Kes­sel­tausch im Zeit­ver­lauf ohne­hin auf­ge­tre­ten wäre und sich des­we­gen im Zeit­ver­lauf rela­ti­viert, eben­so wie die nega­ti­ven Effek­te auf­grund des Atten­tis­mus im Zeit­ver­lauf durch einen spä­ter not­wen­di­gen Tausch des Heiz­sys­tems begrenzt wer­den. Abbil­dung 11–4 zeigt die Ent­wick­lung der Ein­spa­run­gen bzw. ent­gan­ge­nen Ein­spa­run­gen im Ver­gleich zu den abso­lu­ten Ein­spa­run­gen auf­grund des Ein­sat­zes von Erneu­er­ba­ren und Ersatz­maß­nah­men auf. Redu­ziert man die kumu­lier­te Treib­haus­gas­ein­spa­rung im Jahr 2017 in Höhe von 408 kt CO2,äq. um die im Zeit­ver­lauf ent­gan­ge­nen Ein­spa­run­gen in Höhe von 48 kt CO2,äq. redu­ziert sich die Ein­spa­rung auf 360 kt CO2,äq., was immer noch rd. 2,4 % der Treib­haus­gas­emis­sio­nen des Wohn­ge­bäu­de­be­stands im Jahr 2017 ent­spricht, sowie rd. 14 % der Emis­sio­nen der Ver­pflich­tungs­fäl­le vor dem Kes­sel­tausch. Dies zeigt, dass die ent­gan­ge­ne Ein­spa­rung auf­grund der gemein­sa­men Betrach­tung von Vor­zieh­ef­fek­ten und Atten­tis­mus seit Inkraft­tre­ten des Geset­zes bis 2017 die Effek­te des EWär­meG um weni­ger als 12 % ein­schrän­ken.

Diagramm: Vorzieheffekte und Attetismus im EWärmeG

Abbil­dung 11–4: Ein­spa­rung auf­grund des Ein­sat­zes von Erneu­er­ba­ren und Ersatz­maß­nah­men sowie Vor­zieh­ef­fek­te und Aus­wir­kung des ver­zö­ger­ten Kes­sel­tau­sches (Atten­tis­mus)

Gesamt­ergeb­nis Wohn­ge­bäu­de­be­stand

Die simul­ta­ne Berück­sich­ti­gung der in den vor­he­ri­gen Abschnit­ten beschrie­be­nen Effek­te ist in Abbil­dung 11–5 dar­ge­stellt. In der durch­ge­führ­ten mitt­le­ren Abschät­zung resul­tie­ren die Treib­haus­gas­ein­spa­run­gen im gesam­ten Zeit­raum, die direkt vom Erneu­er­ba­ren-Wär­me-Gesetz indu­ziert wur­den, in einer auf­ad­dier­ten jähr­li­chen Ein­spa­rung von 224 kt CO2,äq. im Jahr 2017. Dabei wur­den sowohl die Vor­zieh­ef­fek­te, die ent­gan­ge­nen Ein­spa­run­gen auf­grund des ver­zö­ger­ten Heiz­kes­sel­tau­sches (Atten­tis­mus) als auch die bereits vor­han­de­nen Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men sowie die Ein­spa­rung jener Anla­gen berück­sich­tigt, die die Gebäu­de­ei­gen­tü­mer ohne­hin instal­lie­ren woll­ten. Dies ent­spricht 1,5 % der gesam­ten Treib­haus­gas­emis­sio­nen des baden-würt­tem­ber­gi­schen Wohn­ge­bäu­de­be­stands für die Auf­brin­gung von Raum­wär­me- und Trink­warm­was­ser­be­reit­stel­lung bzw. rd. 9 % der Emis­sio­nen der Ver­pflich­tungs­fäl­le vor dem Hei­zungs­tausch.

Diagramm: Wirkung des EWärmeG - Wohngebäude

Abbil­dung 11–5: Wir­kung des EWär­meG unter Berück­sich­ti­gung der Vor­zieh­ef­fek­te und Effek­te des Atten­tis­mus, der bereits vor der Erneue­rung vor­han­de­nen Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men und jenen Anla­gen, die ohne­hin instal­liert wor­den wären und dadurch nicht durch das EWär­meG indu­ziert wur­den.

Ver­gleich mit Eva­lu­ie­rung aus dem Jahr 2011

Im Jahr 2011 wur­de bereits eine Eva­lu­ie­rung des EWär­meG durch­ge­führt und die CO2-Min­de­rungs­ef­fek­te durch die Umset­zung des EWär­meG berech­net (Minis­te­ri­um für Umwelt, Kli­ma und Ener­gie­wirt­schaft Baden-Würt­tem­berg 2011). Sowohl 2011 als auch in der vor­lie­gen­den Ana­ly­se wur­den die erfass­ten Ver­pflich­tungs­fäl­le mit Hil­fe von Infor­ma­tio­nen zu Hei­zungs­tausch­maß­nah­men hoch­ska­liert. Wie auch in der vor­lie­gen­den Eva­lu­ie­rung wur­de ein reprä­sen­ta­ti­ves Refe­renz­ge­bäu­de ermit­telt und die Ein­spa­rung je Erfül­lungs­op­ti­on berech­net. Hier griff die vor­an­ge­gan­ge­ne Eva­lu­ie­rung teil­wei­se auf Infor­ma­tio­nen aus den gemel­de­ten Fäl­len zurück, wäh­rend in der vor­lie­gen­den Eva­lu­ie­rung die Ein­spa­run­gen anhand der Anfor­de­run­gen zur Erfül­lung des EWär­meG berech­net wur­den.

Auf­grund der durch­ge­führ­ten Brei­ten­be­fra­gung in der Bevöl­ke­rung kann die vor­lie­gen­de Ana­ly­se noch um zusätz­li­che Aspek­te erwei­tert wer­den: Einer­seits kön­nen Infor­ma­tio­nen hin­sicht­lich bereits vor­han­de­ner Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men vor dem Kes­sel­tausch abge­lei­tet wer­den. Ande­rer­seits lie­fert die Brei­ten­be­fra­gung empi­ri­sche Infor­ma­tio­nen hin­sicht­lich der direkt durch das EWär­meG indu­zier­ten Wir­kung. Obwohl mehr als 500 Haus­ei­gen­tü­mer befragt wur­den, die im Zuge eines Kes­sel­tauschs ab Mit­te 2015 zur Ein­hal­tung des EWär­meG ver­pflich­tet waren, kön­nen die Ergeb­nis­se nicht unein­ge­schränkt auf die gesam­ten Ver­pflich­tungs­fäl­le seit 2010 umge­legt wer­den: Einer­seits wur­den bei die­ser Befra­gung aus­schließ­lich Haus­ei­gen­tü­mer befragt und ande­rer­seits lie­gen kei­ne kon­kre­ten Infor­ma­tio­nen jener Ver­pflich­tungs­fäl­le vor, die vor der Novel­lie­rung zum Ein­satz Erneu­er­ba­rer ver­pflich­tet waren.

In der Eva­lu­ie­rung aus dem Jahr 2011 wur­den für den Wohn­ge­bäu­de­be­stand Ein­spa­run­gen für das Jahr 2010 in Höhe rd. 27 kt CO2,äq. quan­ti­fi­ziert. In der vor­lie­gen­den Eva­lu­ie­rung wur­den mit den aktua­li­sier­ten Daten jähr­li­che Ein­spa­run­gen auf­grund des Ein­sat­zes von Erneu­er­ba­ren und Ersatz­maß­nah­men in Höhe von rd. 38 kt CO2,äq. ermit­telt. Die höhe­ren Ein­spa­run­gen in der vor­lie­gen­den Stu­die lie­gen vor allem in der höhe­ren Anzahl der Ver­pflich­tungs­fäl­le. Wäh­rend in der vor­an­ge­gan­ge­nen Eva­lu­ie­rung im Jahr 2010 von rd. 25.700 Ver­pflich­tungs­fäl­len aus­ge­gan­gen wur­de, wird in der vor­lie­gen­den Ana­ly­se von rd. 30.000 Ver­pflich­tungs­fäl­len aus­ge­gan­gen. Die­se höhe­ren Ver­pflich­tungs­fäl­le las­sen sich durch die BDH-Zah­len erwei­tert um Fern­wär­me­an­schlüs­se ablei­ten (Details hier­zu in Kapi­tel 3.1.1).Hinsichtlich des durch­schnitt­li­chen Ver­mei­dungs­fak­tors je Gebäu­de unter­schei­den sich die bei­den Eva­lu­ie­run­gen kaum – so liegt der aus­ge­wie­se­ne Wert für den Bestand in der vor­an­ge­gan­ge­nen Eva­lu­ie­rung bei 1,27 t CO2,äq. und der Mit­tel­wert in die­ser Eva­lu­ie­rung für die Jah­re 2010 bis 2015 bei 1,29 t CO2,äq., je Ver­pflich­tungs­fall.

Nichtwohngebäude

11.2.1 Vorgehensweise

Das Vor­ge­hen für Nicht­wohn­ge­bäu­de folgt grund­sätz­lich dem in Kapi­tel 11.1.1 ent­wi­ckel­ten Ansatz für Wohn­ge­bäu­de. Auf­grund der all­ge­mein schwie­ri­ge­ren Daten­ver­füg­bar­keit für Nicht­wohn­ge­bäu­de sowie der sehr stark diver­gie­ren­den Ein­spar­po­ten­zia­le für die ver­schie­de­nen Nicht­wohn­nut­zun­gen muss die Ana­ly­se ange­passt wer­den. Die wesent­li­chen Anpas­sun­gen sind fol­gen­de:

  • Das Refe­renz­ge­bäu­de wird durch die im Kapi­tel 7 beschrie­be­nen vier der fünf typi­schen Bei­spiel­ge­bäu­de defi­niert. Da Pro­duk­ti­ons­hal­len nicht vom EWär­meG betrof­fen sind, wer­den die­se aus­ge­nom­men.
  • Auf­grund nicht vor­han­de­ner Sta­tis­ti­ken zu Moder­ni­sie­rung im Nicht­wohn­ge­bäu­de­be­stand kön­nen Vor­zieh­ef­fek­te und Effek­te des Atten­tis­mus nicht betrach­tet wer­den. Die Ana­ly­se für Wohn­ge­bäu­de hat jedoch gezeigt, dass die ent­gan­ge­ne Ein­spa­rung auf­grund der gemein­sa­men Betrach­tung von Vor­zieh­ef­fek­ten und Atten­tis­mus seit Inkraft­tre­ten des Geset­zes bis 2017 die Effek­te des EWär­meG um weni­ger als 15 % ver­rin­gern.
  • Da Infor­ma­tio­nen zu bereits vor­han­de­ner Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men eben­so feh­len wie Infor­ma­tio­nen zu bereits geplan­ten Maß­nah­men, die nicht durch das EWär­meG indu­ziert wur­den, aber als Erfül­lungs­op­tio­nen gemel­det wur­den, wer­den jenen Ergeb­nis­se der Bevöl­ke­rungs­be­fra­gung von Wohn­ge­bäu­den für die ein­zel­nen Erfül­lungs­op­tio­nen ver­wen­det.


Ins­ge­samt sind damit die Ein­spar­ef­fek­te bei NWG deut­lich unge­nau­er und eher als Grö­ßen­ord­nung denn als exak­te Zahl zu inter­pre­tie­ren.

11.2.2 Zugrundeliegende Daten und Annahmen

Fall­zah­len und Mix an Erfül­lungs­op­tio­nen

Der dem EWär­meG attri­bu­ier­te Ein­spar­ef­fekt hängt wesent­lich von den ent­spre­chen­den Fall­zah­len ab. Wie in Kapi­tel 3.1 detail­liert aus­ge­führt, zei­gen sich erheb­li­che Unter­schie­de in den ver­schie­de­nen Infor­ma­ti­ons­quel­len. Für Nicht­wohn­ge­bäu­de sind die abge­lei­te­ten jähr­li­chen Ver­pflich­tungs­fäl­le (11.000 NWG) um ein viel­fa­ches höher als die tat­säch­lich gemel­de­ten Fäl­le (rd. 300). Eben­so wie bei der Ana­ly­se der Ein­spa­run­gen bei Wohn­ge­bäu­den wer­den die abge­lei­te­ten Ver­pflich­tungs­fäl­le her­an­ge­zo­gen, da auch die­se einer jähr­li­chen Kes­sel­tauschra­te von 2,5 % ent­spre­chen und dadurch bereits eine durch­schnitt­li­che Anla­gen­le­bens­dau­er von 40 Jah­ren auf­tre­ten wür­de.

Der Mix an Erfül­lungs­op­tio­nen für Wohn­ge­bäu­de wird ent­spre­chend Abbil­dung 3–9 berück­sich­tigt.

Refe­renz­ge­bäu­de

Um ein Refe­renz­ge­bäu­de beschrei­ben zu kön­nen, wer­den die in Kapi­tel 7.1 beschrie­be­nen vier typi­schen Bei­spiel­ge­bäu­de die dem EWär­meG unter­lie­gen ent­spre­chen­den ihrer Häu­fig­keit im baden-würt­tem­ber­gi­schen Gebäu­de­be­stand gewich­tet. Da der Nicht­wohn­ge­bäu­de­be­stand nicht Teil der Zen­sus- und Mikro­zen­sus­er­he­bun­gen ist, kann er nicht in der glei­chen Qua­li­tät abge­bil­det wer­den wie der Wohn­ge­bäu­de­be­stand. Für die Hoch­rech­nung der Bei­spiel­ge­bäu­de wird dafür die GEMOD-Gebäu­de­da­ten­bank für Baden-Würt­tem­berg her­an­ge­zo­gen, die in Schmidt et al. (2017) auf Basis der der erstell­ten Daten­grund­la­ge für den Gebäu­de­be­reich in den Sek­to­ren Indus­trie und GHD (Öko-Insti­tut und ISI 2012) kali­briert wur­de. Die Gewich­tung der ent­spre­chen­den Bei­spiel­ge­bäu­de wird wie folgt durch­ge­führt: Büro 46 %, Markt 24 %, Kom­plex 23 % und Schu­le 7 %15.

Ein­spa­rung auf­grund Kes­sel­tausch und gewähl­ter Erfül­lungs­op­ti­on

Die Ein­spa­run­gen auf­grund des Kes­sel­tauschs und der gewähl­ten Erfül­lungs­op­tio­nen kön­nen den der Ana­ly­se zugrun­de­lie­gen­den Bei­spiel­ge­bäu­de Kapi­tel 7.1 und Anhang 14.7 ent­nom­men wer­den.

Die Quan­ti­fi­zie­rung der Ein­spa­rung auf­grund des Ein­sat­zes von Erneu­er­ba­ren oder Ersatz­maß­nah­men erfor­dert auch Annah­men über den End­ener­gie­ver­brauch nach dem Kes­sel­tausch für eine Refe­renz­an­la­ge. Hier­für wer­den sowohl die Wer­te für End­ener­gie nach dem Kes­sel­tausch als auch die Wer­te für End­ener­gie nach Ein­satz der jewei­li­gen Erfül­lungs­op­ti­on mit den jewei­li­gen Antei­len am Ener­gie­trä­ger­mix für Nicht­wohn­ge­bäu­de in Baden-Würt­tem­berg mul­ti­pli­ziert (31 % Öl, 69 % Gas, nor­miert auf 100 %).

Bei allen Bei­spiel­ge­bäu­den liegt die Nenn­wär­me­leis­tung über 50 kW, wes­we­gen Bio­gas und Bio­öl nicht als Opti­on berück­sich­tigt wur­de. Da der Anteil an Bio­gas und Bio­öl am Erfül­lungs­mix der ein­ge­tra­ge­nen Nach­wei­se bei den unte­ren Bau­rechts­be­hör­den für Nicht­wohn­ge­bäu­de unter 5 % liegt, ist auf­grund die­ser Annah­me kei­ne ein­ge­schränk­te Aus­sa­ge­kraft der Ergeb­nis­se zu erwar­ten.

Seit der Aus­wei­tung des EWär­meG auf NWG wur­de der Sanie­rungs­fahr­plan von rund 28 % Ver­pflich­tungs­fäl­len als Erfül­lungs­op­ti­on ange­ge­ben. Die Ein­spa­run­gen auf­grund der Erstel­lung die­ses wird auf Basis der Befra­gung der Emp­fän­ger von Sanie­rungs­fahr­plä­nen in Nicht­wohn­ge­bäu­den abge­schätzt (sie­he Kapi­tel 8.7.2). Auf­grund der gerin­gen Gesamt­zahl lie­fern die Ant­wor­ten zur Maß­nah­men­um­set­zung nur Anhalts­punk­te bezüg­lich des Ein­spar­po­ten­zi­als. Die in Tabel­le 8–7 ange­führ­ten Anga­ben zu den umge­setz­ten und geplan­ten Maß­nah­men nach der Erstel­lung eines Sanie­rungs­fahr­plans wur­den ent­spre­chend deren Antei­len mit den durch­schnitt­li­chen Treib­haus­gas­ein­spa­run­gen des Refe­renz­ge­bäu­des gewich­tet. Ana­log zum Vor­ge­hen für Wohn­ge­bäu­de wur­de die Ein­spa­rung auf­grund des Kes­sel­tau­sches nicht als Effekt des EWär­meG inter­pre­tiert, da der Kes­sel­tausch als Aus­lö­se­tat­be­stand gilt und des­we­gen ohne­hin durch­ge­führt wur­de. Da die Effi­zi­enz­ein­spa­run­gen auf­grund der Opti­mie­rung der Beleuch­tung nicht als Erfül­lungs­op­ti­on des EWär­meG ange­rech­net wer­den kann, und somit kei­ne Ein­spar­po­ten­zia­le für die Bei­spiel­ge­bäu­de gerech­net wur­den, wer­den als resul­tie­ren­de Ein­spa­rung auf­grund der Opti­mie­rung der Beleuch­tung fol­gen­de Annah­men getrof­fen: Der Anteil der Beleuch­tung am gesam­ten End­ener­gie­ver­brauch beträgt 13,8 % (BMWi 2017), das Poten­zi­al zur Effi­zi­enz­stei­ge­rung beträgt zwi­schen 50 % und 70 % (Fraun­ho­fer IBP 2017)16.

11.2.3 Ergebnisse

Da das EWär­meG erst im zwei­ten Halb­jahr 2015 auf Nicht­wohn­ge­bäu­de aus­ge­wei­tet wur­de, wird die kumu­lier­te Treib­haus­gas­ein­spa­rung im Zeit­raum seit der Gül­tig­keit bis 2017 dar­ge­stellt. In der Abbil­dung 11–6 ist ersicht­lich, dass in den betrach­te­ten zwei­ein­halb Jah­ren Maß­nah­men mit einer Ein­spar­wir­kung von rund 246 kt CO2,äq. pro Jahr auf­grund des Ein­sat­zes von Erneu­er­ba­ren oder Ersatz­maß­nah­men ange­sto­ßen wur­den. Abzüg­lich der Ein­spa­rung auf­grund vor­han­de­ner Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men (31 kt CO2,äq..) und der Ohne­hin-Effek­te (59 kt CO2,äq.) ergibt sich eine Ein­spa­rung in Höhe von 156 kt CO2,äq., was 1,8 % der gesam­ten Treib­haus­gas­emis­sio­nen des Nicht­wohn­ge­bäu­de­be­stands ent­spricht (8.460 kt CO2,äq.17).

Diagramm: Effekt des EWärmeG

Abbil­dung 11–6: Wir­kung des EWär­meG für Nicht­wohn­ge­bäu­de unter Berück­sich­ti­gung der bereits vor der Erneue­rung vor­han­de­nen Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men und jenen Anla­gen, die ohne­hin instal­liert wor­den wären und dadurch nicht durch das EWär­meG indu-ziert wur­den.

Fazit

Die Ana­ly­se der Ein­spar­ef­fek­te bezüg­lich der Treib­haus­gas­emis­sio­nen zeigt, dass dem E‑WärmeG eine nen­nens­wer­te Wir­kung zuge­spro­chen wer­den kann. Sowohl in Wohn- als auch Nicht­wohn­ge­bäu­den konn­te trotz der Berück­sich­ti­gung von bereits vor­han­de­nen Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men und ohne­hin ange­dach­ten Erfül­lungs­op­tio­nen gezeigt wer­den, dass die Ein­spa­run­gen im Bereich von 1,5 % (Wohn­ge­bäu­de) bis 1,8 % (Nicht­wohn­ge­bäu­de) der anfal­len­den Treib­haus­gas­emis­sio­nen für die Bereit­stel­lung von Raum­wär­me und Trink­warm­was­ser des Wohn- bzw. Nicht­wohn­ge­bäu­de­be­stands lie­gen. Bei Wohn­ge­bäu­den zeigt sich eine Ein­spa­rung bezo­gen auf die Emis­sio­nen der Ver­pflich­tungs­fäl­le vor dem Aus­lö­se­tat­be­stand des Kes­sel­tauschs in Höhe von 9 %. Dabei ergibt sich die Schwan­kungs­brei­te vor allem durch die zugrun­de geleg­ten Annah­men bezüg­lich der Fall­zah­len. Im Wohn­ge­bäu­de­be­stand wer­den 36 % der Treib­haus­gas­ein­spa­run­gen auf­grund von fes­ter Bio­mas­se aus­ge­löst, gefolgt von Wär­me­pum­pen (20 %) und Solar­ther­mie (11 %). Im Nicht­wohn­ge­bäu­de­be­stand wer­den auch die meis­ten Treib­haus­gas­emis­sio­nen auf­grund des Ein­sat­zes von fes­ter Bio­mas­se ein­ge­spart (42 %), gefolgt vom Ein­satz hoch­ef­fi­zi­en­ter KWK (37 %) und der Maß­nah­men, die durch die Erstel­lung eines Sanie­rungs­fahr­plans aus­ge­löst wur­den (8 %).

Ins­ge­samt wei­sen die Berech­nun­gen eine Rei­he von Unsi­cher­hei­ten auf, die für NWG von deut­lich grö­ßer sind als für WG. Die Unsi­cher­hei­ten bestehen auf ver­schie­de­nen Ebe­nen:

  • Bereits die Zahl der erwar­te­ten Erfül­lungs­fäl­le weicht ins­be­son­de­re bei NWG deut­lich von den bis­lang gemel­de­ten Fäl­len ab.
  • Die Grö­ße und Art der Objek­te kann den Erfül­lungs­nach­wei­sen nicht ent­nom­men wer­den. Sie schwankt aber pro Objekt deut­lich stär­ker als die Ein­spa­rung in WG.
  • Des Wei­te­ren füh­ren die unter­schied­li­chen Nut­zun­gen zu deut­lich grö­ße­ren Schwan­kun­gen der spe­zi­fi­schen Ener­gie­ver­brauchs­kenn­wer­te bei NWG als bei WG. Da die Nicht­wohn­ge­bäu­de weder im Rah­men der Gebäu­de- und Woh­nungs­zäh­lung, noch im regel­mä­ßi­gen Mikro­zen­sus erho­ben wer­den, ist die Daten­qua­li­tät zur Beschrei­bung des Nicht­wohn­ge­bäu­de­be­stan­des gerin­ger als jene des Wohn­ge­bäu­de­be­stan­des. Ins­ge­samt kann die Quan­ti­fi­zie­rung aber gleich­wohl als robus­te Grö­ßen­ord­nung her­an­ge­zo­gen wer­den.

1Die Ein­spa­run­gen wer­den nur auf den Wohn­ge­bäu­de­be­stand bezo­gen. Die Ein­spa­run­gen, die sich auf­grund der Gül­tig­keit des Geset­zes für Neu­bau vor Inkraft­tre­ten des bun­des­weit gül­ti­gen EEWär­meG erga­ben, sind in die­ser Ana­ly­se aus­ge­nom­men.
2 Hier ist zu beach­ten, dass bei eini­gen der Ver­pflich­te­ten die Anla­gen und Ersatz­maß­nah­men im Vor­griff auf das EWär­meG durch­ge­führt wur­de.
3 Die Wär­me­durch­gangs­ko­ef­fi­zi­en­ten der Bau­tei­le ent­spre­chen weit­ge­hend der IWU-Gebäu­de­ty­po­lo­gie (IWU 2015a), wur­den jedoch teil­wei­se im Rah­men des Pro­jek­tes „Dämm­bar­keit des deut­schen Gebäu­de-bestands“ (Beuth Hoch­schu­le für Tech­nik 2015) durch Infor­ma­tio­nen aus ande­ren Quel­len ergänzt z.B. (Insti­tut für Bau­for­schung e.V. 1983), (Zen­trum für Umwelt­be­wuss­tes Bau­en e.V. 20019). Detail­lier­te Annah­men zu den U‑Werten fin­den sich im Anhang 14.10.
4 Die Kor­rek­tur von Bedarf auf Ver­brauch wird aus Basis von IWU (2015a) durch­ge­führt, wo Ver­brauchs- und Bedarfs­wer­te von 1800 Gebäu­den ver­gli­chen wur­den. Im Fol­gen­den wer­den der empi­risch kor­ri­gier­te Nut­z­en­er­gie­be­darf und End­ener­gie­be­darf jeweils als Nut­z­en­er­gie­ver­brauch bzw. End­ener­gie­ver­brauch bezeich­net, auch wenn es sich nicht um gemes­se­ne, son­dern kor­ri­gier­te Wer­te durch Bedarfs-Ver­brauchs-Abgleich han­delt. Die zugrun­de lie­gen­de Funk­ti­on ist in Abbil­dung 14–44 dar­ge­stellt.
5 Umge­rech­net von der Bezugs­grö­ße Wohn­flä­che auf die Bezugs­flä­che Gebäu­de­nutz­flä­che mit­tels Fak­tor 1,2.
6 Die Berech­nung berück­sich­tigt den Ener­gie­trä­ger­mix für die Raum­wär­me- und Trink­warm­was­ser­be­reit-stel­lung im baden-würt­tem­ber­gi­schen Wohn­ge­bäu­de­be­stand und die in Tabel­le 14–7 ange­führ­ten Emis­si­ons­fak­to­ren der ein­zel­nen Ener­gie­trä­ger. Dafür wird auf die GEMOD Daten­bank zuge­grif­fen, die im Rah­men des Pro­jekts „Ener­gie- und Kli­ma­schutz­zie­le 2030“ für Baden-Würt­tem­berg kali­briert wur­de (Schmidt et al. 2017).
7 In Nast (2012) wird mit einem Sys­tem­wär­me­er­trag einer Solar­an­la­ge mit Hei­zungs­un­ter­stüt­zung in Höhe von 275 kWh/m2 a gerech­net. Dadurch wird ein sola­rer Deckungs­an­teil von 15 % erreicht.
8 Über­wie­gend wird mit einem Anteil von 60 % inter­pre­tiert.
9 Jah­res­zah­len wer­den in der Pra­xis oft nur schwie­rig erreicht, wes­we­gen die berech­ne­ten THG-Ein­spa­run­gen je Ver­pflich­tungs­fall eine opti­mis­ti­sche Abschät­zung dar­stel­len.
10 Im Fal­le der Däm­mung der gesam­ten Gebäu­de­hül­le ist auf­grund des Refe­renz­ge­bäu­des erfor­der­lich, dass die Anfor­de­run­gen an den Trans­mis­si­ons­wär­me­ver­lust H’T in Anla­ge 1 Tabel­le 2 der Ener­gie­ein­spar-ver­ord­nung in der am 1. Mai 2014 gel­ten­den Fas­sung um nicht mehr als 40 % über­schrit­ten wer­den.
11 Details hier­zu fin­den sich im vor­her­ge­hen­den Abschnitt.
12 Quel­le: Gebäu­de­da­ten­bank GEMOD für Baden-Würt­tem­berg (Schmidt 2017).
13 36 MWh End­ener­gie­ver­brauch 272.000 Ver­pflich­tungs­fäl­le zwi­schen 2010 und 2017 254 g / kWh CO2,äq. = 2.487 kt CO2,äq.
14 Es wird hier erneut dar­auf ver­wie­sen, dass die Daten­la­ge zur Fra­ge der Ver­lang­sa­mung der Moder­ni­sie­rungs­ra­ten infol­ge des EWär­meG unzu­frie­den stel­lend ist. Auch die End­kun­den­be­fra­gung in Kapi­tel 5.1 gibt wenig Hin­wei­se auf einen Atten­tis­mus.
15 Wich­tig hier ist die Anmer­kung, dass die­se Ein­tei­lung nicht genau den Gebäu­de­be­stand in Baden-Würt­tem­berg reprä­sen­tie­ren kann und nur als gro­be Annä­he­rung zu inter­pre­tie­ren ist.
16https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Energie/energieeffizienz-in-zahlen.pdf?__blob=publicationFile&v=10 http://www.energieagentur.nrw/energieeffizienz/energieeffizienz-nach-branchen/energieeffizienz_in_buero_und_verwaltung
17Emis­sio­nen der Raum­wär­me- und Trink­warm­was­ser­be­reit­stel­lung des Nicht­wohn­ge­bäu­de­be­stands berech­net mit GEMOD auf Basis der Daten­bank des Pro­jek­tes „Ener­gie- und Kli­ma­schutz­zie­le 2030“ (Schmidt et al. 2017)

Umweltministerium BW logo

Handlungsempfehlungen

Die vor­an­ge­hen­de Eva­lu­ie­rung des EWär­meG hat gezeigt: das Gesetz führt zu einem zusätz­li­chen Aus­bau erneu­er­ba­rer Ener­gien, bringt mehr Ener­gie­be­ra­tung und stärkt die Gebäu­de­sa­nie­rung. Die­se Wir­kung ent­steht in der Sum­me unter­schied­li­cher Effek­te:

  • Es ver­mit­telt durch die expli­zi­ten Anfor­de­run­gen einen zusätz­li­chen direk­ten Aus­bau­an­reiz für erneu­er­ba­re Ener­gien und Ersatz­maß­nah­men.
  • Indi­rekt stärkt das Gesetz die Beschäf­ti­gung mit erneu­er­ba­ren Ener­gien sowohl im Bera­tungs­pro­zess bei Hei­zungs­bau­ern und Planern/Architekten als auch bei der Kauf­ent­schei­dung bei den End­kun­den. Auch zusätz­li­che Ener­gie­be­ra­tun­gen wer­den ange­reizt (Trig­ger­funk­ti­on).
  • Die Ein­spar­wir­kun­gen sind aller­dings nicht voll­stän­dig kau­sal dem EWär­meG zuzu­ord­nen. Ande­re Instru­men­te, wie För­der­pro­gram­me, EEG usw. sind eben­falls mit für die­se Markt­ent­wick­lung ver­ant­wort­lich. In ande­ren Fäl­len waren die Erfül­lungs­op­tio­nen auch schon vor dem Aus­lö­se­tat­be­stands des Kes­sel­tauschs exis­tent. Aber auch bei Berück­sich­ti­gung die­ser ander­wei­ti­gen Effek­te ver­bleibt eine posi­ti­ve Net­to­wir­kung des Geset­zes.
  • Ins­ge­samt wer­den durch das EWär­meG seit der Novel­lie­rung jähr­lich zusätz­lich 110.000 bis 170.000 t CO2,äq. ein­ge­spart (WG 50.000–70.000 t CO2,äq., NWG 60.000–100.000 t CO2 ‚äq.)1. Alle Wohn­ge­bäu­de, die unter die Nut­zungs­pflicht des EWär­meG fal­len, haben zusätz­lich 9 % bis 16 % der Emis­sio­nen im Ver­gleich zu jenen vor dem Hei­zungs­tausch ein­ge­spart.


Die Ein­spar- und Aus­bau­wir­kung des EWär­meG ist aller­dings noch nicht aus­rei­chend, um von einer ziel­kom­pa­ti­blen „Lan­des-Wär­me­wen­de“ zu spre­chen. In vie­len Fäl­len sind erneu­er­ba­re Ener­gien in der Wär­me­ver­sor­gung aus End­kun­den­sicht weni­ger wirt­schaft­lich als eine her­kömm­li­che Hei­zung mit fos­si­len Brenn­stof­fen – oder aber sie amor­ti­sie­ren sich nur län­ger­fris­tig nach anfäng­li­chen höhe­ren Inves­ti­ti­ons­kos­ten. Es ist eine Her­aus­for­de­rung, mit ord­nungs­recht­li­chen Bestim­mun­gen gegen die­se schwie­ri­ge Markt­si­tua­ti­on anzu­kom­men.

Es bedarf daher einer bun­des­po­li­ti­schen Flan­kie­rung, bes­ten­falls einer bun­des­wei­ten Eta­blie­rung ent­spre­chen­der Steue­rungs­in­stru­men­te. Zudem hat die Eva­lu­ie­rung gezeigt, dass es aktu­ell an eini­gen Stel­len deut­li­che Pro­ble­me mit dem Voll­zug des EWär­meG gibt.

Ins­ge­samt emp­feh­len die Gut­ach­ter eine Wei­ter­füh­rung des EWär­meG bei gleich­blei­ben­dem Ambi­ti­ons­grad. Wir­kungs­wei­se, Akzep­tanz und Voll­zug sol­len durch ein Bün­del an Ver­än­de­run­gen und Steue­rungs­in­stru­men­ten erhöht wer­den, die im Fol­gen­den – struk­tu­riert nach ver­schie­de­nen Hand­lungs­di­men­sio­nen – dar­ge­stellt wer­den sol­len. Zen­tral für die wirt­schaft­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen der erneu­er­ba­ren Wär­me ist eine signi­fi­kan­te, auf­kom­mens­neu­tra­le bun­des­wei­te CO2-Len­kungs­kom­po­nen­te. Es wird emp­foh­len, dass das Land Baden-Würt­tem­berg sich wei­ter­hin für eine der­ar­ti­ge Len­kungs­kom­po­nen­te ein­setzt.

Bun­des­po­li­ti­sche Ein­bet­tung des EWär­meG

Das EWär­meG kann sei­ne vol­le Wir­kung nicht ent­fal­ten, weil ver­schie­de­ne bun­des­po­li­ti­sche Rege­lun­gen dem ent­ge­gen­ste­hen. Ins­be­son­de­re sind Fol­gen­de zu nen­nen:

  1. Die ver­gleichs­wei­se nied­ri­gen Brenn­stoff­kos­ten für Heiz­öl (zumin­dest bis Mit­te 2018) und Erd­gas in Ver­bin­dung mit hohen Abga­ben beim Strom sor­gen dafür, dass die Wär­me-Voll­kos­ten von Ver­sor­gungs­op­tio­nen mit erneu­er­ba­ren Ener­gien oft­mals nicht die wirt­schaft­lichs­te Vari­an­te sind.
  2. Durch eine an den Kli­ma­scha­dens­kos­ten ori­en­tier­te, ggf. zeit­lich gestaf­fel­te CO2-Len­kungs­kom­po­nen­te für Heiz­stof­fe wür­de der Kos­ten-Brea­ke­ven für EE-Wär­me ver­scho­ben. Vor­schlä­ge für eine sol­che Aus­ge­stal­tung gibt es ver­schie­de­ne; eine sozi­al gerech­te, auf­kom­mens­neu­tra­le Aus­ge­stal­tung bei­spiels­wei­se durch Rück­ver­tei­lung an Haus­hal­te und Unter­neh­men oder durch eine Absen­kung der Strom­steu­er und EEG-Umla­ge ist mach­bar und wur­de auch durch das Umwelt­mi­nis­te­ri­um Baden-Würt­tem­berg in Dis­kus­si­on gebracht. Mit­tel­fris­tig ver­stärkt eine CO2-Len­kungs­ab­ga­be die Wir­kung des EWär­meG. Schluss­end­lich könn­te eine aus­rei­chend hohe CO2-Abga­be aber auch eine Nut­zungs­pflicht voll­stän­dig ablö­sen. Vor­aus­set­zung hier­für wäre aber ein dau­er­haf­ter und signi­fi­kan­ter Zah­lungs­im­puls, der > 100 €/t CO2 lie­gen müss­te.
  3. Die Kos­ten­si­tua­ti­on für EE-Wär­me wird auch dadurch ver­schärft, dass noch immer fos­si­le Heiz­kes­sel im Rah­men der KfW-För­de­rung geför­dert wer­den. Dadurch sinkt der För­der­im­puls des Markt­an­reiz­pro­gramms, der für EE-Wär­me-Tech­no­lo­gien gewährt wird.
  4. Eine Abschaf­fung der För­de­rung von Heiz­kes­seln mit fos­si­len Brenn­stof­fen wür­de die rela­ti­ve Kos­ten­si­tua­ti­on von EE-Wär­me dem­entspre­chend ver­bes­sern.
  5. Die unbe­ding­ten Nach­rüst­pflich­ten der gel­ten­den EnEV (§10) sehen vor, dass Heiz­kes­sel, die mit flüs­si­gen oder gas­för­mi­gen Brenn­stof­fen beschickt wer­den und älter als 30 Jah­re sind, nicht mehr betrie­ben wer­den dür­fen. Aller­dings sieht die EnEV eine Fül­le von Aus­nah­men vor. Bei­spiels­wei­se ent­fal­len die Nach­rüst­ver­pflich­tun­gen in Ein- und Zwei­fa­mi­li­en­häu­sern, wenn der Eigen­tü­mer min­des­tens seit dem 01. Febru­ar 2002 in dem Gebäu­de wohnt. Im Fal­le eines Eigen­tü­mer­wech­sels hat der neue Eigen­tü­mer zwei Jah­re Zeit, um die Ver­pflich­tun­gen zu erfül­len. Die Aus­tausch­pflicht beschränkt sich zudem auf Kon­stant­tem­pe­ra­tur­kes­sel.
  6. Eine Abschaf­fung bzw. Aus­dün­nung der Aus­nah­men wür­de dazu füh­ren, dass durch den ver­pflich­ten­den Aus­tausch nach 30 Jah­ren das EWär­meG de fac­to für alle älte­ren Kes­sel wirk­sam wür­de. Eine ent­spre­chen­de Repa­ra­tur bzw. ein Hin­aus­zö­gern des Kes­sel­tauschs wäre über die­sen Zeit­punkt hin­aus nicht mehr mög­lich. Auch die Rege­lun­gen der 1. BIm­schV sind dies­be­züg­lich ver­al­tet, weil sie eine Außer­be­trieb­nah­me von Heiz­kes­seln nur bei außer­or­dent­lich hohen Abgas­ver­lus­ten ver­lan­gen, die auch inef­fi­zi­en­te Kes­sel oft­mals unter­schrei­ten.
  7. Auch Wär­me­net­ze auf Basis fos­si­ler Ener­gie­trä­ger müs­sen einen Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess durch­lau­fen.
  8. Dafür sind geeig­ne­te bun­des­po­li­ti­sche Vor­aus­set­zun­gen zu schaf­fen, damit Wär­me­net­ze auch wei­ter­hin einen CO2-Vor­teil bie­ten; hier­zu gehö­ren Wei­ter­ent­wick­lun­gen bei der CO2-Beprei­sung in der Ener­gie­steu­er und im Emis­si­ons­han­del, Rechen­ver­fah­ren für zukünf­ti­ge Anfor­de­rungs­grö­ßen des Gebäu­de­en­er­gie­ge­set­zes, För­der­pro­gram­me für die EE-Trans­for­ma­ti­on, ggf. aber auch wei­te­re ord­nungs­recht­li­che Rand­be­din­gun­gen u. a. in Umset­zung der euro­päi­schen Erneu­er­ba­re-Ener­gien-Richt­li­nie.


Das Land kann die­se Rah­men­be­din­gun­gen nicht unmit­tel­bar ver­än­dern, son­dern nur mit­tel­bar in der poli­ti­schen Dis­kus­si­on und im Bun­des­rat adres­sie­ren.

Lan­des­po­li­ti­sche Ein­bet­tung des EWär­meG

  • Kom­mu­na­le Wär­me­pla­nung ist für eine vor­aus­schau­en­de Wär­me­pla­nung von beson­de­rer Bedeu­tung, da sie eine früh­zei­ti­ge Vor­be­rei­tung auf Hei­zungs- und Infra­struk­tur­ent­schei­dun­gen erlaubt. Sie soll­te daher flan­kie­rend ent­wi­ckelt wer­den.

Über­grei­fen­de Ände­run­gen im EWär­meG

  • Durch die Aus­wei­tung des EWär­meG auch auf den Nicht­wohn­ge­bäu­de­be­reich wird auch die Käl­te­be­reit­stel­lung rele­vant. Eine Aus­wei­tung der EE-Nut­zungs­pflicht auf die Wär­me- und Käl­te­be­reit­stel­lung erscheint daher adäquat und könn­te in voll­stän­di­ger Ana­lo­gie zum EEWär­meG auf Bun­des­ebe­ne for­mu­liert wer­den.
  • Der Aus­lö­se­tat­be­stand „Kes­sel­tausch“ führt, wie die Rück­mel­dun­gen von Hei­zungs­bau­ern und wei­te­ren Exper­ten gezeigt haben, viel­fach zu kurz­fris­ti­gen Ent­schei­dungs­not­wen­dig­kei­ten und damit sub­op­ti­ma­len Erfül­lungs­op­tio­nen. Durch eine Erwei­te­rung der Nut­zungs­pflicht auf Kes­sel­al­ter (in Ana­lo­gie zu §10 EnEV bspw. 30 Jah­re) könn­te dem in vie­len Fäl­len vor­ge­beugt wer­den. Ähn­lich wie in §26b EnEV müss­ten dann der Schorn­stein­fe­ger oder Hei­zungs­bau­er ver­pflich­tet wer­den, Kes­sel, die älter als 30 Jah­re sind, zu mel­den und den Kes­sel­ei­gen­tü­mer auf eine Nut­zungs­pflicht hin­zu­wei­sen. Eine Alter­na­ti­ve wäre die Ver­hän­gung einer Nut­zungs­pflicht bei beson­ders inef­fi­zi­en­ten Kes­seln. Vor­zu­zie­hen wäre hier aller­dings eine gene­rel­le Aus­tausch­pflicht für der­ar­ti­ge Kes­sel. Dies wür­de aller­dings mit den Rege­lun­gen von EnEV und 1. BIm­schV in Kon­flikt gera­ten. In Bezug auf den Aus­lö­se­tat­be­stand wäre daher die oben dar­ge­stell­te Aus­dün­nung der Aus­nah­men beim Kes­sel­tausch in §10 EnEV in Ver­bin­dung mit den Nut­zungs­pflicht­an­for­de­run­gen des EWär­meG deut­lich vor­zu­zie­hen.
  • Die Ver­füg­bar­keit und Wirk­sam­keit der Maß­nah­men nach dem EWär­meG wäre auch bei Pro­duk­ti­ons­hal­len in ähn­li­chem Maße gege­ben wie bei ande­ren, vom EWär­meG erfass­ten Nicht­wohn­ge­bäu­den. „Tech­nisch“ gese­hen gibt es daher kei­nen Grund für die Aus­nah­me. Bei ande­ren Aus­nah­men aus EEWär­meG oder EnEV wie z. B. Kir­chen, Bun­ker etc. ist davon aus­zu­ge­hen, dass die­se auf Grund ihrer Nut­zung einen gerin­gen Ener­gie­ver­brauch haben und daher mit glei­chen Maß­nah­men jeweils ein gerin­ges Ein­spar­po­ten­ti­al besteht. Aus Sicht der Gut­ach­ter kann der Gel­tungs­be­reich des EWär­meG erwei­tert wer­den durch eine Strei­chung des Aus­nah­me­tat­be­stands EWär­meG § 2 (2) Nr. 13 für gewerb­li­che und indus­tri­el­le Hal­len, bei denen der über­wie­gen­de Teil der Net­to­grund­flä­che der Fer­ti­gung, Pro­duk­ti­on, Mon­ta­ge und Lage­rung dient.


Erfül­lungs­op­tio­nen erwei­tern und spe­zi­fi­zie­ren

In den ver­schie­de­nen Befra­gun­gen und Sta­ke­hol­der-Anhö­run­gen wur­den ver­schie­de­ne wei­te­re Vor­schlä­ge für zusätz­li­che Erfül­lungs­op­tio­nen gemacht. Die Gut­ach­ter unter­stüt­zen die fol­gen­den Vor­schlä­ge:

  • Bio­ge­nes Flüs­sig­gas soll­te bezüg­lich sei­nes Bei­tra­ges zur Nut­zungs­pflicht­er­fül­lung mit flüs­si­ger Bio­mas­se gleich­be­han­delt wer­den. Nach­hal­tig­keits­an­for­de­run­gen und ein Mas­sen­bi­lan­zie­rungs­sys­tem sind ein­zu­hal­ten.
  • Erwo­gen wer­den könn­te der Ein­be­zug eines Fens­ter­aus­tauschs in die Erfül­lungs­op­tio­nen. Dafür spricht, dass der Fens­ter­aus­tausch als Maß­nah­me mit deut­li­cher Ein­spar­wir­kung ange­trig­gert wird. Dage­gen spricht, dass eine Drei­fach­ver­gla­sung aller Fens­ter weni­ger Ein­spa­rung erzielt als eine Ver­bes­se­rung der Wär­me­däm­mung von Außen­wand oder Dach, der Reno­vie­rungs­zy­klus für Fens­ter ver­gleichs­wei­se kurz ist und bei einem Fens­ter­tausch bau­phy­si­ka­li­sche Beson­der­hei­ten zu beach­ten sind (U‑Wert der Wand; Anord­nung der Fens­ter­ebe­ne u.a.). Denk­bar wäre daher z. B., dass ein Fens­ter­tausch nicht als voll­stän­di­ge Pflicht­er­fül­lung ange­rech­net wird.
  • Die Ein­be­zie­hung von Nicht­wohn­ge­bäu­den in den Kanon der ver­pflich­te­ten Gebäu­de hat sich bewährt, weil in die­sem Bereich noch grö­ße­re CO2-Ein­spa­run­gen erzielt wer­den als bei Wohn­ge­bäu­den. In Nicht­wohn­ge­bäu­den sind auch Effi­zi­enz­ver­bes­se­rung bei der Beleuch­tung, dem som­mer­li­chen Wär­me­schutz und der Lüf­tung und Kli­ma­ti­sie­rung wich­ti­ge Bei­trä­ge zum Kli­ma­schutz. Beleuch­tung und Hilfs­en­er­gie sind nicht Teil des Wär­me­en­er­gie­be­darfs. Des­halb füh­ren Effi­zi­enz­stei­ge­run­gen in die­sen Fel­dern nicht zu einer Reduk­ti­on des Wär­me­en­er­gie­be­darfs und kön­nen somit aktu­ell nicht ange­rech­net wer­den. In den Exper­ten­ge­sprä­chen wur­de daher auch eine Erwei­te­rung der Ersatz­maß­nah­men the­ma­ti­siert. Aller­dings ist es auf Grund der Hete­ro­ge­ni­tät von Nicht­wohn­ge­bäu­den aus Sicht der Gut­ach­ter schwie­rig, gene­ri­sche Anfor­de­run­gen zu for­mu­lie­ren. Zu prü­fen wäre daher, ob hier Pau­scha­l­an­rech­nun­gen ent­wi­ckelt wer­den kön­nen. Bei­spiels­wei­se könn­te Beleuch­tung mit fünf Pro­zent­punk­ten ange­rech­net wer­den, wenn min­des­tens 90 Pro­zent der NGF mit hoch­ef­fi­zi­en­ter LED-Beleuch­tung und tages­licht­ab­hän­gi­ger Reg­lung aus­ge­stat­tet wer­den. Dito bei der Aus­stat­tung aller Ven­ti­la­to­ren und aller Pum­pen als Hoch­ef­fi­zi­enz­ge­rä­te ein­schließ­lich des Nach­wei­ses des hydrau­li­schen Abgleichs. Wenn bei gekühl­ten Gebäu­den der Käl­te­en­er­gie­be­darf in die Bilan­zie­rung mit ein­be­zo­gen wird (s.o.), ist die Bezugs­grö­ße dann die Sum­me aus Wär­me- und Käl­te­en­er­gie­be­darf. Die Reduk­ti­on der Sum­me aus Wär­me- und Käl­te­en­er­gie­be­darf um 15 Pro­zent ana­log §15 Abs. 2 EWär­meG stellt eine voll­stän­di­ge Erfül­lungs­op­ti­on dar.
  • Das bun­des­weit gel­ten­de EEWär­meG, das bei öffent­li­chen Gebäu­den auch einen Kata­log an Ersatz­maß­nah­men bereit­hält, defi­niert als zuge­las­se­ne „Maß­nah­men zur Ein­spa­rung von Ener­gie (…), wenn damit a) der jewei­li­ge Höchst­wert des Jah­res-Pri­mär­ener­gie­be­darfs und b) die jewei­li­gen für das kon­kre­te Gebäu­de zu erfül­len­den Anfor­de­run­gen an die Wär­me­däm­mung der Gebäu­de­hül­le nach der Ener­gie­ein­spar­ver­ord­nung (bzw. Gebäu­de­en­er­gie­ge­setz) an zu errich­ten­de Gebäu­de in der jeweils gel­ten­den Fas­sung erreicht wer­den.“ Somit wäre das EWär­meG erfüllt, wenn der Nach­weis erbracht wird, dass das Bestands­ge­bäu­de ins­ge­samt den Anfor­de­run­gen eines Neu­baus ent­spricht. Alle bereits durch­ge­führ­ten ener­ge­ti­schen Ver­bes­se­run­gen wer­den hier­bei ange­rech­net. Zu prü­fen wäre, ob eine Ein­füh­rung die­ses Tat­be­stan­des ins­be­son­de­re für NWG sinn­voll wäre: u. a. wür­den die Pro­ble­me der Anre­chen­bar­keit vor­ge­zo­ge­ner Maß­nah­men an der Gebäu­de­hül­le (HT‘) und der Anre­chen­bar­keit von Küh­lungs- und Beleuch­tungs­maß­nah­men gelöst.
  • Die Modell­rech­nun­gen für NWG in Kapi­tel 7 zei­gen, dass die Pau­schal­wer­te für Son­nen­kol­lek­to­ren in NWG auf Grund der Viel­fäl­tig­keit des NWG-Bestan­des zu sehr unter­schied­li­chen Sys­tem­ef­fek­ten und EE-Antei­len in den Gebäu­den füh­ren. Aller­dings ist der Anteil ther­mi­scher Solar­an­la­gen bei NWG ohne­hin sehr gering. Die Anfor­de­rung einer detail­lier­ten Berech­nung erscheint daher nicht ange­mes­sen.
  • Bei Wohn­ge­bäu­den wur­de mit­un­ter kri­ti­siert, dass die Solar­ther­mie-Pau­schal­wer­te für gro­ße Wohn­ge­bäu­de und auch für Gebäu­de, die nur (noch) von weni­gen Per­so­nen bewohnt wer­den (Bsp. älte­res Ehe­paar) zu hohe Anfor­de­run­gen stel­len. Zwar gäbe es die Mög­lich­keit, bei­spiels­wei­se die flä­chen­de­gres­si­ven Wer­te der DIN V 18599 vor­zu­ge­ben. Dies wür­de aber nur einen Teil des Pro­blems lösen und das EWär­meG kom­pli­zier­ter machen, wes­halb die­ser Ansatz nicht emp­foh­len wird.
  • Die Däm­mung von Kel­ler­de­cken ist bau­lich nicht immer voll­stän­dig mög­lich. Daher soll­te geprüft wer­den, ob eine Teil­däm­mung von Kel­ler­de­cken antei­lig auf die Pflicht­er­fül­lung anre­chen­bar sein kann oder ob zumin­dest im Rah­men einer Aus­le­gungs­be­stim­mung eine Rege­lung für Kel­ler­de­cken defi­niert wird, die eine „fast voll­stän­di­ge“ Däm­mung zulässt (wenn etwa bau­li­che Hemm­nis­se eine gering­fü­gi­ge Abwei­chung von 100 % der Kel­ler­de­cke ver­lan­gen).
  • Unter den gegen­wär­ti­gen Bedin­gun­gen leis­ten Brauch­was­ser­wär­me­pum­pen kei­nen signi­fi­kan­ten Zie­l­er­fül­lungs­an­teil. Es wird emp­foh­len, Brauch­was­ser­wär­me­pum­pen als Erfül­lungs­op­ti­on zu stär­ken. Dazu kann eine pau­scha­le Aner­ken­nung der Brauch­was­ser­wär­me mit 5 % zur Erfül­lung fest­ge­schrie­ben wer­den, unter der Vor­aus­set­zung einer Min­dest­leis­tungs­zahl z. B. von 3,8 (bei 60 °C) (Mit­tel­wert aus Markt­ana­ly­se) bei voll­stän­di­ger Erzeu­gung des Trink­warm­was­sers.
  • Der Ein­bau einer Lüf­tungs­an­la­ge mit Wär­me­rück­ge­win­nung (Effi­zi­enz­an­for­de­run­gen bspw. in Anleh­nung an das EEWär­meG) ist eine sinn­vol­le Effi­zi­enz­maß­nah­me auch in Wohn­ge­bäu­den. Eine Anre­chen­bar­keit soll­te geprüft wer­den. Aller­dings wei­sen Gebäu­de mit einer sol­chen Lüf­tungs­an­la­ge i.d.R. auch eine hohe Qua­li­tät der Gebäu­de­hül­le auf, so dass ande­re Ersatz­maß­nah­men bereits eine Erfül­lung garan­tie­ren.
  • Mit Bio­mas­se befeu­er­te Ein­zel­raum­hei­zun­gen wer­den heu­te in der Regel als Zusatz­hei­zung zu Kom­fort­zwe­cken instal­liert, kön­nen jedoch auch zu signi­fi­kan­ten Ein­spa­run­gen bei der Pri­mär­hei­zung füh­ren. Eine aktu­el­le Ana­ly­se iden­ti­fi­ziert eine hohe Sub­sti­tu­ti­ons­wir­kung durch Zusatz­hei­zun­gen; die Stu­die errech­net aus einer sta­tis­ti­schen Ana­ly­se von Ener­gie­spar­kon­ten, dass im Mit­tel durch eine Zusatz­hei­zung der Ver­brauch der Haupt­hei­zung um 26 % gesenkt wird (co2online 2018). Auf der ande­ren Sei­te tra­gen ins­be­son­de­re nicht was­ser­füh­ren­de Kamin­öfen signi­fi­kant zu loka­len Umwelt­be­las­tun­gen, ins­be­son­de­re Fein­staub-Emis­sio­nen bei. Hier ist unbe­dingt zu ver­mei­den, dass nicht emis­si­ons­op­ti­mier­te „Bil­li­g­öfen“ einen Umge­hungs­tat­be­stand for­men. Eine Erwei­te­rung der Erfül­lungs­tat­be­stän­de um Kamin­öfen ohne Was­ser­füh­rung kann daher allen­falls – wenn über­haupt – unter sehr restrik­ti­ven Anfor­de­run­gen an die Luft­rein­hal­tung und Effi­zi­enz erfol­gen. Zu prü­fen wären nicht nur die Erfül­lung der Stu­fe 2 der 1. BIm­SchV, son­dern auch der DIN Plus-Anfor­de­run­gen oder das Vor­han­den­sein von tech­ni­schen Maß­nah­men der Emis­si­ons­min­de­rung, z. B. Fil­ter, da nur die­se gewähr­leis­ten, dass auch unab­hän­gig vom Nut­zer­ver­hal­ten die Emis­sio­nen gesenkt wer­den. Im Rah­men des Markt­an­reiz­pro­gramms gibt es bei­spiels­wei­se eine Lis­te för­der­fä­hi­ger Ein­rich­tun­gen für die Luft­rein­hal­tung. In Ent­wick­lung ist auch ein Blau­er Engel für Scheit­holz-Kamin­öfen. Der EE-Wär­me Erfül­lungs­grad könn­te über die antei­li­ge Wohn­flä­che des Auf­stell­rau­mes und einem pau­scha­len Teil­be­hei­zungs­fak­tor erfol­gen, der die zeit­li­che Teil­be­nut­zung berück­sich­tigt. Bei einer Gesamt­wohn­flä­che von 180 m² und einer Raum­grö­ße von 20 m², in der die Zusatz­hei­zung auf­ge­stellt ist, ergibt sich bei einem ange­setz­ten zeit­li­chen Teil­be­hei­zungs­grad von 0,4 ein EE-Anteil von 5 %, was einem Erfül­lungs­grad von 33 % ent­spricht. Für den Nach­weis müss­te somit Wohn­flä­che und Flä­che des Auf­stell­rau­mes bekannt sein. Ein ein­fa­che­rer Ansatz könn­te über eine pau­scha­le Aner­ken­nung von bei­spiels­wei­se 33 % Erfül­lungs­grad erfol­gen.


Bio­me­than und Bio­öl

Der Ein­satz von Bio­me­than und Bio­öl als Erfül­lungs­op­ti­on ist in der Ver­gan­gen­heit umfang­reich dis­ku­tiert wor­den. Die Gut­ach­ter sehen einer­seits die Rol­le die­ser brenn­stoff­ba­sier­ten Erfül­lungs­op­tio­nen, um die Akzep­tanz des Geset­zes auch in Gebäu­den zu errei­chen, bei denen der Ein­bau tech­no­lo­gie­ba­sier­ter EE-Wär­me Optio­nen schwie­rig ist. Aller­dings lie­gen Schwie­rig­kei­ten im Ungleich­ge­wicht inner­halb der brenn­stoff­ba­sier­ten Erfül­lungs­op­tio­nen (50 kW-Gren­ze) und hin­sicht­lich der Gesamt­be­wer­tung gegen­über den tech­no­lo­gie­ba­sier­ten Optio­nen.

  • Die For­schungs­neh­mer emp­feh­len, die 50 kW-Gren­ze für alle brenn­stoff­ba­sier­ten Erfül­lungs­op­tio­nen zu for­dern, um damit die Anfor­de­run­gen zwi­schen Bio­me­than-Gas­kes­seln und Bio-Heiz­öl Heiz­kes­seln zu har­mo­ni­sie­ren. Die Bei­be­hal­tung der 50 kW-Gren­ze ist inso­fern sinn­voll, als es damit einen Anreiz zur Nut­zung dezen­tra­ler EE-Wär­me-Tech­no­lo­gien, KWK oder wär­me­netz­ba­sier­ter Optio­nen gibt, die aus tech­no-öko­no­mi­scher Sicht in die­sem Leis­tungs­be­reich sinn­voll zum Ein­satz kom­men kön­nen, aber auf­grund der über­wie­gen­den Besitz­struk­tur in die­sem Seg­ment (meist ver­mie­te­te Gebäu­de) gegen­über den brenn­stoff­ba­sier­ten Erfül­lungs­op­tio­nen oft­mals nicht zum Zuge kom­men wür­den.
  • Bio­me­than- und Bio­öl­be­zug geht kom­plett zu Las­ten der Mie­ter, wäh­rend der Eigen­tü­mer und Ver­mie­ter im Rah­men der belieb­tes­ten Erfül­lungs­kom­bi­na­ti­on (Biomethan/Bioölbeimischung + Sanie­rungs­fahr­plan) nur die Kos­ten für den SFP trägt und sonst nichts am Gebäu­de machen muss. Die Ver­wen­dung die­ser brenn­stoff­ba­sier­ten Erfül­lungs­op­tio­nen leis­ten einen gerin­gen Bei­trag für den ziel­kon­for­men Gebäu­de­be­stand, da sie die bestehen­den Infra­struk­tu­ren einer auf gas- und ölba­sier­ten Wär­me­ver­sor­gung stüt­zen, wäh­rend die lang­fris­ti­gen Sze­na­ri­en­un­ter­su­chun­gen für den Gebäu­de­be­stand in Deutsch­land einen mas­si­ven Rück­gang von Gas- und Ölhei­zun­gen für erfor­der­lich hal­ten, um die Kli­ma­schutz­zie­le zu errei­chen (Pflu­ger et al. 2017; Repen­ning et al. 2015; Tham­ling et al. 2015). Auch mit Bezug auf die spe­zi­fi­schen THG-Ein­spa­run­gen fällt die Bewer­tung gas­för­mi­ger und flüs­si­ger Bio­mas­se schlech­ter aus, als für fes­te Bio­mas­se. Aus den genann­ten Grün­den wird emp­foh­len, die Anfor­de­run­gen an gas­för­mi­ge und flüs­si­ge Bio­mas­se zu über­den­ken und eine Über­ar­bei­tung der Anfor­de­run­gen zu prü­fen, um eine Poten­zi­al­aus­schöp­fung für tech­no­lo­gie­ba­sier­te EE-Wär­me Optio­nen in den dafür geeig­ne­ten Gebäu­de­seg­men­ten anzu­rei­zen. Durch Ände­rung der Neben­an­for­de­run­gen, bei­spiels­wei­se durch eine Ein­füh­rung des Nach­wei­ses eines Bera­tungs­ge­sprä­ches, in dem über ande­re Hei­zungs­tech­no­lo­gien und Ersatz­maß­nah­men gespro­chen wur­de, könn­te erreicht wer­den, dass die brenn­stoff­ba­sier­ten Erfül­lungs­op­tio­nen stär­ker auf Seg­men­te beschränkt wer­den, in denen ande­re EE-Wär­me Tech­no­lo­gien nicht mög­lich sind.


Alter­na­ti­ve Tei­l­er­fül­lungs­op­tio­nen gleich­wer­tig zum Sanie­rungs­fahr­plan in Nicht­wohn­ge­bäu­den

Zu prü­fen ist, ob für Nicht­wohn­ge­bäu­de alter­na­ti­ve Erfül­lungs­op­tio­nen auf­ge­nom­men wer­den soll­ten, die gleich­wer­tig zum Sanie­rungs­fahr­plan ste­hen in Anleh­nung an die Aner­ken­nung der Bafa-Vor-Ort Bera­tung im Wohn­ge­bäu­de­be­reich. Eine Gleich­wer­tig­keit kann für die Ener­gie­be­ra­tung kom­mu­na­ler Nicht­wohn­ge­bäu­de, die über das NAPE finan­zier­te Pro­gramm geför­dert wird, aner­kannt wer­den. Hier­bei wer­den expli­zit Ener­gie­be­ra­tun­gen zur Erstel­lung eines ener­ge­ti­schen Kon­zep­tes geför­dert. Auch die­se Sanie­rungs­fahr­plä­ne müs­sen die Sanie­rungs­fahr­plan­VO ein­hal­ten, so dass kein Rege­lungs­be­darf besteht. Eine pau­scha­le Aner­ken­nung ist nicht zweck­mä­ßig, da Anfor­de­run­gen der Richt­li­nie deut­li­che Abwei­chun­gen vom Umfang der Prü­fung gemäß Sanie­rungs­fahr­plan­VO auf­wei­sen. Ein wei­te­res Bera­tungs­pro­dukt für Unter­neh­men stellt die vom Bafa geför­der­te Ener­gie­be­ra­tung im Mit­tel­stand dar, die jedoch nicht auf die ener­ge­ti­sche Sanie­rung von Gebäu­den abzielt, son­dern auf die Durch­füh­rung eines Ener­gie­au­dits nach DIN EN 16247–1. Damit stellt sich die Fra­ge, ob die Durch­füh­rung eines Ener­gie­au­dits oder die Ein­füh­rung eines Ener­gie­ma­nage­ment­sys­tems nach DIN ISO 500001 gleich­zu­stel­len wäre mit dem Sanie­rungs­fahr­plan. Ein Ener­gie­au­dit zielt nicht auf ein­zel­ne Gebäu­de ab, son­dern wird für einen Stand­ort inklu­si­ver aller Pro­zess­tech­no­lo­gien und – ver­brau­cher durch­ge­führt. Auch wenn Ener­gie­au­dits in der Regel auf die Emp­feh­lun­gen zu Quer­schnitts­tech­no­lo­gien abzie­len, die oft­mals auch in Gebäu­de­maß­nah­men zu fin­den sind, ist dies nicht gleich­zu­set­zen mit der Erstel­lung eines ener­ge­ti­schen Gebäu­de­kon­zep­tes. Auch hin­sicht­lich der Admi­nis­tra­ti­on wäre die Zulas­sung eines Ener­gie­au­dits schwie­rig, da eine Zulas­sung nur für sol­che Unter­neh­men in Fra­ge käme, die nicht ohne­hin schon zur Durch­füh­rung eines Ener­gie­au­dits ver­pflich­tet sind. Das EWär­meG setzt jedoch beim Gebäu­de an und nicht beim Unter­neh­men. Eine voll­wer­ti­ge Gleich­stel­lung mit dem Sanie­rungs­fahr­plan wird daher nicht emp­foh­len. Viel­mehr ist das Ener­gie­au­dit ein wich­ti­ges Instru­ment für einen ers­ten Schritt zu einer detail­lier­te­ren Pla­nung, so dass sich das Ener­gie­au­dit gut mit dem Sanie­rungs­fahr­plan in einem nächs­ten Schritt ergänzt und nicht alter­na­tiv dazu zu sehen ist. Ener­gie­au­dits wer­den zudem durch ande­re Maß­nah­men im Markt ange­reizt, so dass eine Adres­sie­rung im EWär­meG nicht erfor­der­lich ist.

Wenn es zu einer Reduk­ti­on der Aner­ken­nung des NWG-SFP von 15 auf 5 % käme, könn­te aller­dings die Erstel­lung eines detail­lier­ten Audit­be­richts unter der Vor­aus­set­zung aner­kannt wer­den, dass es detail­lier­te Emp­feh­lun­gen für die in der SFP-VO defi­nier­ten Maß­nah­men­be­rei­che erar­bei­tet.

Ver­bes­se­run­gen bei Wei­ter­bil­dung und Kom­mu­ni­ka­ti­on

Die Infor­ma­ti­ons­la­ge des Hand­werks und der Pla­ner bzgl. des EWär­meG wird unter­schied­lich bewer­tet, bei pri­va­ten End­kun­den wird mit­un­ter kei­ne aus­rei­chen­de Sen­si­bi­li­sie­rung für Kli­ma­schutz und EWär­meG fest­ge­stellt. Daher könn­te an ver­schie­de­nen Stel­len die stra­te­gi­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on bzgl. des EWär­meG gestärkt wer­den:

  • Ver­schie­de­ne Gewer­ke, ins­be­son­de­re auch die von Ersatz­maß­nah­men betrof­fe­nen, bei­spiels­wei­se Stuk­ka­teu­re oder PV-Instal­la­teu­re, soll­ten ihre Mit­ar­bei­ter ver­stärkt ein­schlä­gig fort­bil­den bzw. bestehen­de Fort­bil­dungs­an­ge­bo­te wahr­neh­men und dabei auch auf ver­trieb­li­che Chan­cen durch das EWär­meG hin­wei­sen; vie­le Gebäu­de­ei­gen­tü­mer wis­sen nicht, dass sie bei­spiels­wei­se durch Däm­mung der Kel­ler­de­cke eine Pflicht­er­fül­lung des EWär­meG errei­chen kön­nen.
  • Wei­ter­hin soll­ten regel­mä­ßi­ge Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen mit ver­schie­de­nen Ziel­grup­pen und Kam­pa­gnen­in­hal­ten in Zusam­men­ar­beit mit den regio­na­len Ener­gie­agen­tu­ren orga­ni­siert wer­den.
  • Betrof­fe­ne Akteu­re soll­ten ver­stärkt an ihre Hin­weis­pflicht erin­nert wer­den.


Ver­bes­se­run­gen im Voll­zug

Die Befra­gung der Voll­zugs­be­hör­den zeigt, dass der Voll­zug der­zeit nicht aus­rei­chend sicher­ge­stellt ist. Fol­gen­de Emp­feh­lun­gen für die Ver­bes­se­rung des Voll­zugs des EWär­meG wer­den aus den Ergeb­nis­sen der Inter­views mit uBRB und Regie­rungs­prä­si­di­en abge­lei­tet:

  • Eine bes­se­re Res­sour­cen­aus­stat­tung des Voll­zugs ist not­wen­dig. Dies soll­te auf der Grund­la­ge des tat­säch­li­chen Bear­bei­tungs­auf­wands auf Sei­ten der uBRB erfol­gen.
  • Eine Ver­ein­heit­li­chung des Voll­zugs und eine Voll­zugs­in­ten­si­vie­rung ist aus Sicht der Eva­lu­ie­rung sinn­voll. Dafür ist es hilf­reich, dass kom­mu­na­le Lan­des­ver­bän­de, ggf. in Abstim­mung mit UM BW, gemein­sa­me Voll­zugs­kon­zep­te und Hilfs­mit­tel erar­bei­ten und zur Ver­fü­gung stel­len.
  • Zur Ver­ein­fa­chung der Fris­ten­über­wa­chung, der Lis­ten­füh­rung und zur Unter­stüt­zung der for­mel­len Nach­weis­prü­fung auf Voll­stän­dig­keit soll­ten Soft­ware­lö­sun­gen erar­bei­tet wer­den (z.B. Ent­wick­lung einer Soft­ware­lö­sung zur elek­tro­ni­schen Ver­ar­bei­tung der Mel­dun­gen aus dem Kehr­buch, ggf. Wei­ter­ent­wick­lung der Bau­rechts­soft­ware; Soft­ware­lö­sung zur auto­ma­ti­schen Über­nah­me der Lis­ten in das IDEV-Por­tal).
  • Aus­la­ge­rung der inhalt­li­chen Prü­fung an exter­ne Drit­te (auch Prü­fung der Befrei­ungs­an­trä­ge), Umset­zung der inhalt­li­chen Prü­fung als Stich­pro­ben­prü­fung (z. B. jeder 10. Nach­weis), Bereit­stel­lung von Mit­teln dazu
  • Dis­kus­si­on des Vor­ge­hens bei Nicht­er­fül­lung, auch bei unzu­rei­chen­der Qua­li­tät der Sanie­rungs­fahr­plä­ne
  • Sen­si­bi­li­sie­rung der Schorn­stein­fe­ger zur Mel­de­pflicht und Mel­dung über elek­tro­ni­sches Kehr­buch ver­pflich­tend ein­füh­ren
  • Sen­si­bi­li­sie­rung der Hand­wer­ker und ande­rer Sach­kun­di­ger zu ihrer Hin­weis­pflicht, Hand­wer­ker zur Über­ga­be eines Inf­o­fly­ers zum EWär­meG an Gebäu­de­ei­gen­tü­mer moti­vie­ren
  • Erhe­bung von Tele­fon­num­mern und E‑Mail-Adres­sen der Gebäu­de­ei­gen­tü­mer zur ver­ein­fach­ten Kon­takt­auf­nah­me bei „klei­nen“ Feh­lern (Nach­weis­for­mu­la­re)
  • Sen­si­bi­li­sie­rung der Denk­mal­schutz­be­hör­den für den Kli­ma­schutz und ver­bes­ser­te Koope­ra­ti­on
  • Sicher­stel­len, dass Schorn­stein­fe­ger ihrer Mel­de­pflicht auch dann nach­kom­men, wenn eine nicht abnah­me­pflich­ti­ge Heiz­an­la­ge ein­ge­baut wird.


Sanie­rungs­fahr­plan

  • Der Sanie­rungs­fahr­plan BW hat eine Vor­rei­ter­rol­le bei der Ent­wick­ling des Kon­zepts des Sanie­rungs­fahr­plans auf Bun­des­ebe­ne und euro­pä­isch (euro­päi­sche Gebäu­de­richt­li­nie) gespielt. Die Ver­knüp­fung von Ord­nungs­recht und Sanie­rungs­fahr­plan hat sich bewährt und zu einer Stei­ge­rung der Bera­tungs­nach­fra­ge geführt. Der SFP ist ein erfolg­rei­ches Instru­ment, weil emp­foh­le­ne Maß­nah­men auch tat­säch­lich umge­setzt wer­den;
  • Der SFP als Erfül­lungs­op­ti­on soll­te bei­be­hal­ten wer­den, da er ein beson­ders nie­der­schwel­li­ges Instru­ment dar­stellt, um bis­her des­in­ter­es­sier­te Gebäu­de­ei­gen­tü­mer erst­mals mit einer Ener­gie­be­ra­tung zu errei­chen und somit eine Wir­kung in Form ver­stärk­ter Sanie­rungs­ak­ti­vi­tät ent­fal­tet.
  • Der SFP-NWG soll zukünf­tig nicht mehr als vol­le Erfül­lungs­op­ti­on anre­chen­bar sein, son­dern ana­log wie bei Wohn­ge­bäu­den zu einem Drit­tel.
  • Ins­be­son­de­re bei SFP für NWG ist eine erheb­li­che Qua­li­täts­of­fen­si­ve erfor­der­lich.
  • Die fest­ge­stell­ten Defi­zi­te sowohl in den SFP für WG als auch NWG soll­ten in eine Wei­ter­ent­wick­lung der Schu­lung und Erstel­lung von Infor­ma­ti­ons­ma­te­ria­li­en ein­flie­ßen, die u. a. fol­gen­de The­men­fel­der adres­sie­ren: Plau­si­ble Maß­nah­men­pa­ke­te ent­wi­ckeln und die­se in ein Lang­frist­kon­zept ein­bau­en; U‑Werte des Ist-Zustands und der Maß­nah­men ange­ben; stär­ke­re Berück­sich­ti­gung des Ist-Zustan­des und der indi­vi­du­el­len Situa­ti­on des Eigen­tü­mers; Begrün­dun­gen für Sanie­rungs­schrit­te kon­kre­ti­sie­ren.
  • Ver­öf­fent­li­chung von Mus­ter-Sanie­rungs­fahr­plä­nen für Nicht­wohn­ge­bäu­de;
  • Anhe­bung der Anfor­de­rung an die Qua­li­fi­zie­rung für Nicht­wohn­ge­bäu­de-SFP im Umfang von min­des­tens 50 Unter­richts­ein­hei­ten – statt bis­her 16 UE – ana­log zum Bun­des-För­der­pro­gramm „Ener­gie­be­ra­tung für Nicht­wohn­ge­bäu­de von Kom­mu­nen und gemein­nüt­zi­gen Orga­ni­sa­tio­nen vom 24. Febru­ar 2017“. Ein Mus­ter-Cur­ri­cu­lum fin­det sich im Anhang. Wird die Aus­stel­lungs­be­rech­ti­gung über Refe­ren­zen nach­ge­wie­sen, ist die not­wen­di­ge Anzahl der Refe­ren­zen von einer auf drei Refe­ren­zen inner­halb der letz­ten zwei Jah­re zu erhö­hen.
  • Als Qua­li­fi­ka­ti­ons­nach­weis soll für den SFP Wohn­ge­bäu­de ergän­zend auch die Ein­tra­gung im För­der­pro­gramm Ener­gie­be­ra­tung für Wohn­ge­bäu­de vom 11.10.17 des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Wirt­schaft und Ener­gie zäh­len.
  • Ver­pflich­tung des Ener­gie­be­ra­ters, dem Bera­tungs­emp­fän­ger die voll­stän­dig aus­ge­füll­te und unter­schrie­be­ne „Check­lis­te zur Erstel­lung eines gebäu­de­in­di­vi­du­el­len Sanie­rungs­fahr­plans Baden-Würt­tem­berg – Nicht­wohn­ge­bäu­de –“ gemein­sam mit dem Bericht aus­zu­hän­di­gen.
  • Nach­dem das Land Baden-Würt­tem­berg mit der Ein­füh­rung und För­de­rung von SFP für WG bereits eine Vor­rei­ter­rol­le ein­ge­nom­men hat, wäre es nun denk­bar, auch SFP für NWG zu för­dern. Damit könn­te Baden-Würt­tem­berg wie­der eine Vor­rei­ter­rol­le ein­neh­men für die Kon­zep­ti­on von SFP für NWG auf Bun­des­ebe­ne. Eine Kom­bi­na­ti­on mit wei­te­ren För­der­mit­teln für die Bera­tung ist aus­drück­lich erwünscht.
  • Die Prü­fung der SFP-NWG soll­te wei­ter­hin durch­ge­führt wer­den. Die im Pro­jekt erar­bei­ten Prüf­tools kön­nen hier­für ver­wen­det wer­den.

1 Die Band­brei­te ergibt sich auf­grund der Berück­sich­ti­gung von bereits vor­han­de­nen Anla­gen, Ohne­hin-Effek­ten und Vor­zieh­ef­fek­ten bzw. Effek­te auf­grund eines gerin­gen ver­zö­ger­ten Aus­tauschs von Hei­zun­gen. Dies dient der Abschät­zung, wel­che Ein­spa­run­gen kau­sal dem EWär­meG zuge­ord­net wer­den kön­nen. Dabei ent­spricht die obe­re Gren­ze jenen Ein­spa­run­gen, die ins­ge­samt auf­grund des Ein­sat­zes von erneu­er­ba­ren und Ersatz­maß­nah­men aus­ge­löst wur­den und bei denen die Ein­spa­rung nicht voll­stän­dig kau­sal dem EWär­meG zuge­ord­net wer­den kann. Die unte­re Gren­ze ent­spricht einem mode­ra­ten, mitt­le­ren Sze­na­rio unter Berück­sich­ti­gung der soeben genann­ten Effek­te.

Umweltministerium BW logo

Literatur

Adolf, J., Mar­c­zew­ski, A., Schab­la, U., Bräu­n­in­ger, M., Leschus, L., Otto, A., Schrö­er, S. und Feh­ren­bach, H. (2011): Shell Haus­wär­me-Stu­die. Ham­burg.

Agen­tur für Erneu­er­ba­re Ener­gien (2018): Bun­des­län­der-Über­sicht zu Erneu­er­ba­ren Ener­gien. Online unter: https://www.foederal-erneuerbar.de/uebersicht/bundeslaender/BW%7CBY%7CB%7CBB%7CHB%7CHH%7CHE%7CMV%7CNI%7CNRW%7CRLP%7CSL%7CSN%7CST%7CSH%7CTH%7CD/kategorie/waerme (Zugriff am 28.06.2018).

AGFW (2018): Ent­wick­lung Fern­wär­me­ab­satz in Deutsch­land und Baden-Würt­tem­berg, per­sön­li­che Aus­kunft auf Basis AGFW-Haupt­be­richt 2018

ARGE e.V. (2012): Typi­sche Ener­gie­ver­brauchs­kenn­wer­te deut­scher Wohn­ge­bäu­de. Prä-sen­ta­ti­on 31.05.2012. Online unter: https://www.iwu.de/fileadmin/user_upload/dateien/energie/ake48/IWU-Tagung_2012-05–31_Walberg_ARGE_Energieverbrauchskennwerte.pdf (Zugriff am 24.10.2018)

ARGE (2011): Woh­nungs­bau in Deutsch­land 2011 Moder­ni­sie­rung oder Bestands­er­satz Kiel, 2011. Arbeits­ge­mein­schaft für zeit­ge­mä­ßes Bau­en e. V. Online unter: http://www.bdb-bfh.de/bdb/downloads/ARGE_Kiel_-_Wohnungsbau_in_Deutschland_2011.pdf

BAFA (2018): För­der­zah­len des MAP, auf­be­rei­tet für die­se Eva­lu­ie­rung. Auf­be­rei­tet von L. Wag­ner. Esch­born

BAFA (2018b): Vor-Ort-Bera­tung, geför­der­te Bera­tun­gen nach Bun­des­län­dern und Wohn­ein­hei­ten. Bereit­ge­stellt auf www.bafa.de. Esch­born

BBSR (2017): Bun­des­in­sti­tut für Bau‑, Stadt- und Raum­for­schung (BBSR) im Bun­des­amt für Bau­we­sen und Raum­ord­nung (BBR): Nut­z­en­er­gie­be­darf für Warm­was­ser in Wohn­ge­bäu-den. BBSR-Online Publi­ka­ti­on 17/2017, Bonn, Sep­tem­ber 2017.

BDH (2015): Mul­ti­moment­auf­nah­me für Neu­bau und Moder­ni­sie­rung in Baden-Würt­tem­berg

BDH (2016a): Markt­ent­wick­lung Wär­me­er­zeu­ger 2005–2015. Köln: Bun­des­ver­band der deut­schen Hei­zungs­in­dus­trie. Online unter: http://www.bdh-koeln.de/fileadmin/user_upload/Daten_Fakten/BDH_Marktentwicklung_2005-2015.pdf

BDH (2016b): Mul­ti­moment­auf­nah­me für Neu­bau und Moder­ni­sie­rung in Baden-Würt­tem­berg EWär­meG blo­ckiert ener­ge­ti­sche Moder­ni­sie­rung. Köln.

BDH (2017a): Effi­zi­enz und erneu­er­ba­re Ener­gien wach­sen wei­ter. 10-Jah­res-Ver­lauf Absatz Wär­me­er­zeu­ger Deutsch­land. Köln: Bun­des­ver­band der deut­schen Hei­zungs­in­dus­trie. Online unter: http://www.bdh-koeln.de/fileadmin/user_upload/Daten_Fakten/Marktentwicklung_2006-2016_DE.pdf

BDH (2017b): Gesamt­be­stand zen­tra­le Wär­me­er­zeu­ger Deutsch­land 2015. Online unter: http://www.bdh-koeln.de/fileadmin/user_upload/Daten_Fakten/Gesamtzahl_Waermeerzeuger_2015_DE.pdf

BDH (2018): Online unter: https://www.bdh-koeln.de/bdh/portrait.html (Zugriff am 17.08.2018)

BDH (2018a): Mul­ti­moment­auf­nah­me für Neu­bau und Moder­ni­sie­rung in Baden-Würt­tem­berg EWär­meG blo­ckiert ener­ge­ti­sche Moder­ni­sie­rung. Köln.

BDH (2018b): 10-Jah­res-Ver­lauf Absatz Wär­me­er­zeu­ger Deutsch­land. Köln: BDH Bun­des­ver­band der Deut­schen Hei­zungs­in­dus­trie. Online unter: http://www.bdh-koeln.de/fileadmin/user_upload/Daten_Fakten/Marktentwicklung_2008-2017_DE.pdf

Ber­nath, C., Boss­mann, T., Deac, G., Els­land, R., Flei­ter, T., Kühn, A., Pflu­ger, B., Rag­witz, M., Reh­feldt, M., Sen­s­fuß, F., Stein­bach, J., Cro­nen­berg, A., Lader­mann, A., Lin­ke, C., Mau­rer, C., Ters­tee­gen, B., Wil­lem­sen, S., Fran­ke, B., Kau­er­tz, B., Pehnt, M., Ret­ten­mai­er, N., Hart­ner, M., Kranzl, L. (2017): Lang­frist­sze­na­ri­en für die Trans­for­ma­ti­on des Ener­gie­sys­tems in Deutsch­land – Modul 3: Refe­renz­sze­na­rio und Basis­sze­na­rio. Karls­ru­he.

Beuth Hoch­schu­le für Tech­nik und ifeu (2015): Dämm­bar­keit des deut­schen Gebäu­de­be­stands, Pro­jek­tend­be­richt, Ber­lin, Juli 2015

BMUB (2017): Pro­jek­ti­ons­be­richt 2017 für Deutsch­land gemäß Ver­ord­nung (EU) Nr. 525/2013. Ber­lin.

BMWi (2017): Ener­gie­da­ten – natio­na­le und inter­na­tio­na­le Ent­wick­lung.

BMWi (2017): Ener­gie­ef­fi­zi­enz in Zah­len, Ber­lin, Mai 2017

BNetzA und BKar­tA (2015): Moni­to­ring­be­richt 2015. Bonn.

BNetzA (2016): Moni­to­ring­be­richt gemäß § 63 Abs. 3 i. V. m. § 35 EnWG und § 48 Abs. 3 i. V. m. § 53 Abs. 3 GWB. Bun­des­netz­agen­tur für Elek­tri­zi­tät, Gas, Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on, Post und Eisen­bah­nen.

BSW (2018): Daten und Infos zur Solar­bran­che. https://www.solarwirtschaft.de/presse/marktdaten.html (Zugriff 25.7.2018)

Bun­des­ver­band des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks – Zen­tra­lin­nungs­ver­band (ZIV) (2017): Erhe­bun­gen des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks zum Anla­gen­be­stand in Deutsch­land 2016.

co2online (2018): Die Zusatz­hei­zung: Nut­zung ergän­zen­der Heiz­sys­te­me im Gebäu­de­be-reich Aus­wir­kung auf die Kli­ma­bi­lanz von Gebäu­den. Zwi­schen­prä­sen­ta­ti­on des BBSR-Pro­jek­tes. Ber­lin

dena (2016): Facts­heet 10 Jah­re Bio­me­than – Aktu­el­ler Bei­trag zur Ener­gie­wen­de. Deut-sche Ener­gie-Agen­tur, bio­gas­part­ner. Online unter: http://www.biogaspartner.de/downloads/branchenbarometer/branchenbarometer-2016.html (Zugriff 25.7.2018)

dena (2012): Ener­gie­be­arf und –ver­brauch: Wel­che Ein­spa­rung bringt eine ener­ge­ti­sche Sanie­rung wirk­lich? Prä­sen­ta­ti­on, Darm­stadt den 31. Mai 2012, Online unter: https://www.iwu.de/fileadmin/user_upload/dateien/energie/ake48/IWU-Tagung_2012-05–31_Bigalke_dena_BedarfVerbrauch.pdf (Zugriff 24.10.2018)

Desta­tis (2012): Bau­en und Woh­nen, Mikro­zen­sus – Zusat­zerhe­bung 2014 (Bestand und Struk­tur der Wohn­ein­hei­ten) Fach­se­rie 5 Heft 1

Desta­tis (2016): Bau­en und Woh­nen, Mikro­zen­sus – Zusat­zerhe­bung 2010 (Bestand und Struk­tur der Wohn­ein­hei­ten) Fach­se­rie 5 Heft 1

Desta­tis (2016): Bevöl­ke­rung und Erwerbs­tä­tig­keit. Bevöl­ke­rungs­fort­schrei­bung auf Grund­la­ge des Zen­sus 2011. Wies­ba­den.

Desta­tis (2018): Bau­en und Woh­nen – Bau­ge­neh­mi­gun­gen / Bau­fer­tig­stel­lun­gen von Wohn- und Nicht­wohn­ge­bäu­den (Neu­bau) nach Art der Behei­zung und Art der ver­wen­de-ten Heiz­ener­gie, Lan­ge Rei­hen ab 1980, 19.06.2018

Die­fen­bach et al. (2018): Daten­er­he­bung Wohn­ge­bäu­de­be­stand 2016, Insti­tut Woh­nen und Umwelt, Darm­stadt, April 2018

Diek­mann, J., W.-P. Schill, A. Pütt­ner und S. Kirr­mann (2017): Ver­gleich der Bun­des­län­der: Ana­ly­se der Erfolgs­fak­to­ren für den Aus­bau der Erneu­er­ba­ren Ener­gien 2017. Indi­ka­to­ren und Ran­king. End­be­richt. Ber­lin, Stutt­gart. Online unter: https://www.foederal-erneuer-bar.de/tl_files/aee/Bundeslaendervergleich_2017/AEE_DIW_ZSW_Bundeslaendervergleich_EE_Endbericht_nov17.pdf.

Dop­fer, E. (2017): Eva­lua­ti­on des Erneu­er­ba­ren-Wär­me-Geset­zes 2015 – EWär­meG. Nürt-ingen.

DVFG (2011): Natür­lich und auch rege­ne­ra­tiv : Flüs­sig­gas.

EUWID (2017): DAA wider­spricht BDH: Baden-Würt­tem­berg füh­rend bei Hei­zun­gen auf Basis erneu­er­ba­rer Ener­gien. Online unter: https://www.euwid-energie.de/daa-widerspricht-bdh-baden-wuerttemberg-fuehrend-bei-heizungen-auf-basis-erneuerbarer-energien/ (Zugriff am 10.07.2017).

Feh­ren­bach, H., S. Köp­pen, S. Mark­wardt und R. Vogt (2016): Aktua­li­sie­rung der Ein­gangs-daten und Emis­si­ons­bi­lan­zen wesent­li­cher bio­ge­ner Ener­gie­nut­zungs­pfa­de (Bio­Em). Stu­die im Auf­trag des Umwelt­bun­des­am­tes. Hei­del­berg.

Fraun­ho­fer IBP (2017): Sanie­rung von Beleuch­tungs­an­la­gen – Eine Infor­ma­ti­ons­schrift. Online unter: https://www.ibp.fraunhofer.de/content/dam/ibp/de/documents/Kompetenzen/energieeffizienz-und-raumklima/links/Informationsschrift_Sanierung_von_Beleuchtungsanlagen.pdf (Zugriff am 24.10.2018)Hulteberg, C., Bran­din, J. und Leveau, A. (2010): Green LPG. In: Rap­port SGC 222 – 1102–7371 ‑ISRN SGC-R-222-SE.

IBZ (2012): Umwelt‑, ener­gie- und indus­trie­po­li­ti­scher Nut­zen von Brenn­stoff­zel­len-Heiz­ge­rä­ten, Prä­sen­ta­ti­on am 9.Oktober 2012 beim f‑cell 2012 Forum D5 Ver­mark­tung.

IWU und BEI (2010): Daten­ba­sis Gebäu­de­be­stand – Daten­er­he­bung zur ener­ge­ti­schen Qua-lität und zu den Moder­ni­sie­rungs­trends im deut­schen Wohn­ge­bäu­de­be­stand. Darm­stadt. Online unter: http://datenbasis.iwu.de/dl/Endbericht_Datenbasis.pdf

IWU (2015a): Deut­sche Wohn­ge­bäu­de­ty­po­lo­gie – Bei­spiel­haf­te Maß­nah­men zur Ver­bes­se-rung der Ener­gie­ef­fi­zi­enz von typi­schen Wohn­ge­bäu­den – zwei­te erwei­ter­te Auf­la­ge, Darm­stadt, Febru­ar 2015

IWU (2015b): EnEV-XL 5.1, Ver­si­on 5.1, Online unter: https://www.iwu.de/veroeffentlichungen/fachinformationen/energiebilanzen/informationen-enev-xl/

Janz­ing, B. (2011): Wär­me­pum­pen wer­den teu­er. Online unter: http://www.taz.de/!5115753/ (Zugriff am 23.06.2017).

KfW (2008–2017): För­der­re­por­te. Online unter: https://www.kfw.de/KfW-Konzern/%C3 %9Cber-die-KfW/Zahlen-und-Fakten/KfW-auf-einen-Blick/F%C3 %B6rderreport/ (Zugriff am 17.08.2018).

Lam­brecht, K. (2018): Ein­spa­rung von End­ener­gie und CO2 beim Erset­zen alter Heiz­kes­sel durch Brenn­wert­kes­sel – eine detail­lier­te Betrach­tung von Ein­spar­po­ten­tia­len in Abhän-gig­keit der Aus­gangs­la­ge, beauf­tragt von Bun­des­ver­band Erneu­er­ba­re Ener­gie e.V. BEE, 1.3.2018

Lan­des­in­nungs­ver­band des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks Baden-Würt­tem­berg (2011): Erhe­bun­gen des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks für 2010. Sankt Augus­tin.

Lan­des­in­nungs­ver­band des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks Baden-Würt­tem­berg (2017): Erhe­bun­gen des Schorn­stein­fe­ger­hand­werks für 2016.

Lang­niß, O., Aretz, A., Böh­nisch, H., Gru­ber, E., Manns­bart, W. und Rag­witz, M. (2004): Eva­lu­ie­rung von Ein­zel­maß­nah­men zur Nut­zung erneu­er­ba­rer Ener­gien (Markt­an­reiz­pro­gramm) im Zeit­raum Janu­ar 2002 bis August 2004. Stutt­gart, Karls­ru­he.

Lang­niß, O., Schül­ler, M., Koh­berg, T., Wühl­beck, H.-F., Nast, M., Pehnt, M., Frick, S., Drück, H., Strei­cher, E., Hart­mann, H. und Rei­sin­ger, K. (2010): Eva­lu­ie­rung von Ein­zel­maß­nah­men zur Nut­zung erneu­er­ba­rer Ener­gien im Wär­me­markt (Markt­an­reiz­pro­gramm) für den Zeit­raum 2009 bis 2011. Eva­lu­ie­rung des För­der­jah­res 2009. Stutt­gart.

Loga, T. und Imkel­ler-Ben­jes U. (1997): Ener­giepaß Heizung/Warmwasser, Insti­tut Woh­nen und Umwelt GmbH, Darm­stadt, März 1997

Loga, T. et al (2007): Quer­schnitts­be­richt Ener­gie­ef­fi­zi­enz im Wohn­ge­bäu­de­be­stand – Tech­ni­ken, Poten­zia­le, Kos­ten und Wirt­schaft­lich­keit. Stu­die im des Insti­tut Woh­nen und Umwelt GmbH Auf­trag des Ver­ban­des der Süd­west­deut­schen Woh­nungs­wirt­schaft e.V., Novem­ber 2007.

LUBW (2017). Bio­gas- und Bio­gas­ein­spei­se­an­la­gen. Online unter: http://www.energieatlas-bw.de/biomasse/hintergrundinformationen/biogas-und-biomethaneinspeiseanlagen

Minis­te­ri­um für Umwelt, Kli­ma und Ener­gie­wirt­schaft Baden-Würt­tem­berg (2016). Erneu-erba­re Ener­gien in Baden-Würt­tem­berg 2015. Stutt­gart. Online unter: https://um.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m‑um/intern/Dateien/Dokumente/2_Presse_und_Service/Publikationen/Energie/Erneuerbare_Energien_2015.pdf

Minis­te­ri­um für Umwelt Kli­ma und Ener­gie­wirt­schaft Baden-Würt­tem­berg (Hrsg.) (2018): Erneu­er­ba­re Ener­gien in Baden-Würt­tem­berg 2017. Ers­te Abschät­zung, Stand April 2018. Stutt­gart. Online unter: https://um.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m‑um/intern/Dateien/Dokumente/2_Presse_und_Service/Publikationen/Energie/Erneuerbare_Energien_2017_erste_Abschaetzung.pdf

Minis­te­ri­um für Umwelt, Kli­ma und Ener­gie­wirt­schaft Baden-Würt­tem­berg (2011): Erfah­rungs­be­richt zum Erneu­er­ba­re-Wür­me-Gesetz Baden-Würt­tem­berg, Stand Juli 2011. Online unter: https://um.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m‑um/intern/Dateien/Dokumente/5_Energie/Energieeffizienz/EWaermeG_BW/Erfahrungsbericht-Kabinettsfassung.pdf , Zuge­grif­fen am: 24.10.2018

Nast, M. (2012): Kurz­stu­die zur Erhö­hung des Pflicht­an­teils im EWär­meG auf 15 %, Aus­ar­bei­tung für das Umwelt­mi­nis­te­ri­um Baden-Würt­tem­berg, Juli 2012

Nast, M., Drück, H., Hart­mann, H., Kelm, T., Kiel­burg, S., Man­gold, D. und Win­ter, H. (2009): Eva­lu­ie­rung von Ein­zel­maß­nah­men zur Nut­zung erneu­er­ba­rer Ener­gien (Markt­an­reiz­pro­gramm) im Zeit­raum Janu­ar 2007 bis Dezem­ber 2008. In: For­schungs­vor­ha­ben im Auf­trag des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Umwelt, Natur­schutz und Reak­tor­si­cher­heit.

Nes­te (2015): Nes­te breaks ground on world’s first Bio LPG faci­li­ty in Rot­ter­dam. Online unter: https://www.neste.com/neste-breaks-ground-worlds-first-bio-lpg-facility-rotterdam

Öko-Insti­tut und ISI (2012) Inte­grier­tes Ener­gie- und Kli­ma­schutz­kon­zept Baden-Würt­tem­berg: Erstel­lung der Daten­grund­la­ge für den Gebäu­de­be­reich sowie die Pro­zess­ener­gien in den Sek­to­ren Indus­trie und GHD PRIMAGAS (2018): Mas­sen­bi­lan­zie­rung. Kre­feld.

Repen­ning, J., Eme­le, L., Blanck, R., Bött­cher, H., Dehoust, G., Förs­ter, H., Grei­ner, B., Harthan, R., Hen­ne­berg, K., Her­mann, H., Jörß, W., Lor­eck, C., Ludig, S., Mat­thes, F. C., Scheff­ler, M., Schu­ma­cher, K., Wieg­mann, K., Zell-Zieg­ler, C., Braun­gardt, S., Eich­ham­mer, W., Els­land, R., Flei­ter, T., Hart­wig, J., Kockat, J., Pflu­ger, B., Scha­de, W., Schlo­mann, B., Sen­s­fuß, F. und Zie­sing, H.-J. (2015): Kli­ma­schutz­sze­na­rio 2050 – 2. End­be­richt. Ber­lin, Karls­ru­he.

Schlo­mann, B. et al. (2015): Ener­gie­ver­brauch des Sek­tors Gewer­be, Han­del, Dienst­leis-tun­gen (GHD) in Deutsch­land für die Jah­re 2011 bis 2013

Schmidt, M. et al. (2017): Ener­gie- und Kli­ma­schutz­zie­le 2030, End­be­richt. Geför­dert im Rah­men des Pro­gramms Lebens­grund­la­ge Umwelt und ihre Siche­rung mit Mit­teln des Lan­des Baden-Würt­tem­berg.

SIRADOS (2017): baupreise.de – Die deut­sche Bau­preis­do­ku­men­ta­ti­on als Online Daten­bank.

Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt (2016): Mikro­zen­sus-Zusat­zerhe­bung 2014 – Bestand und Struk­tur der Wohn­ein­hei­ten; Wohn­si­tua­ti­on der Haus­hal­te – Fach­se­rie 5 Heft 1. Wies­ba­den: Sta­tis­ti­sches Bun­des­amt.

Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt Baden-Würt­tem­berg (2016): Volks­wirt­schaft­li­che Gesamt­rech­nun­gen der Län­der. Stutt­gart. Online unter: http://www.vgrdl.de/VGRdL/tbls/VGR_FB.pdf

Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt Baden-Würt­tem­berg (2018): Ener­gie­bi­lanz Baden-Würt­tem­berg 2015. Stutt­gart. Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt Baden-Würt­tem­berg (2018b): Wohn­bau: Geneh­mi­gun­gen und Fer­tig­stel­lun­gen. Stutt­gart. Online unter: https://www.statistik-bw.de/HandwBauwirtsch/Bautaetigkeit/07015111.tab?R=LA (Zugriff am 24.10.2018)

Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt Baden-Würt­tem­berg (2018c): Heiz­ener­gie in Neu­bau­ten. Stutt­gart. Online unter: https://www.statistik-bw.de/Wohnen/WkostenVerhaeltnis/BW-BT_neubautenEnergie.jsp?path=/Energie/ErzeugVerwend/ (Zugriff am 24.10.2018)

Sta­tis­ti­sches Lan­des­amt Baden-Würt­tem­berg (2018d): Nicht­wohn­bau: Geneh­mi­gun­gen und Fer­tig­stel­lun­gen. Online unter: https://www.statistik-bw.de/HandwBauwirtsch/Bautaetigkeit/07015051.tab?R=LA (Zugriff am 24.10.2018)

Sta­tus­be­richt Kom­mu­na­ler Kli­ma­schutz (2018): Sta­tus­be­richt kom­mu­na­ler Kli­ma­schutz­be­richt, KEA Kli­ma­schutz- und Ener­gie­agen­tur Baden-Würt­tem­berg. Her­aus­ge­ge­ben vom Minis­te­ri­um für Umwelt, Kli­ma und Ener­gie­wirt­schaft. Down­load https://um.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m‑um/intern/Dateien/Dokumente/2_Presse_und_Service/Publikationen/Klima/Statusbericht_kommunaler_Klimaschutz_2018-08_Langfassung.pdf . Zugriff 25.7.2018

Stein­bach, J. (2015): Modell­ba­sier­te Unter­su­chung von Poli­tik­in­stru­men­ten zur För­de­rung erneu­er­ba­rer Ener­gien und Ener­gie­ef­fi­zi­enz im Gebäu­de­be­reich. Stutt­gart: Fraun­ho­fer Ver­lag.

Stui­ble, A., Zech, D., Wül­beck, H.-F., Sper­ber, E., Nast, M., Hart­mann, H., Rei­sin­ger, K., Budig, C., Oro­za­liev, J., Pag, F., Vajen, K., Erler, R., Jan­cz­ik, S., Kalt­sch­mitt, M. und Nie­der­ber­ger, M. (2016): Eva­lu­ie­rung von Ein­zel­maß­nah­men zur Nut­zung erneu­er­ba­rer Ener­gien im Wär­me­markt (Markt­an­reiz­pro­gramm) für den Zeit­raum 2012 bis 2014. Eva­lu­ie­rung des För­der­jah­res 2014. Stutt­gart.

Son­ne, Wind & Wär­me (2015): Brauch­was­ser­wär­me­pum­pen – Energie-Datenbank.eu. Online unter: http://www.energie-datenbank.eu/?category=54eaeb24edc3e8775bd935d6&subcategory=54eaeb44edc3e8777e3fca88

TGA Fach­pla­ner (2013): 2012: 3 % mehr Wär­me­er­zeu­ger ver­kauft. Online unter: https://www.tga-fachplaner.de/Archiv/Newsletter-Archiv/article-395908–115954/2012–3‑mehr-waermeerzeuger-verkauft-.html (Zugriff am 15.08.2018).

Tham­ling, N., Pehnt, M. und Kirch­ner, J. (2015): Hin­ter­grund­pa­pier zur Ener­gie­ef­fi­zi­enz­stra­te­gie Gebäu­de.

Umwelt­bun­des­amt (2018): Erneu­er­ba­re Ener­gien in Deutsch­land. Daten zur Ent­wick­lung im Jahr 2017. Des­sau-Roß­lau. Online unter: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/376/publikationen/180315_uba_hg_eeinzahlen_2018_bf.pdf

Ver­brau­cher­zen­tra­le NRW (2017): Ent­wick­lung der Ener­gie­prei­se in den zurück­lie­gen­den Jah­ren. Online unter: http://www.verbraucherzentrale.nrw/link1125445A.html (Zugriff am 25.08.2017).

Zen­trum für Umwelt­be­wuss­tes Bau­en e.V. (2009): Kata­log regio­nal­ty­pi­scher Mate­ria­li­en im Gebäu­de­be­stand mit Bezug auf die Bau­al­ters­klas­se und Ablei­tung typi­scher Bau­tei­lauf­bau­ten. Kas­sel

Anhang

Anhang Eva­lua­ti­on EWär­meG 2015

Impressum

Autoren

Dr. Mar­tin Pehnt, ifeu (Gesamt­pro­jekt­lei­tung)
Uta Weiß, ifeu
Dr. Sara Fritz, ifeu
Domi­nik Jes­sing, ifeu
Julia Lem­pik, ifeu
Peter Mell­wig, ifeu
Micha­el Nast, ifeu

Dr. Veit Bür­ger, Öko-Insti­tut
Tan­ja Kenk­mann, Öko-Insti­tut
Jana Zie­ger, Öko-Insti­tut

Dr. Jan Stein­bach, Fraun­ho­fer ISI

Klaus Lam­brecht, ECONSULT Lam­brecht Jung­mann Part­ner­schaft

Lauf­zeit des Vor­ha­bens

Febru­ar 2017 – Okto­ber 2018

Erschei­nungs­jahr 2018

Auf­trag­ge­ber Minis­te­ri­um für Umwelt, Kli­ma und Ener­gie­wirt­schaft Baden-Würt­tem­berg

ifeu Im Wei­her 10 69121 Hei­del­berg Tele­fon +49 (0)6 221. 47 67–0 E‑Mail ifeu@ifeu.de www.ifeu.de

Scroll to top